Freitag, 02. Oktober 2020

Geprothmannt: Mit „klassischen Medien“ werden Sie aus zweiter Hand informiert. PrĂ€dikat: „mangelhaft“.


Guten Tag!

07. Februar 2011. Haben Sie mitbekommen, dass in der arabischen Welt eine Revolution stattfindet? Ja? Wie haben Sie sich darĂŒber informiert? Über ARD und ZDF? In Ihrer lokalen Tageszeitung? Dann sind Sie leider vermutlich sehr schlecht informiert. Oder haben Sie sich online informiert? Dann könnten Sie besser informiert sein, wenn Sie die richtigen Quellen kennen.

Von Hardy Prothmann

Wer sich in Deutschland ĂŒber die Revolution in den arabischen Staaten informieren möchte, ist denkbar schlecht beraten, wenn er dafĂŒr ARD und ZDF oder „seine Zeitung“ benutzt und darauf vertraut, umfassend, hintergrĂŒndig und aktuell informiert zu werden.

Informationen? Klar – gibts im Ausland.

Tatsache ist: Man ist viel besser informiert, wenn man die Programme von Al Jazeera, CNN oder BBC einschaltet. Oder die Berichterstattung der amerikanischen New York Times, der spanischen El Pais, der französischen Le Monde oder des britischen Guardian verfolgt.

Das Problem dabei ist: Man muss schon einigermaßen gut Englisch können, um die Nachrichten der Sender und Zeitungen zu verfolgen. Oder ausreichend Spanisch oder Französisch. Gute arabische Sprachkenntnisse wĂ€ren noch mehr von Vorteil – denn dann könnte man viele Originalmeldungen verstehen.

Begrenzte Globalisierung.

Das grĂ¶ĂŸte Problem: Wenn man das nicht kann, ist man auf die Angebote von ARD und ZDF oder der Lokalzeitungen im wahrsten Sinne des Wortes „begrenzt“ – und das in Zeiten der Globalisierung.

Sie können sicher davon ausgehen, dass weder der Mannheimer Morgen, noch die Rhein-Neckar-Zeitung und schon gar nicht die Weinheimer Nachrichten irgendeine eigene redaktionelle Leistung zur Lage anbieten wollen oder können. Was Sie auf den Titelseiten lesen, sind ganz ĂŒberwiegend „Agenturmeldungen“.

Die erscheinen auch in Dutzenden anderen Zeitungen. 1:1. Das sind Berichte, die wie industriell gefertigte TielkĂŒhlpizzen vervielfĂ€ltigt werden. Ohne „eigenes Rezpt“, ohne eigene „Experten“, ohne eine eigenstĂ€ndige Leistung der jeweiligen Redaktion.

Vor Ort ist immer lokal.

Unser Anspruch ist die lokale und regionale Berichterstattung – aber immer, wenn die Nachrichtenlage es erfordert, bringen wir auch die „Weltnachrichten“ zu unseren Leserinnen und Lesern. Denn wir alle leben vor Ort, interessieren uns aber auch dafĂŒr, was woanders passiert.

Hardy Prothmann schreibt seine Meinung auf. Die ist "geprothmannt". Bild: sap

Unser Interview mit Christoph Maria Fröhder, einem der erfahrensten und besten deutschen Krisenreporter der vergangenen Jahrzehnte auf dem Rheinneckarblog hat Wellen geschlagen. ARD und ZDF waren „not amused“ ĂŒber die klaren Worte und die eindeutige Kritik. „Intern“ haben wir erfahren, dass das ZDF „stinksauer“ auf uns ist.

„So what“, sagen wir und sind ebenfalls „stinksauer“ – ĂŒber die unzureichende und schlechte Berichterstattung der mit Milliarden an GEZ-GebĂŒhren „gepamperten“ Sender, von denen wir und unsere Leserinnen und Leser zu Recht mehr als diese schwachen Leistungen erwarten.

Über das Interview mit Herrn Fröhder hinaus haben wir uns um exklusive Nachrichten bemĂŒht und „berichten“ anders, als das öffentlich-rechtliche Sender und Zeitungen tun. Wir verlinken Quellen und kommentieren diese auf Facebook und Twitter. Zwei Internet-Dienste, die mit dafĂŒr verantwortlich gemacht werden, dass die „arabische Revolution“ gegen den Terror und die Diktaturen ĂŒberhaupt möglich geworden ist.

