Dienstag, 31. Juli 2018

Das Seniorenzentrum am Turm wurde eingeweiht

„Keine geschlossene Gesellschaft, sondern ein Teil von Hirschberg“

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Das Seniorenzentrum am Turm wurde eingeweiht. Foto: Hirschbergblog.

Hirschberg, 03. Juni 2012. (red/sap) Am Freitag, 01. Juni, wurde das Seniorenzentrum am Turm in Großsachsen eingeweiht und der Hausdirektor Ingo Pregartner in sein Amt eingefĂŒhrt. Ein Tag der offenen TĂŒr ermöglichte den Besuchern die RĂ€umlichkeiten des Pfelegeheims anzuschauen und ein Festakt bot RĂŒck- und Ausblick auf ein spannendes Projekt: 27 barrierefreie Zwei- bis Drei-Zimmerwohnungen mit 52 bis 81 Quadratmetern, 49 Pflegezimmer, ein Mobiler Pflegedienst und eine Kinderbetreuungseinrichtung mit 20 PlĂ€tzen fĂŒr Kinder zwischen einem und drei Jahren sind entstanden. In weißen Zelten lud die Evangelische Heimstiftung zum Essen.

Von Sabine Prothmann

Es ist hĂŒbsch geworden, das Seniorenzentrum am Turm, neben dem Marktplatz, im Herzen von Großsachsen. Die GebĂ€ude sind hell und freundlich, im Pflegeheim herrscht eine moderne und doch gemĂŒtliche AtmosphĂ€re.

Und eigentlich ist es auch mehr ein „Generationenzentrum“, wie Thomas Becker, Regionaldirektor der Evangelischen Heimstiftung, sagte.

47 Prozent der Betten sind im Pflegeheim belegt, das heißt 23 Bewohner sind schon zehn Wochen nach der Eröffnung eingezogen.

„Das ist ein Wahnsinn, das heißt, wir wurden ausgezeichnet angenommen“, so Becker.

Und auch die Wohnungen wurden schon alle verkauft und vermietet und ein Großteils wurde bereits bezogen.

Die Bewohner der Betreuten Wohnanlage seien eingeladen, an den kulturellen Veranstaltungen und am Essen im Pflegeheim teilzunehmen und der Mobile Pflegedienst, der ebenfalls im Hause angesiedelt sei, könne in Anspruch genommen werden, erklÀrte Thomas Becker.

Bernhard Schneider fĂŒhrt Ingo Pregartner (links) ins Amt des Hausdirektors ein. Foto: Hirschbergblog.

Gleichzeitig mit der Einweihung des Hauses wurde Ingo Pregartner als Hausdirektor eingefĂŒhrt.

Denn, „man sei schließlich sparsam“, wie Bernhard Schneider, HauptgeschaftsfĂŒher der Evangelischen Heimstiftung, und aus Stuttgart angereist, erklĂ€rte und dabei lachte:

Ich komme gerne an die Bergstraße, Sie leben hier in einem gesegneten Landstrich.

Bei der evangelischen Heimstiftung sei es ĂŒblich, einen Festakt mit der Tageslosung und Lehrtext zu eröffnen und so zitierte Schneider:

Wer den Herrn fĂŒrchtet, hat eine sichere Festung.

Und dieses Motto gab er Pregartner mit auf den Weg, als Orientierung und Kompass:

Seien Sie fest im Glauben, das wird Ihnen eine innere Orientierung geben.

„Offene TĂŒren, offene Arme!“

Doch, wenn es um die Einrichtung gehe, die Menschen, Bewohner, Angehörige, dann sei genau das gegenteilige Bild einer Festung gefragt:

Offene TĂŒren, offene Arme!

Dieses Haus solle Sicherheit und Geborgenheit geben und es solle den Bewohnern eine Heimat sein.

An BĂŒrgermeister Just gewandt, sagte Schneider:

Sie haben mit dieser Einrichtung, die eigentlich Generationenzentrum am Turm heißen mĂŒsste, etwas Wunderbares geschaffen, hier begegnen sich Jung und Alt und bilden eine Gemeinschaft.

