Freitag, 27. Juli 2018

Frauen und ihre Gärten – vier Geschichten

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Guten Tag!

Hirschberg, 07. Juni 2010. Von klein und verwinkelt bis hin zu großflächig und eben: In der Veranstaltungsreihe „Frauen in Hirschberg“ öffneten vier „Gärtnerinnen“ ihre vielfältigen Gärten der Öffentlichkeit. Dabei stellen sich unterschiedliche Gemeinsamkeiten heraus.

Von Jule Kuhn-Weidler

Andrea Müller-Bischoffs Garten ist klein aber fein. Sie ganz allein pflegt ihre größte Leidenschaft.

Leidenschaft und Tradition

Ein Teich gehört dazu.

Schon der erste Blick lässt darauf schließen, welche Vorliebe Sie in ihrem 350 m-² großen Garten hat. Rosen in allen Varianten, Formen und Farben.

Besonders die alten Rosen haben es ihr angetan. Sie beginnt die reichlich vorhandenen historischen Hintergründe der Rose aufzuzählen. „die Rose galt schon immer als Königin der Blumen. Schon in der Antike war sie das Zeichen von Grazie und Anmut aber auch von Furchtlosigkeit und Wildheit.

Die Mythologie dieser Blumenart weckt letztendlich die volle Begeisterung von Andrea, als Sie im Jahr 2000 in ihr Heim am Hang von Leutershausens einzog. Die 30 verschiedenen Rosensorten verteilen sich im ganzen Garten.

Außer in dem kleinen Beet für Nutzpflanzen und dem kreuzförmigen Kräuterbeet. Überall wird wieder auf Traditionen zurückgegriffen. In Klöstern wurden Kräutergärten immer in Kreuzform angelegt, um die heilige Kraft entfalten zu können.

Die Entspannung findet sie selbstverständlich in ihrer Gartenarbeit, wenn sie zum Beispiel unter Stress steht, hilft ihr eine halbe Stunde im Garten, um den Ballast wieder abzubauen.

Sie fügt hinzu, dass man bei einer Leidenschaft eben auch manchmal leiden muss. Der große Aufwand und die geopferte Zeit lohnen sich allerdings, denn das Ergebnis ist beeindruckend.

Systematischer Aufbau und das Wechselspiel der verschiedenen Pflanzensorten sorgen für eine tolle Artenvielfalt. Andrea Müller-Bischoff beschreibt dies als den Kreislauf der Natur. Dieser natürliche Kreislauf soll noch ausgebaut werden, eben durch den Anbau mehrerer verschiedener Pflanzenarten.

Kreislauf der Natur ist Glück

Genau dieser Kreislauf, von Tier zu Pflanze und das daraus resultierende Wachstum, ist auch Hannelore Rothbarth wichtig.

Nun jedoch auf größerer Fläche. Etwa 2000m-² fasst das Gelände in der Nähe des Grossachsener Tennisplatzes. Auf dieser Fläche findet man alles was in einen Garten gehört: Kartoffeln, Salat, Erdbeeren, Johannisbeeren, Obstbäume, Gartenhäuschen, Sitzecke und wieder viele Sträucher Rosen.

Blütenpracht.

Insgesamt, erzählt Hannelore glücklich, seien es wohl 200 Rosensträucher und davon 100 historische Rosenarten. Sie und ihr Mann sind nicht mehr berufstätig und schon dadurch lässt sich erklären, warum der Garten so prachtvoll aussieht. Denn jeden Tag pflanzen, schneiden und werkeln die beiden im Garten.

Um diese Zeit wieder wettzumachen, ist das Ehepaar Selbstversorger, und das den ganzen Sommer über. Der Garten ist in drei Teile untergliedert. Sozusagen eine Drei-Felderwirtschaft. Alle drei Jahre werden diese Teile neu bepflanzt.

Während ich all diese Informationen erfahre, merkt man der Frau mit dem Strohhut und dem unentwegten Lächeln auf den Lippen an, wie glücklich sie ist.

