Dienstag, 18. Juni 2019

Thomas - die MĂ€nnerkolumne

„Jetzt reicht’s“ – ein Mann kommt zu Wort

Das Zeichen fĂŒr die MĂ€nnlichkeit. Quelle: Wikipedia.

Rhein-Neckar, 30. Januar 2012. Seit Herbst 2009 veröffentlicht Gabi ihre Kolumne. Thomas ist ein Stammleser. Woche fĂŒr Woche hat er Gabis Kolumne gelesen – dann hat es ihn gepackt. Endlich soll auch mal die mĂ€nnliche Seite auf den Tisch kommen. Thomas versucht sich an der Frage: Was denken zum Beispiel MĂ€nner ĂŒber die Freundinnen ihrer Frau?

Seit gut zwei Jahren verfolge ich Gabis Kolumne. Das ist ganz nett, aber die weibliche Sichtweise geht mit der Zeit doch ganz schön auf die Nerven. Jetzt reicht’s!

Was musste ich alles lesen ĂŒber DiĂ€ten und MĂ€nner und Kinder und Putzen und BĂŒgeln und Freundinnen. Ganz vergessen wurde dabei doch, was uns MĂ€nner interessiert, was wir denken.

Dieses Gequatsche, diese endlosen Telefonate…

Nehmen wir zum Beispiel Freundinnen. Mein Gott, was fĂŒr ein Stress. Dieses Gequatsche, endlose Telefonate, das Wiederkauen von immer den gleichen Themen. „Hast du schon gehört, was meinst du, was soll ich tun, was denkst du darĂŒber …“

Sind denn Frauen nicht in der Lage irgendetwas zu beschließen, ohne dies zuvor stundenlang mit ihren Freundinnen bequatscht zu haben?

Meine Frau ist hierfĂŒr ein Paradebeispiel. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht ewig am Telefon hĂ€ngt und die Wortfetzen, zeugen kaum von Entschlussfreude: „Nein wirklich, das gibt’s doch nicht, was hast du/er/sie dann gesagt/getan, meinst du, da ist ja furchtbar, das ist ja toll, das verstehe ich sehr gut 
“ Eine endlose Litanei von kaum aussagekrĂ€ftigen SĂ€tzen wird um meine Ohren gespĂŒlt und sie scheint sich dabei auch noch prĂ€chtig zu unterhalten.

Wie viel anders dagegen laufen die GesprĂ€che mit meinen Freunden am Telefon ab: „20 Uhr? Geht klar!“

Intelligenz vs. Verstehen

Die Treffen – wenn ich sie mitbekomme, was ich versuche zu vermeiden – laufen nicht viel anders ab. Ein Geschnatter und GeschwĂ€tze, immer auf der gleichen Tonspur, nur unterbrochen von aufgeregten „O nein, das kann ja nicht wahr sein“. Und dazu immer wieder Prosecco.

Und was am Telefon schon stundenlang durchhechelt wurde, geht genauso weiter. Kinder, MĂ€nner, Klamotten, manchmal Job, aber dann eher unter dem Motto: „Stell dir vor, was mein Chef/Kollege gesagt hat“.

Eigentlich ist meine Frau intelligent. Aber wenn ich ihr versuche, zu erklÀren, wie viel Lebenszeit sie mit diesen sinnlosen GesprÀchen verbringt, wird sie einfach nur stur. Da gibt es kein Einsehen.

Frauen wollen keine Lösungen, sie wollen verstanden werden

Die Mitteilungswut von Frauen macht kaum vor irgendwas Halt – ich hoffe zumindest vor unserem Schlafzimmer, aber auch da bin ich mir nicht ganz sicher – und die Themen werden dann kaugummiartig von allen Seiten betrachtet und diskutiert. Ziel ist dabei ja auch nicht, zu einem Ergebnis zu kommen, ganz im Gegenteil, spreche ich sie darauf an, was nun nach diesem stundenlangen GesprĂ€ch herausgekommen ist, antwortet sie meist mit einem tiefen Seufzer: „Du verstehst ja ĂŒberhaupt nichts.“

Treffe ich mich mit Freunden, lĂ€uft das ganz anders ab. Weitaus effektiver. Hat einer ein Problem, und das sind dann wirkliche Probleme, bei der Arbeit, mit dem Auto, mit dem Computer, manchmal natĂŒrlich auch mit Frauen, aber da muss einer schon verlassen werden, dass er dies thematisiert, oder mit Kindern, wenn es um Entscheidungen wie Schulart, Ausbildung oder Studium geht. Er schildert dies in klaren und unmissverstĂ€ndlichen Worten und lösungsorientiert versuchen wir ihn dabei zu unterstĂŒtzen.

So bewÀltigt man Konflikte. So wurde die Geschichte entschieden, so haben wir MÀnner den Fortschritt gemacht.

Frauen wollen keine Lösungen, Frauen wollen verstanden werden. Meine Frau wird richtig sauer, wenn ich ihr in klaren Worten, Lösungen und Strategien vorschlage. Sie fĂŒhlt sich dann missverstanden und wo rennt sie dann hin. Richtig, zu ihren Freundinnen und dann tun sie das, was sie am besten können, sinnlos quatschen.

Und wo sind in der Entwicklungsgeschichte die Frauen, welche großen Namen gibt es da? Vor lauter Verstehen, haben sie nichts auf die Beine gestellt.

Wo wĂ€re die Menschheit heute? Richtig, wir sĂ€ĂŸen noch am Lagerfeuer, wenn sie das mal zustande gebracht hĂ€tten, und wĂŒrden Beeren essen.

Das musste jetzt mal gesagt sein.

Anmerkung der Redaktion:

Thomas ist Ende Vierzig, lebt in der Rhein-Neckar-Region, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Gabis Kolumne

„Irgendwann klemmt die Schublade.“

Rhein-Neckar, 23. Januar 2012. Manche Dinge sollten erledigt werden, und zwar möglichst schnell. Andere möchte man gerne bald wiederholen, aber man bekommt sie im Alltag kaum unter. Das mit der RegelmĂ€ĂŸigkeit ist so eine Sache, denkt Gabi.

Wegen ÜberfĂŒllung geschlossen.

Ich habe ihm Flur eine Schublade, da fliegt alles rein, was noch sortiert und abgeheftet werden muss: KontoauszĂŒge, ĂŒberwiesene Rechnungen, Garantien und Zettel jeglicher Art. Und alle paar Monate geht wegen ÜberfĂŒllung gar nichts mehr, sprich die Schublade geht nicht mehr zu.

Das ist dann der Zeitpunkt, an dem ich meine Ablage machen muss. Habe ich es hinter mich gebracht, denke ich meist, das war doch gar nicht so schlimm, das sollte ich viel regelmĂ€ĂŸiger machen.

Unter diese Rubrik fÀllt auch Keller aufrÀumen, Kleiderschrank aussortieren, Auto und Fenster putzen 


Sind die Dinge erledigt, fĂŒhlt man sich richtig gut, freut sich ob der getanen Arbeit und nimmt sich vor, so lange wird man es nie wieder liegen lassen.

Irgendwann klemmt die Schublade

Doch irgendwann klemmt die Schublade wieder und aus den Fenstern kann man kaum noch rausschauen.

RĂ€um’ doch Deine Klamotten abends gleich weg, wenn du sie ausziehst, ermahne ich deswegen auch meine Tochter regelmĂ€ĂŸig, denn schließlich soll sie es ja lernen.

Meine Großmutter hatte ihren Haushalt noch gut organisiert, montags wurde gewaschen, dienstags demnach gebĂŒgelt, mittwochs Staub gewischt und gesaugt, donnerstags das Bad geputzt und die Böden gewischt, freitags die Betten bezogen, samstags Kuchen gebacken und sonntags ausgeruht. Bei dieser RegelmĂ€ĂŸigkeit blieb nichts liegen, es stapelte sich nichts, wie zum Beispiel meine BĂŒgelwĂ€sche im Keller.

Ich weiß noch, wenn ich als junge Frau bei meiner Großmutter vorbeischaute und es war beispielsweise Montag, fragte sie: „Und Kind, hast du deine WĂ€sche schon gemacht?“ Es war fĂŒr sie kaum nachvollziehbar, dass man in der „heutigen“ Zeit noch so viel anderes zu tun hatte, erst in jungen Jahren Semesterarbeiten anfertigen, spĂ€ter dann mit Kindern in die Krabbelgruppen zu gehen und schließlich neben dem Haushalt noch zu arbeiten. Und dazu die ganzen FreizeitvergnĂŒgen – diesen Stress hatte meine Großmutter nicht, aber einen gut aufgerĂ€umten und ordentlichen Haushalt – mit RegelmĂ€ĂŸigkeit.

Szenenwechsel

KĂŒrzlich war ich mit vier Freundinnen aus. Und wir waren nicht einfach nur im Kino oder was trinken, sondern wir waren auf einem Live-Konzert in einem Heidelberger Club. Es war laut, es war voll und es wurde spĂ€t. Und es machte Spaß. „Das sollten wir bald wieder mal machen“, sagte eine der Freundinnen.

Vergangene Woche waren wir mit Freunden im Theater – es war ein wunderbarer Abend. „Das sollten wir bald wieder mal machen“, dachte ich.

Die Liste der Dinge, die ich gerne „bald wieder mal machen möchte“ ist ebenso endlos wie die der Dinge, die ich bald wieder machen sollte.

Es ist das Treffen mit einer Freundin, die im Elsass wohnt, die Wanderung in der Pfalz, der Tag in einem Wellness-Bad, der Besuch einer Lesung oder Ausstellung – die Reihe ist beliebig erweiterbar.

Und auch hier: Setzt man das Vorhaben in die Tat um, scheint es kaum nachvollziehbar, warum man damit so lange gewartet hat, warum man sich zwischen Job, Kinder, KĂŒche keinen Freiraum schaffen konnte und warum man sich immer so einen Ruck geben muss.

Einfacher ist es mit Dinge, die sich wiederholen, der wöchentliche Sportkurs, das monatliche Treffen mit Freunden. Sobald es in unserem Zeitablauf fest verankert ist, quasi auf regelmĂ€ĂŸiger Wiedervorlage, gelingt es sehr gut es in den Alltag zu integrieren.

So wissen meine Kinder und mein Mann, dass ich montags und freitags abends zum Sport gehe, dass ich mich einmal im Monat mit meinem Literasturkreis treffe und dass sonntagsabend der Tatort fest auf dem Programm steht.

Will ich an anderen Abenden einen Film schauen – wir haben nur einen Fernsehen – tritt das meist große Diskussionen los, aber alle wissen „Mama schaut am Sonntagabend Tatort und da fĂ€hrt kein Zug drĂŒber.“

Das ist planbar.

Ausreißer aus dem Alltag

Aber sind es nicht die kleinen Ausreißer aus dem Alltag, die unser Leben wĂŒrzen.

Und das Salz in der Suppe ist wohl, dass wir es eben nur selten tun und somit die Sehnsucht die Antriebskraft ist.

Bei den lĂ€stigen Dingen ist der Sieg ĂŒber den inneren Schubladen-Schweinehund die wahre Befriedigung.

WĂŒrden wir alles regelmĂ€ĂŸig erledigen, könnten wir dieses GefĂŒhl nicht genießen. Und wĂŒrden die schönen Augenblicke des Lebens zur RegelmĂ€ĂŸigkeit, ginge das Besondere verloren.

So kĂ€mpfe ich mit den Unannehmlichkeiten und sehne mich nach den Auszeiten, denn ich will alles hĂ€ufiger, aber bitte nicht regelmĂ€ĂŸig tun.

gabi

Alice und ihre Welt - Kolumne von Gesina StÀrz

Schnecken, Austern und Sauerkraut – beim Verzehr bitte lĂ€cheln 


Frische Austern - wirklich lecker? Quelle: Wikipedia, Garitzko.

Rhein-Neckar, 16. Januar 2012. Gewisse Delikatessen verspeisen viele Menschen vor allem, um höflich zu sein und den Gastgeber nicht zu verÀrgern. Das erfuhr Gesina StÀrz neulich auf einer Party.

Die GÀste erzÀhlten sich ihre Erlebnisse mit Austern, Schnecken, Kaviar und Hummer. Eine Frau erzÀhlt:

„Austern musste ich einmal in Italien essen. Die kaufte unsere Gastgeberin immer in der FrĂŒh frisch auf dem Markt. Einmal nahm sie uns mit und wir mussten vor Ort jeder drei StĂŒck kosten.“

Weil sie höflich sein wollte, hĂ€tte sie die Austern sehr gelobt. Zum Abendessen habe es dann fĂŒr jeden zwölf Austern gegeben!

Diese weichen Gebilde zu verspeisen muss fĂŒr die Frau eine große Qual gewesen sein. Mir schien, als wĂŒrgte sie beim ErzĂ€hlen und ihr Gesicht ĂŒberzog sich mit so einem eigenartigen grĂŒnen Schimmer.

Am nĂ€chsten Tag habe die Gastgeberin die Austern zum GlĂŒck gratiniert, erzĂ€hlte die Frau weiter. Die Kruste ĂŒber den schleimigen Gebilden habe dann das Essen wesentlich erleichtert. Vielleicht erinnerte sie das an den guten bayerischen Schweinsbraten.

Zerlassene Schneckenbutter

Mein Erlebnis mit MeeresfrĂŒchten erzĂ€hlte ich lieber nicht. Der Abend in einem französischen Restaurant in der Pfalz endete mit einer Lebensmittelvergiftung. Der vierte Gang der MenĂŒfolge bestand nĂ€mlich aus Jakobsmuscheln auf Sauerkraut.

WĂ€hrend ich noch an die SchwĂ€cheanfĂ€lle dachte, die mich eine Woche nach dem vierten Gang „Jakobsmuscheln auf Sauerkraut“ peinigten, erzĂ€hlte ein anderer Partygast, dass er ziemlich Probleme mit Schnecken habe. Man könne die Schnecken nur essen, wenn sie in KrĂ€uterbutter gedĂŒnstet werden. Ja, man esse die Schnecken eigentlich nur, wegen der zerlassenen KrĂ€uterbutter, die dann mit frischem Weißbrot sehr gut schmecke.

Toter Hummer

Nun fehlten nur noch Geschichten mit Kaviar und Hummer. Die Klassiker sozusagen. Fischeier mag eigentlich keiner. Und an die schreckliche Art, den Hummer zu töten, darf man gar nicht denken und ĂŒberhaupt sollte man ihn deshalb auch gar nicht essen. Richtig. Wir sollten vieles gar nicht essen aus vielen sehr gewichtigen GrĂŒnden.

Vielleicht sollte man analog zum Begriff „Politische Korrektheit“, der den besonders sensiblen Umgang mit der Sprache bezeichnet, um Minderheiten nicht allein schon durch die verwendeten Worte zu diskriminieren, den Begriff der ökologischen Korrektheit fĂŒr unser Essverhalten einfĂŒhren. Immerhin könnten wir uns bei gewissen Delikatessen nicht einmal darauf berufen, dass sie gar so unwiderstehlich munden.

Auf der Party gab es ĂŒbrigens unter anderem Schweinsbraten nach italienischer Art in Rosmarin und Zwiebeln eingelegt und im Holzbackofen gebacken und zum Dessert wurde Stachelbeerkuchen mit Sahne- und Baiserschicht gereicht.

Gabis Kolumne

Vom Aussterben der Telefonzellen und der Parkuhren

Öffentlich Telefonieren heute - es gibt sie noch, die Telefonzelle. Aber selten in gutem Zustand.

Guten Tag!

Hirschberg, 09. Januar 2012. Vor kurzem hat Gabi einen Beitrag gehört ĂŒber Dinge, die quasi ausgestorben sind – und dabei ging es nicht um Dinosaurier, sondern um die jĂŒngste Vergangenheit, also um Sachen, die noch vor wenigen Jahren zum Alltag gehörten. Gabi erinnert sich an Telefonzellen und Parkuhren.

