Freitag, 07. Juni 2019

Lokaljournalismus 2.0

Vier Jahre Heddesheimblog: Wie aus Zufall ein System wurde

moma_prothmann

Hardy Prothmann, Chefredakteur, in einem Beitrag von ARD-Morgenmagazin zur Krise des Journalismus.

Heddesheim/Rhein-Neckar, 12. Mai 2013. Das Heddesheimblog.de und die anderen Ortsblogs gibt es nun seit vier Jahren – wir freuen uns sehr, dass wir diese vier Jahre ĂŒberstanden haben und uns vor Ort, in der Region und sogar darĂŒber hinaus etablieren konnten. Ein Blick zurĂŒck ist immer auch einer nach vorne. [Weiterlesen…]

In eigener Sache: Große Aufmerksamkeit fĂŒr "kleine" Angebote

„Der Klassiker Heddesheimblog…“

Hervorragende intellektuelle Debatten und Diskurse gibt es beim Deutschlandfunk und Deutschlandradio. Quelle: Dradio

 

Rhein-Neckar, 13. Mai 2012. (red) Aktuell hat Professor Martin Welker beim Deutschlandfunk einen kritischen Beitrag zum Journalismus veröffentlicht. Welker ist Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Online-Forschung und Vertretungsprofessor fĂŒr Journalistik an der UniversitĂ€t Leipzig. Der Experte bezeichnet das erst drei Jahre alte Heddesheimblog als „Klassiker“ des internetbasierten Graswurzeljournalismus. Das Heddesheimblog ist die Keimzelle unseres Netzwerkes.

Von Hardy Prothmann

Ich kenne Herrn Professor Welker nicht persönlich, weiß aber, wer er ist: „Von 2000 bis 2004 arbeitete Welker als Projektleiter beim Think Tank MFG Medienentwicklung Baden-WĂŒrttemberg. Von 2008 bis 2010 hatte er die Professur fĂŒr Journalistik an der Macromedia Hochschule fĂŒr Medien und Kommunikation in MĂŒnchen inne. Er forscht zu den Themen Journalismus, Rechercheprozesse, Partizipation, Strukturwandel der Öffentlichkeit, Berufsfeldforschung und Online-Forschung.“ So steht es in seiner Biographie.

In seinem lesenswerten Beitrag „Ein verlĂ€ssliches Gegengift gegen die Großpublizistik“ fĂŒr den renommierten Deutschlandfunk/Deutschlandradio (ĂŒbrigens zwei der besten und letzten hochprofessionellen journalistischen Hörfunk-Angebote in Deutschland, fĂŒr die ich selbst gearbeitet habe, die ich unabhĂ€ngig davon persönlich als Hörer sehr schĂ€tze und gerne empfehle) nennt er das Heddesheimblog einen „Klassiker“.

Heddesheimblog – ein Klassiker?

Da musste ich spontan laut lachen. Ein „Klassiker“? Mit dem Heddesheimblog haben wir unser Netzwerk begonnen. Vor drei Jahren! Können wir da schon Klassiker sein? Wohl kaum und irgendwie doch, weil „im Internet doch alles sehr schnell geht“. Ist das so? Ja und Nein.

Ich habe mich sehr darĂŒber gefreut, dass neben dem Heddesheimblog auch die Tegernseer Stimme genannt wird, sowie Regensburg-Digital, die Prenzlauer Berg Nachrichten sowie altona.info. Auch das sind Redaktionen, deren Arbeit ich sehr schĂ€tze. Und die genannten sind alle bis auf altona.info Mitglied im Netzwerk istlokal.de, das ich zusammen mit Kollegen Anfang 2011 gegrĂŒndet habe.

"VerlĂ€ssliche Gegengifte gegen die Großpublizistik" - hyperlokale Blogs. Quelle: Dradio

 

Alle Angebote machen Lokaljournalismus. Alle diese neuen Angebote basieren nicht auf 60 Jahre alten Linzenzmodellen wie das bei Tageszeitungen der Fall ist. Alle sind neu und das „Heddesheimblog“ ist allein deswegen ein „Klassiker“, weil es vor drei Jahren eines der ersten professionell-journalistischen Angebote war und durch eine konsequent kritische Berichterstattung schnell bekannt und schnell zum „Vorbild“ empor gehoben wurde. NatĂŒrlich wurde auch viel kritisiert. Beides ist gut – denn es belebt die Debatte um QualitĂ€tstandards im Journalismus.

Vorbildstatus

Mit dem „Vorbild-Status“ kamen also auch viele Fragen und Kritiken. Ganz klar machen wir auch Fehler. Und die machen wir transparent. Als eines von ganz wenigen Medienangeboten haben wir dafĂŒr eine „Korrekturspalte“ – bis heute haben wir insgesamt acht Artikel von 2.500 „korrigiert“.

Eine der hĂ€ufigsten Fragen ist, wie man diese Arbeit, in der viel Herzblut steckt, eine demokratische Überzeugung und noch mehr Arbeit, finanziert. Alle genannten Angebote sind fĂŒr die Nutzer kostenlos und alle streben eine Finanzierung ĂŒber Werbung an. Dieses GeschĂ€ftsmodell entwickelt sich zunehmend, weil Unternehmen erkennen, dass Online-Werbung wirkungsvoll ist, gĂŒnstiger und effektiver als die klassische Print-Werbung.

Die WĂ€hrung, die die Macher der „hyperlokalen Angebote“ verkaufen, ist Aufmerksamkeit. Sozusagen ein „Klassiker“. Und vor allem GlaubwĂŒrdigkeit. Und das mit zunehmendem Erfolg.

Tageszeitungen verlieren dramatisch an Auflage und WerbeumsÀtzen, weil sie jahrzehntelang ihr Monopol gemolken haben und ihren Kunden, den Lesern und Werbepartnern kaum entgegen gekommen sind. Die Innovationsbereitschaft deutscher Tageszeitungen geht gegen Null.

Vor rund zehn Jahren setzte eine Erosion ein, die in einer „Medienkrise“ gipfelte. Die so geannnten „RubrikenmĂ€rkte“, Auto, Immobilien, Stellenanzeigen, wanderten ins Internet ab. Herbe Verluste fĂŒr die Zeitungen waren die Folge.

Statt sich zu öffnen, mauerte man. Es galt das gewohnte Ziel von 20-30 Prozent Umsatzrendite zu halten. Gewinne, die fĂŒr den Großteil der Wirtschaft „phantastisch“ anmuten.

Das Internet hat diese „Blase“ zerstört. Vor allem den Zeitungen, die mit ihren Nachkriegslizenzen solche zum „Geld drucken“ hatten, straucheln. In den kommenden Jahren wird es dramatische VerĂ€nderungen im Zeitungsmarkt geben.

Klassisch-modern oder modern-klassisch?

Neue Angebote wie unsere Ortsblogs glauben ganz „klassisch“ an guten Journalismus und den Werbemarkt. Wie die Tegernseer Stimme oder die Prenzlauer Berg Nachrichten bedienen wir eine lokale interessierte Öffentlichkeit. Mit kritischem Journalismus. Auch in Altona oder Regensburg. Die Menschen interessieren sich und schĂ€tzen unabhĂ€ngigen, kritischen Journalismus – insofern sind wir alle „Klassiker“. Wir bedienen klassische Interessen. Aber unabhĂ€ngig, neugierig, unbequem.

Ganz klar wollen wir ein „GeschĂ€ft“ machen. Unsere Arbeit und die der Mitarbeiter muss bezahlt werden. Wir bieten aber im Gegensatz zu den Monopolmedien faire Preise und moderne Anzeigenformen an.

Und wer weiß? Professor Martin Welker blickt in seinem Beitrag zurĂŒck – verweist vollkommen zu Recht auf die frĂŒhen AnfĂ€nge des alten Systems. Auch Zeitungen haben „klein“ angefangen, sich entwickelt und wurden irgendwann fett.

FĂŒr die ĂŒberschaubaren kommenden Jahre kann man das fĂŒr die neuen hyperlokalen Angebote vermutlich nicht annehmen. Wir werden uns unsere Stellung im Markt weiter erobern mĂŒssen, kĂ€mpfen dabei vermutlich oft ums Überleben. So wie andere Branchen auch.

UnabhÀngige Berichterstattung

Wir stellen uns dabei markwirtschaftlich einem Wettbewerb und nehmen die Herausforderungen an. Im Gegensatz zu „Katzenfutter“-Herstellern wirken wir aber unmittelbar am Herz-Kreislauf-System der Demokratie mit.

Wir setzen Artikel 5 des Grundgesetzes um und ermöglichen BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern, sich ungehindert aus öffentlichen Quellen zu informieren und sich eine Meinung zu bilden.

BeitrĂ€ge wie von Herrn Professor Welker zeigen, dass diese an der Öffentlichkeit, dem Gemeinwesen und Gemeinwohl interessierte Arbeit (trotz oder gerade wegen der dafĂŒr notwendigen Kritik) wichtig, irgendwie klassisch und doch innovativ ist. Und sie ist vor allem wertvoll – weil der kritische Blick auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer geeigneter ist, Werte zu erhalten und zu entwickeln, als eine unkritische Hofberichterstattung.

Das moderne Internetzeitalter hat journalistisch eine „klassische“ Reanimation ausgelöst: Back to the roots, zurĂŒck zu den AnfĂ€ngen, Graswurzel-Journalismus wĂ€chst wieder neu.

Und ganz ehrlich? Das wurde auch Zeit!

Wie aus dem Heddesheimblog ein Netzwerk geworden ist

Mit einer Recherche hat alles angefangen…

Das war das "erste" Heddesheimblog - als Unterseite von blogger.de

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 07. Mai 2012. (red) Vor drei Jahren ist das Heddesheimblog.de gestartet. ZunĂ€chst als privates Blog, auf dem der Journalist Hardy Prothmann als BĂŒrger seine Gedanken und Recherchen wegen einer umstrittenen Logistik-Ansiedlung veröffentlicht hat. Das Heddesheimblog hat sich in der Branche schnell einen Namen gemacht – als Zukunftsmodell fĂŒr einen modernen Lokaljournalismus. Mittlerweile ist daraus ein Blog-Netzwerk geworden – nicht nur in Nordbaden.

Von Hardy Prothmann

Im FrĂŒhjahr 2009 war aus Sicht des Mannheimer Morgens die Welt mehr als in Ordnung. Das Viernheimer Logistik-Unternehmen „Pfenning“ plante eine angebliche 100-Millionen-Euro-Investition in dem beschaulichen Dorf. Bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze, Gewerbesteuer in HĂŒlle und FĂŒlle, ein glĂŒcklicher BĂŒrgermeister – die (bis dato nicht gefĂ€hrdete) Zukunft des Dorfes ist gerettet. So die Botschaft der Zeitung.

Schlechter Zeitungsjournalismus als Anlass

Mir ist selten eine so unkritische Hofberichterstattung untergekommen. Kritische Fragen? Recherchen? Nichts davon war bei dieser Jubelberichterstattung zu erkennen, geschweige denn zu erahnen.

Auch die ARD ist bereits auf das Heddesheimblog aufmerksam geworden. (Klick auf das Bild fĂŒhrt zum Artikel)

Weil ich als BĂŒrger in Heddesheim selbst vom starken Verkehrsaufkommen betroffen war, fing ich an, ein wenig zu recherchieren. Als erstes im Archiv des Mannheimer Morgens – so wie eigentlich ein Redakteur der Zeitung eine Recherche beginnen sollte. Und ich wurde fĂŒndig: Rund drei Dutzend Artikel gab das Online-Archiv her. Alle negativ ĂŒber dieses „Familienunternehmen Pfenning“, das ohne jeden Bezug zu den kritischen Berichten als „Heilsbringer“ fĂŒr Heddesheim gefeiert wurde.

Wohin mit meinen Recherchen? Dem Mannheimer Morgen als „Thema“ anbieten? Sicher nicht. Ich habe meine Texte zunĂ€chst bei blogger.de (siehe Foto oben) eingestellt. Der erste Text erschien am 28. Aprl 2009: „Alles gut oder alles schlecht mit Pfenning in Heddesheim?“ Und ist nach wie vor sehr lesenswert.

Großes Interesse – wachsende Zugriffszahlen

Die Zugriffszahlen gingen binnen weniger Tagen so schnell nach oben, dass die Seite oft nicht erreichbar war. Ich mietete deswegen eigenen Speicherplatz und veröffentlichte auch andere lokale Nachrichten.

Auch das fand Interesse und Anklag und nach wenigen Wochen reifte die Idee, ob es nicht möglich wĂ€re, eine eigene Lokalzeitung im Internet zu grĂŒnden. Ich hatte schon von Ă€hnlichen Projekten gehört, aber das waren oft nur „Versuche“.

Ich versuchte mit. Die erste Erfahrung war: „Mein“ Journalismus war in der nordbadischen Provinz eine Zumutung. Es enstanden schnell zwei Lager: Die einen jubelten, die anderen kotzten. Auch, weil ich kurz nach dem Start vom Heddesheimblog in den Heddesheimer Gemeinderat gewĂ€hlt worden war – diese Funktion habe ich nach einem Umzug nach Mannheim aufgeben mĂŒssen.

Auch wir sind Gegenstand von Berichterstattung - gut 300 Berichte wurden ĂŒber das Konzept und die Macher vom Heddesheimblog bereits verfasst.

