Dienstag, 14. August 2018

Werkrealschule am Standort Hirschberg/Heddesheim vor dem Aus?

Dramatisch niedrige Anmeldezahlen

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Hirschberg/Heddesheim, 19. Juli 2012. (red/sap) Seit diesem Jahr gibt es in Baden-WĂŒrttemberg aufgrund einer Änderung durch die grĂŒn-rote Landesregierung keine verbindliche Empfehlung fĂŒr die weiterfĂŒhrende Schule mehr. Wie erwartet ist es zu einem deutlichen Einbruch gekommen: Im nĂ€chsten Schuljahr wird es nur noch ein Klasse mit 20 SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern geben – in Hirschberg. Heddesheim hat erstmalig keine fĂŒnfte Klasse.

Rektor Jens Drescher prĂ€sentierte die Anmeldezahlen fĂŒr die Werkrealschule im Schuljahr 2012/2013 auf der Schulzweckverbandssitzung Werkreal- und Grundschule Hirschberg/Heddesheim am Mittwoch in Hirschberg:

Letztes Jahr hatten wir 34 Anmeldungen, jetzt 20. Das ist klar ein Einbruch.

Eingangs berichtete Jens Drescher, dass sich die Anmeldezahlen in Stuttgart fĂŒr Haupt- und Werkrealschulen nahezu halbiert hĂ€tten. Lagen sie im vergangenen Jahr noch bei 20,9 Prozent pro Jahrgang, sind es in diesem Jahr nur noch 10,6 Prozent der GrundschĂŒler, die nach der 4. Klasse auf eine Haupt- bzw. Werkrealschule wechseln.

Von den 84 Heddesheimer Kindern in der vierten Klasse, hatten 15 eine (nicht bindende) Empfehlung fĂŒr die Hauptschule erhalten, aber nur fĂŒnf Eltern sind dieser Empfehlung gefolgt, berichtete Drescher. In Hirschberg haben sich insgesamt 14 SchĂŒler an der Werkrealschule angemeldet, was auch durch die umliegenden Gemeinden bedingt sei.

In Heddesheim hatte man sich mit den interessierten Eltern besprochen, möglich waren zwei Alternativen: eine jahrgangsĂŒbergreifende Klasse (5 und 6) in Heddesheim zu bilden oder die Kinder am Standort Hirschberg zu unterrichten. Schule und Eltern haben sich auf eine „stabile Klasse“ mit jetzt insgesamt 20 SchĂŒlern in Hirschberg geeinigt:

Diese 20 haben sich bewusst fĂŒr uns entschieden.

Die Schule biete laut Drescher ein „gutes Konzept fĂŒr die Zukunft“, wie zum Beispiel durch das „Boris-Berufswahlsiegel“ und dem Modell „Lernatelier“.

Das kann aber nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass eine weitere Entwicklung in dieser Richtung mit Sicherheit das Ende des Werkrealschulstandorts fĂŒr Hirschberg und Heddesheim bedeutet. Der Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler sagte:

Wir mĂŒssen uns diesen Fragen stellen und uns durch pĂ€dagogische Angebote positionieren.

Weiter wurde der Haushalt fĂŒr das Schuljahr 2012/2013 verabschiedet- die gemeinsame Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim gibt es seit dem Schuljahr 2010/2011. Vor GrĂŒndung des Verbands gab es eine heftige politische Auseinandersetzung – vor allem die GrĂŒnen lehnten die Reform und die EinfĂŒhrung der Werkrealschule ab.

Es handele sich um den dritten beziehungsweise um den „zweiten kompletten Haushalt“ des Schulzweckverbands, sagte der Verbandsvorsitzende Michael Kessler: „Hier wird wirtschaftlich gearbeitet.“

Das Besondere an der Konstruktion in Hirschberg/Heddesheim: Es befinden sich nicht nur SchĂŒler aus zwei Gemeinden an der Karl-Drais-Schule mit zwei Standorten, sondern es befinden sich auch je zwei Schulformen – die Grund- und die Werkrealschule – in einem GebĂ€ude.

Laut Schulstatistik waren im Oktober 2011 an der Werkrealschule 68 Heddesheimer SchĂŒler (davon 4 auswĂ€rtige) und 125 Hirschberger SchĂŒler (davon 39 auswĂ€rtige), also insgesamt 193 SchĂŒler gemeldet.

Der Haushaltsplan wurde mit 171.800 Euro in den Einnahmen und Ausgaben von je 161.800 Euro im Verwaltungshaushalt und 10.000 Euro im Vermögenshaushalt festgesetzt sowie auf eine Gesamtumlage von 81.100 Euro, die sich in eine Schulkostenumlage von 71.100 Euro und eine Kapitalumlage von 10.000 Euro aufteilen. Davon sind 59.700 Euro im Haushalt fĂŒr die Grundschule vorgesehen, die Schulkostenumlage betrifft nur die Werkrealschule. Der Haushalt wurde von der Verbandversammlung einstimmig angenommen.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.