Sonntag, 18. November 2018

Gemeinderat beschließt Alt- und Totholzkonzept

Lebensraum für Pflanzen, Tiere und Pilze

Print Friendly, PDF & Email

Hirschberg, 28. Oktober 2012. (red/sap) Hirschberg ist mit nur weiteren vier Gemeinden in Baden-Württemberg seit 1999 mit dem Prädikat „Naturwaldgemeinde“ des Naturschutzbundes Deutschland ausgezeichnet. Neben dem vollständigen Verzicht auf Kahlschläge, dem Vorrang der Naturverjüngung, der Anwendung sanfter Betriebstechniken, dem Verzicht auf Chemieeinsatz und der Sicherung waldökologisch tragbarer Wilddichten erfordern die Naturwaldkriterien einen Nutzungsverzicht auf etwa fünf Prozent der Gemeindewaldfläche. In den nächten acht bis zehn Jahren sollen weitere fünf Prozent und damit dann insgesamt zehn Prozent nicht mehr intensiv bewirtschaftet werden. Gemeinderat stimmte dem Alt- und Totholzkonzept zu.

Der Nutzungverzicht von etwa fünf Prozent der Waldfläche wird seit 1999 durch Stilllegung verschiedener, für den Arten- und Biotopschutz besonders wertvoller Flächen erfüllt. Dabei handelt es sich um die Westhänge am Wachenberg und Hundskopf, den Gipfelbereich der Hohen Waid, die Altholzinseln im Bereich der Hirschburg und am Leichtweg, die wegen einer Vielzahl von Hohlbäumen auf Grund des Vorkommens von Mittelspecht, Schwarzspecht und Hohltaube als Waldbiotop besonders geschützt sind.

Aktuell bedarf es jedoch weitergehender Maßnahmen. Viele seltene und besondes geschützte Tier-, Pilz- und Pflanzenarten benötigen sehr alte, absterbende und tote Bäume als Lebensraum. Deshalb müssen solche Habitate in einem ausreichenden Netz, möglichst über die gesamte Waldfläche verteilt, vorhanden sein.

Das Alt- und Totholzkonzept hat zum Ziel, die Biodiversität (Artenvielfalt) im Wald zu erhalten und zu stärken. Die Umsetzung erfolgt durch eine Kombination von Waldrefugien und sogenannten Habitatbaumgruppen.

Eine Habitatgruppe besteht aus einem oder mehreren Bäumen mit Besonderheiten, die sich als Lebensraum für verschiedene Arten besonders interessant machen, wie zum Beispiel Höhlen, und aus den sie umgebenden Bäumen (je Habitatgruppe etwa 15 Bäume). Die Bäume der Habitatbaumgruppe verbleiben bis zum natürlichen Absterben auf der Fläche, ebenso das Totholz nach dem Zusammenbruch. Die Bäume werden markiert und mit GPS-Koordinaten erfasst.

Förster Walter Pfefferle erklärte den Gemeinderatsmitgliedern während der Sitzung die drei wichtigen Funktionen des Waldes: Die Nutzfunktion, also Holzgewinnung, die Erholungsfunktion für Wanderer oder Moutainbiker und die Schutzfunktion für Tiere, Pflanzen und Pilze und dabei spiele für die Bioversität Alt- und Totholz eine ganz besondere Rolle.

Die artenschutzrechtlichen Bestimmung sähen eine Förderung des Alt- und Totholzes vor, da die Tiere, Pflanzen und Pilze darauf angewiesen seien. „Es gibt dazu keine Alternative“, sagte Walter Pfefferle.

Wir sind eine Naturwaldgemeinde und haben damit eine Vorreiterfunktion,

sagte Bürgermeister Just.

Zunächst habe man durch die Vernetzung auch eine Ausbreitung von Schädlingen befürchtet, meinte Gemeinderat Werner Volk (FW), aber man habe ihm versichert, dass man gezielt dagegen eingreifen könne.

Ferdinand Graf von Wieser (CDU) kritisierte die wirtschaftlichen Einbußen, die weitere fünf Prozent bedeuten. Zudem gäbe es in Deutschland weitaus waldreichere Gebiete, deshalb sähe er das Prädikat „Naturwaldgemeinde“ etwas kritisch.

„Die Alt- und Totholzförderung muss sein, das trifft jeden Staats- und Kommunalwald, unabhängig vom „Naturwald“-Prädikat, erklärter Förster Pfefferle.

Der Gemeinderat beschloss einstimmig das von Baden-Württemberg für den Staatswald entwickelten Alt- und Totholzkonzept zu übernehmen.

 

 

 

Über sabine