Kritische Nachfragen? Meinungsstarke Kommentare? Investigative Recherchen? Das war man im Verbreitungsgebiet der Monopolzeitung Mannheimer Morgen nicht gewohnt. Die Zugriffszahlen stiegen rasant und auch bundesweit wurde das Heddesheimblog in der Journalistenbranche ein Begriff. „Was macht der Prothmann da?“, wurde gefragt. Ist das ein Ego-Projekt eines beißwĂŒtigen Journalisten oder vielleicht ein Zukunftsprojekt fĂŒr einen neuen Lokaljournalismus?

Zahlreiche Branchenberichte

Ende 2009 wĂ€hlte mich eine Jury in der Kategorie „Regionales“ auf Platz 3 unter die 100 Journalisten des Jahres 2009. Seit dem Start des Heddesheimblogs wurde ich als Redner, Seminarleiter oder Podiumsteilnehmer engagiert. Bei der Initiative Tageszeitung, dem Deutschen Journalistenverband, dem Bayerichen Journalistenverband, auf Kongresse, an Hochschulen, zu Unternehmer-Workshops.

Mittlerweile gibt es Dutzende von journalisten Studien- und Masterarbeiten, die das Heddesheimblog und andere lokale Internetmedien zum Thema gemacht haben und rund 300 Presse-Veröffentlichungen mit Bezug auf diese Form von Lokaljournalismus. Spiegel Online, FAZ, SĂŒddeutsche, taz, Welt, ARD, NDR, Tagesspiegel, Berliner Zeitung – die Liste der „bekannten“ Medien, die ĂŒber den Journalismus in der Provinz geschrieben haben, ist lang. Auch bei den Nachdenkseiten oder fefes Blog ist das Heddesheimblog Thema.

Oder das Prinzip. Das Heddesheimblog ist lĂ€ngst ĂŒber den Ort hinausgegangen. Ende 2009 kam das Hirschbergblog.de dazu, Anfang 2010 das Ladenburgblog.de, Ende 2010 das Weinheimblog.de, Anfang 2011 das Rheinneckarblog.de, das Viernheimblog.de und seit Anfang 2012 sechs weitere Gemeinden des Wahlkreises Weinheim.

Netzwerk weitet sich aus: istlokal

Mit dem Unternehmer Peter Posztos habe ich im Herbst 2011 die Firma Istlokal Medienservie UG gegrĂŒndet, weil wir unsere Erfahrungen auch anderne zur VerfĂŒgung stellen wollen. Peter Posztos macht die Tegernseer Stimme, ebenfalls eine lokale Zeitung im Internet. Seit Anfang 2012 vermarkten wir unser Produkt Istlokal OS und haben schnell neue Partner gefunden – beispielsweise in Bretten, Schweinfurt oder Weiterstadt.

DarĂŒber hinaus gibt es ein Netzwerk von weiteren lokal arbeitenden Journalisten, wie Stefan Aigner in Regensburg oder Hubert Denk in Passau. Auch Philipp Schwörbel in Berlin hat mit seinen Prenzlauer Berg Nachrichten schon viel Aufmerksamkeit erlangt.

Immer mehr Lokaljournalisten grĂŒnden Blogs und nutzen beispielsweise wie wir die Istlokal OS-Software.

 

Uns alle vereint, dass wir guten, seriösen und vor allem kritischen Journalismus anbieten wollen. Einen Journalismus, der sich traut, Fragen zu stellen und nicht nur vorgefertigte Informationen zu erhalten. Keine WohlfĂŒhl-Schwurbelei, sondern eine fĂŒr die Demokratie herausragende Aufgabe zu erfĂŒllen. Meinungen durch Informationen zu ermöglichen. Der Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist die GeschĂ€ftsgrundlage.

Um diese Arbeit zu finanzieren, setzen wir auf Werbeeinnahmen – wie eh und je bei den Medien. Wir erzeugen Aufmerksamkeit und verkaufen diese. Das ist ein seriöses GeschĂ€ft.

Kleines, engagiertes Team

Zur Zeit arbeitet ein festes Team von sieben Mitarbeitern fĂŒr die „Rheinneckarblogs“ – dazu weitere freie Journalisten, Kolumnisten und freundschaftlich verbundene Kollegen. Im Vergleich zur Personalausstattung der anderen Medien im Berichtsgebiet sind wir sehr klein aufgestellt – im Vergleich mit anderen setzen wir aber immer wieder Themen, die Thema sind.

Im Herbst 2011 beispielsweise mit der Fischfutter-AffĂ€re. Der grĂŒne Bundestagsabgeordnete Hans-Christian-Ströbele hatte uns fĂŒr einen Bericht abgemahnt. SĂ€mtliche Berliner Zeitungen berichteten ĂŒber den Skandal, viele weitere Zeitungen und auch der NDR. Insgesamt wurde unser Bericht innerhalb weniger Tage gut 140.000 Mal aufgerufen, anfangs stĂŒrzte gar der Server wegen der massiven Zugriffe ab.

Zuletzt mahnte uns der GrĂŒnen-Bundespolitiker Hans-Christian Ströbele ab - und zog die juristische Attacke wieder zurĂŒck. Quelle: Die Welt

 

Die lokalen Zeitungen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung hielten sich „zurĂŒck“, denn aus deren Sicht gibt es uns nicht. Die Fischfutter-AffĂ€re mitten im Berichtsgebiet? Kein Thema fĂŒr die „unabhĂ€ngigen“ Printjournalisten.

Aus unserer Sicht gibt es die Zeitungen – und vor allem viel schlechten Journalismus. Was wir immer wieder thematisieren, wenn deren geschönte und klientelabhĂ€ngige „Berichterstattung“ skandalös wird. So werden umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Berichte ausgegeben oder noch schlimmer – Themen hĂ€ufig gar nicht berichtet, wenn sie den Zeitungen nicht „passen“. Und das betrifft beim besten Willen nicht nur uns. Was nicht berichtet wird, ist auch nicht passiert.

Juristische Attacken

FĂŒr mich persönlich hat diese Arbeit auch viele Nachteile gebracht. Seit nunmehr 21 Jahren arbeite ich als Journalist, 18 Jahre ohne jegliche juristische Streitigkeiten. In den vergangenen drei Jahren habe ich 11 Abmahnungen erhalten. Einmal habe ich eine Einstweilige VerfĂŒgung wegen widriger UmstĂ€nde „akzeptiert“, einen Vergleich geschlossen, 9 Mal konnte ich die Abmahnung abwehren. Unterm Strich haben diese Prozesse gut 20.000 Euro gekostet, weil man nicht wollte, das publik wird, was öffentlich sein sollte. Und diese Prozesse kosten auch viele Nerven.

Sehr erfreulich ist der Kontakt zu den Leserinnen und Lesern. Viele unserer Artikel entstehen, weil wir Hinweise bekommen. Beobachtungen, Gedanken, Erfahrungen von Menschen, die sich Anteil haben und nehmen an unserer Gesellschaft und nicht gleichgĂŒltig sind. Diesen möchte ich stellvertretend fĂŒr das Team danken.

Ebenfalls erfreulich ist die Zusammenarbeit mit vielen Behörden, die die Meinungsfreiheit hoch achten. Explizit möchte ich die sehr gute Zusammenarbeit mit der Polizei loben und in weiten Teilen auch mit den Feuerwehren. In unserem Berichtsgebiet sind zwei Namen erwĂ€hnenswert, BĂŒrgermeister Manuel Just in Hirschberg und BĂŒrgermeister Rainer Ziegler in Ladenburg, die sich kommunikativ sehr hervortun. Auch BĂŒrgermeister Lorenz in Dossenheim möchte ich gerne als neuen Kontakt erwĂ€hnen, der uns beim Antrittsbesuch sehr freundlich empfangen hat. In den anderen Orten beginnen wir die Arbeit erst und die Kontakte stehen noch bevor.

Den Heddesheimer BĂŒrgermeister Micheal Kessler muss ich leider nach wie vor als ausgewiesenen Feind der Pressefreiheit besonders hervorheben. Sein AmtsverstĂ€ndnis kommt in diesem Bericht sehr eindeutig zur Sprache: „Ich bin die Gemeinde.“

UnabhÀngige Berichterstattung

Wie unabhĂ€ngig wir tatsĂ€chlich arbeiten, erkennt jeder, der unsere Berichterstattung verfolgt. Wir kritisieren „GrĂŒne“ ebenso wie „Schwarze“, scheuen uns nicht vor „Rot“ oder „Geld“ oder „Orange“. Aber auch hier bieten wir Meinungen an: Ganz verallgemeinernd stellen wir fest, dass die CDU, die SPD und die FDP in der Region unserer Berichterstattung nicht wohlgesonnen sind.

Explizit die Ladenburger und Weinheimer CDU möchten wir lobend ausnehmen – nicht weil diese mit unser Berichterstattung „zufrieden“ sind, sondern weil sie gesprĂ€chsbereit sind. In Hirschberg explizit die Freien WĂ€hler und in Weinheim explizit Herrn Carsten Labudda (Die Linke) und Weinheim Plus. Die genannten Personen und Parteien suchen den Ausstausch und die Kritik – was gut ist. Explizit muss auch der GrĂŒne Landtagsabgeordnete Uli Sckerl erwĂ€hnt werden – trotz kontrĂ€rer Meinungen haben er und seine Mannschaft sich immer korrekt auf unsere journalistischen Anfragen hin verhalten.

Mit Recherchen zum Logistik-Zentrum "Pfenning" hat das Heddesheimblog angefangen - unsere Berichte konnten den Bau des Klotzes nicht verhindern, aber zur AufklÀrung beitragen. "Das hab ich nicht gewusst", kann keiner mehr sagen.

 

Unentschieden ist noch das VerhĂ€ltnis zum Landratsamt. Nachdem wir dem stellvertretenden Landrat (Jurist) erst unter Verweis auf ein Bundesverfassungsgerichtsurteil klar machen konnten, dass wir „Presse“ sind, gibt es mittlerweile mit Stefan Dallinger (CDU) einen neuen, sehr kommunikativen (und fraktionsĂŒbergreifend gelobten) Landrat, der sich aber unser Ansicht nach noch ein wenig scheut, aktiv ĂŒber unsere Blogs mehr in Kontakt mit der Bevölkerung zu treten. Wir werden herausfinden, wie es wirklich ist.

Der Kontakt zum Mannheimer OberbĂŒrgermeister Dr. Peter Kurz basiert auf einer gemeinsamen Vergangenheit – als freier Mitarbeiter fĂŒr den Mannheimer Morgen habe ich den damaligen Stadtrat als sehr engagierte Persönlichkeit kennengelernt und ihn vor seiner Wahl zum OB portrĂ€tiert. Zuletzt hat sich dessen Engagement bei der Gegendemo zum NPD-Aufmarsch bestĂ€tigt (Hierzu unsere Reportage auf dem Rheinneckarblog: „Warten auf den rechten Pöbel„). Zu seinem Kollegen WĂŒrzner in Heidelberg besteht noch kein persönlicher Kontakt, aber das wird sich Ă€ndern.

Vernetzter Journalismus vor Ort

Die miteinander vernetztenden Ortsblogs haben ein Konzept: Wir veröffentlichen Nachrichten, die fĂŒr die Menschen vor Ort wichtig sind. Und wir zeigen auf, wie die Gemeinden miteinander vernetzt sind – auf vielfĂ€ltige Weise. Ob zu Verkehrs- oder Umweltschutzthemen, gemeinsamen VerbĂ€nden und VertrĂ€gen – unsere Gemeinden im Berichtsgebiet sind vielfĂ€ltig verbunden, ebenso die Leserinnen und Leser.

Vielleicht vermisst man die ein oder andere Nachricht – da bitten wir um Nachsicht. Unsere Redaktion arbeitet sehr engagiert und wir mĂŒssen manchmal den Mut zur LĂŒcke haben, weil wir (noch) nicht jeden Termin besetzen können.

Sicher ist es auch Zeit, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren. Überbordende Berichte in den Zeitungen ĂŒber Vereinsfeste haben BedĂŒrfnisse geweckt, die fraglich sind. Was ist die Nachricht? „FĂŒrs leibliche Wohl wurde gesorgt?“ Meinetwegen: Der Satz erzĂ€hlt die gesamte Geschichte. Es gab zu Essen und zu Trinken. Und wenn das nicht reicht, ruft man auch höhrere Instanzen dazu: „Der Wettergott war den GĂ€sten gnĂ€dig, der kĂŒhle Gerstensaft floß in Strömen und die Luft war erfĂŒllt vom Duft leckerer BratwĂŒrste“.

Gegen die Bratwurst-Berichterstattung

Das ist fettigster Bratwurst-„Journalismus“ und hat mit Journalismus nichts zu tun. Ganz klar ist es wichtig und richtig ĂŒber Feste zu berichten. Wir machen das auch – bei Vereinsfesten oft nur mit kurzen Texten (Ein Fest hat stattgefunden), dafĂŒr aber mit vielen Fotos. Die erzĂ€hlen die Geschichte besser als zusammengeschwurbelte Nonsens-„Berichte“.

Sie, liebe Leserinnen und Leser, können aktiv daran teilhaben, das „Produkt“ Journalismus zu bewerten. Bringen Sie sich ein – schreiben Sie uns und anderen, was gefĂ€llt und was nicht. Journalismus muss man nicht hinnehmen, man kann seit dem Internet daran teilhaben. Sie können Kommentare schreiben und viel einfacher als frĂŒher die Redaktion direkt erreichen, sich mit Hinweisen, VorschlĂ€gen und Kritik einbringen. Jedenfalls bei uns.

