Montag, 06. August 2018

Nach Brandversuchen im Saukopftunnel bleiben Ergebnisse offen

Ernstfall geprobt – und jetzt?

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Der Rauch wurde aus dem Tunnel geblasen – das LĂŒftungssystem saugte ihn wieder an. Ist das im Sinne des Erfinders?

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 21. Dezember 2012. (red/aw) Vor fast genau einem Monat wurde es heiß im Saukopftunnel. Um die FunktionstĂŒchtigkeit der Sicherheitseinrichtungen und der RettungsstollenlĂŒftung im Brandfall zu prĂŒfen, wurde der Ernstfall geprobt. Die Brandversuche wurden durch das Institut fĂŒr IndustrieĂ€rodynamik aus Aachen (IFI) durchgefĂŒhrt. Das RegierungsprĂ€sidium Kalrsruhe hat bisher keine Ergebnisse der PrĂŒfung veröffentlicht. Ein nicht ganz einwandfreier Rauchabzug vor Ort ließ aber auf ein Problem mit der LĂŒftungsanlage schließen. Der Pressestelle vom RegierungsprĂ€sidium ist davon allerdings nichts bekannt.

Fotos: Ralph Urbach
Text: Alexandra Weichbrodt

Es qualmte, dampfte und rauchte: Die Brandversuche im Saukopftunnel am 24. November 2012 boten beeindruckende Bilder. Doch welche Erkenntnisse gewonnen wurden, ist bisher nicht bekannt. Im Vorfeld hieß es von Seiten des RegierungsprĂ€siduiums, dass der Test dazu diene, den Saukopftunnel auch kĂŒnftig den aktuellen Sicherheitsvorschriftne anzupassen.

Die Feuwerwehr und weitere EinsatzkrĂ€fte sowie Betriebspersonal sollten mit dieser Übung auf die Gegebenheiten wĂ€hrend eines Brandes vorbereitet werden, um in Zukunft bestmöglich auf diese Situation reagieren zu können.

DurchgefĂŒhrt wurden vier Brandeversuche an zwei Stellen des 2715 Meter langen Tunnels. Hitze und Rauch wurde mitttels regelbaren Propangasbrennern und Rauchmaschinen, die ungiftiges medizinisches WeiĂŸĂ¶l verdampften, erzeugt. Diese lösten die Brandmelder im Tunnel aus und simulierten den Ernstfall. Durch die BrandrauchentlĂŒftung sollte der – bei diesem Test ungiftige – Rauch aus dem Tunnel abgesaugt und hinaus gefĂŒhrt werden. Allerdings saugten die LĂŒftungsschĂ€chte den ausgetretenen Rauch direkt wieder an und fĂŒhrten ihn als vermeintliche „Frischluft“ wieder dem Tunnel zu.

Ein Test ohne Ergebnisse?

Ein Problem, dass im Ernstfall katastrophale Folgen hĂ€tte. Unser Fotograf vor Ort wurde Zeuge des ungeschickten LĂŒftungssystems. Doch bei den Verantwortlichen ist das Problem entweder nicht wahrgenommen worden oder aber es wurde nicht kommunziert. Denn der Pressestelle des RegierungsprĂ€sidiums war bis heute nicht bekannt, dass bei den Brandversuchen technische Probleme aufgetreten wĂ€ren.

Vielleicht will man die gewonnen Erkenntnisse derzeit auch einfach nicht teilen, da der Saukopfttunnel in der Vergangenheit schon fĂŒr viele schlechte Nachrichten sorgte. Vermehrte Vollsperrungen in den letzten Monaten strapazierten die Nerven der Autofahrer sehr. Es ist nahezu ein „Never-Ending-Ärger“ mit dem Saukopftunnel. (Anm. d. Red.: Wir berichteten.)

SicherheitsnachrĂŒstungen in Höhe von 37 Millionen Euro

Aber Sicherheit muss sein. Denn TunnelunfĂ€lle haben in der Vergangenheit immer wieder zahlreiche Opfer gefordert. Seit den 90er Jahren wurden die Sicherheitsvorschriften daher massiv verschĂ€rft. Der Saukopftunnel musste bereits im Jahr 2008 ein vom Bund verordnetes NachrĂŒstungsprogramm durchfĂŒhren, um die Sicherheitsstandards zu erfĂŒllen. So wurde u.a. das gesamte LĂŒftungssystem konzeptionell erneutert und Brandklassen in der Zwischndecke installiert. Diese sollten sich im Brandfall öffnen und den Rauch gezielt absaugen. Kosten hierfĂŒr: ca. 11.6 Millionen Euro.

Weitere Verbesserungen der Sicherheitsvorkehrungen folgten. Seit 2009 wird ein Fluchstollen gebaut. FĂŒr den kompletten Fluchtstollen werden voraussichtlich Kosten in einer GrĂ¶ĂŸenordnung von rund 26 Millionen Euro fĂ€llig, von denen allein 23 Millionen Euro fĂŒr den Rohbau angefallen sind. Die Kosten fĂŒr die betriebstechnische Einrichtung werden sich dann noch einmal auf etwa 3 Millionen Euro belaufen.

Die Gesamtkosten der NachrĂŒstungen des Hauptstollen sowie der Bau des Fluchtstollen liegen also bei etwa 37 Millionen Euro. Sicherheit ist teuer. Daher bleibt zu hoffen, dass diese dann auch zuverlĂ€ssig gewĂ€hrleistet ist.

Ein Fahrzeugbrand wurde bei dem Test der Sicherheitseinschrichtungen Ende November simuliert.

 

Weitere Bilder der Brandversuche im Saukopftunnel finden Sie in einer Bildergalerie auf weinheimblog.de.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.