Dienstag, 11. Dezember 2018

Offener Brief an die GLH: Unabhängige Berichterstattung stärkt die Demokratie

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Guten Tag!

Hirschberg, 22 . März 2011. Der GLH-Sprecher hat die Berichterstattung der Weinheimer Nachrichten mit einem offenen Brief heftig kritisiert – zu Recht, wie wir meinen. Ebenso wurde vollkommen richtig die „Wochenblatt“-Regel, dass sechs Wochen von einer Wahl keine Texte der Parteien und Wählervereinigungen abgedruckt werden, als „Defizit“ benannt. Aber auch unsere Redaktion wurde kritisch erwähnt – auch das zu Recht. Wir stellen uns Kritik immer. Und beantworten den Brief der GLH.

Von Hardy Prothmann

GLH-Sprecher Andt Weidler schreibt zu unserem Angebot:

„Aus ganz unterschiedlichen Gründen nutzen aus meiner Sicht alle diese Medien ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhängige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus.“

Diese Beobachtung ist sicherlich zutreffend – wir erläutern gerne, was unser Potenzial ist und wie wir es ausnutzen oder es beziehungsweise verbessern können.

Während die Weinheimer Nachrichten eine Nachkriegsgründung sind, gibt es unser Angebot erst seit Dezember 2009. In Hirschberg war für uns alles neu und vieles ist es noch.

Gewaltige Aufgabe

Hardy Prothmann ist als Redaktionsleiter verantwortlich für das Hirschbergblog. Bild: sap

Zu Beginn haben wir uns im Rathaus vorgestellt, die Fraktionen angeschrieben, Kontakte zu Vereinen und deren Vorständen gesucht – eben zu allen „relevanten Personen und Einrichtungen“, die eine Gemeinde so hat. Wir mussten viele Menschen kennenlernen, viele Informationen einholen, um die Gemeinde zu verstehen.

Das ist eine enorme Kraftanstrengung und sehr viel Arbeit. Und wir haben beim besten Willen noch nicht alles verstanden – wer kann das schon von sich behaupten?

Als neues Medium mussten und müssen wir alles neu aufbauen. Und wir sind ein kleines Team. Hardy Prothmann als Redaktionsleiter und Sabine Prothmann sind die Redaktion. Dazu kommen beratend befreundete Journalisten, die aber woanders leben, sowie vier freie Mitarbeiter sowie Praktikanten. Und unsere Kolumnisten. Gemeinsam berichten wir mittlerweise aus fünf Gemeinden: Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim und seit neuestem auch Viernheim.

Demgegenüber stehen große Redaktionen mit vielen hauptberuflichen Redakteuren und vielen freien Mitarbeitern bei den Zeitungen. Im Vergleich kommen wir noch nicht einmal auf ein „Zehntel“ der Arbeitskraft bei der Konkurrenz.

Mit Fleiß und einem intelligenten Workflow leisten wir aber schon eine ganz enorme Arbeit. Und vor allem ordnen wir mehr ein, sagen unsere Meinung und bedienen nur ein Interesse: Das der Öffentlichkeit und nicht das von irgendwelchen Funktionsträgern und Seilschaften oder politischen Neigungen.

Wir brauchen Unterstützung

Und wir sagen ganz selbstbewusst, dass wir besser sind als die Konkurrenz. Ganz klar, wir haben weniger Berichte als die Zeitungen, aber wir haben bessere. Weil wir kritischer und unabhängig berichten. Und viele Zeitungsberichte sind nur „aufgeblasene“ Geschichten, deren Inhalt in ein paar Sätzen wiedergegeben werden kann. Auch klar: Wir würden gerne noch mehr berichten – dafür brauchen wir aber mehr Mitarbeiter.

Wir sind sehr neugierig und interessieren uns für die Gemeinde und ihre Menschen – brauchen aber auch die Unterstützung von diesen. Mit einigen Dutzend Hirschbergern sind wir im regelmäßigen Kontakt. Sie informieren uns über die Dinge im Ort, die sie für wichtig halten – darüber sind wird sehr dankbar und wünschen uns noch mehr Kontakte. Denn daraus sind schon viele Berichte entstanden, die unsere Leserinnen und Leser informieren und auch unterhalten.

Wer Berichte will, muss auch informieren

Die Informationspolitik im Rathaus ist gegenüber unserer Redaktion absolut korrekt – Herr Bürgermeister Just informiert uns selbstverständlich und demokratisch gesinnt wie die anderen Medien auch. Der Informationszugang zu den Mitarbeitern ist offen – obwohl wir keine „Kuschelberichterstattung“ anbieten und die Gemeindeverwaltung kritisieren – wenn es aus unserer Sicht notwendig ist. Der Umgang damit ist überwiegend souverän.

Bei den Fraktionen und Gemeinderäten ist das anders. Einen guten Kontakt haben wir zu Gemeinderäten der Freien Wähler, der Grünen Liste Hirschberg und zur SPD. Von diesen Fraktionen werden wir regelmäßig eingeladen und mit Informationen versorgt.

Die FDP ignoriert uns überwiegend und die CDU vollkommen. Nicht im persönlichen Bereich. Im Gemeinderat geht man höflich mit uns um. Aber die CDU hat uns beispielsweise noch nicht einmal zu irgendeiner Veranstaltung eingeladen oder von sich aus Informationen geschickt. Vielleicht, weil wir die Partei kritisiert haben. Wir stellen fest, dass die Haltung der CDU sehr unsouverän ist und auch die FDP irgendein „Problem“ mit uns zu haben scheint. Das ist bedauerlich und nur von Seiten der Parteien zu ändern. Wir sind offen, wir können aber niemanden zwingen, mit uns in Kontakt zu treten.

