Donnerstag, 13. Juni 2019

Zeitgemäßes Design, "neue Maßstäbe" (bisher) Fehlanzeige

Ländle mit neuer Homepädsch

Rhein-Neckar, 04. Februar 2013. (red/zef) Seit dem 01. Februar 2013 hat das Land Baden-W√ľrttemberg eine neue Online-Plattform. Die Homepage soll neue Ma√üst√§be setzen, damit ‚Äěsich die B√ľrgerinnen und B√ľrger mit Politik auseinandersetzen‚Äú, sagt die Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium. Wir haben uns die Seite angeschaut: „Neue Ma√üst√§be“ gilt im Vergleich mit der alten Seite bestimmt, das Design ist frisch und modern ‚Äď inhaltlich und konzeptionell kann die Seite aber durchaus noch zulegen. Immerhin: In den ersten drei Stunden nach dem Start am 1. Februar haben bereits 2.500 Menschen insgesamt 15.000 Seiten aufgerufen – und das innerhalb von drei Stunden.

Von Ziad-Emanuel Farag

Oben sind die f√ľnf strukturierenden Elemtente zu sehen, darunter der anschauliche Slider mit aktuellen Artikeln. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Sofort sticht der ansprechende Slider ins Auge. Dieser pr√§sentiert aktuelle politische Themen anschaulich. Hier kommen nicht nur Artikel, sondern auch andere Medien wie Videos oder Fotostrecken zum Einsatz¬† Aktuelle Beispiele w√§ren: Ein Zeitstrahl dar√ľber,was die gr√ľn-rote Landesregierung bisher geleistet hat, die Ganztagsschule oder die Bildungsgerechtigkeit. Man kann den Slider automatisch die Artikel abspielen lassen oder einfach bequem per Pfeil in der Mitte oder der Navigationsleiste unten wechseln.

Besonders brisant wirkt der „transparente Landeshaushalt“. Hier gibt es zwar viel Zahlenwerk: Das Regierungspr√§sidium Stuttgart erh√§lt 8,4 Millionen Euro f√ľr Bundesautobahnen, w√§hrend Kalrsruhe 4,4 Millionen Euro erh√§lt . Viele Fragen bleiben hier aber v√∂llig unbeantwortet: Wieviel Geld wird in welche Autobahnen investiert? Da stehen viele Zahlen – ohne weitere Informationen sind sie kaum zu nutzen. Da steht gar nichts! Bei den Hochschulen ist der Landeshaushalt auch sehr pauschal: Einzeln aufgeschl√ľsselt werden die aktuellen Zuwendungen f√ľr Bauma√ünahmen. √úber die Verteilung der restlichen 336 Millionen Euro erf√§hrt man nichts. Blo√ü keine Verteilungskritik riskieren, scheint hier die Devise zu lauten. Der „transparente Landeshaushalt“ verspricht mehr als er h√§lt. Die Bedienung ist zudem √§u√üerst umst√§ndlich.

Die Seite unterteilt sich ingesamt in f√ľnf Rubriken: ‚ÄúUnser Land‚ÄĚ, ‚ÄúRegierung‚ÄĚ, ‚ÄúBW gestalten‚ÄĚ ‚ÄúService‚ÄĚ und ‚ÄúBeteiligungsportal‚ÄĚ. Die ersten vier erm√∂glichen eine einfache Orientierung. Legt man den Cursor auf einer dieser Buttons, wird eine umfangreiche, aber √ľbersichtliche Auflistung der Unterpunkte angezeigt. In der Rubrik „Regierung“ gelangt man schnell zu Vorstellungen der Regierungsmitglieder und ihrer Ministerien. „Unser Land“ bietet einen √úberblick √ľber alles Erdenkliche zu Baden-W√ľrttemberg. Geschichte, Geografie, Landesverfassung, ein Quiz zur Unterhaltung, Traditionen, hier ist alles dabei.

