Donnerstag, 09. August 2018

Vorhabenbezogener Bebauungsplan "Breitgasse 41/Drittelsgasse"

Hirschberger Bürger fordern eine „zukunftsweisende Alternative“

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Hirschbergs Bürger können Eingaben zum offengelegten Bebauungsplans der Breitgasse/Drittelsgasse machen - allerdings nur noch bis zum 16. Juli. Quelle: Infoschrift Prof. Dr. Henner Hollert

 

Hirschberg, 04. Juli 2012. (red/ma) Ein geänderter Bebauungsplan für das Bauvorhaben an der Breitgasse / Drittelsgasse wird in Kürze vorgelegt. Für viele ist es unumstritten, dass eine Nachverdichtung Hirschbergs und vieler weiterer Gemeinden notwendig beziehungsweise unumgänglich ist. Da aber Siedlungscharakter und der besondere Charme Großsachsens gewahrt bleiben sollen, fordern Bürger dringend eine Alternative zum bislang vorliegenden vorhabensbezogenen Bebauungsplan – sie wünschen sich ein Konzept, welches die modernen Aspekte der Siedlungsökologie und Stadtplanung berücksichtigt.

Wir berichteten am 01. Juli 2012 von der in die nächste Runde gegangen Diskussion zum Bebauungsplan „Breitgasse/Drittelsgasse“. Die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange wurde am 28. Februar im Gemeinderat einstimmig beschlossen. Nach der Offenlegung in der Zeit während dem 12. März und 13. April gingen mehrere Schreiben mit Anregungen und Bedenken gegen das geplante Bebauungsvorhaben in der Verwaltung ein.

Hirschberger Bürgerinnen und Bürger kritisierten vor allem, dass durch die geplante Bebauung die bisherige Hofsituation verloren ginge und damit vor allem auch das typische Hirschberger Straßenbild. Die geplanten städtebaulichen Veränderungen würden eine zu hohe und zu massive Bebauung (60 Prozent überbaute Fläche) erwirken – damit eine nicht gewünschte dauerhafte Veränderung des Hirschberger Ortsbildes.

Zudem würde durch das negative „Vorbild“ ein Präzedenzfall entstehen – und so den Weg für eine massive Nachverdichtung bei ähnlichen Bauvorhaben bereiten.

Die Grüne Liste Hirschberg (GLH) beantragte aktuell die Vertagung der Entscheidung – denn zuletzt konnten sich am 18. Juni alle beteiligten Personen bei einem Vororttermin treffen, Planungen erörtern und die verschiedenen Meinungen austauschen. Man wünschte sich mehr Zeit, um Anregungen zu formulieren.

Am Samstag, den 07. Juli 2012 organisieren Hirschberger Bürger Informationsstände vor dem Anwesen der betroffenen Familie Glock und vor der Schreibwarenhandlung an der Ecke Breitgasse / B3.

Bebauungsplan ist eine „Katastrophe

Prof. Dr. Henner Hollert, RWTH Aachen University, der den Bebauungsplan für Hirschberg in der aktuell noch vorliegenden Form aus stadtökologischer Sicht für eine Katastrophe hält, lädt per Informationsschrift zu den Info-Ständen „Vorhabenbezogener Bebauungsplan Breitgasse 41/Drittelsgasse“ ein.

Auszug aus der Infoschrift:

„Die Bebauung liegt in einer klimasensiblen Frischluftschneise. An der Bergstraße bewirken Hangabwinde in Frischluftschneisen eine Abkühlung von bis zu 7-10°C. In einem Klimagutachten von Oekoplana (1990) wurde gezeigt, das die Hangabwinde in der Gemeinde Hirschberg eine Abkühlung von bis zu 7 Grad bewirken sowie klimatisch und lufthygienisch von größter Beduetung sind.

Laut diesem Gutachen wirken z.B. die Hangabwinde des Apfelbachtales sich bis über die B3 und sogar bis nach Leutershausen aus. Das Gutachten von Oekoplana mahnte 1990 an, in sehr klimasensiblen Bereichen nur eine eingeschossige Bebauung zuzulassen und einen GRZ von 0,3 nicht zu überschreiten.

Bisher liegt kein geeignetes großräumiges Gutachten vor, welches die gesamtklimatischen Auswirkungen der extrem massiven Bebauung darlegt. Die Gemeindeverwaltung zwar ein Gutachten beauftragt hat, welches aber tatsächlich NUR für dieses Gebiet gilt, nicht aber für sämtliche Freiflächen, welche in der Frischluft schneiße liegen. Das ist insbesondere deshalb nötig, da die beiden 6-Familienhäuser zu den 5% der größten Häuser der Gemeinde zählen werden. Sie sollen auch nach dem Einspruch der Mitbürger noch immer bis zu 2 m höher als die direkt angrenzenden Häuser sein! Ein großräumiges Klimagutachten ist somit dringend nötig und muss unbedingt die älteren Gutachten in Betracht ziehen.

Die Mehrheit des Gemeinderates hat dem Entwurf des geänderten Bebauungsplanes mit erneuter, verkürzter Offenlage am Dienstag, dem 26.06.2012 zugestimmt und schafft damit einen Präzedenzfall für eine solche Nachverdichtung, die die Inwertsetzung der Gemeinde, das besondere Ortsbild von Hirschberg und die ökologischen Funktionen stark beeinträchtigen wird.“

Die Hauptkritikpunkte sind nach Auffassung der Kritiker, dass es hier nur um „Gewinnmaximierung“ gehe.  Einige Hirschberger Bürger hätten bereits Interesse an diesen Grundstücken angemeldet, um Einfamilienhäuser zu bauen. Diese Anträge seien jedoch abgelehnt worden. Nun mache es sich der Gemeinderat zu einfach, wenn dieser das gesamte Gebiet einem Investor überlässt.

Zudem sei ein großräumigs Klimagutachten dringend notwendig, denn die geplante Bebauung sei für die klimasensible Frischluftschneise und die historische Bebauung in diesem Bereich viel zu massiv. Zudem werde das liebliche und typische Siedlungsbild der Gemeinde an dieser Stelle zerstört. Weiter sei die Bebauung zu dicht.

Interessierte können sich am Samstag zu der Sicht der Kritiker informieren – die Frist für die Eingaben an die Gemeinde endet am Montag, 16. Juli 2012 (Anm. d. Red.: Das im Flugblatt genannte Datum 13. Juli 2012 ist falsch).

Das komplette Informationsblatt können Sie hier herunterladen.

Hinweis: Auch die BI Sterzwinkel bietet Informationen und Gründe für Eingaben an.