Wir freuen uns ĂŒber die Beliebtheit unserer Montagskolumnen, der ausgewĂ€hlten Tipps & Termine und der regen Teilnahme ĂŒber Kommentare auf den Blogs oder bei unseren Facebook-Seiten.

Herzlichen Dank an die Leser und Kunden

Nach drei Jahren Heddesheimblog & Co, möchte ich Ihnen sehr herzlich genau dafĂŒr danken. FĂŒr UnterstĂŒtzung und Kritik – beides gab es zuhauf.

Hardy Prothmann ist seit 21 Jahren als Journalist tÀtig und seit drei Jahren als "Blogger".

FĂŒr die Zukunft wĂŒnsche ich mir noch mehr kritische Anteilnahme, weil wir alle gemeinsam mit unserem Interesse fĂŒr etwas einstehen, was ein absolutes Privileg ist: Freiheit, vor allem Meinungsfreiheit. Ohne diese ist Demokratie nicht möglich. Da ich viel im Ausland gelebt habe und auch von dort berichtet, weiß ich unser freiheitliche Grundordnung uneres Heimatlandes sehr zu schĂ€tzen.

Deswegen freue ich mich mit Ihnen und dem Team, wenn Sie uns weiter gewogen bleiben, uns mit Interesse und Informationen unterstĂŒtzen. Den anderen „Heddesheimblogs“, egal, ob am Tegernsee, im Prenzlauer Berg, in Regensburg, in Weiterstadt oder Bretten oder Schweinfurt oder in vielen anderen Orten wĂŒnschen wir viel Erfolg, immer den richtigen journalistischen Riecher und einen erfolgreichen Aufbau ihrer Angebote.

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen Mitwirkenden bedanken, selbstverstĂ€ndlich sehr besonders bei meiner Frau und der Familie, fĂŒr das Engagement, das VerstĂ€ndnis, das Interesse und die aktive Teilnahme.

Im ersten Interview zum „Heddesheimblog“ hat mich der Kollege Thomas Mrazek gefragt, warum ich das mache, was meine Motivation ist?

Meine Antwort: Ich habe den Spaß meines Lebens.

Das gilt bis heute.

Herzlichst Ihr

Hardy Prothmann

In eigener Sache: Schöne Herbstferien – wir renovieren!


Rhein-Neckar, 31. Oktober 2011. (red) Wir wĂŒnschen allen Leserinnen und Lesern schöne Herbstferien! Wir nutzen die „nachrichtenarmen“ Tage, um aufzurĂ€umen. Und wir arbeiten an einem neuen Layout. Lassen Sie sich ĂŒberraschen!

Unsere Berichterstattung setzen wir fort – bedingt durch technische Arbeiten kann diese aber eingeschrĂ€nkt sein. Wie gewohnt werden Sie trotzdem kritische und hintergrĂŒndige Artikel lesen können.

WĂ€hrend Zeitungen hier im Raum ihre Abo-Preise mal eben deutlich ohne Gegenleistung erhöhen, investieren wir in unser Produkt. Unsere Berichterstattung ist fĂŒr Sie kostenfrei – sie ist aber nicht kostenlos. Ganz im Gegenteil.

Deswegen werden wir Sie in naher Zukunft bitten, unsere Arbeit zu honorieren. Freiwillig – so wie Sie können und möchten.

Hardy Prothmann ist freier Journalist und verantwortlich fĂŒr die Lokalberichterstattung fĂŒr die "Blogs" in Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Viernheim, Weinheim und Rhein-Neckar. Sein Team umfasst elf Mitarbeiter, die aktuell, hintergrĂŒndig, kritisch und unabhĂ€ngig in Wort und Bild berichten.

Unser neues Layout wird fĂŒr Sie einfacher zu nutzen sein.

Ganz sicher werden Sie sich umgewöhnen und neu orientieren mĂŒssen, aber wir haben lange ĂŒberlegt und geprĂŒft – es wird zu Ihrem Vorteil sein.

Denn das ist unser Ziel: Zutreffend zu informieren, meinungsstark zu kommentieren und kritisch zu hinterfragen. Wir bieten eine unabhÀngige, flexible und innovative Berichterstattung. Deswegen wÀchst unsere Leserschaft zunehmend (tÀglich mehr als 5.000), wÀhrend die Monopolzeitungen seit langem Leser verlieren.

Unseren Anzeigenkunden werden wir bessere Möglichkeiten zur Bewerbung ihrer Produkte und Dienstleistungen bieten können. DarĂŒber freuen wir uns sehr, denn diese Einnahmen finanzieren unser Arbeit mit und unsere Kunden vertrauen wie die Leserinnen und Leser unserer engagierten Arbeit.

Wir bitten alle Leserinnen und Leser um entsprechende Aufmerksamkeit. Denn wir wĂ€hlen auch hier QualitĂ€t: Sexanzeigen oder dubiose Kreditvermittler sind vielleicht bei AnzeigenblĂ€ttern und lokalen Zeitungen „beliebte“ Kunden – nicht so bei uns.

Wir achten auch hier auf QualitĂ€t. Wir bieten unseren Werbekunden gerne unsere FlĂ€che, weil sie hier ein seriöses Umfeld finden und eine hohe Aufmerksamkeit kritischer Leserinnen und Leser, die sich auch gerne mit Kommentaren „einmischen“ – was wir sehr begrĂŒĂŸen.

Sofern Sie Urlaub machen können, wĂŒnschen wir beste Erholung. Wir arbeiten derweil an unserem neuen Auftritt und hoffen auf Ihre Meinung. Sie können wie gewohnt kommentieren. Sie können uns anrufen oder per email Ihre Meinung sagen.

Der Umstieg auf das neue Layout wird einige VerĂ€nderungen bringen und wir hoffen, dass Sie mit uns zufrieden sind und uns weiterempfehlen. Im GesprĂ€ch, in Facebook, per Twitter – wie Sie möchten.

Wenn Sie VerbesserungsvorschlĂ€ge haben, sind wir „ganz Ohr“ – selbstverstĂ€ndlich. Unser „Blogs“ leben davon – vom Austausch mit den Leserinnen und Lesern und einer neuen Form von Journalismus. Nicht umsonst gelten wir in der Medienbranche als eines der interessantesten Projekte seit Jahren.

Über 250 Berichte zum „heddesheimblog“ als „Prinzip“ und seinen Machern in allen Medien, darunter „großen“ wie der SĂŒddeutschen, FAZ, Spiegel, Deutschlandradio usw. sind ausreichende Belege fĂŒr das Potenzial und die ĂŒberregionale WertschĂ€tzung unserer Lokalberichterstattung.

Darauf sind alle Beteiligten stolz – vor allem auch darauf, dass so viele Leserinnen und Leser mitwirken. Mit Tipps, mit Hinweisen, mit Informationen, mit Kommentaren.

Deswegen bedanken wir uns ganz herzlich dafĂŒr und freuen uns auf spannende Zeiten.

Ihr Hardy Prothmann und das Team der „rheinneckarblogs“

hardyprothmann

Das Medienblog pushthebutton.de rangiert unter den 50 Top-Blogs

Heddesheim, 18. September 2011. (red) Der Dienst Virato.de hat die Top-50-Blogs in Deutschland nach dem SMQ-Index veröffentlicht. SMQ- (Social-Media-Quotient) ist die durchschnittliche Social-Media-Verbreitung (Facebook, Twitter) pro Artikel/Blogbeitrag einer Quelle.

„Diese Top 50 zeigen somit deutsche Blogs (oder blogĂ€hnliche Websites) an, die sehr beliebt sind und deren Content sehr oft von Usern ĂŒber soziale Netzwerke geshared wird. Andere bekannte Blogs, die man evtl. auch unter diesen Top 50 erwarten könnte, haben wahrscheinlich einen niedrigeren SMQ, da sie auch Artikel publizieren, die nicht so oft geshared werden und somit den Durchschnitt fĂŒr die jeweilige Quelle herunterziehen“, schreibt Virato.de.

Das Blog pushthebutton.de des Journalisten Hardy Prothmann liegt deutschlandweit auf Platz 32, eingebettet zwischen dem lawblog.de von Udo Vetter, der dieses Jahr den Grimmepreis gewonnen hat und Ulrike Langer mit medialdigital.de, einer der renommiertesten Medienjournalistinnen in Deutschland. Auf Platz eins liegt der-postillon.com, Platz zwei belegt der Blog von Extra3 (NDR) und Platz drei das Nachrichtenportal gulli.com.

Hardy Prothmann betreibt sein Medienblog seit 2010, frĂŒher bei posterous.com, seit FrĂŒhjahr 2011 als eigenstĂ€ndiges Blog. Die eingesetzte Software ist WordPress, das angepasste Theme „Magazine Premium“ des kanadischen Entwicklers C. Bavota.

Vor allem die medienkritischen BeitrĂ€ge in Bezug auf Zeitungen werden in der Branche intensiv diskutiert und sich mehrfach von bildblog.de empfohlen worden. Zuletzt sorgte ein Artikel ĂŒber Leichenbilder des Regionalsenders Rhein-Neckar-Fernsehen fĂŒr großes Aufsehen.

Hardy Prothmann betreibt in Nordbaden und SĂŒdhessen insgesamt sechs Lokalblogs fĂŒr StĂ€dte und Gemeinden sowie das Regionalblog rheinneckarblog.de. Bundesweit findet sein Projekt große Beachtung und ist schon dutzendfach nachgeahmt worden. Im Dezember 2009 wurde er von der grĂ¶ĂŸten unabhĂ€ngigen Fachzeitschrift fĂŒr Journalisten unter die Top 100 auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gewĂ€hlt.

Zusammen mit dem Gmunder Kollegen Peter Posztos (tegernseerstimme.de) grĂŒndet er zur Zeit das Unternehmen istlokal.de, das Lokaljournalisten bei ihrer Arbeit unterstĂŒtzen wird. Die Beratungsgebiete sind Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Im Netzwerk von istlokal.de befinden sich zur Zeit rund 70 lokale und regionale Internetzeitungen und Blogs, darunter die prenzlauerberg-nachrichten.de, regensburg-digital.de, ruhrbarone.de und pottblog.de.

Auszug aus der Top-50-Liste des Social Media Quotient (SMQ) bei virato.de

 

Gastbeitrag: AnonymitĂ€t im Internet – wohl oder wehe?


Verkleidung und AnonymitÀt sind beim Karneval "normal". Die Verwendung von Pseudonymen fördert im Netz Meinungsfreiheit. Bundesinnenminister Friedrich will das verbieten. Quelle: wikipedia/Muu-karhu

Rhein-Neckar/Gmund, 10. August 2011. (red) Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich fordert vor dem Hintergrund der TerroranschlĂ€ge in Norwegen, dass Blogger beim Verfassen von BeitrĂ€gen ihre IdentitĂ€t preisgeben sollten. Er bezieht damit auch anonyme Kommentatoren mit in die Diskussion ein. Die Frage ist, ob das wirklich Sinn macht. Unser Partnerblog „TegernseerStimme.de“ sieht den Vorstoß kritisch.

Von Peter Posztos

Friedrich begrĂŒndet seine Forderung nach der Preisgabe des Namens damit, dass ansonsten politisch motivierte TĂ€ter ihre Hassparolen ungeniert im Internet preisgeben können. Er ist der Ansicht, dass gewöhnliche Blogger oder Kommentatoren sich nicht zu versteckten brĂ€uchten.

Vielmehr sollten sie „mit offenem“ Visier schreiben. Gerade das anonymisierte Internet habe dazu gefĂŒhrt, dass sich radikalisierte EinzeltĂ€ter herangebildet hĂ€tten, die vor nichts zurĂŒckschrecken wĂŒrden.

Rechtsanwalt Christian Solmecke von der Kanzlei Wilde Beuger Solmecke gibt allerdings zu Bedenken, dass der mutmaßliche AttentĂ€ter von Norwegen ein wenig gelungenes Beispiel ist. Er sei nĂ€mlich dort unter seinem Namen aufgetreten.

DarĂŒber hinaus könnten sich Menschen gerade auch in Foren hĂ€ufig viel offener Ă€ußern, wenn sie unter einem Pseudonym auftreten. “Hier reicht es aber vollkommen aus, wenn der Blogbetreiber etwa gegen rassistische oder diffamierende BeitrĂ€ge vorgeht und diese löscht-€, weiß Christian Solmecke.

“Anonyme Kommentare sind fĂŒr mich nicht relevant, egal was derjenige zu sagen hat-€

Bei der Tegernseer Stimme werden wir des öfteren mit dem Vorwurf konfrontiert, dass anonyme Kommentare aufgrund ihrer AnonymitĂ€t nicht Ernst genommen werden könnten. Gerade die weniger netzaffinen Personen mit hohem Verantwortungsbereich sind schnell mit Forderungen nach der Auflösung der AnonymitĂ€t von Kommentatoren zur Stelle. “Andernfalls werden wir uns mit solchen Anfragen nicht beschĂ€ftigten-€ ist eine gĂ€ngige Floskel, die mit der RealitĂ€t wenig zu tun hat.

Denn vor allem bei politischen Themen wird immer wieder deutlich, wie wichtig AnonymitÀt ganz allgemein sein kann. Und das nicht nur in totalitÀren Staaten wie China oder bei demokratischen VorgÀngen wie einem Wahlgang.

Auch im Netz ist AnonymitĂ€t manchmal heilsam und nötig. Kommentare unter Klarnamen werden noch Jahre spĂ€ter gefunden. Eine objektive, aber trotzdem klare MeinungsĂ€ußerung gegenĂŒber dem Lieblingsprojekt eines BĂŒrgermeisters wird zwar möglicherweise die Chance auf den Bau des Eigenheimes nicht entscheidend verringern. VergrĂ¶ĂŸern dĂŒrfte sie diese jedoch auch nicht.