Das Zusammenkommen von Pflegeheim, betreuter Wohnanlage und Kinderbetreuung bezeichnete Schneider als innovativ.

Die Evangelische Heimstiftung habe in das Seniorenzentrum rund 4,5 Millionen Euro investiert und entstanden sei ein modernes Pflegeheim mit 49 PlÀtzen in drei Wohngruppen. Und auch ein Mobiler Dienst habe hier Heimat gefunden.

„WohlfĂŒhlen schaffen wir nicht durch Mauern und ein Haus, sondern das schaffen die Menschen“, sagte Schneider bei der AmtseinfĂŒhrung zu Ingo Pregartner. Man brauche Mitarbeiter und ein gutes Team, um starten zu können.

Ingo Pregartner ist seit Anfang 2009 bei der Evangelischen Heimstiftung tÀtig, bislang arbeitete er als Pflegedienstleiter in Heddesheim, ab vergangenen Freitag ist er nun offiziell Hausdirektor des Seniorenzentrums am Turm.

FĂ€ngt ein gesegnetes Alters erst mit 99 Jahren an, fragte Pfarrerin Ute Haizmann von der Weinheimer Peterskirche und sagte:

Hallo, wir haben alle ein gesegnetes Alter, heute und hier.

Es komme darauf an, dass „ich nicht alleine gelassen bin, dass es Menschen gibt, die mir gut tun, denen ich gut tue, egal wie alt wir sind“, so Haizmann.

Der Turm - ein markantes Wahrzeichen fĂŒr Großsachsen. Foto: Hirschbergblog.

Mit dem Seniorenzentrum am Turm verwirkliche die Gemeinde den Wunsch, eine Alternative fĂŒr den Alterswohnsitz zu geben. Und zwar fĂŒr diejenigen, die es sich vorstellen können, ihre bisherige Wohnung aufgeben zu können, sagte BĂŒrgermeister Manuel Just bei seinen Gußworten.

Ein langer und  steiniger Weg bis zur Realisierung

Just erinnerte an den langen und steinigen Weg bis zur Realisierung des Seniorenzentrum: (Lesen Sie hier unsere chronologische Dokumentation: „Wie aus Ideen und WĂŒnschen ein Plan wurde, der anders ist als geplant„)

Die Eröffnung feiern wir rund ein Jahr spÀter als geplant.

Bereits 2006 habe es aus der Mitte des Gemeinderates den Antrag auf Erstellung eines Konzepts gegeben. 2007 folgte die PrĂŒfung und die Sichtung eines geeigneten GrundstĂŒcks. 2009 habe man sich fĂŒr die Evangelische Heimstiftung und die FWD als Baufirma und Investor entschieden.

Im selben Jahr gab es auch den ersten Hirschberger Seniorentag und im April 2009 wurde der Runde Tisch gegrĂŒndet. An diesem Tisch trafen sich die Evangelische Heimstiftung, die FWD, die Gemeinde Hirschberg und auch Vertreter der AWO und der Kirchengemeinden. Unter neuem Namen werde dieser runde Tisch auch weiter existieren.

BĂŒrgermeister Just ist stolz darauf, was entstanden ist: 27 barrierefreie Zwei- bis Drei-Zimmerwohnungen mit 52 bis 81 Quadratmetern, 49 Pflegezimmer, ein Mobiler Pflegedienst und eine Kinderbetreuungseinrichtung mit 20 PlĂ€tzen fĂŒr Kinder zwischen einem und drei Jahren.

Mit dem Turm habe man ein markantes Wahrzeichen Großsachsens einbinden können. Er hoffe auf eine hohe Frequentierung des Areals. Durch die Lage direkt am Marktplatz, die verbindenden Wege, das große Schachbrett in der Mitte, habe die Gemeinde Hirschberg alles dafĂŒr getan, dass hier gelebt werden könne.