Ich kann mich noch gut an den Geruch von Telefonzellen erinnern und vor allem den der Telefonhörer. Der Geruch war eine Mixtur aus Mensch und Rauch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kleine Aschenbecher aus Metall, die aber nie genutzt wurden und ĂŒberall konnte man die Spuren der ausgedrĂŒckten Zigaretten erkennen. Die TelefonbĂŒcher waren meist zerfleddert und die Nummer, die man suchte, war meist in dem Teil, der ausgerissen war.

Systemfragen

Im Sommer war der Gestank und die Hitze in den Telefonzellen unertrÀglich und im Winter nicht viel besser, aber wenn man davorstand und in der KÀlte darauf wartete, dass sie frei wurde, erschien der Innenraum durchaus verlockend.

Vor allem im Urlaub war die Telefonzelle meist die einzige Möglichkeit mit Zuhause zu telefonieren. In jedem Land musste man sich auf ein neues System einstellen, mal erst wĂ€hlen, dann zahlen, mal umgekehrt. In Italien funktionierte telefonieren zu Lire-Zeiten eigentlich nur mit „Gettoni“, die man irgendwo erwerben musste. In England konnte man, wenn man schnell genug war, ein „Gut angekommen“ in den Hörer brĂŒllen, bevor man die MĂŒnzen einwerfen musste.

Und ĂŒberhaupt die MĂŒnzen. Nie hatte man das richtige Kleingeld parat, entweder – damals war telefonieren ja auch noch richtig teuer – waren die ZehnpfennigstĂŒcke in Nullkommanix weg oder aber man hatte eine Mark eingeworfen und der gewĂŒnschte GesprĂ€chspartner war nicht zu Hause und stattdessen telefonierte man mit dem Vater.

Neues Styling – alter Geruch

In meiner Erinnerung sind Telefonzellen immer noch Gelb, obwohl mit dem Wandel von der Deutschen Post AG zur Telekom irgendwann ein Umstyling in grau-pinkfarbene HÀuschen erfolgte, mit schickeren Hörern und komfortabler Tastenwahl. Der Geruch blieb.

Es gibt sie auch heute noch, aber wenn ich ehrlich bin, ich weiß eigentlich nicht, wo hier im Ort die nĂ€chste Telefonzelle steht. Meist sind das nur noch WandgerĂ€te, die man inzwischen auch mit Geldkarten fĂŒttern kann. Und auch heute sind sie selten in gutem Zustand. Ich glaube, die letzten zehn Jahre habe ich keine mehr benutzt und meine Kinder wie auch andere wahrscheinlich noch nie – die haben heute Handys.

Wirklich vermissen tue ich sie nicht, aber natĂŒrlich hatte sie auch ihre VorzĂŒge, so konnte man in der damals noch handylosen Zeit sagen: „Ich hĂ€tte dich ja gerne angerufen, habe aber leider keine Telefonzelle gefunden“, und ein unangenehmes GesprĂ€ch konnte man mit: „Du jetzt habe ich kein Kleingeld mehr“, problemlos abwĂŒrgen.

Ähnlich wie die Telefonzellen verschwinden auch die Parkuhren immer mehr aus den Straßenbildern – und das ist optisch kein Verlust – beziehungsweise werden durch moderne Parkautomaten ersetzt.

Die EinfĂŒhrung des Euros war der Anfang vom Ende

Als der Parkraum immer knapper wurde, fĂŒhrte man in den 50er Jahren die „Parkographen“ – eine amerikanische Erfindung – ein. Die EinfĂŒhrung des Euros 2002 war quasi der Anfang vom Ende, denn eine UmrĂŒstung auf neue MĂŒnzen wĂ€re fĂŒr die Kommunen zu teuer geworden. So begann der Siegeszug der Parkautomaten und wo man frĂŒher pro Parkplatz eine Parkuhr brauchte, reicht heute ein Automat fĂŒr viele.

Auch bei den Parkuhren fehlte mir stĂ€ndig das passende Kleingeld. Und oft konnte man nur fĂŒr eine halbe Stunde MĂŒnzen einwerfen, so dass man stĂ€ndig wieder hinrennen und nachwerfen musste. Erfreulicherweise waren Parkuhren oft kaputt und mussten dann nicht befĂŒttert werden.

Bedauere ich das „Aussterben“ von Telefonzellen und Parkuhren? Nicht wirklich, ich ĂŒberlasse es nostalgischen Sammlern, sich Telefonzellen oder Parkuhren in den Garten zu stellen.

Ich freue mich, dass ich ein Handy habe und keine öffentlichen Telefoniermöglichkeiten mehr suchen muss, finde es praktisch, dass man Parkscheine auch (meist) fĂŒr lĂ€nger als eine halbe Stunde lösen kann, vermisse weder Euroschecks noch Überweisungsformulare, genieße also insgesamt die kleinen Erleichterungen im Alltag. Denn letztlich fahren wir auch nicht mehr mit der Postkutsche und Kerzenlicht. Das ist romantischen Stunden im Urlaub vorbehalten.

gabi

Kolumne: Vorsicht Jahreshoroskop

Alice und ihre Welt – eine Kolumne von Gesina StĂ€rz

Einmal im Jahr kaufe ich mir ein Life Style Magazin. Im Dezember. Manchmal sind es auch zwei oder drei. Alle kaufe ich im Dezember. Wegen des Jahreshoroskops.

Nicht, dass ich an die Astrologie glauben wĂŒrde. Ob die Sternenkonstellationen unser Leben beeinflussen, ist nicht zu beweisen. Wie auch? Das ist so ein bisschen wie mit der Wettervorhersage oder den Prognosen fĂŒr Aktienkurse.

Anders als die Astrologie gehören die Metrologie, Betriebswirtschaft und die Zukunftsforschung zu den Wissenschaften. Aber deshalb ist der Anteil des gesicherten Wissens, das sie hervorbringen, nicht wesentlich grĂ¶ĂŸer. Insofern ist es nicht gerechtfertigt, wenn die Astrologie in einigen Kreisen belĂ€chelt wird.

Wissen, was sein wird.

"Johannes Keplers Horoskop fĂŒr Wallenstein, dem er hinzufĂŒgte: „Ich habe das Horoskop erst aufgestellt, als ich sicher war, daß meine Arbeit fĂŒr jemanden berechnet war, der die Philosophie versteht und nicht unvereinbar dem Aberglauben unterlegen ist." Quelle: Wikipedia

Wissenschaftlich hin oder her – die meisten von uns wollen dennoch wissen, wie es um ihren beruflichen Erfolg, die Finanzen, die Liebe, den Gang der Dinge hier vor Ort und vielem mehr im kommenden Jahr bestellt ist. Und so lesen Sie ihr Jahreshoroskop.

Denn immerhin enthalten Jahreshoroskope immer auch eine Tendenz zum Besseren, sei es in der Liebe, im Beruf, was Geld betrifft oder Gesundheit. So auch das Jahreshoroskop 2012. Das Jahr 2012 ist ein Merkur-Jahr und das bedeutet, so die Astrologen, ganz gleich welchem Sternzeichen Sie angehören, ein allgemeiner Aufschwung steht an.

Wir dĂŒrfen uns also freuen: Denen, den es gut ging, wird es wohl demnach noch besser gehen und denen, mit denen es das Jahr 2011 nicht so gut meinte, dĂŒrfen mit der frohen Botschaft „Es wird besser“ ins neue Jahr starten.

Was man glaubt, wird manchmal wahr.

Das ist so ein bisschen wie beim Placeboeffekt. Ärzte verabreichen vermeintlich Medikamente, die eigentlich keine sind, also keine Wirkstoffe enthalten, was allerdings der Patient nicht weiß, und dennoch geht es ihm besser.

Die Schlussfolgerung: Nicht der Wirkstoff heilt, sondern allein der Glaube, dass der Wirkstoff leistet, was er verspricht, heilt. Das ist ĂŒbrigens wissenschaftlich erwiesen.

Dies funktioniert beim Placeboeffekt nachweislich nur, solange der Patient glaubt, dass er ein richtiges Medikament einnimmt. Beim Jahreshoroskop gibt es auch so einen Hahnenfuß. Man sollte nie das Jahreshoroskop des vergangenen Jahres mit dem tatsĂ€chlichen Jahresverlauf vergleichen.

Ich habe es mal ausprobiert. Was prophezeite mir das Jahreshoroskop fĂŒr 2011? Unter meinem Sternzeichen stand geschrieben: Das beste Jahr seit langem. Viel Liebe und viel Geld.

Was soll ich sagen: Es war das schwierigste Jahr ĂŒberhaupt. Insofern dĂŒrfte die Wahrscheinlichkeit sehr hoch sein, dass das Jahreshoroskop 2012 wenigstens funktioniert – immerhin kann es nur noch besser werden.

Warum Spenden und Sponsoring Transparenz brauchen

Geprothmannt: UneigennĂŒtzige WohltĂ€tigkeit? Von wegen! Spenden und Sponsoring sind Werbung

100 Euro sind viel Geld - manche zahlen das aber aus der "Porto-Kasse" und machen daraus ein Vielfaches an "Image"-Gewinn. Quelle: 100-Euro-Schein

Rhein-Neckar, 12. Dezember 2011. (red) Zur Zeit jagt eine SpendenĂŒbergabe die nĂ€chste – so wie vergangenes Jahr auch und nĂ€chstes Jahr wieder. Besonders in der Vorweihnachtszeit laden viele Firmen und Gemeinden ein, ĂŒber mildtĂ€tige Spenden fĂŒr den guten Zweck zu „berichten“. Klares Ziel dieser Aktionen: Die Spender und Sponsoren wollen sich damit ein gutes Image verschaffen – dabei ist das nichts anderes als Werbung.

Von Hardy Prothmann

Die Redaktion fĂŒr die Lokalblogs in Nordbaden hat eine strikte Regel: Wir berichten nicht ĂŒber Spenden, egal wie großzĂŒgig diese sind. Denn hinter fast jeder Spende steckt immer ein „KalkĂŒl“, ein Hintergedanke und der ist nicht „mildtĂ€tig“, sondern egoistisch: Die spendende Firma oder Institution will sich damit ein gutes Image verschaffen.

Das ist auch absolut erlaubt – nur machen wir uns nicht zum Handlanger und zur erweiterten Pressestelle der Spender und Sponsoren. Wer aus Überzeugung spendet oder unterstĂŒtzt, braucht seine Haltung nicht an die „große Glocke“ zu hĂ€ngen.

Millionen von privaten Spendern halten das so – sie geben Geld fĂŒr alle möglichen Hilfsorganisationen und hoffen, dass damit anderen geholfen wird. Die allermeisten Spenderinnen und Spender bleiben „anonym“ – es geht ihnen um die Hilfe und nicht um eine öffentliche Nennung.

Wer hingegen der „Öffentlichkeit“ seine „GroßzĂŒgigkeit“ mitteilen möchte, kann eine Anzeige schalten. Das ist, wie gesagt, absolut erlaubt.

Hirschberg: Bericht ĂŒber eine Spende? Ja, gerne. Schleichwerbung? Nein, danke.

Aktuell haben wir ĂŒber die Spende einer Interessengemeinschaft „Storchenkerwe“ in Hirschberg berichtet: Die Einladung erschien frei von „Firmenwerbung“ – denn die Initiative des Ortsfestes spendete Geld fĂŒr gemeinnĂŒtzige Zwecke. Deshalb haben wir den Termin wahrgenommen.

Vor Ort prĂ€sentierte man aber Spendenschecks mit Logo und Schriftzug einer regionalen Bank. Diese Werbung haben wir aus dem Foto herausretuschiert (weiße FlĂ€che).

Das ist die einzige „saubere“ Lösung – alles andere ist eine Form von Schleichwerbung, untergrĂ€bt die GlaubwĂŒrdigkeit von Journalismus (sofern die bei gewissen Medien nicht sowieso schon „six feed under“ ist) und schadet letztlich auch dem „Werbekunden“ – muss der doch ganz besonders an einem glaubwĂŒrdigen Umfeld interessiert sein.

Penetrant wird es – und das ist zunehmend der Fall – wenn die Sponsoren und Spender sogar die Berichterstattung vorschreiben wollen. Dagegen hilft nur konsequente AufklĂ€rung und konsequente „Nicht-Berichterstattung“ bei „HĂ€rtefĂ€llen“.

Penetrantes Sportsponsoring

Selbst in der Provinz treibt dieses Sponsorenunwesen nicht nur seltsame, sondern völlig inaktzeptable „BlĂŒten“. Ein lokaler Tennisverein wollte uns beispielsweise nur Fotos gestatten, wenn das Sponsorlogo mit im Bild ist.

Das Ergebnis kann man hier nachlesen: „Kein Gruppenfoto ohne Sponsor“

Sehr krass ist dieses Beispiel: Eine Apotheke wird von einem „Marketing-Verband“ ausgezeichnet, nicht etwa weil die Apotheke am meisten Geld gespendet hat, sondern deren Kunden. Wir wollten darĂŒber berichten – und wurden vermutlich (aus Sorge) wegen unserer bekannten, kritischen Haltung nicht eingeladen. Wir haben trotzdem berichtet: Kein Kinderlachen fĂŒr das Heddesheimblog.

taz verpixelt Sportfotos und stellt die Aktion anscheinend klammheimlich wieder ein.

Die taz hatte im August angekĂŒndigt, ab sofort alle Sportfotos zu verpixeln. Die BegrĂŒndung:

Die Werbung im Fußball, Biathlon oder Handball ist mit den Jahren der Kommerzialisierung einfach zu aufdringlich, zu omniprĂ€sent geworden. Da mĂŒssen intelligentere Lösungen her. Zum Beispiel: Weg mit dieser Flimmerbande.

Und:

Wir sind nicht mehr bereit, Eure Werbebotschaft auf Trikots und Werbebanden zu verbreiten. Es kann ja auch nicht Aufgabe einer Zeitung sein, die mit kritischer Distanz ĂŒber Sport berichtet, tĂ€glich kostenlose Werbung von Vereinen und deren Sponsoren ins Blatt zu heben. Wir wollen durch die Verpixelung journalistisch noch unabhĂ€ngiger werden.

Guter Ansatz – leider scheint die taz das nicht durchgehalten zu haben. Vielleicht wars auch nur ne Sommerloch-Saure-Gurken-Zeit-Meldung. Eine ErklĂ€rung, warum nicht mehr verpixelt wird, konnte ich nicht finden (Anfrage ist gestellt, der Artikel wird gerne nach einem Hinweis ergĂ€nzt).

Wir werden das in Zukunft weiter so halten: Wenn Spender und Sponsoren mit Ihren Logos genannt und abgebildet werden wollen, erhalten Sie ein Angebot zum Schalten einer gewerblichen Anzeige. Solche „Berichte“ werden wir entsprechend als Anzeige kennzeichnen.

Andernfalls werden wir konsequent Spender und Logos aus Texten und Bildern entfernen – denn es  geht doch um MildtĂ€tigkeit? Oder geht es doch um etwas anderes? Sollten wir deshalb nicht mehr zu solchen AnlĂ€ssen eingeladen werden, können wir gerne darauf verzichten.

Trennungsgebot

Gut und richtig wĂ€re, wenn vor allem Zeitungen diesem Beispiel folgen wĂŒrden – das aber darf man tatsĂ€chlich bezweifeln, denn dort gibt es schon lĂ€ngst kein Trennungsgebot zwischen Redaktion und Anzeigen mehr, sondern nur noch die Haltung, dass man Anzeigenkunden nicht „verprellen“ will.

