Sonntag, 16. Juni 2019

Polizei fasst den geflohenen StraftĂ€ter Andrej Welz – große Erleichterung


Rhein-Neckar, 09. Mai 2011 (red/pol) Die Polizei hat den flĂŒchtigen StraftĂ€ter (Mord/Vergewaltigung) Andrej Welz gefasst. Der aus einer Psychatrischen Klinik in Wiesloch entflohene HĂ€ftling kam auf einem vermutlich gestohlenen Fahrrad nur zwölf Kilometer weit bis nach Zuzenhausen. Der Mann gilt als extrem gewaltbereit und wurde von einem Großaufgebot der Polizei gesucht. Dabei kamen auch Hubschrauber, WĂ€rmebildkameras und Suchhunde zum Einsatz.

Von Hardy Prothmann

Der als „Taximörder“ bekannt gewordene Gewaltverbrecher Andrej Welz hatte im vergangenen Jahr eine Taxifahrerin in Hagnau am Bodensee erstochen und eine weitere Taxifahrerin mit einem Messer schwer verletzt und vergewaltigt.

Aus bislang unbekannten GrĂŒnden gelang dem Mann am 07. Mai 2011 gegen 10:30 Uhr die Flucht aus dem Psychiatrischen Zentrum Nordbaden in Wiesloch. Die Polizei fahndete mit einem Großaufgebot nach dem als extrem gefĂ€hrlich eingestuften 29-jĂ€hrigen Mann.

Am vergangenen Abend fahndeten 40 EinsatzkrĂ€fte der Kriminalpolizei, der Schutzpolizei und drei Zielfahnder des Landeskriminalamts im Gebiet, „um den Fahnungsdruck zu erhöhen“, wie Uwe Ostertag, PolizeifĂŒhrer vom Dienst auf Nachfrage sagte. Die Heidelberger Polizeidirektion wurde dabei von zehn Beamten des Mannheimer PolizeiprĂ€sidiums unterstĂŒtzt.

Mit diesem Fahrrad war der entflohene Gewaltverbrecher unterwegs, bis in eine Zivilstreife stoppte. Bild: Polizei

Der „Druck“ wurde aber nicht durch erkennbare „PolizeiprĂ€senz“ erhöht, sondern eher intern und gleichzeitig öffentlich. Der als extrem gewaltbereit eingestufte Mann wurde nach seiner Flucht selbstverstĂ€ndlich in der Bevölkerung als hohes Sicherheitsrisiko eingestuft. Der Sondereinsatz der Polizei sollte diese Bedrohung möglichst schnell durch einen erfolgreichen Einsatz beenden.

Im Video erklÀrt Polizeisprecher Harald Kurzer die Fahnung. Wir zeigen exklusive Bilder vom StraftÀter.

Dabei kamen auch Polizeihubschrauber mit WĂ€rmebildkameras zum Einsatz sowie Suchhunde. Gegen 22:30 Uhr fiel einer Zivilstreife ein Fahrradfahrer in der Horrenberger Straße in Zuzenhausen auf: „Um diese Uhrzeit sind nicht mehr so viele Fahrradfahrer unterwegs“, sagte PolizeifĂŒhrer Ostergag gegenĂŒber unserer Redaktion. Als die Beamten den Mann verfolgten, zeigte er offensichtlich einen Fluchtimpuls und wurde durch das Polizeifahrzeug durch eine gezielte Kollission gestoppt.

Eine „kniffelige Angelegenheit“ mit hoher Verletzungsgefahr. Andrej Welz kam mit SchĂŒrfwunden davon. Zielfahnder, die mit dem Fall befasst waren, haben den Mann vor Ort identifiziert. Danach wurde er zu einer Ă€rztlichen Versorgung in eine Klinik nach Heidelberg verbracht und danach nach Wiesloch in das Psychiatrische Zentrum Nordbaden. „Er ist jetzt wieder in Gewahrsam“, sagte Herr Ostertag.

Ob bereits eine Vernehmung stattgefunden hat, konnte nicht beantwortet werden. Die Polizei hatte diverse Warnungen an die Öffentlichkeit gegeben – insbesondere an Taxi-Unternehmen.

In der Gegend wurden eine Reihe von GartenhauseinbrĂŒchen gemeldet. Ob Andrej Welz dafĂŒr verantworlich ist, wird noch ermittelt. Ebenso, woher das vermutlich gestohlene Fahrrad stammt.

Völlig unklar ist bislang, wie der StraftĂ€ter entkommen und sogar die Fussfesseln entfernen konnte: „Auch das ist Gegenstand der Ermittlungen“, sagte PolizeifĂŒhrer Ostertag.

Soviel steht fest: Die Polizei hat ihre Fahndung erfolgreich beendet – aber das Psychiatrische Zentrum Nordbaden wird sich unangenehme Fragen gefallen lassen mĂŒssen. Denn bislang gibt es von dieser Seite keine vernĂŒnftige ErklĂ€rung, wieso ein psychisch kranker Gewaltverbrecher allem Anschein nach relativ einfach ausbrechen konnte.

Nach Flucht gefasst: Andrej Welz. Bild: Polizei

Spekulationen diverser Medien, ob der HĂ€ftling „Hilfe“ hatte, dĂŒrften sich als absurd erweisen. Die Fragen, wie ein als gefĂ€hrlich eingestufter Mann relativ einfach entkommen konnte, dĂŒften aber sehr dringend sein.

Gemeinsame Mitteilung der Polizeidirektion Heidelberg und des LKA Baden-WĂŒrttemberg:

„ZivilkrĂ€fte der Heidelberger Kriminalpolizei haben den am Samstagmorgen aus der geschlossen Abteilung des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden geflohenen Andrej Welz in der Nacht zum Montag in Zuzenhausen/Rhein-Neckar-Kreis festgenommen.