Was auch immer der genaue Anlass ist. Im Endeffekt gibt es tausende guter GrĂŒnde warum jemand einen anderen Namen benutzen möchte, als seinen Geburtsnamen. Manche Leute haben Sorge, dass ihr Leben oder ihre Existenzgrundlage bedroht werden. Oder dass ihnen politische beziehungsweise ökonomische Nachteile entstehen.

Andere wollen Diskriminierung vermeiden – das kann auch Diskriminierung im Bekannten- und sogar Freundeskreis beinhalten. Oder auch einfach nur einen Namen nehmen, der leichter zu merken oder buchstabieren ist.

Der Betreiber kann, im Gegensatz zu seinen Kommentatoren, nie anonym sein

Ganz anders ist es mit dem Betreiber eines Blogs. Denn dieser, so Solmecke, könne sich nach der aktuellen Rechtslage nicht hinter seiner AnonymitĂ€t verstecken. Auch Blogs mĂŒssen bereits heute zumindest mit Name und Anschrift des Betreibers versehen sein.

Dies ergibt sich bei werbefinanzierten Angeboten bereits schon aus § 5 Abs. 1 TMG und bei redaktionell gestalteten Webseiten aus § 55 Abs. 2 des Rundfunkstaatsvertrages (RStV). FĂŒr die ĂŒbrigen Blog-Angebote folgt das aus § 55 Abs. 1 RStV. Hiernach ist ein Impressum lediglich bei Webseiten entbehrlich, die ausschließlich persönlichen oder familiĂ€ren Zwecken dienen. Aus dem Grund warnt Solmecke: “Wer diesen Vorgaben nicht genĂŒgt, gegen den kann durch Abmahnung oder einstweilige VerfĂŒgung vorgegangen werden.-€

Uns interessiert nicht, ob ein Kommentator anonym ist, sondern was jemand zu sagen hat

Bei der immer öfter diskutierten Frage aber, ob das Internet ein besserer Ort wird, wenn wir alle nur noch mit unserem echten Namen unterwegs sind, hilft das jedoch nicht weiter.

Wir meinen: diese Frage soll und darf jeder fĂŒr sich selbst beantworten. Man muss anonyme Kommentare nicht mögen. Aber man sollte sie akzeptieren als anerkanntes Mittel seine Meinung im rechtlichen Rahmen – und dies gilt auch fĂŒr das Internet – kundzutun. Oder wie die Zeit schreibt:

Anonyme Kommentare bieten zwei unschĂ€tzbare Vorteile: Auch die Ängstlichen, die Schwachen und die Zögerlichen trauen sich, unter dem Schutz der AnonymitĂ€t ihre Meinung zu sagen. Und dank des Schutzes der AnonymitĂ€t können wir sehen, was Menschen wirklich denken.

Das mag manchmal affektiert, arrogant oder sogar atemberaubend dumm daherkommen. Nur sind dies alles keine GrĂŒnde das in jeder Hinsicht schĂŒtzenswerte Gut der Meinungsfreiheit einzuschrĂ€nken. Und so werden wir es auf der Tegernseer Stimme auch zukĂŒnftig handhaben wie bisher. Die GrĂŒnde, die jemand fĂŒr einen anonymen Kommentar hat, sind uns egal. Wenn er oder sie anonym kommentieren möchte, ist das in Ordnung. Entscheidend ist nur was jemand zu sagen hat.

Bedeutet: Gegen allzu persönliche oder sogar diffamierende Leserkommentare werden wir auch weiterhin vorgehen, diese eventuell kĂŒrzen oder gegebenfalls löschen.

Denn solche “Wortmeldungen-€ sind oft nicht nur rechtlich unzulĂ€ssig, sondern bringen auch eine fruchtbare Diskussion im Normalfall nicht weiter. Und an der sollte uns allen – ob anonym oder nicht – gelegen sein.

Peter Posztos ist GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Netzwerks LokaleStimme.de

Zur Person:

Peter Posztos (33) betreibt seit April 2010 das lokale Informationsportal TegernseerStimme.de.

Als MitgrĂŒnder von verschiedenen Online-Portalen ist der Diplom-Kaufmann und Jungunternehmer bereits ein „alter Hase“ im Internet.

Er gehört zu den MitgrĂŒndern von istlokal.de, einem Verband unabhĂ€ngiger, lokaljournalistischer Angebote in Deutschland. Istlokal.de vereint zur Zeit rund 50 Angebote in ganz Deutschland, die alle unabhĂ€ngig voneinander arbeiten, sich aber ĂŒber die gemeinsame Plattform unterstĂŒtzen.

Dazu gehört auch der Austausch von Texten – um die Meinungsvielfalt zu fördern und zu zeigen. Das Thema Meinungsfreiheit ist eines der zentralen Anliegen von istlokal.de. Der aktuelle Vorstoß von Bundesinnenminister Friedrich ist ein Thema, dass alle Internet-Redaktionen und deren Leserinnen und Leser betrifft.

 

Streikende MM-Zeitungsredakteure: Wer oder was nicht passt, wird gelöscht

Heddesheim/Mannheim/Stuttgart, 03. August 2011. Überall im LĂ€ndle streiken Zeitungsredakteure. Durchaus mit unterschiedlichem „Berufs“ethos. WĂ€hrend die einen unzutreffende Informationen korrigieren, löschen die anderen zutreffende Informationen, die ihnen nicht passen. Was wiederum aber zum Image dieser speziellen „Redakteure“ passt. Wer sich Gedanken macht, ob er wirklich „SolidaritĂ€t“ mit den streikenden Redakteuren beim Mannheimer Morgen haben kann, sollte wissen, welche Haltung diese „Journalisten“ vertreten. Schade fĂŒr die gutglĂ€ubigen KĂŒnstler wie Xavier Naidoo, die auf die Verlogenheit hereinfallen.

Von Hardy Prothmann

Nochmal zur Erinnerung. Zeitungsredakteure sind im Ausstand, weil Berufseinsteiger nicht mehr mit rund 3.000 Euro Gehalt bei 14 MonatsgehĂ€ltern und einer 35-Stunden-Woche beginnen sollen, sondern mit bis zu 25 Prozent weniger. Und andere auf das Weihnachts- und Urlaubsgeld verzichten sollen, was rund fĂŒnf Prozent weniger bedeutet.

Ich habe heute gegen 17:30 Uhr zwei Kommentare auf der Facebook-Seite der streikenden MM-Redakteure gepostet:

Auch die ARD hat im Morgenmagazin ĂŒber den Streik berichtet. http://www.tagesschau.de/multimedia/video/ondemand100_id-video953858.html

Und kurz darauf:

Weitere HintergrĂŒnde zu meiner Haltung hier. http://istlokal-medien.de/heddesheimblog/2011/08/02/in-eigener-sache-reaktionen-auf-den-beitrag-im-ard-morgenmagazin/

Die Kommentare waren nur fĂŒr Stunden zu sehen, bis sie getilgt worden sind.

Gegen 19:30 Uhr waren nicht nur die beiden Kommentare verschwunden, sondern scheinbar die komplette Facebook-Seite. Zumindest fĂŒr mich, denn ich wurde „geblockt“. Als geblockte Person ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Das Zeichen war ein eindeutig. Kommentare von Hardy Prothmann sind auf der Seite der MM-Redakteure offensichtlich nicht erwĂŒnscht.

Kommentare gelöscht - Nutzer blockiert. So sieht Meinungsvielfalt und Transparenz in den Augen der streikenden MM-Redakteure aus.

„GefĂ€llt mir sehr, toll, unterstĂŒtzenswert, super“ als Kommentar bleibt erlaubt.

Die ErklĂ€rung ist vermutlich einfach: In den vergangenen zwei Jahren habe ich die Zeitung immer wieder mit Verfehlungen konfrontiert. Der MM an sich ist mir egal, aber ich kritisiere schlechte Recherche, unterschlagene Meldungen oder abgepinselte Pressemitteilungen. Oder thematisiere die stĂ€ndige Bratwurstberichterstattung, die nichts weiter tut, als mit verschwurbelten Texten ĂŒber Wettergötter zu fantasieren. Schlechte ZustĂ€nde zu kritisieren, sollte eine journalistische Grundtugend sein. Und es darf keine „Beißhemmung“ gegenĂŒber Ă€ußerst schlechtem „Journalismus“ geben.

Das passt natĂŒrlich ĂŒberhaupt nicht zum Selbstbild, denn immerhin streiken die MM-Redakteure ja fĂŒr „QualitĂ€tsjournalismus“ (zumindest, was sie darunter verstehen) und fĂŒr eine entsprechende Bezahlung.

Die MM-Redakteure behaupten sogar, dass es um die „Zukunft des QualitĂ€sjournalismus“ ginge:

Auf der Blogseite liest sich das etwas ehrlicher – da gehts ĂŒberwiegend ums Geld und ganz zum Schluss ein bisschen um „die Demokratie“. Und angeblich streiken sie auch fĂŒr „unsere Leser“.

Um was geht es? Um Demokratie? Eher doch ums Geld.

TatsĂ€chlich halten die streikenden MM-Redakteure aber „unseren Lesern“ missliebige Informationen vor. Oder warum löschen sie sonst Kommentare, die weder beleidigend noch anstĂ¶ĂŸig sind? Sondern zusĂ€tzliche Informationen enthalten, mit den sich Leserinnen und Leser eine eigene Meinung bilden können? Mal abgesehen davon, dass es in beiden verlinkten Informationen gar nicht „direkt“ um die streikenden MM-Redakteure selbst ging und ich im ARD-Interview sogar die Verlegerseite ordentlich kritisiert habe?

Oder darf-  nicht Meinung sein, was nicht der Meinung der streikenden MM-Redakteure entspricht? Oder dĂŒrfen die keine Stimme haben, die man nicht leiden kann? Ist es das, was diese Redakteure mit „wir streiken fĂŒr unsere Leser“ meinen? Unter Transparenz, Meinungsvielfalt? Unter „Kritik“ und streitbarem Journalismus?

MM-Streiker vs. Tagblatt-Streiker

Ganz anders der Umgang bei den Streikenden vom „SchwĂ€bischen Tagblatt“. Die verlinken von sich aus auf den ARD-Beitrag, allerdings mit einer fehlerhaften Information und nennen mit einen „bloggenden Ex-Redakteur“. Ich korrigiere das höflich und verlinke ebenfalls zwei Texte, die aus Sicht der Zeitungsredakteure sicher nicht „angenehm“ sind.

Die Reaktion ist anstĂ€ndig: Der Kommentar wird frei geschaltet, der Fehler korrigiert. Auch wenn ich nicht weiß, wie die BerichterstattungsqualitĂ€t des SchwĂ€bischen Tagblatts ist, habe ich zumindest durch diese Verhalten einen positiven Eindruck gewonnen. Das ist das einzig zu erwartende Verhalten.

Die Streikenden beim SchwÀbischen Tagblatt haben Kritik zugelassen.

Immerhin: Man könnte auch annehmen, dass vielleicht nur die MM-Streikenden fĂŒr die „Lösch-Aktion“ verantwortlich sind, die die Facebook-Seite betreuen. Aber das wĂ€re nur eine billige Ausrede fĂŒr die Gesamt-Bagage.

Wer einen Funken Ehre im Leib hat, was ich bei vielen nicht vermute, mĂŒsste sofort auf diese Aktion reagieren und sein Missfallen ausdrĂŒcken. Das aber ist doch mehr als unwahrscheinlich. (Ich bin fast sicher, dass sich niemand fĂŒr diese „Lösch“-Aktion entschuldigt oder sie kritisiert.)

Leider haben die MM-Redakteure im Ausstand noch nicht verstanden, dass sie lĂ€ngst nicht mehr alleine „Meinungen bilden“, also nicht mehr bestimmen können, ĂŒber wen und was sie wie informieren oder was sie lieber „unterdrĂŒckt“ sehen wollen.

Das Internet macht die Welt transparenter. Und zeigt, wie dumm oder hilflos manche Journalisten, die eigentlich daran mitwirken sollten, reagieren.

Absurd wird es, wenn dieser Haufen das Wort „QualitĂ€tsjournalismus“ fĂŒhrt. Sie stehen weder fĂŒr QualitĂ€t noch Journalismus noch fĂŒr die Kombination aus beidem.

Ich unterstĂŒtze die Forderungen der Verleger kein bisschen – aber im Fall der MM-Streikenden wĂ€re ich sogar mit der ein oder anderen fristlosen KĂŒndigung vollkommen einverstanden.

Es wĂ€re sicher kein allzu großer Verlust.

Denn die MM-Redakteure fordern SolidaritÀt, die sie selbst nicht bereit sind zu geben. Dieser Kommentar wartet immer noch auf Freischaltung.

SolidaritÀt mit dem journalistischen Prekariat, den "Freien"? Nicht bei den streikenden MM-Redakteuren.

P.S.
Das Internet lĂ€sst sich nicht so einfach kontrollieren, „verehrte Kollegen“, wie ihr das denkt. Und das ist gut so. Schlecht ist: Das habt ihr leider noch nicht verstanden und vermutlich werdet ihr das auch nicht verstehen.

