Mittwoch, 08. August 2018

Ein emotionales Konzert – ein begeistertes Publikum

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Guten Tag

Hirschberg, 6. Oktober 2010. Der griechische Geiger Yannis Kormpetis begeisterte am Sonntag in der Alten Synagoge in Leutershausen ein leider viel zu kleines Publikum. Nur knapp 30 Zuhörer waren gekommen, um dieses ganz besondere Konzert hautnah zu erleben. Im perfekten Zusammenspiel mit dem Pianisten Triantafyllos Liotis ließ er seine Geige erbeben bis die Haare am Bogen sprangen.

Von Sabine Prothmann

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Geiger Yannis Kormpetis und Pianist Triantafyllos Liotis in der alten Synagoge.

Die „kreative“ Konzertreihe „Concerti e piÃÂč“ des Hirschberger Kulturförderkreises begann gleich mit dem „piÃÂč“, wie der musikalische Leiter Jens Schlichting betonte.- Und zwar mit der Sonate fĂŒr Violine und Klavier (1945) des Heidelberger Komponisten Ernst-Lothar von Knorr (1896-1973). Schlichting freute sich auch die Witwe des Komponisten begrĂŒĂŸen zu können.

Das Spiel der beiden jungen KĂŒnstler begann ruhig und getragen im ersten Satz. Dabei immer gefĂŒhlvoll, steigerte es sich im dritten Satz zu immer dramatischer werdenden KlĂ€ngen.

Der Bogen hĂŒpfte ĂŒber die Saiten und die Finger ĂŒber die Tasten

Bei Mendelsohn-Bartholdys (1809-1847) Sonate fĂŒr Violine und Klavier in F-Dur stiegen die beiden Musiker schon temperamentvoll ein. Pointiert ergĂ€nzten sie sich und beim Allegro vivace hĂŒfte der Bogen nur so ĂŒber die Saiten und die Finger des Pianisten ĂŒber die Tasten.

Der Applaus zur Pause war phÀnomenal, Bravo-Rufe kamen aus dem Publikum.

Nach der Pause starteten Kompertis und Liotis mit César Francks (1822-1890) Sonate fĂŒr Violine und Klavier in A-Dur. Zwei Instrumente im Dialog, Frage und Antwort. Auch hier ĂŒberzeugte wieder das Zusammenspiel der beiden Griechen.

Als letztes StĂŒck standen Bela Bartoks (1881-1945) „RumĂ€nische VolkstĂ€nze“ auf dem Programm. Mit VirtuositĂ€t und straffem und meist bruchlos dichtem Bogenstrich sowohl in der Höhe als auch in sonoren Tiefen spielte Yannis das StĂŒck des ungarischen Komponisten.

Die ganze Bandbreite der EmotionalitĂ€t von fröhlich bis tragisch, von vertraut bis fremd, von leise vertrĂ€umt bis ĂŒberbordend bewegt, holten Kompertis und Liotis aus ihren Instrumenten hervor.

Das Publikum war begeistert und hörte nicht auf zu klatschen bis die beiden KĂŒnstler eine Zugabe spielten, erst „Liebesleid“ von Fritz Kreisler, dann „Nigun“ von Ernest Bloch.

Ein toller Abschluss eines ganz großartigen Konzerts, nur schade, dass so wenig Musikliebhaber den Weg in die Alte Synagoge gefunden- haben.

Informationen zu den Musikern:

Yannis Kormpetis wurde 1980 in Griechenland geboren. Mit neun Jahren wurde er in die Geigenklasse am StĂ€dtischen Konservatorium von Kavala aufgenommen, 1995 bekam er sein Diplom im Fach Violine mit der Note „ausgezeichnet“. Anschließend, setzte er seine Studien am Neuen Konservatorium von Thessaloniki fort und erhielt 1997 sein Diplom mit der Note „ausgezeichnet“

Von 1998 bis 2006 studierte er an der Musikhochschule Karlsruhe bei Pr. Ulf Hoelscher wo er sein Orchester Musiker Diplom, wie seine KĂŒnstlerische Ausbildung und sein Solisten Examen Diplom mit der Note „ausgezeichnet“ abgeschlossen hat.

1995 gewann er den Wettbewerb fĂŒr die Belegschaft der Musiker des Mittelmeer-Jugendorchesters mit Sitz in Aix-en-provence, Frankreich. Daraufhin vertrat er Griechenland als Orchestermitglied wĂ€hrend der Konzerte in Frankreich, Ägypten, Libanon und in Holland. Im gleichen Jahr erhielt er beim Panhellenischen Wettbewerb in Athen den ersten Preis in der Kategorie fĂŒr Jugendliche im Alter von 17 bis 35 Jahren.

Er trat öfters mit Orchestern als Solist auf, wie mit dem Neue Philarmonia Hungarica, Thessaloniki Symphoniker Orchester, Korrespondenzen Ensemble von Baden Baden, Sinfonietta Sofia (Festival Salon des Arts NDK), Bacau Staatliches Orchester, NĂŒrnberger Jugendorchester, StĂ€ditschen Orchester von Kavala und sehr oft mit verschiedene Orchestern in Festivals in Griechenland, Deutschland und Frankreich. Seine Kammermusikalischen Erfahrungen hat er bewiesen mit hĂ€ufigen Auftritte in Stuttgart, Oberhausen, Karlsruhe , Baden Baden, Paris, Italien und in Griechenland nicht nur als Geiger sondern auch als Bratschist. Er besuchte zahlreiche Meisterkurse.

Seit Juni 2010 ist er kĂŒnstlerischer Leiter der Sommer Akademie fĂŒr klassische Musik in Asprovalta, Griechenland.

Yannis Kormpetis spielt auf einer Violine des bekannten MailÀnder Geigenbauers Antonio Maria Lavazza aus dem Jahre 1703.

Liotis Triantafyllos wurde 1984 in Thessaloniki, Griechenland, geboren. Seinen ersten Klavierunterricht nahm er im Alter von 6 Jahren am Konservatorium Nordgriechenlands. Im Jahre 1994 bestand er die AufnahmeprĂŒfung fĂŒr das Staatlichen Konservatorium von Thessaloniki, wo er bis 2006 als Stipendiat in der Klasse des Klavierprofessors Nikos Tasopoulos studieren durfte.

Im Jahr 2006 absolvierte er sein Studium und erhielt sein Diplom fĂŒr Soloklavier mit „vorzĂŒglich“ zn den ersten Vorzugspreis fĂŒr seine Leistung.

Er hat mehrere Solorecitale und Kammermusikkonzerte in Griechenland und im Ausland gegeben.- Sein wichtigster Auftritt fand im Jahr 2008 statt. Bei der Premiere der Saison 2008/2009 des Konzerthauses „Megaron“ in Athen, durfte er das 4. Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven interpretieren.- Er hat mehrere Werke griechischer zeitgenössischer Komponisten erstaufgefĂŒhrt und seine Aufnahmen wurden vom dritten Programm des Griechischen Staatlichen Rundfunks gespielt.

Viel Freude mit den Fotos:

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Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.