Dienstag, 24. Juli 2018

Präsentation der Ortskernentwicklung im Gemeinderat

Den Wandel gestalten. Die Identität bewahren.

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Hirschberg, 05. Mai 2014 (red/csk) Was im Februar bereits etliche Hirschberger beschäftigte, kam nun auch im Gemeinderat zum Tragen: die Ortskernentwicklung. Auf Antrag der Freien Wähler und der CDU wurde das Thema auf die Tagesordnung gesetzt. In einer Präsentation referierten Anja Göhringer und Phillip Dechow, beide vom Internationalen Stadtbauatelier Stuttgart, über die Möglichkeiten von Entwicklungskonzepten in historischen Ortskernen.

Philipp Dechow erläuterte Ansätze für eine Konzeptentwicklung des Ortskerns (Archivbild)

Philipp Dechow erläuterte Ansätze für eine Konzeptentwicklung des Ortskerns. Foto: Archivbild vom Forum für Ortsgestaltung und Ortsherhaltung im Februar.

Von Christina Schäfer-Kristof

Viele Bürgerinnen und Bürger waren im Februar der Einladung des Hirschberger Forums für Ortsgestaltung und Ortserhaltung gefolgt. Unter ihnen auch einige Gemeinderäte. Bürgermeister Manuel Just war nicht dabei. Eine Terminkollision. Er wie auch die Gemeinderäte hatten nun die Gelegenheit das zu hören, was bereits vor einigen Wochen im Anbau der Alten Turnhalle ausgeführt worden war: Die Möglichkeiten einer attraktiven Ortskerngestaltung im Spannungsfeld zwischen Erhalt der Historie und Erfüllung von Anforderungen der Moderne.

„Seit Jahrzehnten ist es immer wieder Thema“

Für die Gemeinderäte war die Präsentation zum einen Information. Über Gestaltungsmöglichkeiten. Aber auch darüber, „welche Instrumente zur Sicherung und Beeinflussung der städtebaulichen Entwicklungen dem Gemeinderat als Träger der Planungshoheit zur Verfügung stehen“, war es in der Verwaltungsvorlage zu lesen. Das Thema an sich war aber nicht neu. „Seit Jahrzehnten ist es immer wieder Thema“, sagte Manuel Just in seiner Einleitung. Im Gemeinderat wurde es laut Bürgermeister zuletzt im November letzten Jahres ausgiebig diskutiert.

Philipp Dechow erläuterte in seinem Vortrag nochmals den Hintergrund des Aussterbens von Ortskernen und die Notwendigkeit zum Wandel. Als Gründe nannte er sowohl den landwirtschaftlichen Strukturwandel und den damit einhergehenden Leerstand der Wirtschaftsteile, sowie den demografischen Wandel und die Änderung der Lebensstile mit den einhergehenden veränderten Bedürfnissen und Anforderungen der Einwohner. Es benötige ein ganzheitliches Konzept für das Ortsbild, so Philipp Dechow. Es ginge darum „den Wandel zu gestalten und die Identität des Ortes zu bewahren.“

Lieber weich statt hart

Eine entsprechende Baukultur sah der Architekt als Gemeinschaftsaufgabe aller Akteure an. „Sowas können Sie nicht planen lassen“, sagte er. Bürger, Politiker und Investoren müssten zusammen unter Hinzuziehung von Fachleuten entscheiden, wie ihr Hirschberg aussehen soll. Bezüglich einer späteren Umsetzung riet Philipp Dechow: Weich statt hart. Heißt: Lieber Beratung statt steifer Satzung als Instrument einsetzen.

Der Architekt erläuterte im Anschluss eine mögliche Vorgehensweise für Hirschberg zur Konzeptentwicklung. Wichtig: man solle ergebnisoffen in den Prozess gehen. Die Erarbeitung eines Rahmenplans unterteilte Philipp Dechow in drei Stufen, an deren Anfang die Analyse stand. Also die städtebauliche Bestandsaufnahme unter Hinzuziehung bereits vorhandener Studien. Im zweiten Schritt folge die Partizipation im Rahmen eines Bürgerworkshops mit einem möglichst breiten Bevölkerungsquerschnitt. Formulierung der Ziele, Diskussion und Priorisierung von Maßnahmen würden an dieser Stelle getroffen. Damit könne dann die Erstellung des Rahmenplans erfolgen. Mit dem Rahmenplan seien unterscheidliche Umgänge möglich. Dazu Philipp Dechow:

Es gibt die Möglichkeit eines Gestaltungshandbuchs ebenso wie die einer Gestaltungssatzung.

Durch die Fraktionen hindurch zeigten sich die Gemeinderäte angetan von den Ausführungen des Architekten ebenso wie denen seiner Kollegin Anja Göhringer, die eine Konzeptumsetzung anhand des Ortes Münchingen vorgestellt hatte.

„Wir wollen nicht hinten anstehen und schauen was passiert“ sagte Matthias Dallinger (CDU) auf die Formulierung „Wandel gestalten“. Man solle einen Prozess anstoßen, der dahin führe, die Ganzheitlichkeit des Ortskerns mit einem Konzept zu begleiten, so der Gemeinderat weiter. Dass dies eine große Aufgabe sei, gab Eva-Marie Pfefferle (SPD) zu Bedenken: „Nach heute abend ist uns allen klar, dass wir das nicht ohne fachliche Unterstützung schaffen.“

Dialog und Kommunikation als Instrument

Grünen-Gemeinderat Jürgen Steinle beschäftigten zwei andere Fragen: „Wer wird Konzeptansätze in welchen Gremien entwickeln? Und wie können wir so gestalten, dass wir nicht das Schlafzimmer Mannheims werden?“ Dass nicht jeder Betroffene mitziehen werde, war nicht nur seine Sorge. Anja Göhringer sah diesbezüglich Möglichkeiten in Dialog und Kommunikation. Die Menschen an die Hand nehmen, statt über den Kopf hinweg zu entscheiden, so die Empfehlung der Ingenieurin. Und auch Philipp Dechow riet: „Machen Sie keinen starren Plan, sondern fassen Sie Alternativen ins Auge. “ Wieder stand das Wort „ergebnisoffen“ im Raum, das Manuel Just aufnahm: „Uns wird in einem ergebnisoffenen Prozess sehr schnell klar werden, wie weit kommen wir mit dem harten oder weichen Instrument.“

Im Grunde herrschte also große Zustimmung zum Vortrag der zwei Fachleute. Aber wer das Haar in der Suppe sucht, der findet es. Zum Beispiel im Wort „ergebnisoffen“.

Ergebnisoffenheit heisst: dann können wir die Burg auch schleifen und Reihenhäuser hinstellen

sagte Monika Maul-Vogt (GLH). Kopfschütteln und eine vehemente Zurückweisung des Bürgermeisters erhielt sie als Antwort: Über allem stünde die Erhaltung der Identität des Ortes, so Manuel Just. Dem seien alle Maßnahmen untergeordnet, sagte er. Der neue Gemeinderat werde sich mit dem Thema voraussichtlich im Herbst befassen, sagte Bürgermeister Just.