Sonntag, 18. November 2018

Leserbrief zu Breitgasse 41 / Drittelsgasse

„Hier wird ein Denkmal zerstört“

Print Friendly, PDF & Email

Hirschberg, 04. Juli 2012. (red/gast/ma)  Die Gemeinde Hirschberg plant ihre Ortgebiete Breitgasse 41 / Drittelsgasse neu zu bebauen. Es gibt jede Menge Bürgerinnen und Bürger, die in dieser Form dagegen sind.

Leserbrief von Rembert Boese:

„Denkmalzerstörung in Hirschberg-Großsachsen durch das Bebauungsplanverfahren Breitgasse/Drittelsgasse.

Ein 499 Jahre altes Bauwerk, wahrscheinlich das Älteste in Großsachsen, soll in der Breitgasse 41 abgerissen werden. “Nicht erhaltenswert“ urteilt die Denkmalschutzbehörde des Regierungspräsidiums Karlsruhe! Das kommt dem Heddesheimer Bauträger, der das Bebauungsplanverfahren Breitgasse/Drittelsgasse betreibt, sehr entgegen, denn die Gebäude sollen nach seiner Planung alle abgerissen und das Gelände mit vier, zum Teil sehr großen Wohngebäuden, dicht bebaut werden.

Mitten in der jahrhundertealten Ortsstruktur wird somit eine Bebauung entstehen wie in einem Neubaugebiet. In der Zustimmung dazu sind sich der Bürgermeister und Gemeinderat einig, mit Ausnahme der Grünen Räte und bei Stimmenthaltung eines FW-Gemeinderates. Die Mehrheit findet nichts dabei, das Gewölbe und die gesamte fränkische Hofanlage abreißen zu lassen.

Sorge um Parkplätze wichtiger als Historie

Die Sorge, ob die Parkplätze für große Autos geeignet seien, ist wichtiger als der Umgang mit historischer Bausubstanz.

500 Jahre Baugeschichte Hirschberg-Großsachsen könnte nächstes Jahr gefeiert werden. Die Jahreszahl 1513, die älteste Inschrift Großsachsens befindet sich auf dem Gewölbekeller. Das muss man sich mal vorstellen: 500 Jahre alt! Damals war Martin Luther noch Augustinermönch in Wittenberg, war 1510/11 nach Rom gepilgert und hatte den in Bau befindlichen Petersdom gesehen.

Der Gewölbestein wurde in der gleichen Entstehungszeit gesetzt. Den Dreißigjährigen Krieg hat er dann überstanden, das Gebäude darüber ist möglicherweise dabei abgebrannt, vielleicht im Laufe der Jahrhunderte mehrmals, öfters ist es erneuert worden. Im 19. Jhd. wurde dann eine mächtige Scheune darüber gebaut. Das alles hat der Gewölbekeller unbeschadet überstanden.

Prägendes Ortsbild wird zerstört

Das soll jetzt alles verschwinden? Zu schnöden Parkplätzen eingeebnet werden? Schotter wird wohl aus den drei behauenen Sandsteinen gemahlen! Dass hier Historie und ein prägendes Ortsbild zerstört wird, ist dabei kein Problem. Der Erhalt eines solchen Baudenkmales ist meiner Meinung nach eine Sache der Wertschätzung der vorangegangenen Generationen. Es ist eine Frage des Kulturbewusstseins und der Identifikation mit dem Ort und seinem historisch wunderschön gestalteten Ortsbild.

Hier wird jetzt ohne wirkliche Not ein Kultur-Gut zerstört. Sicher kann man nicht alles konservieren und belassen wie es immer war. Aber man kann es intelligent neu gestalten. Wunderschöne Wohnhäuser sind so gebaut worden: z.B. in der Kirchgasse 1a und 35a in Großsachsen, wo historische Gewölbekeller formvollendet in einen Neubau integriert worden sind.

Bürger – beteiligt Euch!

Alle Hirschberger Bürger können versuchen das noch zu verhindern. Im Rahmen des verkürzten vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens Breitgasse/Drittelsgasse können sie mit diesem und anderen Argumenten Einspruch gegen den geplanten Abriss der Hofanlage erheben. Das kann bis zum 16.7. noch geschehen. Der Gemeinderat hat es dann mit seiner Beschlussfassung in der Hand, ob er der vorliegenden, zerstörenden Planung zustimmt oder einer Bebauung, die städtebaulich, ökologisch und bauhistorisch ausgewogen begründet ist, den Vorzug gibt. Es wäre auch ein gutes Beispiel gelungener Bürgerbeteiligung bei Planungsprozessen und damit ein Gewinn für die Gemeinde.