Freitag, 27. Juli 2018

Porträt Uli Sckerl: „Respektsperson im T-Shirt“

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Guten Tag

Hirschberg, 30. September 2010. „Mein Kleiner interessiert sich total für Politik“, sagt der grüne Landtagsabgeordnete scherzhaft über seinen zweijährigen Sohn, den er ab und an zu Veranstaltungen mitnimmt, wenn die Mama keine Zeit hat. Unsere Praktikantin Jule Kuhn-Weidler hat den Mann getroffen und drei Tage begleitet, um ein Porträt über den Politiker und den Menschen Sckerl zu schreiben.

Von Jule Kuhn-Weidler

Lässt sich ungern fotografieren - tut das selbst aber gerne: Uli Sckerl. Bild: GAL

Ich hatte ganze drei Tage Zeit, die Person Uli Sckerl kennenzulernen. Mein Auftrag: Verfasse ein Porträt über den Landtagsabgeordneten.

Um also vorinformiert zu sein, durchforstete ich das Internet nach Eckdaten: geboren am 28.April 1951 in Weinheim (heute also 59 Jahre alt), Abitur, studierte Jura und Volkswirtschaftslehre.

Früher Einsatz.

In seiner Zeit als junger Erwachsener rückte das Thema Ökologie und Umwelt immer mehr ins Bewusstsein der Menschen. Auch Uli Sckerl begann mehr und mehr bei Bürgerinitiativen mitzuwirken und sich für diese neuen Themen zu interessieren.

Als Gruppenbildung allein nicht mehr half, kam es zu der Partei, die man heute Bündnis90/Die Grünen nennt. Im Zusammenhang damit war Uli Sckerl einer der Mitgründer der GAR, der so genannten „Kommunalpolitischen Vereinigung der grünen und alternativen Räte in Baden-Württemberg“.

Seit 1984 sitzt der Grünen Politiker im Kreistag und ist dort Fraktionsvorsitzender. 1989 bis 1998 war Uli Sckerl Mitglied im Gemeinderat von Hirschberg, seit 2004 ist er im Gemeinderat von Weinheim und schließlich wird er im März 2006 in den Landtag von Baden-Württemberg gewählt.

Ein engagierter Mann also, der wohl schon eine Menge Erfahrung im Bereich Politik erlangt hat

Vorurteile.

Allerdings kann ich meine Vorurteile über Politiker nicht komplett vergessen: Man könnte denken sie laufen Tag und Nacht im Anzug herum. Sie reden in dieser „wichtigen“ Sprache, die Normalsterbliche wohl nicht verstehen sollen, und obwohl immer alle Politiker davon reden, sie seien bürgernah, interessieren sie sich doch nur für das eigene Wohl.

Uli Sckerl (links mit Sohn auf dem Arm) bei einer Protestveranstaltung in Heddesheim: "Der Kleine interessiert sich total für Politik."

Vorurteile bleiben solange Vorurteile, bis man sich ein eigenes Urteil machen kann. Meine erste Begegnung mit Uli Sckerl war kurz, aber sehr freundlich. Und alle eben genannten Vorurteile trafen nicht zu.

In seinem Stuttgarter Landtagsbüro warte ich auf den Abgeordneten. Die Tür fliegt auf und ein Mann mit grünem T-Shirt und Jeans steht in dem kleinen Büro (Vorurteil 1).

„Mein Gott, die da drüben von der SPD feiern ja ne Sause wegen dieser Umfrage“, ist sein erster Satz (Vorurteil 2).

Sein zweiter Satz zu seinem persönlichen Mitarbeiter: „Hast du schon gehört, dass wir es geschafft haben eine zweite Klasse in der Berufsschule von XY zu bewerkstelligen?“ (Vorurteil 3).

Uli Sckerl ist die nächste halbe Stunde konzertiert bei der Sache, während sein Mitarbeiter die eingegangenen E-Mails vorliest, er bleibt freundlich, lacht, scherzt.

Dann ist es Zeit für die Fraktionssitzung. Ich springe also auf und möchte dem grünen Politiker folgen, werde jedoch höflich vorgelassen.

Der Platzmacher.

Überhaupt möchte er der jungen Generation den Weg frei machen, sich mit frischen Ideen zu etablieren, erzählt er. Aufgrund dessen sei er von Ämtern im Landesvorstand der Grünen und der GAR zurückgetreten, um Platz zu machen.

