Freitag, 07. Juni 2019

Gabis Kolumne

Im Kampf gegen die Widrigkeiten der Natur

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Rhein-Neckar, 27. April 2013. (red) Gabi liebt ihren Garten. Meistens, aber eben nicht immer. So ein Garten ist ein Kosmos und ein LebensgefĂŒhl. Es geht um Ideen, WĂŒnsche, Liebe und die harte RealitĂ€t.

Die Gespinste des BuchsbaumzĂŒnslers. Foto: Rheinneckarblog.

Die Gespinste des BuchsbaumzĂŒnslers. Foto: Rheinneckarblog.

Um das von Anfang an klar zu stellen – ich liebe meinen Garten. Aber wie das nun so ist mit Dinge, die man liebt – wie den eigenen Mann und die eigenen Kinder – hier jammert und schimpft man am meisten.

Mindestens einmal im Jahr wĂŒnsche ich mir immer eine Wohnung im 5. Stock und ohne (!) Balkon, so dass man nicht mal versucht sein könnte, KĂŒbelpflanzen nach draußen zu stellen.

An einem der letzten Samstage – das war noch in einer Zeit bevor der große Regen kam – hatten wir Großeinsatz. Mein Mann vertikutierte den Rasen und sĂ€te an den kahlen Stellen nach – und das waren sehr viele – wĂ€hrend ich stundenlang Unkraut entfernte.

Die endlosen Pfahlwurzeln des Löwenzahns lassen mich genauso verzweifeln wie das kriechende Fingerkraut, denn beiden kann man – will man die Chemiekeule nicht schwingen – nur mit Ausstechen und geduldiger Handarbeit Herr werden.

Und das feuchte FrĂŒhlingswetter tut seit Wochen sein Bestes, um Unkraut aus allen Ritzen und ĂŒppig wuchernd hervor sprießen zu lassen. Und wenn ich ehrlich bin, gerate ich beim Unkraut jĂ€ten geradezu in einen Rausch und mir ist es sogar schon passiert, dass ich Unkraut in den VorgĂ€rten von Freunden entfernt habe.

„Warum lĂ€sst du’s nicht einfach wachsen?“, fragte mich kĂŒrzlich eine Freundin, „vor allem der Löwenzahn blĂŒht doch so hĂŒbsch“.

Aber wir haben Rasen gesÀt, weil wir Rasen wollten. Und keine Löwenzahnwiese. Punkt.

Im Kampf gegen die Blattlaus

Ähnliche Verzweiflung macht sich bei mir bei Ungeziefer breit. Schon seit Jahren kĂ€mpfe ich mit allen erdenklichen Mitteln erfolglos gegen die Blattlaus. Jahr um Jahr macht sie sich wieder an Rosen und Hibiskus heran. Ich habe schon alles probiert, Triebe weg geschnitten, die Pflanzen mit SpĂŒli gespritzt und irgendwann zum Gift gegriffen.

Dieser Tage musste ich mit Schrecken erkennen, dass die jungen Rosentriebe schon wieder befallen sind und erstmals auch der Sommerflieder.

Und in diesem Jahr hat sich noch ein weiteres „Gartentierchen“ bei uns eingenistet.

Bei der Gartenarbeit stellten wir fest, dass unsere Buchbaumhecke ganz schrecklich aussah. Die BlĂ€tter sind braun und zwischen den Zweigen hĂ€ngen dichte Gespinste und – knallgrĂŒne Raupen. Als Gartenexpertin befragte ich meine Mutter und sie wusste gleich Bescheid: „Das ist der BuchsbaumzĂŒnsler, der treibt in SĂŒddeutschland und in der Schweiz schon seit ĂŒber einem Jahr sein Unwesen, wurde aus Asien eingeschleppt und hat in Parkanlagen ganze Buchsbaumhecken befallen. Da hilft nur Raupen absammeln, runter schneiden und mit Gift spritzen, wenn du Pech hast sind die BuchsbĂ€ume hin.“

Wir setzten die Anweisungen um und hofften auf Genesung. Doch dieser Tage rief mich meine Mutter ganz aufgeregt an und meinte, sie habe gerade im Fernsehen gehört, dass dies alles nichts helfe, sondern man mĂŒsse die Eier mit dem Staubsauger entfernen – lustig: „Schatz, ich geh mal den Garten saugen.“

Eine weitere schöne Arbeit fĂŒr Gartenbesitzer ist der Abtransport von GrĂŒnschnitt. Unser Kombi war mit GartenabfĂ€llen voll bis unters Dach und danach waren sowohl Auto als auch Klamotten völlig verdreckt und eine wunderbĂŒbsche grĂŒne Raupe krabbelte ein Tag spĂ€ter meiner Tochter ĂŒber den Fuß. Ihre Reaktion muss und will ich hier nicht beschreiben. Sie hat’s nicht so mit GrĂŒnzeug.

Kinder brauchen Garten – von wegen

Es heißt ja, dass ein Garten fĂŒr Kinder so toll und wichtig ist, halte ich fĂŒr ein GerĂŒcht. Als meine Kinder klein waren, wollten sie immerzu auf den Spielplatz, denn da war eindeutig mehr los.

Als sie grĂ¶ĂŸer wurden, erklĂ€rte sich mein Sohn zwar dazu bereit, den Rasen zu mĂ€hen, doch Unkraut jĂ€ten ĂŒberließ er seiner Schwester. Diese wiederum ließ bei jedem Regenwurm und jeder Spinne, die sie erblickte, einen Schrei des Entsetzens los, so dass ich sie recht schnell wieder ins Haus schickte.

Nun, werden Sie sagen, aber die schöne Grillabende und die lauen SommernĂ€chte im eigenen Gart… was kann es Schöneres geben? Die letzten Grillabende haben wir im Haus gegessen, da es eigentlich immer regnet und in den wenigen lauen SommernĂ€chten, wurde ich höllisch von Schnaken zerstochen.

ZurĂŒck zum Anfang. Das mit der Liebe ist halt so ’ne Sache. Ich liebe meinen Garten. Es macht mir Freude, zu sehen, wenn Samen keimen, wenn sich kleine Pflanzen entwickeln und erblĂŒhen. Tomaten und Zucchini aus dem eigenen Garten schmecken himmlisch. Und das Arbeiten in der Natur beruhigt die Seele – was will man mehr. Und den Unbill nehme ich in Kauf.

gabi

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.