Dienstag, 11. Juni 2019

UnterstĂŒtzen Sie das Rheinneckarblog-Netzwerk

Herzlich willkommen im Freundeskreis

freundeskreis logoRhein-Neckar, 18. Juni 2013. (red) Ab heute gibt es den Freundeskreis fĂŒr unsere Ortsblogs sowie das Rheinneckarblog. Was das ist? Eine Art freiwilliges Abo, mit der Sie unsere Arbeit unterstĂŒtzen. FĂŒr unsere Freunde haben wir in Zukunft besondere Angebote, mit denen wir uns fĂŒr die UnterstĂŒtzung bedanken. [Weiterlesen…]

Lokaljournalismus 2.0

Vier Jahre Heddesheimblog: Wie aus Zufall ein System wurde

moma_prothmann

Hardy Prothmann, Chefredakteur, in einem Beitrag von ARD-Morgenmagazin zur Krise des Journalismus.

Heddesheim/Rhein-Neckar, 12. Mai 2013. Das Heddesheimblog.de und die anderen Ortsblogs gibt es nun seit vier Jahren – wir freuen uns sehr, dass wir diese vier Jahre ĂŒberstanden haben und uns vor Ort, in der Region und sogar darĂŒber hinaus etablieren konnten. Ein Blick zurĂŒck ist immer auch einer nach vorne. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: „Occupy“ ist kein Schlachtruf, sondern ein Bekenntnis


"Niemand ist hoffnungsloser versklavt als der, der fÀlschlich glaubt, frei zu sein." Die junge Frau demonstriert mit einem Goethe-Zitat in New York bei "Occupy Wall Street". Foto: CC David Shankbone/wikipedia

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 17. Oktober 2011 (red) Heute vor einem Monat „besetzten“ rund 1.000 Demonstranten die Wall-Street – also vielmehr Parks und Straßen in der NĂ€he der New Yorker-Börse. Als demokratische Vorbild nennen die Demonstranten den „arabischen FrĂŒhling“ – als Symbol fĂŒr die Vertreibung der Diktatoren und Regimes. FĂŒr die „Occupy“-Bewegung sind das im Westen vor allem die Banken. Aber auch Politiker, vornehmlich konservative, werden kritisiert.

Von Hardy Prothmann

Was hat man davon zu halten? Von „Occupy Wall Street“? Alles nur eine Art „Demo-Mode“ junger, wohlhabender Freizeitdemonstranten, die ein wenig „Action“ brauchen? Oder ist das eine ernstzunehmende Entwicklung eines politischen Protestes gegen Systeme, die das Volk nicht mehr versteht? Vor allem das der Spekulation der „Hochfinanz“?

Die Demonstranten nehmen sich die AufstĂ€ndischen des arabischen FrĂŒhlings zum Vorbild und sitzen oder marschieren gegen das Regime. Aus Ihrer Sicht nicht gegen waffenstarrende Dikatatoren, sondern gegen eine viel grĂ¶ĂŸere Macht. Das Regime des Geldes. Kontrolliert von den Banken. Und von der mit diesen auf vielfĂ€ltige Weise verflochtetenen Politik.

Menschen haben Rechte – nicht nur die Pflicht zu zahlen

Es ist das gute Recht dieser Menschen, das sie wahrnehmen. Sie haben das Recht ihre Meinung zu Ă€ußern, sich zu versammeln und zu protestieren.

Auch in Deutschland haben mehrere zehntausend Menschen am Samstag demonstriert. Gegen die Banken. Gegen Geld-Systeme, die angeblich so erfolgreich sind und doch stĂ€ndig „Rettungsschirme“ brauchen – also unser aller Geld. Weil sie sich mal eben „aus Versehen“ in ihrer Gier wieder verzockt haben. Die Boni der Manager sind meistens nicht gefĂ€hrdet.

Der Seele des Protestes der Demonstranten nĂ€hrt sich nicht aus Gier oder Neid. Sondern aus dem Austausch von Informationen. Und einer neuen Sicht auf die Welt. Und einer fehlenden Kontrolle der ehemaligen Kontrolleure ĂŒber Informationen.

Hardy Prothmann sieht die Welt mit seiner Kolumne "Geprothmannt" ganz subjektiv.

„Occupy“ hat als ein Vorbild den „arabischen FrĂŒhling“ – aber es steckt mehr dahinter. Beispielsweise Wikileaks – die Aufdeckungsplattform hat fĂŒr viel Aufregung gesorgt. Durch die Weitergabe geheimer Informationen. Dadurch wurde der Schmutz, nein, der Dreck der angeblich schönen, reinen Welt der angeblich so verantwortungsvollen MĂ€chtigen nicht nur in Frage gestellt, sondern als System aus LĂŒgen und Betrug entttarnt.

Wikileaks wĂ€re ohne vernetzte Computer nicht vorstellbar. Geheimnisse wurden schon immer verraten – aber noch nie in diesem Ausmaß. Mordende amerikanische Soldaten im Irak oder haarstrĂ€ubende Politikerdepeschen – die Wahrheiten kommen ans Licht.

Aber Wikileaks und Occupy haben noch andere VorlĂ€ufer. Greenpeace und Attac beispielsweise – zwei Gruppen, die sich durch gute Vernetzung immer wieder Informationen verschaffen und veröffentlichen konnten, die geheim bleiben sollten. Unsere heutige „moderne“ Umweltpolitik wĂ€re ohne Greenpeace nicht vorstellbar.

Occupy ist weit mehr als ein bislang ĂŒberschaubarer Protest

Auch Gruppen wie Transparency International oder der deutsche Verein Foebud tragen zur Information der Gesellschaft und zur Abschaltung von MissstĂ€nden bei. Und ĂŒberall gibt es jede Menge anderer „Aktivisten“, die nicht mehr hinnehmen, was ihnen vorgesetzt wird, sondern Fragen stellen, ihre Rechte einfordern und sich nicht einschĂŒchtern lassen.

Auch die Gegner von Stuttgart 21 sind eine Art „Occupy“-Bewegung. Ein knappes Dutzend BĂŒrger haben in Stuttgart fluegel.tv gegrĂŒndet. Was mit einer Webcam begonnen hat, ist mittlerweile auch fĂŒr die Politik ein ernstzunehmender „Medienpartner“. Denn fluegel.tv erreicht ĂŒbers Internet so viele Menschen, wie sich erreichen lassen wollen. Und es sind viele. Und es werden immer mehr.

„Die Politik“ reagiert kopflos bis bösartig. Als am „schwarzen Donnerstag“, dem 30. September 2010, die Demonstranten mit Wasserwerfern und Pfefferspray angegriffen worden sind, war das politische Schicksal des damals amtierenden MinisterprĂ€sidenten Stefan Mappus (CDU) besiegelt.

Die Menschen, die Mappus als Chaoten bezeichnet hat, sind BĂŒrgerinnen und BĂŒrger. Keine Gesetzlosen. Sondern anstĂ€ndige Leute, die ihre Rechte wahrnehmen. NĂ€mlich sich zu versammeln und ihre Meinung zu Ă€ußern. Und die ist halt nicht die der CDU, FDP und großen Teilen der SPD. Was im Umkehrschluss nicht heißen muss, dass all „GrĂŒn“ oder „Links“ wĂ€hlen – manche wĂ€hlen aus „PflichtgefĂŒhl“ trotzdem CDU oder SPD. Manche sind unbelehrbar und wĂ€hlen FDP. Und andere die „Piraten“. Und viele vielleicht in Zukunft lieber die Straße als eine Partei.

Und jetzt steht fest, dass die CDU-Politiker Stefan Mappus und sein ehemaliger Finanzminister Willi StÀchele Verfassungsbrecher sind. Politische Ganoven, die vermutlich schadlos davonkommen.

Selbst die konservative Welt schreibt:

„Baden-WĂŒrttembergs LandtagsprĂ€sident Willi StĂ€chele (CDU) ist zurĂŒckgetreten. „Ich gebe mein Amt zurĂŒck“, sagte StĂ€chele in Stuttgart. Damit zog er die Konsequenz aus einem Urteil des Staatsgerichtshofs vom vergangenen Donnerstag.

Die Richter hatten ihm einen Verfassungsbruch bescheinigt, weil er als Finanzminister Ende 2010 beim RĂŒckkauf der EnBW-Anteile durch das Land die Mitwirkungsrechte des Landtags umgangen hatte.“

Der „ehrenvolle“ LandtagsprĂ€sident StĂ€chele war sich vor seinem RĂŒcktritt nicht zu schade, den Verfassungsbruch als „staatsmĂ€nnische Handlung“ zu umschreiben:

„StĂ€chele hatte bisher einen RĂŒcktritt abgelehnt und betont, es sei ihm beim EnBW-Deal um eine schnelle Entscheidung im Interesse und zum Wohle des Landes gegangen.“

Es ging StĂ€chele also um das „Wohl des Landes“. Dass dabei Banken einen guten Schnitt gemacht haben und persönliche Verbindungen zwischen Mappus und Bankmanagern eine Rolle gespielt haben könnten – das soll man nicht denken dĂŒrfen.

Auch Stuttgart 21 hat viel mit Geld von Banken und anderen „Interessierten“ dem „Wohl des Landes“ zu tun. Das Projekt, das angeblich mal keine zwei Milliarden Euro kosten sollte, soll aktuell 4,5 Milliarden kosten – es gibt genug Hinweise, dass es viel mehr kosten wird. Und der neue starke Mann der Baden-WĂŒrttembergischen CDU, Peter Hauk, hat im Wahlkampf verkĂŒndet, dass es „Baden-WĂŒrttemberg egal sein kann, ob es zehn oder fĂŒnfzehn Milliarden Euro kostet„. Weiß der Mann mehr als andere? Kennt er schon die „echten“ Zahlen?

Hat er „aus dem NĂ€hkĂ€stchen geplaudert“, vor einem Jahr in Hirschberg an der Bergstraße, einem kleinen Ort, wo er niemanden vermutet hat, der seine Worte weitertrĂ€gt? Unser Artikel ĂŒber seinen Auftritt hatte innerhalb von zwei Tagen 26.000 Leserinnen und Leser. Wir haben email aus Moskau, London und Istanbul erhalten.

Das Spiel heißt Monopoly – wie es ausgeht, weiß jeder

Das ist noch nicht „Occupy“ – aber die Informationen fĂŒhren dahin. Sie fĂŒhren dazu, dass sich Menschen empören und dieses „Spiel“ nicht mehr mitmachen wollen.

Warum sind die Menschen in einigen arabischen LĂ€ndern auf die Straße gegangen? Zuerst in Tunesien, dann in Ägypten? Weil sie gut ausgebildet sind und Informationen austauschen. Und weil sie gemerkt haben, dass sie reingelegt werden.

Und weil sie merken, dass etwas nicht stimmt. Dass es der Mehrzahl immer schlechter geht, wÀhrend wenige immer mehr haben.

In Griechenland und Spanien (zwei LĂ€ndern mit „erzkonservativen“ Gesellschaften) gibt es seit Monaten Massenproteste – in anderen LĂ€ndern gĂ€rt es. Auch in Deutschland sind solche Proteste nur noch eine Frage der Zeit.