Auch mit den Hirschberger Vereinen ist es nicht ganz einfach. Eine guten Kontakt haben wir beispielsweise zum Kulturförderverein, zum Olympia-Kino, zum DRK und zur Feuerwehr. Leider müssen wir feststellen, dass viele Pressewarte und Vorstände in Sachen „Presse“ überwiegend nur die Zeitung kennen und vermutlich noch nicht verstanden haben, wie wichtig eine Berichterstattung über das Internet für ihre eigenen Interessen ist. Das ist übrigens kein „Problem“ der Hirschberger Vereine, sondern vieler Vereine auch in anderen Gemeinden.

Kritisch, aber unterfinanziert

Unsere Berichterstattung bereichert Hirschberg mit einer unabhängigen redaktionellen Leistung. Viele Leserinnen und Leser erweitern unser Angebot mit ihren Kommentaren. Eine unabhängige und kritische Berichterstattung ist entscheidend für eine stabile Demokratie – das ist die Triebfeder für unsere Arbeit.

Die muss aber auch bezahlt werden. Auch das ist eine Aufgabe, die wir leisten müssen. Dafür zu werben und zu überzeugen, dass Werbung im Internet interessanter ist, als die vollkommen überteuerte in der Zeitung. Der Markt ist noch wenig entwickelt und von Hirschberger Unternehmen und Gewerbetreibenden haben wir noch nicht eine Werbeanzeige erhalten – obwohl wir wissen, dass diese auch unser kostenfreies Angebot nutzen. Selbst haben wir allerdings auch noch nicht aktiv Werbung eingeworben – aus Zeitgründen, weil wir uns um die Inhalte kümmern.

Unser Angebot ist im Gegensatz zur teuren Zeitung kostenlos. Uns fehlt hier also eine Einnahmequelle. Sie, liebe Leserinnen und Leser, können uns hier helfen, indem Sie Vereine und Geschäftsleute aktiv ansprechen und sich deren Werbung bei uns wünschen. Wenn unsere Umsätze besser sind, können wir mehr Mitarbeiter bezahlen, die wiederum mehr Berichte schreiben können…

Auch hier gibt es viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Bei der Zeitung sind viele Werbepartner gewohnt, dass sie „gut bedient“ werden und erwarten „freundliche Berichte“. Diese Unsitte haben die Zeitungen gefördert und damit Ansprüche geweckt, die überhaupt nicht in Ordnung sind.

Strikte Trennung von Redaktion und Anzeigen

Eine Redaktion muss unabhängig von der Anzeigenabteilung arbeiten können, sonst wird kein Journalismus geboten, sondern PR. Unsere Währung ist die Aufmerksamkeit der Leserinnen und Leser – dafür zahlen Unternehmen Werbepreise. Punkt. Dass die Zeitungen so sehr an Glaubwürdigkeit verloren haben, hängt auch damit zusammen, dass sie Anzeigenabteilung und Redaktion leider nicht mehr deutlich trennen. Das macht die Redaktion unglaubwürdig – aber ebenso die Werbung.

Wir sind bestrebt, eine qualitativ hochwertige Berichterstattung zu leisten und das tun wir auch. Wir arbeiten auch daran, die Umfang zu erhöhen, aber niemals, um nur „Masse“ zu erzeugen. Uns interessiert der Inhalt. Wenn wir keine interessanten Termine ausmachen, schreiben wir halt mal auch nichts.

Auch das ist ein Unterschied zur Zeitung – die schreibt im Zweifel irgendwas, um ihre Seiten voll zu bekommen. Schauen Sie mal genau in die Zeitung – es wimmelt dort von Berichten, die nur so tun, als seien sie Berichte. Häufig sind es nur Terminankündigungen oder Pressemeldungen – also keine eigenen redaktionellen Leistungen.

Auch wir bieten Termine – aber im Terminkalender. Jeden Montag machen wir Terminvorschläge (Diese Woche)und ab und an kündigen wir auch Veranstaltungen an, die wir für empfehlenswert halten.

Vereine, also auch die Grüne Liste Hirschberg, haben die Möglichkeit, in einem kostenlosen Googe-Kalender ihre Termine einzupflegen und diese unserem Angebot zur Verfügung zu stellen – die Termine werden dann automatisch in unseren Kalender übertragen. Nur muss man das auch machen. 😉

Und ab und an bringen wir auch Pressemitteilungen – im Gegensatz zur Zeitung kennzeichnen wir das aber korrekt, sodass die Leserinnen und Leser wissen, wer der Verfasser ist.

Um unser Angebot noch besser zu machen, haben wir auch Wünsche:

Die Vereine sollten ihre Öffentlichkeitsarbeit verbessern. Es gibt auch viele Informationen, die nicht unbedingt unsere redaktionelle Bearbeitung brauchen, sondern von den Vereinen selbst bei uns veröffentlicht werden können. Wer sich dafür interessiert, kann gerne auf uns zukommen.

Die Unternehmen können für sich bei uns werben und dadurch unsere Arbeit mitfinanzieren. Wer nicht wirbt, findet auch keine Aufmerksamkeit durch unsere Leserinnen und Leser – und es gibt einige, die ihre Zeitungsabos längst gekündigt haben.

Die Parteien können mehr und besser über ihre Arbeit informieren.

Und Sie, liebe Leserinnen und Leser, können auch „Einfluss“ auf unsere Berichterstattung nehmen – so wie andere, die uns Hinweise auf Themen geben, uns Informationen zur Verfügung stellen, auch mal ein Foto schicken.

Und zum Beispiel über Kommentare unsere Berichte und das Geschehen im Ort begleiten.

Für die Redaktion und das Team

Ihr

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.