Sonntag, 05. August 2018

ATU erteilt Frisörgeschäft im Sterzwinkel eine Absage

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Hirschberg, 13. Juli 2011. (red) Neun Bauvorhaben standen auf der Tagesordnung des Ausschusses für Technik und Umwelt, der am Dienstag in Hirschberg tagte. 15 Hirschberger Bürger waren gekommen, um bei den Entscheidungen dabei zu sein. Eine Anzahl, die sich Bürgermeister Manuel Just auch für die Gemeinderatssitzungen wünschte.

Von Sabine Prothmann

Bei dem ersten Bauvorhaben, über das entschieden wurde, handelte es sich um ein ein Mehrfamilienhaus in der Lettengasse, im Ortsteil Großsachsen. Dieses Bauvorhaben war schon in der Juni-Sitzung diskutiert worden und der ATU war übereingekommen, dass das Dachgeschoss des westlichen Gebäudekörpers um einen Meter nach Süden versetzt werden solle. In der neuen Planung wurde dem zu 65 Prozent entsprochen. Die gestaffelte Variante wurde insgesamt als weniger massiv empfunden und wurde dementsprechend auch vom ATU einstimmig angenommen.

Einstimmig angenommen wurde auch der Bauantrag zum Umbau eines Wohnhauses in der Elisabeth-Kulmann-Straße in Großsachsen. Fritz Bletzer (FW) beschrieb das Gebäude als „Schmuckstück“, das durch den Umbau noch eine zusätzliche Aufwertung erfahre,

Auch der Bauantrag zur Verlängerung eines Hallenvordachs mit Anbau als Pultdach und einer Photovoltaikanlage in der Beethovenstraße wurde einstimmig zugestimmt. Die lärmmindernde Wirkung dieses Bauvorhabens wurde hervorgehoben.

Dem nachträglichen Bauantrag zur Errichtung von Containern mit Wohn- und Sozialräumen für Erntehelfer in der Lobdengaustraße in Großsachsen, wurde ebenfalls einstimmig zugestimmt. Dabei handle es sich um ein priviligiertes Bauvorhaben, das der Land- bzw. der Forstwirtschaft diene, erklärte Just. „Dies können wir nur ablehnen, wenn es öffentlichen Belangen zuwider läuft.“

Nachträgliche Bauanträge gefallen nicht

Dennoch habe man deutlich gemacht, dass uns nachträgliche Bauanträge nicht gefallen, ergänzte der Bürgermeister.

Werner Volk (Freie Wähler) betonte das Zeitproblem für Landwirte, „manchmal dauert es etwas länger bis die Ämter zustimmen“.

Auch diesem Bauantrag wurde einstimmig entsprochen.

Die Umbaumaßnahmen und Erweiterung eines bestehenden Wohngebäudes im Sperrbauch in Großsachsen war Gegenstand der nächsten Beratung. Auch hierbei handelte es sich um ein Objekt im Außenbereich für das kein Bebauungsplan vorliege, erklärte Just. Heute würde man in dieser Lage die Bebauung nicht mehr erlauben, so Just. Das bestehende Gebäude habe jedoch Bestandsschutz und ein Einspruch wäre auch hier nur bei Beeinträchtigung öffentlicher Belange möglich.

„Je länger ich hinguck-€™, um so besser gefällt-€™s mir.“

„Wenn ich ehrlich bin, mir gefällt-€™s nicht“, sagte der Bürgermeister zu den geplanten Umbaumaßnahmen und stand mit dieser Meinung im Gemeinderat nicht allein da. Aber dies spiele für die Entscheidung keine Rolle. Gemeinderat Oliver Reisig (FDP) bemerkte, das Haus liege ja ziemlich versteckt. „Je länger ich hinguck-€™, um so besser gefällt-€™s mir“, räumte Fritz Bletzer (FW) ein. Bei einer Enthaltung wurde der Bauantrag angenommen.

Die Hangabsicherung mit Gabionen und Delta Green zur Steig, Im Brambusch in Leutershausen wurde dem ATU zur Kenntnis gegeben. Die Terrassierung solle eine nachhaltige Absicherung und Bepflanzung garantieren, so Just.

Hohlweg Charakter soll erhalten bleiben

Die Terrassierung würde dem Hohlweg Charakter zuwider laufen, befürchtete Karl-Heinz Treiber (GLH). Dem widersprach der Bürgermeister: „Das Erscheinungsbild Hohlweg soll erhalten bleiben“ und man habe damit eine Lösung gefunden, die dem heutigen Charakter sehr nahe komme.

Bereits in der Sitzung vom 17. Mai 2011 hat sich der ATU mit dem Bauantrag zum Neubau eines Mehrfamilienhauses im Haagackerweg in Großsachsen beschäftigt. Obwohl der Neubau im Hinblick auf seine Innenverdichtung vom Ausschuss begrüßt worden war, wurde das Einvernehmen aufgrund der Traufhöhe von 8,75 Meter – in der Umgebungsbebauung ist eine Traufhöhe bis maximal 6,70 Meter üblich – durch das Gremium versagt. Zwischenzeitlich wurde eine geänderte Planung mit der Traufhöhe von 6,70 Meter für das Bauvorhaben eingereicht. Nach Ansicht der Verwaltung würde sich das Bauvorhaben jetzt in die Umgebung einfügen.