In eigener Sache: Reaktionen auf den Beitrag im ARD-Morgenmagazin


Hardy Prothmann ist seit 20 Jahren Journalist und hat fĂŒr viele große Tageszeitungen, Magazine sowie Hörfunk und Fernsehen von ARD und ZDF gearbeitet. Seit 2009 berichtet er wieder als Lokaljournalist in Nordbaden. Bildquelle: ARD-Morgenmagazin/SWR

Rhein-Neckar, 02. August 2011. (red) Heute hat das ARD-Morgenmagazin einen Beitrag ausgestrahlt, in dem Hardy Prothmann als verantwortlicher Redakteur fĂŒr heddesheimblog.de im Interview zu sehen war. Im Bericht geht es um den Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und Verlegern. Gestern wurde in Lampertheim demonstriert. Ein ARD-Team hat uns dazu befragt. Herzlichen Dank fĂŒr die (trotz Ferien) bundesweiten Reaktionen per email, Chat oder Telefon. Wir fassen unsere Antworten zusammen.

Beitrag aus dem ARD-Morgenmagazin vom 02. August 2011, nachzuschauen bei tagesschau.de

Warum seid Ihr so kritisch mit der Zeitung?

Weil die Berichterstattung oft ungenĂŒgend ist. Die meisten Mitarbeiter haben frĂŒher selbst fĂŒr Zeitungen gearbeitet – es tut weh, wenn man sieht, wie das Produkt verkommt. Statt zu lamentieren, haben wir uns entschlossen, selbst eine Redaktion aufzubauen. Und wir stellen uns jeder inhaltlichen Kritik – was man von den Zeitungen leider nicht erwarten kann.

Bedroht das Internet „die Zeitung“?

Nein. Journalistische Angebote im Internet zeigen nur, dass es „Alternativen“ zur Zeitung gibt. „Alternative“ hat dabei nichts mit „grĂŒn“, „links“, „Apo“ oder dergleichen zu tun. Journalistische Internetseiten bewegen sich wie die Zeitungen, das Radio, das Fernsehen auf dem Markt der Aufmerksamkeit ĂŒber angebotene Informationen.

Die Zeitungen mĂŒssen sich wie andere Medien vergleichen lassen. Der Vergleich fĂ€llt leider immer hĂ€ufiger nicht gut aus. Teure Abos bei gleichzeitig mangelhaftem Inhalt sind vermutlich kein „Zukunftsmodell“. Deswegen werden alle Lokalzeitungen, die nicht an der QualitĂ€t arbeiten, mittel- bis langfristig große Probleme bekommen. Zeitungen mit guter QualitĂ€t haben auch eine Zukunft.

Können Blogs eine Zeitung ersetzen?

Warum nicht? Es geht um zutreffende Informationen, kritische Berichterstattung, einordnende Kommentierung, „EnthĂŒllungen“, Unterhaltung. All das können Blogs oder „Internet-Zeitungen“ bieten. Aktueller und umfangreicher als eine aufs Medium Papier begrenzte Zeitung.

Wir empfehlen gerne auch sehr gute Angebote, beispielsweise das DeutschlandRadio, Arte oder 3Sat, um elektronische Medien zu nennen. Das sind ganz hervorragende Angebote. Das Problem: Es sind keine „Lokalmedien“. Wenn man wissen will, was um einen herum „los“ ist, dann braucht man sehr gute Lokalmedien. Zeitungen hatten bis vor kurzem hier ein Monopol – das brökelt zunehmend.

Die meisten neuen journalistischen Internetportale sind noch sehr „jung“ – leisten aber wie das heddesheimblog.de enorm viel fĂŒr die Leserinnen und Leser und decken teils schon mehr Themen ab, als in der Zeitung stehen. Da es so gut wie keine „Verfilzung“ gibt und keine mĂŒden Monopolstrukturen sind die Angebote meist frischer und meinungsfreudiger. Sie bedienen sich zudem einer Technik, die ĂŒberall verfĂŒgbar und zunehmend „selbstverstĂ€ndlicher“ auch fĂŒr Ă€ltere Generationen wird. Die junge Generation liest sowieso so gut wie keine Zeitung mehr.

Wie steht es um die objektive Berichterstattung?

Dazu muss man erstmal definieren, was „objektiv“ ist und ob dies erstrebenswert ist. Die Fakten mĂŒssen stimmen. Das allein reicht aber nicht, sie mĂŒssen interpretiert und eingeordnet werden. Viele Dinge kann man so oder so sehen.

Ein klassisches Beispiel: War Che Guevara ein Terrorist oder ein FreiheitskĂ€mpfer? Ein aktuelles Beispiel: Ist Anders Breivik ein „AmoklĂ€ufer“ oder ein rechtsextremer Terrorist?

Und lokal geht es um Fragen wie: „Können oder wollen wir uns das Hallenbad noch leisten?“ „Wie viel Betreuung muss, kann, soll, will eine Gemeinde fĂŒr Kinder anbieten?“ Dazu lassen sich Fakten zusammentragen, aber auch sehr viele Meinungen.

Unsere Redaktion bietet bewusst einen „subjektiven“ Journalismus an. Unsere Inhalte werden nicht von Maschinen gemacht, sondern von Menschen, die sind nunmal „Subjekte“ und keine Objekte.

Wir arbeiten mit professionellen, journalistisch-handwerklichen Methoden. Wir hinterfragen kritisch und genau und dokumentieren den grĂ¶ĂŸten Teil unserer Quellen – bis auf die, die wir wegen vermuteter Nachteile schĂŒtzen. Unsere Leserinnen und Leser können unsere Informationen ĂŒberprĂŒfen, wir helfen sogar dabei, weil wir das förderlich fĂŒr die „subjektive“ Meinungsbildung halten.

Objektiv heißt fĂŒr uns, transparent und ehrlich zu berichten. Die Leserinnen und Leser erweitern das mit Kommentaren und Links. Artikel 5 spricht nicht von einer „objektiven“ Meinungsfreiheit, sondern von der Freiheit, sich auch öffentlich zugĂ€nglichen Quellen eine Meinung bilden und diese Ă€ußern zu dĂŒrfen. Daran wirken wir mit.

Sehen Sie eine Lösung fĂŒr die Zeitungen?

FĂŒr die allermeisten leider nicht. Das Produkt Zeitung muss mit einem exklusiven Inhalt ĂŒberzeugen. Sobald das nicht mehr der Fall ist, wird die Zeitung beliebig und hat keinen Nutzen mehr. Da die Entwicklung seit gut zwei Jahrzehnten negativ ist und das Internet viele neue Möglichkeiten bietet, hat die Zeitung nur eine Chance – wenn sie sich auf guten Journalismus, exklusive Inhalte und Respekt vor der Leserschaft besinnt.

NatĂŒrlich mĂŒssen Zeitungen auch die BedĂŒrfnisse ihrer Werbekunden möglichst gut bedienen. Da Zeitungen heute aber wie Konservenfabriken von Betriebswirten ohne journalistischen Ehrgeiz gefĂŒhrt werden, ist eine Lösung nicht in Sicht. Der Einfluss der Werbewirtschaft auf die redaktionelle Berichterstattung beschĂ€digt zudem die GlaubwĂŒrdigkeit der redaktionellen Inhalte und der werbenden Unternehmen. Ein VerstĂ€ndnis dieser Wechselwirkungen ist heute leider in ZeitungshĂ€usern kaum noch anzutreffen.

Warum argumentieren Sie fĂŒr die Kollegen bei der Zeitung?

Aus SolidaritĂ€t. Das „Angebot“ der Verleger ist sittenwidrig. Die VerlagshĂ€user haben ĂŒber Jahre hinweg Geld gescheffelt. Renditen von ĂŒber 20 Prozent waren keine Seltenheit. Auf das neue Medium Internet wurde arrogant reagiert und deshalb hat man heute große Probleme.

Bei vielen Zeitungen gibt es nach wie vor gute Leute und es gibt junge Menschen mit viel Enthusiusmus, die diesen wunderbaren Beruf ergreifen wollen. Wenn man, um sich Renditen zu erhalten, die eigenen Leute kaputt spart, ist das der falsche Weg. Zudem nehmen immer mehr ökonomische Interessen Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung. Am Beispiel der Fehl- oder Nichtleistungen der Stuttgarter Zeitung in Sachen Stuttgart21 kann man gut erkennen, wie wenig von der „vierten Gewalt“ ĂŒbrig geblieben ist. HĂ€ufig sind die Zeitungen nur nur SteigbĂŒgelhalter fĂŒr Lobbyisten, InteressenverbĂ€nde, Werbekunden oder die jeweils herrschenden Klassen. Mit kritischer Kontrolle hat das wenig zu tun und das ist schĂ€dlich fĂŒr die Demokratie.

Nicht jeder Journalist ist ein RevolutionĂ€r und packt seine Sachen, wenn er nicht so berichten darf, wie er sollte. „Wes Brot ich ess, dess Lied ich sing“ gilt auch fĂŒr diesen Beruf. In der Verantwortungskette stehen die Verleger, Chefredakteure und Redaktionsleiter ganz vorne.

Eine Demokratie braucht aber eine kritische Öffentlichkeit und es ist sicher von Vorteil, wenn viele Leser an die Verlage schreiben und mehr Journalismus fordern. Verleger sind Kaufleute – und wenn die Kunden rebellieren, ĂŒberlegen die sich sicher sehr genau, wie sie sich besser nicht verhalten sollten.

Warum sind Radio und Fernsehen nicht so sehr betroffen?

Sind sie. Sowohl Radio als auch Fernsehen sind bereits vom Internet umschlungen worden. In einigen Jahren werden viele Menschen ein GerĂ€t an der Stelle haben, an der der „Fernseher“ stand. DarĂŒber kann genauso Radio gehört werden. Das Radio kann aber ĂŒber sehr einfache GerĂ€te ĂŒberall, vor allem im Auto, als „Nebenbei-Medium“, empfangen werden. Diese Einfachheit wird das Radio als Radio ĂŒberleben lassen. Das Fernsehen als Inhaltelieferant fĂŒrs Internet(fernsehen) bleibt auch erhalten. Ob man Fernsehen auf einem FernsehgerĂ€t oder einem Computerbild schaut, ist mehr oder weniger dasselbe.

Die Papierzeitung hat aber ein Problem: Es ist teuer, sie herzustellen, man muss sie teuer transportieren und bis sie beim Leser ist, vergeht zu viel Zeit. Zudem ist sie im Umfang begrenzt. Man kann sie schlecht archivieren und schon gar nicht verlinken. Die Zeitung ist ein Einbahnstraßenmedium. Das sind echte Nachteile, die zu einer deutlichen Reduzierung der Zeitungswelt in der Zukunft fĂŒhren werden. Nur wirklich exklusive, sehr gute Inhalte werden das abwenden können.

Können Blogs nur von Journalisten gemacht werden?

Gut gemachte Informationsportale sind irgendwann von selbst „journalistisch“. NatĂŒrlich können auch BĂŒrger oder Interessengruppen publizistisch tĂ€tig werden – es ist aber eine verantwortungsvolle und anstrengende Arbeit und wenn man eine gewisse Aufmerksamkeit erreichen möchte, muss man am Ball bleiben. Es sind zudem sehr viele „rechtliche“ Dinge zu beachten.

Insofern sind hauptberufliche Journalisten, die ihr Handwerk beherrschen, eher in der Lage, ein solches Angebot aufzubauen. Das gilt sowohl fĂŒr große Nachrichtenportale wie fĂŒr kleine lokale Angebote. Die QualitĂ€t muss ĂŒberzeugen. Ob die von „Journalisten“ oder „Bloggern“ kommt, ist egal. In Amerika heißen Redakteure „editors“, in der Schweiz Redaktoren – das sind Begrifflichkeiten. Die Inhalte sind entscheidend.

UnterstĂŒtzen Sie uns, wenn wir etwas Ă€hnliches planen?

Vielen Dank fĂŒr das viele Lob, das wir von vielen bekommen haben, nachdem Sie sich auf unseren Seiten umgesehen haben. Wir helfen gerne, wo wir können, haben natĂŒrlich aber unsere eigene Arbeit zu machen. Fragen kostet nichts 😉 .

Weil wir aber davon ĂŒberzeugt sind, dass sich Kooperationen lohnen, haben wir mit Kollegen das Netzwerk http://istlokal.de gegrĂŒndet. Der Verein wird in KĂŒrze angemeldet und hat zum Ziel lokal- und regionaljournalistische Internetangebote zu fördern. Die deutschlandweit rund 50 Mitglieder und Interessenten tauschen sich schon heute zu den Themenfeldern Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht auf der Basis von SolidaritĂ€t aus. Man hilft sich gegenseitig, um das eigene Angebot und das anderer zu verbessern.

Wenn Sie also selbst ein Angebot planen oder als Initiative ein Angebot von jemandem aufbauen lassen wollen, finden Sie hier Ansprechpartner. Wir bieten auch technische, inhaltliche und organisatorische Beratung gegen Honorar an und machen Ihnen gerne ein Angebot.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Die Redaktion von heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de, viernheimblog.de, weinheimblog.de, rheinneckarblog.de

istlokal finden Sie hier:
http://istlokal.de

Berichte ĂŒber unsere Blogs finden Sie hier.

Schaffen statt streiken: Wie Journalisten der Zeitungskrise entkommen können


Mannheim/Rhein-Neckar, 28. Juni 2011. (red) KĂŒrzungen, Arbeitsverdichtungen, Entlassungen – das sind die Schlagwörter, die seit vielen Jahren die Redaktionen deutscher Zeitungsverlage bestimmen. Die Arbeit wird immer unertrĂ€glicher, das Produkt Zeitung immer banaler. Aktuell wird gestreikt, nicht fĂŒr „mehr“, sondern fĂŒr „nicht noch weniger“. Dabei ist Journalismus ein schöner Beruf, einer, den die meisten aus Leidenschaft ergriffen haben – ohne Idee, dass diese Entscheidung heute „Leiden schafft“. Doch es gibt einen Ausweg: Unternehmerjournalismus.

