Freitag, 03. August 2018

Was für das DRK Hirschberg „unverschämt“ bedeutet oder die Frage nach der „Absicht“

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Guten Tag!

Hirschberg, 15. April 2011. (red) Die DRK-Ortsvereine Großsachsen und Leutershausen fusionieren. Ein historischer Moment. Man darf zu recht davon ausgehen, dass das so schnell nicht noch einmal passiert. Unsere Redaktion wurde nicht zu diesem Termin eingeladen – dahinter steckte „keine Absicht“, wie uns Kassenwart Thomas Kurz per email wissen lässt: „Ihre Redaktion wurde schlichtweg vergessen zu informieren.“ Genau das haben wir angemahnt und tun es nochmals. Diesmal aber öffentlich und möglicherweise auch „unverschämt“ – wie uns das unterstellt wird. Wer sich für was „schämen“ muss, entscheiden die Leserinnen und Leser selbst.

Von Hardy Prothmann

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ist eine der weltweit größten Hilfsorganisationen mit einer enormen Bedeutung für die freie Wohlfahrtspflege. Insgesamt ist die Organisation eher dezentral oder föderalistisch organisiert.

Das hat Vorteile, weil nicht „von-oben-runter“ deligiert wird – aber es hat auch entscheidende Nachteile, da die Organisationseinheiten eine große Eigenverantwortung tragen.

Und das Deutsche Rote Kreuz und alle seine darin vereinigten Unterorganisationen bekennen sich zu den sieben Grundsätzen: „Menschlichkeit, Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit, Freiwilligkeit, Einheit und Universalität.“

DRK heißt Verantwortung

Die Mitglieder bringen sich mit hohem Einsatz ein und fordern den Einsatz durch Unterstützer, sei es durch Mitgliedsbeiträge, Geld- oder Blutspenden, um „Gutes zu tun“ – Millionen Menschen unterstützen das DRK dabei. Diese Menschen haben aber auch das Recht zu erfahren, wie das DRK arbeitet, was mit den Spenden passiert, wie die Organisation also mit der freiwilligen Hilfeleistung der Unterstützer umgeht. Auch das ist Teil der DRK-Verantwortung.

Welches Verantwortungsgefühl hat man beim DRK Hirschberg?

Und hier müssen sich die früheren Ortsvereine des DRK Großsachsen und Leutershausen und er neue „Gesamtortsverband“ DRK Hirschberg fragen lassen, wie sie dieser Verantwortung in Zukunft nachkommen wollen.

Die Frage muss gestellt werden, weil es offensichtlich „Konflikte“ gibt. Beispielsweise gegenüber unserer Redaktion. Die Gründe sind uns unbekannt, weil nie benannt worden. Aber mindestens die Grundsätze „Unparteilichkeit, Neutralität, Unabhängigkeit“ werden nicht eingehalten und sogar ganz bewusst verletzt.

Wir haben gegenüber dem früheren Leutershausen-Vorsitzenden Michael Frank (der nun Gesamtvorsitzender ist) mehrmals deutlich gemacht, dass wir an einer Berichterstattung über die Aktivitäten des DRK sehr interessiert sind. Leider wurden wir häufig nicht oder nur sehr kurzfristig auf „Termine“ eingeladen.

Zum Termin der „Fusion“ wurden wir nicht eingeladen. Wir hätten gerne über diesen „historischen Abend“ berichtet – aber ohne Kenntnis war uns das nicht möglich. Die Redaktionen der Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sind eingeladen worden. Uns hatte man schlichtweg „vergessen“ – „ohne Absicht“, wie uns Kassenprüfer Thomas Kurz per email mitgeteilt hat.

„Keine Absicht“

Wie man „ohne Absicht“ eine von drei Redaktionen, die regelmäßig über Hirschberg berichten, „schlichtweg vergessen“ kann, ist uns nicht einsichtig.