Die Masse der Leserinnen und Leser zahlt zwar insgesamt viel und bedeutendes Geld fĂŒrs „Abo“ – unterm Strich sind das aber knapp 30 Euro und was bedeutet so ein Betrag, wenn an anderen „AuftrĂ€gen“ ein paar mehr Nullen dranhĂ€ngen, also 3.000, 30.000 oder gar 3.000.000 Euro? Es wird anhand der „Nullen“ schnell klar, auf wen man „RĂŒcksicht“ nimmt und fĂŒr welche „Nullen-Informationen“ man sich entscheidet.

"Redaktionelles" Foto ab Spendenhöhe von 500 Euro - bitte Text mitschicken.

Allerdings gibt es auch hier „Regeln“ – die hĂ€ngen von der Höhe der Spende ab. Der Mannheimer Morgen macht zum Beispiel „grundsĂ€tzlich“ erst ab 500 Euro Spendensumme ein Foto. Warum, wieso, weshalb? DarĂŒber gibt es keine uns bekannten Informationen.

Ethisches Handeln

Ganz grundsĂ€tzlich verantwortet jedes Medium die eigenen redaktionelle Ethik und die Art seiner „Informationen“ im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten selbst – und auch die daraus resultierende GlaubwĂŒrdigkeit.

Mal schauen, wie Spender und Sponsoren mit unserer transparenten Haltung umgehen – dazu wird es, sofern interessant, einen Nachbericht geben.

Soviel sei noch angemerkt: Unternehmen, die mindestens zehn Prozent ihres Gewinns spenden, werden wir sofort lobend erwĂ€hnen, weil das tatsĂ€chlich Spenden sind, die „bemerkenswert“ sind. Keine Sorge – es gibt vermutlich kein einziges Unternehmen, das so verfĂ€hrt.

Vereine sollten sich nicht zu jedem Preis „kaufen“ lassen

Vereine, die sich fĂŒr ein paar Euro „Spendengeld“ oder „Sponsoring“ als VermarktungsflĂ€che missbrauchen lassen, sollten tatsĂ€chlich darĂŒber nachdenken, worum es geht.

Um Förderung von Kultur, Jugend oder Sport oder darum, dass die ehrenamtlichen Helfer wirklich sehr viel Arbeit aufbringen und sich von Firmen durch im Vergleich minimale „Förderung“ dann die hier „erwirtschaftete“ Aufmerksamkeit abkaufen lassen? Das kann nicht im Sinne von Kultur, Jugend und Sport sein – und auch nicht im Sinne der Unternehmen.

Und ein besonders GeschmĂ€ckle bekommen solche Spenden dann, wenn die Spenderfirmen nicht nur beim Image die Nutznießer sind, sondern durch AuftrĂ€ge und GeschĂ€fte mit den Vereinen wiederum einen ganz klaren geschĂ€ftlichen Vorteil suchen.

Dann haben Spenden sogar eher die Funktion einer Bestechung und sind vollends pervertiert. Und auch das ist leider oft schon fast „ĂŒblich“.

Spendenziele mĂŒssen transparent sein

Gemeinden mĂŒssen Spenden beispielsweise lĂ€ngst öffentlich machen und transparent darstellen – das sieht das GeldwĂ€schegesetz so vor. Und dafĂŒr gibt es ganz sicher GrĂŒnde.

Damit Sie mich richtig verstehen: Spenden sind gut und wichtig. Und jeder Euro hat seinen Wert.

Spenden sollten aber das sein, was sie sein sollen: Ein Beitrag zu einer besseren Welt. Ganz privat, ganz individuell nach den Möglichkeiten.

Wer Spenden und „Sponsoring“ auch nur im Ansatz fĂŒr eigene „Zwecke“ einsetzt, muss sich moralisch selbst verpflichten, seinen Anteil an Eigennutz klar darzustellen – damit keine „MissverstĂ€ndnisse“ aufkommen.

Wenn ein Großkonzern beispielsweise 1 Million Euro spendet, ist das vielen Medien eine Nachricht wert. Zeitungen wie der MM berichten mit Bild erst ab 500 Euro. FĂŒr den Konzern bedeutet 1 Million vielleicht nur einen 0,000-irgendwas Anteil an seinen Möglichkeiten. FĂŒr eine Initiative sind 500 oder 1.000 Euro hingegen alles, was man „aufbieten“ kann.

Wer ist nun „großzĂŒgiger“? Wer verdient mehr Aufmerksamkeit? WorĂŒber sollte man dankbarer sein? WorĂŒber berichten?

Denken Sie mal drĂŒber nach – eine Meinung zu dem Thema ist gar nicht so einfach zu finden.

Ist halt alles immer „relativ“ – dafĂŒr muss man kein Einstein sein.

Ihr

Anmerkung: Wir haben anfĂ€nglich auch ĂŒber Spenden berichtet und vor kurzem noch im Weinheimblog ĂŒber eine Aktion zu Defibrilatoren in der Stadt. Dabei wurde auch eine spendende Bank genannt. KĂŒnftig werden wir das kompromisslos handhaben.

Kolumne: Professor Paul Kirchhof und die Insel der GlĂŒckseligen

Alice und ihre Welt – eine Kolumne von Gesina StĂ€rz

Alice findet, die Welt wird den surrealen Bildern des spanischen Malers Salvador Dali immer Ă€hnlicher. Was bisher als sicher galt, das löst sich auf. Nichts ist mehr wie es ist, nur wie ist es dann? Alice berichtet aus einer sich verĂ€ndernden Welt


Und was Herr Kirchhof mit jedem von uns zu tun hat, erfahren Sie, wenn Sie weiterlesen.

Denn Alice sieht die Welt mit anderen Augen. Der besondere Blick verschafft wunderbare Einsichten.

[Weiterlesen…]

Gabis Kolumne

Der Kampf gegen die LĂ€use

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 21. November 2011. Manches erlebt man als großes Drama und erst in der RĂŒckschau erkennt man auch die humoristische Seite. Gabi erinnert sich noch gut, wie gelbe Zettel und KopflĂ€use zu ihrem Alltag gehörten und mit welchen Mitteln sie dagegen kĂ€mpfte.

Die Kopflaus (lat.: Pediculus humanus capitis). Foto: Wikipedia.

Vor Kurzem war ich mit zwei Freundinnen in einer nicht wirklich erwĂ€hnenswerten amerikanischen Komödie im Kino. Bei der Heimfahrt im Auto beschlossen wir, den Film hĂ€tten wir uns sparen können, wenn da nicht die eine Szene gewesen wĂ€re, in der sich die Hauptdarstellerin – Typ erfolgreiche GeschĂ€ftsfrau, Supermutter und Superehefrau – bei einer Besprechung immer wieder verzweifelt am Kopf kratzte. Kurz zuvor hatte sie von der Nanny die SMS erhalten: „Die Kinder haben LĂ€use!“

Jetzt, Jahre spĂ€ter, konnten wir darĂŒber herzhaft lachen, aber ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ein winzig kleines Tier – natĂŒrlich im unĂŒberschaubaren Plural – die Kopflaus (lat.: Pediculus humanus capitis) – uns das Leben zur Hölle machte.

Ich vergesse nie, wie meine Tochter mit einem gelben Zettel aus dem Kindergarten kam, der uns Eltern darauf hinwies: „In der Gruppe gibt es LĂ€use, bitte untersuchen Sie Ihr Kind.“

Dieser Zettel wurden wĂ€hrend der Kindergarten- und Grundschulzeit zu unserem festen Begleiter und verfolgte uns sogar noch in der fĂŒnften Klasse am Gymnasium.

Aus meiner Kindheit kannte ich keine LĂ€use, ich hatte nie welche und es wurde nur ab und an gemunkelt, wenn jemand seinem Kind die Haare streichholzkurz schneiden ließ.

„Die kriegt man nur, wenn man dreckig ist“

„Die kriegt man nur, wenn man dreckig ist“, pflegte meine Großmutter zu sagen. „Und natĂŒrlich damals im Krieg“, aber das waren bekanntlich andere Zeiten.

Nun denn, meine Tochter hatte langes, sehr langes, dickes, welliges Haar, dem ich mich nun mit einem kleinen schmal gezinkten Nissenkamm nĂ€herte. Eben so, wie es auf dem Schreiben des Gesundheitsamtes beschrieben war. Zentimeter um Zentimeter kĂ€mpfte ich mich, unter dem lauten GebrĂŒll meines Kindes, durch die MĂ€hne. Und fand – nichts. Klar, dachte ich mir, warum sollen wir auch LĂ€use haben.

Nur zwei Tage spĂ€ter beobachtete ich meine Tochter, wie sie sich wieder und wieder kratze und auch mich ĂŒberfiel ein Juckreiz. „Das ist alles Einbildung“, sagte eine Freundin und sie sollte nicht Recht behalten.

Eine weitere Kopfkontrolle offenbarte die Katastrophe millimeterkleine, Ă€ußerst agile Tierchen huschten ĂŒber das Haupt. Ich war verzweifelt. Rannte in die Apotheke und fragte leise und verschĂ€mt nach einem Lausmittel, wirksam sollte es sein. „Goldgeist forte“ wurde mir empfohlen und ich bekam gleichzeitig den Hinweis, es könnten ja auch noch andere Familienmitglieder befallen sein. Ich nahm gleich die Familienpackung.

Ich nachte den LĂ€usen eine Kampfansage. Der restliche Nachmittag gestaltete sich zu einem Alptraum: Ich zog alle Betten und Sofakissen ab, Sohn, Mann, Tochter und ich selbst wurden mit dem scharf riechenden, höllisch stinkenden Extrakt behandelt, tausende von HaarstrĂ€hnen wurden durchkĂ€mmt, die Kuscheltiere wandert in PlastiktĂŒten verpackt in die Gefriertruhe. Am Abend war ich total erledigt, aber glĂŒcklich, diesen kleinen Viechern hatte ich den Garaus bereitet.

FĂŒr dieses Mal, denn nur wenige Wochen spĂ€ter brachte mein Sohn einen gelben Zettel aus der Grundschule mit und die gleiche Prozedur ging von Vorne los.

Bei der Laus gilt fĂŒr mich kein Artenschutz

Ich weiß nicht mehr, wie viele Flaschen von „Goldgeist forte“ ich in den folgenden Jahren verbraucht habe, irgendwann wurden diese kleinen Biester auf alle FĂ€lle resistent und ein neues Mittel wurde unter vorgehaltener Hand gepriesen. Das eine verklebt, das andere erstickt, egal wie, die LĂ€use mussten getötet werden – hier gilt fĂŒr mich kein Artenschutz.

In der Anfang-Laus-Phase getraute man sich kaum öffentlich darĂŒber zu reden, doch schon bald gestaltete das Laus-Thema ganze Nachmittagstreffen und gute Tipps wurden ausgetauscht. Und da die kleinen Bestien auch vor Grenzen nicht zurĂŒckschrecken bekam ich hilfreiche RatschlĂ€ge auch von Freunden aus der Schweiz und aus dem Elsaß. Letztlich blieb kaum einer verschont und gemeinsam ließ es sich besser ertragen.

„Seid ihr lausfrei?“ wurde so zur gĂ€ngigen Floskel bevor sich Kinder zum Übernachten verabredeten.

Und dann auf einmal war es vorbei. Es kamen keine Zettel mehr, es gab keine JuckanfÀlle und vor allem es gab keine kleinen Tiere mehr.

Wie oft wir wirklich LĂ€use hatten, ich weiß es nicht, einmal auf alle FĂ€lle traf es meinen Sohn, einmal mich und etliche Male meine Tochter. Mein Mann blieb verschont, „du riechst wahrscheinlich nicht gut“, versuchte es ihm meine Tochter zu erklĂ€ren.

Und wĂ€hrend ich das alles schreibe, fĂ€ngt es an, mich fĂŒrchterlich zu jucken – aber diesmal ist es ganz bestimmt nur Einbildung.

gabi

Gabis Kolumne

„Jein“ ist keine Lösung, aber ein Ansatz

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 07. November 2011. Es gibt „Nein-Sager“ und die ewigen „Ja-Sager“ und zwar nicht nur in Indien. Und vielleicht gibt es auch einen Weg dazwischen, fragt sich Gabi.

Dieser Tage habe ich einen Bericht darĂŒber gehört, dass Inder unglaublich hilfsbereit sind und deshalb auch eine Frage niemals mit „nein“ beantworten, denn das ist unhöflich und gegen die Gastfreundschaft.

Fragt man in Indien also nach dem Weg, ist es gleichgĂŒltig, ob der Gefragten ihn kennt oder nicht, er wird versuchen, eine Wegbeschreibung abzugeben.-  Folglich wird dem Fragenden in Indien stets geholfen und selbst, wenn er letztendlich in Katmandu und nicht am Taj Mahal ankommt. „Nein“ sagen ist in Indien demnach absolut verpönt.

Filmplakat zum "Ja-Sager".

Die amerikanische Filmindustrie hat diesem PhĂ€nomen mit dem „Ja-Sager“ sogar eine eigene Komödie gewidmet und schon Bertolt Brecht hat 1930 ein LehrstĂŒck ĂŒber den „Jasager“ geschrieben.

Aber so weit muss man ja gar nicht gehen. Auch hier zu Lande, fĂ€llt vielen das „Nein“ sagen schwerer als das „Ja“ sagen und so kann die Frage, „kannst du mir einen Salat fĂŒr meine Party machen“, in einen absoluten Stress ausarten. Denn selbst, wenn man weiß, dass man ĂŒberhaupt keine Zeit hat, sagt man meistens „Klar, doch, gerne“, mit dem Resultat, man gerĂ€t in absolute Hektik und landet an der KĂŒhltheke des Supermarktes.

KĂŒrzlich fragte mich eine Freundin: „Kannst du mich heute Mittag eventuell vom Bahnhof abholen?“ Sofort antwortete ich: „Ja, gerne doch“, obwohl ich genau wusste, ich komme erst spĂ€t von der Arbeit nach Hause, die Kinder wollen etwas essen und zudem habe ich noch einen Arzttermin. Das Resultat war, ich geriet in Panik, wurde hektisch und ĂŒbellaunig.

„Ich hoffe, du hattest nicht zu viel Stress.“

Als ich am Bahnhof ankomme, sieht meine Freundin-  meine Schweißperlen auf der Stirn und sagt: „Ich hoffe, du hattest nicht zu viel Stress.“ Und was antworte ich? Na, richtig, ich sage „Das war ĂŒberhaupt kein Problem, das mache ich doch gerne“.

Das „Ja-Sagen“ wird spĂ€testens dann fatal, wenn man Kinder hat. Das fĂ€ngt im Kindergarten an, betrifft die Teilnahme jeglicher FreizeitaktivitĂ€ten und gipfelt in der Schulzeit.

Ich gehöre demnach prinzipiell immer zu den ersten, die bei Sommerfesten Kuchen backen und die sich in die Helferliste eintragen. Ich war ElternbeirĂ€tin – und das war keine Ehre, sondern eindeutig Pflichtprogramm -, hole meinen HalbwĂŒchsigen nebst weiterer Kids nachts um drei Uhr nach einer Venedig-Exkursion vom Bus ab, bekoche spontan – „Mama, du hast doch nichts dagegen, ich habe noch ein paar Freundinnen zum Essen mitgebracht“ – vier kichernde Teenager und trage mich immer ein, wenn Fahrdienste gesucht werden.

Und natĂŒrlich wissen auch meine Kinder, meine Freunde und mein Mann, dass ich es mit dem „Nein-sagen“ nicht so habe – und nutzen dies – so meine ich – schamlos aus.

Meistens reicht ein „Wenn-es-dir-zuviel-ist“ oder „ich-kann-es-auch-selbst-machen“ oder ein „es-wĂ€re-toll-wenn-du-mir-helfen-könntest“ aus und ich stehe parat.

