Montag, 10. Dezember 2018

Schriesheim und der Rhein-Neckar-Kreis geben 6.000 Euro mehr für Weinheim und Hirschberg aus

Die Linie 5 fährt ab dem Winter nachts halbstündig von/bis nach Heidelberg

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Barrierefrei ein- und aussteigen.

Taktverdichtung der „ÖG“ in der Nacht beschlossen.

 

Schriesheim/Hirschberg/Weinheim, 20. Juni 2013. (red/zef) Ab dem Winter verkehrt die Linie 5 auch nach halb zehn halbstündig zwischen Heidelberg und Schriesheim. In der gestrigen Sitzung sprach sich der Gemeinderat  einstimmig dafür aus. Besonders bemerkenswert: Die Stadt Schriesheim gibt 6.000 Euro mehr aus, damit die Straßenbahn nicht an der Haltestelle Schriesheim Bahnhof endet, sondern auch Weinheim und Hirschberg künftig davon profitieren.

Von Ziad-Emanuel Farag

Zwischen Sonntag und Donnerstag verkehrt nach 21:37 Uhr die Linie 5 zwischen Heidelberg und Schriesheim aktuell nur im Stundentakt. Bislang ist nur Dossenheim die ganze Woche halbstündig angebunden. Wenn zwischen dem 8. und 15. Dezember 2013 die RNV auf den Winterfahrplan umstellt, wird sich dies jedoch ändern: Die Bürgerinnen und Bürger werden dann sieben Tage die Woche zu jeder halben Stunde die Linie 5 nutzen können – bis Mitternacht.

Von den Bürgerinnen und Bürgern wurde an die Verwaltung und den Gemeinderat herangetragen, die Linie 5 nachts häufiger fahren zu lassen,

so Bürgermeister Hansjörg Höfer. 

Doch nicht nur die Bürgerinnen und Bürger Schriesheims profitieren davon, auch die Gemeinden Hirschberg und Weinheim werden so besser nach Heidelberg angebunden. Hierfür gab es zwei Möglichkeiten: Entweder die OEG fährt nur bis zur Haltstelle Schriesheim Bahnhof. Hierdurch ergäben sich 1.900 Nutzungskilometer mehr als bisher. Dies würde Schriesheim pro Jahr 4.750 Euro pro Jahr mehr kosten.

Alternativ könnte für eine bessere Verkehrsanbindung für alle Gemeinden auf der Strecke der OEG in beide Richtungen die Linie 5 bis zur Haltestelle Weinheim Luisenstraße fahren. Davon würden dann nicht nur die Einwohnerinnen und Einwohner Schriesheims profitieren, sondern auch die Hirschbergs und Weinheims. Durch die Erweiterung bis Hirschberg und Weinheim fallen jedoch auf der Gemarkung Schriesheims weitere 2.400 Kilometer pro Jahr an, sodass die Kosten insgesamt 10.750 Euro betragen. Diese Variante kostet also 6.000 Euro mehr.

Der Rhein-Neckar-Kreis zahlt jedoch einen Zuschuss von 40 Prozent, sodass sich die Nettokosten für die Gemeinde auf 6.450 Euro belaufen. Für Bürgermeister Höfer liegen die Vorteile auf der Hand:

Es ist wesentlich einfacher für die OEG, wenn wir die Linie 5 nicht in Schriesheim enden, sondern sie bis nach Weinheim weiterfahren lassen. Dadurch wird der Ring geschlossen. 

Der Fraktionssprecher der CDU, Michael Mittelstädt, sagte:

Wir haben das intern sehr kontrovers diskutiert. Die Kosten sind in einem erträglichen Maß, dennoch haben wir uns überlegt, ob Schriesheim nicht ein Signal setzen sollte, indem es sich verweigert: Weinheim und Hirschberg sind die Hauptnutzenträger, Schriesheim ist aber der Hauptkostenträger. Wir stimmen mehrheitlich zu.

Wolfgang Fremgen (Grüne) verweist auf die Vorteile für Familien:

Ich habe meine Tochter nachts oft an der Haltestelle Dossenheim Nord abholen müssen, weil die Bahn erst eine halbe Stunde später nach Schriesheim weitergefahren wäre. Für mich kam nicht in Frage, meine minderjährige Tochter nachts 30 Minuten warten oder sie laufen zu lassen.

Sebastian Cuny (SPO) zufolge kommt die bessere Anbindung Hirschbergs auch Schriesheim zugute:

Die Hirschberger werden dann auch weniger die B3 nutzen, die quer durch Schriesheim verläuft. Damit reduzieren wir nachts die Lärmbelastung in unserem Ort.

Die Freien Wähler hingegen wollten die Entscheidung vertagen, bis die Gemeinden 2016 verhandeln, wie sie sich die Kosten im ÖPNV künftig aufteilen:

Wir sind jetzt mit dem Fahrplan attraktiv genug. Wir lehnen das ab. Bevor wir Geld für Weinheim ausgeben, sollten wir Altenbach und Ursenbach besser anbinden.

Der Fraktionssprecher der Grünen, Christian Wolf, entgegnete:

Auch wir wollen das. Jedoch waren die Kosten dafür um ein Vielfaches höher als für die Maßnahme. Wenn die Freien Wähler wissen, wie man das finanzieren kann, sind wir auch dafür.

Letztlich wurde Antrag bei acht Gegenstimmen (zwei CDU und sechs Freie Wähler) vom Gemeinderat mehrheitlich mit 18 Stimmen dafür verabschiedet. Die Verwaltung erhofft sich zudem für die Verhandlungen zwischen den Gemeinden 2016 ein positives Signal.

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gründungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Porträts und Reportagen oder macht investigative Stücke.