Donnerstag, 13. Juni 2019

Entscheidung in naher Zukunft

Wird „Pfenning“ an einen Immobilienfonds verkauft?

Ist das "Pfenning"-Projekt bald Teil eines offenen Immobilienfonds?

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 24. Juli 2012. (red/pro) Im Markt gibt es das GerĂŒcht schon – jetzt gibt es die BestĂ€tigung: Die Hamburger Union Investment Real Estate GmbH verhandelt mit dem Bauherrn des „Pfenning“-Logistiklagers „Multicube“ in Heddesheim ĂŒber einen Ankauf des noch in Bau befindlichen Objekts. Der Pressesprecher des Fonds bestĂ€tigte die Verhandlungen auf Anfrage von Heddesheimblog.de.

Von Hardy Prothmann

Der Presseprecher von Union Investment Real Estate Hamburg, Fabian Hellbusch, bestĂ€tigte heute auf Anfrage, dass die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken mit dem Bauherrn der „Pfenning-Logistik-Immobilie“ in Heddesheim in Verhandlungen steht.

Verkaufsverhandlungen laufen

Ob und wann es zu einer Übernahme komme, hĂ€nge noch von den Verhandlungen ab. Zu Kaufpreis und Datum einer möglichen Übernahme wollte sich der Pressesprecher mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht Ă€ußern.

Die Union Investment Real Estate GmbH ist der zweitgrĂ¶ĂŸte Fondsanbieter in Deutschland mit einem geschĂ€tzten Immobilienvermögen von 20 Milliarden Euro. Das Unternehmen investiert weltweit in Immobilien und hĂ€lt zur Zeit rund 300 Objekte. Typischerweise erwirbt das Unternehmen die Immobilien immer vollstĂ€ndig und mischt diese unterschiedlichen Fonds bei: „Wir sind ein langfristig orientierter Investor“, sagte Sprecher Fabian Hellbusch.

Pro Jahr investiere das 1965 gegrĂŒndete Unternehmen in den vergangenen Jahren rund 1,5-2 Milliarden Euro zusĂ€tzlich. Logisitik ist aus Sicht der Fondgesellschaft eine „Beimischung“ zur Risikostreuung: „Logistik ist fĂŒr uns ein Nischenprodukt mit rund fĂŒnf bis sieben Prozent Anteil am Gesamtvolumen“, sagte Hellbusch.

Gerichtsverhandlung steht aus

Man manage die Immobilien alleine, manchmal auch ĂŒber Dienstleister. Typischerweise sei man an sehr gut bis gut vermieteten Immobilien interessiert und ĂŒbernehmen mit dem Kauf auch die Mieter. In der Region ist die Union Investment beispielsweise Besitzer der Ludwigshafener Rhein-Galerie. Ob das Unternehmen den Ausgang einer Gerichtsverhandung abwarten will, wollte der Sprecher nicht bestĂ€tigen – dies kann man aber mit großer Sicherheit vermuten. Ein Anwohner hat Klage gegen den Bebauungsplan eingereicht. Dies soll im August vor dem Verwaltungsgerichtshof in Mannheim verhandelt werden. Nach unseren Informationen könnte das GeschĂ€ft bei „positivem“ Ausgang aus Sicht des Investors dann zum 01. September 2012 erfolgen.

Das Projekt scheint enorm unter Druck zu sein – klar ist, dass es Interesse seitens Union Investment gibt. Sollte der Bebauungsplan erfolgreich angefochten werden, dĂŒrfte ein Invest unwahrscheinlich werden oder zumindest bis zur KlĂ€rung aller offenen Rechtsfragen offen bleiben. Nach unseren Informationen will aber der Großkunde „Kraft Foods“ bereits ab September 2012 im Logistikzentrum einlagern. Auch hier besteht Druck, da die Baustelle noch lĂ€ngst nicht fertig ist.

Zwischenfinanzierte Spekulationsimmobilie

Die Zwischenfinanzierung soll nach unseren Informationen die DZ Bank erfolgt sein – ebenfalls ein Unternehmen der Volks- und Raiffeisenbanken. „Pfenning“ hat demzufolge das Objekt ĂŒber Schulden finanziert und will es nun verkaufen. Damit bestĂ€tigt sich die Vermutung, dass es sich hier um einen gigantischen Immobiliendeal handelt. Die „Phoenix 2010 GbR“, bestehend aus Karl-Martin Pfenning und dem Immobilienmogul Johann Georg Adler III. (beide Viernheim), hatte das 200.000 Quadratmeter große GelĂ€nde, das zuvor Ackerland war und mit die besten Böden in Heddesheim hatte, fĂŒr 47 Euro den Quadratmeter erworben. Der Verkaufspreis fĂŒr „entwickelte“ Gewerbegebiete liegt zwischen 100 und 140 Euro je Quadratmeter. Bei einem Verkauf fĂŒr 100 Euro den Quadratmeter bliebe also allein ein Gewinn von 10,6 Millionen Euro vor Steuern fĂŒr die GrundstĂŒckserwerber.

Aus Sicht der Union Investment handelt es sich um ein normales AnlagegeschĂ€ft. Politisch sind die Verhandlungen vor Ort eine „Bombe“. Der angebliche Investor und Inhaber von „Pfenning“, Karl-Martin Pfenning, hatte im Zuge der politischen Verhandlungen immer wieder betont, wie „verbunden“ er der Region sei und dass er mit dem Logistikzentrum langfristig in den Standort Heddesheim und in die Region investiere. Dabei stand ein Verkauf an fremde Investoren angeblich nie zur Debatte.

Politische Bombe

Auch BĂŒrgermeister Michael Kessler sowie die knappe Mehrheit der BefĂŒrworter im Gemeinderat, die Fraktionen der CDU, SPD und FDP betonten immer die schon fast „familiĂ€re“ Verbundenheit und stellten die „herausragende“ Investitionsbereitschaft des angeblich 100 Millionen Euro teuren Objekts in den Vordergrund. Nachfragen, ob es sich hier um eine Immobilien-Spekulation handeln könnte, wurde immer wieder empört zurĂŒckgewiesen. Kritiker wurden als „Schlechtmacher“ verunglimpft.