Wenn ich mich also kritisch betrachte, heißt das eindeutig, ich möchte gebraucht werden, ich möchte die Retterin in der Not sein, ich lechze nach „das-hast-du-toll-gemacht“.

KĂŒrzlich habe ich mit einer Freundin ĂŒber diesen Gen-Defekt gesprochen. Sie selbst bekennt sich freimĂŒtig zu den „Nein-Sagern“.

„Weißt du“, sagte sie, „wenn du „nein“ sagst, kannst du daraus auch noch ein „Ja“ machen, umgekehrt funktioniert das nicht. Also sage ich erst mal „Nein“ und warte dann ab.“

Das Resultat ist eindeutig, wĂ€hrend sie abwartet, haben die „Ja-Sager“ schon lĂ€ngst ihre aktive Rolle ĂŒbernommen und die „Nein-Sager“ können sich zurĂŒcklehnen, aufatmen und sagen: „Im Notfall hĂ€tte ich schon mitgemacht, aber ihr braucht mich ja nicht mehr“.

„Jein“ – ein Kompromiss?

Bingo, so funktioniert das Spiel. Ich habe verstanden.

Das heißt, „Nein“ sagen und abwarten und der Kelch geht vorĂŒber. Und wenn das alle machen, passiert gar nichts mehr. Alle sagen „Nein“, folglich alles stagniert.

Das kann also nicht die Lösung sein.

Der Kompromiss wĂ€re also ein „Jein“. Aber das ist eigentlich nur ein irgendwo „Dazwischen“. Und zwischen zwei StĂŒhlen sitzt es sich bekanntlich am Schlechtesten.

In letzter Zeit habe ich mir deshalb angewöhnt, erst mal tief Luft zu holen und mir eine Atempause zu gönnen, sprich, ich antworte nicht gleich und gestehe mir und meinem GegenĂŒber zu, dass ich mir meine Antwort ĂŒberlegen kann, vor allem bei Spontan-Anfragen.

Das heißt, wenn mich spĂ€tabends mein Sohn anruft und fragt, kann ich bei XY ĂŒbernachten, wenn mein Mann fragt, kannst heute Nachmittag fĂŒr mich XY machen, wenn eine Freundin fragt, treffen wir uns am XY – ich muss es aber gleich wissen -, wenn meine Tochter fragt, können wir gleich ins Einkauszentrum fahren, um XY zu kaufen, wenn mein Chef sagt, ich mĂŒsste bis zum nĂ€chsten Tag XY erledigen, dann sage ich ganz entspannt: „DarĂŒber muss ich noch nachdenken, fragt mich in einer halben Stunde noch mal.“

Oft klappt es, oft auch nicht. Aber ich arbeite daran. Und wenn ich mal nach Indien reise, werde ich mich nicht wundern, wenn ich in Katmandu lande und nicht am Taj Mahal, und vorsorglich werde ich mir eine Straßenkarte mitnehmen.

gabi

Gabis Kolumne

Was haben Zumba und Istanbul gemeinsam?

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 24. Oktober 2011.- Was haben Zumba und Istanbul gemeinsam? Richtig, beides ist im Moment unglaublich angesagt. Und irgendwie kommt man zur Zeit um beides nicht herum, musste Gabi feststellen.

Wie nennt man das, wenn uns plötzlich und ĂŒberall immer wieder dieselben Begriffe begegnen? Und je mehr man darauf achtet, umso auffĂ€lliger wird es? Richtig, subjektive Selektion.

Istanbul - Stadt auf zwei Kontinenten.

Doch jetzt erst Mal zu Istanbul, davor Konstantinopel und davor Byzanz: Istanbul ist nicht (!) die Hauptstadt der TĂŒrkei – das ist Ankara – aber die grĂ¶ĂŸte Stadt der TĂŒrkei und mit ihren rund 13 Millionen (oder auch 20) unter den Top Five weltweit. Und es ist die einzige Stadt dieser Welt, die auf zwei Kontinenten – Asien und Europa – liegt.

Also, hier knallt Morgenland auf Abendland und das schon seit Tausenden von Jahren. Hier treffen sich Mini-berockte TĂŒrkinnen mit verschleierten TĂŒrkinnen, hier stehen Moscheen neben großen ChristenhĂ€usern – alles im allem – hier geht-€ℱs ab. Laut, bunt – Döner gegen Big Mac. Und all-€ℱ das auch nicht erst seit gestern.

Wer redet noch vom Big Apple oder gar von Paris – alle reisen nach Istanbul

Und dann kommt plötzlich eine Welle und bringt die Stadt zur Brandung. Wer redet noch vom Big Apple oder gar von Paris – alle reisen nach Istanbul. Es fĂ€ngt langsam an, steigert sich und plötzlich man hat das GefĂŒhl, sofort dorthin reisen zu mĂŒssen.

Aber der Reihe nach. Ich unterhielt mich mit Bekannten, die mir erzĂ€hlten, dass sie fĂŒr ein verlĂ€ngertes Wochenende nach Istanbul fliegen. Schön, dachte ich, wĂŒrde ich auch gerne, und nichts weiter. Ein paar Tage spĂ€ter erzĂ€hlte mir eine Freundin, dass ihr Bruder seine Flitterwochen in Istanbul verbringt und als ich kĂŒrzlich mit einer anderen Freundin im Café saß und sie sagte, sie fliegen in den Herbstferien nach Istanbul, wunderte mich das nicht mehr wirklich.

VerstĂ€rkt wurde dieses GefĂŒhl von meinem Radiosender- – und da bin ich wirklich ganz einfach strukturiert, ich höre nĂ€mlich jeden Morgen auf der Fahrt zur Arbeit immer den gleichen —  der, und das wird jetzt niemanden wundern, Reisen nach, Sie wissen schon, Istanbul, verloste und jeden Morgen, neue Details zu dieser Metropole verkĂŒndete.

Und spĂ€testens als mein Mann sagte: „Schatz, wir sollten mal nach Istanbul fliegen, das muss eine ganz tolle Stadt sein“ – und er hört weder den Sender noch war er bei den GesprĂ€chen dabei – wusste ich, diese Stadt ist gerade richtig angesagt.

Aerobic war gestern – Zumba ist heute

Zumba - auch ĂŒberall im Internet zu finden

Und nun zu „Zumba“. Und, ganz ehrlich, vor einem halben Jahr kannte ich den Begriff noch nicht einmal, und inzwischen ist man total out, wenn man nicht weiß, was sich dahinter verbirgt.

Aerobic, Bauch-Beine-Po, Spinning oder Pilates waren gestern, Zumba ist heute. Der neueste Trend aus den Fitnessstudios.

Wer sich in um seine Idealfigur sorgt, schwört nun auf das Tanz-Work-out Zumba. Die Fitness-Neuheit aus Kolumbien enthÀlt Schritte aus lateinamerikanischen TÀnzen wie Salsa, Merengue, Samba oder Cumbia. Und als Erfinder von Zumba gilt der kolumbianischstÀmmige Choreograf Alberto Perez aus Miami, genannt Beto.

Gibt man „Zumba“ bei Google ein, erhĂ€lt man 34.000.000 Treffer. Und jetzt erzĂ€hlen Sie mir bitte nicht, Sie haben davon noch nichts gehört.

In den USA gibt es dieses Wunderwaffe fĂŒr die Traumfigur – eine Bekannte raunte mir vor Kurzem nach einer Stunde zu: „Man verliert rund 1000 Kalorien pro Trainingseinheit“ (was ich im ĂŒbrigen nicht glaube) – schon seit gut zwei Jahren und auch in deutschen Metropolen trainiert man schon lĂ€nger nach lateinamerikanischen Rhythmen.

In meinem nordbadisches Kleinstadtleben ist der Begriff „Zumba“ erstmalig im FrĂŒhling dieses Jahres aufgetaucht, als eine Freundin mir von ihrem „Zumba“-Lehrer vorschwĂ€rmte.
„Bitte, was“, fragte ich und outete mich sogleich, ob meines hinterwĂ€lderischen Unwissens.

Wenig Tage spĂ€ter erzĂ€hlte eine Kollegin begeistert von ihrem neuen „Zumba“-Kurs und eine weitere nickte dabei zustimmend mit dem Kopf und verkĂŒndete, als Jamaikanerin liege ihr das sowieso im Blut.

Zumba – macht höllisch Spaß und gute Laune

Da ich Sie jetzt nicht langweilen will, erspare ich Ihnen weitere Begebenheiten, die mich davon ĂŒberzeugten, dass sich hier wohl ein Trend durchgesetzt hatte und einen „Zumba“-Gutschein weiter – den ich von der Freundin mit dem tollen „Zumba“-Lehrer geschenkt bekommen hatte – befand ich mich unter 30 schwitzenden, lachenden und tanzenden Frauen (die beiden MĂ€nner, die teilnahmen, können wir hier getrost vernachlĂ€ssigen), jeglichen Alters und unterschiedlichster Maße, die zu sĂŒdamerikanischen KlĂ€ngen, HĂŒfte, Bauch und Arme schwingen ließen.

Ehrlich, bei den wenigsten sieht es wirklich sĂŒdamerikanisch aus, dass man dabei 1000 Kalorien verliert, bezweifle ich auch, aber es macht höllisch Spaß und gute Laune und ist dazu noch gesund.

Und als ich in der Umkleidekabine zwei „Zumba“-Mitstreiterinnen ĂŒber ihren Wochendtrip nach Istanbul unterhielten, war mir klar, ein Trend kommt selten allein und zuweilen geht er auch Allianzen ein.

gabi

Klems RĂŒckblick: Das Internet vor zehn Jahren – was man damals schon so alles wusste…


Wie war das vor zehn Jahren? Datenbankprofi Michael Klems informiert uns bis Weihnachten ĂŒber "wichtige" Schlagzeilen zum Internet aus der Vergangenheit. Bild: infobroker.de

Rhein-Neckar, 22. Oktober 2011. (red/infobroker.de) Der renommierte Datenexperte Michael Klems hat es sich zur Aufgabe gemacht, einfach mal Schlagzeilen von vor zehn Jahren zu recherchieren. Teils sind die Ergebnisse urkomisch, teils stimmen sie, teilweise haben sich Ansichten und Meinungen nach heutiger Sicht widerlegt.

Recherche: Michael Klems – infobroker.de

16.10.2001
Internet wird hörbar – Das Internet kann hörbar werden. Dies verspricht eine Voice-Portal-Plattform, der Clarity AG – Handelsblatt

16.10.2001
Grimmas OrdnungshĂŒter nutzen Internet fĂŒr ihren PrĂ€ventionskatalog im Kampf gegen Kinder- und JugendkriminalitĂ€t – Polizei geht fĂŒr Partnerschaft mit Schulen neue Wege – Leipziger Volkszeitung

16.10.2001
Prince nur im Net: Das neue Album „The Rainbow Children“ ist fertig, wird aber nur im Internet veröffentlicht. – Hamburger Morgenpost

17.10.2001
B2B-Plattform im Hafen von Barcelona – Warenumschlag wird per Internet kontrolliert – Handelbslatt

17.10.2001
T-Online beteiligt sich mit 50 Prozent an Interactive Media des Axel Springer Verlages – DIE WELT

17.10.2001
StĂ€dtische Ausschreibungen via Internet – Mainz akzeptiert Angebote mit digitaler Signatur – Der Postweg bleibt weiterhin im Angebot – Rhein Main Zeitung

18.10.2001
AOL Time Warner ĂŒbertrifft reduzierte Prognosen – Zuwachs bei Abonnentenzahlen / Kabelfernsehen und Internet gleichen flauen Werbemarkt aus – F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung

18.10.2001
Internet-Magazin erhielt den OnlineStar 2001 – Sparkasse.de ist die beste Finanz-Webseite des Jahres – Nur sechs Monate nach ihrem Start wurde die Web-Seite „Sparkasse.de“ von ĂŒber 800 000 Nutzern… – DIE WELT

18.10.2001
Macht das Surfen im Internet sĂŒchtig? – Tagung befasste sich mit den Gefahren der digitalen Welt fĂŒr Kinder – Frankfurter Rundschau

19.10.2001
AusdrĂŒcklich verbieten. Privates Surfen im Internet ist im BĂŒro nicht automatisch untersagt. Ein Chef muss das private Internetsurfen am Arbeitsplatz ausdrĂŒcklich verbieten. – Der Tagesspiegel

19.10.2001
Wireless LAN – EuropĂ€ischer Markt fĂŒr öffentliche Internet-ZugĂ€nge – Die Service-UmsĂ€tze mit öffentlichen Wireless LAN-InternetzugĂ€ngen werden in Europa in diesem Jahr 4,1 Millionen Dollar erreichen. – FAZ.NET

19.10.2001
Internet: Bald nicht mehr alles kostenlos? Verlage drĂ€ngen auf gebĂŒhrenpflichtige Inhalte – „Keine Gefahr fĂŒr Zeitungen“ – Passauer Neue Presse

20.10.2001
E-Bay – Rekorde auf dem Internet-Marktplatz – Das Online-Auktionshaus E-Bay wĂ€chst rasant weiter. – Frankfurter Rundschau

20.10.2001
Wettstreit um Internet-Kunden entbrannt – Vom Wettbewerb auf dem Multimedia-Markt in Köln und Bonn wird vor allem der Kunde profitieren. – Kölner Stadtanzeiger

20.10.2001
Kinder fragten Bundesfamilienministerin Bergmann per Internet – Gibt es den Dritten Weltkrieg? – Berliner Morgenpost

21.10.2001
Brite befreit sich per Internet – Ein in einer GartenhĂŒtte eingesperrter Brite hat sich mit einem Hilferuf ĂŒber das Internet befreit – WELT AM SONNTAG

21.10.2001
Internet-News gegen Geld?. Viele Leser, wenig Geld – – DER TAGESSPIEGEL

21.10.2001
Tricksen im Internet wird schwieriger – FRANKFURT. Eine sichere Methode: Alle Wege fĂŒhrten zu DocMorris, einer niederlĂ€ndischen Internet-Apotheke – Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

22.10.2001
Bekanntheit der Handy-Portale im Internet steigt – Fast die HĂ€lfte der Mobilfunknutzer kennt die Angebote – Herunterladen von Logos und Klingeltönen – Das Mobiltelefon wird zur Informations- und Unterhaltungszentrale fĂŒr unterwegs. – FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung

22.10.2001
US-Moratorium fĂŒr Internet-Steuern lĂ€uft aus – Der US-Kongress hat es versĂ€umt, ein Moratorium fĂŒr Internet-Steuern zu verlĂ€ngern, das gestern abgelaufen ist. – DIE WELT

22.10.2001
Internet keine Konkurrenz fĂŒr Tageszeitungen – MÜNCHEN. Das Internet wird den Tageszeitungen nach Ansicht der bayerischen Verleger auch in Zukunft keine… – Berliner Zeitung

23.10.2001
China blockiert Nachrichtenseiten im Internet – Die chinesische Regierung hat erneut auslĂ€ndische Nachrichtenangebote im Internet blockiert – Handelsblatt

23.10.2001
Internet-Zugang/Telekom stellt kĂŒnftig/kein DSL-Modem mehr – Vor dem schnellen Weg ins Internet wird vom kommenden Jahr an eine zusĂ€tzliche Investition stehen – Frankfurter Rundschau

23.10.2001
Markt mit Internet – Studentinnen testen eine bislang in Deutschland einmalige InternetsĂ€ule auf dem Marktplatz in Leipzig. – Leipziger Volkszeitung

Michael Klems ist Informationsprofi und recherchiert weltweit in elektronischen Datenbanken. Als Betreiber des Informationsdienstes infobroker.de ist er seit 1991 am Markt.