„BW gestalten“ erkl√§rt, wie Baden-W√ľrttemberg k√ľnftig aussehen soll:¬† „Erfolgreiches Baden-W√ľrttemberg“ (Wirtschaftspolitik), „Schlaues Baden-W√ľrttemberg“ (Bildungspolitik), „Nachhaltiges Baden-W√ľrttemberg (Energiepolitik)“, „B√ľrgernahes Baden-W√ľrttemberg (B√ľrgerbeteiligung und Integration)“ und „Gerechtes Baden-W√ľrttemberg (Gleichstellung, Inklusion, Gesundheitspolitik)“. Dies liest sich aber zunehmend fade, irgendwann hat man dann genug von Baden-W√ľrttemberg. Wenigstens fasst die Landesregierung hierbei ihre politischen Ziele unter wenigen, verst√§ndlichen Schlagworten zusammen. In der Rubrik „Service“ erh√§lt der Leser viele Informationen, um Kontakt zu √Ąmtern aufzunehmen, sich einen √úberblick √ľber Publiktationen zu verschaffen oder einfach einen Ansprechpartner zu erhalten.

Die Detailansicht in den einzelnen Rubriken. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Das „Beteiligungsportal“ schlie√ülich soll k√ľnftig ‚ÄúMehr Demokratie klicken‚ÄĚ gew√§hrleisten. Dem m√ľssen jedoch au√üer blo√üen Ank√ľndigungen Taten folgen. Daf√ľr gibt es bereits auf der Startseite einen Textkasten, in dem man schnell eine Frage an die Landesregierung eintippen kann. Wir haben diese Funktion mit einer Frage am Freitag selbst getestet. Bis heute, den 04. Februar 2013, 17:00 Uhr haben wir noch keine Antwort erhalten.¬† Am, Dienstag, den 05. Februar, wurde sie um 14:43 beantwortet.

Wir erinnern uns: Baden-W√ľrttemberg soll gerecht werden. „Menschen mit Behinderung geh√∂ren in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb bauen wir Barrieren und Benachteiligungen ab.“ Nirgendwo geht das schneller und einfacher als online. Eine Seite, die m√∂glichst alle mit Behinderungen leicht nutzen k√∂nnen, ist unverhandelbar: Nirgendwo gibt es so wenige Barrieren wie am eigenenen Rechner. Hier scheitert die neue Homepage aber: Einige Artikel k√∂nnen zwar vorgelesen werden. Dies geschieht jedoch so blechern, dass man dem nicht folgen kann. Wenn doch, w√ľrde man es nicht wollen. Mit den verbreiteten Leseger√§ten f√ľr Blinden f√§llt es diesen also deutlich einfacher, sich zu informieren. Der Button daf√ľr ist viel zu klein. Sehbehinderte d√ľrften ihn nicht ausmachen k√∂nnen. Hier w√§re es ratsam, die entsprechende Funktion in der Zeile der √úberschrift zu platzieren anstatt neben der Unter√ľberschrift.

Die Vorlesefunktion ist in dieser Zeile nur schwer zu sehen. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Der neue Ma√üstab muss also noch ordentlich Ma√ü nehmen, um tats√§chlich √ľberzeugen zu k√∂nnen. Immerhin, ein Anfang ist gemacht und man darf gespannt sein, was noch folgt.

Geprothmannt: „Occupy“ ist kein Schlachtruf, sondern ein Bekenntnis


"Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fälschlich glaubt, frei zu sein." Die junge Frau demonstriert mit einem Goethe-Zitat in New York bei "Occupy Wall Street". Foto: CC David Shankbone/wikipedia

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 17. Oktober 2011 (red) Heute vor einem Monat „besetzten“ rund 1.000 Demonstranten die Wall-Street – also vielmehr Parks und Stra√üen in der N√§he der New Yorker-B√∂rse. Als demokratische Vorbild nennen die Demonstranten den „arabischen Fr√ľhling“ – als Symbol f√ľr die Vertreibung der Diktatoren und Regimes. F√ľr die „Occupy“-Bewegung sind das im Westen vor allem die Banken. Aber auch Politiker, vornehmlich konservative, werden kritisiert.