Um auch die Themen des „kleinen Mannes“ in den Vordergrund zu rücken, setzt er sich seit langem für Volksentscheide ein. Zwar wurde schon 1974 der Volksentscheid rechtsgültig, allerdings kam Baden-Württemberg noch nicht in den Gebrauch dieses Gesetzes. Umso wichtiger ist es für Uli Sckerl das Gesetz zu vereinfachen, um den Volksentscheid zu erleichtern.

Die Autorin: Jule Kuhn-Weidler. Bild: jkw

Andere Themenbereiche, für die er als Innen- und Rechtspolitiker der grünen Landtagsfraktion zuständig ist, sind: Datenschutz, Bürgerrechte und Rechtsextremismus, sowie Kommunale Demokratie und Finanzen.

Mit seinem trockenen Humor und der stetig ausstrahlenden Ruhe ist das Arbeiten mit ihm wohl recht entspannt. Jedoch ihm gegenüber eine andere Meinung zu äußern, fällt schwer. Zum einen, weil man weiß, dass er selbst mit Sicherheit besser über das Thema Bescheid weiß, zum anderen weil er einfach eine besondere Respektsperson darstellt – trotz T-Shirt und lockerem Auftreten.

Der Mann ist Jurist und unglaublich gut informiert. Zu fast allen Themen hat er nicht nur eine Meinung, sondern tief greifende Kenntnisse. Das imponiert mir.

In seinem angestammten Beruf ist Uli Sckerl immer noch teilweise tätig.

„Mein Kleiner interessiert sich total für Politik.“

Sein Geburtsort ist auch sein heutiger Wohnort. Dort lebt er mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn. Sie ist evangelische Pfarrvikarin. Die 22-jährige Tochter studiert gerade Tiermedizin.

Auf die Frage, ob die Kinder sich auch für Politik interessieren, antwortet Sckerl: „Also mein Kleiner interessiert sich total für Politik. Meine Tochter hat aber nichts mit Politik am Hut. Das finde ich persönlich aber nicht so schlimm, sie studiert ja Tiermedizin, dann brauch ich später mit den Hunden nicht mehr zu einem fremden Arzt gehen. Hat also alles seine guten Seiten.“

Homepage von Uli Sckerl: Hund, Heimat, Heiterkeit. Quelle: Sckerl

Zu der Familie gehören auch die beiden Hunde. In Sckerls freier Zeit, nimmt er dann meist die Tiere mit auf einen Spaziergang, jedoch nicht ohne seine klassische alte Kamera mitzunehmen.

Dann werden Natur, Tiere oder Architektur abgelichtet. Besonders die Schwarz-Weißfotografie hat es ihm angetan.

Das „Geschaffene“ weiterführen.

Obwohl er gerne mit der Kamera umgeht und es gewohnt sein müsste vor der Kamera zu stehen, gefällt ihm das „nicht so“.

Seine Funktion als Politiker sieht er als Berufung. Und da er dieser schon lange folgt, will er das „Geschaffene“ weiter fortführen.

Am wichtigsten finde ich allerdings, dass er seinen Beruf als Ehre ansieht. Er ist immer noch ein Mensch und möchte auch nicht bevorzugt werden aufgrund seiner politischen Stellung. Ob das alles so „wahr“ ist? Wieder so ein Vorurteil über Politiker, dass sie selten die Wahrheit sagen.

Ich persönlich halte den Politiker Uli Sckerl für glaubwürdig. Aber das ist nur mein Urteil.

Jung, rockig experimentierfreudig - Jule Kuhn-Weidler.

Anmerkung der Redaktion:
Jule Kuhn-Weidler (17) ist Gymnasiastin und absolviert neben ihrem Hauptjob, der Schule, ein redaktionelles Praktikum beim hirschbergblog.
Sie stammt aus einem „politischen“ Haus – ihr Vater, Arndt Kuhn-Weidler, ist im Vorstand der Grünen Liste Hirschberg und deren Sprecher.
Von der Redaktion bekam sie den Auftrag, den Landtagsabgeordneten Hans-Ulrich Sckerl zu porträtieren sowie eine Reportage aus dem Leben eines Abgeordneten im Stuttgarter Landtag zu schreiben.
Jule hat noch eine Aufgabe vor sich, dann wird ihr Praktikum bei uns beendet sein und weil sie weiter journalistisch arbeiten will, begrüßen wir sie ab November 2010 als freie Mitarbeiterin.
Da im März 2011 Landtagswahlen anstehen und sie aus unserer Sicht eine hervorragende Arbeit abliefert, werden wir sie auf die anderen Kandidaten „ansetzen“, die sich zur Wahl stellen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.