Sonntag, 18. November 2018

Klassik-Highlight zum Jahreanfang

Vier auf einen Streich

Print Friendly, PDF & Email

Ausdrucksstarkes Mannheimer Hofquartett.

 

Hirschberg, 15. Januar 2012 (red) In der alten Synagoge in Leutershausen spielte zum Jahresauftakt der Konzertreihe „Concerti e piĂč das „Mannheimer Hofquartett“.

Von Jörg Theobald

Die „alten Söhne Mannheims“ boten ihren knapp 60 Zuhören Musik aus der BlĂŒtezeit des Mannheimer Hofes (Anfang des 18. Jahrhunderts) dar. Auf historischen Instrumenten spielten sie fĂŒnf StĂŒcke der Komponisten Ignaz Holzbauer und Georg Joseph Vogler.

Mozart liebte Holzbauer – Vogler konnte er nicht leiden

AndĂ€chtig lauschten die Zuhörer den KlĂ€ngen der Streichinstrumente. Nach einem sehr melodischen Einstieg mit Voglers „Quartetto III F-Dur“ erzĂ€hlte Gregor Herrmann (Violoncello) ein wenig zu den beiden Komponisten. So konnte Wolfgang Amadeus Mozart den Geistlichen Georg Joseph Vogler wohl nicht gut leiden, war hingegen von der Musik eines Ignaz Holzbauers begeistert.

Anschließend folgten drei StĂŒcke Holzbauers. Eine gute Mischung aus nachdenklichen und theatralischen KlĂ€ngen bot die „Sonata da camera f-Moll“. Im gedĂ€mpften Licht der Synagoge regte das StĂŒck dazu an, seinen Gedanken freien Lauf zu lassen.

Das „Quartett Es-Dur“ brachte den ein oder anderen Zuhörer mit seinen fröhlichen, teilweise etwas ĂŒberschwenglichen Tönen zum LĂ€cheln. Das StĂŒck klang wie die Vertonung einer jungen Liebe, viel Freude, aber auch einfĂŒhlsame und eher ruhige Passagen waren zu hören.

Nach einer kurzen Pause erklĂ€rte Jens Schlichting, der Initiator der Konzertreihe „Concerti e piĂș“, den versammelten GĂ€sten zunĂ€chst, dass anlĂ€sslich zu Holzbauers 300. Geburtstag das Konzert als Dokumentarfilm festgehalten wird. Gregor Herrmann gab den GĂ€sten im Anschluss einige Informationen zur „Mannheimer Schule“.

430 Hertz

So erklĂ€rte er, dass die Musiker zur damaligen Zeit in Mannheim ein angesehener Teil der Bevölkerung war. Sie durften in den Quadraten wohnen (also im Stadtinneren) und mussten neben der Musik keine weiteren TĂ€tigkeiten ausfĂŒhren.

In anderen StÀdten war es damals noch normal, das Musiker nebenher noch als Kellner oder AushilfsjÀger arbeiteten, erzÀhlte Gregor Herrmann.

Auch auf die Besonderheit der Saitenstimmung ging er ein. Mit 430 Hertz befinden sich die Saiten genau zwischen einer klassischen Barock- und einer modernen Saitenstimmung.

Die lebhafte und durch hĂ€ufigen Einsatz von Zupftechnik herausstechende „Partita a quattro B-Dur“ war das letzte StĂŒck von Ignaz Holzbauer. Zum Abschluss des Konzerts folgte noch das flotte, bisweilen dĂŒster und drĂ€ngende „Quartett f-moll“ von Georg Joseph Vogler.

FĂŒr das begeisterte Publikum spielte das Quartett nach einem mehrere Minuten andauernden Applaus noch eine kurze Zugabe.

Die Konzertreihe „Concerti e piĂș“ hat sich schon lĂ€ngst als kulturelle Perle in Hirschberg etabliert – ĂŒberraschend, interessant, musikalisch anspruchsvoll. Ein guter Start ins neue Kulturjahr der Gemeinde.