Sonntag, 18. November 2018

Dossenheim: Polizei bittet um Hinweise

Labradorwelpe stirbt an ausgelegten Giftködern

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Dossenheim/Schriesheim/Rhein-Neckar, 09. Mai 2012. (red) Die Polizei hat auf Anfrage bestätigt, dass Giftköder sichergestellt worden sind, nachdem ein Hund eingegangen ist. Am Montag ist ein 12 Wochen alter Welpe nach Aufnahme von vergifteter Fleischwurst jämmerlich zugrunde gegangen. Die Ermittlungen gestalten sich schwierig – die Konsequenzen sind vermutlich „erbärmlich“.

Von Hardy Prothmann

Wer tut so etwas? Wer ist so feige? So hinterhältig? Der 12 Wochen alte Labrador-Welpe hatte keine Chance. Bei einem Spaziergang am Montagvormittag hat der junge Hund im Feldgebiet zwischen Dossenheim und Schriesheim (verlängerte Schriesheimer Straße) Fleischwurst gefunden und gefressen. Doch diese war mit „blauen Kügelchen“ präpariert – vermutlich Kunstdünger.

Die 45-jährige Besitzerin des kleinen Hundes hat die Aufnahme gegen 10:30 Uhr nicht bemerkt. Drei Stunden später erbricht sich der Hund.

Eine halbe Stunde später geht die Frau mit dem Welpen nochmals Gassi. Plötzlich röchelt dieser, bricht zusammen, entleert sich und verendet. Ein Tierarzt in einer nahe gelegenen Praxis kann nichts mehr tun – nur noch den Tod des jungen Hundes feststellen.

Die Frau ist fassungslos. Trotzdem hat sie die Kraft, das Erbrochene zu untersuchen. Sie entdeckt darin „blaue Körner“ und geht mit Bediensteten der Tierarztpraxis erneut in das Feldgebiet, in dem der Hund die Wurststücke aufgenommen haben muss.

Dabei werden laut Angaben der Polizei weitere mit blauen Körnern vergiftete Fleischstücke aufgefunden und beseitigt.

Um welche Art Gift es sich handelt, konnte die Polizei noch nicht feststellen. Das Polizeirevier Heidelberg-Nord hat die Ermittlungen aufgenommen, Proben der vergifteten Stücke sichergestellt und diese einer Untersuchung zugeleitet.

Die Polizei bestätigt auf Anfrage, dass man grundsätzlich ermittle, vermutlich wegen Tierquälerei. Doch der Sachverhalt sei schwierig. Selbst wenn man den Schuldigen ausfindig macht – wofür kann er angeklagt werden? Für das Wegwerfen von Nahrungsmitteln? Auch von „präparierten“? Wollte er alle Hunde vergiften oder nur den jungen Labrador-Welpen?

Und überhaupt, ein Hund ist als Haustier juristisch gesehen eine „Sache“. Der qualvolle Tod des jungen Welpen ist also eine Art Sachbeschädigung. Aber es ist keine Tasse kaputt gegangen, sondern ein geliebtes Tier ist qualvoll verreckt.

Ob man den Täter je findet? Vermutlich nicht. Und wenn, ist eine staatliche Strafverfolgung eher nicht „abschreckend“. Es könnte eine zivilrechtliche Klage erhoben werden. „Schadensersatz“ gefordert werden.

Das macht den jungen Hund nicht wieder lebendig. Und lindert auch nicht den Schock, den die Frau erlitten hat, als der kleine Hund jämmerlich zugrunde ging.

Und es hilft auch nichts, dass nach unseren Recherchen viel Panik mit angeblich vergifteten Ködern gemacht wird. Vor kurzem machte das Gerücht in Viernheim die Runde. Tatsächlich war nichts dran an der „Story“ – insgesamt ist das Delikt so unbedeutend, dass die Polizei keine Statistik dazu führt.

Trotzdem gibt es diese Fälle – wie aktuell durch die Polizei bestätigt, dass irgendwer vergiftete Köder auslegt, um wahllos Tiere zu töten und Menschen Leid zuzufügen.

Die Sachbearbeiter der Polizei erbitten sachdienliche Hinweise unter Tel.-Nr. 06221/4569-0.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.