Das Baurechtsamt des Rhein-Neckar-Kreises hat nun aber inzwischen der Verwaltung mitgeteilt, dass im Beurteilungsgebiet höhere Traufhöhen vorliegen. In das Betrachtungsfeld dürfe dabei nicht nur der Straßenzug des Haagackerweges fallen, sondern das gesamte Geviert.

Aufgrund dieser Aussagen hat der Antragssteller jetzt seine überarbeitete Planung zurückgezogen und hält an der Ursprungsplanung fest.

Just: „Das ist eine Philosophiefrage.“

Dies sei eine Philosophiefrage, betonte Bürgermeister Just. „Ich bleibe bei meiner Haltung.“ Die Verwaltung schlage vor, bei der ursprünglichen Entscheidung zu bleiben und das Einvernehmen nicht zu erteilen.

Die Gemeinde hätte gegebenenfalls die Möglichkeit, Rechtsmittel gegen die Entscheidung des Baurechtsamtes und die zu erwartende Baugenehmigung einzulegen.

„Es hat sich nichts geändert in der Sachlage“, unterstrich auch Fritz Bletzer (FW). Die allgemeine Meinung im Gremium blieb dabei, in der geplanten Höhe gestalte sich der Neubau zu massiv.

Der ATU lehnte einstimmig das Bauvorhaben weiterhin ab.

Lange diskutiert wurde die Bauvoranfrage zum Neubau eines Wohnhauses mit integriertem Frisörgeschäft im Astrid-Lindgren-Weg, Baugebiet Sterzwinkel, in Großsachsen.

Das Grundstück liegt in einem Bereich, der im Bebauungsplan als „Allgemeines Wohngebiet“ ausgewiesen ist.

Kosmetik ja – Frisör nein

Anders als bei dem in unmittelbarer Nähe geplanten Kosmetikstudio handle es sich bei einem Frisörgeschäft um einen Handwerksbetrieb, erläuterte Bürgermeister Just. Eine Befreiung habe unweigerlich Folgen für das komplette Wohngebiet. Man laufe damit Gefahr einen Präzedenzfall zu schaffen, so Just weiter.

Es müsse unterschieden werden zwischen freien Berufen, wie zum Beispiel Steuerberater, Rechtsanwälten und eben auch Kosmetiker und Handwerksberufen, erläuterte der Bürgermeister.

Auch befürchtet die Verwaltung erhöhte Unruhe durch Verkehr und zudem gäbe die Grundstücksgröße nicht die Möglichkeit, die erforderlichen fünf Stellplätze zu schaffen.

Das Argument „Verkehr“ ließ Egon Müller (GLH) nicht gelten, denn dieser entstehe auch bei einem Kosmetikstudio.

„Wir tun uns schwer“, erklärte auch Werner Volk (FW), der Unterschied von Kosmetik- oder Frisörsalon sei kaum nachvollziehbar.

Freie Berufe seien zulässig, Handwerksbetriebe nicht, „da fällt es natürlich manchmal schwer eine klare Abgrenzung“ zu ziehen, bestätigte Just. Warnte aber gleichzeitig davor, diese „Tür zu öffnen“. Eventuell habe man eine Alternative für die Antragsteller, die Verwaltung habe eine Idee, stellte der Bürgermeister in Aussicht.

„Wir wollen keine Schlafviertel“, kritisierte Eva-Marie Pfefferle (SPD). Es handle sich hierbei um ein reines Wohnviertel, entgegnete Karl-Heinz Treiber (GLH). „Die Leute verlassen sich darauf, wir haben das versprochen und das müssen wir auch einhalten.“

„Und nach dem Frisör kommt der Bäcker und dann der Metzger

„Und nach dem Frisör kommt der Bäcker und dann der Metzger“, befürchtete Fritz Bletzer (FW). Es sei aber wichtig, der Öffentlichkeit den Unterschied von einem Kosmetiksalon und einem Frisörgeschäft zu erklären.

Mit der Aussicht auf eine eventuelle Alternative lehnte der ATU die Bauvoranfrage einstimmig ab.

Als letztes Bauvorhaben wurde der Antrag zum Neubau von zwei Einfamilienhäusern mit Doppelgarage in der zweiten Reihe in der Hintergasse in Großsachsen beraten.

Im Rahmen einer Bauvoranfrage hatte sich der ATU schon im Februar mit diesen Objekten beschäftigt und hatte das Einvernehmen erteilt.

„Das ist eine wunderbare Innenverdichtung, sehr schön und harmonisch“, betonte Eva-Marie Pfefferle (SPD).

Einstimmig wurde das Einvernehmen erteilt.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.