Freitag, 07. Juni 2019

Hirschberger Informationsbrosch├╝re soll auf den B├╝rgerentscheid zur Gemeinschaftsschule vorbereiten

Entwicklung oder Abwicklung? Das ist hier die Frage

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foto broschuere

Das Titelblatt der Informationsbrosch├╝re. Aufmerksam lesen und Meinung bilden!

 

Hirschberg, 22. August 2013. (red/aw) Die Gemeinde hat in der vergangenen Woche die Informationsbrosch├╝re (hier herunterladen) zum B├╝rgerentscheid am 22. September herausgegeben und so ihren Teil zur ├Âffentlichen Meinungsbildung erst einmal pflichtgem├Ą├č erf├╝llt. Jetzt sind Sie dran! Treffen Sie eine Entscheidung. Sie sind noch unentschlossen? Kein Wunder, denn seit Monaten werden die Vor- und Nachteile einer Gemeinschaftsschule ┬áauseinander genommen, diskutiert und Umsetzungsm├Âglichkeiten abgew├Ągt. Wie B├╝rgermeister Manuel Just in seinem Vorwort der Brosch├╝re selbst schreibt, ist diese „sehr umfangreich“. Doch die Zeit bis zum Wahltag l├Ąuft. Wir haben Ihnen daher die Fakten und die einzelnen Stellungnahmen der Bef├╝rworter und Gegner einmal zusammengefasst.┬á

Von Alexandra Weichbrodt

In genau vier Wochen ist es soweit: Die Hirschberger entscheiden ├╝ber ihre k├╝nftige Schullandschaft. Sie haben in der Hand, ob es in Hirschberg auch in Zukunft eine weiterf├╝hrende Schule gibt. Gemeinsam mit Heddesheim besteht die M├Âglichkeit im Rahmen des bereits bestehenden Schulzweckverbandes die Werkrealschule in eine Gemeinschaftsschule umzuwandeln. Ginge es nach der Nachbargemeinde, „w├Ąre der Drops bereits gelutscht“. Der Heddesheimer Gemeinderat sprach sich f├╝r eine Gemeinschaftsschule mit Hirschberg aus. Der Gemeinderat Hirschberg und allem voran B├╝rgermeister Manuel Just jedoch kneiften. Mehrheitlich, mit 13 zu 6 Stimmen, legten Sie die Verantwortung auf die Schultern der B├╝rgerinnen und B├╝rger:

Soll die Gemeinde Hirschberg in der Verbandsversammlung des Schulzweckverbandes Hirschberg/Heddesheim f├╝r die Karl-Drais-Schule der Antragstellung zur Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule f├╝r das Schuljahr 2014/2015 zustimmen mit der Folge, dass der Gemeinde Investitionen f├╝r die Sanierung, Erweiterung und eine teilweise Neuausstattung des Schulgeb├Ąudes in Leutershausen entstehen?

Worum es wirklich geht? Geld!

Schon bei der Fragestellung dieses B├╝rgerentscheids wird deutlich: Es geht vor allem ums Geld! B├╝rgermeister Just ziert sich, die n├Âtigen Mittel f├╝r eine Realisierung einer Gemeinschaftsschule in die Hand zu nehmen. Die CDU und FDP h├Ąlt davon auch gar nichts. Der GLH und der SPD w├Ąre es das viele Geld wert. Die Freien W├Ąhler sind sich nicht einig. Da kann der W├Ąhler schon mal den Durchblick verlieren. Kann sich die Gemeinde denn die Gemeinschaftsschule leisten?

Ja, sie kann. Auch, wenn dadurch die Pro-Kopf-Verschuldung von 431,85 Euro pro Einwohner auf 676,00 Euro steigen w├╝rde. Hirschberg l├Ąge damit im guten Durchschnitt der baden-w├╝rttembergischen Gemeinden mit einer Einwohneranzahl von bis zu 10.000. Momentan liegt sie deutlich darunter und gilt somit als wohlhabend. Die Kostendarstellung und Argumentation in der Informationsbrosch├╝re kann erschrecken. Muss sie aber nicht, wenn man genau hinschaut und nachrechnet.

Sollten sich die Hirschberger beim B├╝rgerentscheid gegen eine Realisierung der Gemeinschaftsschule aussprechen und die bestehende Werkrealschule aufgrund der Sch├╝lerzahlen nicht mehr gehalten werden k├Ânnen, „bliebe die Karl-Drais-Schule nat├╝rlich als reine Grundschule erhalten“, hei├čt es in der Informationsbrosch├╝re. Daher scheint aus heutiger Sicht die Gemeinschaftsschule „die einzige langfristige m├Âgliche Schulform zu sein, um eine weiterf├╝hrende Schule hier am Ort halten zu k├Ânnen“.