Von Hardy Prothmann

Was hat man davon zu halten? Von „Occupy Wall Street“? Alles nur eine Art „Demo-Mode“ junger, wohlhabender Freizeitdemonstranten, die ein wenig „Action“ brauchen? Oder ist das eine ernstzunehmende Entwicklung eines politischen Protestes gegen Systeme, die das Volk nicht mehr versteht? Vor allem das der Spekulation der „Hochfinanz“?

Die Demonstranten nehmen sich die Aufst√§ndischen des arabischen Fr√ľhlings zum Vorbild und sitzen oder marschieren gegen das Regime. Aus Ihrer Sicht nicht gegen waffenstarrende Dikatatoren, sondern gegen eine viel gr√∂√üere Macht. Das Regime des Geldes. Kontrolliert von den Banken. Und von der mit diesen auf vielf√§ltige Weise verflochtetenen Politik.

Menschen haben Rechte – nicht nur die Pflicht zu zahlen

Es ist das gute Recht dieser Menschen, das sie wahrnehmen. Sie haben das Recht ihre Meinung zu äußern, sich zu versammeln und zu protestieren.

Auch in Deutschland haben mehrere zehntausend Menschen am Samstag demonstriert. Gegen die Banken. Gegen Geld-Systeme, die angeblich so erfolgreich sind und doch st√§ndig „Rettungsschirme“ brauchen – also unser aller Geld. Weil sie sich mal eben „aus Versehen“ in ihrer Gier wieder verzockt haben. Die Boni der Manager sind meistens nicht gef√§hrdet.

Der Seele des Protestes der Demonstranten n√§hrt sich nicht aus Gier oder Neid. Sondern aus dem Austausch von Informationen. Und einer neuen Sicht auf die Welt. Und einer fehlenden Kontrolle der ehemaligen Kontrolleure √ľber Informationen.

Hardy Prothmann sieht die Welt mit seiner Kolumne "Geprothmannt" ganz subjektiv.

„Occupy“ hat als ein Vorbild den „arabischen Fr√ľhling“ – aber es steckt mehr dahinter. Beispielsweise Wikileaks – die Aufdeckungsplattform hat f√ľr viel Aufregung gesorgt. Durch die Weitergabe geheimer Informationen. Dadurch wurde der Schmutz, nein, der Dreck der angeblich sch√∂nen, reinen Welt der angeblich so verantwortungsvollen M√§chtigen nicht nur in Frage gestellt, sondern als System aus L√ľgen und Betrug entttarnt.

Wikileaks wäre ohne vernetzte Computer nicht vorstellbar. Geheimnisse wurden schon immer verraten Рaber noch nie in diesem Ausmaß. Mordende amerikanische Soldaten im Irak oder haarsträubende Politikerdepeschen Рdie Wahrheiten kommen ans Licht.

Aber Wikileaks und Occupy haben noch andere Vorl√§ufer. Greenpeace und Attac beispielsweise – zwei Gruppen, die sich durch gute Vernetzung immer wieder Informationen verschaffen und ver√∂ffentlichen konnten, die geheim bleiben sollten. Unsere heutige „moderne“ Umweltpolitik w√§re ohne Greenpeace nicht vorstellbar.

Occupy ist weit mehr als ein bislang √ľberschaubarer Protest

Auch Gruppen wie Transparency International oder der deutsche Verein Foebud tragen zur Information der Gesellschaft und zur Abschaltung von Missst√§nden bei. Und √ľberall gibt es jede Menge anderer „Aktivisten“, die nicht mehr hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird, sondern Fragen stellen, ihre Rechte einfordern und sich nicht einsch√ľchtern lassen.