Wenn immer mehr Menschen in Billigjobs „beschĂ€ftigt“ werden, die spĂ€ter noch nicht einmal eine Rente am Existenzminimum ermöglichen, dann steigen die Menschen aus. Das verstehen sie nicht mehr. Deswegen fordern sie VerĂ€nderungen.

Niemand muss deswegen das Gespenst des Kommunismus an die Wand malen. Sondern einfach nur nachdenken, was man will und wo man leben möchte.

FĂŒr viele ist Amerika immer noch ein Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Sofern man Geld hat, ist das gar nicht so falsch. Wenn man genau hinschaut, stellt man fest, dass Amerika pleite ist und die meisten BĂŒrger dort vor existenziellen Fragen stehen.

Tunesien und Ägypten waren bis vor den Revolutionen beliebte UrlaubslĂ€nder – wenn man genau hinschaut, hat man aber nur gut bezahlte „Resorts“ gesehen und vom Elend der Leute nichts mitbekommen (wollen).

Auch in Deutschland wĂ€chst die Armut – auch wenn die Wirtschaft brummt

Und wenn man in Deutschland genau hinschaut, weiß man, dass Kinder ein Armutsrisiko bedeuten. Wenn man genau hinschaut, sieht man, wie die Armut wĂ€chst – obwohl die Wirtschaft bis vor kurzem brummte.

Die Konsequenzen werden – wenn man nicht hinschauen will – so sein, wie in vielen Teilen der Welt. FĂŒrchterlich. Dort sind die Straßen gefĂ€hrliche Orte und wer es sich leisten kann, meidet sie. Die „wohl“-habenden (siehe StĂ€chele und andere, deren „Wohl“ immer auch Haben bedeutet) leben in bewachten Quartieren hinter hohen Mauern – wie im Knast. Wer ein wenig außerhalb von „idyllischen Paradisen“ der Urlaubsscheinwelt herumgekommen ist, weiß das.

Wer gerne dafĂŒr eintritt, in einem freien Land zu leben, das BĂŒrgerrechte schĂŒtzt und verteidigt, das die Zivilgesellschaft als Ziel hat und Bildung und Meinungs- sowie Informationsfreiheit als selbstverstĂ€ndlich erachtet, der wird ab einem gewissen Punkt sehr genau darĂŒber nachdenken mĂŒssen, ob „Occupy“ nicht nur ein Bekenntnis, sondern im Zweifel ein Schlachtruf sein sollte. FĂŒr die Freiheit. Von möglichst vielen Menschen.

Bleiben Sie aufmerksam!

Ihr

P.S.
Wer die Meinung des Autors fĂŒr eine „Einzelmeinung“ hĂ€lt, kann gerne beim Debattenmagazin „Cicero“ weiterlesen.

Das Medienblog pushthebutton.de rangiert unter den 50 Top-Blogs

Heddesheim, 18. September 2011. (red) Der Dienst Virato.de hat die Top-50-Blogs in Deutschland nach dem SMQ-Index veröffentlicht. SMQ- (Social-Media-Quotient) ist die durchschnittliche Social-Media-Verbreitung (Facebook, Twitter) pro Artikel/Blogbeitrag einer Quelle.

„Diese Top 50 zeigen somit deutsche Blogs (oder blogĂ€hnliche Websites) an, die sehr beliebt sind und deren Content sehr oft von Usern ĂŒber soziale Netzwerke geshared wird. Andere bekannte Blogs, die man evtl. auch unter diesen Top 50 erwarten könnte, haben wahrscheinlich einen niedrigeren SMQ, da sie auch Artikel publizieren, die nicht so oft geshared werden und somit den Durchschnitt fĂŒr die jeweilige Quelle herunterziehen“, schreibt Virato.de.

Das Blog pushthebutton.de des Journalisten Hardy Prothmann liegt deutschlandweit auf Platz 32, eingebettet zwischen dem lawblog.de von Udo Vetter, der dieses Jahr den Grimmepreis gewonnen hat und Ulrike Langer mit medialdigital.de, einer der renommiertesten Medienjournalistinnen in Deutschland. Auf Platz eins liegt der-postillon.com, Platz zwei belegt der Blog von Extra3 (NDR) und Platz drei das Nachrichtenportal gulli.com.

Hardy Prothmann betreibt sein Medienblog seit 2010, frĂŒher bei posterous.com, seit FrĂŒhjahr 2011 als eigenstĂ€ndiges Blog. Die eingesetzte Software ist WordPress, das angepasste Theme „Magazine Premium“ des kanadischen Entwicklers C. Bavota.

Vor allem die medienkritischen BeitrĂ€ge in Bezug auf Zeitungen werden in der Branche intensiv diskutiert und sich mehrfach von bildblog.de empfohlen worden. Zuletzt sorgte ein Artikel ĂŒber Leichenbilder des Regionalsenders Rhein-Neckar-Fernsehen fĂŒr großes Aufsehen.

Hardy Prothmann betreibt in Nordbaden und SĂŒdhessen insgesamt sechs Lokalblogs fĂŒr StĂ€dte und Gemeinden sowie das Regionalblog rheinneckarblog.de. Bundesweit findet sein Projekt große Beachtung und ist schon dutzendfach nachgeahmt worden. Im Dezember 2009 wurde er von der grĂ¶ĂŸten unabhĂ€ngigen Fachzeitschrift fĂŒr Journalisten unter die Top 100 auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gewĂ€hlt.

Zusammen mit dem Gmunder Kollegen Peter Posztos (tegernseerstimme.de) grĂŒndet er zur Zeit das Unternehmen istlokal.de, das Lokaljournalisten bei ihrer Arbeit unterstĂŒtzen wird. Die Beratungsgebiete sind Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Im Netzwerk von istlokal.de befinden sich zur Zeit rund 70 lokale und regionale Internetzeitungen und Blogs, darunter die prenzlauerberg-nachrichten.de, regensburg-digital.de, ruhrbarone.de und pottblog.de.

Auszug aus der Top-50-Liste des Social Media Quotient (SMQ) bei virato.de

 

In eigener Sache: istlokal.de – Verein zur Förderung des Lokaljournalismus gegrĂŒndet


Rhein-Neckar/NĂŒrnberg, 12. Mai 2011 (red) Zusammen mit rund 20 anderen (hyper-)lokalen Nachrichten-Blogs und -Zeitungen im Internet haben wir am Samstag, den 07. Mai 2011 in NĂŒrnberg den Verein istlokal.de gegrĂŒndet. Bundesweit ist dies der erste Zusammenschluss von verlagsunabhĂ€ngingen Lokaljournalisten, die im Internet ihre Nachrichten prĂ€sentieren.

Verein zur Förderung des Lokaljournalismus.

Auf Initiative der Jounalisten Stefan Aigner (regensburg-digital.de), Hardy Prothmann (u.a. heddesheimblog) und Peter Posztos (tegernseerstimme.de) hat sich am vergangenen Wochenende der Verein „istlokal.de“gegrĂŒndet, der einen unabhĂ€ngignen Lokaljournalismus fördern will. Unsere Blogs zu Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rheinneckar sind GrĂŒndungsmitglied. Der Verein wird seinen Sitz in Berlin haben.

Am vergangenen Samstag trafen sich in NĂŒrnberg 21 Betreiberinnen und Betreiber von lokaljournalistischen Angeboten, darunter auch der Herausgeber Hardy Prothmann, um die GrĂŒndung des Vereins in die Wege zu leiten. Acht Stunden lang wurde ĂŒber die Organisationsform und die Ziele beraten. Einstimmiges Ergebnis war, dass ein eingetragener Verein gegrĂŒndet werden soll. Um die dafĂŒr notwendigen Schritte einzuleiten und wurde ein GrĂŒndungsvorstand gewĂ€hlt.

Im Internet erreichbar http://istlokal.de.

Die Planung fĂŒr die GrĂŒndung lief seit Ende Dezember 2010. Istlokal.de ist als Unternehmerverband konzipiert, nimmt aber ausdrĂŒcklich auch „nicht-kommerzielle“ Angebote auf, um BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern mit ihren Publikaitonen zu unterstĂŒtzen, aber auch deren Wissen zu nutzen.

Die Mitglieder bleiben fĂŒr ihre Angebote selbst verantwortlich. Istlokal.de erarbeitet gemeinschaftliche oder im Auftrag Lösungen in den Bereichen Journalismus, Vermarktung, Technik und Recht. Seit einigen Wochen tauschen die Mitglieder schon Artikel und Informationen aus. Über ein geschlossenes Forum wird technische Hilfe geleistet, Fragen zu Recht diskutiert und Vermarktungskonzepte entworfen.

Bundesweit ist dies der erste Zusammenschluss dieser Art. Istlokal.de wird vermutlich mit rund 40 Mitgliedern starten, die alle ein Ziel haben: zuverlĂ€ssige und unabhĂ€ngige lokale und regionale Berichterstattung zu bieten. DafĂŒr will der Verein auch Lobbyarbeit betreiben, weil Meinungsfreiheit und -vielfalt ein hohes Verfassungsgut sind.

Pressemitteilung: istlokal.de gegrĂŒndet

Ziel: Förderung des unabhÀngigen Online-Lokaljournalismus

 

Zur konstituierenden Sitzung der VereinsgrĂŒndung istlokal.de fanden sich am 07. Mai 2011 insgesamt 21 BetreiberInnen von lokaljournalistischen Angeboten in NĂŒrnberg ein.

Die TeilnehmerInnen aus ganz Deutschland tagten von 11 Uhr bis 19 Uhr. Auf der Tagesordnung standen die Wahl zwischen einer Vereins- oder GenossenschaftsgrĂŒndung, sowie die inhaltlichen Ziele der Vereinigung und Aufgabenformulierungen fĂŒr die kĂŒnftige Arbeit.

Die Mitglieder einigten sich auf die GrĂŒndung eines Vereins istlokal.de. Ziel ist die Förderung des Lokaljournalismus. Auf diesem Weg sollen Alternativen zu den traditionellen Lokalmedien vorangetrieben und gefördert werden, um die Medienlandschaft in Deutschland zu bereichern.
Als Sitz des Vereins einigte man sich auf Berlin. Angestrebt sind weitere Dependenzen in den einzelnen BundeslÀndern.

Mit istlokal.de entsteht ein Verband fĂŒr unabhĂ€ngige journalistische Angebote im Internet. Mitglieder können Betreiber lokal- und regionaljournalistischer Angebote werden, die entweder ein publizistisches Internetangebot betreiben oder betreiben wollen. Daneben können auch weitere publizistische Angebote wie Zeitschriften, Zeitungen oder Radio- und Fernsehdienste angeboten werden.

Diese Angebote mĂŒssen demokratische und rechtsstaatliche Ziele verfolgen. Angebote, die in welcher Form auch immer abhĂ€ngig von traditionellen MedienhĂ€usern sind, können nicht Mitglied werden.