Wie viel ist Ihnen Schulbildung in Hirschberg wert?

Die Gesamtkosten f├╝r die Umsetzung der Gemeinschaftsschule belaufen sich nach den Sch├Ątzungen von Verwaltung und Planungsb├╝ro auf 2,5 bis 3 Millionen Euro. Bei der Kostendarstellung wird allerdings nicht ausreichend darauf hingewiesen, dass die Sanierungskosten f├╝r das bestehende Schulgeb├Ąude unabh├Ąngig von der Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule ohnehin innerhalb der n├Ąchsten Jahre auf die Gemeinde zukommt. Rund 1,3 Millionen Euro m├╝ssen f├╝r den Erhalt des Geb├Ąudes in die Hand genommen werden, auch wenn die Entwicklung zu einer reinen Grundschule f├╝hrt. Ein Argument, dass die Bef├╝rworter der Gemeinschaftsschule gern und h├Ąufig erw├Ąhnen, die Gegner jedoch gerne mal verschweigen.

Die beim B├╝rgerentscheid gestellte Frage ist entschieden, wenn die Mehrheit der g├╝ltigen Stimmen diese beantwortet hat und die Mehrheit mindestens 25 Prozent der Wahlberechtigten ausmacht. Abstimmungsberechtigt sind alle B├╝rger der Gemeinde, die mindestens 16 Jahre alt sind. Geht man von 7.500 Stimmberechtigten aus (Einwohnerzahl der Gemeinde Hirschberg am 31.12.2011: 9124, Quelle: Statistisches Bundesamt), m├╝ssten mindestens 1.875 g├╝ltige Wahlzettel abgegeben werden, damit die Wahl anerkannt wird (darunter rund 150 stimmberechtige ab 16 Jahren, die erstmals in Baden-W├╝rttemberg kommunal „w├Ąhlen“ d├╝rfen). Kommt diese notwendige Mehrheit nicht zu Stande, entscheidet erneut der Gemeinderat ├╝ber das weitere Verfahren. Wie bleibt allerdings fragw├╝rdig, denn mit dem B├╝rgerentscheid wollte man sich dieser Pflicht ja eigentlich entledigen.

F├╝r und Wider, immer wieder!

Um die notwendige ├Âffentliche Meinungsbildung zu f├Ârdern, ver├Âffentlichte die Gemeinde Hirschberg nun die Informationsbrosch├╝re zum B├╝rgerentscheid. Auf 32 Seiten werden das p├Ądagogische Konzept, Kostenrechnungen, Machbarkeitsstudien und Stellungnahmen geboten. Wir haben uns f├╝r Sie mal durch das Informationsangebot gelesen und die Positionen der Beteiligten kurz und knapp zusammengefasst.

Das Kollegium und das Schulleitungsteam der Karl-Drais-Schule:

Alle am Schulleben Beteiligten haben sich f├╝r die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule entscheiden! Wir m├Âchten f├╝r Hirschberg, gemeinsam mit Ihnen, den B├╝rgern, Vereinen, Institutionen und unseren Kooperationspartnern, eine zukunftsf├Ąhige weiterf├╝hrende Schule mit einem guten p├Ądagogischen Konzept realisieren. Bitte unterst├╝tzen Sie unsere Schule dabei durch Ihr „JA“ bei der B├╝rgerbefragung.

Kyra Herrmann-Bl├Ą├č, Rektorin der Grundschule Gro├čsachsen:

Vielfalt macht schlauer! Mit der Einf├╝hrung einer Gemeinschaftsschule am Schulstandort Leutershausen schafft die Gemeinde Hirschberg beste Bildungschancen f├╝r alle Kinder und Jugendliche. Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler werden, ├╝ber die Grundschulzeit hinaus, in ihrer Verschiedenheit gef├Ârdert und sie erhalten die M├Âglichkeit, ihre F├Ąhigkeiten optimal zu entfalten.

 

pro schule hirschberg

Die Anzeige der Elterninitiative „Pro-Schule-Hirschberg“.

 

Gemeinderatsfraktion „Freie W├Ąhler“:

Die Freien W├Ąhler halten den „B├╝rgerentscheid f├╝r die richtige Vorgehensweise“. Die B├╝rgerschaft m├╝sse entscheiden, ob sie tats├Ąchlich in Zukunft auf eine weiterf├╝hrende Schule verzichten wolle, oder ob sie eine h├Âhere Verschuldung und eventuell auch die Verschiebung anderer Projekte in Kauf nehmen w├╝rde, damit die weiterf├╝hrende Schule am Standort Hirschberg bleibt. Die Fraktion selbst konnte zu keinem einstimmigen Entschluss kommen.