Welz war mit einem Fahrrad die Horrenberger Straße in Richtung B 45 (Ortsmitte) gefahren, als ihn die Streife gegen 22.35 Uhr erkannte und nach einer kurzen Verfolgungsfahrt festnahm. Zielfahnder des Landeskriminalamtes Baden-WĂŒrttemberg, denen Welz aufgrund der Fahndung im vergangenen Jahr persönlich bekannt ist, identifizierten ihn noch vor Ort.

Welz ist verletzt und wird derzeit unter polizeilicher Bewachung in einer Heidelberger Klinik untersucht.“

Hier wurde der flĂŒchtige StraftĂ€ter gefasst:

GrĂ¶ĂŸere Kartenansicht

„Taximörder“ aus geschlossener psychiatrischer Unterbringung geflohen


Wiesloch/Rhein-Neckar, 07. Mai 2011 (red/pol) (Aktualisiert) Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot nach dem verurteilten StraftĂ€ter Andrej Welz (29). Der Mann wird als hochgefĂ€hrlich eingestuft. Die Polizei ruft die Bevölkerung auf, den Kontakt zu meiden und keine Anhalter mitzunehmen.

Information der Polizeidirektion Heidelberg:

Die Polizei fahndet nach dem hochgefÀhrlichen entflohenen StraftÀter Andrej Welz. Der Mann soll die Haare etwas lÀnger aus auf dem Bild tragen. Zeugenhinweise unter Notruf an 110. Bild: pol

„Seit Samstagmorgen fahndet die Polizei mit starken KrĂ€ften nach dem 29-jĂ€hriger Andrej Welz. Mehr als 60 Fahndungsbeamte in Uniform und zivil suchen im nĂ€heren und weiteren Bereich um das Psychiatrische Zentrum Nordbaden (PZN) Wiesloch, u.a. mit UnterstĂŒtzung von Suchhunden und eines Polizeihubschraubers.

Welzist nach derzeitigem Sachstand offensichtlich bei einem Hofgang (alleine, in Fußfesseln) gegen 10.30 Uhr die Flucht aus der geschlossenen Forensik des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden (PZN) Wiesloch gelungen.

Beschreibung: Welz ist 180 cm groß, auffallend grĂŒne Augen, rundes Gesicht (s. Foto – trĂ€gt allerdings derzeit seine Haare etwas lĂ€nger). Er ist bekleidet mit einem weißen/grauen T-Shirt und grauen langen Jogginghosen. Möglicherweise barfuß bzw. auffallendem Schuhwerk. Spricht deutsch mit erkennbar russi-
schem Akzent.

Er ist im Juni 2010 vom Landgericht Konstanz wegen Mordes im Zusammenhang mit Sexualdelikten zu lebenslanger Freiheitsstrafe und gem. § 63 StGB zur Unterbringung in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt verurteilt.

Nachdem lÀngere Zeit nicht klar war, ob er tatsÀchlich den geschlossenen Bereich der Forensik hat verlassen können, gingen gegen 17.00 Uhr zwei Zeugenhinweise ein, die einen Mann, bei dem die Personenbeschreibung auf Welz zutrifft, im Bereich nördlich des PZN (Richtung dortiger Stein-
bruch) gesehen haben.

Die FahndungskrÀfte wurden daraufhin noch einmal verstÀrkt; derzeit wird in diesem Bereich intensiv gefahndet.

Welz gilt als hoch gefĂ€hrlich, Hinweise erbittet die Polizei unter Notruf 110. Die Polizei rĂ€t, jeglichen direkten Kontakt mit Welz zu vermeiden und bittet Autofahrer erneut, keine Anhalter mit zu nehmen.“

Der als „Taximörder vom Bodensee“ titulierte Gewaltverbrecher wurde erst im Februar 2011 zu lebenslanger Haft verurteilt. Auf grund schwerer Persönlichkeitsstörungen, insbesondere krankhafte Sexualvorstellungen, erkannte ein Gutachter bei ihm eine verminderte SchuldfĂ€higkeit. Es wurde die Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik angeordnet.

Andrej Welz hatte im Juni 2010 eine Taxifahrerin in Hagnau am Bodensee erstochen. Einen Tag zuvor hatte er eine andere Taxifahrerin in Singen mit einem Messer brutal und lebensgefÀhrlich verletzt und sich an ihr vergangenen.

Aktualisiert, 08. Mai 2011:
„Trotz der auch ĂŒber die Nacht fortgesetzten Suchmaßnahmen von Landes- und Bundespolizei, bei der auch ein Polizeihubschrauber mit WĂ€rmebildkamera und Mantrailer-Hunde eingesetzt waren, konnte der Ausbrecher noch nicht dingfest gemacht werden.

Auch unter den bislang eingegangen 23 Hinweisen auf den Gesuchten befand sich noch keine heiße Spur. Die Fahndung nach Welz wird deshalb im Raum Wiesloch/Heidelberg mit unverminderter IntensitĂ€t fortgesetzt.

Da die Fahnder vermuten, dass sich Welz in Gartenhaussiedlungen mit Nahrung und neuer Kleidung versorgen könnte, werden auch mehrere gemeldete
GartenhauseinbrĂŒche ĂŒberprĂŒft sowie Gartenhausbesitzer sensibilisiert.

Außerdem werden alle Bahnhöfe und S-Bahn-Haltestellen, AutobahnraststĂ€tten und ParkplĂ€tze ĂŒberprĂŒft.“