Freitag, 27. Juli 2018

Diskussion um Breitgassenbebauung gibt Beteiligten Gelegenheit zum Nachdenken

Grüne Liste legt Leitlinien der innerörtlichen Bebauung vor

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Hirschberg, 04. Oktober 2012. (red/pm) Die Entscheidung zur Bebauung des Areals Drittelsgasse/Breitgasse 41 ist am 26. September im Gemeinderat wie erwartet gefallen. Die GLH hielt und hält die nun getroffene Entscheidung des Gemeinderates für falsch, respektiert aber selbstverständlich die Meinung der Mehrheit im Gremium.

Information der Grünen Liste Hirschberg:

„Nun darf, entsprechend der vorgeschlagenen Planung des Vorhabenträgers, der Heddesheimer Treugrund, gebaut werden. Schon lange vor der Entscheidung des Gemeinderates hatte Treugrund die dort entstehenden Eigentumswohnungen in einem sensiblen Bereich von Großsachsen als „Wohnpark am Alten Rathaus“ in Zeitungsinseraten und im Internet beworben.

Nun aber gilt es schleunigst den Blick nach Vorne zu richten. Neue Bauanträge, kleine und große, gute und schlechte, werden so sicher kommen wie der Advent. Die GLH hat daher auf ihrer letzten Mitgliederversammlung ihre „Leitlinien einer Innenverdichtung in den alten Ortsteilen“ verabschiedet. Darin heißt es einleitend: „Das Ortsbild Hirschbergs erfährt in den letzten Jahren eine Veränderung, die in der Bevölkerung nicht immer positiv erlebt wird.“ Kernelemente dieser Leitlinien sind u.a.:

  • Im Falle eines Neubaus sollte zur Erhaltung des historisch gewachsenen Straßenbildes die Position der ursprünglichen Gebäude an der Straßenfront übernommen werden.
  • Die neuen Gebäude sollten sich vom Stil her auf die alte Bausubstanz beziehen: Gebäudehöhen bzw. Kubatur, Dachneigung, Materialien, Fassaden-Strukturierung, Farbgestaltung usw.
  • Scheunen sollten nur dann durch gleich hohe Gebäude ersetzt werden, wenn die äußere Gestaltung (Holzverkleidung, Schlankheit des Gebäudes, etc.) die Architektur der früheren Scheune aufnimmt. Rücksicht auf Maßstab und Material sollte die Planungen leiten.
  • Einige markante Scheunen, die an Blickachsen liegen, sollten erhalten bleiben, auch wenn sie nicht mehr als Scheune genutzt werden. Sie sind ortsbildprägend und aus historischer Sicht wertvoll. Ein beratender Architekt könnte hier Überzeugungsarbeit leisten, und die Gemeinde den Eigentümern finanziell (z.B. bei einer evtl. notwendigen Renovierung) unter die Arme greifen.
  • Bei der Umwidmung großer Grundstücke im Ortskern sollte die Bevölkerung einbezogen werden, bevor Festlegungen getroffen werden.
  • Alternative Pläne müssen öffentlich zur Diskussion gestellt werden, z.B. in einer Bürgerversammlung.
    3D-Darstellung und Phantomstangen auf dem zu bebauenden Grundstück veranschaulichen auch für Laien die Planungen.
  • Bei großen Grundstücken ist darauf zu achten, dass Grünflächen und Gärten erhalten werden. Zum einen um die Durchlüftung des Ortes und der Ebene zu ermöglichen, zum anderen um den dörflichen Charakter zumindest teilweise zu erhalten.
  • Der Gemeinderat wird aufgefordert eine Erhaltungs- und Gestaltungs- sowie eine Grünsatzung zu verabschieden und einen unvoreingenommenen Diskurs möglich zu machen.

Eingesessene Hirschberger und junge Familien sind skeptisch

Junge Familien, die sich Hirschberg wegen seines ursprünglichen dörflichen Charakters und seiner unmittelbaren Nähe zur Natur in den letzten Jahren als Wohnort ausgesucht haben, stehen dabei den Eingriffen ins traditionelle Ortsbild ebenso kritisch gegenüber, wie alteingesessene Hirschbergerinnen und Hirschberger. Beide fürchten zu Recht, dass Hirschberg seine Unverwechselbarkeit verliert und sich in die bauliche Monotonie der unmittelbaren Mannheimer und Heidelberger Peripherie einreiht.

Das Ergebnis der Planungen sind nicht selten Bauwerke, die von vielen Bürgern als Bruch im Gefüge des Ortsbildes gesehen werden, sei es von den Ausmaßen der Bebauung, als auch von der Architektur.

Derzeit stehen bereits in beiden Hirschberger Ortsteilen etliche Anwesen leer oder sind schon zum Verkauf angeboten. Aus Sicht der GLH muss darüber beraten werden, wie mit diesen Grundstücken umgegangen werden soll. Die Hirschberger Grünen sorgen sich dabei um das Erscheinungsbild Hirschbergs, das Gefahr läuft beliebig zu werden und seine traditionell-bäuerlich geprägte Identität aufs Spiel zu setzen.

Die GLH schlägt daher nach den Erfahrungen beim Baugebiet Drittelsgasse/Breitgasse allen Beteiligten vor, die sich bietende Chance einer gewachsenen Sensibilisierung in der Gemeinde zum Schutz des Ortsbildes zu nutzen. Hirschberg muss Wege finden, sowohl die Bedürfnisse der unmittelbaren Nachbarschaft von Bauprojekten, als auch die Wünsche von Bauherren und Gemeinde anzuerkennen. Die gewachsene Umgebung sollte dabei stets wahrgenommen und deutlich stärker in den Mittelpunkt gemeinsamer Planungen gerückt werden als bisher.“

Über Alina Eisenhardt

Alina Eisenhardt (23) ist seit 2012 freie Mitarbeiterin bei uns, macht Redaktion, schreibt Texte und ist für "Unsere Metropolregion - Newsletter" verantwortlich. Sie studiert Psychologie.