Wir Freien W├Ąhler haben hierzu unterschiedliche Meinungen. W├Ąhrend unsere Gemeinder├Ąte Alexander May und Werner Volk zumindest aus finanziellen Gr├╝nden sich f├╝r einen Verzicht auf die Gemeinschaftsschule aussprechen, halten die Gemeinder├Ąte Fritz Bletzer, Peter Johe und Thomas Th├╝nker die Fortf├╝hrung der Werkrealschule als Gemeinschaftsschule f├╝r angebracht. Es handelt sich ihrer Ansicht nacht um ein p├Ądagogisches Konzept, das heutigen und zuk├╝nftigen Anforderungen entspricht und das Hirschberg eine weiterf├╝hrende Schule mit einem vollwertigen Realschulabschluss auf Jahre sichern und daher auch besondere finanzielle Anstrengungen rechtfertigen w├╝rde.

Gemeinderatsfraktion „CDU“:

Die CDU h├Ąlt die Bildungspolitik der gr├╝n-roten Landesregierung und ihre Pl├Ąne bez├╝glich der Umwandlung von Werkrealschulen in Gemeinschaftsschulen f├╝r „bislang unausgereift“. Die finanziellen Aufwendungen der Gemeinde bei Realisierung der Gemeinschaftsschule w├╝rden Hirschberg davon abhalten, die in der Zukunft n├Âtigen und von der CDU bereits l├Ąnger geforderten Investitionen im Bereich der Ortsmitte von Leutershausen oder der Kanalisierung durchzuf├╝hren.

F├╝r das Projekt Gemeinschaftsschule im Ortsteil Leutershausen m├╝ssten von der Gemeinde Hirschberg in vollem Umfang neue Schulden aufgenommen werden. Hiervon sind alle Einwohnerinnen und Einwohner betroffen. Der Aufwand entsteht f├╝r tats├Ąchlich nur wenige Kinder aus Hirschberg und f├╝r ein umstrittenes p├Ądagogisches Konzept. Mit finanzieller Umsetzung der Gemeinschaftsschule w├╝rde die Erf├╝llung zahlreicher anderer wichtiger Aufgaben f├╝r alle B├╝rgerinnen und B├╝rger in den n├Ąchsten Jahren unm├Âglich. Die CDU Hirschberg wird dies oder eine hierdurch verursachte Schuldenpolitik nicht mitverantworten. Sie stimmt deshalb im B├╝rgerentscheid mit: Nein.

Gemeinderatsfraktion „Gr├╝ne Liste Hirschberg“:

Die GLH steht der Gemeinschaftsschule positiv gegen├╝ber. Es gehe um Zukunft, um Schule im Ort, um Ihre Kinder und die anderer Leute, um Ihr Geld und ein bisschen auch um B├╝rgerbeteiligung. Es bestehe „jetzt die einmalige Gelegenheit in Hirschberg […], einen attraktiven Bildungsstandort jenseits des Gymnasiums zu schaffen“. Die GLH glaubt, dass die Gemeinschaftsschule eine „moderne und vor allem eine zukunftsf├Ąhige Schulform ist“.

Wenn wir also wollen, dass in Hirschberg weiterhin Kinder nach der vierten Klasse unterrichtet werden, dann m├╝ssen wir bereit sein, in den n├Ąchsten Jahren Geld zu investieren. Diese Investition in die kommende Generation ist sinnvoll und gut angelegt, wenn wir eine Gemeinschaftsschule einrichten. Genau das sollten wir uns leisten! Bitte nehmen Sie an der Abstimmung teil und stimmen Sie mit „JA“.

Gemeinderatsfraktion „SPD“:

Die SPD begr├╝├čt die Anstrengungen und den bisherigen Einsatz f├╝r eine p├Ądagogische Weiterentwicklung der Karl-Drais-Schule. Es gebe eine klare Botschaft von Sch├╝lern, Eltern, Lehrern und Schulleitung: Sie bef├╝rworten die Gemeinschaftsschule. Auch verweist sie darauf, dass das Konzept einer Gemeinschaftsschule bereits eine lange entwickelte, anerkannte und bew├Ąhrte Schulform in Baden-W├╝rttemberg sei.

Hirschberg ist gut aufgestellt. Allein finazielle Argumente k├Ânnen nicht das Kriterium f├╝r Ihre Entscheidung sein. Hirschberg als Schulstandort einer weiterf├╝hrenden Schule bietet Vorteile f├╝r Gewerbe und Vereine. Stimmen Sie f├╝r eine die Kinder fordernde und f├Ârdernde Schule und wenn Sie noch Zweifel haben: fragen Sie Eltern, Kinder und Lehrer die Erfahrungen mit Gemeinschatsschulen oder der Karl-Drais-Schule haben! Liebe Mitb├╝rgerinnen und liebe Mitb├╝rger, stimmen Sie am 22.9. mit JA f├╝r die Weiterentwicklung der Karl-Drais-Schule zur Gemeinschaftsschule und f├╝r ein zukunftf├Ąhiges Hirschberg!