Im Februar 2009 wurde der Aufstellungsbeschluss in öffentlicher Sitzung gefasst – damit blieb keine Chance, ein BĂŒrgerbegehren in Gang zu setzen. Es waren Fakten geschaffen worden. Gegen die Ansiedlung machte die BĂŒrgerinitiative „IG Nein zu Pfenning“ mobil. Im Sommer 2009 wurde ĂŒber das in der Region gut vernetzte Bensheimer Spin-Doctor-Unternehmen „Ifok“ ein „Dialogverfahren“ in Gang gesetzt, dass eindeutig die Stimmung fĂŒr eine Ansiedlung beeinflussen sollte. Kostenpunkt: Mindestens 35.000 Euro. Weiter wurde ein deutschlandweit einmaliger „Verkehrslenkungsvertrag“ erfunden und unterzeichnet – eine Selbstverpflichtung, nach der „Pfenning“ keine Lkw ĂŒber 18 Tonnen durch den Ort fahren lĂ€ĂŸt. Bei einer BĂŒrgerbefragung im Herbst 2009 stimmten 50,35 Prozent der Einwohner, die an der Abstimmung teilgenommen haben, fĂŒr die Ansiedlung, 49,65 Prozent dagegen. Real gab es 40 Stimmen mehr fĂŒr „Pfenning“. Diese minimale „Mehrheit“ wurde im Gemeinderat durch BĂŒrgermeister und BefĂŒrworter als „politischer Willen“ der Bevölkerung gedeutet.

Leere Versprechungen

Nach und nach erweisen sich alle "Versprechungen" als leere WorthĂŒlsen. Karl-Martin Pfenning steht vor dem Abchluss eines satten ImmobiliengeschĂ€fts.

Grundlage dieser Abstimmung war die Aussage, dass die Unternehmensgruppe „Pfenning“ nach Fertigstellung des Logistikzentrums seinen Firmensitz von Viernheim nach Heddesheim verlagert und seine bestehenden Standorte in der Region in Heddesheim konzentriert. Ebenso war eine Schienenanbindung eines der Hauptargumente fĂŒr die Ansiedlung, weshalb auch die Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen in nicht-öffentlicher Sitzung zunĂ€chst dem Projekt zustimmten, sich aber spĂ€ter gegen das Projekt wandten. Weiter sollten bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze geschaffen werden und erhebliche Gewerbesteuerzahlungen fließen.

Nachdem der Bebauungsplan gĂŒltig war, entfielen nach und nach die Versprechungen. „Pfenning“ warb damit, dass der Kunde Henkel ĂŒber die Schiene anliefern wollte. SpĂ€ter wurde bekannt, dass „Pfenning“ Henkel als Kunde verloren hat. Damit entfĂ€llt die Schiene auf unbekannte Zeit. Die angeblich bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze, die von „Pfenning“ hier geschaffen werden sollten, sind nach aktuellen Angaben auf 200 geschrumpft. Und ob erhebliche Gewerbesteuerzahlungen zu erwarten sind, bleibt zweifelhaft. Nach unseren Informationen hatte „Pfenning“ 2008 vermutlich nur rund 200.000 Euro Gewerbesteuer in Viernheim bezahlt, was angesichts des enormen FlĂ€chenbedarfs fĂŒr zukunftsorientierte Gewerbeansiedlungen nicht akzeptabel ist. Zum Vergleich: Die bisherigen Heddesheimer Gewerbeansiedlungen zahlen im Mittel rund 2,5 Millionen Euro Gewerbesteuer jĂ€hrlich. Das „Pfenning“-Gebiet nimmt ungefĂ€hr ein Drittel der FlĂ€che des jetzt grĂ¶ĂŸeren Gewerbegebiets ein. Damit mĂŒssten rund 800.000 Euro zu erwarten sein.

Enorme Umsatzverluste

Die Viernheimer Unternehmensgruppe KMP Holding GmbH (KMP=Karl-Martin Pfenning) hatte laut eigenen Angaben 2008 insgesamt einen Umsatz von nahezu 210 Millionen Euro. Laut Bilanz waren es 2007 gerundet tatsĂ€chlich nur 176 Millionen Euro, 2008 waren es 170 Millionen Euro, 2009 waren es 157 Millionen Euro, 2010 waren es 155 Millionen Euro. Eine erfreuliche Unternehmensentwicklung sieht anders aus. In der Branche ist der Ruf von „Pfenning“ als Arbeitgeber zudem nicht besonders gut. Die Gewerkschaft verdi nennt „Pfenning“ einen „TarifflĂŒchtling“. Vor rund zehn Jahren machte „Pfenning“ jede Menge negative Schlagzeilen, unter anderem, weil der Betriebsratschef zusammengeschlagen worden sein soll, wie der Mannheimer Morgen damals berichtete. Auch die KĂŒndigung von rund 150 Mitarbeitern, die dann zu Dumping-Löhnen ĂŒber eine andere Gesellschaft weiter fĂŒr „Pfenning“ arbeiten sollten, musste rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden.

Politische Intransparenz

2009 sorgte sich BĂŒrgermeister Kessler, ob "Pfenning" scheitern könnte. Aktuell muss man fragen, ob er gescheitert ist.

FĂŒr das politische Heddesheim ist die Entwicklung des „Pfenning“-Areals bindend. Die UnterstĂŒtzer haben sich sinnbildlich wie die „Drei-Affen“ verhalten: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen. Fast willfĂ€hrig wurde alles unternommen, um die Ansiedlung möglich zu machen. Kritische Fragen zum Investor und zur Abwicklung der Ansiedlung blieben aus. Kritische Fragen zur Personalpolitik bei „Pfenning“ – Fehlanzeige. Eine kritische PrĂŒfung, ob die beschauliche Gemeinde mit einem Projekt dieser GrĂ¶ĂŸenordnung umgehen kann, wurde erst gar nicht angedacht.