Ihr Pachtgarten, den sie nun schon seit 10 Jahren besitzt, ist ein Wunsch, den sie sich erfüllen konnte. Der Spaß und die Liebe mit der sie ihren Garten beschreibt und zu jeder Rose den passenden Namen weiß, sind beeindruckend.

„Die pure Entspannung ist eigentlich eine Art Meditation“, sagt sie. Und dann wird es philosophisch. Dass sie es bewundernswert und interessant findet, wenn man die Pflanzen leben und sterben sieht. Man lernt das Leben und wann man welche Dinge zu zulassen hat.

Der vollkommen ökologisch angelegte Garten ist naturnah und trotzdem sehr vielfältig. Hannelore erzählt weiter und ich erfahre, dass sie schon als kleines Kind im Garten ihrer Mutter immer selbst einen Quadratmeter bepflanzen durfte, mit allen Kräutern und Setzlingen, die sie finden konnte.

Der bunte fröhliche Garten ist komplett, wie die Personen, denen er gehört: gut gelaunt, gemütlich, liebevoll.

Der Traum eines eigenen, großen Gartens wurde wahr und damit ein Platz zum Leben. Feste, grillen und gemütliches Kaffeetrinken, sind wohl keine Seltenheit. Ein Garten, in dem die Herzen der Eheleute stecken.

Einzigartige Geschichten

Der wohl „ordentlichste“ Garten liegt im südlichen Neubaugebiet von Leutershausen. Hier wohnt Ursula Bock mit ihrer Familie.

Voller Geschichten.

Das Haus stammt allerdings schon aus den 50-er Jahren und der dazugehörende große Garten war damals, wie typisch, komplett als Nutzfläche verwendet.

Obstbäume- und Sträucher reihten sich aneinander und wurden zum einen zum Eigenbedarf zum anderen auch für Verarbeitungszwecke abgegeben. Heute ist die ganze Fläche mit Wiese überzogen und an den Rändern herrscht eine „ordentliche Unordnung“.

Viele verschiedene Blumensorten tummeln sich hier aneinander. Vereinzelt stehen einige Bäume auf der Wiese. Als eine Straße durch das Gelände gezogen werden musste, wurde sogar eine Gartenarchitektin beauftragt eine schöne Trennung zur Straße zu zaubern.

Ein toller Anblick, der einem sofort ins Auge sticht, ist der große Strauch Pfingstrosen. Sie blühen direkt im Blickfeld von der Terrasse aus strahlend weiß.

Gerade diese Farbakzente machen diesen Garten so interessant. Aus dieser Sicht sieht man auch rechts ein Häuschen, das früher als Hühnerhaus genutzt wurde, heute mit stilistischen Jugendstilfenstern als Handwerkerhäuschen dient.

Herr und Frau Bock arbeiten leidenschaftlich im Garten und opfern für dieses Hobby auch sehr gerne ihre Zeit. Besonderheiten in diesem Garten sind wohl der Taschentuchbaum oder auch eine Myrte.

Vor etwa 25 Jahren bekam Frau Bock eine Ansteckblume und diese Blume pflanzte sie in ihren Garten. Heute ist diese damalige Ansteckblume ein gewaltiger Strauch, der kräftig blüht und gedeiht. Die vielen historischen und persönlichen Geschichten machen den Garten sehr einzigartig.

Unzählige Lebensabschnitte sind in diesem Garten zusammengefasst und werden daher auch stolz von Frau Bock berichtet. Die Offenheit und Freundlichkeit ist hier ganz natürlich und die gute Stimmung lässt einen den Blick auf die Beete genießen.

Als Tipp für eine erfolgreiche Gartenarbeit sagt Herr Bock lachend: „Gebraucht werden nur die Hände.“ Sieht man diese Gärten, wünscht man sich doch gleich, selbst diese Leidenschaft zu beginnen. Denn diese Gärten sind pure Schönheit. Der Aufwand zahlt sich wirklich aus.

Der Garten als Spiegel der Seele

Und dann wäre da noch Irmgard Mohr.