 

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Wenn es nach der Schulleitung, den Sch├╝lern und Eltern geht, bleibt die Schule im Dorf.

 

Gemeinderatsfraktion „FDP“:

Die FDP ist der Meinung, dass die „Zukunft dieser Schulart mit Blick auf weitere politische Entwicklungen in Baden-W├╝rttemberg alles andere als sicher ist“ und sich der finanzielle Aufwand daher nicht vertreten lasse. Sie kritisiert die mangelnde wissenschaftliche Auswertung der, mit einer Gemeinschaftsschule einhergehenden und zwingend verbundenen Unterrichtsmethoden: „F├╝r Experimente sollten uns unsere Kinder zu schade sein“.

Unsere Werkrealschulen leisten gute Arbeit und bereiten ihre Sch├╝ler auf ein praktisches Berufsleben vor. Die Realschulen entwickeln F├Ąhigkeiten sowohl f├╝r eine praktische als auch theoretische Weiterbildung. Aus unseren Gymnasien wird mit dem Ziel „Studierf├Ąhigkeit“ unterrichtet. Die neue Gemeinschaftsschule ist eine Variante der Gesamtschule und Einheitsschule mit innerer Differenzierung. Leistungsunterschiede sollen die Sch├╝ler klassenintern bew├Ąltigen. Nun sind die Ortsb├╝rger aufgefordert eine Generationen ├╝bergreifende Entscheidung mitzutragen und damit auch Zeichen f├╝r k├╝nftiges Haushaltsgebaren der Gemeinde Hirschberg zu setzen. Wir empfehlen ein NEIN zur Umwandlung der Werkrealschule zu stimmen.

Jetzt liegt es an Ihnen!

Das Fazit der Informationsbrosch├╝re f├Ąllt verh├Ąltnism├Ą├čig knapp aus. Sinngem├Ą├č empfiehlt die Brosch├╝re: „Jetzt sind Sie informiert, bilden Sie sich eine Meinung.“ Und das ist okay. Je nach Blickwinkel, sind viele Argumente beider Seiten nachzuvollziehen. Es hei├čt im Fazit: „Der Gemeinderat hat der B├╝rgerschaft eine schwierige Entscheidung ├╝bertragen.“ Allerdings. Es seien „Weitblick, Verantwortungsbewusstsein und sachliche Auseinandersetzung“ bei der Entscheidung zu ber├╝cksichtigen.

So positiv eine B├╝rgerbeteiligung von Vielen wahrgenommen wird, so ist diese erste in der Geschichte Hirschbergs jedoch eigentlich ein Armutszeugnis f├╝r die Gemeindeverwaltung. Denn die B├╝rgerschaft w├Ąhlte demokratisch ein politisches Organ, welches diese Entscheidungen stellvertretend f├╝r sie treffen sollte. Der Gemeinderat, mit all seinem politischem Know-How, der n├Âtigen Erfahrung und ausreichend Weitsicht. Doch weit gefehlt, denn bekanntlich schob der Gemeinderat unter dem Vorsitz von B├╝rgermeister Manuel Just die Last der Entscheidung von sich ab – und damit zu den B├╝rgerinnen und B├╝rger, die am 22. September daf├╝r verantwortlich gemacht werden. Egal, wie die Entscheidung ausgeht.

Meinungsbildung kurz vor knapp

Sollte Ihnen die Informationsbrosch├╝re nicht ausreichen, um sich eine endg├╝ltige Meinung zu bilden, haben Sie bei zwei Veranstaltungen noch einmal die M├Âglichkeit zur Information.┬áDie erste Veranstaltung ist am Donnerstag, 12. September, ab 19 Uhr in der Aula der Karl-Drais-Schule, Johann-Sebastian-Bach-Stra├če 7-9. Neben B├╝rgermeister Manuel Just sitzt auch Schulleiter Jens Drescher auf dem Podium.

Die zweite Veranstaltung ist eine Podiumsdiskussion. Sie findet am Dienstag, 17. September, ab 19 Uhr in der Alten Turnhalle in Gro├čsachsen statt.┬áNeben Verwaltungschef Just und Schulleiter Drescher sitzen auch die f├╝nf Vorsitzenden der Gemeinderatsfraktionen Dr. J├Ârg Boulanger (CDU), Peter Johe (Freie W├Ąhler Hirschberg), J├╝rgen Steinle (Gr├╝ne Liste Hirschberg), Eva-Marie Pfefferle (SPD) und Hartmut Kowalinski (FDP) am Tisch.