Dienstag, 07. August 2018

Ökostrom-Anteil: Gemeinderat entscheidet, nur 1.680 Euro Mehrkosten sind bezahlbar

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Das Gütesiegel "ok-power".

Von Martin Heilmann

Bislang bezieht Hirschberg Strom von den Stadtwerken Viernheim. Dies ist seit 2007 der Fall. Damals waren die Stadtwerke in einer Ausschreibung der günstigste Bieter.

Die Vertragsdauer wurde auf vier Jahre fixiert und beinhaltete eine zweijährige Preisbindung, die sich jeweils automatisch verlängerte.  Dies war im Sinne der Stadtwerke und der Gemeinden und so galt die Preisbindung bis heute.

Nun muss Hirschberg für April 2012 bis 2014 in einer Ausschreibung einen neuen Stromversorger suchen. Die Vergabe ist dabei an verschiedene Bedingungen geknüpft:

Bevorzugt soll ein Stromanbieter für kommunalen Liegenschaften gefunden werden, der in seinem Portfolio Öko-Strom anbietet. Denn Hirschberg will 50 Prozent des Stromverbrauchs über Öko-Strom decken. Dies beschloss der Ausschuss für Technik in einer nicht-öffentlichen Sitzung vor einer Woche.

Der Beschluss wurde heute auch vom Gemeinderat in allen Punkten mehrheitlich beschlossen. Bei der Frage des Öko-Strom-Anteils gab es allerdings drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen. Die GLH ist für einen hundertprozentigen Öko-Anteil. Die FDP will weniger. Die Enthaltungen kamen aus Reihen der Grünen.

Zur Zeit liegt der Öko-Stromanteil bei Null. Durch den beschlossen 50-prozentigen Anteil entsteht der Gemeinde eine Haushaltsmehrbelastung von 1.680 Euro pro Jahr. Eine Umstellung auf 100 Prozent hätte doppelt so viel gekostet also 3.360 Euro.

„Das ist eine Frage der Reputation für die Gemeinde. Um die Wirtschaftlichkeit kann es uns da nicht gehen“, so Herr Karl-Heinz Treiber (GLH). Dem entgegnete Bürgermeister Manuel Just, dass der bundesweite Durchschnitt gerade einmal bei rund 20 Prozent liege.

Allerdings machen es andere konsequenter, beispielsweise Laudenbach. Dort wird ab April 2012 komplett auf Öko-Strom umgestellt.

Die Hälfte des Stromverbrauchs über erneuerbare Energien zu beziehen ist folglich für Bürgermeister Just und die Mehrheit des Gemeinderats ein großer Schritt für Hirschberg. Die Grünen sahen das anders, Monika Maul-Vogt und Jürgen Steinle enthielten sich deshalb, Karl-Heinz Treiber stimmte gegen den Beschluss.

Der FDP war der Ökostromanteil gar zu groß, Hartmut Kowalinski und Oliver Reisig stimmten deshalb dagegen.

Hirschberg orientiert sich bei der Auswahl des Stromanbieters vor allem an dem Gütesiegel „ok-power“, das vom Ökoinstitut e.V., dem World-Wildlife-Fund (WWF) sowie der Verbraucherzentrale vorgegeben wird.

Zusammengefasst soll der Ökostrom-Anbieter selbst erneuerbare Energien erzeugen oder diesen zumindest von einem dritten Anbieter kaufen und weiterleiten. Im Falle, dass zur Stromerzeugung neben erneuerbaren Energien auch fossil befeuerte Kraft-Wärme-Kopplung eingesetzt wird, darf dieser Anteil am gesamten Portfolio 50 Prozent nicht überschreiten.

Außerdem muss mindestens ein Drittel des Stroms aus Anlagen kommen, die nicht älter als sechs Jahre alt sind. Ein weiteres Drittel des Stroms muss aus Anlagen stammen, die seit maximal zwölf Jahren am Netz hängen.

Im März 2012 laufen die Straßenbeleuchtungsverträge Hirschbergs mit den Stadtwerken Viernheim aus. Die Ausschreibung umfasst also nicht nur die kommunalen Liegenschaften, sondern auch die Straßenbeleuchtung Hirschbergs. Dadurch soll ein günstigerer Preis erzielt werden. Allerdings läuft auch nach der Ausschreibung die Straßenbeleuchtung ohne „Öko“.

Dort soll es eine gemeinsame und Kommunen übergreifende Ausschreibung geben, um eine bessere Verhandlungsposition zu erzielen.