Montag, 30. Juli 2018

Gabis Kolumne

Die liebe Familie

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Guten Tag!

Hirschberg, 15. November 2010. Die liebe Familie kann man sich nicht aussuchen, meint Gabi und sie weiß, wovon sie redet. Schließlich sind die Verwandten und all die damit verbundenen Erfahrungen immer wieder Thema unter den Frauen.

Man kann sich ja bekanntlich Vieles aussuchen: Das neue Auto, das nĂ€chste Urlaubsziel, Freunde, den Mann-۩Aber was man sich definitiv nicht aussuchen kann ist die eigene Verwandtschaft oder noch schlimmer die angeheiratete.

Die Klagen ĂŒber die böse Schwiegermutter sind vielfĂ€ltig und schon oft in der Literatur thematisiert oder in Filmen verarbeitet worden. Aber auch Schwager und SchwĂ€gerin geben oft Grund zur Klage.

Vor allem die MĂŒtter von Söhnen – und ich hoffe sehr, dass ich niemals in diese Falle tappen werde – finden oft kein gutes Haar an ihrer Schwiegertochter – und umgekehrt.

Wehe die Schwiegermutter kommt! – Die Familie im Ausnahmezustand

Besonders Leid geprĂŒft ist eine gute Freundin von mir. Reist die Schwiegermutter an, wird sie automatisch krank und die ganze Familie gerĂ€t in einen Ausnahmezustand.

„Eigentlich will sie nur ihren Kronsohn sehen und der Rest der Familie, vor allem ich, sind nur ein lĂ€stiges AnhĂ€ngsel“, jammert meine Freundin. Karten und Briefe werden regelmĂ€ĂŸig nur an den „Bub“ adressiert und „wenn er abends von der Arbeit kommt macht sie sich fĂŒr ihn hĂŒbsch. Und ich kann dann die KĂŒche machen“.

„Ich werde absolut aggressiv, wenn sie anfĂ€ngt, meine KĂŒche umzurĂ€umen und tagelang nur das zu kochen, was er als Kind ja schon immer gerne gegessen hat“, erzĂ€hlt eine andere Freundin. „Gell, das mag der Hans, wenn ich seine Leibspeisen koche“, sagt die Schwiegermutter dann immer freudestrahlend.

Da sieht es eine gute Bekannte von mir schon viel entspannter: „Das ist doch prima, wenn meine Schwiegermutter kommt, bĂŒgelt sie die Hemden, putzt die Fenster und kocht. Ich sage immer nur, das machst du klasse und gehe aus dem Haus.“

„Mein Mann wird richtig gehend zum Kleinkind, wenn seine Eltern zu Besuch kommen“, erzĂ€hlte mir eine Kollegin. „KĂŒrzlich brachten sie ihm seine alte Holz-Eisenbahn mit und er hat vor Freude fast angefangen zu heulen.“

„Wenn es doch nur die Schwiegermutter wĂ€re“, klagt eine weitere Bekannte. „Meine Schwester hat uns kĂŒrzlich ihren ZukĂŒnftigen vorgestellt und das war ehrlich eine Katastrophe. Eingebildet bis zum geht nicht mehr, laut und unfreundlich – und mit so einem Menschen soll ich jetzt alle kĂŒnftigen Familienfeste verbringen, na danke.“

Bei Kritik folgt die Ehekrise

„Wenn meine SchwĂ€gerin, ihr Mann und deren drei verzogenen Kinder kommen, wĂŒrde ich am liebsten immer sofort ausziehen. Die Erwachsenen sitzen den ganzen Tag am Tisch, essen den KĂŒhlschrank und trinken den Keller leer, wĂ€hrend die Jungs das Haus verwĂŒsten. Und wehe ich lasse nur ein Wort der Kritik fallen, geraten mein Mann und ich in eine Ehekrise“, verrĂ€t mir eine Freundin.

Stein des Anstoßes kann aber auch der Schwiegervater sein. „Sitzen wir gemeinsam am Tisch meckert er stĂ€ndig an den Tischmanieren und der Wortwahl der Kinder rum. Das Essen schmeckt nicht wie bei seiner Frau und das Bier ist zu kalt. Das kann ich wirklich nur ein paar Mal im Jahr ertragen“, stöhnte eine weitere Freundin.

Da geht es mir schon viel besser denke ich, meine Schwiegereltern leben nicht mehr, was mir natĂŒrlich sehr leid tut, aber so gibt es auch keinen Grund mich ĂŒber sie zu beklagen. Mein Bruder hat eine reizende Freundin, die zwar etwas exaltiert ist, aber weit genug weg wohnt. Meinen Schwager und seine Familie sehen wir nicht wirklich oft und wenn dann gehen wir meistens zusammen in ein Restaurant.

„Schön“, sagt mein Mann, als ich ihm abends meine Gedanken mitteilte. „Und wer fragt mich, wie es mir geht, wenn deine Eltern, dein Bruder, deine Tanten und Kusinen an Weihnachten anreisen?“

„Tja, Schatz“, sage ich, „die Verwandtschaft und vor allem die angeheiratete kann man sich bekanntlich nicht aussuchen“.

Anmerkung der Redaktion: Sie finden uns bei Facebook unter Redaktion hirschbergblog.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.