Montag, 13. August 2018

Verkehrschaos: „Die Planung war vollkommen unkoordiniert.“

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Guten Tag!

Hirschberg, 16. Juli 2010. Der Großsachsener Egon MĂŒller (GLH) kritisierte im Ausschuss fĂŒr Umwelt und Technik am 13. Juli 2010 massiv die Behörden fĂŒr das Verkehrschaos rund um den zweigleisigen Ausbau der OEG. BĂŒrgermeister Manuel Just stimmte der Kritik zu – auch die Hirschberger Verwaltung sah sich schlecht informiert: „Wenden Sie sich an den Abgeordneten ihres Vertrauens“, sagte Just.

Interview: Hardy Prothmann

ATU-Mitglied Egon MĂŒller kritisiert die Behörden wegen des Verkehrschaos durch den OEG-Ausbau. Bild: hirschbergblog

Herr MĂŒller, Sie haben im ATU das Verkehrschaos im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der OEG-Trasse kritisiert. Was war nicht in Ordnung?
Egon MĂŒller: „Die Planung war vollkommen unkoordiniert. Verantwortlich dafĂŒr sind wohl das Verkehrsamt, VRN, die Baufirma und auch die Polizei. Die Ausschilderung war schlecht und ist jetzt etwas besser, aber immer noch nicht gut. Die Information der Öffentlichkeit war praktisch nicht vorhanden. Das konnte man besonders schön in der Rhein-Neckar-Zeitung sehen, die am 01. Juli 2010 einen Artikel ĂŒber Bauarbeiten vom 21. Juni bis 02. Juli brachte. Im Mitteilungsblatt kam die Informtion mit der Ausgabe vom 02. Juli 2010, also als die Baumaßnahmen im sĂŒdlichen Bereich gerade zu Ende waren! Das wĂ€re lĂ€cherlich, wenn es nicht so ein wichtiges Thema wĂ€re. Und ich nehme an, dass auch die Odenwald-Gemeinden Weinheims entsprechend schlecht informiert waren.“

Wo sehen Sie die Hauptverantwortung?
MĂŒller: „SelbstverstĂ€ndlich bei der Verkehrsbehörde des Landratsamts.“

Sehen Sie die Gemeinde in der Verantwortung?
MĂŒller: „Nach meiner Kenntnis ist Herr BĂŒrgermeister Just ebenso unzureichend informiert worden wie die Öffentlichkeit. Die Gemeinde hat nach den ersten Chaostagen entsprechend reagiert und zumindest mit dem Tor am Haagackerweg fĂŒr eine kleine Entlastung gesorgt, weil dann wenigstens die Lkw nicht durch den Ort fahren konnten. Der Baustellenbeauftragte Dr. ThĂŒnker hat sich wie Herr Just auch sehr viel MĂŒhe gegeben und die Beschwerden der Anwohner ernst genommen.“

Das hört sich nett an – Sie wurden die Beschwerden los. Aber glauben Sie, dass sich in Zukunft tatsĂ€chlich etwas Ă€ndert?
MĂŒller: „Ich denke, es Ă€ndert sich dann was, wenn die Koordination der Behörden besser funktionieren wĂŒrde. Was absolut gefehlt hat, waren Kontrollen. Zwar ist nach den Protesten und den Medienberichten die Polizei dann noch aufgetaucht, allerdings viel zu spĂ€t. Völlig absurd war, dass die Beamten bei einer „Kontrolle“ selbst die Anwohner nicht mehr in den Haagackerweg fahren ließen. Die Autofahrer wurden aber nur informiert, dass jemand ein Knöllchen bekommen hat, ist nicht bekannt. Nachdem die Beamten weg waren, ging es weiter wie zuvor.“

Breitgasse: RĂŒckstau soweit das Auge reicht. Die Ampel lĂ€sst immer nur vier, fĂŒnf Fahrzeuge durch. Bild: hirschbergblog

TatsĂ€chlich sind aber auch bestimmt viele Hirschberger, die sich hier auskennen, ĂŒber die Schleichwege gefahren. Was halten Sie davon?
MĂŒller: „Wenn es nur die Hirschberger gewesen wĂ€ren, hĂ€tte man das zĂ€hneknirschend aushalten können. Wie gesagt, lĂ€uft aber der gesamte Odenwaldverkehr aus den Weinheimer Ortsteilen durch den Ort und in dieser Zeit ĂŒber die Schleichwege.“

Aktuell ist die B3 ab der Kreuzung Breitgasse/B3 Richtung Norden gesperrt. Wo findet das Chaos jetzt statt?
MĂŒller: „Hier verteilt sich der Verkehr auf Jahnstraße und Brunnengasse beispielsweise, es ist nicht ganz so schlimm wie bei der sĂŒdlichen Baustelle. Man kann aber jeden Tag und vor allem abends beobachten, wie Autos durch die abgesperrte Baustelle rasen.“

Haben Sie das GefĂŒhl, dass die Koordination nach der massiven Kritik besser geworden ist?
MĂŒller: „Es wurde bei den Schildern nachgebessert. Die Ampelschaltung an der Breitgasse ist anscheinend inzwischen so eingestellt, dass nur vier, fĂŒnf Autos links abbiegen können. Der Verkehr staut sich hunderte von Metern und dann nehmen viele wieder den Schleichweg ĂŒber die Kirchgasse, die nur fĂŒr Anlieger ist. Hier werden tĂ€glich die Schulkinder gefĂ€hrdet – bis jetzt gabs glĂŒcklicherweise noch keinen Unfall.“

Zur Person:
Egon MĂŒller ist beratendes Mitglied im Ausschuss fĂŒr Technik und Umwelt (ATU) als Vertreter der GLH. Als Anwohner des Haagackerwegs war er vom ersten Verkehrschaos Ende Juni/Anfang Juli selbst direkt betroffen.
In der ATU-Sitzung vom 13. Juli 2010 kritisierte er massiv die schlechte Leistung der beteiligten Behörden und Firmen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.