Freitag, 16. November 2018

Leserbrief

Wenn einem der Kragen platzt

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Hirschberg, 27. Februar 2012. (red) Dem Hirschberger Arndt Weidler ist der Kragen wegen eines Berichts in den Weinheimer Nachrichten (WN, 24.2.2012, Hirschberg: Hirschbergern platzt bei RNV der Kragen) geplatzt. Darin wird ĂĽber Ă„rger bei den Autofahrern auf der B3 „berichtet“. Weidler dreht den SpieĂź um und schreibt ĂĽber den Ă„rger von Nutzern des öffentlichen Personennahverkehrs (Ă–PNV).

Leserbrief von Arndt Weidler

Klick… Haben Sie das gehört? Das war das Messer in meiner Tasche. Es ist aufgegangen! Kein Problem, wenn Hirschbergs BM Just die verfrühte Freigabe der zweigleisigen OEG-Ausbaustrecke seitens der rnv schon im November moniert. Denn er hat recht, dass die, nun ja, „unvollkommene“ Ampelschaltung entlang der Bergstraße zwischen Weinheim und Schriesheim viel dazu beigetragen hat, dass sich die Fraktion der AutofahrerInnen in ihren zuvor geäußerten Befürchtungen bislang bestätigt fühlen durfte – durch Großsachsen kommt man auf vier Rädern nun noch langsamer voran als zuvor und aus den Ortsteilen oberhalb der B 3 nur noch sehr gelegentlich raus und rein. Recht hat er, ultimativ Nachbesserungen von Verkehrsplanern und rnv bei den Signalschaltungen zu verlangen. Und er hat auch damit recht – es ist für die AutofahrerInnen bereits merklich besser geworden in den letzten Wochen.

Was aber richtig ärgerlich ist, ist dass die ganze Diskussion um Taktverdichtung und zweigleisigen Ausbau stets aus der Perspektive des motorisierten Individualverkehrs geführt wird. Es soll aber in Hirschberg und anderswo Menschen geben, die regelmäßig, manche sogar gerne, den öffentlichen Nahverkehr nutzen. Schüler, Azubis, Senioren, Berufspendler und Leute, die sich kein Auto leisten können … und spinnerte Ökos natürlich. Für diese Menschen ist der Ausbau ein Segen. Die OEG kommt pünktlicher, sie verbindet die Orte schneller, Ein- und Ausstieg fallen leichter. Ganz abgesehen von den direkten Anrainern – die Züge fahren erheblich leiser.

Kein Mensch aber redet in der ganzen „Belastungs“-Diskussion darüber, was es bedeutet minutenlang bei Wind und Wetter am Gleis zu stehen, dicht gedrängt unter einem winzigen, zugegeben schicken Unterstand. Keiner, wie es ist am Abend, nach dem Kino- oder Kneipenbesuch in Weinheim oder Heidelberg, eine Dreiviertelstunde auf den nächsten Zug zu warten.

An diese Menschen denke ich (und alle, die mit dem Gedanken spielen solche zu werden), wenn ich die Gemeinden Weinheim, Hirschberg und Schriesheim auffordere, für einen durchgehenden 10-Minuten-Takt am Tag und einen Halbstunden-Takt in den Abendstunden und am Wochenende zu sorgen, anstatt kleinmütig auf die zusätzlichen Belastungen für die AutofahrerInnen und die strapazierten Finanzhaushalte (mit Beträgen zwischen 27 Tsd., für Hirschberg und 63 Tsd. Euro, Schriesheim, im Jahr, ab 2013) zu verweisen.

Und, liebe AutofahrerInnen, was sind schon 5 bis 10 Minuten jeden Tag in der beheizten Karosse, die größten Hits der 80er und 90er im Ohr an der roten Ampel? Wer das nicht mag, sollte auf Bus und Bahn umsteigen… Klack!

Ăśber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.