Samstag, 11. August 2018

„Auf Hirschberg kommen durch Pfenning nur Nachteile zu.“

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Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 15. April 2010. Das alte Verkehrsgutachten zum Hirschberger Gewerbegebiet wirft viele Fragen auf. Wir haben den Gemeinderat GĂŒnther Heinisch (BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen) dazu interviewt.

GĂŒnther Heinisch ist eigentlich Diplom-Psychologe, hat sich aber im Zusammenhang mit der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung intensiv mit den Kreisverkehren in den Gewerbegebieten befasst.

Interview: Hardy Prothmann

Herr Heinisch, Sie haben sich das alte Gutachten aus dem Jahr 2000 angeschaut. Was fÀllt Ihnen auf?
GĂŒnther Heinisch: „Das Gutachten aus dem Jahr 2000 ist insofern interessant, als dieses Gutachten unmissverstĂ€ndlich aussagt, dass der Hirschberger Kreisel den Verkehr nicht mehr bewĂ€ltigen kann – fĂŒr den Fall, dass Hirschberg das Gewerbegebiet Nord erschließt. Die Leistungsstufe wird eindeutig mit E bewertet. Das ist die schlechteste von allen und bedeutet erhebliche Verkehrsprobleme und erhebliche Wartezeiten fĂŒr alle Teilnehmer.“

GrĂŒnen-Gemeinderat GĂŒnther Heinisch. Bild: BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen

Aber in dem Gutachten wird auch darauf hingewiesen, dass ein Bypass dies lösen könnte.
Heinisch: „Es wird darauf hingewiesen, dass ein Bypass Verbesserungen bringen könnte. Von einer guten Lösung der Gesamtsituation sagt auch dieses Gutachten nichts. Interessant ist, dass das Gutachten behauptet, der Verkehr wĂŒrde sich gleichmĂ€ĂŸig verteilen. Wenn dem so wĂ€re, wĂŒrde ein Bypass im SĂŒdosten, also zwischen dem Gewerbegebiet Hirschberg und der L541 die erhoffte Entlastung nicht in dem Umfang bringen wie beschrieben. DarĂŒber hinaus stellt das Gutachten zweifelsfrei fest, dass eine Bypass auf der gegenĂŒberliegenden „Westschiene“, also von der Autobahn A5 in Richtung Heddesheim keinen positiven Einfluss auf die Verkehrssituation hĂ€tte und deshalb erst gar nicht weiter untersucht wurde.“

Die ergĂ€nzende Stellungnahme zum „Pfenning“-Gutachten behauptet aber, dass der Kreisverkehr noch die Stufe D erreicht und ein Bypass eine deutliche Verbesserung herbeifĂŒhren wĂŒrde. Haben Sie eine ErklĂ€rung dafĂŒr?
Heinisch: „DafĂŒr habe ich keine ErklĂ€rung, die muss ich auch nicht haben. Das sind WidersprĂŒche, die der Gutachter dringend erklĂ€ren muss. Zudem hat der Verkehr seit 2000 deutlich zugenommen. In dem ersten Gutachten spricht der Gutachter selbst von 11.000 Fahrzeugen in 24 Stunden, die ĂŒber den Hirschberger Kreisel laufen. Das neue Gutachten hat angeblich 12.000 Fahrzeuge gezĂ€hlt, die ungefĂ€hr hĂ€lftig von und zu diesem Kreisel kommen. Das ist der Ist-Zustand ohne Pfenning-Lkw und ohne den zusĂ€tzlichen Mitarbeiter-Pkw-Verkehr.“

Der Verkehr wird am Hirschberger Kreisel regelmĂ€ĂŸig zusammenbrechen.

Das bedeutet nun: Bei einer zusÀtzlichen Belastung bricht der Verkehr zusammen?
Heinisch: „Wenn man sich diese Prognosen anschaut, mĂŒsste der Verkehr am Hirschberger Kreisel regelmĂ€ĂŸig zusammenbrechen. Vor allem, da das alte Gutachten bereits bei einer Erschließung von Hirschberg Nord mit nur 9 Hektar davon ausgeht. In Heddesheim sind zunĂ€chst 19,5 Hektar fĂŒr die Bebauuung vorgesehen und man darf nicht vergessen, dass bis 2020 nochmals 15 weitere „Pfenning“-Hektar hinzukommen können.“