Auf Vorschlag der GrĂŒndungsmitglieder wurden Hardy Prothmann als 1. Vorsitzender sowie Stefan Aigner als 2. Vorsitzender vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Ka-Jo SchÀfer wurde als Kassenwart vorgeschlagen. Die Wahl erfolgte einstimmig.
Als Beisitzer wurden Christoph von Gallera vorgeschlagen, der 13 Stimmen erhalten hat sowie Oliver Sigrist, der 19 Stimmen erhalten hat.

In der nĂ€chsten Zeit wird die Satzung des Vereins erarbeitet. Einigkeit bestand darĂŒber, dass der Verein kĂŒnftig drei Arten von Mitgliedschaften anbietet: Fördermitglieder, nicht-kommerzielle Mitglieder und kommerzielle Mitglieder.

Die GrĂŒndungsmitglieder vor Ort waren:

Aigner, Stefan,- Althaus, Peter,- Baß, Alexander,- Feldkeller, Klaus,- Gallera von Christoph,- Greschner, Steffen,- Hornstein, Christofer,- HĂŒmmler, Thomas,- Knoke, Marlies,- Levermann, Jörg,- Posztos, Peter,- Prothmann, Hardy,- SchĂ€fer, Ka-Jo,Semmler, Martin,- Schwörbel, Philipp,- Sigrist, Oliver,- Stascheit, Dirk,- Stenzel, Ralph,Stingl, Armin,- Stoffel, Carsten,- Wenzl, Michael.

Weitere rund 20 Interessenten konnten aus terminlichen GrĂŒnden nicht teilnehmen.

Geprothmannt: Mit „klassischen Medien“ werden Sie aus zweiter Hand informiert. PrĂ€dikat: „mangelhaft“.


Guten Tag!

07. Februar 2011. Haben Sie mitbekommen, dass in der arabischen Welt eine Revolution stattfindet? Ja? Wie haben Sie sich darĂŒber informiert? Über ARD und ZDF? In Ihrer lokalen Tageszeitung? Dann sind Sie leider vermutlich sehr schlecht informiert. Oder haben Sie sich online informiert? Dann könnten Sie besser informiert sein, wenn Sie die richtigen Quellen kennen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich in Deutschland ĂŒber die Revolution in den arabischen Staaten informieren möchte, ist denkbar schlecht beraten, wenn er dafĂŒr ARD und ZDF oder „seine Zeitung“ benutzt und darauf vertraut, umfassend, hintergrĂŒndig und aktuell informiert zu werden.

Informationen? Klar – gibts im Ausland.

Tatsache ist: Man ist viel besser informiert, wenn man die Programme von Al Jazeera, CNN oder BBC einschaltet. Oder die Berichterstattung der amerikanischen New York Times, der spanischen El Pais, der französischen Le Monde oder des britischen Guardian verfolgt.

Das Problem dabei ist: Man muss schon einigermaßen gut Englisch können, um die Nachrichten der Sender und Zeitungen zu verfolgen. Oder ausreichend Spanisch oder Französisch. Gute arabische Sprachkenntnisse wĂ€ren noch mehr von Vorteil – denn dann könnte man viele Originalmeldungen verstehen.

Begrenzte Globalisierung.

Das grĂ¶ĂŸte Problem: Wenn man das nicht kann, ist man auf die Angebote von ARD und ZDF oder der Lokalzeitungen im wahrsten Sinne des Wortes „begrenzt“ – und das in Zeiten der Globalisierung.

Sie können sicher davon ausgehen, dass weder der Mannheimer Morgen, noch die Rhein-Neckar-Zeitung und schon gar nicht die Weinheimer Nachrichten irgendeine eigene redaktionelle Leistung zur Lage anbieten wollen oder können. Was Sie auf den Titelseiten lesen, sind ganz ĂŒberwiegend „Agenturmeldungen“.

Die erscheinen auch in Dutzenden anderen Zeitungen. 1:1. Das sind Berichte, die wie industriell gefertigte TielkĂŒhlpizzen vervielfĂ€ltigt werden. Ohne „eigenes Rezpt“, ohne eigene „Experten“, ohne eine eigenstĂ€ndige Leistung der jeweiligen Redaktion.

Vor Ort ist immer lokal.

Unser Anspruch ist die lokale und regionale Berichterstattung – aber immer, wenn die Nachrichtenlage es erfordert, bringen wir auch die „Weltnachrichten“ zu unseren Leserinnen und Lesern. Denn wir alle leben vor Ort, interessieren uns aber auch dafĂŒr, was woanders passiert.

Hardy Prothmann schreibt seine Meinung auf. Die ist "geprothmannt". Bild: sap

Unser Interview mit Christoph Maria Fröhder, einem der erfahrensten und besten deutschen Krisenreporter der vergangenen Jahrzehnte auf dem Rheinneckarblog hat Wellen geschlagen. ARD und ZDF waren „not amused“ ĂŒber die klaren Worte und die eindeutige Kritik. „Intern“ haben wir erfahren, dass das ZDF „stinksauer“ auf uns ist.

„So what“, sagen wir und sind ebenfalls „stinksauer“ – ĂŒber die unzureichende und schlechte Berichterstattung der mit Milliarden an GEZ-GebĂŒhren „gepamperten“ Sender, von denen wir und unsere Leserinnen und Leser zu Recht mehr als diese schwachen Leistungen erwarten.

Über das Interview mit Herrn Fröhder hinaus haben wir uns um exklusive Nachrichten bemĂŒht und „berichten“ anders, als das öffentlich-rechtliche Sender und Zeitungen tun. Wir verlinken Quellen und kommentieren diese auf Facebook und Twitter. Zwei Internet-Dienste, die mit dafĂŒr verantwortlich gemacht werden, dass die „arabische Revolution“ gegen den Terror und die Diktaturen ĂŒberhaupt möglich geworden ist.

Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen den arabischen LĂ€ndern und Deutschland. Wer sich hier wie dort auf die „klassischen Medien“ verlĂ€sst, erhĂ€lt immer nur gefilterte Nachrichten.

Zweifel an der QualitĂ€t mĂŒssen immer möglich sein.

ARD und ZDF sind ebenso wie Lokalzeitungen sicherlich nicht mit der Rolle von staatlich gesteuerten Medien in Diktaturen zu vergleichen – aber man darf durchaus Zweifel an der QualitĂ€t ihrer Produkte haben. Vor allem dann, wenn man vergleicht, was das Produkt, in diesem Fall Journalismus, leistet.

WĂŒrde man den Journalismus vieler deutscher Medien mit der Autoindustrie vergleichen, stĂ€nde unumstĂ¶ĂŸlich fest, dass deutsche Medien deutlich weniger Komfort, Leistung, Innovation bieten als „auslĂ€ndische Anbieter“, dass das Preis-LeistungsverhĂ€ltnis ebenso wie die „Pannenstatistik“ und auch der „Service“ katastrophal sind und unterm Strich einfach nur ein „mangelhaft“ ĂŒbrig bleibt.

Das gilt selbst fĂŒr den „gelben Faktor“, also die so genannte „Yellow-Press“. Alle interessanten „Nachrichten“ und „Infos“, die man hierzu in Deutschland lesen kann, sind nur ein „Ab-„Klatsch internationaler Meldungen und werden in Deutschland „wiederverwertet“. Ausnahmen liefern ab und an Bild und Bunte, die „Promis“ aus der vorletzten Reihe irgendwie „interessant“ machen.

Die UmbrĂŒche in der arabischen Gesellschaft zeigen einen desaströsen Zustand des deutschen Journalismus. Wo lesen, hören, sehen Sie die Berichte von vor Ort ĂŒber das, was Muslime hier erleben, wenn diese die Nachrichten in Tunesien und Ägypten verfolgen? Wo sind die Berichte, wie Deutschland sich mit seiner weltweit einzigartigen „Erfindung“ des Mauerfalls als Partner fĂŒr europĂ€ische NachbarlĂ€nder (und das sind alle Mittelmeer-Anreiner-Staaten) einsetzen könnte?

Geduld? hat die Welt nicht mehr.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel diskreditiert sich völlig, wenn sie zur „Geduld“ mit einem Diktator wie Husni Mubarak aufruft. Übersetzt heißt das: „Habt Geduld mit mir, denn ich habe keine Ahnung, wie ich mit der Situation umgehen soll.“

Was haben Tunesien und Ägypten nun mit unserer lokalen und regionalen Berichterstattung zu tun?

Sehr viel mehr, als heute, hier und jetzt auf den ersten Blick klar sein mag.

ZukĂŒnftig werden Entscheidungen und Entwicklungen, die in Bayern oder Schleswig-Holstein fallen, auch in Nordbaden ein Rolle spielen.

Warum? Weil man hier vor Ort erfahren kann, was dort vor Ort passiert oder passiert ist.

Facebook und Twitter schaffen Demokratie. Absurd? Nein. Real.

Man kann diese Informationen verwenden, um den Schaden, der woanders entstanden ist, abzuwenden. Und noch viel besser: Man kann das, was woanders gut oder sehr gut „gelaufen ist“ einfach ĂŒbernehmen. Gut informiert – mit allen „problematischen“ und allen „positiven“ Erfahrungen.

Das ist ein Erfolg der „Facebook“-Generation, der freien Medien oder auch nur der „Handy-Revolution“, wie Beobachter Ägypten einordnen. Man verbindet sich, man kommuniziert miteinander, man tauscht sich aus, man hat mehr als eine Quelle der Information.

Das ist die Basis fĂŒr friedliche „Revolutionen“ – die Ă€gyptischen Regime-Gegner sind nicht als Brandschatzer und Gewaltverbrecher aufgefallen, sondern durch ihren Willen zur Demokratie – sehr zur Verwirrung „geprĂ€gter“ Meinungen, die sich schwer tun, eine Muslim-Bruderschaft als notwendige Organisation anzuerkennen.

Das ist neu, das ist einzigartig, das gibt Hoffnung.

Von den Medien darf man erwarten, dass sie Mubarak einen alten Mann sein lassen. Der 82-jĂ€hrige Diktator soll sich in Heidelberg behandeln lassen dĂŒrfen. Egal, was das kostet. Gönnen wir ihm den „goldenen Abgang“ – der Mann ist so reich und hat sein Volk so sehr betrogen. Bringt irgendein „Tribunal“ eine Besserung fĂŒr seine „Untaten“?

Eher nicht.

Tunesien und Ägypten sind beliebte ReiselĂ€ner der Deutschen – und mal ganz ehrlich? Lohnt es sich nicht, fĂŒr einen entspannten Urlaub unter afrikanischer Sonne, ein wenig fĂŒr Demokratie, gerechte Löhne und stabile VerhĂ€ltnisse einzutreten?

Der „Service“ wĂŒrde sicher davon profitieren. Oder auch unserer aller Bekenntnis zur Demokratie.

Deswegen: Nutzen Sie die neue Medien. Verfolgen Sie, was passiert.

Schreiben Sie Ihre Meinung auf. Schreiben Sie an die ProgrammbeirÀte von ARD und ZDF. Stellen Sie Forderungen. Schreiben Sie an die Zeitungen und fordern Sie mehr Informationen.

