Freitag, 10. August 2018

„Riesling bleibt der Renner“

Print Friendly, PDF & Email
hutter im schloss-131010- IMG_4395

Jan Hutter

 

Weinheim/Rhein-Neckar, 10. Oktober 2013. (red/aw) Am 3. Oktober veranstaltete Jan Hutter mit seinem Team vom Restaurant Hutter im Schloss bereits zum siebten Mal „Wein im Park“. Mit Hilfe von 23 Winzern und FachhĂ€ndlern prĂ€sentierte der passionierte Weintrinker und Koch den GĂ€sten eine interessante Palette von erlesenen Weinen. Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Besonders die neue Generation der Winzer in Deutschland hat es dem Gastronom angetan. Über welche Trends er sich in der Branche besonders freut und welche Dinge es auch fĂŒr Gelegenheitsgenießer zu beachten gilt, veriet er im GesprĂ€ch mit uns.

Von Alexandra Weichbrodt

Die Auswahl der ausstellenden Winzer trifft Jan Hutter selbst. Der Gastronom ist Koch und Weinkenner zugleich. FĂŒr sein Restaurant Hutter im Schloss wĂ€hlt er nur die erlesensten Tropfen aus. Dabei kommt es jedoch nicht auf ExklusivitĂ€t oder den Preis an, sondern vor allem „auf den Geschmack“. Mit vielen der ausstellenden Winzer arbeitet er bereits seit Jahren zusammen, alle stehen auf der Weinkarte seines Restaurants. Doch auch immer wieder „neue Entdeckungen“ kommen hinzu. Das Angebot wird daher stĂ€ndig ĂŒberabeitet und ergĂ€nzt.

Die siebte Wein im Park-Veranstaltung lief super. Es hat wiedermal viel Spaß gemacht und auch die Resonanz der Aussteller und GĂ€ste war durchweg positiv,

hutter im schloss-131010- IMG_4399resĂŒmiert Jan Hutter. Rund 400 GĂ€ste von Bensheim bis Hockenheim, aus dem Odenwald, Mannheim und Heidelberg waren gekommen: „Es werden von Jahr zu Jahr mehr.“ Die Besonderheit von Wein im Park liege zum einem im Ambiente der Location: Mitten im Herzen des Schlossparks. Aber auch in der speziellen Auswahl der Aussteller. Durch die handerlesene Selektion komme es zu einer ganz eigenen Zusammenstellung „großer und kleiner Betriebe“, des Nachwuchs und der alten Hasen der Branche.

Es prĂ€sentierten sich WeingĂŒter, wie von Winning aus der Pfalz, die laut Hutter zu den Top Drei der deutschen Winzerbetriebe gehören. Aber auch ein ganz junge WinzerbĂŒndnisse, wie WineChanges aus der Verbandsgemeinde Deidesheim in der Pfalz. Der Zusammenschluss der dreizehn „jungen, wilden“ WeingĂŒtern zeige eine Entwicklung innerhalb der Branche, die Hutter begrĂŒĂŸt:

Ganz angenehme junge Menschen arbeiten hier mit viel Spaß zusammen. Man merkt, dass da nicht nur das gemeinsame Etikett vorhanden ist, sondern auch ein echter Zusammenhalt.

Insgesamt habe sich in den letzten zwanzig Jahren viel getan. Es vollzog sich ein großer „Generationenwechsel“, der eine gewisse ProfessionalitĂ€t bereits bei den Berufseinsteigern mit sich brachte. „Fast alle der Jungwinzer haben heute studiert“, erklĂ€rt Hutter. Die Erfahrung der Ă€lteren Winzer-Generation werde heute mit wissenschaftlichem und marketingorientiertem Wissen wett gemacht. Da die Studienmöglichkeiten in Deutschland noch begrenzt sind, kennen sich viele der neuen Generation untereinander. Dadurch entstĂŒnden solche BĂŒndnisse wie WineChange, mit viel Engagement und Einsatz auch fĂŒr die vermeindliche Konkurrenz. „Der Zusammenhalt und auch der Austausch ist unter den jĂŒngeren Weingutbetreibern heute eine ganz anderer“, so Hutter.

Ein weiterer Vorteil des gut gebildetetn Nachwuchs:

Es passieren weniger Fehler. In den vergangenen Jahren sind die Weine insgesamt deutlich besser geworden. Auch im gĂŒnstigen Preissegment findet man heute kaum noch wirklich schlechte Weine,

so der Experte. Schlecht sei zwar immer relativ und nicht selten eine Geschmackssache, aber richtige Fehler, „wie falsche GĂ€hrung, zu starke Oxidierung oder die Nutzung von unsauberer Hefe“, passieren heute selbst Berufseinsteigern kaum noch.

Riesling ist der Renner

Der aktuelle Trend in Sachen Wein gehe nach wie vor zum Riesling, so Hutter. Jetzt mit Beginn des Herbstes steige zwar auch der Rotwein wieder in der Gunst der GĂ€ste, aber das halte sich in der kalten Jahreszeit gerade so in der Waage. Der Weißwein bleibt der beliebteste, besonders der trockene. Milde oder gar sĂŒĂŸe Weine werden kaum noch nachgefragt. Darunter fallen auch die frĂŒher so oft geschĂ€tzten Aperitif- und Dessertweine.

Was wir merken ist, dass immer mehr deutsche Weine nachgefragt werden. Der Wunsch nach RegionalitĂ€t gewinnt an Bedeutung, vor allem im Weißwein-Bereich.

Auch in seinem Restaurant setzt Jan Hutter auf eine erlesene regionale Auswahl.“Wir haben hier in der Region aber auch wirklich GlĂŒck: Rheinhessen, Pfalz, Rheingau, Baden, WĂŒrttemberg, Franken.“ Ein wichtiger Partner fĂŒr Hutter im Schloss ist die Winzergenossenschaft Schriesheim. Die Zusammenarbeit sei natĂŒrlich aufgrund der NĂ€he besonders intensiv, aber eben auch wegen der hervorragenden QualitĂ€t der Schriesheimer Erzeugnisse, sagt Hutter.

hutter im schloss-131010- IMG_4403Spanische Weine stehen neben deutschen auf der Karte. Nicht, weil andere – französische oder italienische – schlechter seien, sondern einfach, weil man sich fokussieren mĂŒsse. „Die Weinwelt ist riesig, das Angebot der Weinheimer Gastronomen am Marktplatz ebenfalls groß“, sagt Hutter. Die Entscheidung dieser Selektion habe er daher bewusst getroffen. Die Vorliebe fĂŒr spanischen Wein kommt von einer persönlichen AffinitĂ€t zum Land, erklĂ€rt der Gastronom. Lange Jahre hat er in Spanien gelebt und gearbeitet und kennt sich daher auch gut mit den Produkten der dortigen Winzer aus.

Lecker und gut muss nicht teuer und Bio sein

Der Bio-Trend den die Lebensmittelbranche in den letzten Jahren durchlaufen hat, ist an der Weinbranche grĂ¶ĂŸtenteils vorbeigegangen, weiß Hutter. Speziell nachgefragt werde Bio-Wein zumindest in seinem Lokal ganz selten. Überhaupt ist die Definition von „Bio“ fĂŒr Weine keine ausschlaggebendes QualitĂ€tskriterium:

Es ist ohnehin so, dass fast alle „Bio“ oder zumindest nah dran produzieren. Der Chemie-Einsatz ist in der Regel ohnehin minimal.

Aber besonders viele der kleinen WeingĂŒter könnten im schlimmsten Fall ohne den Einsatz von Spritzmitteln eine gesamte Traubenernte verlieren. Nur um anschließend „Bio“ auf das Etikett zu drucken, sei vielen das Risiko zu hoch, weiß Hutter. Hinzu kĂ€men ja immer auch noch die Kosten fĂŒr eine derartige Zerifizierung. Die wĂŒrden sich dann wahrscheinlich auch auf den Endpreis des Produktes niederschlagen. Dabei ist teuer nicht immer besser und billig nicht immer schlecht, weiß der Weinkenner.

Der Preis spielt natĂŒrlich auch bei unseren GĂ€sten eine Rolle. Aber die Bereitschaft, fĂŒr gute QulitĂ€t Geld auszugeben, ist gewachsen,

so der Restaurant-Betreiber. Generell könne man sagen, dass die Leute lieber seltener Essen gehen, dafĂŒr aber besser. Die Weinpreise seien in Deutschland aber auch im europĂ€ischen Vergleich recht hoch, was oft mit den teueren Fixkosten zu tun hat. Sowohl in der Produktion als auch in der Gastronomie ist die Gewinnspanne deutlich anders zu berechnen als im Ausland, so Hutter. Hinzu komme die Transparenz der Weinpreise, die durch das Internet und den Online-Handel entstanden ist.

Die ganz exklusiven und meist sehr teuren Weine waren frĂŒher nur in der gehobenen Gastronomie zu bekommen. Heute ist das anders. Heute könnte der Gast mit dem Smartphone am Tisch die Preise aus der Karte mit dem Einkaufspreis der Flasche vergleichen,

so Hutter. Da sinke natĂŒrlich die Bereitschaft fĂŒr eine Flasche mit einem Einkaufswert von 75,00 Euro, im Restaurant 200,00 Euro zu zahlen. „Die Schmerzgrenze liegt heute in der Regel bei 40,00 Euro fĂŒr eine Flasche Weißwein und 60,00 Euro beim Rotwein“. Dabei muss es nicht immer so teuer sein. „Mit einer Flasche fĂŒr etwa zehn Euro machen Sie eigentlich nichts verkehrt, besonders wenn es sich um einen Deutschen handelt“, so der Weinexperte. Die vielen Preise und Auszeichnungen, die Kunden im Supermarkt zum Kauf einer Flasche bewegen sollen, hĂ€lt er fĂŒr unnötig:

Ich selbst achte darauf gar nicht. Oftmal ist es, Ă€hnlich wie bei Bio, eine Auszeichnung, die man nur gegen GebĂŒhr erhĂ€lt.

Die guten Winzer, die ihren Wein auch ohne solche Verkaufsargumente absetzen, wĂŒrden darauf in der Regel verzichten. Wichtiger sei es auf das Weingut an sich zu achten: Hat der Winzer einen guten Ruf? Ist die Palette der Produkte durchweg qualitativ hochwertig? Ist der Erfolg ĂŒber mehrere JahrgĂ€nge gegeben?

Jung und frech: Der Silvaner vom Weingut Lukas Krauß

hutter im schloss-131010- IMG_4409Entdeckung des Jahres ist fĂŒr Jan Hutter der Silvaner vom Weingut Lukas Krauß. „Toller Wein, von einer Rebsorte, die frĂŒher in unserer Region viel verbreiteter war“, dann aber immer leichter wurde und zum Massenwein mutierte. Lukas Krauß sei ein „frecher Typ“, der dem Silvaner wieder alle Ehre macht. Krauß war das erste Mal bei Wein im Park dabei und ĂŒberzeugte. Bald ist sein Silvaner im ausgewĂ€hlten Weinangebot bei Hutter im Schloss.

Der Silvaner sei frĂŒher ĂŒbrigens ein beliebter Wein zu Spargel gewesen, mittlerweile bevorzugen viele den Weißburgunder, erklĂ€rt Hutter. Die VorzĂŒge der Weintrinker verĂ€ndern sich. Auch pauschalisierte Empfehlungen, wie „Rotwein zu rotem Fleich und Weißwein zu hellem Fleich“ könne man heute so nicht mehr als Regel annehmen. Allenfalls als „grobe Richtung“ sei dieser Gedanke nicht verkehrt, aber nicht „dogmatisch“.

Es gibt mittlerweile so viele unterschiedliche Weine, dass es nicht mehr die eine Faustregel gibt. Besonders hier in Baden gibt es beispielsweise tolle leichte Rotweine, die auch im Sommer hervorragend zu Fisch passen.

Die Frage, ob ein Wein wirklich hundertprozentig zum Essen passt, sei immer eine schwierige Frage. Im Zweifel sei erlaubt, was schmeckt und Spaß macht.

 

Viele Freunde mit den Fotos:

hutter wein im park-131003- IMG_4313

hutter wein im park-131003- IMG_4319

hutter wein im park-131003- IMG_4321

hutter wein im park-131003- IMG_4324

hutter wein im park-131003- IMG_4328

hutter wein im park-131003- IMG_4329

hutter wein im park-131003- IMG_4332

hutter wein im park-131003- IMG_4335

hutter wein im park-131003- IMG_4339

hutter wein im park-131003- IMG_4340

hutter wein im park-131003- IMG_4345

hutter wein im park-131003- IMG_4348

hutter wein im park-131003- IMG_4353

hutter wein im park-131003- IMG_4354

hutter wein im park-131003- IMG_4356

Über Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist GrĂŒndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten PortrĂ€ts und Reportagen oder macht investigative StĂŒcke.