Internet: Infobroker.de
Facebook: http://www.facebook.com/infobrokerklems
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Klems RĂŒckblick: Das Internet vor zehn Jahren – was man damals schon so alles wusste…


Wie war das vor zehn Jahren? Datenbankprofi Michael Klems informiert uns bis Weihnachten ĂŒber "wichtige" Schlagzeilen zum Internet aus der Vergangenheit. Bild: infobroker.de

Rhein-Neckar, 15. Oktober 2011. (red/infobroker.de) Der renommierte Datenexperte Michael Klems hat es sich zur Aufgabe gemacht, einfach mal Schlagzeilen von vor zehn Jahren zu recherchieren. Teils sind die Ergebnisse urkomisch, teils stimmen sie, teilweise haben sich Ansichten und Meinungen nach heutiger Sicht widerlegt.

Recherche: Michael Klems – infobroker.de

09.10.2001
Deutsche zahlen Internet-EinkĂ€ufe selten per Karte – Beim Einkaufsbummel im Internet zahlen die Deutschen einer Studie zufolge wesentlich seltener per Kreditkarte – Handelsblatt

09.10.2001
Der Weg ist frei fĂŒr Musik aus dem Internet – Die Musikwelt ordnet sich, der Weg ist frei – DIE WELT

09.10.2001
INTERNET/“Home-Banking bleibt unsicher“ Das Risiko, beim Home-Banking Opfer einer Hackerattacke zu werden, ist offenbar nach wie vor groß. – Hamburger Abendblatt

10.10.2001
Kein Lesefehler: Kabel NRW heißt nun Ish Unter einem Phantasienamen will der Kabelnetzbetreiber der Telekom Kunden abjagen / Breitband-Internet und Telefonie ĂŒber das Fernsehkabel – F.A.Z. – Frankfurter Allgemeine Zeitung

10.10.2001
IP-Anonymisierung verschleiert das Nutzerverhalten – Unerkannt im Internet surfen – Mit einer neuen Software ist es möglich, im Internet zu surfen, ohne Spuren zu hinterlassen. – Handelsblatt

10.10.2001
Ergo grĂŒndet im Januar neuen Internet-Versicherer – Traditioneller Außendienst soll Hauptvertrieb bleiben. – Financial Times Deutschland

11.10.2001
Internet-Magazine in Schwierigkeiten – „Red Herring“ und „Salon“ leiden unter der BranchenschwĂ€che – F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung

11.10.2001
Kaufhof nimmt neuen Anlauf im Internet/Handelskonzern gibt Online-Phantasiemarke Zebralino auf – Financial Times Deutschland

11.10.2001
Die Angst vor dem Computer-Terror / Die USA rĂŒsten sich gegen Angriffe via Internet – Allgemeine Zeitung Mainz

12.10.2001
USA prĂŒfen den Bau eines sicheren Regierungsnetzes/Neues Internet fĂŒr Behörden soll mehr Schutz bieten. – Financial Times Deutschland

12.10.2001
Browserspaß nur mit Nummer und Reisepass/Cybercafé in Havanna – Allgemeine Zeitung Mainz

12.10.2001
Immobilien im Netz Bei der Objektsuche und der Finanzierung der eigenen vier WĂ€nde leistet das Internet gute Dienste – Handelsblatt

13.10.2001
Lastwagen im Internet finden – TruckScout24 vermittelt das Nutzfahrzeug – Der MĂŒnchner Internetanbieter AutoScout24 erweitert mit TruckScout24 sein Angebot um Lastwagen, Transporter, SattelzĂŒge, Busse und Baumaschinen. F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung

13.10.2001
Spar gibt Verkauf ĂŒber das Internet auf – Der Handelskonzern Spar zieht sich aus dem GeschĂ€ft mit der Bestellung von Lebensmitteln zurĂŒck – Stuttgarter Zeitung

13.10.2001
BĂŒcher beliebteste Ware im Internet – BĂŒcher sind die beliebteste Ware im Internethandel. – DarmstĂ€dter Echo

14.10.2001
Internet-Verkauf von Lebensmitteln lohnte sich nicht – Aus fĂŒr Spar 24 – Berliner Morgenpost

14.10.2001
Urteil gegen T-Online – Hamburg/tj/- Bislang hieß es in der Werbung des Telekom-Onlinedienstes: „T-Online ist der grĂ¶ĂŸte Internet-Provider – WELT AM SONNTAG

14.10.2001
Systems 2001 – IT-Branche sucht Wege aus der Krise – Rund 15 Prozent weniger Teilnehmer werden auf der diesjĂ€hrigen Systems erwartet, die am Montag in MĂŒnchen ihre Toren öffnet. FAZ.NET

15.10.2001
Beratungsfirma Gartner stellt IT-Trends vor – Internet-Dienste bleiben Top-Thema fĂŒr Unternehmen – DIE WELT

15.10.2001
Das mobile Internet bleibt vorerst eine Vision – Financial Times Deutschland

15.10.2001
ARD erweitert Internet-Angebot. Die ARD wird das Internet-Angebot der „Tagesschau“ erweitern. – Der Tagesspiegel

16.10.2001
Internet wird hörbar – Das Internet kann hörbar werden. Dies verspricht eine Voice-Portal-Plattform, der Clarity AG – Handelsblatt

16.10.2001
Grimmas OrdnungshĂŒter nutzen Internet fĂŒr ihren PrĂ€ventionskatalog im Kampf gegen Kinder- und JugendkriminalitĂ€t – Polizei geht fĂŒr Partnerschaft mit Schulen neue Wege – Leipziger Volkszeitung

16.10.2001
Prince nur im Net: Das neue Album „The Rainbow Children“ ist fertig, wird aber nur im Internet veröffentlicht. – Hamburger Morgenpost

Michael Klems ist Informationsprofi und recherchiert weltweit in elektronischen Datenbanken. Als Betreiber des Informationsdienstes infobroker.de ist er seit 1991 am Markt.

Internet: Infobroker.de
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Gabis Kolumne

Der KĂŒchengau und SpĂŒl-Nostalgien

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 10. Oktober 2011. RegelmĂ€ĂŸig gehen Dinge kaputt. Manches kauft man gleich wieder neu, andere Dinge braucht man nicht wirklich. Wenn aber die SpĂŒlmaschine kaputt geht – ist umgehendes Handeln angesagt. Ein Haushalt ohne SpĂŒlmaschine geht gar nicht, meint Gabi.

KĂŒchengau: Die SpĂŒlmaschine ist kaputt.

Letzte Woche gab meine GeschirrspĂŒlmaschine den Geist auf – nach 15 Jahren, ihr sei-€ℱs vergönnt —  sie hatte ein langes, bewegtes Leben.

„Oh, nein, du Arme“, hallte mir allerorts entgegen – in erster Linie von Frauen. Denn die SpĂŒlmaschine rangiert bei der Liste der Top Ten unter den HaushaltsgerĂ€ten, die dringend (!) notwendig sind, auf Platz 2, und zwar gleich nach der Waschmaschine. Der Verlust eines der SpitzenreitergerĂ€te ist eine Katastrophe.

Vielleicht ist dieser Verlust deswegen so besonders schmerzhaft, weil er uns zurĂŒck katapultiert in unsere Kindheit und Jugend, wo SpĂŒlmaschinen in Privathaushalte noch Mangelware waren. Kaum jemand unter 35 Jahren weiß noch, wie es ist, mit der Hand WĂ€sche zu waschen, aber im SpĂŒlen und Abtrocknen sind wir erfahren.

„Was haben meine Geschwister und ich uns gestritten, wenn-€ℱ s ums Abtrocknen ging“, erzĂ€hlt mir eine Freundin, und man merkt gleich, das sitzt tief in der Schublade der ungeliebten Erinnerungen.

Die guten alten Zeiten – eine SpĂŒl-Nostalgie

Und auch ich weiß von den sonntĂ€glichen Mittagessen bei meiner Großmutter zu berichten – bei uns war das Wunderding schon eingezogen – wenn das Sonntagsessen mit Suppe, Braten und Nachtisch fĂŒr mindestens sechs Personen im gemeinsamen Abwasch in der großelterlichen KĂŒche endete.

Gemeinsam, und das waren meine Großmutter, meine Mutter und ich. Der Großvater und mein Vater hatten sich zum verdienten Mittagsschlaf zurĂŒckgezogen, die alten Tanten saßen auf dem Sofa und blĂ€tterten Zeitschriften und mein kleiner Bruder saß vorm Fernsehen und glotzte Kinderstunde. Von Emanzipation brauchen wir also gr nicht reden.

NatĂŒrlich habe ich es gehasst, aber – und das ist jetzt nicht nur eine verklĂ€rte Erinnerung – wir drei „Frauen“ lachten und schwatzen viel und es entstand ein GemeinschaftsgefĂŒhl.

Deshalb rief ich am ersten Abend des Totalausfalls meine beiden Kinder und meinen Mann in die KĂŒche zum Abtrocknen. Meine Kinder, die Abtrocknen nur aus Urlauben kennen, wenn die Ferienwohnung nicht feudal ausgestattet ist, ergaben sich ihrem Schicksal und die Stimmung bekam sogar eine gewisse Leichtigkeit – wir lachten und schwatzten. Zumindest an diesem Abend.

Reparatur contra Neuanschaffung

In den nĂ€chsten Tagen – wir diskutierten noch ĂŒber Reparatur contra Neuanschaffung – verschlechterte sich die Stimmung rapide. „Ich hab-€ℱ doch erst gestern“ und „warum immer ich“ war die prompte Antwort sobald ich meinen Lieben ein Geschirrtuch in die Hand drĂŒcken wollte

Und auch mein Göttergatte, der zunĂ€chst die Haltung vertrat, das ist doch kein Beinbruch, wie viele Menschen haben keine SpĂŒlmaschine und ĂŒberhaupt in Afrika -۩ und dementsprechend die ersten Tage wie ein Weltmeister abspĂŒlte (aber nicht abtrocknete, so dass sich in der KĂŒche das zwar saubere, aber nicht trockene Geschirr stapelte), schwĂ€chelte spĂ€testens am vierten Tag.

Am fĂŒnften Tag nach dem KĂŒchengau beschloss ich, jetzt reicht-€ℱs, ein neuer GeschirrspĂŒler muss her. Frei nach dem Motto „ich bin doch nicht blöd“ suchte ich den naheliegenden Elektrohandel auf und ließ mich beraten. Dort versicherte man mir – wen wundert-€ℱs – dass man nach 15 Jahren bestimmt nicht mehr ĂŒber eine Reparatur nachdenken sollte – ich hab-€ℱs ja gleich gewusst – und dass durch die Einsparung bei Strom und Wasser die Neuanschaffung quasi nahezu kostenlos sei. Denn immerhin hĂ€tte meine alte SpĂŒlmaschine so rund 30 Liter und die neue wĂŒrde nur noch 7 Liter pro SpĂŒlgang brauchen.

Vollintegriert oder Edelstahl? Newcomer oder bewÀhrte Marke?

Ehrlich, ich hab-€ℱs dem Herrn VerkĂ€ufer auch nicht schwer gemacht, mich von einem Neukauf zu ĂŒberzeugen. Mit der Modell- und Designauswahl tat ich mich deutlich schwerer: Vollintegriert oder mit Edelstahlfront. Besonders das Design eines schwedischen Newcomers hatte es mir angetan. Aber auch hier erwies sich der VerkĂ€ufer als sehr kompetent (oder geschĂ€ftstĂŒchtig) und klĂ€rte mich ĂŒber Vor- und vor allem ĂŒber Nachteile auf.

„Hier handelt es sich um ein Einsteigermodell, also nichts fĂŒr eine Familie mit Kindern. Die Maschine ist spĂ€testens nach fĂŒnf bis sieben Jahren fertig. Aber es ist natĂŒrliche ihre Entscheidung.“ Das bewĂ€hrte (und teuerere) Modell eines deutschen Herstellers pries er in höchsten Tönen und ĂŒberzeugte mich. „Da haben sie eine ausgezeichnete Wahl getroffen“, lobte er mich.

Letztlich unterschrieb ich glĂŒcklich meinen Kaufvertrag und als SahnehĂ€ubchen bestellte ich gleich den Montageservice dazu, inklusive Mitnahme des AltgerĂ€ts. Wohl wissend, dass mein Göttergatte wahrscheinlich sagen wĂŒrde, „aber Schatz, das hĂ€tten wir uns doch sparen können, eine SpĂŒlmaschine habe ich schnell eingebaut und das AltgerĂ€t kann zum Elektro-Schrott“.

Aber die harte RealitĂ€t sieht ja bekanntlich anders aus, so kann ein GeschirrspĂŒleinbau auch in einem handfesten Krach enden und die Altmaschine gammelt monatelang im Keller vor sich hin.

In drei Tagen ist es jetzt soweit, und mein schickes Edelstahlschnuckelchen zieht hier – inklusive minimalem Strom- und Wasserverbrauch – ein.

Seit dies meine Lieben wissen, habe ich die komplette SpĂŒlfunktion ĂŒbernommen und denke nostalgisch zurĂŒck an den einen Abend, als wir uns lachend und schwatzend den Abwasch geteilt haben.

gabi

Klems RĂŒckblick: Das Internet vor zehn Jahren – was man damals schon so alles wusste…


Wie war das vor zehn Jahren? Datenbankprofi Michael Klems informiert uns bis Weihnachten ĂŒber "wichtige" Schlagzeilen zum Internet aus der Vergangenheit. Bild: infobroker.de

Rhein-Neckar, 8. Oktober 2011. (red/infobroker.de) Der renommierte Datenexperte Michael Klems hat es sich zur Aufgabe gemacht, einfach mal Schlagzeilen von vor zehn Jahren zu recherchieren. Teils sind die Ergebnisse urkomisch, teils stimmen sie, teilweise haben sich Ansichten und Meinungen nach heutiger Sicht widerlegt.