Auch die Gegner von Stuttgart 21 sind eine Art „Occupy“-Bewegung. Ein knappes Dutzend B√ľrger haben in Stuttgart fluegel.tv gegr√ľndet. Was mit einer Webcam begonnen hat, ist mittlerweile auch f√ľr die Politik ein ernstzunehmender „Medienpartner“. Denn fluegel.tv erreicht √ľbers Internet so viele Menschen, wie sich erreichen lassen wollen. Und es sind viele. Und es werden immer mehr.

„Die Politik“ reagiert kopflos bis b√∂sartig. Als am „schwarzen Donnerstag“, dem 30. September 2010, die Demonstranten mit Wasserwerfern und Pfefferspray angegriffen worden sind, war das politische Schicksal des damals amtierenden Ministerpr√§sidenten Stefan Mappus (CDU) besiegelt.

Die Menschen, die Mappus als Chaoten bezeichnet hat, sind B√ľrgerinnen und B√ľrger. Keine Gesetzlosen. Sondern anst√§ndige Leute, die ihre Rechte wahrnehmen. N√§mlich sich zu versammeln und ihre Meinung zu √§u√üern. Und die ist halt nicht die der CDU, FDP und gro√üen Teilen der SPD. Was im Umkehrschluss nicht hei√üen muss, dass all „Gr√ľn“ oder „Links“ w√§hlen – manche w√§hlen aus „Pflichtgef√ľhl“ trotzdem CDU oder SPD. Manche sind unbelehrbar und w√§hlen FDP. Und andere die „Piraten“. Und viele vielleicht in Zukunft lieber die Stra√üe als eine Partei.

Und jetzt steht fest, dass die CDU-Politiker Stefan Mappus und sein ehemaliger Finanzminister Willi Stächele Verfassungsbrecher sind. Politische Ganoven, die vermutlich schadlos davonkommen.

Selbst die konservative Welt schreibt:

„Baden-W√ľrttembergs Landtagspr√§sident Willi St√§chele (CDU) ist zur√ľckgetreten. ‚ÄěIch gebe mein Amt zur√ľck“, sagte St√§chele in Stuttgart. Damit zog er die Konsequenz aus einem Urteil des Staatsgerichtshofs vom vergangenen Donnerstag.

Die Richter hatten ihm einen Verfassungsbruch bescheinigt, weil er als Finanzminister Ende 2010 beim R√ľckkauf der EnBW-Anteile durch das Land die Mitwirkungsrechte des Landtags umgangen hatte.“

Der „ehrenvolle“ Landtagspr√§sident St√§chele war sich vor seinem R√ľcktritt nicht zu schade, den Verfassungsbruch als „staatsm√§nnische Handlung“ zu umschreiben:

„St√§chele hatte bisher einen R√ľcktritt abgelehnt und betont, es sei ihm beim EnBW-Deal um eine schnelle Entscheidung im Interesse und zum Wohle des Landes gegangen.“

Es ging St√§chele also um das „Wohl des Landes“. Dass dabei Banken einen guten Schnitt gemacht haben und pers√∂nliche Verbindungen zwischen Mappus und Bankmanagern eine Rolle gespielt haben k√∂nnten – das soll man nicht denken d√ľrfen.

Auch Stuttgart 21 hat viel mit Geld von Banken und anderen „Interessierten“ dem „Wohl des Landes“ zu tun. Das Projekt, das angeblich mal keine zwei Milliarden Euro kosten sollte, soll aktuell 4,5 Milliarden kosten – es gibt genug Hinweise, dass es viel mehr kosten wird. Und der neue starke Mann der Baden-W√ľrttembergischen CDU, Peter Hauk, hat im Wahlkampf verk√ľndet, dass es „Baden-W√ľrttemberg egal sein kann, ob es zehn oder f√ľnfzehn Milliarden Euro kostet„. Wei√ü der Mann mehr als andere? Kennt er schon die „echten“ Zahlen?