In naher Zukunft, 2014, stehen BĂŒrgermeister- und Gemeinderatswahlen an. Bis dahin wird der „Pfenning“-Verkehr rollen und es wird sich zeigen, ob der Verkehrslenkungsvertrag sich ebenfalls als leere Versprechung entpuppt. Dann wird es sehr spannend sein, wie sich die BefĂŒrworter des gigantischen Projekts ihrer Verantwortung stellen.

Ein frischer, transparent auftretender Kandidat hĂ€tte auch als „AuswĂ€rtiger“ allerbeste Chancen, BĂŒrgermeister Michael Kessler („Ich bin die Gemeinde“) abzulösen. Sollte sich eine unabhĂ€ngige Liste grĂŒnden, auch mit Mitgliedern der „IG Nein zu Pfenning“, dĂŒrfte diese ebenfalls beste Chance haben, Sitze zu erhalten.

Bei der vergangenen Gemeinderatswahl 2009 verlor die CDU (8) zwei Sitze, die SPD (5) einen Sitz und die FDP (3) zunĂ€chst einen, den sie aber mittlerweile wieder „zurĂŒck“ hat. BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen (6) gewannen drei Sitze und sind vor der SPD zweitstĂ€rkste Fraktion im Heddesheimer Gemeinderat.

Anm. d. Red.: Hardy Prothmann ist verantwortlicher Journalist fĂŒr das Heddesheimblog.de. Er war von 2009 bis Anfang 2012 partei- und fraktionsfreier Gemeinderat ĂŒber die Liste der FDP, die er bei seiner ersten Gemeinderatskandidatur mit 20 Prozent Vorsprung auf den Fraktionsvorsitzenden Frank Hasselbring gewonnen hatte. Durch seinen Umzug nach Mannheim musste er das Ehrenamt aufgeben. Der NachrĂŒcker ist nun wieder Mitglied der FDP-Fraktion.

MM lobhudelt weiter

Neues von der Baustelle: Folge 9. Pfenning informiert „ausgewĂ€hlt“

"Pfenning"-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger: Sagt immer nur so viel, wie er muss und hĂ€ufig auch nur irgendwas, was spĂ€ter wieder ganz anders ist. Archivbild.

 

Heddesheim/Rhein-Neckar, 09. MĂ€rz 2012. Der Mannheimer Morgen fĂ€hrt mit seiner unkritischen Jubel-Berichterstattung in Sachen „Pfenning“ fort. Das war nicht anders zu erwarten. Und „Pfenning“ bedient die Zeitung exklusiv – unsere Redaktion wird vom „neuen, guten Nachbarn“ ausgegrenzt und nicht informiert. Folglich gilt das auch fĂŒr unsere Leserinnen und Leser. Der Grund ist einfach: Wir berichten zu kritisch und Kritik ist nicht erwĂŒnscht.

Von Hardy Prothmann

Das ist er also, der neue, gute Nachbar „Pfenning“. Ein Unternehmen, das bewusst in Kauf nimmt, große Teile der Heddesheimer Bevölkerung nicht zu erreichen. NĂ€mlich alle die, die den Mannheimer Morgen nicht abonniert haben und das sind sehr viele.

Dabei weiß GeschĂ€ftsfĂŒhrer Uwe Nitzinger sehr genau, dass die HĂ€lfte des Ortes gegen die montröse, 650 Meter lange Bebauung auf 20 Hektar bestem AckergelĂ€nde war. Nachdem der Bebauungsplan aber gegen alle klugen und kritischen EinwĂ€ndungen durchgesetzt war, sah und hörte man nichts mehr von Pfenning. Auch der Baustart wurde bis auf eine lĂ€ppische Pressemeldung nicht kommuniziert.

Geschönte Berichte

Ab und an wirft „Pfenning“ mal einen Brocken hin und der MM schnappt ihn dankbar auf – immerhin hat „Pfenning“ ja auch schon einiges an Anzeigen dort geschaltet.

So erfahren die Zeitungsleser also, in welcher Reihenfolge die Hallen gebaut werden. Erst der nördliche Teil, von Ost nach West, dann der sĂŒdliche Teil. DafĂŒr werden Fertigsystemteile des Bayerischen Unternehmens Max Bögl verbaut. Bögl hat sich auf diese Bauweise spezialisiert. Dazu gibt es Informationen, dass ein paar hundert Bauteile, StĂŒtzen und Platten verbaut werden. Und rund 80 Bauarbeiter beschĂ€ftigt sind, bis zu 300 sollen es im Sommer werden.

Wenn man sich Referenzobjekte auf der Bögl-Homepage anschaut, darf man berechtigte Zweifel haben, ob das „Pfenning“-GelĂ€nde tatsĂ€chlich Ende 2013/Anfang 2014 fertig gestellt sein wird, wie Uwe Nitzinger im Mannheimer Morgen behaupten darf.

Im sĂŒdlichen Teil zur Benz-Straße hin wird ein Teil der Hallen 18 Meter hoch – wer hier was einlagern wird? Keine Information. Die Schiene kommt dann, wenn sie jemand braucht – also irgendwann oder nie. Die Schienenandienung war eins der Hauptargumente der CDU fĂŒr die Logistikansiedlung. Jetzt erfĂ€hrt man, dass mindestens „36-Monate“ Vorlauf nötig seien, falls denn mal jemand Interesse haben könnte.

FragwĂŒrdige Äußerungen

Ebenso darf Nitzinger behaupten, niemand hĂ€tte was davon gemerkt, dass „Pfenning schon da ist“ und das mit „Lkw-Verkehr“. Dazu wird unwidersprochen der Bauverkehr mit angeblich bis zu 800 Lkw-Bewegungen in der Spitze verglichen. Das ist hanebĂŒchen.

