Donnerstag, 13. Juni 2019

Landrat Stefan Dallinger ĂŒber Verkehrsprobleme und kĂŒnftige Chancen

Keine WindrĂ€der oder Umgehung, aber vielleicht „Weinheim SĂŒd“

Hirschberg, 07. Oktober 2012. (red/la) Viel konnte Landrat Stefan Dallinger den Hirschbergern nicht versprechen. Weder bei den Ampelschaltungen oder der Umgehungsstraße gab es gute Nachrichten von seiner Seite. Einen Hoffnungsschimmer sah er beim Autobahnanschluss Weinheim SĂŒd. Nur die Gegner von Windkraftanlagen konnten erfreut nach Hause gehen.

Als Landrat Stefan Dallinger (CDU) am Donnerstag auf Einladung der Freien WĂ€hler (FW) ĂŒber „aktuelle Kreisprobleme“ sprechen wollte, musste „angebaut“ werden. Im Anbau der Alten Turnhalle reichten die Tische und StĂŒhle anfangs nicht fĂŒr die Besucher aus, die hören wollten, welche Antworten der Hirschberger Dallinger auf die Fragen seiner MitbĂŒrger mitgebracht hatte.

Das grĂ¶ĂŸte Grummeln erzeugt bei den BĂŒrgern die viel zu langen Rotphasen der Ampeln in manchen Seitenstraßen. Der Landrat zeigte zwar VerstĂ€ndnis, betonte aber, dass sich daran in Zukunft wenig Ă€ndern werde. Das bisherige Ampelschaltsystem sei ausgereizt. Leichte Anpassungen seien zwar möglich, eine grundlegende VerĂ€nderung jedoch nicht. Das liege zum einen an der Pförtnerfunktion der Ampeln an den OrtseingĂ€ngen und zum anderen an den kĂŒrzeren Takten der „OEG“.

Allerdings haben wir einen Stand erreicht, der als befriedigend erachtet werden kann.

Das quittierten einige Zuhörer mit einem deutlichen „Nein!“. Die Anforderung des Signals durch die „OEG“ könne man nicht beeinflussen.

In Heidelberg Straßenbahn, in Hirschberg Eisenbahn

Ein BĂŒrger fragte, ob man nicht einfach die Schranken abbauen könne. Die „OEG“ komme im Heidelberger Stadtgebiet ohne Schranken aus. Warum also mĂŒssen in Hirschberg ĂŒberall Schranken sein?

Dallinger gab eine verblĂŒffende Antwort:

In Heidelberg fĂ€hrt die „OEG“ als Straßenbahn, hier als Eisenbahn. Bei Eisenbahnen sind andere Vorschriften und auch Schließzeiten vorgegeben. Die gibt das Eisenbahnbundesamt vor. Da wird es keinen großen Wurf mehr geben.

Dass die Ampeln in den Seitenstraßen nur schlecht berĂŒcksichtigt werden, wisse er als Großsachsener nur allzu gut.

Ich kann keine große Hoffnungen machen, dass sich die Ampelschaltungen grundsĂ€tzlich Ă€ndern. Wenn wir Verbesserungen erkennen, werden wir das natĂŒrlich Ă€ndern. Wenn sie VorschlĂ€ge haben, sagen sie es mir. Wenn wir nur den Hauch einer Chance sehen, dann versuchen wir das.

Windkraftanlagen lohnen sich hier nicht

Die Gegner von Windanlagen konnte Dallinger beruhigen: Er glaube nicht daran, dass an der Hangkante Windkraftlagen entstehen werden. Hirschberg besitze keine dafĂŒr wirtschaftlich geeigneten FlĂ€chen.

Zudem gĂ€be es in der Region viele Landschaftsschutzgebiete. Bevor hier Windkraftwerke gebaut wĂŒrden, mĂŒsse man erst die örtlichen Landschaftsschutzgebietsverordnungen Ă€ndern: „Es lohnt sich nicht und wird keine Mehrheit finden“, sagte er.

Die von vielen gewĂŒnschte Umgehungsstraße wird wohl auch nicht kommen. Aus dem Verkehrsministerium habe Dallinger erfahren, dass der Bau nur möglich sei, wenn es Zuschussgelder dafĂŒr gĂ€be. „Ich sehe im Moment niemanden, der Geld fĂŒr diese Straße ausgibt“, sagte er.

Der Bund fahre seine Ausgaben zurĂŒck und das Land nehme derzeit nicht mal AntrĂ€ge fĂŒr ZuschĂŒsse entgegen. Es gebe jedoch einen „zarten Hoffnungsschimmer“ beim Autobahnanschluss Weinheim-SĂŒd:

Der Anschluss wĂŒrde viel Verkehr aus Hirschberg nehmen. Doch das geht nur mit einem großen regionalen Schulterschluss. Dieses Ziel muss gemeinsam verfolgt werden. Der Kampf lohnt sich, wenn sich die Raumschaft einig ist.

Freuen wĂŒrde er sich ĂŒber den sechsspurigen Ausbau der A5. Schon jetzt wĂ€re es möglich in Hauptverkehrszeiten den Verkehr zu entlasten, indem der Randstreifen freigeben werde. Am besten sei ein leistungsfĂ€higer Ausbau der A5 inklusive Abfahrt Weinheim SĂŒd. Allerdings stĂŒnde Heddesheim der Abfahrt reserviert gegenĂŒber, weil sie damit FlĂ€chen verlieren wĂŒrden. „Da mĂŒssen wir miteinander reden“, sagt der Landrat.

Mehr BauflÀche und trotzdem kein Wachstum

Die Bevölkerungsentwicklung sehe im ganzen Kreis momentan noch erfreulich aus. „Aber wir merken das Älterwerden der Bevölkerung langsam“, sagte Dallinger. Wenn Gemeinden ihr Bevölkerungsvolumen halten wollen, brĂ€uchten sie BauflĂ€che. Jedoch bedeute mehr WohnflĂ€che nicht automatisch Bevölkerungswachstum, sondern wahrscheinlich nur, dass man den aktuellen Stand erhĂ€lt.

Der Grund: FrĂŒher wohnten Familien in Wohnungen, heute werde das Einfamilienhaus der Standard. Der Bedarf von WohnflĂ€che fĂŒr jeden einzelnen steigt, auch wenn mehr FlĂ€che ausgewiesen wird. Das fĂŒhre zu einem weiteren Problem: mehr FlĂ€chenverbrauch. Sicher sei, dass die Gesellschaft langsam „deutlich Ă€lter und bunter“ werde. „Da sind aber auch Chancen drin“, sagte Dallinger. Auch die Erweiterung des Gewerbeparks wĂŒrde Chancen eröffnen:

Das sind hochwertvolle 1A-FlÀchen entlang der Verkehrsachsen mitten im Ballungsraum der Metropolregion. Mein Wunsch wÀre, dass Sie darauf achten, dass dort keine Spielhallen oder McDonalds untergebracht werden.

Mit dem Rat kommt er zu spÀt. Beides gibt es bereits vor Ort.