Hat er „aus dem N√§hk√§stchen geplaudert“, vor einem Jahr in Hirschberg an der Bergstra√üe, einem kleinen Ort, wo er niemanden vermutet hat, der seine Worte weitertr√§gt? Unser Artikel √ľber seinen Auftritt hatte innerhalb von zwei Tagen 26.000 Leserinnen und Leser. Wir haben email aus Moskau, London und Istanbul erhalten.

Das Spiel heißt Monopoly Рwie es ausgeht, weiß jeder

Das ist noch nicht „Occupy“ – aber die Informationen f√ľhren dahin. Sie f√ľhren dazu, dass sich Menschen emp√∂ren und dieses „Spiel“ nicht mehr mitmachen wollen.

Warum sind die Menschen in einigen arabischen L√§ndern auf die Stra√üe gegangen? Zuerst in Tunesien, dann in √Ągypten? Weil sie gut ausgebildet sind und Informationen austauschen. Und weil sie gemerkt haben, dass sie reingelegt werden.

Und weil sie merken, dass etwas nicht stimmt. Dass es der Mehrzahl immer schlechter geht, während wenige immer mehr haben.

In Griechenland und Spanien (zwei L√§ndern mit „erzkonservativen“ Gesellschaften) gibt es seit Monaten Massenproteste – in anderen L√§ndern g√§rt es. Auch in Deutschland sind solche Proteste nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn immer mehr Menschen in Billigjobs „besch√§ftigt“ werden, die sp√§ter noch nicht einmal eine Rente am Existenzminimum erm√∂glichen, dann steigen die Menschen aus. Das verstehen sie nicht mehr. Deswegen fordern sie Ver√§nderungen.

Niemand muss deswegen das Gespenst des Kommunismus an die Wand malen. Sondern einfach nur nachdenken, was man will und wo man leben möchte.

F√ľr viele ist Amerika immer noch ein Land der unbegrenzten M√∂glichkeiten. Sofern man Geld hat, ist das gar nicht so falsch. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass Amerika pleite ist und die meisten B√ľrger dort vor existenziellen Fragen stehen.

Tunesien und √Ągypten waren bis vor den Revolutionen beliebte Urlaubsl√§nder – wenn man genau hinschaut, hat man aber nur gut bezahlte „Resorts“ gesehen und vom Elend der Leute nichts mitbekommen (wollen).

Auch in Deutschland wächst die Armut Рauch wenn die Wirtschaft brummt

Und wenn man in Deutschland genau hinschaut, weiß man, dass Kinder ein Armutsrisiko bedeuten. Wenn man genau hinschaut, sieht man, wie die Armut wächst Рobwohl die Wirtschaft bis vor kurzem brummte.

Die Konsequenzen werden – wenn man nicht hinschauen will – so sein, wie in vielen Teilen der Welt. F√ľrchterlich. Dort sind die Stra√üen gef√§hrliche Orte und wer es sich leisten kann, meidet sie. Die „wohl“-habenden (siehe St√§chele und andere, deren „Wohl“ immer auch Haben bedeutet) leben in bewachten Quartieren hinter hohen Mauern – wie im Knast. Wer ein wenig au√üerhalb von „idyllischen Paradisen“ der Urlaubsscheinwelt herumgekommen ist, wei√ü das.

Wer gerne daf√ľr eintritt, in einem freien Land zu leben, das B√ľrgerrechte sch√ľtzt und verteidigt, das die Zivilgesellschaft als Ziel hat und Bildung und Meinungs- sowie Informationsfreiheit als selbstverst√§ndlich erachtet, der wird ab einem gewissen Punkt sehr genau dar√ľber nachdenken m√ľssen, ob „Occupy“ nicht nur ein Bekenntnis, sondern im Zweifel ein Schlachtruf sein sollte. F√ľr die Freiheit. Von m√∂glichst vielen Menschen.

Bleiben Sie aufmerksam!

Ihr

P.S.
Wer die Meinung des Autors f√ľr eine „Einzelmeinung“ h√§lt, kann gerne beim Debattenmagazin „Cicero“ weiterlesen.