NatĂŒrlich weiß man schon lange, dass die Bauarbeiten begonnen haben – wir bringen aktuell unsere neunte Folge zur Baustelle. Im Gewerbegebiet werden Laternenmasten umgefahren und die Straßen sind hĂ€ufig verdreckt – wie das halt so ist in der NĂ€he von Baustellen. Wer allerdings fĂŒr die Straßenreinigung aufkommt, ob „Pfenning“ oder der Steuerzahler? Wer weiß, dazu gibt es keine Informationen.

DafĂŒr erhĂ€lt man aber einen Eindruck, wie das sein wird, wenn tĂ€glich hunderte zusĂ€tzliche Lkw hier unterwegs sein werden. Im Hirschberger Kreisel ist der Aspahlt schwer beschĂ€digt und vor der Auf-/Abfahrt auf die A5 auf Hirschberger Seite hat sich eine deutliche Absenkung gebildet, die auf Reparatur wartet. Unsere Recherchen hierzu haben ergeben, dass das RegierungsprĂ€sidium zustĂ€ndig ist, die Sache ans Landratsamt weitergereicht hat, aber keiner weiß oder sagen kann, wann diese SchĂ€den, die auch unfallgefĂ€hrlich sein können, behoben werden.

Offene Fragen

Uwe Nitzinger darf ĂŒber Kekse und Schokolade reden, die der neue Kunde „Kraft Foods“ hier lagern will. Ob der neue Kunde und die damit verbundenen VertrĂ€ge das „Pfenning“-Projekt ĂŒberhaupt erst finanzierbar gemacht haben, wird nicht gefragt.

Es war schon seltsam, wie der strahlende Chef Karl-Martin Pfenning erst eine 100 Millionen-Euro-Investition verkĂŒndete, dann aber trotz Baugenehmigung nichts passierte. Es gab viele GerĂŒchte, ob die Finanzierung geplatzt sei. Harte Fakten gibt es nicht, weil der eigentliche Investor die Phoenix 2010 GbR ist – ein zwei-Mann-„Unternehmen“, das nicht publizitĂ€tspflichtig ist.

Weiter darf Nitzinger behaupten, man halte sich an den Verkehrslenkungsvertrag – dabei werden immer wieder große „Pfenning“-Lkw gesichtet, die durch den Ort fahren. Und die Aussage: „Der Verkehr kommt aus der Ferne und geht in die Ferne“, wird gar nicht erst vom MM aufgegriffen.

Leere Versprechen

Herzig ist die Information, es wĂŒrde keinen regionalen Verkehr geben. Also nicht von Pfenning. Wenn Waren beispielsweise fĂŒr Edeka eingelagert und von Edeka ausgeliefert werden, dann ist das ja kein „Pfenning“-Verkehr. Und wenn die regionalen Versorgungs-Lkw bis zu 12 Tonnen schwer sind, gilt fĂŒr die auch nicht der Verkehrslenkungsvertrag. Wer immer noch an all die „Versprechungen“ glaubt, ist selbst schuld.

Angeblich sollen fĂŒr den Kunden Kraft Foods zweihundert Leute arbeiten – davon aber die HĂ€lfte als LeihkrĂ€fte. Die Zahl „bis zu 1.000 ArbeitsplĂ€tze“, mit der BĂŒrgermeister Kessler, die CDU, SPD und FDP fĂŒr das Projekt geworben haben, fĂ€llt in diesem Zusammenhang nicht mehr. Und – ach ja – vier AusbildungsplĂ€tze halte „Pfenning“ nach wie vor frei fĂŒr Heddesheimer BerufsanfĂ€nger – bislang habe sich aber niemand gefunden, der zu „Pfenning“ passt. Das soll man alles so glauben, denn es steht ja in der Zeitung.

AusgewÀhlte GÀste

Am 23. MĂ€rz gibt es eine „symbolische Grundsteinlegung“ – fĂŒr ausgewĂ€hlte GĂ€ste. Wir sind bislang noch nicht eingeladen worden und vermuten, dass es dabei bleibt. Der Mannheimer Morgen darf sicherlich in der ersten Reihe sitzen, damit man auch jedes Wort exakt so mitschreibt, wie man das von seiten der Verwaltung und Pfenning will.

Das wird so erwartet und auch erfĂŒllt.

„Pfenning“: „Man war zu spĂ€t aufgewacht – alle Entscheidungen waren schon getroffen.“

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Guten Tag!

Hirschberg, 04. November 2010. Der vorliegende Text ist heute auf dem heddesheimblog erschienen – weil auch Hirschberg betroffen ist, veröffentlichen wir den Artikel auch hier.

Das heddesheimblog wagt einen Blick in die Zukunft: Wir haben mit jemandem gesprochen, der in der jĂŒngeren Vergangenheit erlebt hat, wie eine Ansiedlungsentscheidung sein Lebensidyll verĂ€ndert.

Dieter Pfenning heißt der Mann und ist weder verwandt noch verschwĂ€gert mit dem „pfenning logistics“-Chef Karl-Martin Pfenning. Die Namensgleichheit ist reiner Zufall.

Dieter Pfenning ist IT-Spezialist und wohnt in Oldendorf, im „SpeckgĂŒrtel“ von Hamburg. Rein zufĂ€llig hat er bereits erlebt, was Heddesheim und Hirschberg noch vor sich haben. Denn vor seiner HaustĂŒr entsteht ein riesiges Logistik-Zentrum.

Von Dieter Pfenning

Vor gut neun Jahren bin ich mit meiner Frau aus dem belebten Hamburger Stadtteil St. Georg raus aufs Land gezogen, nach Oldendorf. Dort wurde auch unser gemeinsamer Sohn geboren.

Zuvor hatten wir ĂŒber zwei Jahre lang gesucht, bis wir diesen schönen Ort auf dem platten Land gefunden hatten.

„Oldendorf war fĂŒr mich, meine Frau und unseren Sohn ein Idyll.“ Dieter Pfenning

Ein 80-Seelen-Nest. Die Hausnummern der HĂ€user sind in der Reihenfolge, in denen sie gebaut wurden. Hier sagen sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“.

