Donnerstag, 02. August 2018

Die neue Homepage von Hirschberg

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Guten Tag!

Hirschberg, 29. November 2010. Am 21. November ist die neue Homepage der Gemeinde Hirschberg online gegangen. Wir haben die Website genauer unter die Lupe genommen. Insbesondere im Hinblick auf die inhaltliche wie technische Gestaltung. Unser Urteil fĂ€llt in dieser Hinsicht ĂŒberwiegend positiv aus. Doch es gibt auch kritische Anmerkungen.

Von Christian MĂŒhlbauer

Was muss eine Website in unserer heutigen Welt können? Muss alles geboten werden, was das „Web 2.0“ hergibt? Bei einer behördlichen Seite kann man das getrost verneinen. In erster Linie sollte sie optisch ansprechend, klar strukturiert und informativ sein. Eine mediale Überladung dient niemandem. Weder dem BĂŒrger, noch den Mitarbeitern, die eine solche Seite befĂŒllen sollen.

Bei der neuen Hirschberg-Homepage wurde dieser Anspruch erfĂŒllt.

homepage_hirschberg

Die neue Homepage der Gemeinde Hirschberg

Um eine PrĂŒfung der Inhalte sowie der Darstellung selbiger durchzufĂŒhren, haben wir uns in verschiedene „Besucher“ versetzt. Dies ermöglicht eine möglichst realitĂ€tsnahe Beurteilung. Alle Besucher wollen ein bestimmtes Ziel erreichen. Wir haben mit den FĂ€llen getestet, wie schnell an die relevanten Informationen gelangt wird. Nachfolgend die unterschiedlichen Besuchertypen und Fragestellungen mit anschließendem Ergebnis:

Fall 1: Ein Jugendlicher (13) möchte sich ĂŒber Freizeitangebote in der Gemeinde Hirschberg informieren

Ergebnis: Direkt von der Startseite fĂŒhrt ein MenĂŒpunkt „Freizeit & Kultur“ in die richtige Richtung. Rasch landet man auf einer sauber strukturierten Übersicht. Welche Sportarten kann in Hirschberg ausgeĂŒbt werden und wo findet sich ein entsprechender Verein dafĂŒr.

Bei der Suche nach FreizeitaktivitĂ€ten hilft ein Veranstaltungskalender. Dieser ist ausgezeichnet befĂŒllt. Die Menge an auswĂ€hlbare Kategorien erschlĂ€gt jedoch im ersten Augenblick..

Fall 2: Eine Familie mit zwei Kindern möchte in die NĂ€he von Mannheim ziehen. Auch Hirschberg ist ein mögliches Ziel. Was bietet Hirschberg fĂŒr Familien? Welche Unternehmen gibt es in Hirschberg, die zukĂŒnftige Arbeitgeber werden könnten?

Ergebnis: Über den MenĂŒpunkt Familie & Soziales gelingt erneut der Direkteinstieg in Themengebiete, die dieser Zielgruppe entsprechen. Das Angebot an Schulen, KindergĂ€rten sowie sozialen Einrichtung ist schnell erreichbar.

Falls man noch auf der Suche nach potenziellen Arbeitgebern ist, gibt es erneut den direkten Einstieg ĂŒber das MenĂŒ. Dort findet sich auch ein Verzeichnis von ortsansĂ€ssigen Unternehmen. Inklusive vollstĂ€ndiger Adresse und meist sogar Telefonnummer sowie E-Mail-Adresse. Ein großer Bonus.

Fall 3: Der Umzug nach Hirschberg ist geglĂŒckt. Jetzt gilt es, behördlichen Verpflichtungen nachzukommen. Sich als neuer BĂŒrger der Stadt anmelden, den Personalausweis Ă€ndern, die MĂŒlltonne anmelden. Aber wo?

Ergebnis: Da es sich hier um eine behördliche Angelegenheit handelt, ist sie wohl unter dem MenĂŒpunkt „Rathaus & Gemeinde“ zu finden. Der MenĂŒpunkt „Rathausformulare“ scheint zumindest einen Teil dieser Angelegenheiten online erfĂŒllen zu lassen.

BezĂŒglich Meldepflicht und allgemeiner Formulare finden sich dort tatsĂ€chlich Links. Leider fĂŒhren diese bisher ins Leere. Wie man uns von der Gemeinde Hirschberg mitgeteilt hat, werden bestehende InhaltslĂŒcken aber zeitnah geschlossen.

Ein Blick auf die Technik

Man kann es knapp ausdrĂŒcken: Das eingesetzte Content-Management-System TYPO3 ist leistungsstark und dynamisch. Insbesondere bei großen Unternehmen genießt es deshalb große Beliebtheit. Auch von der Programmierung kann die Seite ĂŒberzeugen. Es kommt wenig Java-Script zum Einsatz, die Struktur der Seite ist in optischer wie technischer Hinsicht sauber gestaltet. Ein kurzer Blick in den Quellcode bestĂ€tigt dies.

Einen kleinen Makel gibt es jedoch. Dieser betrifft insbesondere Menschen, die „mobil“ auf die Website gehen oder ĂŒber kein DSL verfĂŒgen. Die Bilder-Slideshow im Kopfbereich der Website ist nĂ€mlich nicht gut komprimiert.