Von Hardy Prothmann

Ganz ehrlich liebe Redakteure? Wenn ich lese, dass ein Berufseinsteiger mit 3.200 Euro brutto beginnt und nach zehn Jahren bei 4.500 Euro brutto liegt und dann je nach Stellung in der Redaktion noch ein paar tausender drauf gepackt bekommt, kriege ich TrÀnen in den Augen. Denn nach 20 Berufsjahren bin ich weit entfernt von solchen GehÀltern im Vergleich zu einem Zeitungsredakteur. Aber es wird besser.

Ehrlich, transparent, leidenschaftlich

Krise? Na und? Nutzt Eure Chance, sagt Hardy Prothmann Bild: sap

Und ich bin mein eigener Chef, entscheide selbst ĂŒber die Themen, bin ehrlich und transparent sein und „eine Schere im Kopf“ gibt es nicht. Unsere Texte sind so lang wie sie sein mĂŒssen und nicht auf eine feste Zeilenzahl begrenzt. Wir können mit allen Informationen „spielen“ – also experimentieren, wie wir mit unseren Informationen die Menschen am besten erreichen.

Wir sind in engem Kontakt mit unseren Lesern und das macht unsere Angebote aktueller, hintergrĂŒndiger und einfach besser als die unkritische Lobhudel- und Bratwurstberichterstattung, die man tĂ€glich in der Zeitung findet.

Ich habe beim Mannheimer Morgen als freier Mitarbeiter angefangen, habe fĂŒr einen Hungerlohn von damals 55 Pfenning (27 Cent) die Zeile geschrieben und ab 1994 fĂŒr einigermaßen ordentliche Honorare fĂŒr alle möglichen grĂ¶ĂŸeren Medien in ganz Deutschland, habe Hörfunk und Fernsehen gemacht. Ich bin Journalist, mein Schwerpunkt war Print.

Das Blog kommt

Seit nunmehr zwei Jahren baue ich mit einem kleinen Team eine Redaktion auf, deren Angebot sich etabliert hat und ein fester Begriff geworden ist: „Das Blog kommt“, sagen die Leute. Oder: „Hab ich im Blog gelesen.“

Mein kleines Team dreht der „großen Zeitung“ hĂ€ufig eine Nase – obwohl wir vom Gesamtumfang nicht mithalten können. Das wollen wir auch gar nicht. Den kompletten Mantel (also Politik, Wirtschaft, Sport) kann man besser und aktueller bei Nachrichtenportalen wie Spiegel Online oder Sueddeutsche.de oder, oder, oder lesen.

Aktuell, exklusiv, investigativ

Im Lokalen sind wir aber inhaltlich schon fast gleichwertig im Umfang und hĂ€ufig investigativer, aktueller und exklusiver – wir verzichten auf viele GefĂ€lligkeitsnachrichten, die eine Zeitung aus lauter Verzweiflung veröffentlicht, um die Seiten zu fĂŒllen. Das hat mit Journalismus schon lange nichts mehr zu tun.

Unsere Geschichten sind dann fertig, wenn sie fertig sind und nicht, wenn der Andruck beginnt.

Was noch aussteht, ist der wirtschaftliche Erfolg – unser Teammitglieder arbeiten fĂŒr kleines Geld, aber mit großer Leidenschaft fĂŒr die „Blogs“. Unser Ziel ist natĂŒrlich, anstĂ€ndig zu bezahlen – wir können uns aber nicht auf 60 Jahre Lizenzmonopol und Jahrzehnte fettester Gewinne stĂŒtzen, sondern mĂŒssen uns bescheiden zeigen und den GĂŒrtel eng halten. Und von 35 Stunden können wir nur trĂ€umen.

Unternehmerjournalismus

Aber wir sind frei. Wir können ĂŒber alles und jeden berichten, sofern das fĂŒr die Öffentlichkeit interessant ist. Wir können richtigen, echten, leidenschaftlichen Journalismus machen.

Überlegt es Euch gut – die Verleger werden Euch zu Tode sparen. Das wisst Ihr. Die Fotografen sind schon am Rande Ihrer Möglichkeiten – Euch wird in den nĂ€chsten Jahren dasselbe passieren. Ihr werdet ausgegliedert und mĂŒsst die Brocken fressen, die man Euch hinwirft.

Die Alternative ist, selbst Unternehmer zu werden und endlich wieder die journalistische Leidenschaft zu spĂŒren. Echte Stories zu machen, genau hinzuschauen, kritisch zu berichten und meinungsstark zu kommentieren. Eben die vierte SĂ€ule unserer Gesellschaft sein. Das wichtige demokratische Gut der Meinungsfreiheit zu befördern.

Verhandelt Abfindungen und grĂŒndet Eure eigene Redaktion – gerne mit uns zusammen. Ihr mĂŒsst ein bis drei Jahre durchhalten, dann werden die GeschĂ€fte laufen. Wenn viele mitmachen, geht es schneller.

Ihr seid kompetent, kennt Euch aus, habt viele Kontakte und das ist ein wunderbares Kapital, dass Ihr selbst nutzen könnt, statt Euch von Verlagsmanagern ausnehmen zu lassen.

Wer sich jetzt dazu entscheidet, braucht sicherlich Mut. Aber es wird die richtige Entscheidung sein, denn spĂ€testens in fĂŒnf bis zehn Jahren habt Ihr nichts mehr zu entscheiden. Dann werdet Ihr sicher entlassen.

Andere, vielleicht ich, vielleicht jemand anders, werden es bis dahin geschafft haben, eigene Redaktionen aufzubauen und sie werden Ihre eigenen Chefs sein und Leute beschĂ€ftigen. Entlassene Redakteure, die bis zuletzt auf die Zeitung statt auf die Information ĂŒbers Internet gesetzt haben, werden garantiert nicht gebraucht werden.

Nutzt Euer Kapital, bevor es wertlos ist

Denn bis dahin kennen sich die neuen Redaktionen auch aus, haben Kontakte und berichten kompetent – Ihr könnt nichts bieten, was die neue Generation nicht schon hat. Und es werden leidenschaftlicher Macher sein, die mit gefeuerten Angestellten nichts anfangen können. Dann seid Ihr raus aus dem GeschĂ€ft.

Schaut Euch an, wie die WAZ vor kurzem 300 Leute entlassen hat, schaut Euch die KĂŒrzungen bei der SĂŒddeutschen an, bei Focus und das elende Schicksal der Frankfurter Rundschau.

Große Chancen gib es aber im Lokalen – da, wo die Menschen leben und jede Geschichte wirklich exklusiv sein kann. Hier ist professioneller Journalismus gefragt, der sich aber gerne neu erfindet, der Teil der Gesellschaft ist, der fĂŒr die Menschen da ist.

Willkommen sind leidenschaftliche Journalisten – ob vom MM, der Rhein-Neckar-Zeitung, der Rheinpfalz, der Stuttgarter Zeitung oder woher auch immer. Redaktionelle Strukturen sind vorhanden, die Themen liegern auf der Straße – im nĂ€chsten Schritt wird es darum gehen, ausreichende bis gute UmsĂ€tze zu generieren. Wenn man sich Aufgaben teilen kann, wird dies schnell möglich sein.

Wer sich dafĂŒr interessiert, kann gerne vertraulich Kontakt mit uns aufnehmen und die Chancen und Risiken erfragen. Noch habt Ihr die Möglichkeit, selbst zu entscheiden. Nutzt sie. Aber bald.

In eigener Sache: Wir „öffnen“ am Freitag wieder


Guten Tag

Rhein-Neckar, 07. MĂ€rz 2011. (red) Die Redaktion macht bis einschließlich Donnerstag Pause – ab Freitag sind wir wieder fĂŒr Sie da. „Pause“ machen wir nicht wirklich – wir fĂŒhren technische und organisatorische Arbeiten durch.

Liebe Leserinnen und Leser,

ĂŒber 3.000 Artikel und rund 5.500 Kommentare bis heute sind jede Menge lokaljournalistische Arbeit, die wir Ihnen kostenfrei zur VerfĂŒgung stellen.

Ab und an unterbrechen wir die Berichterstattung, um unsere Arbeit und unser noch kleines, kreatives Team neu zu organisieren – so auch heute bis einschließlich Donnerstag.

Die kommenden großen Pausen werden wir in den Sommerferien und in den Weihnachtsferien machen. 2010 haben wir hier schon „Betriebsferien“ eingefĂŒhrt und sind damit gut gefahren – viele von Ihnen haben die Möglichkeit genutzt und im Archiv gelesen.

Teils ist unsere Produktion ja so umfangreich, dass nicht jeder alles lesen kann. Das muss natĂŒrlich bis auf uns auch niemand – Sie wĂ€hlen je nach Interesse Ihre Themen aus.

Wir nutzen die Tage, um die Technik auf Vorderman zu bringen und einige große Papierstapel abzuarbeiten.

Außerdem bereiten wir ein Themenspecial zur Landtagswahl vor: Wie Sie das von uns gewohnt sind mit vielen Hintergrundberichten, Analysen, ExpertengesprĂ€chen und MeinungsbeitrĂ€gen.

Und als wĂ€re das noch nicht genug Arbeit, engagieren wir uns federfĂŒhrend fĂŒr den Aufbau eines bundesweiten Verbands fĂŒr lokal- und regionaljournalistische Internetangebote unter dem Namen istlokal.de.

Sofern Sie Fasnachterin sind, wĂŒnschen wir Ihnen nĂ€rrische Tage.

Ihre Redaktion
heddesheimblog.de
hirschbergblog.de
ladenburgblog.de
weinheimblog.de
rheinneckarblog.de

Neustart 2011


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 10. Januar 2011. (red) Neues Jahr – alles anders? Nicht wirklich? Trotzdem stellen Sie VerĂ€nderungen fest. Wir haben umgebaut. Das ist fast wie bei einer Renoveriung. Wir setzen auf Service – lesbare Schriften, eine ĂŒbersichtliche Aufbereitung der Information. Damit starten wir unsere guten VorsĂ€tze, die noch lange nicht vorbei sind.

Statt Farbe und Kleister und EinrichtungsgegenstĂ€nden haben wir „Codes“ hin- und hergeschoben und ausgewĂ€hlt, was Sinn macht, informativ ist und auch gefĂ€llt.

Die Orientierung fĂ€llt Ihnen hoffentlich leicht – wenn nicht, beschweren Sie sich unter redaktion (at) rheinneckarblog.de. Wir geben die rheinneckarblog-Adresse an, weil es seit heute auch eine ĂŒberregionale Seite in unserem Angebot gibt.

Auf rheinneckarblog.de werden Texte aus unseren lokalen Blogs fĂŒr Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg und Weinheim veröffentlicht. Und natĂŒrlich regionale, relevante Themen. rheinneckarblog.de wĂ€chst mit den lokalen Angeboten und umgekehrt.

Wir bieten wie gewohnt einen meinungsstarken Journalismus. Dazu Informationen aus den Kommunen und Vereinen. Transparent nennen wir immer die Quellen unserer Veröffentlichungen. Außer, wie mĂŒssen diese schĂŒtzen.

Wir arbeiten auch immer wieder „investigativ“. Das hat nichts mit einem „Schlapphut“-Milieu zu tun, sondern meist mit viel Arbeit. Vielen Recherchen, vielen Akten, vielen GesprĂ€chen. Und auch mit einem verantwortlichen Schutz der Informanten.

Im „echten“ Leben freuen wir uns ĂŒber „Informanten“, die unsere Blogs bereichern. Mit ihren Tipps und Hinweisen, mit Sorgen und Nöten und auch mit guten Nachrichten.

Diesen Menschen möchten wir danken und andere auffordern, sich ebenfalls öffentlich einzubringen.

Abseits der „gewohnten“ Wege mit der lokalen Zeitung.

Das Internet ist schneller und geduldiger als Papier.

Im Internet entsteht ein neuer Journalismus, an dem die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger mehr beteiligt sind. Und das ist gut so.

Unsere Blogs gelten deutschlandweit als Vorbild fĂŒr eine neue Form von Lokaljournalismus – dazu gehören auch „Layoutfragen“.

Wir haben also umgebaut und hoffen, dass das ansehnlich gelungen ist. Und haben uns noch mehr Verbesserungen vorgenommen.

Und wir freuen uns auf 2011 mit allen guten VorsÀtzen, die auch Ihnen hoffentlich gelingen.

Auf ein gutes Neues!
Die Redaktion

Sonia Neundörfer: „Ich mag gerne natĂŒrliche Make Ups.“

Sonderveröffentlichung
Sonia Neundörfer, Visagistin und Hairstylistin 1

Sonia Neundörfer im Studio.

Seit wann arbeiten Sie als Visagistin und Hairstylistin in Heddesheim und Umgebung?
Sonia Neundörfer: „Mein Gewerbe habe ich hier ganz aktuell angemeldet. In Heddesheim habe ich ein Studio, wenn Kundinnen und Kunden zu mir kommen wollen. Meistens bin ich aber vor Ort und das nicht nur in Heddesheim, sondern auch in den umliegenden Gemeinden wie Ladenburg, Hirschberg, Viernheim, Seckenheim oder Schriesheim.“

Ich bin direkt am Ort des Geschehens.