LĂ€ndliche Idylle – aufgenommen am 11. September 2008. Bild: privat

Oldendorf liegt zwischen zwei Autobahnabfahrten – die wir schnell erreichen können. Ich fahre 40 Kilometer zu meinem Arbeitsplatz nach Hamburg. Eine ideale Kombination: Wohnen auf dem Land und gute Verkehrsanbindung an die Stadt.

Auch andere finden das ideal – das wusste ich damals aber nicht.

Irgendwann wurde ich durch das OrtsblĂ€ttchen auf eine geplante Speditionsansiedlung aufmerksam. Im Nachbarort MienenbĂŒttel sollte das entstehen – wenn alles ausgebaut ist, wird es 80 Hektar groß sein. Auf der anderen Seite der Autobahn, in Wennerstorf sollen nochmals 45 Hektar ausgebaut werden. Lidl hat hier schon das Zentrallager Nord hingestellt. Man sagte mir, dass hier das grĂ¶ĂŸte Logistik-Zentrum Deutschlands entsteht.

K63-Richtung-MienenbĂŒttel-2010-10-30

Logistik-Idylle. Aufgenommen am 30. Oktober 2010. Bild: privat

Ich machte mich kundig und fragte Leute in MienenbĂŒttel ĂŒber die Ansiedlung. Und ich erfuhr: Hier gibt es sogar eine BĂŒrgerinitiative MienenbĂŒttel. Wie konnte das sein, dass ich zwei Kilometer weiter nichts davon erfahren hatte?

„Wieso hatte ich nichts erfahren?“

Das Gewerbegebiet wird sich direkt an MienenbĂŒttel anschließen: Wie konnte das sein, dass sich hier so wenig regt?

Die Mitglieder der Initiative waren sehr emotional. Ich habe dann einen Blog aufgesetzt, Informationen gesammelt und diese veröffentlicht.

Denn eins war klar: Alle Entscheidungen waren schon in den Gremien getroffen worden. Man war zu spÀt aufgewacht.

Es gab keine Gutachten, keine ernstzunehmende juristische Beratung. Klar, es wurden Einwendungen gemacht, die aber alle abgeschmettert wurden.

Alles abgeschmettert.

Aktuell ist am 25. Oktober 2010 ein Normenkontrollverfahren beendet worden – ohne Chance auf Revision. Man hatte geklagt, dass die Einwendungen nicht ausreichend berĂŒcksichtigt worden waren. Das mag sein. Da diese aber formal nicht untermauert waren, gab es auch wenig Chancen auf Erfolg mit der Klage.

WĂ€hrend der Planungsphase haben wir hier ordenlich Dampf gemacht. Plakate gemalt, Aufkleber drucken lassen – wir haben sogar eine Demo veranstaltet.

Mir war klar, dass wir wohl nicht mehr viel erreichen konnten. Eins meiner unserer Ziele war, dass wir ein Durchfahrtsverbot fĂŒr Lkw ĂŒber 7,5 Tonnen durch Oldendorf erreichen. Das hat funktioniert. Die Lkw fahren zwar immer noch durch den Ort, wenn die A1 dicht ist. Aber wenigstens etwas.

Ohne RĂŒcksicht auf Verluste.

Es gab viel böses Blut in der Zeit. Das Gewerbegebiet gehört zu Neu-Wulmstorf, wie auch MienenbĂŒttel. Die haben das ohne RĂŒcksicht auf Verluste bei den Nachbarn durchgezogen. Die Stimmung in MienenbĂŒttel ist nicht besonders gut, weil man erst spĂ€t erkannt hat, dass der ganze Ort verĂ€ndert wird.

Die lokale Presse, beispielsweise das Hamburger Abendblatt als große Zeitung, hat das Thema links liegen lassen. Die kleine LokalblĂ€ttchen-Presse hat sich etwas mehr engagiert.

Heute wissen alle: Wir haben geschlafen und sind erst von einem Apparat ĂŒberrollt worden, gegen den man kaum eine Chance hat und bekommen einen Verkehr, der das Leben hier von Grund auf verĂ€ndern wird.

Solange sich die „gewĂ€hlten Vertreter“ in den gesetzlich zulĂ€ssigen Grenzen bewegen, kann man wenig machen. NatĂŒrlich sind die bis an jede dieser Grenzen gegangen. Das einzige, was wir tun können, ist beim nĂ€chsten Mal anders zu wĂ€hlen. So lĂ€uft das „Spiel“.

Kaum den Hauch einer Chance.

Wir haben aber etwas getan – wir haben fĂŒr Aufmerksamkeit gesorgt. Wir hĂ€tten aber viel frĂŒher viel strukturierter gegen das Projekt vorgehen mĂŒssen, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben.

BĂŒrgermeister und Verwaltungen beherrschen das GeschĂ€ft. Die machen das jeden Tag, kennen rechtliche Regelungen, VerfahrensablĂ€ufe, Fristen und all das. Auch Investoren kennen das alles. Normale BĂŒrger sind dagegen fast chancenlos.

EmotionalitĂ€t oder gar schlechte Laune bringt ĂŒberhaupt nichts. Hier geht es um Gesetze, Normen, Verfahren. In diesen Sprachen wird verhandelt. Ob einem das gefĂ€llt oder nicht. Wer sich dagegen auflehnt, hat immerhin die Chance ZugestĂ€ndnisse zu erreichen, wie wir in Oldendorf mit dem Durchfahrtsverbot.

Wir sind der kleinste Ort der umliegenden Gemeinden und haben den grĂ¶ĂŸten Krach gemacht. Sogar das ZDF hat ĂŒber uns berichtet.

IG neinzupfenning-Vertreter war zu Besuch.