So gelang es uns bei unserem Test, die DateigrĂ¶ĂŸe einzelner Bilder um bis zu zwei Drittel zu reduzieren – ohne erkennbare Einbußen bei der BildqualitĂ€t. Wie die Gemeinde uns mitgeteilt hat, werde man die Benutzung auf mobilen GerĂ€ten noch untersuchen – das halten wir fĂŒr dringend geboten, weil immer mehr Menschen ĂŒber iPhones oder andere Handys einen solchen Service verlangen.

Was man außerdem gegenwĂ€rtig noch vermisst, sind „klassische“ Web-2.0 Features. Also keine „ausgefallenen“ Dinge, sondern „Standards“. Wie uns die Gemeinde auf Anfrage mitteilte, werde ein sogenannter RSS-Feed noch folgen. Weiteres (bspw. Twitter) ist jedoch nicht geplant.

Insgesamt betrachtet ist die Homepage durchaus ein Erfolg, den BĂŒrgermeister Just und Hauptamtsleiter Michael Frank fĂŒr sich verbuchen können. Insbesondere Herr Frank stand uns nach der Veröffentlichung der Homepage umfangreich Rede und Antwort.

Preisfrage I

Ohne Frage: Die neue Homepage ist inhaltich, optisch sowie technisch sehr ansprechend und vor allem ĂŒberzeugend geworden.

Die Erstellungskosten der Homepage liegen bei 10.532 Euro zuzĂŒglich einem Leasingfaktor von 2,27 Prozent fĂŒr den Mietkauf.
Der Leasingzeitraum betrĂ€gt vorlĂ€ufig 48 Monate. Insgesamt also 11.476 Euro. Danach geht die Homepage vollstĂ€ndig in den Besitz der Gemeinde Hirschberg ĂŒber.

Zum vorbenannten Betrag mĂŒssen jĂ€hrliche Hosting- und Pflegekosten in Höhe von 2.165 -‚¬ hinzugerechnet werden.

11.476 Euro entsprechen dem marktĂŒblichen Preis fĂŒr ein derartiges Projekt.

2.165 Euro Hosting- und Pflegekosten scheinen auf den ersten Blick zwar sehr hoch. Je nach Pflege- und Hostingaufwand können diese jedoch ebenfalls gerechtfertigt sein. Immerhin entspricht dies einem monatlichen Hosting- und Pflegepreis von 180 Euro.

Meist sind bereits private Hochleistungsserver spĂŒrbar teurer. Auf KapazitĂ€ten gilt es bei einer Gemeinde-Website eher weniger zu achten. Hier dĂŒrften spezifische Anbindungen wie Service-BW den Hostingpreis definieren.

Preisfrage II

Wir haben uns natĂŒrlich auch ĂŒber die Webschmiede informiert, die die neue Homepage entworfen hat. Diese verweist großzĂŒgig auf Dutzende Referenzprojekte.

Ein Vergleich mit anderen kommunalen Websites desselben Anbieters zeigte uns jedoch, dass es fĂŒr diesen Preis teilweise offenbar nur „Schema F“ gibt.

Selbst fĂŒr technische Laien ist es ersichtlich, dass beispielsweise die Seiten der Gemeinden Kupferzell, Billigheim, Steinen, Albbruck oder Kisslegg der von Hirschberg in zahlreichen Punkten Ă€hneln.

seitenvergleich

Vergleich der Homepage Hirschberg mit Albbruck am Hochrhein

Selbstredend wurden einige VerÀnderungen an Farbe und Form vorgenommen. Auch das Bildmaterial wurde separat erfasst.

Das Unternehmen komm.online hat ein Standard-Produkt entworfen, das es sich nun teuer bezahlen lÀsst. Hinter ein paar optischen Anpassungen wird offensichtlich immer derselbse Standard verkauft.

Der Preis von rund 11.000 Euro fĂŒr ein eigenes Layout wĂ€re vertretbar – so wurde ein Produkt entworfen, dass die Firma nun mehrfach verkauft und sicher ordentlich Geld damit verdient. Das ist kein Vorwurf gegenĂŒber der Firma wegen deren erfolgreicher Vermarktung – tatsĂ€chlich aber eine Frage an die Gemeinden, ob sie diese „Leistung“ nicht zu teuer und zu wenig an den eigenen, spezifischen AnsprĂŒchen orientiert, eingekauft haben.

Zum Vergleich: Die Homepage der Stadt Viernheim (erstellt 2002, neues Design 2007) kostete 7.500 Euro. Die Servermiete sowie die GebĂŒhren fĂŒr einen Root-Server belaufen sich auf 1.440 Euro jĂ€hrlich. Immerhin ein Ersparnis von etwa einem Drittel. Gleichwohl bietet die Homepage der Stadt Viernheim einen „virtuellen Stadtbummel“ oder warnt Online vor aktuellen Radarfallen.

Und es bleibt die Frage, wie aktiv die Gemeinde Hirschberg das Instrument Internet benutzen wird, um VerwaltungsablĂ€ufe zu optimieren und natĂŒrlich mit den BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern kommuniziert. Darauf sind wir gespannt.

Anmerkung der Redaktion:
Christian MĂŒhlbauer
absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach „Ressortjournalismus.“