In eigener Sache: rheinneckarblog istlokal.de


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 25. Januar 2011. Ende 2010 haben die Journalisten Stefan Aigner und Hardy Prothmann sowie der Diplom-Medienp√§dagoge Thomas Pfeiffer das Netzwerk istlokal.de gestartet. Das Netzwerk unterst√ľtzt journalistische Angebote im Internet, die lokal oder regional informieren.

Von Hardy Prothmann

Die lokale Berichterstattung bietet die exklusivsten Nachrichten der Welt. Was vor Ort passiert, betrifft die Menschen, die dort leben. Egal ob in M√ľnchen, Berlin, K√∂ln, Stuttgart, auf dem platten Land oder in einem Ballungsraum. Oder in New York, Los Angeles, Paris, London, Mailand, Barcelona.

In den vergangenen zwei Jahren sind in vielen Orten Deutschlands lokale „Blogs“ oder digitale Internet-Zeitungen entstanden und auch 2011 werden viele neue Angebote dazukommen. Mal sind es politisch engangierte B√ľrger, mal Journalisten, die das „nebenbei“ machen. Aber immer mehr Angebote werden mit dem Anspruch der Herausgeber betrieben, von dieser Arbeit auch leben zu k√∂nnen.

Kritischer Zustand des Journalismus.

Jeder, der ein kommerzielles Angbot betreibt, steht dabei vor denselben Problemen: Der lokale und regionale Werbemarkt im Internet ist noch nicht befriedigend entwickelt, noch nicht einmal ausreichend.

Das Portal von istlokal.de bietet vernetzten Journalismus.

Aus gutem Grund. Die Presselandschaft in Deutschland ist √ľberwiegend monopolisiert. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es fast nur noch „Einzeitungskreise“ – sprich, es gibt keinen journalistischen Wettbewerb mehr vor Ort. Die Monopolzeitungen bestimmen, √ľber wen was wann wie berichtet wird.

Wozu das f√ľhrt, zeigt das Beispiel Stuttgart21 deutlich. Die Stuttgarter Zeitung hat kaum kritisch berichtet – aus gutem Grund. Wie der stern mit dem Hintergrundbericht „Fahrt auf schw√§bischem Filz“ offenlegte, geh√∂rt die Zeitung zur S√ľdwestdeutschen Medienholding (SWMH), die vor einiger Zeit die S√ľddeutsche Zeitung gekauft hat.

„Fahrt auf schw√§bischem Filz.“

Ein schwerer finanzieller Brocken, der das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte. √úber die Landesbank Baden-W√ľrttemberg nahm man ein Schuldscheindarlehen √ľber 300 Millionen Euro auf, so der Bericht.

Darin hei√üt es: „Die LBBW war hierf√ľr ein idealer Partner. Vorsitzender ihrer Tr√§gerversammlung ist Ministerpr√§sident Mappus. In ihrem Verwaltungsrat hat die Politik das Sagen. Vorsitzender ist der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Schneider, Pr√§sident des baden-w√ľrttembergischen Sparkassenverbands. Mitglieder des Verwaltungsrats sind unter anderem der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster, die CDU-Landesminister Wolfgang Reinhart (Berlin/Europa) und Willi St√§chele (Finanzen), die Unternehmer Heinz D√ľrr und Dieter Hundt und Claus Schmiedel, Chef der SPD-Fraktion im Landtag. Der hielt Stuttgart 21 bis vor kurzem f√ľr „menschenfreundlich, umweltfreundlich und relativ schnell realisierbar.“

Solche Verbindungen lassen vermuten, dass eine objektive Berichterstattung nicht mehr gegeben ist.

Der stern berichtet √ľber die Verfilzung von Medien, Politik und Wirtschaft.

Zur√ľck zum Werbemarkt – der wird von Zeitungen dominiert. Und jede Anzeige, die von Print nach Online abwandert, ist ein Verlust, der die Zeitungen trifft. Die haben folglich √ľberhaupt kein Interesse, den Online-Werbemarkt zu entwickeln. Denn Online-Anzeigen sind g√ľnstiger, sprich, bringen den Zeitungen weniger Einnahmen.

