Dienstag, 07. August 2018

Dokumentation: Kritik und Vorschläge von Eltern in Sachen Kinderbetreuung

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Hirschberg, 04. Juli 2011. (red/dok) Vergangene Woche hat der Gemeinderat einen Grundsatzbeschluss gefasst: Im kommenden Jahr wird es von März bis August eine Versorgungslücke für Kinder über drei Jahren geben. Bis zu zwei weitere Gruppen sind nötig. Die Gemeinde will den „Eltern“ helfen, eine „Lösung anzubieten“ – tatsächlich heißt das vermutlich, dass die Kinder außerhalb der Gemeinde untergebracht werden müssen.Der Frust ist groß – die Eltern fühlen sich im Stich gelassen.

Bürgermeister Manuel Just ließ keinen Zweifel daran, dass die Eltern einen Anspruch auf Betreuung haben: „Der Anspruch ist keiner, der in der Gemeinde erfüllt werden muss, sondern auch außerhalb.“

Einige Eltern hatten die Gemeinderatssitzung besucht und wollten ihre Situation schildern. Bürgermeister Just hat das zurückgewiesen. Nachdem vergangene Woche der Gemeinderat eine „Grundsatzentscheidung“ getroffen hat, werden die Eltern heute Abend informiert – ohne Chance, noch Einfluss ausüben zu können.

Um 19:00 Uhr sind in der Alten Turnhalle Großsachsen, Riedweg 1 folgende Themen vorgesehen:
1. Gemeinsame Vorgehensweise der kirchlichen Träger der Kindergärten und der Gemeinde bei den zeitlich begrenzten Platzkapazitäten in den Kindergärten
2. Kommende Anpassung der Elternbeiträge
3. Kriterien für die Vergabe von Ganztagsplätzen in den Kindergärten

Wir haben uns mit Eltern in Verbindung gesetzt, die uns folgende Positionen übermitteilt haben. Deren Sicht der Dinge ist nicht eben „schmeichelhaft“ für die Verwaltung und die Verantwortlichen in den Kindergärten. Der Frust ist groß – die Eltern fühlen sich im Stich gelassen.

Dokumentation:

„Übergangslösungen für die Zeit der fehlenden Kindergartenplätze von Februar bis September 2012 (lt. Herrn Sasse-Rösch würden derzeit 16 Geschwisterkinder, die in diesem Zeitraum 3 Jahre alt werden, im evangelischen Kindergarten in Leutershausen keinen Platz bekommen):

  • Überbelegung der Gruppen mit 2-3 Kindern pro Gruppe (es besteht lt. Herrn Sasse-Rösch und Pfarrerin Dr. Schmidt bereits eine Überbelegung). Nach den Richtlinen des Kommunalverbandes für Jugend und Soziales ist eine Überbelegung für bis zu 1 Jahr mit bis zu 3 Kindern pro Gruppe möglich.
  • Aufstellen eines Containers oder Bauwagens im Hof oder Garten des Kindergartens (wird lt Pfarrerin Dr. Schmidt wohl von der politischen Gemeinde wegen Mehrkosten der Miete abgelehnt!). Wir Eltern würden uns bei der Organisation und Ausgestaltung des Containers beteiligen, haben dies auch schon angeboten.
  • Einen anderen Raum im Gemeindehaus übergangsweise für die Betreuung der zusätzlichen Kinder zur Verfügung stellen , z. B. Turmzimmer, Turnraum, Teil des Gemeindesaals (rechtliche Vorgaben gestalten dies lt. Herrn Sasse-Rösch schwierig, Fr. Dr. Schmidt will dies klären)
  • Vereinbarung mit der Kleinkindkrippe Postillion: Kinder dürfen übergangsweise im Postillion bleiben, bis der Kindergartenplatz frei wird (derzeit verlangt Postillion, dass die Kinder mit Vollendung des 3. Lebensjahres die Krippe verlassen; Gemeinde finanziert Postillion mit, könnte auf Übergangslösung hinwirken)

Gründe für die Schaffung einer Übergangslösung im evangelischen Kindergarten:

  • Unsere Kinder sind Geschwisterkinder
  • Unsere Kinder sind Mitglied der Kirche
  • Beide Elternteile sind berufstätig
  • Die Kinder wurden früh im Kindergarten angemeldet (bereits mit ca. 1 Jahr)
  • Wir finanzieren auch den Umbau des evangelischen Kindergartens in den nächsten Jahren durch unsere Steuergelder mit, wovon unsere Kinder allerdings nicht mehr werden profitieren können
  • Durch die Neubaugebiete sollten mehr Familien nach Leutershausen kommen, dann sollte auch die Bereitschaft da sein, jetzt nach Fehlkalkulation der benötigten Plätze die Übergangslösung mit zu finanzieren
  • Empfehlung von Frau Burkert, Leitung des katholischen Kindergartens, Geschwisterkinder nicht in unterschiedlichen Kindergärten anzumelden, unsere größeren Geschwisterkinder sind bereits im evangelischen Kindergarten integriert, Wechsel somit nicht möglich

Gedanken bezüglich der Zukunft:

Sind in ca. 5-8 Jahren, wenn die Umbaumaßnahmen der Kindergärten abgeschlossen sein werden, auch noch so viel mehr Kindergartenplätze nötig? Die Neubaugebiete werden jetzt voll, in einigen Jahren kommen evtl. nicht mehr so viele „Zuzöglinge“ nach Leutershausen

Die Schule muß jetzt schon auf das Mehr an Kindern in 3-4 Jahren vorbereitet werden

Gemeinde sollte jetzt nicht nur Geld in langfristige Lösungen investieren, da die Gefahr des Leerstands besteht, wenn die Kindern älter werden. Die Neubaugebiete wachsen mit, wenn alle geplanten Umbauten an den Kindergärten fertig sind, werden die Plätze evtl. nicht mehr dort, sondern in den Schulen etc. benötigt. Die Gemeinde sollte auch bereit sein, jetzt Geld für Übergangslösungen in die Hand zu nehmen, dies ist auf jeden Fall sinnvoll investiert.

Kritik am derzeitigen Problemmanagement von Gemeinderat/Verwaltung/Kindergartenleitung:

  • Wir werden vor vollendete Tatsachen gestellt: wir erfahren von den Engpässen erstmals mit der endgültigen Absage des Kindergartenplatzes wenige Tage vor der Gemeinderatssitzung. Eine Informationsveranstaltung für die Eltern findet eine Woche nach der Gemeinderatssitzung statt, zu dem Zeitpunkt, zu dem wir mitreden dürfen, ist also alles schon entschieden.
  • Ohne Feststellung des tatsächlichen Bedarfs der Familien (Ganztagesplatz, Verlängerte Öffnungszeiten, berufstätige Eltern) beschließt der Gemeinderat pauschal, dass auf räumliche Übergangslösungen verzichtet wird. Hier hätten die betroffenen Eltern zumindest im Vorfeld informiert und angehört werden müssen.
  • Andere Gemeinden in der Nachbarschaft haben das Problem gelöst: Gemeinderatsbeschluss in Schriesheim, dass Geschwisterkinder immer aufgenommen werden müssen, insofern wird Überbelegung in Kauf genommen. Auch in einem Weinheimer Kindergarten Überbelegung wegen Geschwisterkindern immer möglich.
  • Verantwortliche zeigen wenig Flexibilität: Aufteilung der Ganztagesplätze auf mehrere Kinder, um trotz des Engpasses mehreren Kindern einen Ganztagesplatz zu ermöglichen, wird als undurchführbar abgetan, obwohl dies im Postillion seit Jahren erfolgreich praktiziert wird. Auch im evangelischen Kindergarten wäre das unserer Meinung nach möglich: nur wenige Kinder sind wahrscheinlich alle Tage wirklich bis 16:30 im Kindergarten, freie Tage könnten an andere Kinder abgegeben werden, Bedarfsüberprüfung von Seiten des Kindergartens wäre sicher möglich, Listen werden geführt und notiert, welche Kinder da sind . Auch haben wir Elten organisatorische Mithilfe / interne Aufteilung der Plätzes angeboten, dieses Angebot wurde bislang nicht angenommen. Stattdessen werden im Kindergarten von der Leitung Zettel ausgehängt mit der Frage, wer nachmittags die Möglichkeit hat, Kinder zu betreuen. Soll dies das Bemühen des Kindergartens um ausreichende Ganztagesplätze sein?
  • Die Verantwortlichen bügeln Elternvorschläge ab: es wird vorrangig auf die Kosten geguckt, Bedürfnisse der Kinder (Bezug zum ev. Kindergarten wegen Geschwisterkind, häufiger Wechsel der Betreuungspersonen bei vorübergehender Aufnahme in einem anderen Kindergarten) stehen hintenan.“
Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.