Irgendwann war auch mal jemand von der IG neinzupfenning hier bei uns mit seinem Wohnmobil und hat sich zum Lauf der Dinge und unseren Aktionen erkundigt. Wir haben informiert und dem Mann und seiner Frau Material mitgegeben. Seitdem haben wir nie mehr von diesen Menschen gehört.

Übers Internet hat mich Herr Prothmann kontaktiert – wir haben uns ausfĂŒhrlich ĂŒber die jeweiligen „ZustĂ€nde“ unterhalten.

Dabei haben wir durchaus unterschiedliche Sichtweisen – ich bin Betroffener und habe mich zusammen mit anderen gewehrt. Herr Prothmann ist Journalist und berichtet ĂŒber das Verfahren.

Zwar ist er „zufĂ€llig“ auch zum Gemeinderat gewĂ€hlt worden, aber auch hier steht er abseits mit seiner Transparenz und seinem klugen Sachverstand.

Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Oldendorf und Heddesheim.

Nach dem Kontakt habe ich sehr interessiert das heddesheimblog gelesen und viele Gemeinsamkeiten im Verfahrensgang zu „unserem“ Logistik-Zentrum feststellen können. Die Dokumentation ist beeindruckend.

Auch hier bei uns haben die „Einheimischen“, die auch in Überzahl in den Gremien vertreten sind, das Sagen und nichts gegen die Ansiedlung einzuwenden gehabt. Andere Einheimische haben sich angeschlossen – man kennt sich, versteht sich und vertraut sich: Wird schon werden…

Heute sind viele dieser Verbindungen teils unrettbar zerbrochen. Ich gebe allen den Rat, die Emotionen draußen zu lassen und sich auf die neue Situation einzustellen, so gut das eben geht. Das ist natĂŒrlich schwer, sind die EnttĂ€uschungen doch groß.

Heddesheim und Hirschberg sind in einer anderen Lage – durch die professionelle journalistische Begleitung. Ich hĂ€tte mich gefreut, hĂ€tte ich jemanden wie Herrn Prothmann hier vor Ort gehabt. Der beherrscht sein Handwerk – das kann ich beurteilen, weil ich selbst schon lange im VerlagsgeschĂ€ft fĂŒr große Medien arbeite.

Emotionen mĂŒssen draußen bleiben.

Was mich bis heute Ă€rgert, ist, wie hilflos man gegenĂŒber der BĂŒrokratie und den Strippenziehern als BĂŒrger ist. Aber wie gesagt – die Emotionen mĂŒssen draußen bleiben.

Ich habe meine SchlĂŒsse daraus gezogen und weiß fĂŒr die Zukunft, wie wichtig es ist, gut informiert zu werden und seinen Teil dazu beizutragen. Der Lobby aus Verwaltung, Wirtschaft und Lokalmedien kann man sonst nichts entgegensetzen.

Viele wollen das wahrscheinlich nicht, weil sie sich damit arrangiert haben. Das kann ein Leben lang gutgehen – aber auch an dem Tag zur ErnĂŒchterung fĂŒhren, wenn man selbst dadurch einen Nachteil hat.

BI Oldendorf

Zu spĂ€t, um noch „mitentscheiden“ zu dĂŒrfen: Die homepage der BĂŒrgerinitiative Oldendorf.

Den Heddesheimern wĂŒnsche ich viel Erfolg bei ihrem zivilen Widerstand. Bleibt friedlich, das waren wir hier auch und das war mir und allen, die ich kenne, sehr wichtig.

„Man muss sich engagieren, sonst wird das nichts.“ Dieter Pfenning

Aber tĂ€uscht Euch nicht, was Eure „Mitwirkungsmöglichkeiten“ angeht. Die sind, soweit ich das ĂŒberblicken kann, nur noch juristischer Natur.

Es besteht weiterhin die Chance, fĂŒr Aufmerksamkeit zu sorgen. DafĂŒr muss man sich aber engagieren, sonst wird das nichts.

Das gilt fĂŒr alle Ort in Deutschland. Und ebenso: Seid froh, dass ihr einen unabhĂ€ngigen Journalismus im Ort habt, auch, wenn der manchmal unbequem ist. Denn das gilt nur fĂŒr die wenigsten Orte in Deutschland.

Protokoll: Hardy Prothmann
Anmerkung der Redaktion: Ein Protokoll ist eine besondere journalistische Form. Die Grundlage ist ein GesprĂ€ch, dass Herr Pfenning und Herr Prothmann miteinander gefĂŒhrt haben. Dieses GesprĂ€ch wurde zusammengefasst und als Artikel zur Freigabe vorgelegt. Herr Pfenning hat kleinere Korrekturen vorgenommen und dann dem Text zur Veröffentlichung zugestimmt.

Warum „Pfenning“ ein großes Thema fĂŒr Hirschberg ist

Guten Tag

Hirschberg, 27. Januar 2010. Bislang spielte das Thema „Pfenning“ in Hirschberg keine große Rolle auf der politischen Agenda. Das könnte sich schnell Ă€ndern – wenn es der GLH gelingt, die Hirschberger dafĂŒr zu sensibilisieren. Die geplante Ansiedlung des Logistik-Unternehmens in Heddesheim hat in der Nachbargemeinde fĂŒr einen enormen politischen Streit gesorgt – die Front verlĂ€uft quer durch den Ort. Ein Überblick.

Von Hardy Prothmann

Man könnte meinen, in Heddesheim gibt es seit dem FrĂŒhjahr 2009 nur ein Thema: „Pfenning“. TatsĂ€chlich gibt es noch andere Themen – „Pfenning“ dominiert sie aber alle.

pfenning_plan

Die geplante "Pfenning"-Ansiedlung. Das 200.000 Quadratmeter große GelĂ€nde soll bis 2013 bebaut sein (Zum Vergleich: Das Baugebiet "Sterzwinkel" hat 7,48 Hektar, ist also nur ein Drittel so groß). Links verlĂ€uft die Schienenanbindung. Klicken Sie fĂŒr eine grĂ¶ĂŸere Darstellung. Quelle: Gemeinde Heddesheim

Am 04. Februar 2009 wurde die Standortentscheidung bekannt – das Viernheimer Unternehmen (2000 Mitarbeiter, 220 Mio. Euro Umsatz 2008) will nach Heddesheim umsiedeln. Auf das Areal „Nördlich der Benzstraße“ (andere Seite von Edeka im Heddesheimer Gewerbegebiet).