Recherche: Michael Klems – infobroker.de

01.10.2001
Telekom baut VideoĂŒbertragung per Internet aus/Kooperation mit Servecast zielt auf Unternehmenskunden. – Financial Times Deutschland

01.10.2001
Internet-SupermĂ€rkte liefern hĂ€ufig falsche Ware – DIE WELT

01.10.2001
Intershop schlĂ€gt nach Umsatzwarnung Sparkurs ein – Das E-Commerce-Unternehmen Intershop reduziert seine Belegschaft um 25 Prozent auf 790 Mitarbeiter. – FAZ.NET

02.10.2001
1&1 Internet AG startet neue DSL-Flatrate – Die 1&1 Internet AG bietet seit Montag eine neue DSL-Flatrate ohne Zeit oder VolumenbeschrĂ€nkung – Handelsblatt

02.10.2001
Internet als Patent – nein danke – Das W3C will kĂŒnftig patentierte Internet-Technologien zulassen. – netzeitung.de

02.10.2001
Besserer Verbraucherschutz im Internet – EU-Kommission kritisiert geringen Anteil des E-Commerce / GrĂŒnbuch – F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung

03.10.2001
Streit um .biz-Domains sorgt fĂŒr Verzögerungen – Zwei neue Internet-Adressendungen, .biz und .info, ergĂ€nzen ab diesem Monat den Namensraum im Netz. – FAZ.NET

03.10.2001
Internet-Apotheken in den Startlöchern – Deutscher Markt ist sehr interessant fĂŒr Medikamenten-Versand – DarmstĂ€dter Echo

03.10.2001
SchĂŒler-Projekt/Internet bringt Ost und West zusammen/BundesprĂ€sident Rau startet Initiative – Mitteldeutsche Zeitung

04.10.2001
Edu-Commerce: Wie Unternehmen die Kunden im Internet einfangen – Weiterbildung als Instrument der Kundenbindung im Internet / Edu-Commerce wird zum Geheimtip fĂŒr erfolgreiches Marketing – F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung

04.10.2001
Hamburg bleibt trotz Pleiten starker Internet-Standort – Hamburg wird trotz der jĂŒngsten Pleiten von Internet-Firmen wie PopNet und Kabel New Media ein wichtiger Standort – DIE WELT

04.10.2001
Stunde der Sieger/Internet. Trotz Krisenstimmung setzen die meisten Unternehmen weiter auf/E-Commerce. – CAPITAL

05.10.2001
Attacken aus dem Internet/Der digitale Krieg besteht in erster Linie aus Desinformation – DIE WELT

05.10.2001
Hohe Schulden zwingen KPN zum Verkauf der Internet-Tochter – Financial Times Deutschland

05.10.2001
Hamburg: Lotto auch per Internet – Hamburger Lottospieler können ihre Tipps von sofort an auch im Internet abgeben. – Hamburger Abendblatt

06.10.2001
VerbĂ€nde kritisieren Internet-Gesetz „Herkunftslandprinzip verankern“ / Verstoß gegen EU-Recht – F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung

06.10.2001
Dresdner Bank bĂŒndelt ihre Internet-AktivitĂ€ten Bis 2006 Zahl der Online-Nutzer verdoppeln – Börsen-Zeitung

06.10.2001
Kienbaum erwartet keine Rezession – Bewerber-Suche im Internet soll ausgebaut werden – DIE WELT

Aus aktuellem Anlass eine RĂŒckschau. Steve Jobs vor 10 Jahren im Jahr 2001

19.06.2001
Die neue Geradlinigkeit – Wenn man der Nase von Apple-Chef Steve Jobs trauen kann, ist Purismus der neue Trend im Computerdesign. – Berliner Zeitung

26.05.2001
Steve Jobs verkĂŒndet QualitĂ€tssprung – Steve Jobs verkĂŒndet dies am 21. Mai auf einer Entwickler-Konferenz in San Jose (Kalif.) – Mitteldeutsche Zeitung

23.03.2001
Firmen-GrĂŒnder Steve Jobs ruft das „Dritte goldene Zeitalter“ des PC aus – Apple bringt neues Betriebssystem gegen Windows XP in Stellung – Handelsblatt

13.01.2001
Apple geht in die Offensive/Mac OS X endlich fertig – Einmal hat Steve Jobs den Computerhersteller Apple schon gerettet. – Mitteldeutsche Zeitung

12.01.2001
Ein goldenes Zeitalter im Zeichen von Titan /Apple zeigt schnellere Desktop-Rechner und ein schlankes Notebook – Steve Jobs – Neue ZĂŒricher Zeitung

07.10.2001
Billiger Pauschaltarif auf Mallorca – Bald können auch Deutsche auf einen gĂŒnstigen Pauschaltarif (Flatrate) fĂŒr den Zugang ins Internet hoffen. Allerdings mĂŒssen sie dazu nach Spanien – Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

07.10.2001
„Ich wĂŒrde sehr gern in Hamburg bleiben“ – Der scheidende Wirtschaftssenator Thomas Mirow, SPD, ĂŒber die Krise der Hamburger Internet- Wirtschaft – DIE WELT AM SONNTAG

07.10.2001
Nasebohren mit Harald Schmidt. Hunderte Geschichten der „höflichen Paparazzi“ sammeln sich im Internet. – Der Tagesspiegel

Michael Klems ist Informationsprofi und recherchiert weltweit in elektronischen Datenbanken. Als Betreiber des Informationsdienstes infobroker.de ist er seit 1991 am Markt.

Internet: Infobroker.de
Facebook: http://www.facebook.com/infobrokerklems
Google Plus: http://gplus.to/infobroker

Gabis Kolumne

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub oder wie kann man UrlaubsgefĂŒhle konservieren

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 12. September 2011. Gabi ist wieder vom Urlaub zurĂŒck und versucht mit konservierten Erinnerungen der Post-Urlaubs-Depression entgegenzuwirken. Oder sollte man doch gleich den nĂ€chsten Urlaub buchen?

Die Farben des SĂŒdens.

Der Himmel ist grau – und die Landschaft und die Stimmung auch. Back in Germany. So ging es mir zumindest – und wahrscheinlich Millionen von Deutschen in den vergangenen Wochen auch- als wir nach einem Urlaub im sonnigen SĂŒden den Frankfurter Flughafen anflogen.

Jetzt nur keine Post-Urlaubs-Depression bekommen, ist leichter gesagt als getan. Vor 24 Stunden hatte ich noch im azurblauen Meer bei angenehmen 30 Grad geplanscht und dann empfing mich Nieselregen ĂŒber der Rhein-Ebene. Willkommen zurĂŒck, kann man da nur sagen.

Die widrigen UmstĂ€nde der RĂŒckkehr verstĂ€rkten sich dramatisch dadurch, dass es Sonntag war und der KĂŒhlschrank dementsprechend gĂ€hnend leer und anstelle einer mediterranen Köstlichkeit gab es TĂŒtensuppe. Nix mit Urlaub ausklingen lassen, ab in den Keller und WĂ€sche waschen, denn am nĂ€chsten Tag war schließlich Montag und wieder mein erster Arbeitstag.

In mein BĂŒro zurĂŒckgekehrt, erwarteten mich nicht nur die lieben Kollegen, „Na, es wird ja mal Zeit, dass du auch wieder arbeitest“, nein auch 367 Emails und ein riesiger Poststapel. Willkommen zurĂŒck.

Nach der Arbeit: Großeinkauf, WĂ€sche waschen, kochen, WĂ€sche aufhĂ€ngen, KĂŒche aufrĂ€umen, WĂ€sche abhĂ€ngen, die private Post sichten, WĂ€sche zusammenlegen -۩ Sie wissen wie-€ℱs weitergeht.

„Schatz, du wirkst so gestresst“

„Schatz, du wirkst so gestresst“, merkte mein Mann an, „dabei hatten wir doch gerade Urlaub“. Klar, dachte ich missmutig, du musst dich ja auch nur um deinen Job kĂŒmmern. Eine Bemerkung verkniff ich mir aber, wollte ich doch nicht das zarte PflĂ€nzchen der Urlaubsharmonie zerstören.

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In diesem Jahr hatte ich mir ganz bewusst vorgenommen, die UrlaubsgefĂŒhle zu konservieren: Wenn sich der warme Sand durch die Zehen schiebt, wie Salz auf der Haut schmeckt, wie der SĂŒden riecht. Und vor allem die Farben: Das krĂ€ftige Blau des Himmels, das TĂŒrkis des Meeres, das knallige Pink der BouganivillenbĂ€ume. Der Geruch von Meer, das Zirpen der Zikaden, die Melodie der Wellen und das sĂŒĂŸe GefĂŒhl des Nichtstuns, wenn man mit einem Buch auf einer Liege am Pool liegt und die einzige Aufgabe darin besteht, die Haut regelmĂ€ĂŸig mit Sonnencreme zu versorgen. Die Freude kleine Bergdörfer zu entdecken, durch enge verwinkelte Gassen zu laufen und am Hafen entlang zu schlendern.

Dies alles soll mich nun hinĂŒber retten ĂŒber die grauen Tage, die kommen werden. Es werden wieder Zeiten kommen, wenn man gar nicht weiß, was man noch anziehen soll, damit es einem warm wird. Und auch fĂŒr den Stress im Job und zuhause mit Haushalt und Kindern braucht man ein warmes Fell. Dann möchte ich meine Erinnerungen auspacken wie kleine Geschenke, an denen ich mich erfreue.

Ich weiß nicht, ob es mir diesmal gelingen wird, aber spĂ€testens im nĂ€chsten FrĂŒhjahr wird mich die Aussicht auf den nĂ€chsten Urlaub wieder in freudige Erwartung stimmen. Und ich werde wieder ReisefĂŒhrer und Karten studieren, auch wenn meine Familie dann mĂŒde lĂ€chelt. Nach dem Motto jetzt ist sie wieder soweit, jetzt geht die Planung von vorne los. Denn nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub – also durchhalten und die Erinnerungen genießen.

gabi

„Entschuldige, Schatz, du weißt doch, meine Hypophyse!“


Rhein-Neckar, 24. Juli 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber vielleicht auch nur wegen der RealitĂ€t. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich da manchmal die SphĂ€ren. Und niemals hĂ€tte Marietta gedacht, dass Schwangerschaft und Mutter-Dasein solch‘ massive VerĂ€nderungen mit sich bringen – doch dann fand sie die ErklĂ€rung.

Von Marietta Herzberger

Die Hypophyse. Quelle: Wikipedia/ Patrick J. Lynch, medical illustrator.

Wussten Sie schon, dass eine Frau sobald sie ein oder mehrere Kinder zur Welt bringt, keine folgerichtigen SchlĂŒsse mehr ziehen oder eine komplexere betriebswirtschaftliche Berechnung ausfĂŒhren kann? Nein? Dann lesen Sie weiter.

Bis ich eines Besseren belehrt wurde, war ich der irrigen Annahme erlegen, dass Kinderkriegen eine Sache von höchstens ein paar Stunden ist – die Zeit der Schwangerschaft nicht eingerechnet – und das war es dann auch. Völlig falsch!

Genauso wie die Annahme, Lappen dienen lediglich zur SÀuberung diverser GegenstÀnde. Klar. Keine Frage. Oder doch nicht? Genau. Auch hier: Völlig falsch.

Als halbwegs gebildete Mutter weiß ich heute, dass es Vorder-, Mittel- und Hinterlappen gibt. Und die sind wichtig, sehr wichtig sogar. Insbesondere fĂŒr Frauen, die Kinder bekommen. Gemeint ist die Hypophyse. Auch als HirnanhangdrĂŒse bezeichnet.

Zur Verdeutlichung: Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „das unten anhĂ€ngende GewĂ€chs“, obwohl sich dieses Etwas direkt in unserem Hirn befindet und ich es in der deutsch-wörtlichen Übersetzung eher dem Manne zugesprochen hĂ€tte. Genauer befindet sich dieses GewĂ€chs tief im SchĂ€del in der Höhe etwa zwischen den Augen.

Dieser Teil unseres Körpers verĂ€ndert sich dramatisch, wĂ€hrend man vergnĂŒgt dabei ist, ein kleines Menschlein wachsen zu lassen. Das Absurde hier: Es ist egal, ob man kastriert wird oder schwanger ist. In beiden FĂ€llen schwillt die Hypophyse an, nimmt VerĂ€nderungen an besagten Hirnlappen vor und bringt einen dazu, wirre Dinge zu tun wie Schokoriegel mit Senf zu essen oder den Partner anzubellen, weil er bereits zum wiederholten Male unertrĂ€gliche GerĂ€usche beim Fußnagelklipsen produziert.

Licht kam in mein Mysterium!

Diese Tatsache wurde mir klar, als ich ziemlich umfangreich beim Frauenarzt saß, auf meinen Termin wartete und mir in stoischer GleichmĂŒtigkeit einen Artikel ĂŒber VerĂ€nderungen im Körper wĂ€hrend der Schwangerschaft durchlas. Da kam Licht in mein Mysterium – und nebenbei auch in das meines Mannes; schließlich war ich eines fĂŒr ihn geworden. Endlich waren alle meine Fragen beantwortet.

Die Hypophyse ist schuld! Ich war nicht bescheuert, sondern schwanger und dabei hat die Hypophyse einiges mitzureden. Endlich hatte ich eine Entschuldigung fĂŒr all meine verbalen Fehltritte: „Entschuldige, Schatz, du weißt doch, meine Hypophyse!“

Wie dem auch sei, die Schwangerschaft ist vorbei, das Kind ist da. Ist dann alles wieder in Ordnung? Oh nein, ist es nicht! Die niedlichen LĂ€ppchen verwandeln sich nĂ€mlich nicht wieder zurĂŒck. Die bleiben, wie sie sind. Was aber nicht heißen soll, dass ich nun mein Lebtag ungenießbares Zeug verschlingen werde. Die VerĂ€nderung vollzieht sich viel dramatischer. Sie wĂŒhlt sich subtil in alle Lebensbereiche. Latent und doch offensichtlich.

Ich gehe nicht mehr shoppen! Ich gehe einkaufen. Zielgerichtet und vernĂŒnftig. Und ich kaufe nicht etwa Schuhe fĂŒr mich, nein, ich kaufe Kinderklamotten, GlitzerhaarbĂ€nder und Lutscher.

Pizza, Cheeseburger & Co waren gestern. Heute koche ich gesund, mineral- und vitaminreich und auf die Frage meines Mannes, wann wir mal wieder skaten gehen, schaue ich ihn nur verstĂ€ndnislos an und teile ihm entrĂŒstet mit, dass ich schließlich einmal die Woche zum Kinderturnen gehe. Was geben mir Theaterbesuche oder das Konzert von Toto, wenn ich auch vorm Kinderkarussell stehen kann?

Das hĂ€tte mir mal vorher einer sagen sollen!- Vor der Schwangerschaft noch milde belĂ€chelt, trifft es dich danach mit voller Wucht und das Schönste daran ist: Du merkst es nicht. Dein Partner schon, deine Umwelt auch, du selbst nicht. Daran wiederum ist nicht allein die Hypophyse schuld, die ich stĂ€ndig und unentwegt als EntlastungsbeweisstĂŒck aus der Jackentasche ziehe. Einfach der Umstand der Mutterschaft reicht gelegentlich schon aus. Was das Ganze nicht wirklich einfacher macht.

Was soll-ÂŽs. Ich kann gleichzeitig kochen, telefonieren, meine Emails abrufen und die Hausaufgaben meiner Tochter ĂŒberwachen. Das soll mir mal einer – da meine ich den mĂ€nnlichen Teil der Bevölkerung – nachmachen! Ich habe die Herrschaft und den Überblick ĂŒber die Temperatur meiner Tochter, den Liebesbarometer meines Mannes, der halbjĂ€hrlichen IdentitĂ€tskrise meiner Freundin, die familieneigenen Finanzen, den Bewegungsdrang eines gefrĂ€ĂŸigen Hundes und schaffe es mittlerweile trotzdem noch, den KĂŒhlschrank zu bestĂŒcken und meine unqualifizierten Zellen ins BĂŒro zu schleppen, um- produktiv tĂ€tig zu werden.

So! Und was habe ich davon?

UnĂŒbersehbar klebt mir der Stempel „verantwortungslose und total ĂŒberforderte Rabenmutter“ auf der Stirn. Schande ĂŒber mich. Dann schaue ich nach rechts auf die Zweifachmutter und Nur-Hausfrau neben mir. Und was sehe ich? „Eine gluckende Übermutter mit viel Zeit zum Nichtstun.“

Also MĂ€dels, sobald sich die Hypophyse einmischt, wird alles anderes, ob ihr wollt oder nicht. Und der Rest der Welt auch.

Sobald ihr Mutter seid, könnt ihr euch mit grĂ¶ĂŸtmöglicher Mutterliebe der Erziehung widmen, nebenbei euren Doktor nachholen, ein Buch schreiben und in einem Frauen-Netzwerk mitmischen, wĂ€hrend ihr wohlgeformte und wunderbare Geliebte eines treuen Ehemannes seid.

Es ist garantiert nicht einfach. Aber wir haben nun – egal fĂŒr was – eine Entschuldigung.

Sorry – die Hypophyse!

Eure Marietta

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Gabis Kolumne

Einkaufstrolleys, Unterhemden und Tennissocken auf dem PrĂŒfstand

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 18. Juli 2011. Wann sind Sachen oder KleidungstĂŒcke cool und wann uncool, fragt sich Gabi. Hat das etwas mit dem Alter zu tun oder mit der jeweiligen Mode?

Cool oder uncool? Das ist hier die Frage.

Einkaufstrolleys und Birkenstocksandalen sind voll uncool – da werden Sie mir sicherlich Recht geben. Aber unbenommen sie sind extrem praktisch.

