Dienstag, 30. Oktober 2018

Die TGS Pforzheim schlägt sich selbst

27:23 TV Germania Großsachsen in Richtung Klassenerhalt

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Roko Penobio – Über weite Strecken der Garant für Großsachsener Sieg.

 

Hirschberg, 24. Septemberg 2013. (red/zef). Am Samstag sicherte sich der TV Germania Großsachen in der heimischen Sachsenhalle zwei ganz wichtige Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. In einem Duell zweier personell geschwächter Mannschaften, diktierten über weite Strecken die Torhüter das Geschehen. Eine Zeitstrafe wegen Meckerns besiegelte dann das Schicksal der TGS Pforzheim.

Von Ziad-Emanuel Farag

Die höchste mehrgleisige Liga und damit gewissermaßen die Königsklasse des Amateurhandball in Deutschland ist die 3. Liga, in der der TV Großsachsen spielt. Dementsprechend prominent war bei Großsachsens Gegner TGS Pforzheim die Bank besetzt: Kein geringerer als der deutsche Handballweltmeister Andrej Klimovets aus dem Jahr 2007 hat dort in diesem Jahr seine Trainerkarriere begonnen, nachdem er im letzten Jahr noch als Spieler mit der TGS Pforzheim den Aufstieg in die 3. Liga perfekt gemacht hatte.

Die TGS Pforzheim war dabei als Aufsteiger nur vermeintlich ein leichter Gegner: Gegen den Tabellenführer HSC Bad Neustadt und die SG Köndringen Teningen, die beide bisher alle vier Spiele gewonnen haben, unterlag die TGS jeweils nur knapp mit zwei – beziehungsweise drei – Toren Unterschied. Gegen die zweite Mannschaft des Bundesligisten HBW Balingen-Weilstetten, aktuell immerhin mit sechs Punkten auf Platz fünf, verlor sie auch nur knapp mit 24:27 Toren. Auch wenn die Ergebnisse achtbar waren, gibt es im Handball psychologisch nichts Schlimmeres als gut zu spielen und dennoch einen Fehlstart mit 0 Punkten hinzulegen.

Auch Großsachsen mit durchwachsenem Saisonstart

Der TV Großsachsen auf der anderen Seite hatte auswärts gegen den aktuellen Tabellenzweiten HSC 2000 Coburg keine Chance und verlor klar 17:25. Auch gegen den schlecht gestarteten SV Auerbach 08 war auswärts nicht viel zu holen, der TV verlor mit 22:26. In der heimischen Sachsenhalle konnte die Mannschaft aber den Tabellenvorletzten SG H2ku Herrenberg und Konkurrenten um den Klassenerhalt mit 29:24 bezwingen. Das Ergebnis klingt jedoch souveränder, als es letztlich war: Obwohl der Verein bereits nach 22 Minuten mit 13:07 führte, stand es nach nach 47 Minuten nur noch 22:21 für den TV Germania Großsachsen. Erst am Schluss konnte man den Torvorsprung wieder vergößern. Was keiner ahnte: Genau das wiederholte sich gegen die TGS Pforzheim.

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Gerade zu Beginn hatte die Großsachsener Abwehr das Spiel im Griff.

Der Spielbeginn war sichtlich nervös: Bei beiden Mannschaften fielen mehrere Stammspieler verletzt oder gesperrt aus. Sowohl Großsachsen als auch Pforzheim verteidigten in einer defensiven 06:00 Abwehr, um so Würfe aus der Nahwurfzone von sechs Metern zu verhindern. Da beide Abwehrreihen sehr kompakt standen und auch die Torhüter Roko Peribonio (Großsachsen) und Jonathan Binder (Pforzheim) gut ins Spiel fanden, gab es wenige Lücken und selbst gute Konterchancen blieben oft ungenutzt. So stand es nach neun Minuten lediglich 02:02. Spätestens jetzt war klar: Ein Torfestival war heute nicht zu erwarten.

Der TV Großsachsen ging durch Tobias Kohl nach einem schönen Kreuz im Rückraum und Simon Gans mit 02:00 nach drei Minuten in Führung. Der TV Germania Großsachsen hatte in den ersten Minuten die Chance, auf 04:00 davon zu ziehen. Doch Dominic Sauer und Simon Gans verwarfen frei vor dem Tor zwei wunderschöne Konter – das wurde von der TGS Pforzheim bitter bestraft: Nils Brandt glich für Pforzheim durch einen Hüftwurf aus elf Metern und einen Konter für die TGS Pforzheim aus.

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Beide Mannschaften gingen an ihre körperlichen Grenzen – Wechselmöglichkeiten gab es kaum.