Dramatische Entwicklung.

Und wer sich online informiert, auch durch Werbung, braucht keine Zeitung mehr – die teils dramatisch zur√ľckgehenden Auflagen- und Abozahlen zeigen deutlich, unter welchem wirtschaftlichem Druck Zeitungen stehen.

Mit dramatischen Folgen f√ľr die B√ľrgerinnen und B√ľrger: Die Berichterstattung wird zunehmend flacher, da die Zeitungsverlage in den vergangenen Jahren hunderte Journalisten entlassen haben. Es gibt Regionen in Deutschland, √ľber die √ľberhaupt keine Berichterstattung mehr stattfindet. Die ungepr√ľfte √úbernahmen von „PR-Artikel“ ist an der Tagesordnung.

Wer aufmerksam die Zeitung liest, stellt fest, dass der √ľberwiegende Teil der Artikel nicht mehr redaktionell vor Ort erarbeitet wird, sondern au√üerhalb der Zeitung. Ob als Agenturmeldung oder PR-Text.

Und es gibt jede Menge Lokalredakteure, die eine Pressemitteilung ein wenig umschreiben und dann unter ihrem Namen als eigenen Artikel ver√∂ffentlichen. Das ist Betrug am Leser. Und der findet t√§glich √ľberall statt.

Journalismus ist wichtig f√ľr die Demokratie.

Und es schadet der Glaubw√ľrdigkeit des Journalismus, der eigentlich die „4. Macht“ im Staate sein soll. Durch kritisches Pr√ľfen von Informationen, durch Recherche von Hintergr√ľnden und Verbindungen, durch eine objektive Berichterstattung. Diese Aufgabe ist enorm wichtig, um eine Demokratie stabil zu halten.

Engagierte B√ľrger und freie Journalisten gr√ľnden deshalb ihre eigenen Medien – aus Frust √ľber die unzul√§ngliche „Lobby“-Berichterstattung der Zeitungen, die oft mehr verschweigen, denn berichten. Aus der √úberzeugung heraus, dass dort immer weniger echter Journalismus stattfindet.

Die Alternative heißen Blog oder Internet-Zeitung Рdie Namensgebung spielt keine Rolle, sondern der Inhalt. Hier finden Dokumentation und kritische Berichte statt.

Vielfältige Herausforderungen.

„B√ľrgerjournalisten“ stehen dabei vor der Herausforderung, wie sie diese journalistische T√§tigkeit wahrnehmen. Journalismus ist ein Handwerk, das man lernen kann und muss. Ohne Kenntnisse in Sachen Recherche, Schreiben und auch Medienrecht werden wichtige Informationen nicht gefunden oder es drohen Abmahnungen von denen, die sich durch die Berichte „gest√∂rt“ f√ľhlen – sei es die Kirche, seien es Unternehmen oder Politiker oder √Ąmter.

Hardy Prothmann ist verantwortlicher Redakteur f√ľr die Angebote des rheinneckarblogs. Bild: sap

Professionelle Journalisten brauchen Einnahmen, von denen sie leben k√∂nnen und mit denen sie ihre Arbeit finanzieren. Also Werbeeinnahmen. Manche gr√ľnden auch F√∂rdervereine, die die Arbeit √ľber Mitgliedsbeitr√§ge und Spenden finanzieren.

Das Netzwerk istlokal.de will eine Genossenschaft gr√ľnden, in der unabh√§ngige Internet-Medien, die lokal und/oder regional berichten, sich organisieren. Um journalistische Aus- und Fortbildung anzubieten. Um sich bei technischen L√∂sungen zu unterst√ľtzen, um sich rechtlich wehren zu k√∂nnen und nat√ľrlich, um den lokal-regionalen Onlinewerbemarkt voranzubringen.

Wir stehen dabei in Konkurrenz zu den Tageszeitungen. Journalistisch und auch geschäftlich.