Es gibt durchaus eine Verbindung zwischen den arabischen LĂ€ndern und Deutschland. Wer sich hier wie dort auf die „klassischen Medien“ verlĂ€sst, erhĂ€lt immer nur gefilterte Nachrichten.

Zweifel an der QualitĂ€t mĂŒssen immer möglich sein.

ARD und ZDF sind ebenso wie Lokalzeitungen sicherlich nicht mit der Rolle von staatlich gesteuerten Medien in Diktaturen zu vergleichen – aber man darf durchaus Zweifel an der QualitĂ€t ihrer Produkte haben. Vor allem dann, wenn man vergleicht, was das Produkt, in diesem Fall Journalismus, leistet.

WĂŒrde man den Journalismus vieler deutscher Medien mit der Autoindustrie vergleichen, stĂ€nde unumstĂ¶ĂŸlich fest, dass deutsche Medien deutlich weniger Komfort, Leistung, Innovation bieten als „auslĂ€ndische Anbieter“, dass das Preis-LeistungsverhĂ€ltnis ebenso wie die „Pannenstatistik“ und auch der „Service“ katastrophal sind und unterm Strich einfach nur ein „mangelhaft“ ĂŒbrig bleibt.

Das gilt selbst fĂŒr den „gelben Faktor“, also die so genannte „Yellow-Press“. Alle interessanten „Nachrichten“ und „Infos“, die man hierzu in Deutschland lesen kann, sind nur ein „Ab-„Klatsch internationaler Meldungen und werden in Deutschland „wiederverwertet“. Ausnahmen liefern ab und an Bild und Bunte, die „Promis“ aus der vorletzten Reihe irgendwie „interessant“ machen.

Die UmbrĂŒche in der arabischen Gesellschaft zeigen einen desaströsen Zustand des deutschen Journalismus. Wo lesen, hören, sehen Sie die Berichte von vor Ort ĂŒber das, was Muslime hier erleben, wenn diese die Nachrichten in Tunesien und Ägypten verfolgen? Wo sind die Berichte, wie Deutschland sich mit seiner weltweit einzigartigen „Erfindung“ des Mauerfalls als Partner fĂŒr europĂ€ische NachbarlĂ€nder (und das sind alle Mittelmeer-Anreiner-Staaten) einsetzen könnte?

Geduld? hat die Welt nicht mehr.

Unsere Bundeskanzlerin Angela Merkel diskreditiert sich völlig, wenn sie zur „Geduld“ mit einem Diktator wie Husni Mubarak aufruft. Übersetzt heißt das: „Habt Geduld mit mir, denn ich habe keine Ahnung, wie ich mit der Situation umgehen soll.“

Was haben Tunesien und Ägypten nun mit unserer lokalen und regionalen Berichterstattung zu tun?

Sehr viel mehr, als heute, hier und jetzt auf den ersten Blick klar sein mag.

ZukĂŒnftig werden Entscheidungen und Entwicklungen, die in Bayern oder Schleswig-Holstein fallen, auch in Nordbaden ein Rolle spielen.

Warum? Weil man hier vor Ort erfahren kann, was dort vor Ort passiert oder passiert ist.

Facebook und Twitter schaffen Demokratie. Absurd? Nein. Real.

Man kann diese Informationen verwenden, um den Schaden, der woanders entstanden ist, abzuwenden. Und noch viel besser: Man kann das, was woanders gut oder sehr gut „gelaufen ist“ einfach ĂŒbernehmen. Gut informiert – mit allen „problematischen“ und allen „positiven“ Erfahrungen.

Das ist ein Erfolg der „Facebook“-Generation, der freien Medien oder auch nur der „Handy-Revolution“, wie Beobachter Ägypten einordnen. Man verbindet sich, man kommuniziert miteinander, man tauscht sich aus, man hat mehr als eine Quelle der Information.

Das ist die Basis fĂŒr friedliche „Revolutionen“ – die Ă€gyptischen Regime-Gegner sind nicht als Brandschatzer und Gewaltverbrecher aufgefallen, sondern durch ihren Willen zur Demokratie – sehr zur Verwirrung „geprĂ€gter“ Meinungen, die sich schwer tun, eine Muslim-Bruderschaft als notwendige Organisation anzuerkennen.

Das ist neu, das ist einzigartig, das gibt Hoffnung.

Von den Medien darf man erwarten, dass sie Mubarak einen alten Mann sein lassen. Der 82-jĂ€hrige Diktator soll sich in Heidelberg behandeln lassen dĂŒrfen. Egal, was das kostet. Gönnen wir ihm den „goldenen Abgang“ – der Mann ist so reich und hat sein Volk so sehr betrogen. Bringt irgendein „Tribunal“ eine Besserung fĂŒr seine „Untaten“?

