Dienstag, 07. August 2018

Keine Konkurrenz zu Edeka – ATU entscheidet gegen Fischladen im Sterzwinkel

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Ungewöhnliche Optik - das ist erlaubt im Sterzwinkel. Ebenso ein Café - ein Fischladen im Sylt Huis wÀre aber Konkurrenz zu Edeka. Und die wurde vom ATU abgelehnt.

Hirschberg, 23. September 2011. (red) Sechs Bauvorhaben standen auf der Tagesordnung des Ausschusses fĂŒr Technik und Umwelt, der am Dienstag in Hirschberg tagte. Spannend war vor allem die Diskussion um die Bauvoranfrage fĂŒr ein Bauobjekt im Großsachsener Sterzwinkel. Die Planung sieht den Neubau eines Sylt Huis mit Café und einem „Sansibar“-Shop vor.

Von Sabine Prothmann

Bei dem ersten Bauantrag musste der Hirschberger Ausschuss fĂŒr Technik und Umwelt (ATU) ĂŒber die Errichtung eines Zwerchgiebels und eines Balkons mit Dachgaube bei einem vorhandenen WohngebĂ€ude in der Kurpfalzstraße entscheiden. Der hier geltende Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1963 und seitdem sind mehrere Befreiungen nach den Vorgaben des Grundsatzbeschlusses fĂŒr Dachaufbauten, Zwerchgiebel und Dacheinschnitte erteilt worden. Der „Dachgaubenbeschluss“ könne daher als Maßgabe dafĂŒr gesehen werden, was stĂ€dtebaulich vertretbar sei, erlĂ€uterte BĂŒrgermeister Manuel Just den Ausschussmitgliedern.

Der geplante Zwerchgiebel mit einer Breite von 3,87 Metern entspreche den Maßgaben nach denen eine Breite von 4,50 Metern nicht ĂŒberschritten werden dĂŒrfe und demnach dem „Dachgaubenbeschluss“, die Dachgaube allerdings nicht. Der sich an die die Dachgaube anschließende Balkon mit 1,45 auf 3,84 Metern befĂ€nde sich außerhalb des Baufensters wĂ€re aber als Vorbau zulĂ€ssig.

Deshalb ergehe an den Bauherrn der Vorschlag, die Seiten am Balkon zu schließen – eventuell auch mit Glas -, so dass quasi ein zweiter Zwerchgiebel entstĂŒnde.

Als weitere Alternative nannte der BĂŒrgermeister die Möglichkeit in der Breite auf drei Meter runter zu gehen.

„Man kann nicht glauben, dass man ein „Loch“ ablehnen muss“, bemerkte Eva-Marie Pfefferle (SPD) und auch Karl Heinz Treiber (GLH) bedauerte, dass man sich fĂŒr die massivere Bauweise entscheiden mĂŒsse.

Der Beschlussvorschlag, das Einvernehmen zur Errichtung des Zwerchgiebels und des Balkons, nicht aber zur Errichtung der Dachgaube zu erteilen, wurde einstimmig angenommen.

Einstimmig wurde auch der Bauantrag zum Neubau eines Dreifamilienhauses im Muldweg in Großsachsen verabschiedet.

Dem Bauantrag im vereinfachten Verfahren zum Neubau einer Longierhalle in der Lobdengaustraße wurde ebenfalls einstimmig das einvernehmen erteilt.

Hier gehe es um ein GebĂ€ude im Außenbereich und es liege demnach kein Bebauungsplan vor. Als landwirtschaftlicher Betrieb handle es sich hierbei auch um ein priviliiertes Vorhaben, erklĂ€rte der BĂŒrgermeister.

JĂŒrgen Steinle (GLH) betonte, „heute mĂŒssen sich landwirtschaftliche Betriebe facettenreich aufstellen“, andererseits wolle man spĂ€ter keine Lagerhallen, deshalb mĂŒsse darauf geachtet werden, dass der Bau bei eventueller Beendigung der Nutzung als Longierhalle wieder zurĂŒck gebaut wĂŒrde.

Just versprach sich um diesen Punkt zu kĂŒmmern.

Der Ausschuss fĂŒr Technik und Umwelt erteilte auch einstimmig sein Einvernehmen zur Änderung der Position der Garage und des Treppenaufgangs sowie zur Errichtung eines Garagenvordachs mit ein Meter Tiefe im Brambusch in Leutershausen.

Dieses Vorhaben wurde allgemein positiv bewertet, geĂ€ndert wurde lediglich die Tiefe des Vordachs, das im Bauantrag ursprĂŒnglich eine Tiefe von 3,65 Meter vorsah.

Heiß diskutiert wurde die Bauvoranfrage zum Neubau eines Sylt Huis mit Café und einem FischspezialitĂ€ten-Shop im Sterzwinkel, Großsachsen.

Die Ausschussmitglieder drĂŒckten deutlich ihr Missfallen gegenĂŒber dieser Bauvoranfrage aus.

StĂ€dtebaulich sei ein Sylter Fischerhaus am Ortseingang Großsachsen nicht vertretbar, monierte Eva-Marie Pfefferle (SPD).

„Wir haben im ATU nicht zu beurteilen, ob es uns gefĂ€llt oder nicht“, entgegnete BĂŒrgermeister Just.

Sondern hier gehe es um die Übereinstimmung mit dem Bebauungsplan. Und Reetdach hin oder her, solange die Dachfarbe rötlich bis braun ist, kann eigentlich nichts dagegen eingewendet werden, denn fĂŒr das zu verwendende Material gĂ€be es im Bebauungsplan keine EinschrĂ€nkung.

Insgesamt sei die Bebauung in der angefragten Form als zulÀssig zu bewerten, so Just, anders sehe es mit der Nutzung aus.

Das geplante Café stelle, so der BĂŒrgermeister, kein Problem dar, ganz anders sehe es mit dem Sansibarshop aus.

Der Bebauungsplan habe fĂŒr dieses GrundstĂŒck eine Nutzung als eingeschrĂ€nktes Gewerbegebiet festgesetzt. Das heißt, nicht erheblich belĂ€stigende Gewerbebetriebe aller Art sind hier zulĂ€ssig. Ausgenommen davon ist fĂŒr dieses GrundstĂŒck die ZulĂ€ssigkeit von Tankstellen, Einzelhandelsbetrieben und VergnĂŒgungsstĂ€tten. Demnach ist der FischspezialitĂ€ten-Shop als Einzelhandelbetrieb explizit ausgeschlossen.

Bei der Festlegung des Bebauungsplans habe man auch ein Einzelhandelsgutachten erstellt und man wolle mit dem Ausschluss von Einzelhandel das „Ausbluten“ des Ortskerns, sprich der Breitgasse in Großsachsen, verhindern.

Zudem wolle man der neu entstehenden Edeka keine Konkurrenz machen, erlÀuterte Just weiter.

Steinle (GLH) schlug vor, man könne doch an anderer Stelle, im Ortskern, das Café und den Shop errichten.

Dies bezeichnete der BĂŒrgermeister als realitĂ€tsfremd. Denn der mögliche Bauherr habe klar gemacht, er brauche fĂŒr sein Projekt die exponierte Lage an der B3 und am Autobahnzubringer.

Bei zwei Gegenstimmen (Pfefferle und Treiber) stimmte der ATU der Bebauung zu, ebenso dem geplanten GebÀudekomplex als Café, nicht aber der Nutzung als Einzelhandelsbetrieb.

Damit erteilte der ATU ziemlich wahrscheinlich dem gesamten Bauvorhaben ein „Aus“.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.