Noch viel weniger können wir „einsehen“, dass das DRK Hirschberg „keine Absicht“ zeigt, möglichst viele Menschen für seine (wohlfährigen) Ziele und Leistungen zu erreichen und zu begeistern. Denn die einen lesen die Weinheimer Nachrichten, andere die Rhein-Neckar-Zeitung und wieder andere nur unser (noch junges) Angebot.

Im Schnitt haben wir gut 300 Leserinnen und Leser pro Tag in Hirschberg – umgerechnet auf Haushalte und Familien erreichen wir also nach einem Jahr Berichterstattung schon gut zehn Prozent der Hirschberger Bevölkerung – aktive Leserinnen und Leser, denn unser Angebot „liegt nicht auf dem Tisch“, man muss es aufrufen. Das wertet diese zehn Prozent enorm auf.

„Schlicht vergessen“

Über das „schlichtweg vergessen“ haben wir uns beschwert. Weil unsere Leserinnen und Leser von uns erwarten, dass wir über das Ortsgeschehen berichten. Das ist auch unser Anspruch, dem wir so gut wir es können, nachkommen. Wir bemühen uns sehr. Doch das ist nicht immer einfach.

Auch nicht mit dem DRK in Hirschberg. Wir haben deshalb die grundsätzliche Frage gestellt, ob das DRK Hirschberg künftig an einer Berichterstattung durch unsere Redaktion interessiert ist. Das war ironisch gemeint, weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass eine Hilfsorganisation an einer Bericherstattung für Wohlfahrtszwecke nicht interessiert sein könnte.

„Eindeutige“ Antwort

Doch die Antwort des DRK Hirschberg, geschrieben von Herrn Thomas Kurz, überrascht eindeutig:

„Für die Zukunft werden wir allerdings bewusst darauf verzichten Ihre Redaktion über Termine vom DRK Hirschberg zu informieren. Ihre Mail empfinden meine Vorstandskollegen und ich als eine Unverschämtheit und so kann man einfach nicht miteinander umgehen.
Wie und über welche Medien wir unsere Berichterstattung machen, das müssen Sie schon uns überlassen und das Gleiche trifft auch auf unsere Homepage zu.“

Da Herr Kurz im Namen des Vorstands des DRK Hirschberg schreibt, stellen wir fest, dass das DRK Hirschberg kein Interesse hat, unsere Leserinnen und Leser über die Aktivitäten des DRK Hirschbergs zu informieren.

Wiegen „Befindlichkeiten“ mehr als „Ziele“?

Wir stellen weiter fest, dass „Befindlichkeiten“ des Vorstands offensichtlich mehr wiegen, als die Ziele der Hilfsorganisation Deutsches Rotes Kreuz.

Wir stellen weiter fest, dass der Vorstand des DRK Hirschberg offensichtlich ein „problematisches bis gestörtes Verhältnis“ zum Artikel 5 unseres Grundgesetzes über die freie Meinungsbildung und -äußerung hat und denkt, dass ein Vereinsvorstand darüber befinden kann, „über welche Medien wir unsere Berichterstattung machen“.

Wir sind ein unabhängiges, freies Medium und lassen uns von niemandem vorschreiben, „wie unsere Berichterstattung zu machen ist“.

Die Öffentlichkeit hat Rechte

Darüber hinaus stellen wir fest, dass es nie unsere Absicht war, die Öffentlichkeitsarbeit für das DRK Hirschberg zu übernehmen. Wir raten aber verbindlich, über die öffentliche Wirkung solcher Äußerungen dringend nachzudenken.

Was den „Umgang“ angeht – der sollte höflich und respektvoll sein. Vor allem gegenüber der Öffentlichkeit. Als Medienvertreter sind wir uns bewusst, dass wir „ein Fenster zur Welt“ aufmachen und welche Verantwortung wir für den „Ausblick“ tragen.

Als Vorstand sollte sich das DRK Hirschberg bewusst sein, was es bedeutet, die „Rolläden runter zu lassen“ und sich einem kritischen Blick zu entziehen, dem man sich nicht entziehen kann, wenn man für das öffentliche Wohl eintreten will und damit auch der Öffentlichkeit Rede und Antwort zu stehen hat.

 

 

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.