Eher nicht.

Tunesien und Ägypten sind beliebte ReiselĂ€ner der Deutschen – und mal ganz ehrlich? Lohnt es sich nicht, fĂŒr einen entspannten Urlaub unter afrikanischer Sonne, ein wenig fĂŒr Demokratie, gerechte Löhne und stabile VerhĂ€ltnisse einzutreten?

Der „Service“ wĂŒrde sicher davon profitieren. Oder auch unserer aller Bekenntnis zur Demokratie.

Deswegen: Nutzen Sie die neue Medien. Verfolgen Sie, was passiert.

Schreiben Sie Ihre Meinung auf. Schreiben Sie an die ProgrammbeirÀte von ARD und ZDF. Stellen Sie Forderungen. Schreiben Sie an die Zeitungen und fordern Sie mehr Informationen.

Die Menschen in Ägypten und Tunesien und anderswo tun das auch. Weil sie gerne in einer freiheitlichen Ordnung leben wĂŒrden.

Diese Menschen gehen dabei ein hohes Risiko ein – wir haben die Möglichkeit, ohne Risiko fĂŒr Menschenrechte, Freiheit und Demokratie einzutreten.

Tun wir das nicht, wÀchst das Risiko, dass wir das irgendwann nicht mehr ohne Risiko können.

Anmerkung der Reaktion:
Unsere „allererste“ Aufgabe, die lokale Berichterstattung mag etwas „gelitten“ haben – wir hoffen, Sie sehen uns das nach, angesichts der Belastung. Wir sind nur ein kleines Team. Sie können sicher sein, dass wir an den Themen vor Ort dranbleiben.

„Geprothmannt“ erscheint im Wechsel mit anderen Kolumnen immer montags.

Das unglamouröse Leben dreier unglamouröser Frauen

Guten Tag!

Hirschberg, 09. MĂ€rz 2010. Das Olympia Kino zeigte am 08. MĂ€rz 2010 zum Weltfrauentag die Dokumentation „Wasser und Seife“. Das Leben dreier Waschfrauen ist hart, eintönig und eindeutig nicht schön. Die Frauen tragen es mit WĂŒrde und reden sich ihr Leben zufrieden. Was sollen sie auch sonst tun?

Von Sabine Prothmann

schĂŒckher

FrĂŒher WĂ€scherin - heute Rentnerin: Monika SchĂŒckher. Bild: hblog

Monika SchĂŒckher ist von Hamburg nach Hirschberg gereist. Sie ist ĂŒber 60 Jahre. Ihr Begleiter ist ihr Hund Bonnie. Monika SchĂŒckher ist WĂ€scherin und sie ist Protagonistin des Films „Wasser und Seife“, der anlĂ€sslich des Weltfrauentags im Leutershausener Kino „Olympia“ gezeigt wurde.

Nur gut die HĂ€lfte des kleinen Kinos ist gefĂŒllt, der Film ist kein Hollywood Blockbuster und Monika SchĂŒckher ist keine Angelina Jolie. Der Film zeigt auch keine Seifenoper, sondern das unglamouröse Leben von drei unglamourösen Frauen, die in Hamburg in einer Reinigung arbeiten.

Gerti Franzen, Tatjana Beth und Monika SchĂŒckher sind die drei Protagonistinnen in dem Film von Susan Gluth, der 2009 mit dem Norddeutschen Filmpreis im Bereich „Beste Dokumentation“ ausgezeichnet wurde.

Kein Stoff, aus dem die TrÀume sind.

Es ist nicht der Stoff aus dem TrĂ€ume gemacht werden, was Susan Gluth in ihrer Dokumentation zeigt. Die Frauen sind nicht schön. Ihre Wohnungen sind nicht schön. Ihre Arbeit ist nicht spannend. Ihre Freizeit ist nicht spannend. 85 Minuten Film fĂŒhlen sich beim Zuschauen wie 20 Jahre „Wasser und Seife“ an.

Der Film zeigt das Leben dreier Frauen, die in unserer Mitte leben. Nichts an ihren Leben ist außergewöhnlich. Sie sind weder besonders mutig, noch haben sie Besonderes erlebt. Nichts unterscheidet sie von vielen anderen Frauen, die ein Leben lang hart arbeiten mĂŒssen – aber sie tun es mit WĂŒrde, wie viele andere auch.