Sky-Heels auf der Gartenparty und Flip Flops im Regen sind cool, aber eindeutig unpraktisch. Man bleibt im Rasen stecken oder man bekommt nasse FĂŒĂŸe.

SpĂ€testens, wenn Sie pubertierende Kinder haben, werden Sie in die Coolness von KleidungsstĂŒcken und Ähnlichem eingefĂŒhrt.

Der gute alte Ranzen wird irgendwann durch den Rucksack und der wiederum durch die UmhÀngetasche ausgetauscht. Auch wenn der Gurt tief in die Schulter einschneidet.

Feste, gefĂŒtterte Schuhe im Winter sind genauso verpönt wie bequeme Sandalen im Sommer.

Badehosen fĂŒr Jungs mĂŒssen so weit und lang sein, dass sie den kompletten Badesee aufsaugen und die Sommerkleidchen der MĂ€dchen so kurz und dĂŒnn, dass sie eigentlich nichts mehr bedecken.

Es gab eine Zeit, da waren die Haare meines Sohnes so lang, dass er eigentlich nichts mehr sehen konnte. Die Hosen des Sohnes meiner Freundin waren so weit, dass man Angst hatte, dass er sie verliert, wĂ€hrend die Jeans meiner Tochter so eng waren, dass ich stĂ€ndig befĂŒrchtete, sie wĂŒrde einen akuten Blutstau erleiden.

„Mama, das ist absolut cool.“

„Mama, das ist absolut cool“, ist der zweithĂ€ufigste Satz, den man hört, wenn man mit pubertierenden Kindern zusammenlebt, der nur noch durch „Oh Gott Mutter, wie uncool“ getoppt wird.

Uncool sind Regenjacken, Brotdosen, Pausenbrote, feste Schuhe, Socken in Sandalen oder Ballerinas, kurze Shorts bei Jungs, Schirme, Essen in der Mensa, Fahrradhelme, EllenbogenschĂŒtzer beim Inlinern – also alles, was das Leben praktisch, gesund und sicher macht. Der Umkehrschluss lautet logischerweise – cool ist alles, was das Leben unpraktisch, ungesund und unsicher macht.

Also Strickjacken im Regen, Sneekers beim Wandern und Burger oder Snacks in der Mittagspause.

Aber so einfach ist das leider nicht. Kaum habe ich mich an dieses Regelwerk gewöhnt, werden die Koordinaten neu gerĂŒttelt. Plötzlich sind kurze Haare angesagt und Wanderstiefel sind absolut cool – aber vor allem bei 30 Grad und Sonnenschein. Waren weiße Tennissocken noch vor zehn Jahren ein absolute No Go, klĂ€rte mich meine Tochter gerade erst vor ein paar Tagen auf, dass man diese wieder getrost zu Chucks tragen könne.

Was macht Coolness aus?

Was lernen wir daraus? Richtig, Coolness ist eindeutig von Modetrends abhÀngig, aber auch von der Peer Group, in der man sich bewegt.

Das heißt, selbst wenn der allgemeine Trend zu „In ear“-Kopfhörern tendiert, kann es passieren, dass die Kids mit Mickey MĂ€usen auf den Ohren rumlaufen, weil das in der eigenen Clique angesagt ist.

Nerdbrillen, eben noch dem Streber vorbehalten, werden wenig spÀter zum Must-Have 2011, auch wenn man aussieht wie Puck, die Stubenfliege.

Ganz dramatisch wird es, wenn eine weitere Generation dazwischen liegt, also, wenn Großeltern versuchen trendige Geschenke zu machen. Stolz prĂ€sentierte mir meine Mutter ein hĂŒbsches Jungen-Sweat-Shirt, das sie in einer Boutique im Urlaub erstanden hatte. „Die VerkĂ€uferin hat mir erklĂ€rt, so was tragen jetzt alle“, erklĂ€rte sie mir stolz und ich erkannte schon auf den ersten Blick, dieses Oberteil wird mein Sohn niemals anziehen.

GeschĂ€digt fĂŒr’s Leben

Aus meiner eigenen Jugend verhasst, sind mir bis heute noch Unterhemden. „Ach Gott, des Kind hat ja gar kein Unterhemd an“, rief meine Großmutter immer entsetzt aus, selbst bei 25 Grad im Schatten. Das fand ich so uncool, das ich das KleidungsstĂŒck bis heute vollstĂ€ndig aus meinem Leben, sprich Kleiderschrank verbannt habe.

Ähnlich ging es mir mit SchlafanzĂŒgen und Nachthemden, irgendwann in meiner PubertĂ€t begann ich im T-Shirt zu schlafen und behielt das bis vor wenigen Jahren so bei. Und siehe da, manches ist anscheinend eher Lebensabschnitt- als Mode- abhĂ€ngig, konnte ich vor Kurzem doch beobachten, dass auch mein Sohn das T-Shirt dem Pyjama vorzieht.

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Uncool ist demnach ein Synonym fĂŒr peinlich, spießig, altmodisch – und das sind oft auch Eltern. Cool dagegen ist lĂ€ssig, angesagt, trendy – also meist, das was die Freunde machen oder haben.

Spießig, peinlich, uncool …

Aber auch das Erwachsenenleben ist vor solchen Kategorisierungen nicht immer sicher.

„Mein Gott, hast Du das gesehen, der hat ja einen weißen Opel Kombi – voll das Spießer Auto“, sagte kĂŒrzlich eine Freundin ĂŒber einen Arbeitskollegen.

„Die Mutter von XY hat doch tatsĂ€chlich den Kuchen in einer Tupperdose auf den Tisch gestellt, wie peinlich ist das denn“, erzĂ€hlte eine Bekannte.

Und als mein Mann mir kĂŒrzlich einen Einkaufstrolley mitbrachte und meinte damit könnte ich doch kĂŒnftig durchs Rhein-Neckar-Zentrum bummeln, rief ich aus: “Niemals, das ist ja völlig uncool!“

gabi

Mariettas Kolumne: Nicht ohne meine Socke! Oder der Gassigang im Regen


Rhein-Neckar, 30. Mai 2011 (red) Marietta berichtet aus ihrem bewegten Alltag. Ihre Geschichten kosten keinen Eintritt und sind mitten aus dem Leben – manchmal geht die Phantasie mit ihr durch, aber vielleicht auch nur wegen der RealitĂ€t. Doch was ist real, was phantastisch? Bei Marietta mischen sich die SphĂ€ren. Im Mittelpunkt steht der Mensch – oder auch das Tier – und beide sind immer ĂŒberraschend. Vor allem der eigene Hund, der so seine AnsprĂŒche stellt. Auch, wenn es in Strömen regnet.

Von Marietta Herzberger

"... und nicht ohne meine Gummistiefel!"

Lieben Sie SpaziergÀnge im Regen? Nein? Ich auch nicht.
Das ist normal, so geht es Vielen. SpaziergÀnge im Regen, insbesondere bei Dauerregen, können bisweilen nicht nur feucht, sondern auch ganz schön lockig werden. Hundebesitzer wissen wovon ich rede.

Solange ich im BĂŒro produktiv und konzeptionell tĂ€tig und kreativ sein kann, stört mich das Geprassel am BĂŒrofenster nur latent. Der kommende Gassigang wird erfolgreich verdrĂ€ngt. Ich schiebe mein knappes Zeitfenster gedanklich weiter auf und atme tief durch.

Nach Feierabend bleiben mir ziemlich genau zehn Minuten Zeit, mich elfengleich ins Auto zu wuchten, nach Hause zu rasen, meine Gebeine in die „Könnendreckigwerdenweilsieschondreckigsind-Jeans“ zu quetschen, das Riesenzottelvieh von Hund, welches wohlgemerkt schon mit zusammengekniffenen Hinterbeinen und vorwurfsvollem Hundeblick vor der TĂŒr steht, zu schnappen und mindestens eine halbe Stunde im strömenden Regen ĂŒber matschige Feldwege zu schlurfen.

Wer zum Henker wollte einen Hund? Ich!

Die den Hundebesitzern schmackhaft servierte kĂŒnftige Bewegungsfreude stellt sich bei schönem Wetter ein. Ansonsten artet es zwei- bis dreimal tĂ€glich eher in Bewegungszwang aus.
Bei der RĂŒckkehr stelle ich fest: Das Hundetrockenrubbel-Tuch ist noch vom Gassigang meines Mannes am Vormittag klitschnass. Egal, dieses Mal tut es das noch und der Rest vom Feld fĂ€llt dann eben im Laufe des Tages in der Wohnung ab. Also rubbele ich Socke, den Hund, trocken.

Nun ja, vielmehr vermische ich den Matsch gleichmĂ€ĂŸig mit dem nassen Fell und bilde mir nur ein, es wĂ€re halbwegs sauber. Dann schĂ€le ich mich aus den nassen Jeans, stelle die Gummistiefel in die Tropfschale, werfe ein trĂ€nendes Auge auf meine Joggingschuhe, gebe dem Hund ein getrocknetes Schweineohr, weil er so schön Gassi im Regen war und versuche, mich selbst ebenfalls trocken und sauber zu bekommen. Danach genehmige ich mir etwas Schokolade. Weil ich so schön Gassi im Regen war!

Wie war das nochmal? Es gibt kein schlechtes Wetter …

Es gibt kein schlechtes Wetter, es gibt nur schlechte Kleidung. Recht haben sie, die Optimisten. In diesem Falle gehöre ich definitiv nicht dazu. Auch gute Kleidung wird dreckig und nass und muss gewaschen werden. Gute Kleidung darf man nicht mal in den Trockner geben. Ich bin kein Pessimist – nur ein bisschen unter permanentem Zeitdruck.

Seit Socke ticken bei uns die Uhren anders. Der Hund muss raus, komme was wolle. Keine Lust, schlechtes Wetter, Schneesturm, Hagel, gebrochenes Bein oder Menstruationsweltschmerz. Egal.
Meine GĂŒte! Vorhin waren es noch Profits and Losts. Dann Matsch und PfĂŒtzen.

Was sind wir berufstĂ€tige MĂŒtter doch fĂŒr Allrounder! Tausendsassas, Alleskönner, eierlegende WollmilchsĂ€ue, stets flexibel und einsatzbereit, nie krank – und wenn doch, dann wird dieser unliebsame Zwischenfall auf Termin zwischen Elternabend und „Anpassen der Zahnspange“ gelegt. NatĂŒrlich erst nach dem BĂŒro, dem Gassigang, dem Mittagessen; nach dem tĂ€glichen Hausaufgabenterror – das heißt, wenn dann noch Zeit bleibt. Also eigentlich nie. Wir sind nur wĂ€hrend des Schlafens krank und da schlafen wir uns gesund.

Manchmal kommt es auf den Hormonzustand an

Wie dem auch sei: Wir lieben Socke. Ohne ihn wĂŒrde etwas fehlen. Die nie versiegende Flut von Hundehaaren, welche ganzjĂ€hrig aus dem Hund fĂ€llt. Die SabberfĂ€den, welche er beim SchĂŒtteln an WĂ€nden, Heizkörpern und KleidungsstĂŒcken verteilt. Diese Dinge nehme ich je nach Hormonzustand mehr oder weniger gelassen hin.

Immer wieder schön: Er freut sich wie Bolle, wenn ich zurĂŒckkehre, nachdem ich nur kurz den MĂŒll raus gebracht habe. Gemeinsam erkunden wir unbekannte Pfade im Odenwald und im Winter zieht er unsere Tochter mit dem Bob ĂŒber schneebedeckte Wege. Socke ist ein fester Bestandteil unserer Familie, Joggingpartner, Freund, Clown und BeschĂŒtzer. Socke ist nicht mehr wegzudenken.

Und nach einem Spaziergang im Dauerregen denke ich mir: “Ohne Socke wĂ€re ich bei dem Sauwetter garantiert nicht raus gegangen.“ Was soll ich sagen? Auch ein Spaziergang im Regen hat was.

Danke Socke!

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Mariettas Kolumne: Einmal Haustier, bitte!


Guten Tag!

4. April 2011. VerlĂ€uft das Leben gleichmĂ€ĂŸig und ohne große Überraschungen, wiegt man sich in Sicherheit. So kann es bleiben, so ist es gut. Gelegentlich jedoch wird der Mensch leichtsinnig und setzt die geliebte Ordnung aufs Spiel. Beispielsweise dann, wenn Kinder vorhanden sind und man plötzlich auf den Hund kommt.

Von Marietta Herzberger

Die grundsĂ€tzliche Aussage, welche nach zwölf Jahren tierloser Ehe zu treffen ist, und bis heute unverrĂŒckbare GĂŒltigkeit hat und von mir niemals in Frage gestellt wurde, ist folgende: Ich bin eine glĂŒckliche Ehefrau. Mein Mann ist nicht einfach nur mein Mann, sondern auch Partner, guter Freund und gelegentlich auch Leidensgenosse. Aber das ist eine andere Geschichte. Wir sind ein eingespieltes Team und stolze Eltern eines liebreizenden, gelegentlich aufmĂŒpfigen Kindes mit Namen Ella.

Wir bewohnen ein Haus im behaglichen Weinheim. Ruhige Lage und erstrebenswerte SpucknĂ€he zur Autobahn inklusive. Möchte ich mit der Straßenbahn fahren, benötigt es lediglich ein paar leichtfĂŒĂŸige Schritte rechts aus unserer HaustĂŒre heraus und —  rein ins GefĂ€hrt.

Zur Bushaltestelle wende ich mich leicht nach links. Das ist praktisch. Nur nachts nicht. Da nĂ€mlich stört das Bimmeln der OEG-Ampel-Warnanlage, das uns alle halbe Stunde mitteilt, dass die Zeit bis zum Weckerklingeln nahe rĂŒckt. Wir haben uns daran gewöhnt und schlafen mit Ohrstöpseln. Das blecherne Surren der Schranke, das ertönt, wenn sich diese herablĂ€sst und nach einigen Minuten- untermalt vom Bimmeln – wieder öffnet, versuchen wir noch irgendwie in unsere TrĂ€ume einzubauen.

TrÀume vom Transsibirien-Express

In einer dieser schlaflosen NĂ€chte hatte mein Mann die rettende Idee: „Schatz, lass uns vom Transsibieren-Express trĂ€umen. Da lĂ€sst sich das Bimmeln so schön einbetten.“ Ich fand „einbetten“ gut und passend. Seitdem steigen wir ab Einbruch der Dunkelheit beseligt ins Bett und treten unsere gemeinsame Reise an, bis es wieder hell wird.

Unsere Nachbarn sind grĂ¶ĂŸtenteils netter, aufgerĂ€umter Durchschnitt und jeder pflegt seinen kleinen Reihenhausgarten mit Hingabe ohne bieder zu sein. Nein, nicht ganz. Am Ende der Straße wohnt ein Ă€lteres Ehepaar. Dieses ist stolzer Besitzer eines ĂŒbersichtlichen, mit Inbrunst gepflegten Vorgartens, der sicherlich drei BierkĂ€sten fasst und geometrisch einwandfrei mit kleinen, akkurat rund geschnittenen BuchsbaumkĂŒgelchen bestĂŒckt ist.

Damit dieses Kunstwerk niemand zerstört, wurde ein Stahlzaun in unauffĂ€lligem Braun, welches vorzĂŒglich mit dem Altrosa des Hauses harmoniert, darum gezogen. Aber auch diese Nachbarn sind angenehm höflich und bis auf den Gartenzaun noch nicht straffĂ€llig geworden.

Kommt Zeit, kommt Wandel

Auf den Hund gekommen?

Wir sind also, wie schon gesagt, eine glĂŒckliche, kleine Familie. Ganz die Norm, nichts Außergewöhnliches. Nett, normal, beruhigend.

„Ihr seid so herrlich normal“, beneidete mich jĂŒngst eine Freundin. Ich gebe ihr Recht. Allerdings hat sie nett und beruhigend vergessen. Bei Gelegenheit werde ich sie darauf ansprechen.