Also sind Sie eine reisende Visagistin?
Neundörfer: „Klar, es ist fĂŒr die Kundinnen und Kunden aufwĂ€ndiger, wenn sie erst zu mir und dann zum Anlass fahren. Deswegen komme ich dahin, wo ich gebraucht werde.

Am idealsten ist es, wenn ich direkt am Ort des Geschehens bin, weil ich dann Licht und Umgebung sehe und meine Arbeit darauf einstellen kann.

Es ist ein großer Unterschied, ob es sich um Tages- oder Kunstlicht handelt und welche Farben einen Raum bestimmen. Das ist besonders wichtig bei Fotoshootings.“

Interessant. DarĂŒber denkt man nicht nach.
Neundörfer (lacht): „Ich schon – ist ja schließlich meine Arbeit.“

Sind Sie auf bestimmte Arbeiten spezialisiert?
Neundörfer: „Ja, ich persönlich mag sehr gerne natĂŒrliche, typgerechte Make Ups. Aber natĂŒrlich biete ich auch extrovertierte Arbeiten an. Die Kundinnen und Kunden bestimmen, ich berate und fĂŒhre aus.

Viel Spaß macht die Arbeit mit Kindern und gerade im Bereich kosmetisches Make Up habe ich große Freude, wenn ich Menschen helfen kann, besonders auffĂ€llige Merkmale geschickt zu bedecken.“

Alltag ist Routine – ich biete das Besondere.

Schminken gehört doch fĂŒr viele Frauen zum Alltag, weshalb braucht es eine Visagistin?
Neundörfer (lacht): „Ganz klar schminken sich Frauen im Alltag selbst, wenn ich bei allen morgens antreten mĂŒsste, wĂŒrde ich das wohl nicht schaffen. Alltag ist Routine, ich biete das Besondere. Techniken, Farben, Materialien und eine Beratung dazu.

Frauen lernen dabei, hier und da ihren Stil anzupassen oder zu verĂ€ndern. Und Sie glauben gar nicht, wie viele MĂ€nner sich mittlerweile fĂŒr entsprechende AnlĂ€sse schminken lassen, um optimal zu wirken.“

Sonia Neundörfer, Visagistin und Hairstylistin 6

Sonia Neundörfer hilft, sich neu zu entdecken.

Stimmt. Beim Fernsehen ist das normal.
Neundörfer:
„Klar, denn hier wird durch die Visagisten-Arbeit nachgeholfen, damit man vor der Kamera nicht zu blass aussieht. Und schauen Sie sich Fotos an: Von Hochzeiten, Feierlichkeiten, AnlĂ€ssen wie Kongressen oder Messen. Hier fehlt oft der letzte Schliff und man sieht nicht so gut aus, wie man könnte, wenn Fotos gemacht werden.

Gerade bei Hochzeiten – dem schönsten Tag fĂŒr die Braut, hat diese viel zu tun und es kann sehr anstrengend sein, im Hochzeitskleid GĂ€ste zu begrĂŒĂŸen, zu tanzen undsoweiter. Da ist es von Vorteil, wenn ab und an nachgearbeitet wird, damit die Braut nicht nur schön ist, sondern auch bleibt.“

Über mein Blog biete ich zusĂ€tzlichen Service.

Sie haben sich ein Blog eingerichet. Warum?
Neundörfer:
„Weil ich ein kommunikativer Mensch bin und das eine tolle Möglichkeit ist, mit meinen Kundinnen und Kunden im Kontakt zu sein. Das Internet ist eine unglaublich wertvolle Bereicherung fĂŒr uns alle. Ich informiere mich selbst ĂŒber neue Trends und Möglichkeiten und nutze das Internet, um ĂŒber meine Arbeit zu berichten.“

Sie nutzen das also zur Kundenkommunikation?
Neundörfer: „Ganz genau. Ich zeige einfach meine Welt, meine Arbeit, aber auch, was mir gefĂ€llt. Aktuell habe ich einen Beitrag geschrieben ĂŒber eine Boutique in Seckenheim. Ich bin da reingegangen, habe mir die entzĂŒckenden Sachen angeschaut und auch etwas gekauft.

Da ich selbst vor Ort war, habe ich ein paar Fotos gemacht, einen Text dazu geschrieben und voilà haben meine Leserinnen und Leser einen tollen Service und Tipp von mir erhalten.“

Also quasi ein Kundenservice?
Neundörfer: „Ja, im besten Sinne. Das entdecke-dich-neu-ndörfer-Blog wĂ€chst mit jedem Beitrag und informiert mit Bildern und Texten zu Lifestyle, gutem Aussehen und Produkten, die ich empfehlen kann. Die Menschen sind heute fast alle im Internet und ich gehe dahin, wo die Menschen sind. Das ist, wie oben beschrieben, Teil meiner Arbeit.“

Sonia Neundörfer im Internet
Das „Entdecke-Dich-Neu-ndoerfer“-Blog.

Fotos: Robin Birr

[nggallery id=37]

In eigener Sache: hirschbergblog beim 15. Mainzer MedienDisput

Guten Tag!

Hirschberg, 27. November 2010. Am Donnerstag, den 25. November 2010, war das hirschbergblog auf dem 15. MainzerMedienDisput vertreten. Hardy Prothmann war als Teilnehmer der Diskussionsrunde „David gegen Goliath – die digitale Steinschleuder“ geladen. Man stellte sich der Frage, welche Perspektive lokaljournalistische Onlineangebote haben und ob sie eine Konkurrenz zum etablierten Printmedienmarkt sind.

Von Christian MĂŒhlbauer

Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Kurt Beck eröffnete die Veranstaltung und forderte mehr „Staatsferne“ in den Aufsichtsratsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender.

Die aktuelle Debatte ĂŒber eine gesetzliche EinschrĂ€nkung von Berichten in Zusammenhang mit möglichen Terror-Akten kommentierte er: „Ich halte solche Überlegungen fĂŒr inakzeptabel. Die Medien in Deutschland berichten ganz ĂŒberwiegend so, dass man erkennt, dass sich die Journalistinnen und Journalisten ihrer Verantwortung bewusst sind.“

DSCF0019

Von Links: Alfons Pieter, Peter Schink, Dr. Christian Stöcker, Thomas Mrazek, Stefan Aigner, Hardy Prothmann. Bild: Christian MĂŒhlbauer

Zu den geladenen GĂ€sten des „Panel 4“ gehörten Alfons Pieper (wir-in-nrw.de), Peter Schink (Blog Age), Dr. Christian Stöcker (Stellv. Ressortleiter Spiegel Online, Netzwelt), Stefan Aigner (Regensburg Digital) sowie Hardy Prothmann (hirschbergblog). Die Moderation wurde von Thomas Mrazek (Vorsitzender DJV Fachausschuss Online) durchgefĂŒhrt.

Gegen die Hofberichterstattung.

Nach einer kurzen EinfĂŒhrung stellten die Teilnehmer ihre Projekte sowie ihre Sicht auf die aktuelle Lage dar. Der frĂŒhere stellvertretende Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Alfons Pieper (69), betreibt das wir-in-nrw.de-Blog erst seit Dezember 2009.

Sein Team umfasse 6-7 professionelle Journalisten, die alle anonym schreiben, „weil sie als Printjournalisten angestellt sind“. Auslöser fĂŒr die Schaffung des Blogs war die „Hofberichterstattung in Nordrhein-Westfalen“.

Die Berichterstattung hatte den frĂŒheren nordrhein-westfĂ€lischen MinisterprĂ€sidenten JĂŒrgen RĂŒttgers enorm unter Druck gesetzt.

Direkt im Anschluss stellte Hardy Prothmann seine lokalen Blogs zu Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg und ab kommender Woche Weinheim, vor. Wie er erklĂ€rte, habe er das lokaljournalistische Angebot im Mai 2009 ins Leben gerufen. AufhĂ€nger sei damals das Logistikzentrum „Pfenning“ gewesen, welches sich in der Gemeinde Heddesheim ansiedeln wolle.

Bei seiner Recherche fand er heraus, dass es in den Jahren zuvor zahlreiche negative Berichte ĂŒber „Pfenning“ gab. Nachdem sich das Unternehmen in Heddesheim ansiedeln wollte, blieben diese jedoch aus. Unzufrieden mit der „Hurra-Berichterstattung“ des Mannheimer Morgen nahm er die Berichterstattung selbst in die Hand.

Stefan Aigner aus Regensburg macht seinen Lokaljournalismus auf „regensburg-digital.de“ schon seit drei Jahren. UrsprĂŒnglich war das Projekt aus einem Anzeigenblatt hervorgegangen. Inzwischen betreibt Aigner das Projekt in Eigenregie, unterstĂŒtzt durch einen Kulturverein, ĂŒber den Aigner Spenden erhĂ€lt.

UnabhÀngig, mutig, unterfinanziert.

Mrazek merkte insbesondere den Untertitel des Blogs an: „UnabhĂ€ngig, mutig, unterfinanziert“. Wie schlecht es um die Einnahmen bestellt ist, legte Aigner ebenfalls offen: „Ich lebe nur unwesentlich ĂŒber HartzIV-Niveau, aber ich komme zurecht.“

Ihm folgte die Vorstellung von Dr. Christian Stöcker, stellvertretender Ressortleiter Netzwelt bei Spiegel Online. Gleich zu Beginn vermittelte er seine Kernbotschaft: „Die deutsche Bloggerszene ist eine Bereicherung fĂŒr die Medienlandschaft.“ Dabei betonte er, dass es durchaus Blogs mit journalistischem Anspruch geben wĂŒrde. „Blogs werden jedoch keinen Journalismus ersetzen, da sie sich nicht an Standards gebunden sehen“, so Stöcker.

Es folgte Peter Schink. Schink war unter anderem fĂŒr den Relaunch von Welt Online verantwortlich. DarĂŒber hinaus ist er aktiver Blogger und betreibt eines der Ă€ltesten deutschen Blogs. Als Vertreter der BlogosphĂ€re warf er einen Blick auf die Stellung von Blogs im gegenwĂ€rtigen Mediensystem. „Was ist anders, wenn ein einzelner etwas publiziert statt eines Verlags?“, war seine Frage an die anwesenden Zuhörer.

Hardy Prothmann hielt den beiden entgegen, dass „kleine Blogs“ oft kritischer als „große MedienhĂ€user“ berichten, weil die „AbhĂ€ngigkeiten“ fehlten. Zudem wĂŒrden viele Redaktionen nur vom Schreibtisch aus arbeiten und nicht draußen bei den Menschen sein. Standards wie Recherche, sichere Fakten, Quellenschutz und andere professionelle journalistische QualitĂ€ten finden selbstverstĂ€ndlich bei guten Blogs statt – oft besser als in „Monopolredaktionen“.

Eine schwierige Situation

Auf die Frage, wie es um die Finanzierung und Akzeptanz der Angebote stehe, redeten alle Teilnehmer Tacheles. Das grĂ¶ĂŸte Problem sei, so Alfons Pieper, dass man „keine Rechtsabteilung in der Hinterhand“ habe. Eine Klage oder einen Prozess könne man faktisch nicht riskieren. Auch wenn man monatlich inzwischen 2,5 Millionen Seitenaufrufe erhalten wĂŒrde. Das wir-in-nrw-Blog ist aber auch nicht-kommerziell angelegt.

Wie riskant die Situation sein kann, verdeutlichte Stefan Aigner. Er wurde bereits mit drei Klagen ĂŒberzogen. Zwei davon konnte er gewinnen. Ein Prozess steht noch aus. Auf den juristischen „Streit“ mit der Erzdiözese konnte er sich jedoch nur durch Spenden einlassen. „Momentan reicht es fĂŒr 1,5 Instanzen“, so Aigner.

Aigner hatte in einem Missbrauchsfall durch einen katholischen Priester an einem Jungen eine spĂ€tere Geldzahlung als „Schweigegeld“ bezeichnet. Die Kirche will ihm das juristisch untersagen lassen. Die Prozesse wolle man grundsĂ€tzlich durchfechten. Schließlich hat ein Gericht bei einem der beiden vorangegangenen Prozesse schon festgestellt, dass „Wahrheit grundsĂ€tzlich nicht rechtswidrig“ ist.

Auch Hardy Prothmann hatte schon mehrere „Klage“-Drohungen: „Das ist schon erstaunlich – als ich noch fĂŒr große Medien berichtet habe, gab es keine einzige Klage, jetzt versucht man mich und andere damit einzuschĂŒchtern.“

Ein Blick in die Zukunft

Das nach wie vor konkrete Problem ist und bleibt also die Finanzierung. PrimĂ€r wĂŒrde diese bisher ĂŒber Werbung ermöglicht.

DSCF0021

Hardy Prothmann gibt im Anschluss an seine Podiumsdiskussion einer JournalsitenschĂŒlerin ein Interview. Bild: Christian MĂŒhlbauer

Wie es zukĂŒnftig mit lokaljournalistischen Blogs weitergehe, konnte man nicht abschließend beantworten. Professioneller, journalistisch ausgebildeter Nachwuchs sei jedenfalls vorhanden. Vielleicht kommen in der Zukunft ZusammenschlĂŒsse von journalistischen Blogs in Form von Netzwerken zustande. Man mĂŒsse aber auch festhalten, so Peter Schink, dass die deutsche BlogosphĂ€re im Vergleich zu anderen LĂ€ndern nicht gut entwickelt sei.

Auch die Frage der Refinanzierung werde sich ĂŒber kurz oder lang lösen lassen, wie Dr. Stöcker festhielt. So sei „viel Luft fĂŒr Werbung“, wenn man den Anzeigenmarkt Print mit dem Anzeigenmarkt Online vergleiche.