Der Gemeinderat, inklusive der Fraktion BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen (3 Sitze) hatte sich fĂŒr die Ansiedlung ausgesprochen. Die GrĂŒnen fanden die Idee gut, dass es einen Gleisanschluss ans Netz der Deutschen Bahn AG geben solle. Damit wĂŒrde ein Teil des Warentransports von der Straße auf die Schiene kommen.

Pro und Kontra

Die Argumente fĂŒr die Ansiedlung: Keine Erschließungskosten durch die Gemeinde, Ansiedlung in „einem Rutsch“, „erhebliche“ Gewerbesteuereinnahmen, bis zu 1000 ArbeitsplĂ€tze.

In einer ersten Stufe sollen dort auf einer FlĂ€che von 200.000 Quadratmetern ein Logistikzentrum mit 110 Toren sowie ein VerwaltungsgebĂ€ude, ein Werbepylon und ein Parkhaus entstehen. Ein Teil der Lagerhallen sollen bis zu 18 Meter hoch gebaut werden. Das VerwaltungsgebĂ€ude soll 24 Meter hoch werden. Der Pylon Ă€hnlich dem im Hirschberger Gewerbegebiet ĂŒber 30 Meter hoch. Die Unternehmensgruppe hat sich eine Option auf mindestens weitere 15 Hektar gesichert.

Am 21. April 2009 stellten BĂŒrgermeister Michael Kessler und Vertreter des Unternehmens das geplante Projekt im BĂŒrgerhaus der Öffentlichkeit vor. Ende April erschien ein erster Flyer der IG neinzupfenning, der fĂŒr hitzige Diskussionen im durch Verkehr, insbesondere Schwerverkehr stark belasteten Ort sorgte.

Ende April entstand auch das heddesheimblog – zunĂ€chst als Recherchesammlung von Informationen zur geplanten Ansiedlung. Kurze Zeit spĂ€ter als redaktionelles Angebot.

Durch die AktivitĂ€ten der IG neinzupfenning und den journalistischen Informationen des heddesheimblogs sowie einem politischen Sinneswandel der GrĂŒnen-Fraktion kamen Zweifel am Sinn und Zweck der Ansiedlung auf.

GrĂŒne „gewinnen“ Kommunalwahl durch Streit um Pfenning

Bei der Kommunalwahl schließlich kam es zu einem Sieg der GrĂŒnen: Diese wurden zwar nicht stĂ€rkste Fraktion, verdoppelten aber ihre Sitze (von 3 auf 6). Die CDU verlor 2 Sitze (von 10 auf 8), die SPD einen Sitz (von 6 auf 5), die FDP (von 3 auf 2) konnte zunĂ€chst 3 Sitze halten, verlor dann aber doch einen Sitz, weil ein neu gewĂ€hlter Gemeinderat die Fraktion verlies (siehe Anmerkung der Redaktion am Textende).

Um die völlig aus dem Ruder gelaufene öffentliche Kommunikation durch die Gemeinde wieder zu „reparieren“, wurde das Bensheimer PR-Unternehmen IFOK engagiert. Kostenpunkt: 35.000 Euro. Das Ziel: Die Öffentlichkeit ĂŒber „Dialogrunden“ in die Debatte einbeziehen. Doch die Informationspolitik des BĂŒrgermeisters Kessler bleibt ĂŒberwiegend intransparent. Bis heute behindert Kessler die journalistische Arbeit des heddesheimblogs.

BĂŒrgerbefragung ergibt hauchdĂŒnne Mehrheit fĂŒr Pfenning

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Hallen sind noch nicht gebaut - werden aber bereits vermarktet. Quelle: Pfenning

Am 27. September gab es zeitgleich zur Bundestagswahl eine BĂŒrgerbefragung. Das Ergebnis war denkbar knapp: Die BefĂŒrworter der geplanten „Pfenning“-Ansiedlung erhielten 40 Stimmen mehr (50,35 Prozent zu 49,65 Prozent). Diese Mehrheit von 0,7 Prozentpunkten wurde durch CDU, SPD, FDP und den BĂŒrgermeister als Wille der Bevölkerung „bewertet“, dass die Ansiedlung weiter betrieben werden soll.

Der Ansiedlungswunsch der Unternehmensgruppe „Pfenning“ (KMP Holding GmbH) ist nachvollziehbar: Das GrundstĂŒck ist einfach zu erschließen und liegt verkehrsgĂŒnstig an der A5. Einer der grĂ¶ĂŸten Kunden, die Henkel AG, produziert ihre Waschmittel direkt in GĂŒterwaggons und verlangt von den angeschlossen Spediteuren die Ware von der Schiene zu ĂŒbernehmen.

BĂŒrgermeister Kessler, die Mehrheiten von CDU und SPD sowie die FDP, sehen vor allem die möglichen Gewerbesteuereinnahmen als starkes Argument sowie die ArbeitsplĂ€tze. Gewerbetreibende hoffen auf AuftrĂ€ge – was natĂŒrlich auch fĂŒr das Hirschberger Gewerbe gelten könnte.

Große Versprechungen zweifelhaft – zweifellos wird der Verkehr kommen

TatsĂ€chlich scheint es damit aber nicht weit her: Aus „bis zu 1000 ArbeitsplĂ€tzen“ wurden konkret erst einmal 300, aus Gewerbesteuereinnahmen „in betrĂ€chtlicher Höhe“ wurden konkrete rund 200.000 Euro gemessen an den eigenen Zahlen von „Pfenning“.