Die Menschen in Ägypten und Tunesien und anderswo tun das auch. Weil sie gerne in einer freiheitlichen Ordnung leben wĂŒrden.

Diese Menschen gehen dabei ein hohes Risiko ein – wir haben die Möglichkeit, ohne Risiko fĂŒr Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einzutreten.

Tun wir das nicht, wÀchst das Risiko, dass wir das irgendwann nicht mehr ohne Risiko können.

Anmerkung der Reaktion:
Unsere „allererste“ Aufgabe, die lokale Berichterstattung mag etwas „gelitten“ haben – wir hoffen, Sie sehen uns das nach, angesichts der Belastung. Wir sind nur ein kleines Team. Sie können sicher sein, dass wir an den Themen vor Ort dranbleiben.

„Geprothmannt“ erscheint im Wechsel mit anderen Kolumnen immer montags.

In eigener Sache: rheinneckarblog istlokal.de


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 25. Januar 2011. Ende 2010 haben die Journalisten Stefan Aigner und Hardy Prothmann sowie der Diplom-MedienpĂ€dagoge Thomas Pfeiffer das Netzwerk istlokal.de gestartet. Das Netzwerk unterstĂŒtzt journalistische Angebote im Internet, die lokal oder regional informieren.

Von Hardy Prothmann

Die lokale Berichterstattung bietet die exklusivsten Nachrichten der Welt. Was vor Ort passiert, betrifft die Menschen, die dort leben. Egal ob in MĂŒnchen, Berlin, Köln, Stuttgart, auf dem platten Land oder in einem Ballungsraum. Oder in New York, Los Angeles, Paris, London, Mailand, Barcelona.

In den vergangenen zwei Jahren sind in vielen Orten Deutschlands lokale „Blogs“ oder digitale Internet-Zeitungen entstanden und auch 2011 werden viele neue Angebote dazukommen. Mal sind es politisch engangierte BĂŒrger, mal Journalisten, die das „nebenbei“ machen. Aber immer mehr Angebote werden mit dem Anspruch der Herausgeber betrieben, von dieser Arbeit auch leben zu können.

Kritischer Zustand des Journalismus.

Jeder, der ein kommerzielles Angbot betreibt, steht dabei vor denselben Problemen: Der lokale und regionale Werbemarkt im Internet ist noch nicht befriedigend entwickelt, noch nicht einmal ausreichend.

Das Portal von istlokal.de bietet vernetzten Journalismus.

Aus gutem Grund. Die Presselandschaft in Deutschland ist ĂŒberwiegend monopolisiert. Bis auf wenige Ausnahmen gibt es fast nur noch „Einzeitungskreise“ – sprich, es gibt keinen journalistischen Wettbewerb mehr vor Ort. Die Monopolzeitungen bestimmen, ĂŒber wen was wann wie berichtet wird.

Wozu das fĂŒhrt, zeigt das Beispiel Stuttgart21 deutlich. Die Stuttgarter Zeitung hat kaum kritisch berichtet – aus gutem Grund. Wie der stern mit dem Hintergrundbericht „Fahrt auf schwĂ€bischem Filz“ offenlegte, gehört die Zeitung zur SĂŒdwestdeutschen Medienholding (SWMH), die vor einiger Zeit die SĂŒddeutsche Zeitung gekauft hat.

„Fahrt auf schwĂ€bischem Filz.“

Ein schwerer finanzieller Brocken, der das Unternehmen in Schwierigkeiten brachte. Über die Landesbank Baden-WĂŒrttemberg nahm man ein Schuldscheindarlehen ĂŒber 300 Millionen Euro auf, so der Bericht.

Darin heißt es: „Die LBBW war hierfĂŒr ein idealer Partner. Vorsitzender ihrer TrĂ€gerversammlung ist MinisterprĂ€sident Mappus. In ihrem Verwaltungsrat hat die Politik das Sagen. Vorsitzender ist der CDU-Landtagsabgeordnete Peter Schneider, PrĂ€sident des baden-wĂŒrttembergischen Sparkassenverbands. Mitglieder des Verwaltungsrats sind unter anderem der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster, die CDU-Landesminister Wolfgang Reinhart (Berlin/Europa) und Willi StĂ€chele (Finanzen), die Unternehmer Heinz DĂŒrr und Dieter Hundt und Claus Schmiedel, Chef der SPD-Fraktion im Landtag. Der hielt Stuttgart 21 bis vor kurzem fĂŒr „menschenfreundlich, umweltfreundlich und relativ schnell realisierbar.“

Solche Verbindungen lassen vermuten, dass eine objektive Berichterstattung nicht mehr gegeben ist.

Der stern berichtet ĂŒber die Verfilzung von Medien, Politik und Wirtschaft.

ZurĂŒck zum Werbemarkt – der wird von Zeitungen dominiert. Und jede Anzeige, die von Print nach Online abwandert, ist ein Verlust, der die Zeitungen trifft. Die haben folglich ĂŒberhaupt kein Interesse, den Online-Werbemarkt zu entwickeln. Denn Online-Anzeigen sind gĂŒnstiger, sprich, bringen den Zeitungen weniger Einnahmen.

Dramatische Entwicklung.

Und wer sich online informiert, auch durch Werbung, braucht keine Zeitung mehr – die teils dramatisch zurĂŒckgehenden Auflagen- und Abozahlen zeigen deutlich, unter welchem wirtschaftlichem Druck Zeitungen stehen.

Mit dramatischen Folgen fĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger: Die Berichterstattung wird zunehmend flacher, da die Zeitungsverlage in den vergangenen Jahren hunderte Journalisten entlassen haben. Es gibt Regionen in Deutschland, ĂŒber die ĂŒberhaupt keine Berichterstattung mehr stattfindet. Die ungeprĂŒfte Übernahmen von „PR-Artikel“ ist an der Tagesordnung.

Wer aufmerksam die Zeitung liest, stellt fest, dass der ĂŒberwiegende Teil der Artikel nicht mehr redaktionell vor Ort erarbeitet wird, sondern außerhalb der Zeitung. Ob als Agenturmeldung oder PR-Text.

Und es gibt jede Menge Lokalredakteure, die eine Pressemitteilung ein wenig umschreiben und dann unter ihrem Namen als eigenen Artikel veröffentlichen. Das ist Betrug am Leser. Und der findet tĂ€glich ĂŒberall statt.

Journalismus ist wichtig fĂŒr die Demokratie.

Und es schadet der GlaubwĂŒrdigkeit des Journalismus, der eigentlich die „4. Macht“ im Staate sein soll. Durch kritisches PrĂŒfen von Informationen, durch Recherche von HintergrĂŒnden und Verbindungen, durch eine objektive Berichterstattung. Diese Aufgabe ist enorm wichtig, um eine Demokratie stabil zu halten.

Engagierte BĂŒrger und freie Journalisten grĂŒnden deshalb ihre eigenen Medien – aus Frust ĂŒber die unzulĂ€ngliche „Lobby“-Berichterstattung der Zeitungen, die oft mehr verschweigen, denn berichten. Aus der Überzeugung heraus, dass dort immer weniger echter Journalismus stattfindet.

Die Alternative heißen Blog oder Internet-Zeitung – die Namensgebung spielt keine Rolle, sondern der Inhalt. Hier finden Dokumentation und kritische Berichte statt.

VielfÀltige Herausforderungen.

„BĂŒrgerjournalisten“ stehen dabei vor der Herausforderung, wie sie diese journalistische TĂ€tigkeit wahrnehmen. Journalismus ist ein Handwerk, das man lernen kann und muss. Ohne Kenntnisse in Sachen Recherche, Schreiben und auch Medienrecht werden wichtige Informationen nicht gefunden oder es drohen Abmahnungen von denen, die sich durch die Berichte „gestört“ fĂŒhlen – sei es die Kirche, seien es Unternehmen oder Politiker oder Ämter.

Hardy Prothmann ist verantwortlicher Redakteur fĂŒr die Angebote des rheinneckarblogs. Bild: sap

Professionelle Journalisten brauchen Einnahmen, von denen sie leben können und mit denen sie ihre Arbeit finanzieren. Also Werbeeinnahmen. Manche grĂŒnden auch Fördervereine, die die Arbeit ĂŒber MitgliedsbeitrĂ€ge und Spenden finanzieren.

Das Netzwerk istlokal.de will eine Genossenschaft grĂŒnden, in der unabhĂ€ngige Internet-Medien, die lokal und/oder regional berichten, sich organisieren. Um journalistische Aus- und Fortbildung anzubieten. Um sich bei technischen Lösungen zu unterstĂŒtzen, um sich rechtlich wehren zu können und natĂŒrlich, um den lokal-regionalen Onlinewerbemarkt voranzubringen.

Wir stehen dabei in Konkurrenz zu den Tageszeitungen. Journalistisch und auch geschÀftlich.

Vernetzter Journalismus.

Wo es schon teils herausragende lokale Angebote gibt, können Sie auf unserer Seite istlokal.de nachschauen. Wenn Sie selbst ein Angebot planen, können Sie sich gerne an uns wenden. Wenn Sie schon ein Angebot in Betrieb haben, schließen Sie sich uns an. Die notwendigen Informationen finden Sie auf unserer Website.

istlokal.de wird seine Mitglieder, egal ob hauptberufliche Journalisten oder BĂŒrgerjournalisten, unterstĂŒtzen. Zum einen zur Förderung der Presse- und Meinungsfreiheit, zum anderen als „Unternehmer“-Verband fĂŒr professionelle Journalisten. Und wir sind ĂŒberzeugt davon, dass wir auch die Wirtschaft, die Vereine, die Forschung und andere Bereiche der Gesellschaft mit einem verantwortungsvollen Journalismus unterstĂŒtzen.

FĂŒr das erste Halbjahr 2011 ist eine Informationsveranstaltung geplant. Wir werden Sie ĂŒber unsere Fortschritte zeitnah informieren.

Hintergrund:

Hardy Prothmann ist verantwortlich fĂŒr das rheinneckarblog und betreibt zudem die lokalen Angebote heddesheimblog.de, hirschbergblog.de, ladenburgblog.de und weinheimblog.de. FĂŒr seine Arbeit wurde er 2009 und die „100 Journalisten des Jahres“ durch eine unabhĂ€ngige Jury der Fachzeitschrift „MediumMagazin“ auf Platz 3 in der Kategorie „Regionales“ gewĂ€hlt.

Er arbeitet seit 1991 als freier Journalist. WĂ€hrend des Studiums von 1991-1994 fĂŒr den Mannheimer Morgen, ab 1995 ĂŒberregional fĂŒr fast alle großen Medien sowie die ARD. Er ist GrĂŒndungsmitglied von netzwerk recherche und Mitglied des Frankfurter Presseclubs. Im Mai 2009 startete er das heddesheimblog.de.

Stefan Aigner ist freier Journalist in Regensburg. Er betreibt die Seite regensburg-digital.de und ist bundesweit durch seine kritische Berichterstattung bekannt geworden, die ihm schon drei Prozesse eingebracht hat. Aktuell hat ihn die Diözese Regensburg verklagt, weil er die Zahlung von Geldern an die Eltern eines Missbrauchsopfers in Anlehnung an einen Spiegelbericht als „Schweigegeld“ benannt hat. Die katholische Kirche hat auf Unterlassung geklagt. Weil Stefan Aigner 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, hat er sich auf den Prozess einlassen können. Das Hamburger Landgericht will das Urteil Ende Februar 2011 verkĂŒnden.

