Freitag, 27. Juli 2018

Kriminalstatistik wird dem Gemeinderat vorgelegt

„Auf der Insel der Glückseligen?“

Print Friendly, PDF & Email

Hirschberg, 25. Mai 2012. (red/sap) Kriminalhauptkommissar Ludwig Hillger von der Kriminalaußenstelle und Polizeioberrat Jürgen Helfrich, Leiter des Polizeireviers Weinheim,  waren am vergangenen Dienstag an den Ratstisch gekommen, um den Gemeinderat über die Kriminalstatistik von Hirschberg für die Jahre 2010/2011 zu informieren. Die Zahl der Wohnungseinbrüche in Hirschberg ist gestiegen.

Von Sabine Prothmann

In Hirschberg gab s im Jahr 2011 eine leichte Steigerung von 25 Straftaten, erklärte Bürgermeister Manuel Just eingangs.

Aber alles in allem, so Just, „leben wir hier an der Bergstraße, in Hirschberg auf der Insel der Glückseligen“.

Ganz so wollte es der Chef des Polizeireviers Weinheim, Jürgen Helfrich, nicht stehen lassen, „für uns ist jede Straftat eine zuviel“.

Insgesamt liege Hirschberg im Landestrend. Im gesamten Bereich der Polizei-Außenstelle Weinheim seien die Straftaten angestiegen – von 3175 auf 3401.

„Das Dunkelfeld bleibt verborgen“

Diese Zahlen beziehen sich natürlich nur auf das „Hellfeld“, das „Dunkelfeld bleibt verborgen“, so Helfrich.

In Hirschberg rage kein bestimmtes Phänomen heraus. Die Polizei musste weder wegen Sexualdelikten, noch wegen Raub, Brandstiftungen oder gar Morddelikten ermitteln.

„Sie leben sehr sicher“, bestätigte Helfrich. Trotz der Infrastruktur mit einer guten Verkehrsanbindung und „einer Bürgerschaft, die auf der Opferseite stehen könnte“.

Die Straftaten sind im Jahr 2011 von 190 auf 215 gestiegen, doch das sei nicht besorgniserregend, erklärte der Chef des Weinheimer Polizeireviers.

Die Aufklärungsquote liege bei 35,2 Prozent. Und auch das entspreche dem Schnitt im Revier und im Rhein-Neckar-Kreis.

„Wir sind auf die aktive Mithilfe der Bevölkerung angewiesen“ – nach dem Motto „beistehen statt rumstehen“.

Im Bereich der Körperverletzungen auf öffentlichen Plätzen konnte man einen deutlichen Rückgang von 50 Prozent – von zehn auf fünf – verzeichnen.  Bei vier Fällen handle es sich dabei um gefährliche Körperverletzungen.

Im Bereich der Straßenkriminalität dagegen gab es nahezu eine Verdoppelung von 35 auf 68 Delikte.

Wohnungseinbrüche auf hohem Niveau

Auch bedingt durch die verkehrsgünstige Lagen seien die Wohnungseinbrüche auf einem hohen Niveau, im Jahr 2009 gab es fünf, 2010 18 und 2011 16 Einbrüche, berichtete Helfrich.

Bei den Rohheitsdelikten konnte Helfrich wiederum Positives vermelden, hier gab es einen Rückgang von 15 auf neun Fälle, darunter gab es keinen Raub und nur eine Tat der Nachstellung (Stalking).

Die Zahl der Vermögensdelikte blieg gleich bei 33. Es gab 15 Fälle der Sachbeschädigung und 28 Diebstähle, davon 16 an Kraftfahrzeugen, und zwei Graffitis.

Von den 86 Tätern waren 67 männlich und 19 weiblich. Der Anteil von nichtdeutschen Tätern lag bei 25,6 Prozent.

Unter den Tätern waren neun Kinder, elf Jugendliche und zehn Heranwachsende, 56 Erwachsene und davon 28 über 40 Jahre.

Kriminalhauptkommissar Ludwig Hillger von der Kriminalaußenstelle berichtete, erfreulicherwiese habe es in Hirschberg in den vergangenen beiden Jahren keinen Sexualdelikt gegeben. Die Wirtschaftskriminalität sei jedoch angestiegen.

„Wir kriegen keinen Fuß rein“

Hillger verwies zudem auf drei Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz – jedes Mal ging es um Cannabis.

Das sei eine recht geringe Zahl, „aber das ist nicht die Wirklichkeit.“ Das hieße lediglich „wir kriegen keinen Fuß rein“.

Helfrich bezeichnete die Betäubungsmittelkriminalität als „Holkriminalität“, „wo wir hinschauen, haben wir Fälle“.

Gemeinderat Werner Volk (FW) wollte wissen, ob der Anstieg der Wohnungseinbrüche auch auf die fehlende Manpower im Polizeirevier zurück zu führen sei.

Helfrich sah darin keinen unbedingten Zusammenhang und bemerkte, dass es sich oft um Einbrüche am hellichten Tag handelte, verübt von jugendlichen reisenden Tätern.

Auf Rückfrage von Eva-Marie Pfefferle (SPD) musste Helfrich zugeben, dass die Aufklärungsquote bei Einbrüchen bei lediglich 6,3 Prozent liege.

Etwas unpassend brachte Gemeinderat Hartmut Kowalinski (FDP) den Anstieg der Einbrüche mit dem Erscheinen der Erntehelfer und den Rückgang mit deren Verschwinden in Zusammenhang.

Helfrich wollte sich dazu nicht äüßern.

Prävention in Schulen ist wichtig

Ludwig Hillger betonte die Wichtigkeit von frühzeitiger Kriminalprävention. Er besuche viele Schulen -vornehmlich die 7. und 8. Klassen – und auch andere Institutionen und klärt dort über Rauschgift- und Sexualdelikte auf. Auch gegen eine Teilnahme der Polizei am nächsten Gemeindetag in Hirschberg spreche nichts, sagte er auf Rückfrage.

Eine allgemeine Präsens sei aber bei einer Person auf rund 80.000 Einwohner schwer zu erreichen.

Auf die Spielhallenproblematik angesprochen, sagte Jürgen Helfrich, „wir haben keine Probleme mit den Spielhallen“, aber, so wiederum Hillger, hätte es in jüngster Vergangenheit vermehrt Raubüberfälle auf Spielhallen gegeben.

Über sabine