Die Lebenserwartung sei deutlich gestiegen, „diesen Ă€lteren Menschen und ihren BedĂŒrfnissen mĂŒssen wir Rechnung tragen“, sagte Just. Bis zum Jahr 2030 werde sich die Zahl der Über-65-JĂ€hrigen um 4,2 Prozent erhöhen, also um 150 Menschen. Davon wĂŒrden sicher einige im Seniorenzentrum in ihren letzten Lebensphase eine Heimat finden.

„Wir haben viel gelernt hier in Hirschberg“, sagte Gustav Bylow, BevollmĂ€chtigte der FWD Haubau Dossenheim. Bylow lobte Hirschberg als Musterbeispiel, vor allem auch durch das Wirken der Arbeitskreise:

Alles, was zu lange geschwÀtzt wurde, haben wir durch schnelles Bauen wieder eingeholt.

Es wurde eine Heiterkeit ausstrahlende Architektur geschaffen, so Bylow, und die Menschen sollen denken:

Hier ist es schön, hier will ich sein und bleiben.

Doch er sagte auch:

Bauen ist wichtig, aber noch wichtiger ist, was in den HĂ€usern geschieht.

Martina Wagner vom Konvent der Evangelischen Heimstiftung lobte das Seniorenzentrum und wĂŒnschte Ingo Pregartner, „Balance zu halten und das eigene Maß zu finden.“

Seinen Ausblick begann Ingo Pregartner mit dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse. Und zitierte:

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschĂŒtzt und der uns hilft, zu leben.

Hier im Seniorenzentrum vereine sich Jung mit Alt, das sei eine optimale Begegnung. FĂŒr die Ă€lteren Menschen biete man verschiedene Lebensformen an: Vollstationierung, Kurzeitpflege und betreute Wohnanlage.

Wir wollen keine geschlossene Gesellschaft, sondern ein Teil von Hirschberg bleiben.

Den Bewohnern möchte er ein heimeliges GefĂŒhl und die Sicherheit, gut betreut im Alter zu sein, vermitteln. Pregartner dankte den Angehörigen und Mitarbeitern fĂŒr das ungewöhnliche Engagement.

Der „Manuel-Just-GedĂ€chnisplatz“

„Hier in Hirschberg ist ein Wort noch ein Wort“, lobte Thomas Becker, Regionaldirektor der Evangelischen Heimstiftung, die Zusammenarbeit mit der Gemeinde.

BĂŒrgermeister Just habe sich stets positiv eingemischt, auch architektonisch. So mĂŒsste eigentlich die Loggia „Manuel-Just-GedĂ€chnisplatz“ genannt werden, denn auf seine Idee hin sei sie umgesetzt worden.

Es sei ein kleines, soziales Generationenzentrum entstanden. Noch befinde sich das Seniorenzentrum in der „PubertĂ€t“ und muss sich entwicklen, aber mit einer Belegung von 47 Prozent nehmen die Menschen das Seniorenzentrum an.

Neben den fachlichen lobte Becker auch die menschlichen FĂ€higkeiten:

Dies ist hier ein Vorzeigeobjekt.

Wenn eine Einrichtung gut lĂ€uft, bekommt der Hausdirketor Lob, lĂ€uft sie schlecht, bekommt der Regionaldirektor Ärger. Deshalb wĂŒnsche er Pregartner viel Lob.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Franz Josef Siegel am E-Piano und am Bass GĂŒnter Stalter mit drei gut gewĂ€hlten und hervorragend gespielten und gesungenen StĂŒcken.

Das E-Piano, das kĂŒnftig in der Cafeteria des Pflegeheims stehen soll, ist ein Geschenk des Hirschbergers Michael Joswig. Anstelle von Geschenken hatte er sich zu seinem Geburtstag Geld gewĂŒnscht und das Musikinstrument gespendet.

„Ich wurde in meinem Leben mit einer schönen Stimme gesegnet“, sagte Joswig. Die Freude an der Musik möchte er gerne weitergeben.  Das E-Piano soll viel gespielt und angefasst werden, „das wĂŒnsche ich mir“.

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