Vernetzter Journalismus.

Wo es schon teils herausragende lokale Angebote gibt, können Sie auf unserer Seite istlokal.de nachschauen. Wenn Sie selbst ein Angebot planen, können Sie sich gerne an uns wenden. Wenn Sie schon ein Angebot in Betrieb haben, schließen Sie sich uns an. Die notwendigen Informationen finden Sie auf unserer Website.

istlokal.de wird seine Mitglieder, egal ob hauptberufliche Journalisten oder B√ľrgerjournalisten, unterst√ľtzen. Zum einen zur F√∂rderung der Presse- und Meinungsfreiheit, zum anderen als „Unternehmer“-Verband f√ľr professionelle Journalisten. Und wir sind √ľberzeugt davon, dass wir auch die Wirtschaft, die Vereine, die Forschung und andere Bereiche der Gesellschaft mit einem verantwortungsvollen Journalismus unterst√ľtzen.

F√ľr das erste Halbjahr 2011 ist eine Informationsveranstaltung geplant. Wir werden Sie √ľber unsere Fortschritte zeitnah informieren.

Hintergrund:

Hardy Prothmann ist verantwortlich f√ľr das rheinneckarblog und betreibt zudem die lokalen Angebote heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de und weinheimblog.de. F√ľr seine Arbeit wurde er 2009 und die „100 Journalisten des Jahres“ durch eine unabh√§ngige Jury der Fachzeitschrift „MediumMagazin“ auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gew√§hlt.

Er arbeitet seit 1991 als freier Journalist. W√§hrend des Studiums von 1991-1994 f√ľr den Mannheimer Morgen, ab 1995 √ľberregional f√ľr fast alle gro√üen Medien sowie die ARD. Er ist Gr√ľndungsmitglied von netzwerk recherche und Mitglied des Frankfurter Presseclubs. Im Mai 2009 startete er das heddesheimblog.de.

Stefan Aigner ist freier Journalist in Regensburg. Er betreibt die Seite regensburg-digital.de und ist bundesweit durch seine kritische Berichterstattung bekannt geworden, die ihm schon drei Prozesse eingebracht hat. Aktuell hat ihn die Di√∂zese Regensburg verklagt, weil er die Zahlung von Geldern an die Eltern eines Missbrauchsopfers in Anlehnung an einen Spiegelbericht als „Schweigegeld“ benannt hat. Die katholische Kirche hat auf Unterlassung geklagt. Weil Stefan Aigner 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, hat er sich auf den Prozess einlassen k√∂nnen. Das Hamburger Landgericht will das Urteil Ende Februar 2011 verk√ľnden.

Thomas Pfeiffer ist Diplom-Medienp√§dagoge und Social Media-Experte. Er betreibt die Seite webevangelisten.de und ist Mitbegr√ľnder des Twittwoch, eines Vereins zur F√∂rderung von Social Media-Anwendungen. Der passionierte Bergsteiger unterst√ľtzt das Netzwerk istlokal.de mit seinen Expertenkenntnissen. Als politisch interessierter B√ľrger ist er zudem „Genosse“ der links-liberalen Tageszeitung die „taz“ aus Berlin.

istlokal.de wurde am 28. Dezember 2010 in Heddesheim gegr√ľndet. Zur Zeit findet die Mitgliederwerbung statt. In K√ľrze wird der „Vorstand“ durch weitere Journalisten erweitert, die sich aktiv in das Netzwerk einbringen wollen. Geplant ist die Gr√ľndung einer Genossenschaft sowie einer operativen GmbH, die die organisatorischen Arbeiten √ľbernimmt.

Wir sind offen f√ľr Sponsoren, die zu uns passen und Kooperationspartner, die gerne mit istlokal.de zusammenarbeiten m√∂chten. Erste Gespr√§che werden mit der Fotografenagentur Freelens sowie dem Autoren-Netzwerk Freischreiber gef√ľhrt.