Früher arbeitete sie in einem Antiquitätengeschäft und erst nach und nach, genauer gesagt über 35 Jahre hinweg, entstand ihr Natur-Bauerngarten. Sie verbringt viel Zeit in ihrem Garten, meint jedoch dass es mittlerweile Knochenarbeit ist mit dem Ergebnis, etwas Schönes entstehen zu lassen.

Der Garten als Spiegel der Seele.

Und genau darin sieht Irmgard auch die Entspannung. Nämlich beim Zusehen einer wachsenden, gedeihenden Pflanze zu etwas Schönem. Diese positive Energie möchte sie hervorheben, um negative Einflüsse der Umgebung zu vergessen und die persönliche Ausgelassenheit und Bestätigung wiederzubekommen.

Weitere Mittel wie sie negative Einflüsse bewältigen will, sind Feng Shui und der Segen des katholischen Pfarrers. Er wird bald bei ihr erscheinen und den Garten segnen um die negative Stimmung von den Blumen verschwinden zu lassen.

Bei näherem Betrachten fallen kleinere Details aus Feng Shui in Irmgards Garten auf. Zum Bespiel gibt es ein Rondelle am Ende des Gartens, das allerdings zu beiden Seiten geöffnet ist, um die Energie rein- und rausfließen zu lassen.

Mitten auf dem Rasen steht ein Obelisk, denn die negative Beeinflussung verläuft zu der Spitze des Obelisken und verteilt sich nicht auf den gesamten Garten.

Überhaupt findet man in ihrem Garten viele versteckte Details. Hier ein Froschkönig, dort eine Porzellanente auf einem Stein. Der Garten lädt einen dazu ein, sich wohl zu fühlen. Das viele Licht, der tolle Blick auf die Rheinebene und die gemütliche Terrasse runden den wilden Garten ab.

Die humorvolle, sensible, vielleicht auch etwas chaotische Frau sieht sich selbst in ihrem Garten: „Ja mein Garten spiegelt meine Seele und gibt meinen Charakter wieder. Ich möchte einfach in Frieden leben.“

Rückblick nach dem Einblick

Nach einem langen Aufenthalt in diesem Garten, verwöhnt mit frischen Laugenbrötchen und Quark ziehe ich mein Resumée aus den gewonnen Einblicken der Gärten.

Alle diese Frauen haben dieselben Ansprüche für ihren Garten, nämlich die wachsende Schönheit der Natur. Die Umsetzung ist jedoch komplett verschieden.

Jede legt wert auf einen anderen Part. Ob Tradition, Esotherik oder Liebe, bei diesen Gärten ist die Umsetzung ganz besonders gelungen.

Eine weitere Gemeinsamkeit: Alle besitzen einen Teich, was man wohl als „must have“ für einen schönen Garten bezeichnen kann. Froschkonzert oder Goldfischschwarm, die Idylle für einen traumhaften Garten ist hiermit gegeben.

Anmerkung der Redaktion:
Die Gymnasiastin Jule Kuhn-Weidler (17) absolviert neben der Schule ein Praktikum bei uns und hat heute von uns ein großes Lob erhalten, weil sie sehr talentiert ist :-).

Die Schule geht vor – aber wenn freie Zeit vorhanden ist, bieten wir jungen Menschen einen Einblick in die journalistische Arbeit. Eventuell wollen sie selbst mal einen „Kommunikationsberuf“ ergreifen oder sind einfach nur neugierig, wie journalistische Geschichten und Nachrichten entstehen.
Das nächste Praktikum bieten wir ab Mitte September 2010 an. Die Praktikumszeit erstreckt sich über drei bis vier Monate – je nach den zeitlichen Möglichkeiten der PraktikantInnen. Inhalte sind mindestens das Schreiben von Artikeln, eine kleine Rechtskunde, Fotografieren, Recherche, die Produktion der Informationen im Internet und die Vermittlung von Medienkompetenz.
Wer sich für ein Praktikum interessiert, schreibt eine formlose email an: redaktion@hirschbergblog.de

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.