Thomas Pfeiffer ist Diplom-MedienpĂ€dagoge und Social Media-Experte. Er betreibt die Seite webevangelisten.de und ist MitbegrĂŒnder des Twittwoch, eines Vereins zur Förderung von Social Media-Anwendungen. Der passionierte Bergsteiger unterstĂŒtzt das Netzwerk istlokal.de mit seinen Expertenkenntnissen. Als politisch interessierter BĂŒrger ist er zudem „Genosse“ der links-liberalen Tageszeitung die „taz“ aus Berlin.

istlokal.de wurde am 28. Dezember 2010 in Heddesheim gegrĂŒndet. Zur Zeit findet die Mitgliederwerbung statt. In KĂŒrze wird der „Vorstand“ durch weitere Journalisten erweitert, die sich aktiv in das Netzwerk einbringen wollen. Geplant ist die GrĂŒndung einer Genossenschaft sowie einer operativen GmbH, die die organisatorischen Arbeiten ĂŒbernimmt.

Wir sind offen fĂŒr Sponsoren, die zu uns passen und Kooperationspartner, die gerne mit istlokal.de zusammenarbeiten möchten. Erste GesprĂ€che werden mit der Fotografenagentur Freelens sowie dem Autoren-Netzwerk Freischreiber gefĂŒhrt.

Interview: Rechtsanwalt Udo Vetter zum Jugendmedienschutz-Staatsvertrag


Guten Tag!

Hirschberg, 04. Dezember 2010. Der Jugendmedienschutz-Staatsvertrag sorgt fĂŒr Aufregung. Mit seinen fĂŒnf Buchstaben („JMStV“) hĂ€lt er die gesamte BlogosphĂ€re seit einigen Tagen in Atem. Dabei betrifft der Staatsvertrag ab 01.01.2011 alle Telemedien. Im ungĂŒnstigsten Fall also auch ihre Homepage. Was der JMStV ĂŒberhaupt ist und was er fĂŒr Sie bedeuten kann, haben wir im Interview mit Udo Vetter, Fachanwalt fĂŒr Strafrecht geklĂ€rt.

Von Christian MĂŒhlbauer und Hardy Prothmann

Felix Neumann meint bei Carta: Klagen statt Sperren!

Auf einschlĂ€gigen Seiten ist der JMStV bereits seit mehreren Monaten ein wichtiges Thema. Immer wieder Flammen Zensur-VorwĂŒrfe auf. Mit diesem vermeintlich neuen Gesetz wolle man das Internet kontrollieren. Fakt ist: Der JMStV ist nicht neu. Er wird ab dem 01.01.2011 lediglich in aktualisierter Form in Kraft treten. Vorausgesetzt alle fehlenden BundeslĂ€nder unterzeichnen ihn noch.

Wie der Name schon sagt, geht es um den Schutz der Jugendlichen gegenĂŒber Medien – oder vielleicht auch umgekehrt. Der Jurist Udo Vetter kann die Hysterie um den JMStV nicht teilen. Am 01. Dezember 2010 verdeutlichte er das auch in seinem Weblog. Der Beitrag „Blogger können leidlich gelassen bleiben“ war mehr oder weniger eine Reaktion auf die AnkĂŒndigung diverser Blogger, ihre Angebote ab dem 01.01.2011 einzustellen. So beispielsweise das „VZLog„.

Die EinschĂ€tzungen des Juristen zum JMStV sorgten binnen kĂŒrzester Zeit fĂŒr wahre Massen an weiteren BlogeintrĂ€gen. Zustimmende, wie auch ablehnende BeitrĂ€ge sprudelten förmlich hervor. Das Pottblog zeigte sich angriffsfreudig: Rechtsanwalt Vetter wĂŒrde sich irren.

Das juristische Blog „Telemedicus“ beschĂ€ftigte sich mit der Frage, ob das „Nachrichtenprivileg“ des JMStV auch fĂŒr Blogs gelten wĂŒrde. Der Jurist Thomas Stadler betonte, dass sein Blog online bleiben werde – auch ohne Alterskennzeichnung. Der Rechtsprofessor Dr. Thomas Hoeren bittet gar darum, dass man den Unsinn namens JMStV lassen solle.

Wir haben Rechtsanwalt Vetter kontaktiert, um mehr Details zu erfahren. Ist der JMStV nur Humbug oder tatsĂ€chlich eine ernste Gefahr fĂŒr alle Betreiber einer Webseite?

Miserables Wischwaschi

Herr Vetter, es gibt Aufregung um den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Warum?


Udo Vetter: „Das Problem ist die grundsĂ€tzlich schlechte, weitgehend unverstĂ€ndliche Formulierung des Gesetzes. Die Schwammigkeit löst zu recht BefĂŒrchtungen aus. Selbst einer der Verfasser, StaatssekretĂ€r Martin Stadelmaier, Ă€ußert sich zum Text heute so, dass man fast annehmen kann, er versteht ihn selbst nicht mehr.

Was heißt „schlechte Formulierung“?

Vetter: „Salopp ausgedrĂŒckt, BĂŒrokratendeutsch und Wischiwaschi von der ersten bis zur letzten Zeile. Selbst Juristen diskutieren nun sehr kontrovers, was da wie genau geregelt ist. Letztlich erzeugen die miserablen Formulierungen Unsicherheit und damit Aufregung und auch Angst.“

„Glaube nicht an Abmahnwelle.“

Innerhalb der Bloggerszene wird Ihr Beitrag dazu kritisiert, denn Sie geben sich „entspannt“.

Das pottblog teilt die EinschÀtzung von Rechtsanwalt Vetter nicht

Vetter: „Bin ich auch. Ich glaube weder, dass es eine große Abmahnwelle geben wird, noch glaube ich, dass die strikten Regelungen durchgesetzt werden können. Was ich aber dringend richtig verstanden wissen will: Ich unterstĂŒtzte dieses Gesetz nicht. Ich halte es fĂŒr ĂŒberflĂŒssig, weil es nichts fĂŒr den Jugendschutz bringt. Das bestĂ€tigen auch namhafte MedienpĂ€dagogen.“

Die Politik scheint Ihnen fĂŒr diese EinschĂ€tzung geradezu dankbar zu sein, wie man hört.

Vetter: „Ich habe verwundert festgestellt, wie man mich vereinnahmt. Dass mit dem Gesetz nicht das Internet untergehen wird, bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass wir die Regelung brauchen. Im Gegenteil: Der Entwurf ist weltfremd und er verbessert nicht den Jugendschutz.“

„Vermeintliche SachzwĂ€nge und Eitelkeiten.“

Irgendwie aber doch erstaunlich, welche „Auswirkungen“ der JMStV so hat.

Vetter: „Erstaunlich finde ich die Haltung der SPD und der GrĂŒnen, die in NRW von SachzwĂ€ngen sprechen und deswegen bereits sind, ein anerkannt schlechtes Gesetz durchzuboxen, „bloß weil es schon so weit fortgeschritten“ ist. Und in anderen LĂ€ndern, wo zum Beispiel die SPD in der Opposition ist, lehnt diese das Gesetz als untauglich ab. Hier regiert nicht mehr der Verstand, sondern vermeintliche SachzwĂ€nge und Eitelkeiten.“

Lassen Sie uns doch mal ĂŒber das Ziel des Gesetzes reden. Ist es nicht nötig, die Jugend zu schĂŒtzen?

Vetter: „Sicher ist das ein hehrer Anspruch. Nur wird mit diesem Gesetz kein einziger Jugendlicher besser geschĂŒtzt werden. Der JMStV ist ein organisatorisches Monster, dass nur einen Zweck erfĂŒllt: Es ist ein „Schaut-her-wir-tun-was“-Gesetz.“

Trotzdem befĂŒrchten viele Blogger Abmahnungen und Probleme.

Vetter: „Die kann es im Einzelfall geben, das muss man abwarten. TatsĂ€chlich glaube ich nicht daran. Gerichte mĂŒssten erst einmal davon ausgehen, dass eventuelle VerstĂ¶ĂŸe gegen den JMStV wettbewerbsrechtlich relevant sind. Das ist lĂ€ngst nicht ausgemacht.“

Was ist mit redaktionell-journalistischen Blogs?

Vetter: „Die sind privilegiert. Das heißt, wer eine an die Allgemeinheit gerichtete, periodische, politische und gesellschaftliche Berichterstattung anbietet, fĂ€llt unter die „Lex Bildzeitung“, die hier eingearbeitet worden ist.“

„Lex Bildzeitung.“

Lex Bildzeitung? ErklÀren Sie das doch genauer.

Vetter: „Na, wenn das Gesetz ernst gemeint wĂ€re, mĂŒssten bild.de und andere Boulevardmedien am 1. Januar 2011 ihr mit einer Altersfreigabe 16 oder vielleicht sogar 18 Jahren versehen. Nacktfotos und Ratgeber Ã¥ la „10 Tipps fĂŒr tollen Sado-Maso-Sex“ sind nach den MaßstĂ€ben des JMStV „desorientierend“ und beeintrĂ€chtigen die Entwicklung junger Menschen.“

Und Sie meinen, der Axel-Springer-Verlag…

Rechtsanwalt Udo Vetter

Vetter: „… hat ein Wörtchen mitgeredet? Das ist möglich. Die Boulevardpresse will ihre freizĂŒgigen Inhalte weiter anbieten. Sex sells, das gilt insbesondere fĂŒr sie. Aber ebenso fĂŒr die Softporno-Portale. Diese mĂŒssen zwar eine Altersklassifizierung durchfĂŒhren, dafĂŒr dĂŒrfen sie aber kĂŒnftig ihre Angebote auch tagsĂŒber „senden“.“

„Der gesunde Menschenverstand wird’s richten.“


Nochmal: Nicht alle Blogger sehen das so entspannt wie Sie. Was tun?

Vetter: „Der Jurist sagt jetzt, das hĂ€ngt vom Einzelfall ab. Meine persönliche EinschĂ€tzung ist: Der gesunde Menschenverstand wird-€ℱs richten. Wer mit Google-Anzeigen die Serverkosten reinholen will, betreibt noch lange kein „Gewerbe“ und kann deshalb von jedermann abgemahnt werden. Abmahnfalle Nr. 1 wĂ€re ohnehin der fehlende Jugendschutzbeauftragte. Den kann man aber nun wirklich einfach ins Impressum aufnehmen, denn einen Qualifikationsnachweis muss der Beauftragte nicht erbringen.“

Und sonst?