Susan Gluth hat die Geschichte der drei Hamburger WÀscherinnen mit ruhigen Bildern eingefangen. Sie hÀlt drauf, ohne distanzlos zu werden.

Der Zuschauer erlebt deren Alltag in fortlaufender Wiederkehr, zur Arbeit fahren, WĂ€sche sortieren, WĂ€schetrommeln fĂŒllen, glĂ€tten, mangeln, bĂŒgeln, falten. Nach Hause fahren, einkaufen, kochen, Fernsehen schauen, Familie treffen, mit dem Hund spazieren gehen.

Aus drei Wochen wurden 20 Jahre.

FrĂŒh aufstehen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit, um 7 Uhr anfangen und dann WĂ€sche sortieren, WĂ€schetrommeln fĂŒllen, glatt streichen, mangeln, bĂŒgeln, falten, sortieren, glĂ€tten, bĂŒgeln, mangeln, falten – unspektakulĂ€r, unaufgeregt, immer wieder die gleichen Handgriffe.

Jeden Tag. Jede Woche. Jeden Monat. Jedes Jahr. Jahre,- jahrzehntelang.

„Ich sollte drei Wochen als Aushilfe vor Weihnachten dort arbeiten“, sagt Monika SchĂŒckher im Film und auch spĂ€ter im GesprĂ€ch, daraus sind ĂŒber 20 Jahre geworden.

Es zischt, es dampft, es schĂ€umt, es ist laut, es ist heiß, es ist stressig. Die WĂ€sche ist schwer, vor allem, wenn sie nass ist. Es ist eine Knochenarbeit.

Zwischen die immer wieder kehrenden Bildern der gleichförmigen Arbeit mischt der Film Informationen ĂŒber das Leben der drei Frauen.

Nicht viel Schönes.

Gerti lebt allein. Sie ist schon lange geschieden – doch das Hochzeitsbild hĂ€ngt noch immer an der Wand. „Warum sollte ich es abhĂ€ngen, wir haben uns ja im Guten getrennt, ich habe von ihm immer alles bekommen, aber dann hat er mich zwei Jahre lang betrogen, da bin ich gegangen“, erzĂ€hlt sie. An die Geburt der einzigen Tochter denkt sie gerne: „Sonst war nicht viel Schönes“, sagt Gerti.

Jetzt muss sie jeden Cent umdrehen, sie muss sparen und ans Alter denken. Der Job wird schlecht bezahlt.

Tatjana lebt mit ihrem Mann, der Konditor ist, in einer Wohnsiedlung, sie leben weit oben, sie schwĂ€rmt vom Ausblick. Die Nachbarn kennt sie nicht, „hier lebt jeder nur fĂŒr sich, hier werden die TĂŒren geschlossen, wenn man auf den Flur tritt.“ FĂŒnf Minuten weiter wohnt die Schwester und gleich dahinter die Mutter, die Familie ist ihr ganz wichtig: „Wir sehen uns und telefonieren tĂ€glich.“

„Es gibt keine Mittelschicht mehr, nur ganz oben oder ganz unten, wir sind der Arsch“, sagt der Mann.

zuschauer

Zuschauer im Olympia-Kino. Bild: hblog

„Ganz klar Mittelschicht“, sagt Monika. Sie ist zufrieden mit ihrem Leben. Jeden Tag fĂ€hrt sie eineinhalb Stunden zur Arbeit. Wenn sie den Anschluss-Bus verpasst, gönnt sie sich eine Tasse Kaffee: „Das muss sein“, sagt sie.

Mit 16 fingt Monika in der „Großen Freiheit“ an.

Ihr Leben war nicht immer so gut. Mit 16 hat sie in der „Großen Freiheit“ in der KĂŒche angefangen zu arbeiten. Sie war auch mal verheiratet und hatte vier Kinder. Der Mann hat gesoffen, sagt sie: „Das konnte ich nicht mehr aushalten, dann bin ich abgehauen nach Berlin.“ Auch die Kinder hat sie bei ihm gelassen. Zu ihnen hat sie keinen Kontakt, erfĂ€hrt der Zuschauer. Das sagt sie lakonisch, fast unemotional. Das ist hart, nicht nachvollziehbar.

Nach der Arbeit geht Monika einkaufen, Bohnen, Kartoffeln: „Ich mache oft Eintopf.“ Sie geht mit dem Hund spazieren, zum Geburtstag bekommt Hund Bonnie Schweinebraten und ein neues Halsband. Sie kĂŒmmert sich gut um ihn – als wĂ€re er ein Kind.