Doch zu einer Zeit des Wandels bestimmte meine kleine sanfte Tochter unerwartet energisch: „Mama, ich will ein Haustier!“

So ist das eben. Wenn die Zeiten pÀdagogisch wertvollen Spielzeugs vorbei sind, sucht man nach anderen Dingen.

Diverse Forschungen belegen, dass Kinder mit Haustieren, vor allem mit Hunden, ĂŒber eine grĂ¶ĂŸere soziale Kompetenz verfĂŒgen und schneller bereit sind, Verantwortung zu ĂŒbernehmen, als Kinder ohne direkten Tierbezug.

Sie sind meist bewegungsfreudiger, zugleich ruhiger und ausgeglichener. Sie sind also zu Unzeiten gedĂ€mpft aktiv und das kann bisweilen erstrebenswert sein. Außerdem ist erwiesen: Einzelkinder können vereinzelt Defizite im Sozialverhalten aufweisen. Auch reiben sie sich nicht an Geschwistern, sondern an den Eltern, vorzugsweise an der Mutter. Im Prinzip war ich bereits ĂŒberredet.

„Und was schwebt dir da vor?“ wollte ich von meinem blauĂ€ugigen Kind wissen.
„Ein Pferd!“
„Ein Pferd ist kein Haustier!“ widersprach eine mĂ€nnliche Stimme hinter dem Computer.
„Ist es doch! Es kann im Garten leben!“

„Wie wĂ€re es mit einer Katze?“ warf ich ablenkend in die Runde. „Schatz!“, vorwurfsvoll wandte sich der Vater unserer-  Tochter mir zu, „du weißt, dass ich allergisch gegen Katzen, Hasen und Meerschweinchen bin-۩!“

„Mir egal!“ brĂŒllte es jetzt von dem tierlosen Einzelkind, „Ich (!) bin aber nicht algerisch! Papa kann ja ausziehen!“
„Ich ziehe nirgendwo hin. Soweit kommt es noch-€©!“

Schmollend pulte unser kleiner Sonnenschein mit dem großen Zeh Löcher in den Teppich. WĂ€hrend ich verzweifelt grĂŒbelte, welcher tierische Artgenosse in Frage kommen könnte, zupfte mich etwas am Ärmel.

„Wenn Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“

„Du Mama, wenn der Papa tot ist, krieg ich dann einen Hasen?“
„Ja klar, dann kriegst du einen Hasen, SĂŒĂŸe.“

Mein Herzblatt schaute mich dankbar an. Warum? Was hatte ich gerade gesagt? Was lautete noch gleich ihre Frage? Katze? Hase? Wer ist tot? „Papa?“, sĂ€uselte unser Liebchen zart, „wann stirbst du denn?“

„Du stirbst?“, irgendwie hatte ich den Faden verloren. Ella schaute ihren Vater durchdringend an. Ja, fast schon hypnotisch. Offenbar erwartete sie nun, dass ihr Erzeuger tot vom Stuhl fallen wĂŒrde. Der beschloss jedoch spontan, jetzt noch nicht abzutreten, trat stattdessen zu uns an den Tisch und gab seinem Unmut lautstark Raum: „Seid ihr noch zu retten!?“

Ich versuchte, das GesprĂ€ch weg von Tod und Teufel auf ein anderes Gleis zu lenken: „Ein Fisch wĂ€re toll, oder? So ein Nemo in einem Glas“, und lĂ€chelte gleichzeitig versöhnlich meinem Mann zu: War nicht so gemeint, verzeihst du mir?

„Nemo ist doof!“
„Eine Maus“, kam der mĂ€nnliche Vorschlag. Er zwinkerte zurĂŒck: Weiß ich doch, schon okay.
„Maus ist auch doof!“
„Hamster?“, warf ich trĂ€ge in die Runde.
„Total blöd!“

Eine Weile saßen wir uns schweigend gegenĂŒber und suchten nach Alternativen. Doch weder Fußboden, Geheimschublade noch Zimmerdecke gaben etwas Brauchbares her. Schließlich, sich endlos ziehende zweieinhalb Minuten spĂ€ter, fand unsere Tochter als erste eine neue Idee: „Ein Hund?“ Sie verblĂŒffte mich mit ihrer Raffinesse, die sie natĂŒrlich von mir hat, und richtete diese Frage mit engelsgleichem Blick an ihren Vater: „Einen Hund, Papa. Bitte, bitte, bitte.“

FĂŒnfundzwanzigtausend Mal „Bitte“

Alle „Bittes“ hier aufzuzĂ€hlen wĂŒrde zu weit fĂŒhren, also belasse ich es bei drei. Es waren aber deutlich mehr. GefĂŒhlte FĂŒnfundzwanzigtausend.

Mein Mann und ich schauten uns skeptisch an. Ein Hund. Dreimal am Tag Gassi. Fusselige Haare im ganzen Haus. Ein dreck- und fellverlierendes, sabberndes Betteltier, welches unserer klinisch reinen Ella genießerisch das Gesicht ableckt, wenn wir gerade nicht hinsehen? Konnten wir uns vorstellen, gelassen und heiter zu bleiben, wenn unser Goldlöckchen eintrĂ€chtig mit einem verfressenen KlĂ€ffer vor dem Napf sitzen wĂŒrde und die beiden sich das Trockenfutter teilen? Und ĂŒberhaupt, was so was kostet!

In stiller Übereinkunft nickten wir uns zu. Wer von uns wĂŒrde den, nach sorgfĂ€ltigem AbwĂ€gen getroffenen Beschluss dem kleinen, voll banger Erwartung erstarrten Wesen ĂŒberbringen?

Seufzend falteten wir die HĂ€nde. Ellas Augen wuchsen auf die GrĂ¶ĂŸe von Billardkugeln. Sie krallte sich in die Stuhllehne, wĂ€hrend sie heiser flĂŒsterte:“ Ein Hund-۩bitte-۩ein kleiner Hund-۩nicht viel-۩.sooo klein!“ Sie formte mit ihren HĂ€nden und Fingern sowas in der GrĂ¶ĂŸe wirklich sehr, sehr kleinen Hundes.

„Also, wenn, dann ein richtiger Hund! Mit so einer Straßenratte kann ich nichts anfangen“, brummte mein geliebter, weiser Mann und zwinkerte unserem siebenjĂ€hrigen Wonneproppen zu.

Ich richtete mich zu voller SitzgrĂ¶ĂŸe auf, um dem Begeisterungsturm standhalten zu können, der nun eigentlich folgen musste. Gespannte Vorfreude ließ uns Eltern erzittern. Gleich wĂŒrde sie uns um den Hals fallen, FreudentrĂ€nen ihre unverdorbenen Wangen benĂ€ssen.

„Ich dachte schon, ihr könnt euch nie entscheiden“, unser ausgesprochen wohlgeratener Sprössling verdrehte kurz die Augen, sprachs, stand auf und stellte ungerĂŒhrt fest: „ Ich hab Hunger. Wann gibt-€ℱs Essen?“
„Gleich!“, hauchte ich mĂŒtterlich gefasst.
„Was gibt es denn?“
„Hot Dogs!“

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!

Mariettas Kolumne

Von kleinen Zielen und großer Erschöpfung

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Guten Tag!

Rhein-Neckar, 28. Februar 2011. Marietta hat sich fĂŒr’s Neue Jahr vorgenommen, sich kleinere Zielen zu stecken und vor allem Gelassenheit zu ĂŒben. Das wurde auf eine harte Probe gestellt.

Von Marietta Herzberger

Das Neue Jahr ist ja schon einige Zeit alt und ich habe Gabis Ratschlag, sich kleine Ziele zu setzen, bis jetzt erfolgreich umgesetzt.

Und siehe da: Es funktioniert. Ein kleines Ziel seit diesem Jahr ist fĂŒr mich: Gelassenheit ĂŒben. Nur nicht ĂŒber Nichtigkeiten aufregen. Ein weiteres ist, große Ziele in viele kleine aufzuteilen.

Der Weg ist das Ziel.

FrĂŒher sagte ich mir: „Marietta, wenn du die zehn Kilometer nicht in 6 Minuten 30 pro Kilometer lĂ€ufst, bist du ein Loser. Das muss drin sein.“ Das Resultat war stĂ€ndige Frustration.

Heute laufe ich entspannt zwei bis dreimal fĂŒnf Kilometer die Woche oder auch nur einmal drei Kilometer oder gar nicht – wie gesagt – kleine Ziele. Dabei fĂŒhle ich mich gut. Gerade letzte Woche haben mich zwei ĂŒbergewichtige Walker ĂŒberholt. Egal. Der Weg ist das Ziel und falscher Ehrgeiz die Bremse dahin. Der Berg ist hoch.

UnlĂ€ngst absolvierte ich meine gemĂŒtliche Runde im „Own-Zone-Bereich“, da lachte mich bei Kilometer FĂŒnf eine aparte GrĂŒnflĂ€che mit zwei ParkbĂ€nken an. Ach, dachte ich, da findest du jetzt einen Moment zu dir selbst, und ließ mich auf einer der beiden BĂ€nke nieder.

Die Schaukel, das KlettergerĂŒst und die Wippe störten mich nicht. Auch nicht die beiden kleinen, gar niedlich anzusehenden Kinder, welche friedlich nebeneinander im Sandkasten spielten. Vier Jahre alt mochten sie sein, vielleicht auch fĂŒnf.

Ein MĂ€dchen, blond gelockt wie ein Engel. Ein Junge, frecher Haarschnitt, kecke Nase, blaue Latzhose und rotes Halstuch. Niedlich! Sie hĂ€uften Sand auf, gruben Löcher, hĂ€uften Sand auf und gruben Löcher. Hach, Kinder! Meine Tochter ist schon so groß.

Das Leben ist einfach und schön.

Ihre MĂŒtter saßen auf der anderen Parkbank nebeneinander, still und im Anblick auf ihre Nachkommenschaft vertieft. Die blonde, dauergewellte, etwas fĂŒlligere Dame gehörte dem Äußeren nach wohl zu dem kleinen Engelchen.

Die rothaarige Mittdreißigerin wahrscheinlich zu dem Jungen. Soweit ich erkennen konnte, hatte sie die Augen geschlossen. Wahrscheinlich war sie vor lauter Entspannung eingenickt. Das Leben ist einfach und schön.

Es war ein Idyll der Ruhe und Entspannung. Genau das brauchte ich jetzt. Der Lauf hatte mich doch etwas erschöpft. Die Sonne kam heraus. Ich schloss meine Augen und döste gelöst vor mich hin.

„Meine Schaufel, du Loch!“ Ich öffnete ein Auge.

„Nein, die rote ist doch meine. Dir ist die gelbe“, sagte der kleine Junge kleinlaut und zeigte auf eine gelbe Schaufel, die einsam im Sand lag.

„Piss dich, du Arsch!“

Ich öffnete das andere Auge. Kamen diese unflÀtigen Worte von dem putzigen MÀdchen?

BlauĂ€ugig, blondgelockt und rosige BĂ€ckchen? Mein Blick erhaschte Unfassbares. Die kleine SĂŒĂŸe hatte sich in eine Furie verwandelt.

HasserfĂŒllt schaute sie den Jungen an; die blonde MĂ€hne hing ihr wirr ins vor Wut gerötete Gesicht, wĂ€hrend sie fleißig dabei war, ihrem Gegenspieler etwas Rotes aus den HĂ€nden zu reißen.

Mit Erfolg. Doch damit war dem noch kein Ende gesetzt. Das Herzchen begann, wild mit der Schaufel auf den Jungen einzudreschen. Der wiederum versuchte erfolglos, sich zu wehren.

Ich lass mich nicht aus der Ruhe bringen.

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft und ĂŒbte mich in Gelassenheit. Kinder, dachte ich.

Jaja, die Mama wird das schon regeln und helfend einspringen.

Ich beschloss, mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen und senkte meine Lider wieder hinab.

„Naomi“, ertönte es donnerschlaglaut von nebenan, „lass den verdammten Balg in Ruh-ÂŽ.“

Mein Idyll verabschiedete sich und ging schon mal heim.

Die kleine Blonde hatte jedoch nicht die Absicht, aufzuhören. Nun folgte eine etwas massivere, gar dröhnende Aufforderung: “Naomi Schwöbel, hĂ€r soford uff oder isch knall dir Ă€ni!“

Erziehung wird hier ĂŒber Zuruf geregelt.

Offenbar regelt man hier die Erziehung ĂŒber Zuruf. Die Dame dachte nĂ€mlich nicht daran, aufzustehen, lehnte sich zurĂŒck und zĂŒndete sich erst einmal eine Zigarette an.

In diesem Moment wachte wohl ihre Banknachbarin auf, erkannte die prekÀre Situation sofort und eilte zu ihrem Sohn.

Löckchen hieb immer noch auf den Kleinen ein und schrie dabei wiederholt: „Meine Schaufel. Meine Schaufel.“

Die Mutter des Jungen nahm dem kleinen Biest die Schaufel weg und zog ihren Sohn aus der Gefahrenzone. WĂ€hrend sie ihrem Sprössling den Sand aus dem Mund pulte, wandte sie sich halb zu Mutter Schwöbel um und sagte folgende Worte: „Ich glaube nicht, dass es gut ist, wenn mein Lars-Olaf weiterhin mit ihrer Tochter spielt.“

Wie gesagt, ich war sehr erschöpft. Zu erschöpft, um mich zu erheben. Vielleicht aber auch zu neugierig, um zu gehen. Es versprach, interessant zu werden.

Mama Schwöbel wurde verdĂ€chtig rot im Gesicht und stĂŒrzte sich gleich darauf mit Kriegsgeheul auf Lars-Olafs Erziehungsberechtigte. Diese ließ ĂŒberrumpelt die Schaufel fallen und von ihrem Kind ab. Die kleine blonde Bratze saß im Sand und schrie nach ihrer roten Schaufel.

Das war ein Gewusel und Gemenge vor dem Herrn. Irgendwann hatte Engelchen die rote Schaufel wieder und Lars-Olaf saß gefesselt und geknebelt auf der Wippe. Die alte Schwöbel kniete auf der Rothaarigen und war gerade dabei, deren Aufbegehren mit Sand zu ersticken. Sie nahm dazu die gelbe Schaufel. Die rote hatte ja ihre Tochter.

Nun, ich war immer noch sehr erschöpft. Voller Vertrauen auf die Vernunft und Weitsicht erwachsener Menschen, atmete ich tief durch. Der Berg ist hoch. Übe Gelassenheit.

Jemand musste wohl die Polizei gerufen haben. Ich hörte das typische Sirenengeheul. Aber da war ich schon lÀngst zu Hause.

Marietta Herzberger.

Anmerkung der Redaktion: Marietta Herzberger lebt in Weinheim und schreibt in ihren Kolumnen ĂŒber den ganz normalen Wahnsinn des Alltags. Erfundene Geschichten, in denen doch das eine oder andere wahr ist. Die Personen gibt es meistens, manchmal nicht. Mal ist es, wie beschrieben, mal gnadenlos ĂŒberzogen. Es sind keine „journalistischen“ Texte mit dem Anspruch auf Faktentreue, sondern Lesetext mit dem Ziel, Lesefreude zu verbreiten. Sie hat jede Menge Weisheiten gerne, zwei sind: „Machen Sie sich erst einmal unbeliebt, dann werden Sie auch ernst genommen“ – Konrad Adenauer. Und: „Wer kĂ€mpft, kann verlieren. Wer nicht kĂ€mpft, hat schon verloren“ – Bertolt Brecht. Wir begrĂŒĂŸen sie herzlich und freuen uns auf die Zusammenarbeit. Wir wĂŒnschen unseren Lesern viel Lesespaß mit ihren Texten!