Die Gegner argumentieren, dass die Ansiedlung den Ort „erdrĂŒckt“ und bis zu 1000 Lkw-Bewegungen pro Tag nicht zu verkraften sind. Außerdem bringe sich die Gemeinde in eine existenzielle AbhĂ€ngigkeit, die vom Wohl und Wehe von „Pfenning“ abhĂ€ngig werde.

Weiter wird die „Verschandelung“ der Landschaft kritisiert, die Feinstaubbelastung oder die mindere QualitĂ€t der ArbeitsplĂ€tze. Auch die möglichen AuftrĂ€ge fĂŒr das örtliche Gewerbe werden in Zweifel gezogen, da ein solch großes Projekt von auswĂ€rtigen Firmen umgesetzt wird.

Intransparente Informationspolitik als Prinzip

Pikant: Anders als öffentlich zunĂ€chst dargestellt ist keineswegs „Pfenning“ der Investor, sondern eine zwei-Mann-Gesellschaft „Phoenix 2010 GbR„: Karl-Martin Pfenning (wohnt in Hirschberg) und der Immobilienunternehmer Johann Georg Adler (Viernheim). Eine GbR hat keine Offenlegungspflichten. Von wem die benötigten 100 Millionen Euro kommen, wer alles eventuell hinter diesen beiden MĂ€nnern steht, bleibt damit im Dunklen.

„Pfening“ oder konkret „pfenning logistics“ wird nur Mieter sein.

Durch die Recherchen des heddesheimblogs kamen weitere pikante Details ans Tageslicht: ZunĂ€chst plante „Pfenning“ ein Chemielager mit gefĂ€hrlichen Stoffen. Dies wurde nun ausgeschlossen. Außerdem vermarktet „Pfenning“ die bislang weder genehmigten noch gebauten Hallen bereits seit FrĂŒhjahr 2009.

Das Unternehmen musste ebenfalls eingestehen, dass „bis zu“ tatsĂ€chlich nur „möglicherweise“ bedeutet. Konkret werden nun 300 ArbeitsplĂ€tze genannt – ĂŒberwiegend im Billiglohnbereich, sprich Lagerarbeiter. Auch die im VerhĂ€ltnis eher bescheidenen 200.000 Euro Gewerbesteuerzahlungen hat das heddesheimblog recherchiert und bekannt gemacht.

„Pfenning“ hatte vor einigen Jahren sehr viel „schlechte Presse“: Ein Betriebsrat soll zusammengeschlagen worden sein, Mitarbeiter wurden in neue Firmen umgesetzt, um Abfindungen zu sparen, die Pleite drohte. Auch diese Informationen wurden durch das heddesheimblog zusammengetragen und veröffentlicht.

Verkehrslenkungsvertrag soll die BĂŒrger beruhigen

Auf der anderen Seite gibt es eine vollkommen unkritische Berichterstattung durch den Mannheimer Morgen, der bislang noch keine selbst recherchierte „Story“ zum Thema gebracht hat.

lagerwaggon

Gutes Argument: Waren werden per Schiene angeliefert (hier "Pfenning"-Lager in Viernheim). Schlechte Nachricht: Die Ware wird per Lkw weitertransportiert. Bild: hblog

BĂŒrgermeister Kessler und „Pfenning“ versuchten die Öffentlichkeit mit einem „öffentlich-rechtlichen Verkehrslenkungsvertrag“ zu beruhigen, wie ihn nun auch die Hirschberger GLH und BĂŒrgermeister Just fordern.

Nach diesem deutschlandweit einmaligen Vertrag, der juristisches Neuland betritt, zahlt das Unternehmen fĂŒr jeden Lkw ĂŒber 18 Tonnen, der doch durch den Ort fĂ€hrt eine Strafe von 20 Euro – sofern jemand das anzeigt. Dieser Vertrag soll nun auch mit der Gemeinde Hirschberg geschlossen werden.

Aus Sicht der Heddesheimer GrĂŒnen sind die Verkehrskreisel in den Gewerbegebieten nicht in der Lage, den zusĂ€tzlichen Lkw-Verkehr sowie Arbeitnehmer-Verkehr zu verkraften. Dem schlossen sich die Hirschberger GLH und BĂŒrgermeister Just an. Ein Gutachten soll Klarheit schaffen. Als TrĂ€ger öffentlicher Belange will die Gemeinde Hirschberg dies als Einwand gegen den Planungsvorentwurf einbringen.

Wenn Sie sich ĂŒber die Ansiedlung informieren möchten, empfehlen wir Ihnen neben allen öffentlich zugĂ€nglichen Quellen unsere Berichterstattung auf dem heddesheimblog, wo hunderte Artikel im vergangenen Jahr zum Thema erschienen sind.

Sie können dort ĂŒber die Suche, ĂŒber das MenĂŒ oder ĂŒber die Schlagworte (rechte Spalte) alle dort veröffentlichten Informationen frei recherchieren. SelbstverstĂ€ndlich können Sie fĂŒr Nachfragen die Redaktion per email oder Telefon kontaktieren.

Anm. d. Red.:
Hardy Prothmann ist Journalist und verantwortlich fĂŒr das hirschbergblog und das heddesheimblog. Im Februar kommt mit dem ladenburgblog ein weiteres redaktionelles Angebot hinzu.

Diese neue Form der Lokalberichterstattung findet bundesweit Aufmerksamkeit und gilt als „Zukunft des Lokaljournalismus“. Lesen Sie hier Berichte ĂŒber das heddesheimblog.

In Heddesheim ist Hardy Prothmann als parteiloser Kandidat auf der FDP-Liste (Platz 11) in den Gemeinderat gewĂ€hlt worden. Er gewann die Liste mit 20 Prozent Vorsprung vor dem Fraktionsvorsitzenden Frank Hasselbring. Nach kurzer Verhandlung verließ Prothmann die FDP-Fraktion und ĂŒbt als partei- und fraktionsloser Gemeinderat ein freies Mandat aus. Sechs Wochen vor der Wahl hatte er mit der Berichterstattung ĂŒber „Pfenning“ begonnen.