Donnerstag, 02. August 2018

Bislang keine besondere Infektionslage durch EHEC-Bakterium

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Rhein-Neckar/Stuttgart, 24. Mai 2011. (red/pm) Vor allem in Norddeutschland beschĂ€ftigt die Behörden eine große Fallzahl von mehreren Dutzend schwer erkrankter Menschen, die sich eine EHEC-Infektion (Darmbakterium) zugezogen haben. In Niedersachsen ist ein 83-jĂ€hriger Mann an der Infektion gestorben. In Baden-WĂŒrttemberg gibt es zur Zeit drei schwere FĂ€lle – einer könnte mit den in Norddeutschland aufgetretenen Erregern stehen. Experten raten zur Vorsicht – aber keinesfalls zur Panik.

Im Verdacht soll rohes GemĂŒse stehen – möglicherweise wegen einer DĂŒngung mit Mist. Experten raten, Obst und GemĂŒse sorgfĂ€ltig zu waschen oder besser nur gegart oder gekocht zu sich zu nehmen. Auch rohes Fleisch wie „Tartar“ oder „Hackepeter“ ist ein Übertragungsweg, wird aber bei den aktuellen FĂ€llen nicht als Ursache gesehen.

Einzelne EHEC-Infektionen sind nicht ungewöhnlich – die hĂ€ufige Fallzahl in Norddeutschland deutet aber auf konterminierte Nahrungsmittel hin. Ein ordentliche Hygiene in der KĂŒche ist der beste Schutz. GrundsĂ€tzlich gilt: GemĂŒse ordentlich unter fließendem Wasser zu waschen, eventuell mit einer GemĂŒsebĂŒrste. Messer und Brettchen sollten nicht fĂŒr alle ArbeitsgĂ€nge verwendet werden, sondern entweder mehrere oder nach jedem Arbeitsgang sorgfĂ€ltig gereinigt werden. Auch das grĂŒndliche Handewaschen vor, wĂ€hrend und nach der Mahlzeitzubereitung sollte selbstverstĂ€ndlich sein. Bis zur KlĂ€rung der Ursachen sollte man auf Rohkost verzichten – insbesondere Salat sollte zunĂ€chst in einem Wasserbad und dann unter fließendem Wasser gereingt werden.

In Deutschland sind der Verdacht oder Nachweis einer EHEC-Infektion nach § 6 des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) meldepflichtig, wenn entweder a) ein HUS vorliegt, b) zwei oder mehr Personen erkrankt sind, oder c) ein Erkrankter im Lebensmittel- oder GaststĂ€ttengewerbe tĂ€tig ist. LaborĂ€rzte mĂŒssen jeden Nachweis eines EHEC-Stammes bei der zustĂ€ndigen Behörde (Gesundheitsamt) unverzĂŒglich melden. (Quelle: Wikipedia)

Pressemitteilung des Gesundheitsministeriums:

„Bisher verzeichnet Baden-WĂŒrttemberg keine erhöhte Zahl von EHEC-Infektionen. „NatĂŒrlich beobachten wir das Krankheitsgeschehen genau“, erklĂ€rte Gesundheitsministerin Katrin Altpeter am Dienstag (24.5.) „und informieren selbstverstĂ€ndlich die Bevölkerung, wenn VerĂ€nderungen eintreten sollten.“

Sowohl das Ministerium, als auch das Landesgesundheitsamt und die örtlichen GesundheitsĂ€mter seien entsprechend sensibilisiert. Das Robert Koch Institut (RKI) verzeichnet fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg seit Jahresanfang 14 EHEC-FĂ€lle (enterohĂ€morrhagischen Escherichia coli). Weitere sieben FĂ€lle werden aktuell geprĂŒft und sind vom Landesgesundheitsamt bereits dem RKI gemeldet worden. Weiter sind fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg drei FĂ€lle des so genannten hĂ€molytisch-urĂ€mischen Syndrom (HUS) zu verzeichnen. Bei einem Fall werde ein Zusammenhang mit dem Ausbruchsgeschehen in Norddeutschland geprĂŒft.

Das HUS ist eine schwere, unter UmstĂ€nden tödliche Komplikation, die bei bakteriellen Darminfektionen mit sogenannten enterohĂ€morrhagischen Escherichia coli (EHEC) auftreten kann. Pro Jahr werden dem RKI etwa 1.000 EHEC-FĂ€lle ĂŒbermittelt. Das Vollbild des HUS ist charakterisiert durch akutes Nierenversagen, Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einen Mangel an BlutplĂ€ttchen.

AbhĂ€ngig vom weiteren Geschehen (Entwicklung der Fallzahlen) wird das Sozialministerium tĂ€glich ab 15 Uhr (Zeitpunkt der Meldung an das RKI) informieren.“

Weitere Informationen:

Robert-Koch-Institut

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.