Hardy Prothmann merkte an, dass Online-Werbung oft noch erklĂ€rungsbedĂŒrftig sei, sich der Trend aber eindeutig weg vom Print hin zu Online entwickle: „Printwerbung ist im Vergleich zu Onlinewerbung extrem teuer und wenig erfolgreich – online trĂ€gt weiter, ist schneller, flexibler und kann einfach mehr.“

Hinweis:
Der MainzerMedienDisput wurde 1996 erstmalig veranstaltet und wird von der rheinland-pfĂ€lzischen Staatskanzlei, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Landeszentrale fĂŒr Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz getragen. Die Medienpartner des Disputs sind der SĂŒdwestrundfunk (SWR) und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF).

Anmerkung der Redaktion:

Christian MĂŒhlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach „Ressortjournalismus.“

„Pfenning“: „Man war zu spĂ€t aufgewacht – alle Entscheidungen waren schon getroffen.“

//

 

Guten Tag!

Hirschberg, 04. November 2010. Der vorliegende Text ist heute auf dem heddesheimblog erschienen – weil auch Hirschberg betroffen ist, veröffentlichen wir den Artikel auch hier.

Das heddesheimblog wagt einen Blick in die Zukunft: Wir haben mit jemandem gesprochen, der in der jĂŒngeren Vergangenheit erlebt hat, wie eine Ansiedlungsentscheidung sein Lebensidyll verĂ€ndert.

Dieter Pfenning heißt der Mann und ist weder verwandt noch verschwĂ€gert mit dem „pfenning logistics“-Chef Karl-Martin Pfenning. Die Namensgleichheit ist reiner Zufall.

Dieter Pfenning ist IT-Spezialist und wohnt in Oldendorf, im „SpeckgĂŒrtel“ von Hamburg. Rein zufĂ€llig hat er bereits erlebt, was Heddesheim und Hirschberg noch vor sich haben. Denn vor seiner HaustĂŒr entsteht ein riesiges Logistik-Zentrum.

Von Dieter Pfenning

Vor gut neun Jahren bin ich mit meiner Frau aus dem belebten Hamburger Stadtteil St. Georg raus aufs Land gezogen, nach Oldendorf. Dort wurde auch unser gemeinsamer Sohn geboren.

Zuvor hatten wir ĂŒber zwei Jahre lang gesucht, bis wir diesen schönen Ort auf dem platten Land gefunden hatten.

„Oldendorf war fĂŒr mich, meine Frau und unseren Sohn ein Idyll.“ Dieter Pfenning

Ein 80-Seelen-Nest. Die Hausnummern der HĂ€user sind in der Reihenfolge, in denen sie gebaut wurden. Hier sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“.

LĂ€ndliche Idylle – aufgenommen am 11. September 2008. Bild: privat

Oldendorf liegt zwischen zwei Autobahnabfahrten – die wir schnell erreichen können. Ich fahre 40 Kilometer zu meinem Arbeitsplatz nach Hamburg. Eine ideale Kombination: Wohnen auf dem Land und gute Verkehrsanbindung an die Stadt.

Auch andere finden das ideal – das wusste ich damals aber nicht.

Irgendwann wurde ich durch das OrtsblĂ€ttchen auf eine geplante Speditionsansiedlung aufmerksam. Im Nachbarort MienenbĂŒttel sollte das entstehen – wenn alles ausgebaut ist, wird es 80 Hektar groß sein. Auf der anderen Seite der Autobahn, in Wennerstorf sollen nochmals 45 Hektar ausgebaut werden. Lidl hat hier schon das Zentrallager Nord hingestellt. Man sagte mir, dass hier das grĂ¶ĂŸte Logistik-Zentrum Deutschlands entsteht.

K63-Richtung-MienenbĂŒttel-2010-10-30

Logistik-Idylle. Aufgenommen am 30. Oktober 2010. Bild: privat

Ich machte mich kundig und fragte Leute in MienenbĂŒttel ĂŒber die Ansiedlung. Und ich erfuhr: Hier gibt es sogar eine BĂŒrgerinitiative MienenbĂŒttel. Wie konnte das sein, dass ich zwei Kilometer weiter nichts davon erfahren hatte?

„Wieso hatte ich nichts erfahren?“

Das Gewerbegebiet wird sich direkt an MienenbĂŒttel anschließen: Wie konnte das sein, dass sich hier so wenig regt?

Die Mitglieder der Initiative waren sehr emotional. Ich habe dann einen Blog aufgesetzt, Informationen gesammelt und diese veröffentlicht.

Denn eins war klar: Alle Entscheidungen waren schon in den Gremien getroffen worden. Man war zu spÀt aufgewacht.

Es gab keine Gutachten, keine ernstzunehmende juristische Beratung. Klar, es wurden Einwendungen gemacht, die aber alle abgeschmettert wurden.

Alles abgeschmettert.

Aktuell ist am 25. Oktober 2010 ein Normenkontrollverfahren beendet worden – ohne Chance auf Revision. Man hatte geklagt, dass die Einwendungen nicht ausreichend berĂŒcksichtigt worden waren. Das mag sein. Da diese aber formal nicht untermauert waren, gab es auch wenig Chancen auf Erfolg mit der Klage.

WĂ€hrend der Planungsphase haben wir hier ordenlich Dampf gemacht. Plakate gemalt, Aufkleber drucken lassen – wir haben sogar eine Demo veranstaltet.

Mir war klar, dass wir wohl nicht mehr viel erreichen konnten. Eins meiner unserer Ziele war, dass wir ein Durchfahrtsverbot fĂŒr Lkw ĂŒber 7,5 Tonnen durch Oldendorf erreichen. Das hat funktioniert. Die Lkw fahren zwar immer noch durch den Ort, wenn die A1 dicht ist. Aber wenigstens etwas.

Ohne RĂŒcksicht auf Verluste.

Es gab viel böses Blut in der Zeit. Das Gewerbegebiet gehört zu Neu-Wulmstorf, wie auch MienenbĂŒttel. Die haben das ohne RĂŒcksicht auf Verluste bei den Nachbarn durchgezogen. Die Stimmung in MienenbĂŒttel ist nicht besonders gut, weil man erst spĂ€t erkannt hat, dass der ganze Ort verĂ€ndert wird.

Die lokale Presse, beispielsweise das Hamburger Abendblatt als große Zeitung, hat das Thema links liegen lassen. Die kleine LokalblĂ€ttchen-Presse hat sich etwas mehr engagiert.

Heute wissen alle: Wir haben geschlafen und sind erst von einem Apparat ĂŒberrollt worden, gegen den man kaum eine Chance hat und bekommen einen Verkehr, der das Leben hier von Grund auf verĂ€ndern wird.

Solange sich die „gewĂ€hlten Vertreter“ in den gesetzlich zulĂ€ssigen Grenzen bewegen, kann man wenig machen. NatĂŒrlich sind die bis an jede dieser Grenzen gegangen. Das einzige, was wir tun können, ist beim nĂ€chsten Mal anders zu wĂ€hlen. So lĂ€uft das „Spiel“.

Kaum den Hauch einer Chance.

Wir haben aber etwas getan – wir haben fĂŒr Aufmerksamkeit gesorgt. Wir hĂ€tten aber viel frĂŒher viel strukturierter gegen das Projekt vorgehen mĂŒssen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben.

BĂŒrgermeister und Verwaltungen beherrschen das GeschĂ€ft. Die machen das jeden Tag, kennen rechtliche Regelungen, VerfahrensablĂ€ufe, Fristen und all das. Auch Investoren kennen das alles. Normale BĂŒrger sind dagegen fast chancenlos.

EmotionalitĂ€t oder gar schlechte Laune bringt ĂŒberhaupt nichts. Hier geht es um Gesetze, Normen, Verfahren. In diesen Sprachen wird verhandelt. Ob einem das gefĂ€llt oder nicht. Wer sich dagegen auflehnt, hat immerhin die Chance ZugestĂ€ndnisse zu erreichen, wie wir in Oldendorf mit dem Durchfahrtsverbot.

Wir sind der kleinste Ort der umliegenden Gemeinden und haben den grĂ¶ĂŸten Krach gemacht. Sogar das ZDF hat ĂŒber uns berichtet.

IG neinzupfenning-Vertreter war zu Besuch.

Irgendwann war auch mal jemand von der IG neinzupfenning hier bei uns mit seinem Wohnmobil und hat sich zum Lauf der Dinge und unseren Aktionen erkundigt. Wir haben informiert und dem Mann und seiner Frau Material mitgegeben. Seitdem haben wir nie mehr von diesen Menschen gehört.

Übers Internet hat mich Herr Prothmann kontaktiert – wir haben uns ausfĂŒhrlich ĂŒber die jeweiligen „ZustĂ€nde“ unterhalten.

Dabei haben wir durchaus unterschiedliche Sichtweisen – ich bin Betroffener und habe mich zusammen mit anderen gewehrt. Herr Prothmann ist Journalist und berichtet ĂŒber das Verfahren.

Zwar ist er „zufĂ€llig“ auch zum Gemeinderat gewĂ€hlt worden, aber auch hier steht er abseits mit seiner Transparenz und seinem klugen Sachverstand.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Oldendorf und Heddesheim.

Nach dem Kontakt habe ich sehr interessiert das heddesheimblog gelesen und viele Gemeinsamkeiten im Verfahrensgang zu „unserem“ Logistik-Zentrum feststellen können. Die Dokumentation ist beeindruckend.

Auch hier bei uns haben die „Einheimischen“, die auch in Überzahl in den Gremien vertreten sind, das Sagen und nichts gegen die Ansiedlung einzuwenden gehabt. Andere Einheimische haben sich angeschlossen – man kennt sich, versteht sich und vertraut sich: Wird schon werden…

Heute sind viele dieser Verbindungen teils unrettbar zerbrochen. Ich gebe allen den Rat, die Emotionen draußen zu lassen und sich auf die neue Situation einzustellen, so gut das eben geht. Das ist natĂŒrlich schwer, sind die EnttĂ€uschungen doch groß.

Heddesheim und Hirschberg sind in einer anderen Lage – durch die professionelle journalistische Begleitung. Ich hĂ€tte mich gefreut, hĂ€tte ich jemanden wie Herrn Prothmann hier vor Ort gehabt. Der beherrscht sein Handwerk – das kann ich beurteilen, weil ich selbst schon lange im VerlagsgeschĂ€ft fĂŒr große Medien arbeite.

Emotionen mĂŒssen draußen bleiben.

Was mich bis heute Ă€rgert, ist, wie hilflos man gegenĂŒber der BĂŒrokratie und den Strippenziehern als BĂŒrger ist. Aber wie gesagt – die Emotionen mĂŒssen draußen bleiben.

Ich habe meine SchlĂŒsse daraus gezogen und weiß fĂŒr die Zukunft, wie wichtig es ist, gut informiert zu werden und seinen Teil dazu beizutragen. Der Lobby aus Verwaltung, Wirtschaft und Lokalmedien kann man sonst nichts entgegensetzen.

Viele wollen das wahrscheinlich nicht, weil sie sich damit arrangiert haben. Das kann ein Leben lang gutgehen – aber auch an dem Tag zur ErnĂŒchterung fĂŒhren, wenn man selbst dadurch einen Nachteil hat.

BI Oldendorf

Zu spĂ€t, um noch „mitentscheiden“ zu dĂŒrfen: Die homepage der BĂŒrgerinitiative Oldendorf.

Den Heddesheimern wĂŒnsche ich viel Erfolg bei ihrem zivilen Widerstand. Bleibt friedlich, das waren wir hier auch und das war mir und allen, die ich kenne, sehr wichtig.

„Man muss sich engagieren, sonst wird das nichts.“ Dieter Pfenning

Aber tĂ€uscht Euch nicht, was Eure „Mitwirkungsmöglichkeiten“ angeht. Die sind, soweit ich das ĂŒberblicken kann, nur noch juristischer Natur.

Es besteht weiterhin die Chance, fĂŒr Aufmerksamkeit zu sorgen. DafĂŒr muss man sich aber engagieren, sonst wird das nichts.

Das gilt fĂŒr alle Ort in Deutschland. Und ebenso: Seid froh, dass ihr einen unabhĂ€ngigen Journalismus im Ort habt, auch, wenn der manchmal unbequem ist. Denn das gilt nur fĂŒr die wenigsten Orte in Deutschland.

Protokoll: Hardy Prothmann
Anmerkung der Redaktion: Ein Protokoll ist eine besondere journalistische Form. Die Grundlage ist ein GesprĂ€ch, dass Herr Pfenning und Herr Prothmann miteinander gefĂŒhrt haben. Dieses GesprĂ€ch wurde zusammengefasst und als Artikel zur Freigabe vorgelegt. Herr Pfenning hat kleinere Korrekturen vorgenommen und dann dem Text zur Veröffentlichung zugestimmt.

SWR-Landesschau berichtet ĂŒber unsere Blogs

Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 30. Oktober 2010. Die SWR-Landesschau Baden-WĂŒrttemberg hat gestern in einem Beitrag ĂŒber uns berichtet – Sie können den Film auch ĂŒber die Mediathek anschauen.

Beitrag in der SWR-Landesschau

Im Beitrag des SWR geht es um Chancen und Risiken des Internet – Hardy Prothmann und seine lokaljournalistische Arbeit gelten als Synonym fĂŒr kritischen Journalismus vor Ort.

Hier können Sie den Film anschauen: SWR-Mediathek

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog