Freitag, 27. Juli 2018

Gemeinderat dreht sich im Kreis - Bürgermeister Just verärgert

Zähe Debatte um die Sanierung der Turnhalle in Großsachsen

Print Friendly, PDF & Email

Hirschberg, 26. Februar 2014. (red/jsc) Die Notwendigkeit der Sanierung der „Alten Turnhalle“ in Großsachsen wurde dem Gemeinderat bereits vor einem Jahr dargestellt. Nun soll es gemäß der im Oktober vergangenen Jahres aufgestellten Prioritätenliste los gehen. Im Gemeinderat kam der Entschluss jedoch erst nach langer Diskussion zustande: Es wurde über die gleichen Probleme diskutiert wie vor einem Jahr. Ein Vorschlag des Bürgermeisters brachte schließlich die Lösung.

Von Julia Schmitt

Am 26. Februar 2013 wurde zum ersten Mal über die sanierungsbedürftige „Alte Turnhalle“ in Großsachsen im Gemeinderat diskutiert. Danach folgten eine Ortsbegehung der Gemeinderäte, Wunschbekundungen an den zuständigen Architekten, Nachfragen bei den Vereinen sowie die Debatten im zuständigen Ausschuss für Technik und Umwelt. Im Gemeinderat wurden gestern die endgültigen Vorschläge diskutiert.

Das eine Mal sind Waschräume und Umkleide durch einen Flur getrennt (mit der Bemerkung „nicht zumutbar“ in den Stellungsnahmen), bei einem zweiten Vorschlag der Zugang zu den Einrichtungen für Damen nur durch das vorherige Durchqueren dreier anderer Räume möglich – notwendige Fluchtwege für die Räume fehlen. Die Planungsvarianten scheinen alle nicht optimal.

Das Platzproblem in der Halle

„Es gab immer wieder Diskussionen über die Anordnung der Umkleidekabinen und der Sanitäranlagen. Das war für den Architekten nicht leicht“, erklärte Bürgermeister Just. Als Hauptproblem benennt er den beschränkten Platz und die daraus resultierenden Debatten um die Platzierung der Sanitärräume, der Behindertentoilette sowie der Fluchtwege. Auch wurde immer wieder darüber geredet, wieviele Duschen und Toiletten denn nun angemessen seien. Trotzdem muss die Sanierung der Halle dringend erfolgen.

Bürgermeister Just betonte, dass sie den Auftrag zeitnah ausschreiben sollten, um die Pfingst- als auch die Sommerferien als Bauzeit nutzen zu können. „Das wären dann schon acht Wochen ohne gesteigerte Nutzung“, sagte Herr Just. Schließlich seien die Baumaßnahmen ein gravierender Einschnitt für die Vereine in Großsachsen.

Gemeinderat hat seine Hausaufgaben nicht gemacht

Gemeinderat Thomas Thünker (FW) sprach sich für die Variante 2 der Vorschläge aus. Zudem bat er die Verwaltung die Pläne zu überarbeiten, da seine Fraktion jeweils zwei Duschen für nicht notwendig hält. Auch sollte die Größe des Flurs reduziert werden, da die Herrenumkleide mit nur sechs Quadratmetern zu klein sei. Bürgermeister Just konnte diesen Vorschlag jedoch sofort abweisen, da die vorgeschlagene Variante zwei aufgrund des fehlenden zweiten Fluchtwegs auf keinen Fall in Frage kommt.

Gemeinderätin Karin Kunz (CDU) brachte zwar ihr Verständnis zum Ausdruck, dass der Baubeschluss zeitnah erforderlich sei, gab jedoch an, die angebotenen Lösungen nicht unterstützen zu wollen: „Für soviel Geld ist es nicht gut genug.“ Der Bürgermeister reagierte mit Unverständnis auf die Äußerungen der Gemeinderäte – schließlich waren ihnen die Vorlagen vorab zugesandt worden mit der Bitte eventuelle Kritik dem zuständigen Amt zukommen zu lassen. Dies hatte jedoch nur Frau Pfefferle (SPD) getan – aber erst am Tag zuvor. Die Vorschläge und Kritik der Fraktionen hätten schließlich in die Vorlagen eingearbeitet werden können, erklärte der Bürgermeister.

Eva-Marie Pfefferle (SPD) kreidete beispielsweise die nur zwei geplanten Damentoiletten als zu gering an: „Das ist ein Plan, den ein Mann gemacht hat.“ Bürgermeister Just zeigte sich schnell frustriert:

Das ist die gleiche Diskussion wie vor einem Jahr.

Jürgen Steinle (GLH) sprach sich dafür aus, dass der Beschluss dringend gefasst werden müsse. Ihm fehle jedoch gänzlich ein schlüssiges Energiekonzept.

Bürgermeister Just erklärte, dass von drei vorgelegten Vorschlägen nur der erste für einen Beschluss in Frage komme, da bei den beiden anderen der zweite notwendige Fluchtweg fehlt.

Erneut lange Diskussionen

Nach längerer Diskussion, wieviele Toiletten es wo brauche, wo am besten eine Behindertentoilette hinkomme und warum es einen zweiten Fluchtweg brauche, bringt Bürgermeister Just einen Vorschlag, um eine Einigung zu erzielen. Er greift dabei die Anregung von Eva-Marie Pfefferle (SPD) auf, die Behindertentoilette nach vorne ins Foyer zu verlegen. Laut ursprünglichem Plan war sie „im letzten Eck“. Zudem zieht er den Sanitärbereich räumlich zusammen, sodass Umkleiden und Duschen nicht wie ursprünglich geplant durch einen Flur getrennt sind.

Karl Heinz Treiber (GHL) erklärt, dass er durch seine sportlichen Tätigkeiten „schon in der ganzen Vorderpfalz geduscht habe“ und somit Erfahrung mit Turnhallen habe. Den modifizierten Plan von Herrn Just hält er für die „optimale Lösung“.

Nach weiterer längerer Diskussion im Gemeinderat erklären sich die Mitglieder schließlich bereit, der optimierten Lösung zuzustimmen. Bürgermeister Just betonte, dass, wenn die von ihm vorgeschlagenen Abänderungen nicht von den Behörden abgesegnet werden, die Detailfragen im Ausschuss für Technik und Umwelt geklärt werden. Eine weitere lange Diskussion um die gleichen Fragen wie vor einem Jahr – das will er vermeiden.

Sanierung bringt hohe Kosten

Klar hingegen ist, dass die Halle zukünftig über einen Gasbrennwertkessel beheizt werden soll. Die zu installierende Deckenstrahlheizung könnte nach vorliegenden Unterlagen zudem als preiswerte Variante auch als Kühlsystem der Halle zum Tragen kommen. Dies würde weitere Kosten in Höhe von 20.000 Euro bis 30.000 Euro bedeuten. Die Maßnahme könnte unabhängig zur jetzigen Sanierung zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Sie wird optional ausgeschrieben.

Auch ohne die Kosten des Kühlsystems wird Hirschberg tief in die Tasche greifen müssen. 870.000 Euro sind für die Sanierung der Halle geplant.

Der Gemeinedrat fasste an diesem Abend den Baubeschluss. Thomas Herdner (GHL) und Jürgen Steinle (GHL) stimmten dagegen.