Vetter: „Verweise ich auf die Impressumspflicht und die Welle, die darum gemacht wurde. Soweit mir bekannt ist, ist nicht viel passiert. Auch die erste Fassung des JMStV, die ja bereits viele Ă€hnliche Regelungen wie etwa die „Sendezeiten“ verbindlich anordnet, hĂ€tte eigentlich schon viel Potenzial fĂŒr „Abmahnungen“ haben mĂŒssen, wenn man alles sehr eng sind. TatsĂ€chlich ist nicht viel passiert.“

WeiterfĂŒhrende Links:

Zur Person:
Udo Vetter ist Fachanwalt fĂŒr Strafrecht in DĂŒsseldorf. Unter „Lawblog“ schreibt er ĂŒber die verschiedensten Themen. Meist sind diese juristischer Natur oder aus seiner eigenen beruflichen Erfahrung. Einer seiner bekanntesten VortrĂ€ge ist „Sie haben das Recht zu Schweigen„.

In eigener Sache: hirschbergblog beim 15. Mainzer MedienDisput

Guten Tag!

Hirschberg, 27. November 2010. Am Donnerstag, den 25. November 2010, war das hirschbergblog auf dem 15. MainzerMedienDisput vertreten. Hardy Prothmann war als Teilnehmer der Diskussionsrunde „David gegen Goliath – die digitale Steinschleuder“ geladen. Man stellte sich der Frage, welche Perspektive lokaljournalistische Onlineangebote haben und ob sie eine Konkurrenz zum etablierten Printmedienmarkt sind.

Von Christian MĂŒhlbauer

Der rheinland-pfĂ€lzische MinisterprĂ€sident Kurt Beck eröffnete die Veranstaltung und forderte mehr „Staatsferne“ in den Aufsichtsratsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender.

Die aktuelle Debatte ĂŒber eine gesetzliche EinschrĂ€nkung von Berichten in Zusammenhang mit möglichen Terror-Akten kommentierte er: „Ich halte solche Überlegungen fĂŒr inakzeptabel. Die Medien in Deutschland berichten ganz ĂŒberwiegend so, dass man erkennt, dass sich die Journalistinnen und Journalisten ihrer Verantwortung bewusst sind.“

DSCF0019

Von Links: Alfons Pieter, Peter Schink, Dr. Christian Stöcker, Thomas Mrazek, Stefan Aigner, Hardy Prothmann. Bild: Christian MĂŒhlbauer

Zu den geladenen GĂ€sten des „Panel 4“ gehörten Alfons Pieper (wir-in-nrw.de), Peter Schink (Blog Age), Dr. Christian Stöcker (Stellv. Ressortleiter Spiegel Online, Netzwelt), Stefan Aigner (Regensburg Digital) sowie Hardy Prothmann (hirschbergblog). Die Moderation wurde von Thomas Mrazek (Vorsitzender DJV Fachausschuss Online) durchgefĂŒhrt.

Gegen die Hofberichterstattung.

Nach einer kurzen EinfĂŒhrung stellten die Teilnehmer ihre Projekte sowie ihre Sicht auf die aktuelle Lage dar. Der frĂŒhere stellvertretende Chefredakteur der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung, Alfons Pieper (69), betreibt das wir-in-nrw.de-Blog erst seit Dezember 2009.

Sein Team umfasse 6-7 professionelle Journalisten, die alle anonym schreiben, „weil sie als Printjournalisten angestellt sind“. Auslöser fĂŒr die Schaffung des Blogs war die „Hofberichterstattung in Nordrhein-Westfalen“.

Die Berichterstattung hatte den frĂŒheren nordrhein-westfĂ€lischen MinisterprĂ€sidenten JĂŒrgen RĂŒttgers enorm unter Druck gesetzt.

Direkt im Anschluss stellte Hardy Prothmann seine lokalen Blogs zu Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg und ab kommender Woche Weinheim, vor. Wie er erklĂ€rte, habe er das lokaljournalistische Angebot im Mai 2009 ins Leben gerufen. AufhĂ€nger sei damals das Logistikzentrum „Pfenning“ gewesen, welches sich in der Gemeinde Heddesheim ansiedeln wolle.

Bei seiner Recherche fand er heraus, dass es in den Jahren zuvor zahlreiche negative Berichte ĂŒber „Pfenning“ gab. Nachdem sich das Unternehmen in Heddesheim ansiedeln wollte, blieben diese jedoch aus. Unzufrieden mit der „Hurra-Berichterstattung“ des Mannheimer Morgen nahm er die Berichterstattung selbst in die Hand.

Stefan Aigner aus Regensburg macht seinen Lokaljournalismus auf „regensburg-digital.de“ schon seit drei Jahren. UrsprĂŒnglich war das Projekt aus einem Anzeigenblatt hervorgegangen. Inzwischen betreibt Aigner das Projekt in Eigenregie, unterstĂŒtzt durch einen Kulturverein, ĂŒber den Aigner Spenden erhĂ€lt.

UnabhÀngig, mutig, unterfinanziert.

Mrazek merkte insbesondere den Untertitel des Blogs an: „UnabhĂ€ngig, mutig, unterfinanziert“. Wie schlecht es um die Einnahmen bestellt ist, legte Aigner ebenfalls offen: „Ich lebe nur unwesentlich ĂŒber HartzIV-Niveau, aber ich komme zurecht.“

Ihm folgte die Vorstellung von Dr. Christian Stöcker, stellvertretender Ressortleiter Netzwelt bei Spiegel Online. Gleich zu Beginn vermittelte er seine Kernbotschaft: „Die deutsche Bloggerszene ist eine Bereicherung fĂŒr die Medienlandschaft.“ Dabei betonte er, dass es durchaus Blogs mit journalistischem Anspruch geben wĂŒrde. „Blogs werden jedoch keinen Journalismus ersetzen, da sie sich nicht an Standards gebunden sehen“, so Stöcker.

Es folgte Peter Schink. Schink war unter anderem fĂŒr den Relaunch von Welt Online verantwortlich. DarĂŒber hinaus ist er aktiver Blogger und betreibt eines der Ă€ltesten deutschen Blogs. Als Vertreter der BlogosphĂ€re warf er einen Blick auf die Stellung von Blogs im gegenwĂ€rtigen Mediensystem. „Was ist anders, wenn ein einzelner etwas publiziert statt eines Verlags?“, war seine Frage an die anwesenden Zuhörer.

Hardy Prothmann hielt den beiden entgegen, dass „kleine Blogs“ oft kritischer als „große MedienhĂ€user“ berichten, weil die „AbhĂ€ngigkeiten“ fehlten. Zudem wĂŒrden viele Redaktionen nur vom Schreibtisch aus arbeiten und nicht draußen bei den Menschen sein. Standards wie Recherche, sichere Fakten, Quellenschutz und andere professionelle journalistische QualitĂ€ten finden selbstverstĂ€ndlich bei guten Blogs statt – oft besser als in „Monopolredaktionen“.

Eine schwierige Situation

Auf die Frage, wie es um die Finanzierung und Akzeptanz der Angebote stehe, redeten alle Teilnehmer Tacheles. Das grĂ¶ĂŸte Problem sei, so Alfons Pieper, dass man „keine Rechtsabteilung in der Hinterhand“ habe. Eine Klage oder einen Prozess könne man faktisch nicht riskieren. Auch wenn man monatlich inzwischen 2,5 Millionen Seitenaufrufe erhalten wĂŒrde. Das wir-in-nrw-Blog ist aber auch nicht-kommerziell angelegt.

Wie riskant die Situation sein kann, verdeutlichte Stefan Aigner. Er wurde bereits mit drei Klagen ĂŒberzogen. Zwei davon konnte er gewinnen. Ein Prozess steht noch aus. Auf den juristischen „Streit“ mit der Erzdiözese konnte er sich jedoch nur durch Spenden einlassen. „Momentan reicht es fĂŒr 1,5 Instanzen“, so Aigner.

Aigner hatte in einem Missbrauchsfall durch einen katholischen Priester an einem Jungen eine spĂ€tere Geldzahlung als „Schweigegeld“ bezeichnet. Die Kirche will ihm das juristisch untersagen lassen. Die Prozesse wolle man grundsĂ€tzlich durchfechten. Schließlich hat ein Gericht bei einem der beiden vorangegangenen Prozesse schon festgestellt, dass „Wahrheit grundsĂ€tzlich nicht rechtswidrig“ ist.

Auch Hardy Prothmann hatte schon mehrere „Klage“-Drohungen: „Das ist schon erstaunlich – als ich noch fĂŒr große Medien berichtet habe, gab es keine einzige Klage, jetzt versucht man mich und andere damit einzuschĂŒchtern.“

Ein Blick in die Zukunft

Das nach wie vor konkrete Problem ist und bleibt also die Finanzierung. PrimĂ€r wĂŒrde diese bisher ĂŒber Werbung ermöglicht.

DSCF0021

Hardy Prothmann gibt im Anschluss an seine Podiumsdiskussion einer JournalsitenschĂŒlerin ein Interview. Bild: Christian MĂŒhlbauer

Wie es zukĂŒnftig mit lokaljournalistischen Blogs weitergehe, konnte man nicht abschließend beantworten. Professioneller, journalistisch ausgebildeter Nachwuchs sei jedenfalls vorhanden. Vielleicht kommen in der Zukunft ZusammenschlĂŒsse von journalistischen Blogs in Form von Netzwerken zustande. Man mĂŒsse aber auch festhalten, so Peter Schink, dass die deutsche BlogosphĂ€re im Vergleich zu anderen LĂ€ndern nicht gut entwickelt sei.

Auch die Frage der Refinanzierung werde sich ĂŒber kurz oder lang lösen lassen, wie Dr. Stöcker festhielt. So sei „viel Luft fĂŒr Werbung“, wenn man den Anzeigenmarkt Print mit dem Anzeigenmarkt Online vergleiche.

Hardy Prothmann merkte an, dass Online-Werbung oft noch erklĂ€rungsbedĂŒrftig sei, sich der Trend aber eindeutig weg vom Print hin zu Online entwickle: „Printwerbung ist im Vergleich zu Onlinewerbung extrem teuer und wenig erfolgreich – online trĂ€gt weiter, ist schneller, flexibler und kann einfach mehr.“

Hinweis:
Der MainzerMedienDisput wurde 1996 erstmalig veranstaltet und wird von der rheinland-pfĂ€lzischen Staatskanzlei, der Friedrich-Ebert-Stiftung und der Landeszentrale fĂŒr Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz getragen. Die Medienpartner des Disputs sind der SĂŒdwestrundfunk (SWR) und das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF).

Anmerkung der Redaktion:

Christian MĂŒhlbauer absolviert ein redaktionelles Praktikum bei uns in der Zeit vom 22. November – 10. Dezember 2010. Herr MĂŒhlbauer studiert an der Fachhochschule Ansbach „Ressortjournalismus.“

SWR-Landesschau berichtet ĂŒber unsere Blogs

Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 30. Oktober 2010. Die SWR-Landesschau Baden-WĂŒrttemberg hat gestern in einem Beitrag ĂŒber uns berichtet – Sie können den Film auch ĂŒber die Mediathek anschauen.

Beitrag in der SWR-Landesschau

Im Beitrag des SWR geht es um Chancen und Risiken des Internet – Hardy Prothmann und seine lokaljournalistische Arbeit gelten als Synonym fĂŒr kritischen Journalismus vor Ort.