Mal angenommen, der Verkehr bricht dort regelmĂ€ĂŸig zusammen, was ist die Folge?
Heinisch: „Die Folge ist ein RĂŒckstau in alle Himmelsrichtungen und damit auch auf beiden Seiten der A5 ein RĂŒckstau, der die desolate Verkehrslage in beiden Richtungen noch verschĂ€rfen wird. Positiv, aber ein wenig paradox könnte sein, dass wenn alles steht, der Profiteur die Gemeinde Hirschberg sein wird. Denn wenn alles steht, kommt dort ĂŒber die L541 erstmal kein zusĂ€tzlicher Verkehr auf die B3 durch die Ortschaft.“

Was wÀre eine Lösung?
Heinisch: „Die Standardlösung bei solch einem Problem ist die Aufweitung des Kreisverkehrs, um den Kreisel leistungsfĂ€higer zu machen. Deswegen wurde auch die Empfehlung fĂŒr die Maße eines solchen Kreisverkehrs wesentlich verĂ€ndert. FrĂŒher dachte man, 35 Meter seien ausreichend. Das ist das Maß der beiden bestehenden Kreisel. Seit 2006 lautet die Empfehlung jedoch 45 Meter Außendurchmesser, also gut 25 Prozent grĂ¶ĂŸer.“

Die Standortgunst des Gewerbeparks Hirschberg wird stark beeintrÀchtigt.

Sie haben die RĂŒckstaulĂ€ngen im alten Gutachten angesprochen. Was sagt das „Pfenning“-Gutachten dazu?
Heinisch: „Im Pfenning-Gutachten gibt es keinerlei Informationen zu StaulĂ€ngen. Auch das haben wir ohne Kenntnis des alten Gutachtens kritisiert. Im neuen Gutachten wird ein sehr enger Blick auf die Verkehrssituation gelegt, der möglichst wenig erkennen möchte. Wir haben immer eine Betrachtung der Wechselwirkung zwischen den Kreiseln gefordert. In diesem Zusammenhang wĂ€re eine Information ĂŒber mögliche StaulĂ€ngen Ă€ußerst interessant. Im alten Gutachten wird bei weniger Verkehr StaulĂ€ngen zwischen 110 und 200 Metern prognostiziert. Hier heißt es deutlich: „Die Standortgunst des Gewerbeparks ist stark beeintrĂ€chtigt.“

Mal angenommen, der Widerspruch der Gutachten interessiert die BefĂŒrworter nicht im geringsten, wovon auszugehen ist. Was ist die Folge?
Heinisch: „Sollte Pfenning in dieser Form kommen, wird die Belastung nach dem neuen Gutachten D sein, was nicht zu erklĂ€ren ist. Das alte nannte als Leistungsstufe beim Ausbau von Hirschberg Nord E. Wenn also das Heddesheimer Gebiet mit Pfenning vor Hirschberg Nord entwickelt sein wird, sehe ich keine Entwicklungsmöglichkeit mehr fĂŒr Hirschberg Nord. Diesen zusĂ€tzlichen Verkehr können die Kreisel auf keinen Fall mehr aufnehmen.“

Hirschberg wird durch Pfenning nur Nachteile haben.

Welche Probleme erkennen Sie noch?
Heinisch: „Im Verein mit BĂŒrgermeister Just fordern die GrĂŒnen ja schon von Anfang an, einen grĂ¶ĂŸeren Verkehrsraum zu betrachten und einen ganzheitlichen Blick auf die sich entwickelnde Verkehrssituation zu richten. Besonders Hirschberg wird Probleme haben, bei der Topographie, also der Lage ihres Kreisels, diesen aufzuweiten. Das wird mit erheblichen Erdbewegungen einhergehen mĂŒssen, weil der sehr hoch liegt und entsprechende AufschĂŒttungen gemacht werden mĂŒssten. Diese Arbeiten werden selbstverstĂ€ndlich ĂŒber eine lĂ€ngere Zeit das Hirschberger Gewerbegebiet erheblich einschrĂ€nken, da Bauarbeiten immer den Verkehr behindern. Hirschberg hat nur Nachteile durch Pfenning.“

Sehen Sie angesichts der WidersprĂŒche das Potenzial fĂŒr weitere EinwĂ€ndungen?
Heinisch: „Ja, aber die Zeit ist knapp, die Frist lĂ€uft am Freitag, 12:00 Uhr ab. Trotzdem könnte ein Einwand lauten, dass die widersprĂŒchlichen Gutachten keine verbindliche Aussage zulassen und ein neues Gutachten von einem anderen Gutachter erstellt werden muss.“

Sie haben in der Vergangenheit das Gutachten mehrmals als sehr „wohlwollend“ bezeichnet. Bleiben Sie nach Kenntnis des alten Gutachtens bei dieser EinschĂ€tzung?
Heinisch: „SelbstverstĂ€ndlich. Wie sonst sollen die WidersprĂŒche erklĂ€rt werden?“

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.