Hoffen auf den großen Bingo-Gewinn.

Sie hofft beim Bingo irgendwann mal zu gewinnen, vielleicht 1000 Euro: „Dann mache ich eine Weltreise.“ Reisen tut sie gern, meist fĂ€hrt sie in den Schwarzwald, aber sie war schon mal drei Tage am Lago Maggiore und möchte unbedingt mal nach Sylt.

„Die letzten 30 Jahre war mein Leben gut“, sagt Monika. Sie arbeitet gern.

„Schön ist das hier nicht, wie ein GefĂ€ngnis“, sagt Gerti. Ihr Arbeitsplatz ist bei den großen WĂ€schetrommeln. Hier ist es heiß, laut und einsam. „Es fehlen nur noch die Gitter“.

Sie verdienen zu wenig. Das Geld gibt es noch in der LohntĂŒte. „Wir wĂŒrden aber auch jede andere Arbeit machen“, sagen Tatjana und ihr Mann. Auch fĂŒr weniger.

Manchmal arbeitet auch Tatjanas Schwester mit in der WĂ€scherei. Das gefĂ€llt Tatjana, denn sie ist ja Familienmensch. Die Nichte Julia ist wiederholt durch die FĂŒhrerscheinprĂŒfung gefallen. Das Ă€rgert sie, denn die Julia solls mal besser haben.

85 Minuten sind lang – 20 Jahre „Wasser und Seife“ sind lĂ€nger.

85 Minuten zuschauen beim WĂ€sche sortieren, WĂ€schetrommeln fĂŒllen, glĂ€tten, bĂŒgeln, falten. 20 Jahre sind lĂ€nger.

Die Filmemacherin und Kamerafrau Susan Gluth wurde 1968 in Hamburg geboren. Ihr Stiefvater ist der Besitzer der WĂ€scherei Utecht, in der Monika, Gerti und Tatjana arbeiten.

„Ich kenne die Susan schon seit 1978“, erzĂ€hlt Monika auf die Frage, wie das sei, so nah gefilmt zu werden. „Sonst hĂ€tte ich da auch nicht mitgemacht. Ich habe die Kamera völlig vergessen.“

interview

"Ich hatte ein gutes Leben", sagt Monika SchĂŒckher (rechts im Bild: Wiebke Dau-Schmidt). Bild: hblog

100 Stunden hat Susan Gluth in und um die WĂ€scherei gedreht. Eine intensive Arbeit. Übrig blieben 85 Minuten ĂŒber das Leben der drei Protagonistinnen.

Als der Vorhang fĂ€llt, wird geklatscht. Dann kommt Monika SchĂŒckher mit ihrem Hund Bonnie und bekommt großen Applaus.

Sie steht fĂŒr Fragen bereit. Inzwischen ist sie in Rente, aber die WĂ€scherei ruft öfter an: „Kannst du nicht mal kommen“, sagt Monika und strahlt dabei.

Ob sich ihr Leben verĂ€ndert hat, will eine Zuschauerin wissen. „Nö, eigentlich nicht“, sagt Monika. Aber sie ist jetzt doch öfter unterwegs in Deutschland, war in Freiburg und Halle und in anderen StĂ€dten, in denen der Film gezeigt wurde. „Das ist manchmal stressiger als acht Stunden arbeiten.“

Frauen am Rande der Gesellschaft.

„Sind sie inzwischen auch nach Sylt gefahren“, wird Monika gefragt. Ja, die Fahrkarte bekam sie vom Filmteam geschenkt. Dort hat die sie eine Rundfahrt gemacht und zum ersten Mal in ihrem Leben Fisch gegessen. „Da musste ich aufpassen, dass ich nicht wĂŒrge“, sagt die Hamburgerin. „Ich esse nicht gern, was fleucht und kreucht.“

Der Film wurde sogar auf einem Filmfestival in Korea gezeigt. Da wollte sie aber nicht mit: „Ich steig in kein Flugzeug.“

Susan Gluth ist mit „Wasser und Seife“ ein leiser, einfĂŒhlsamer Film gelungen, auch, wenn die Maschinen in der WĂ€scherei zischen und dampfen.

Susan Gluth dreht Filme ĂŒber Menschen am Rande der Gesellschaft, sagt Wiebke Dau-Schmidt, 1. Vorsitzende des Fördervereins des Olympia Kinos, in ihrer EinfĂŒhrung.

Monika, Gerti und Tatjana sind Frauen am Rande. Und doch mittendrin.