Dennoch spielten beide Mannschaften nun konsequenter. Der TV Germania Großsachsen konnte sich in den folgenden elf Minuten einen soliden Vorsprung erarbeiten. Beim Stand von 07:04 für den TV Großsachsen traf Michael Wisokinkis von der TGS Pforzheim vom Kreis aus nur den Pfosten. Den anschließenden Konter verwertete Marius Jörres kaltschnäuzig, als sich die Abwehr noch nicht formiert hatte, aus elf Metern zum 08:04. Anschließend verwarf jedoch Florian Sauer einen Siebenmeter nach einem erneuten Konter. Simon Gans konnte jedoch anschließend – nach 20 Minuten – mit einem schönen Positionswechsel in weitem Bogen von der linken auf die rechte Spielfeldseite aus zehn Metern das 09:04 erzielen.

Gegen diesen 07:02-Sturmlauf half auch die erste Auszeit der TGS Pforzheim durch Trainer Andrej Klimovets nicht – weil Großsachsens Torwart Roko Peribonio selbst härteste Würfe aus dem Rückraum immer wieder parierte. Und Tobias Kohl vier seiner fünf Tore in den ersten 15 Minuten erzielte und der Mannschaft die nötige Sicherheit gab.

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In Angriff und Abwehr einer der wichtigsten Spieler für Großsachsen.

Pforzheim kam nun etwas besser ins Spiel und das Spiel pendelte sich bei diesem Vorsprung ein. Weiter absetzen konnte sich Großsachsen nicht. Bereits in der ersten Halbzeit zeichnete sich ein Problem im Spielaufbau ab: Dies lag auch daran, dass der etatmäßige Linksaußen Andreas Zahn fehlte und die Außenspieler das Spiel in die Spielfeldmitte verlagerten.

Torgefahr von Außen konnten sie selten erzeugen. Erst nach 25 Minuten erzielte Florian Sauer für Großsachsen aus sehr spitzem Winkel durch die Beine von Jonathan Binder das 13:08 für den TV Großsachsen. Am Ende der Halbzeit stand es 14:10.

„Handball darf nicht auf Fußballniveau absinken!“

Die Führung zur Halbzeit war umso bemerkenswerter: Am lautesten waren nicht die zahlenmäßig überlegenen Fans der Heimmannschaft, sondern die frenetischen mitgereisten Fans der TGS Pforzheim. Sie trommelten und feuerten lautstark ihre Mannschaft das ganze Spiel über an. Immer wieder waren leider die Schiedsrichter Ziel von entsetzlichen Beleidigungen. Das Ganze gipfelte darin, dass wenige Pforzheimer Fans die Schiedsrichter als „Missgeburt“ bezeichneten. Hierzu erklärte der Abteilungsleiter der Pforzheimer Handballer Wolfgang Taafel auf unsere Nachfrage:

Mit den Schiedsrichterleistungen waren wir nicht einverstanden. Trotzdem darf man sich nicht so verhalten, das muss alles im Rahmen des Menschlichen bleiben. Das sind einzelne Fans aus der Fußballszene und wir tolerieren das in unserem Verein nicht. Handball darf nicht auf Fußballniveau absinken!

Auch zu Beginn der zweiten Halbzeit konnten die Pforzheimer Spieler kein Kapital aus der lautstarken Unterstützung schlagen: Roko Penobio zeigte zehn Minuten lang eine Weltklasseleistung und lief zu Wahnsinnsform auf: Immer wieder hielt er bestplatzierte, harte und flache Würfe und tauchte wie Silvio Heinevetter wieder in die flache Ecke mit dem ganzen Körper ab. Nicht einmal frei vor dem Tor nach Kontern wie nach 32:20 Minuten war er zu überwinden. Und erntete von den kurz aufgeschreckten Großsachsen-Fans stehende Ovationen.

So fielen in der Folge in den ersten zehn Minuten erneut recht wenige Tore. Nach 40 Minuten stand es nach zwei von Florian Sauer spielerisch leicht verwandelten Siebenmetern 18:12 für den TV Germania Großsachsen.

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Der Pforzheimer Torwart Jonathan Binder stemmte sich mit aller Macht gegen die drohende Niederlage.

Insbesondere ein Wurf durch die Beine hat dann in der Folge Jonathan Binder zur Höchstleisutung angestachelt. Das Angriffspiel des TV Grooßsachsen war immer noch zu berechenbar: Immer wieder verhungerte der Linksaußen Florian Sauer regelrecht, obwohl er vielfach sehr frei stand. Nach 44 Minuten schien dabei alles klar: Sauer vergab einen Siebenmeter und war schon zurück auf dem Weg in die Abwehr.

Doch dann geschah etwas sehr Seltenes: Ein Spieler der TGS Pforzheim hatte bei der Ausführung des Siebenmeters übertreten und die Schiedsrichter haben das auch geahndet. Der Wurf wurde wiederholt, Florian Sauer traf – das Pforzheimer Publikum schrie endgültig seinen ganzen Frust auf zweifelhafte Weise heraus.

Großsachsen kämpft sich zurück, die Sachsenfans wachen auf

Der TV Großsachsen war davon sichtlich beeindruckt: In fünf Minuten schaffte der TGS Pforzheim einen 06:02-Lauf und es stand plötzlich nur noch 21:20 – zehn Minuten vor Schluss. Roko Peribonio konnte keine Bälle mehr sichern und musste mehrere Tore durch den Pforzheimer Linksaußen Christian Zluhan hinnehmen. Das 21:20 erzielte er von Außen mit einem Nachwurf durch die Beine.

Der TV Großsachsen war sichtlich beeindruckt und erspielte sich keine Lücken mehr. So blieb als letztes Mittel zu kämpfen, zu hoffen und das Glück zu erzwingen. Nach einer erneuten Parade von Jonathan Binder machte so Alexej Rybakov mit einem Nachwurf das 22:20.

Masica reißt die Großsachsen-Fans von den Sitzen

Doch das brachte keine Sicherheit. Valentin Hörer erzielte mit einem schönen Wurf aus dem Rückraum das 22:21. Danach nahm Andrei Sinak eine Auszeit für den TV Großsachsen. Allein: Es half nichts. Im folgenden Angriff drohte das Zeitspiel, Marius Jörres reagierte mit einem Verzweiflungswurf – vergebens. Die TGS Pforzheim hatte nun die große Chance zum ersten Mal seit der Anfangsphase auszugleichen.

In so einer Situation zeigt sich, was eine Mannschaft ist: Alle Spieler von Großsachsen waren wieselflink zurück in der Abwehr. Tobias Kohl gelang das Kunststück: Er entriss regelkonform mit beiden Händen auf der rechten Spielfeldseite der TGS Pforzheim den Ball. Anschließend verwarf er vorne gegen den starken Jonathan Binder aus sechs Metern. Doch der Ball blieb bei Großsachsen: Peter Masica erzielte anschließend das 23:21 aus dem Stand aus zehn Metern von der linken Seite in den Winkel. Nach 54 Minuten riss er damit endlich die Großsachsen-Fans von den Sitzen.

Die Torhüter überbieten sich in guten Paraden

Kurz darauf nahm Andrej Klimovets eine Auszeit für Pforzheim. Doch es war nutzlos. Großsachsen bekam den Ball. Erneut rettete Jonathan Binder seine Mannschaft beim nächsten Konter. 36 Sekunden später scheiterte Tobias Wallenwein erneut an ihm. Auf der anderen Seite meldete sich Roko Penobio zurück und hielt nach 55 Minuten einen wichtigen Wurf aus dem Pforzheimer Rückraum. Die entscheidenden Tore wollten nicht fallen.

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In der Schlussphase gegen Pforzheim ganz wichtig: Florian Sauer, wie er Jonathan Binder im Pforzheimer Tor überwindet.

Doch eine Minute später übertrug sich endgültig die wütende Stimmung der Pforzheimer Fans auf die Mannschaft. Der Pforzheimer Spieler Nils Brandtner erhielt – nachdem Großsachsen im Angriff den Ball durch einen technischen Fehler verloren, aber anscheinend versehentlich fallen gelassen hatte – eine Zeitstrafe wegen Meckerns nach 56 Minuten.

Die Folge: Großsachsen erhielt den Ball, Tobias Kohl traf gegen die konsternierte Pforzheimer Abwehr zum 24:21 aus neun Metern im Sprung. Anschließend hielt Roko Penobio einen wichtigen Ball genauso wie Jonathan Binder.

Doch zwei Tore von Florian Sauer entschieden das Spiel. In der 59. Minute schloss er einen Konter zum 26:21 ab. Das Spiel war entschieden. Am Ende stand es dann 27:23, von den Pforzheimer Fans war nicht mehr viel zu hören. Der Pforzheimer Trainer und Weltmeister Andrej Klimovets zeigte eine sehr sportliche und professionelle Einstellung: Er gab im Gegensatz zu den Pforzheimer Fans nicht den Schiedsrichtern die Schuld für die Niederlage. Davon könnten sich einige etwas abschauen.

Es spielten für TV Großsachsen (Tore/davon 7-Meter):

Fraefel Markus, Roko Peribonio, Peter Masica (2), Marius Jörres (5), Sebastian Knierim (2), Sebastian Kohl (5), Rybakov Alexej (3), Dominic Sauer, Marcel Ackermann, Simon Gans (3), Florian Sauer (7/4), Tobias Wallenwein, Benjamin Scholz und Lukas Waldmann.

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So sehen Sieger aus! Zwei Siege aus zwei Heimspielen. So muss es weitergehen für den Klassenerhalt.