Hier können Sie den Film anschauen: SWR-Mediathek

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

In eigener Sache: dctp-tv interviewt Hardy Prothmann zum Lokaljournalismus der Zukunft

Guten Tag!

Hirschberg, 27. April 2010. Das Konzept des hirschbergblogs findet bundesweit Aufmerksamkeit. Es sind schon zahlreiche PortrĂ€ts und Interviews veröffentlicht worden. Das Unternehmen dctp (Spiegel TV, stern TV) hat sich auch fĂŒr unsere journalistischen Angebote interessiert und den verantwortlichen Journalisten Hardy Prothmann zum Interview eingeladen.

Herausgekommen ist ein ungeschnittenes Interview von 37 Minuten LĂ€nge. Das Interview wurde am 16. April 2010 im Berliner Friedrichstadtpalast gefĂŒhrt.

Philip Banse, der ĂŒberwiegend fĂŒr das Deutschlandradio arbeitet und hier im Auftrag von dctp, hat bereits mehrere Interviews mit „Meinungsmachern“ in dieser Reihe gefĂŒhrt.

Im Interview Ă€ußert sich Hardy Prothmann ĂŒber die Motivation, lokale Nachrichtenangebote wie das hirschbergblog im Internet zu betreiben. Über die Inhalte, das GeschĂ€ft, die tĂ€glichen Herausforderungen.

Über Ideale, TrĂ€ume, Ziele und Tatsachen.

Über Journalismus, Artikel 5 des Grundgesetzes, ĂŒber Leser und Leserinnen, das Internet und was die lokale Politik damit zu tun hat und wieso unsere Seiten hirschbergblog, heddesheimblog und ladenburgblog die „Zukunft des Lokaljournalismus“ sind.

Hier gehts zur Seite von dctp-tv.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Anmerkung der Redaktion: Hardy Prothmann ist verantworlich fĂŒr das hirschbergblog.

In eigener Sache: „Was ist die Nachricht wert?“ Live-Diskussion

Guten Tag!

Hirschberg, 16. MĂ€rz 2010. Der GrĂŒnder des hirschbergblogs, Hardy Prothmann, diskutiert heute Abend zusammen mit anderen Journalisten den „Wert der Nachricht“. Die Diskussion wird live ĂŒber das Internet ausgestrahlt.

Das Institut fĂŒr Publizistik (ifp) lĂ€dt heute Abend in MĂŒnchen zur Diskussion ein: „Der Wert der Nachricht.“

Die Podiumsteilnehmer: Hardy Prothmann, GrĂŒnder hirschbergblog.de, Ludwig Ring-Eifel, Chefredakteur kna, Jochen Wegner, Chefredakteur FOCUS online/GeschĂ€ftsfĂŒhrer Nachrichten.de, Joachim Widmann, Chefredakteur ddp; Moderation: Christian Vogg, Redaktionsleiter WDR Mediathek.

Die Diskussion kann live ab 18:30 Uhr im Internet verfolgt werden: IfP im GesprÀch.

Das Video kann auch nach der Live-Übertragung angesehen werden. Bei den ersten elf Minuten gibt es eventuell Probleme mit dem Ton – danach sollte es funktionieren.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

In eigener Sache: 3. Platz fĂŒr Hardy Prothmann bei „Journalisten des Jahres 2009“

Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 29. Januar 2010. Die Jury des Mediummagazins wĂ€hlt zum Jahresende den „Journalisten des Jahres“ sowie in zehn Kategorien je zehn Top-Journalisten, die durch besondere Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Der Betreiber des hirschbergblogs, Hardy Prothmann, wurde auf Platz 3 in der Kategorie „Regionale Autoren“ gewĂ€hlt.

Zum Jahresende wĂ€hlt eine 60-köpfige Jury fĂŒr das Mediummagazin 100 Journalisten aus, die durch besondere Leistungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Außerdem wird der „Journalist des Jahres“ gewĂ€hlt. In der Jury sitzen ebenfalls herausragende Journalisten wie Claus Kleber (heute-journal ZDF), Michael JĂŒrgs (Publizist) oder Beate Wedeking (Ex-Chefin Bunte).

PreistrĂ€ger fĂŒr das Jahr 2009 ist der ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender, dessen Vertrag auf die Intervention des Hessischen MinisterprĂ€sidenten Roland Koch hin nicht verlĂ€ngert wurde.

Der Ehrenpreis 2009 „Lebenswerk“ wurde an den Focus-GrĂŒnder und langjĂ€hrigen Chefredakteur Helmut Markwort vergeben. Den Sonderpreis fĂŒr politische Berichterstattung erhielt Stefan Kornelius, SĂŒddeutsche Zeitung.

Prothmann2

Hardy Prothmann, Platz 3, "weil er mit seinen Blog die kritische Öffentlichkeit in seiner Heimat schafft..." Bild: sap

Hardy Prothmann, verantwortlich fĂŒr hirschbergblog und heddesheimblog, wurde in der Kategorie „Regionales, Autoren“ auf Platz 3 gewĂ€hlt. Die Jury-Frage war: „Welche lokalen Autoren hatten 2009 besonders gute und engagierte Ideen?“

In der BegrĂŒndung der Jury heißt es: „-۩weil er mit seinen Blog die kritische Öffentlichkeit in seiner Heimat schafft, die der alteingesessene Lokaljournalismus nicht mehr durchgehend zu leisten vermag.“

Der Aufbau der lokalen Informationsangebote von Hardy Prothmann findet seit Monaten eine große Aufmerksamkeit in der Medienbranche, siehe Berichte ĂŒber das heddesheimblog.

Den 1. Platz in dieser Kategorie machte Michael Ohnewald, Reporter bei der „Stuttgarter Zeitung“, den 2. Platz teilen sich Lisa Imhoffen, Rita Klein, Florian Ludwig, Wolfgang Wiedlich, alle vom Bonner „General-Anzeiger“.

Das Mediummagazin erscheint seit 25 Jahren und ist die grĂ¶ĂŸte unabhĂ€ngige Journalistenfachzeitschrift Deutschlands.

Die Redaktion sitzt in Frankfurt unter Leitung der Chefredakteurin Annette Milz.
Der Verlag ist der Johann-Oberauer-Verlag in Salzburg.

jdj2009

Bitte klicken Sie auf die Grafik fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Warum „Pfenning“ ein großes Thema fĂŒr Hirschberg ist

Guten Tag

Hirschberg, 27. Januar 2010. Bislang spielte das Thema „Pfenning“ in Hirschberg keine große Rolle auf der politischen Agenda. Das könnte sich schnell Ă€ndern – wenn es der GLH gelingt, die Hirschberger dafĂŒr zu sensibilisieren. Die geplante Ansiedlung des Logistik-Unternehmens in Heddesheim hat in der Nachbargemeinde fĂŒr einen enormen politischen Streit gesorgt – die Front verlĂ€uft quer durch den Ort. Ein Überblick.

Von Hardy Prothmann

Man könnte meinen, in Heddesheim gibt es seit dem FrĂŒhjahr 2009 nur ein Thema: „Pfenning“. TatsĂ€chlich gibt es noch andere Themen – „Pfenning“ dominiert sie aber alle.

pfenning_plan

Die geplante "Pfenning"-Ansiedlung. Das 200.000 Quadratmeter große GelĂ€nde soll bis 2013 bebaut sein (Zum Vergleich: Das Baugebiet "Sterzwinkel" hat 7,48 Hektar, ist also nur ein Drittel so groß). Links verlĂ€uft die Schienenanbindung. Klicken Sie fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Am 04. Februar 2009 wurde die Standortentscheidung bekannt – das Viernheimer Unternehmen (2000 Mitarbeiter, 220 Mio. Euro Umsatz 2008) will nach Heddesheim umsiedeln. Auf das Areal „Nördlich der Benzstraße“ (andere Seite von Edeka im Heddesheimer Gewerbegebiet).

Der Gemeinderat, inklusive der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen (3 Sitze) hatte sich fĂŒr die Ansiedlung ausgesprochen. Die GrĂŒnen fanden die Idee gut, dass es einen Gleisanschluss ans Netz der Deutschen Bahn AG geben solle. Damit wĂŒrde ein Teil des Warentransports von der Straße auf die Schiene kommen.

Pro und Kontra

Die Argumente fĂŒr die Ansiedlung: Keine Erschließungskosten durch die Gemeinde, Ansiedlung in „einem Rutsch“, „erhebliche“ Gewerbesteuereinnahmen, bis zu 1000 ArbeitsplĂ€tze.

In einer ersten Stufe sollen dort auf einer FlĂ€che von 200.000 Quadratmetern ein Logistikzentrum mit 110 Toren sowie ein VerwaltungsgebĂ€ude, ein Werbepylon und ein Parkhaus entstehen. Ein Teil der Lagerhallen sollen bis zu 18 Meter hoch gebaut werden. Das VerwaltungsgebĂ€ude soll 24 Meter hoch werden. Der Pylon Ă€hnlich dem im Hirschberger Gewerbegebiet ĂŒber 30 Meter hoch. Die Unternehmensgruppe hat sich eine Option auf mindestens weitere 15 Hektar gesichert.

Am 21. April 2009 stellten BĂŒrgermeister Michael Kessler und Vertreter des Unternehmens das geplante Projekt im BĂŒrgerhaus der Öffentlichkeit vor. Ende April erschien ein erster Flyer der IG neinzupfenning, der fĂŒr hitzige Diskussionen im durch Verkehr, insbesondere Schwerverkehr stark belasteten Ort sorgte.

Ende April entstand auch das heddesheimblog – zunĂ€chst als Recherchesammlung von Informationen zur geplanten Ansiedlung. Kurze Zeit spĂ€ter als redaktionelles Angebot.

Durch die AktivitĂ€ten der IG neinzupfenning und den journalistischen Informationen des heddesheimblogs sowie einem politischen Sinneswandel der GrĂŒnen-Fraktion kamen Zweifel am Sinn und Zweck der Ansiedlung auf.

GrĂŒne „gewinnen“ Kommunalwahl durch Streit um Pfenning

Bei der Kommunalwahl schließlich kam es zu einem Sieg der GrĂŒnen: Diese wurden zwar nicht stĂ€rkste Fraktion, verdoppelten aber ihre Sitze (von 3 auf 6). Die CDU verlor 2 Sitze (von 10 auf 8), die SPD einen Sitz (von 6 auf 5), die FDP (von 3 auf 2) konnte zunĂ€chst 3 Sitze halten, verlor dann aber doch einen Sitz, weil ein neu gewĂ€hlter Gemeinderat die Fraktion verlies (siehe Anmerkung der Redaktion am Textende).

Um die völlig aus dem Ruder gelaufene öffentliche Kommunikation durch die Gemeinde wieder zu „reparieren“, wurde das Bensheimer PR-Unternehmen IFOK engagiert. Kostenpunkt: 35.000 Euro. Das Ziel: Die Öffentlichkeit ĂŒber „Dialogrunden“ in die Debatte einbeziehen. Doch die Informationspolitik des BĂŒrgermeisters Kessler bleibt ĂŒberwiegend intransparent. Bis heute behindert Kessler die journalistische Arbeit des heddesheimblogs.

