Mittwoch, 12. Juni 2019

Landesinnenminister Reinhold Gall lobt das Kommunale Hilfeleistungszentrum

Anerkennungskultur für das Ehrenamt

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Landesinnenminister Reinhold Gall (Mitte) zeigte sich beeindruckt von der Fusion von Feuerwehr, Rettungsdienst und Bauhof aus den beiden Ortsteilen: „Jetzt weiß ich, wieso Gerhard Kleinböck und Uli Sckerl darauf bestanden haben, herzukommen.“

Hirschberg/Rhein-Neckar, 10. Januar 2013. (red/ld) Innenminister Reinhold Gall (SPD) besuchte gestern im Rahmen der Klausurtagung der SPD-Landtagsfraktion das neue Hilfeleistungszentrum in Leutershausen. Der Minister lobte die Fusion der beiden Ortsfeuerwehren sowie des Rettungsdienstes und des Bauhofs als „Gemeinsinn stiftend“ zwischen den Ortsteilen Leutershausen und Großsachsen. Er lobte auch den Neubau des Hilfeleistungszentrums als eine „Wertschätzung der Gemeinde an die dort wirkenden Ehrenamtlichen“.

Von Lydia Dartsch

Die Zusammenlegung der freiwilligen Feuerwehren, Rettungsdienst und Bauhof sei ein kluger Schritt, lobte Gall. Besonders beeindruckt habe ihn die Tatsache, dass der Impuls für diese Veränderung damals aus den Feuerwehren selbst kam:

Es ist nicht alltäglich, dass Gemeindearbeit, Ehrenamt und der Bauhof zusammen arbeiten.

Es spreche dafür, dass Hirschberg „mitdenkende Bürger habe, die sich Gedanken machen.“

Bügermeister Manuel Just erklärte Gall und der SPD-Landtagsfraktion das Zustandekommen der Fusion:

Aufgrund der rückläufigen Zahlen der Kameradinnen und Kameraden wurde es zunehmend schwerer, die Einsatzzeiten beizubehalten.

Zudem seien die Wehren in den Orten für die Bevölkerung eher störend gewesen, vor allem bei nächtlichen Einsätzen. Der Gemeinderat sei dann zu dem Schluss gekommen, alle Feuerwehr, Rettungskräfte und den Bauhof unter ein Dach zu bringen und ein neues Gebäude zu bauen, um die Synergieeffekte zu nutzen. Das veranschlagte Budget von 7,7 Millionen Euro konnte dabei eingehalten werden. Ursprünglich war aber eine „6“ vor dem Komma geplant.

Neubau statt 08/15 fürs Ehrenamt

Als Feuerwehrkommandant sehe Gall den Neubau als Wertschätzung der Gemeinde für ihre freiwillige Feuerwehr. Dass die Zusammenarbeit klappt, habe er auch durch Justs Rede erkannt:

Wenn der Bürgermeister die richtigen Fachbegriffe benutzt, dann ist das für mich ein Zeichen dafür, wie hoch angesehen das Ehrenamt hier ist.

Die Mitarbeiter von Feuerwehren, Rettungsdienst und Bauhof zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf der Fusion. Es sei auf der Wache kein Unterschied mehr zu erkennen, ob ein Kollege aus Leutershausen oder Großsachsen komme, erklärten die Vertreter. Für die Mitarbeiter des Bauhofs sei die Fusion ein Glücksfall gewesen, erklärten sie. Bürgermeister Just sagte:

Ich ernte immer wieder Bewunderung in anderen Gemeinden, wie diese Fusion umgesetzt worden ist und was dadurch erreicht wurde.

Engagement soll Wertschätzung beim Arbeitgeber erfahren

Lediglich der Arbeitgeber mache beim Ehrenamt nicht immer mit, beispielsweise, wenn es um Weiterbildungen im Verein gehe. Dann stoßen manche Ehrenamtliche auf Unverständnis, wenn sie sich dafür freistellen lassen wollen. Gall warb für mehr Anerkennung des Ehrenamts bei den Arbeitgebern. Das Ehrenamt brauche qualifizierte Mitarbeiter der nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr mit Führungskompetenzen. Arbeitgeber, die die ehrenamtliche Arbeit ihrer Mitarbeiter in der freiwilligen Feuerwehr anerkennen und fördern, können dies beispielsweise durch die Plakette „Partner der Feuerwehr“ vom deutschen Feuerwehrverband zum Ausdruck bringen. Alternativ zu den Wochenkursen könnten aber auch Wochenendkurse besucht werden, sagte Gall. In jedem Fall setze er sich für einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung in den kommenden Jahren ein.

Das Problem des Nachwuchses drückt auch auf Hirschberg. Wenn dieser Grund für die Zusammenlegung der Wehren jetzt zwar gemildert ist, ist es nicht gelöst. Mehr Verantwortung müsste die Jugend übernehmen, für sich und ihre Gemeinschaft, forderte ein Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes. Auch brauche es für die Nachwuchsorganisationen ein pädagogisches Konzept. Brandeinsätze übernehmen Feuerwehrleute schließlich erst ab 18 Jahren. Für ein solches Konzept sehe er aber eher die Gemeinde in der Pflicht.

Alt und Jung vereinen

Alle Generationen kommen in den Vereinen zusammen, stellt sich Gall die Zukunft vor. Dabei müssen alle zusammen arbeiten: Ein Feuerwehrmann werde auch mit 55  Jahren noch bei Brandeinsätzen gebraucht.

Dann macht er aber andere Aufgaben und nicht gleich die schwersten.

Auch in Sachen Vereinsfreizeiten sprach sich Gall dafür aus, alle Altersgruppen gleichermaßen anzusprechen. Beispielsweise kämen bei einer Radtour die älteren Teilnehmer kaum mit, wenn die jüngeren mit Rennrad oder Mountainbike vorneweg rasten.

Zudem gäbe es Bevölkerungsgruppen, die bisher für die Feuerwehr oder den Rettungsdienst nur wenig angesprochen würden, wie Frauen und Menschen mit Migrationshintergund. Vor allem für diejenigen sei das Engagement für die Gemeinschaft eine identitätsstiftende Tätigkeit. Als Informationsplattform bot der Abgeordnete Thomas Funk den Tag des Katastrophenschutzes am 15. Januar, am Stuttgarter Landtag sowie den Tag des Ehrenamts am 15. Juni an. Das Kommunale Hilfeleistungszentrum stieß auch bei ihm und seinen Arbeitskreiskollegen auf Anerkennung:

Die Fusion hat die beiden Orte näher zueinander geführt.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.