Donnerstag, 09. August 2018

Thomas - die MĂ€nnerkolumne

Gibt es ein Shopping-Gen bei Frauen?

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Das Zeichen fĂŒr die MĂ€nnlichkeit. Quelle: Wikipedia.

Rhein-Neckar, 26. MĂ€rz 2012. Seit Herbst 2009 veröffentlicht Gabi ihre Kolumne. Thomas ist ein Stammleser. Woche fĂŒr Woche liest er Gabis Kolumne – vor kurzem hat es ihn gepackt: Es soll auch mal die mĂ€nnliche Seite auf den Tisch kommen. Jetzt wieder. Thomas versucht sich heute an an der Frage: Gibt es ein Shopping-Gen bei Frauen?

Jetzt habe ich wieder viele Wochen geschwiegen und mir so Schwachsinnstexte wie ĂŒber den Tupperabend reingezogen, immer in der Hoffnung, dass mal etwas WĂŒrze in die Mann-Frau-Diskussion kommt.

Nehmen wir doch Mal das Shopping-Verhalten des weiblichen Geschlechts unter die Lupe.

Und glauben Sie mir, ich weiß worĂŒber ich schreibe, schließlich bin ich verheiratet und habe zwei Töchter.

Eines ist klar: Dieses Verhalten wird ihnen praktisch in die Wiege gelegt. Meine Töchter ging schon im Kindergartenalter mit Freuden in die Stadt und wo zog es sie hin: In die Spielwarenabteilungen der KaufhĂ€user und genauer in die Regale, in denen sie die neueste Ausstattung fĂŒr Barbie und Baby Born finden konnte. Und das ist erst der unsĂ€gliche Anfang.

In der PubertĂ€t wirken GeschĂ€fte wie H&M, New Yorker oder Hollister – Vorsicht, da wirds teurer – magnetisch, aber Gottlob außer dem vĂ€terlichen Geldbeutel wollen die MĂ€dchen von meiner Seite kaum einen Beistand.

Anders ist es da mit der Angetrauten. Meine Frau, und ich liebe und schÀtze sie sehr, ist geradezu versessen aufs Shoppen.

Ist sie alleine unterwegs, durchstreift sie stundenlang die LĂ€den nach passenden „Kleinigkeiten“, wie sie das so schön nennt. Das kann ein T-Shirt sein oder auch ein hĂŒbsches Tuch, ein GĂŒrtel – „genau in der Farbe, wie ich ihn schon immer gesucht habe“ oder auch nur ein neuer Nagellack. Alles Dinge, die sie garantiert nicht braucht und die ich dann auch noch erkennen und kommentieren muss, wenn sie sie trĂ€gt.

„Schatz, das steht Dir aber besonders gut“

Habe ich die erste HĂŒrde genommen und ihr neues Shirt entdeckt, reicht es bei weitem nicht, „neu, was“ zu sagen, sondern da muss zumindest ein „Schatz, das steht Dir aber besonders gut“ ĂŒber meine Lippen kommen, sonst ist der Abend gelaufen.

Das ist auch so typisch Frau, die Verbindung von Aufmerksamkeit und echter Zuneigung zu knĂŒpfen. Bin ich im Stress und mit meinem Kopf schon bei der Arbeit und vergesse sie beim Abschied zu kĂŒssen, kann das ohne Probleme in einen Streit „à la unsere Beziehung ist nicht mehr wichtig fĂŒr dich“ ausarten.

Und da MĂ€nner, und da nehme ich mich nicht aus, Ă€ußerst konfliktscheu in GefĂŒhlsfragen sind, versuche ich das tunlichst zu vermeiden. KĂŒsse sie liebevoll beim Abschied und beim Heimkommen und wenn sie mir strahlend entgegentritt, versuche ich es mit der Bemerkung „warst du beim Friseur, deine Haare sehen einfach toll aus“. Damit treffe ich oft ins Schwarze und wenn nicht, habe ich ihr dennoch ein Kompliment gemacht.

Aber nun gut, wir waren ja beim Shoppen und meine Frau liebt es, wenn ich sie begleite.

Meine Damen, wissen Sie eigentlich, wie elend sich ein Kerl auf den StĂŒhlen neben der Umkleidekabine fĂŒhlt? Den schadenfrohen – aber manchmal auch nachfĂŒhlenden – Blicken der vorĂŒbergehenden MĂ€nner ausgesetzt und dem Blick der eigenen Frau, wenn sie aus der Kabine kommt.

Ich bin jetzt ganz ehrlich, oft versichere ich ihr ganz schnell, dass das ausgesuchte KleidungsstĂŒck ganz großartig aussieht, nur um dieser Tortur zu entkommen.

Gefangener im SchuhgeschÀft

Das Ganze wird nur noch gesteigert durch den Besuch eines SchuhgeschÀfts.

„Was meinst du, Schatz, passen die Pumps oder Stiefeletten besser zu meinem neuen Hosenanzug“, fragt sie mit erwartungsvollem Blick wĂ€hrend sie mir die Schuhe vorfĂŒhrt.

„Ich wĂŒrde die Pumps nehmen“, sage ich, weil ich weiß, sie erwartet ein Statement. „Meinst Du wirklich, ich glaube die Stiefeletten passen besser“, entgegnet sie.

„Ja, du hast Recht, nimm die Stiefeletten“, antworte ich folgsam. „Ach, ich weiß nicht, vielleicht doch besser die Pumps 
“

Das geht dann endlos so weiter, werde ich ungeduldig, laufe ich Gefahr, dass sie sich gar nicht entscheidet und wir noch ein weiteres GeschÀft aufsuchen. Beharre ich auf meine erste Entscheidung, kann das eine endlose Diskussion zur Folge haben.

So befinde ich mich in einer Endlosschleife und habe nur das dringende BedĂŒrfnis, irgendwo in Ruhe – und am besten allein – ein Bier zu trinken.

Versuche ich sie meinerseits mit in einen Baumarkt zu schleppen, verweist sie mich darauf, dass unser Sohn gerne einen MÀnnerausflug machen und sie dabei nicht stören möchte.

Ist Shoppen genetisch verankert?

Insgeheim vermute ich, dass Shoppen bei Frauen genetisch verankert ist, direkt vom Beerensammeln zur Einkaufmall. Wer vollgepackt mit vielen TĂŒten nach Hause kommt, war erfolgreich.

Diese Analyse macht auf alle FĂ€lle klar, dass Frauen und MĂ€nner in vielerlei Hinsicht nicht zueinander passen können. Und wĂŒrden Frauen das einsehen, könnte auch alles hervorragend laufen.

Meldet sich ihr Shopping-BedĂŒrfnis, sollten sie sich eine Freundin schnappen und dies mit ihr stundenlang zelebrieren und nicht mit aller Gewalt den Ehemann mitschleppen, da ist Frust vorprogrammiert. Das ist Ă€hnlich wie bei Liebesfilmen – aber das ist jetzt ein anderes Thema.

WĂ€ren Frauen so einsichtig wie MĂ€nner, könnten wir uns alle viel Ärger sparen, davon bin ich ĂŒberzeugt und das musste jetzt mal gesagt sein.

Anmerkung der Redaktion:

Thomas ist Ende Vierzig, lebt in der Region Rhein-Neckar, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.