BĂŒrgerbefragung ergibt hauchdĂŒnne Mehrheit fĂŒr Pfenning

erreichbar

Hallen sind noch nicht gebaut - werden aber bereits vermarktet. Quelle: Pfenning

Am 27. September gab es zeitgleich zur Bundestagswahl eine BĂŒrgerbefragung. Das Ergebnis war denkbar knapp: Die BefĂŒrworter der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung erhielten 40 Stimmen mehr (50,35 Prozent zu 49,65 Prozent). Diese Mehrheit von 0,7 Prozentpunkten wurde durch CDU, SPD, FDP und den BĂŒrgermeister als Wille der Bevölkerung „bewertet“, dass die Ansiedlung weiter betrieben werden soll.

Der Ansiedlungswunsch der Unternehmensgruppe „Pfenning“ (KMP Holding GmbH) ist nachvollziehbar: Das GrundstĂŒck ist einfach zu erschließen und liegt verkehrsgĂŒnstig an der A5. Einer der grĂ¶ĂŸten Kunden, die Henkel AG, produziert ihre Waschmittel direkt in GĂŒterwaggons und verlangt von den angeschlossen Spediteuren die Ware von der Schiene zu ĂŒbernehmen.

BĂŒrgermeister Kessler, die Mehrheiten von CDU und SPD sowie die FDP, sehen vor allem die möglichen Gewerbesteuereinnahmen als starkes Argument sowie die ArbeitsplĂ€tze. Gewerbetreibende hoffen auf AuftrĂ€ge – was natĂŒrlich auch fĂŒr das Hirschberger Gewerbe gelten könnte.

Große Versprechungen zweifelhaft – zweifellos wird der Verkehr kommen

TatsĂ€chlich scheint es damit aber nicht weit her: Aus „bis zu 1000 ArbeitsplĂ€tzen“ wurden konkret erst einmal 300, aus Gewerbesteuereinnahmen „in betrĂ€chtlicher Höhe“ wurden konkrete rund 200.000 Euro gemessen an den eigenen Zahlen von „Pfenning“.

Die Gegner argumentieren, dass die Ansiedlung den Ort „erdrĂŒckt“ und bis zu 1000 Lkw-Bewegungen pro Tag nicht zu verkraften sind. Außerdem bringe sich die Gemeinde in eine existenzielle AbhĂ€ngigkeit, die vom Wohl und Wehe von „Pfenning“ abhĂ€ngig werde.

Weiter wird die „Verschandelung“ der Landschaft kritisiert, die Feinstaubbelastung oder die mindere QualitĂ€t der ArbeitsplĂ€tze. Auch die möglichen AuftrĂ€ge fĂŒr das örtliche Gewerbe werden in Zweifel gezogen, da ein solch großes Projekt von auswĂ€rtigen Firmen umgesetzt wird.

Intransparente Informationspolitik als Prinzip

Pikant: Anders als öffentlich zunĂ€chst dargestellt ist keineswegs „Pfenning“ der Investor, sondern eine zwei-Mann-Gesellschaft „Phoenix 2010 GbR„: Karl-Martin Pfenning (wohnt in Hirschberg) und der Immobilienunternehmer Johann Georg Adler (Viernheim). Eine GbR hat keine Offenlegungspflichten. Von wem die benötigten 100 Millionen Euro kommen, wer alles eventuell hinter diesen beiden MĂ€nnern steht, bleibt damit im Dunklen.

„Pfening“ oder konkret „pfenning logistics“ wird nur Mieter sein.

Durch die Recherchen des heddesheimblogs kamen weitere pikante Details ans Tageslicht: ZunĂ€chst plante „Pfenning“ ein Chemielager mit gefĂ€hrlichen Stoffen. Dies wurde nun ausgeschlossen. Außerdem vermarktet „Pfenning“ die bislang weder genehmigten noch gebauten Hallen bereits seit FrĂŒhjahr 2009.

Das Unternehmen musste ebenfalls eingestehen, dass „bis zu“ tatsĂ€chlich nur „möglicherweise“ bedeutet. Konkret werden nun 300 ArbeitsplĂ€tze genannt – ĂŒberwiegend im Billiglohnbereich, sprich Lagerarbeiter. Auch die im VerhĂ€ltnis eher bescheidenen 200.000 Euro Gewerbesteuerzahlungen hat das heddesheimblog recherchiert und bekannt gemacht.

„Pfenning“ hatte vor einigen Jahren sehr viel „schlechte Presse“: Ein Betriebsrat soll zusammengeschlagen worden sein, Mitarbeiter wurden in neue Firmen umgesetzt, um Abfindungen zu sparen, die Pleite drohte. Auch diese Informationen wurden durch das heddesheimblog zusammengetragen und veröffentlicht.

Verkehrslenkungsvertrag soll die BĂŒrger beruhigen

Auf der anderen Seite gibt es eine vollkommen unkritische Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen, der bislang noch keine selbst recherchierte „Story“ zum Thema gebracht hat.

lagerwaggon

Gutes Argument: Waren werden per Schiene angeliefert (hier "Pfenning"-Lager in Viernheim). Schlechte Nachricht: Die Ware wird per Lkw weitertransportiert. Bild: hblog

BĂŒrgermeister Kessler und „Pfenning“ versuchten die Öffentlichkeit mit einem „öffentlich-rechtlichen Verkehrslenkungsvertrag“ zu beruhigen, wie ihn nun auch die Hirschberger GLH und BĂŒrgermeister Just fordern.

Nach diesem deutschlandweit einmaligen Vertrag, der juristisches Neuland betritt, zahlt das Unternehmen fĂŒr jeden Lkw ĂŒber 18 Tonnen, der doch durch den Ort fĂ€hrt eine Strafe von 20 Euro – sofern jemand das anzeigt. Dieser Vertrag soll nun auch mit der Gemeinde Hirschberg geschlossen werden.

Aus Sicht der Heddesheimer GrĂŒnen sind die Verkehrskreisel in den Gewerbegebieten nicht in der Lage, den zusĂ€tzlichen Lkw-Verkehr sowie Arbeitnehmer-Verkehr zu verkraften. Dem schlossen sich die Hirschberger GLH und BĂŒrgermeister Just an. Ein Gutachten soll Klarheit schaffen. Als TrĂ€ger öffentlicher Belange will die Gemeinde Hirschberg dies als Einwand gegen den Planungsvorentwurf einbringen.

Wenn Sie sich ĂŒber die Ansiedlung informieren möchten, empfehlen wir Ihnen neben allen öffentlich zugĂ€nglichen Quellen unsere Berichterstattung auf dem heddesheimblog, wo hunderte Artikel im vergangenen Jahr zum Thema erschienen sind.

Sie können dort ĂŒber die Suche, ĂŒber das MenĂŒ oder ĂŒber die Schlagworte (rechte Spalte) alle dort veröffentlichten Informationen frei recherchieren. SelbstverstĂ€ndlich können Sie fĂŒr Nachfragen die Redaktion per email oder Telefon kontaktieren.

Anm. d. Red.:
Hardy Prothmann ist Journalist und verantwortlich fĂŒr das hirschbergblog und das heddesheimblog. Im Februar kommt mit dem ladenburgblog ein weiteres redaktionelles Angebot hinzu.

Diese neue Form der Lokalberichterstattung findet bundesweit Aufmerksamkeit und gilt als „Zukunft des Lokaljournalismus“. Lesen Sie hier Berichte ĂŒber das heddesheimblog.

In Heddesheim ist Hardy Prothmann als parteiloser Kandidat auf der FDP-Liste (Platz 11) in den Gemeinderat gewĂ€hlt worden. Er gewann die Liste mit 20 Prozent Vorsprung vor dem Fraktionsvorsitzenden Frank Hasselbring. Nach kurzer Verhandlung verließ Prothmann die FDP-Fraktion und ĂŒbt als partei- und fraktionsloser Gemeinderat ein freies Mandat aus. Sechs Wochen vor der Wahl hatte er mit der Berichterstattung ĂŒber „Pfenning“ begonnen.

Termin: Quo vadis, Journalimus?

Guten Tag!

Region Rhein-Neckar/Heidelberg, 26. Januar 2010. Der Heidelberger Verein Meinungsbildung e.V. lĂ€dt zu einem Vortrag mit Thierry Chervel und Hardy Prothmann ins Deutsche-Amerikanische-Institut in Heidelberg ein. Das Thema: „Die Zukunft des Journalismus ist crossmedial.“

Thierry Chervel, geboren 1957, hat Musikwissenschaften studiert und ist verantwortlicher Redakteur des Kulturangebots perlentaucher.de. Er war Redakteur bei der taz (Film, Musik, Tagesthemen), Kulturkorrespondent fĂŒr die SĂŒddeutsche Zeitung in Paris und Redakteur auf der Berliner Seite der SĂŒddeutschen und ist MitbegrĂŒnder des Perlentauchers. Chervel redet ĂŒber die crossmediale Zukunft des Journalismus.

Hardy Prothmann, geboren 1966, ist seit 1991 freier Journalist und hat fĂŒr viele ĂŒberregionale Medien berichtet, darunter FAZ, FTD, Handelsblatt, SĂŒddeutsche Zeitung, Der Tagesspiegel, taz sowie ARD-Hörfunk und -Fernsehen und ist Betreiber von hirschbergblog.de und heddesheimblog.de. WĂ€hrend des Studiums war er drei Jahre freier Mitarbeiter des Mannheimer Morgen. Er wird seine aktuellen redaktionellen Angebote vorstellen.

Ausrichter ist der Verein Meinungsbildung e.V., der selbst das blog Die Stadtredaktion betreibt. Der Eintritt ist frei.

Donnerstag, 28.1.2010, 19:30 Uhr
DAI Heidelberg – Bibliothek

Sofienstraße 12, 69115 Heidelberg

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Weihnachten vor fĂŒnf Jahren – der Tsunami

khaolak

Hardy Prothmann (mit MĂŒtze) zwischen "Leichenwagen", Khao Lak 28.12.2004.

Guten Tag!

Hirschberg, 26. Dezember 2009. Heute vor fĂŒnf Jahren war der Betreiber des hirschbergblogs, Hardy Prothmann, als Tourist auf dem thailĂ€ndischen Phuket im Urlaub. Den Tsunami ĂŒberlebte er durch Zufall – auf einem Segelboot, weit vor der WestkĂŒste der Insel. Danach hat er 18 Tage lang fĂŒr mehr als ein Dutzend deutscher Medien vor Ort ĂŒber die Katastrophe berichtet, darunter Focus, Handelsblatt, Welt und Spiegel.


Die Redaktion von Focus online hat mich um einen RĂŒckblick gebeten. Wie war das damals vor fĂŒnf Jahren in Thailand nach dem verheerenden Tsunami aus Sicht eines Reporters? Denn Text finden Sie hier: Focus Online – „Eine Hölle aus Wasser“

Und hier die Reportage, die in Focus 2/2005 ĂŒber die Arbeit der BKA-Experten erschienen ist: „Den Toten einen Namen geben.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog