Dienstag, 11. Juni 2019

1. Sommerfest an der neuen Martinsschule

Jede Spende ist hier gut investiert

Spaß und gute Laune zum 1. Sommerfest in der neuen Martinsschule.

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 03. Juli 2012. (red/la) Die Ladenburger Martinsschule ist eine normale Regelschule fĂŒr besondere Menschen. Am Wochenende wurde Sommerfest und das 30-jĂ€hrige JubilĂ€um des Fördervereins gefeiert. Die Martinsschule ist aber auch ein besonderer Ort – der Freude und Zuneigung.

Von Reinhard Lask

Ich bin zum ersten Mal in der Martinsschule. Heute ist ein schöner Tag. Heute wird Sommerfest gefeiert. Doch mir stehen nach kurzer Zeit die TrĂ€nen in den Augen – ich muss den Anblick von so vielen schwerstbehinderten Kindern erst einmal fĂŒr mich selbst verkraften.

Gerade schiebt eine Mutter einen vermutlich spastisch gelĂ€hmten Jungen an mir vorbei. Ihm lĂ€uft der Speichel aus dem Mund und seine HĂ€nde und Arme sind seltsam verdreht. Aber er lĂ€chelt, freut sich wie ein Schneekönig. Ich schaue seiner Mutter in die Augen – auch sie strahlt, ist freudig, denn heute ist ein Festtag. Und den wollen alle gemeinsam mit guter Laune feiern.

Tradition fortfĂŒhren

Es ist das erste Sommerfest im neuen GebĂ€ude der Martinsschule. Denn erst seit Februar 2010 unterrichten hier 130 Lehrer rund 195 schwer- und schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. 65 weitere SchĂŒler lernen in Inklusionsklassen außerhalb der Martinsschule.

Rektor Kurt Gredel eröffnet das Fest:

In der alten Schule haben wir alle zwei Jahre unser Sommerfest gefeiert. Diese Tradition wollen wir hier weiterfĂŒhren.

Seit acht Jahren ist Kurt Gredel der Rektor – mit Leib und Seele. Er strahlt viel WĂ€rme und eine schier grenzenlose Freundlichkeit aus – so wie alle, die hier mit den SchĂŒlerinnen und SchĂŒlern arbeiten. Heute ist nicht nur Sommerfest – es ist auch das 30-jĂ€hrige JubilĂ€um des Fördervereins der Martinsschule.

Herzlichkeit

Ein SchĂŒler kommt an die BĂŒhne. Er heißt Kevin und stakst mit seinen verdrehten Beinen langsam auf die Rampe zu. JĂŒrgen Vosloh, der Vorsitzende des Fördervereins muss den Jungen dabei stĂŒtzen, wĂ€hrend dieser zitternd einen Fuß vor den anderen setzt. „Super machst Du das, Kevin“, lobt Rektor Gredel. Er weiß, was der Junge leistet.

Er freut sich, Kevin es am Ende die ganze Rampe hoch bis auf die BĂŒhne geschafft hat. Kevin ĂŒbergibt Vosloh einen Gutschein. Die SchĂŒler schenken dem Förderverein eine mobile Stellwand, auf der sie in Zukunft ihre Arbeit prĂ€sentieren können. Kevin sagt etwas. Die einzelnen Wörter verstehe ich kaum. Aber ich verstehe auch so, was er sagt. Alle im Foyer verstehen ihn. Kevin bedankt sich – aufrichtig. Der darauf folgende Applaus ist herzlich.

Seit 30 Jahren versucht der Förderverein den MartinsschĂŒlern WĂŒnsche zu erfĂŒllen: 1,1 Millionen Euro hat der Verein seit seiner GrĂŒndung gesammelt. Eine ganz ĂŒberragende Summe, die einem außerordentlich guten Zweck zugekommen ist.

Tiefer Respekt

Der nĂ€chste Spender ĂŒberrascht:  Elmar Ludwig ist ein BĂ€r von einem Mann, der eine schwarze Lederkluft trĂ€gt. Er sieht aus wie ein Rocker, ist das auch, aber ein ganz harmloser – die meisten Klubmitglieder sind Beamte, darunter viele Polizisten. Der KlubprĂ€sident des Motorradklubs „Excubitores“ (lateinisch fĂŒr „Die WĂ€chter“) spendet 500 Euro in bar. Bei seiner Ansprache kĂ€mpft er mit seiner Stimme. Auch er ist bewegt:

Wir haben tiefsten Respekt fĂŒr das, was sie alle hier leisten und wollen das auch in Zukunft weiter mit Spendensammlungen unterstĂŒtzen.

Alle Kinder dĂŒrfen die schweren Maschinen anschauen, mit denen die Klubabordnung gekommen ist – kurz mal mitfahren ist allerdings nicht möglich:

Wir hatten auch mal ĂŒberlegt, dass wir mit denen im Kreis fahren, aber das ist zu gefĂ€hrlich.

Herr Ludwig erzĂ€hlt mir, dass ein Kollege eine schwerstbehinderte Tochter hat. Die lag immer wieder auf der Intensivstation. Die Eltern kĂŒmmen sich wunderbar aufopfernd um sie: „Das kostet so viel Kraft“, sagt er. Immer wieder ringt der stĂ€mmige Mann mit seiner Stimme: „Wir haben schon viele andere Spenden gemacht. Hier wollen wir auch weiter helfen“, sagt er. Und: „Ohne meinen Kollegen wĂ€re ich wohl nie hierher gekommen.“

Lebenslange Hilfe nötig

Alle Kinder, die die Martinsschule besuchen brauchen ihr Leben lang Hilfe. So wie ein MÀdchen, das auf einem Pflegebett liegt. Ich erfahre, dass das MÀdchen die meiste Zeit nur im Bett liegen kann. Es kann nicht alleine laufen, nur liegen und sich winden. Das macht sie, wenn sie Musik hört. Dann dreht sie sich im Takt von einer Seite auf die andere. Ich bin froh, dass Musik ihr Freude macht.

Das MĂ€dchen sieht aus, als lĂ€ge es noch immer im Brutkasten. Vielleicht ist es auch so. Manche Menschen mĂŒssen ihr Leben lang im Brutkasten verbringen. Doch die Martinsschule ermöglicht ihnen ein menschenwĂŒrdiges Leben. Eines mit Perspektive. Was viele nicht wissen: Die Martinsschule ist zwar eine Schule fĂŒr Schwerstbehinderte – aber sie ist eine Regelschule. Die SchĂŒlerinnen und SchĂŒler machen hier ihren Hauptschulabschluss.

NatĂŒrlich gibts in der Römerstadt auch echte Römer.

Mit den Einnahmen des Sommerfestes soll der Schulgarten ausgebaut werden. Bisher sind die Wege fĂŒr Pflegebetten nicht breit genug, sodass das bettlĂ€gerige MĂ€dchen draußen noch keine Pflanzen und Erde fĂŒhlen kann: „FĂŒr den Ausbau brauchen wir zwischen 40.-50.000 Euro“, sagt Rektor Gredel. Landrat Stefan Dallinger hat fĂŒr den Kreis 5.000 Euro gespendet.

Liebe und Förderung

Jede Spende ist hier gut investiert. Ich bin sehr beeindruckt – von der freundichen AtmosphĂ€re und dem liebevollen Umgang mit den Kindern. Von der Offenheit des Hauses und der SelbstverstĂ€ndlichkeit eine normale Schule fĂŒr besondere Menschen zu sein.

In anderen LĂ€ndern sieht man keine Behinderten auf der Straße oder in Schulen. Eine Martinsschule, die vielen der Kinder einen regulĂ€ren Schulabschluss ermöglicht? Undenkbar in vielen LĂ€ndern. Diesen besonderen Menschen einen wĂŒrdevollen Platz inmitten der Gesellschaft geben? Kaum vorstellbar.

Hier in der Martinsschule ist das anders. Auch wenn diese jungen Menschen nicht das GlĂŒck hatten, in „normale“ Körper hineingeboren zu werden, sie haben das GlĂŒck, einen Platz in der Martinsschule gefunden zu haben. Eine Schule voller Menschen, die alles daran setzen, diesen Kindern alle Liebe und die Förderung zu geben, die sie brauchen.

Hintergrund: Die Martinsschule wird von den StĂ€dten Mannheim und Heidelberg sowie dem Rhein-Neckar-Kreis und Kreis Bergstraße getragen.

Spendenkonten des Fördervereins Martinsschule Ladenburg:

Volksbank Kurpfalz H+G Bank
BLZ 672 901 00
Kontonummer: 502 401 00

Sparkasse Rhein Neckar Nord
BLZ 670 505 05
Kontonummer 660 032 21

Die Bildergalerie finden Sie auf dem Ladenburgblog.de

Doppelausstellung - 23. Kreiskulturwoche gestartet

Kunst und Mensch – hautnah

Ausstellungseröffnung "Atelier und KĂŒnstler" in der Martinsschule.

Ladenburg/Hirschberg/Rhein-Neckar, 08. MĂ€rz 2011. (red/sap) Am Sonntag startete zum 23. Mal die Ausstellung „Atelier und KĂŒnstler“ zur Kreiskulturwoche, und zwar diesmal mit einer Doppelausstellung in Ladenburg und Hirschberg. Möglich macht es das im vergangenen Jahr entwickelte Ausstellungskonzept, das den individuellen KĂŒnstlerpersönlichkeiten grĂ¶ĂŸerer Raum zur Darstellung gibt.

Von Sabine Prothmann

Acht KĂŒnstler, die nicht unterschiedlicher sein könnten, zwei Orte, die eine ganz unterschiedliche AtmosphĂ€ren vermitteln.

Die Ladenburger Martinsschule ist ein Vorzeigeobjekt, kĂŒnstlerisch, architektonisch, menschlich – sie wurde vor zwei Jahren eröffnet.

In der Martinsschule werden ganz besondere Kinder unterrichtet, es sind körperbehinderte Kinder, sie sind SchĂ€tze, wie der Schulleiter Kurt Gredel in seiner BegrĂŒĂŸung betonte.

Zehn Kinder stehen oder sitzen in ihren RollstĂŒhlen auf der BĂŒhne, es sind die „Crazy SchĂŒlers“, die Schulband. Sie umrahmen mit ihren Songs die Ausstellungseröffnung – es ist ein ganz besonderer Moment.

Schulband "Crazy SchĂŒlers".

 

Kurt Gredel erzĂ€hlt wie dieser Tage die Kunstobjekte gebracht und aufgebaut wurden. Wie die KĂŒnstler ihre Kostbarkeiten enthĂŒllten und wie besonders sie hier an der Martinsschule empfangen wurden.

In seiner BegrĂŒĂŸung schlĂ€gt er die BrĂŒcke von der Kunst zu den Kindern, die hier unterrichtet werden, zu den ganz besonderen SchĂ€tzen, die „anders sind als normal“ in einer Welt des Normalen, die wertvoll sind, um die man sich kĂŒmmern muss, bei denen man noch nicht weiß, wohin sie sich entwickeln.

„Entdecken, sich auseinandersetzen“ – Gredel spricht von seinen SchĂŒlern und er spricht von der Kunst der vier regionalen KĂŒnstlern, die hier jetzt ausgestellt werden.

„Kunst und Martinsschule passen gut zusammen“

„Kunst ist das ganz andere, es ist das Entdecken des ganz anderen in der Welt der NormalitĂ€t“, sagt Gredel.

Deswegen passen Kunst und Martinsschule gut zusammen.

Das Foyer der Martinsschule ist gut gefĂŒllt, die Menschen, die hier versammelt sind, achten die SchĂŒler und die Kunst.

Auch BĂŒrgermeister Rainer Ziegler freut sich hier begrĂŒĂŸen zu dĂŒrfen, nicht als Hausherr, aber als BĂŒrgermeister der Stadt.

Ziegler erinnert an die 1. Kreiskulturwoche, die am 4. MĂ€rz 1990 im Domhof Premiere gefeiert hatte.

Kunst und Rhein-Neckar-Kreis sei eine großartige VerknĂŒpfung. Doch es brauche Strukturen, um dies zusammenzubringen und entsprechende Signale. In Ladenburg beginne sich ein Kunstverein zu bilden, das sei hervorragend, denn Ladenburg sei ein Ort der Kunst:

Kunst in der Martinsschule ist Kunst in einem Kunstwerk.

Die Ludwigshafener Kunsthistorikerin Barbara Auer hĂ€lt die EinfĂŒhrung zu der Ladenburger Ausstellung und erzĂ€hlt von den vier KĂŒnstlern, die hier ihre Kunst zeigen.

Es sind: Elsa Becke aus Heidelberg, Cholud Kassem aus Heidelberg, Wolfgang Blanke aus Kuhardt und Siegfried Reißing aus Ladenburg.

Schwebende PostkartenhÀuschen in Hirschberg.

Siegfried Reißing stellt Fotografien aus. Er reduziere die Architektur auf die Geometrie, auf die Linien. Er arbeite im Geiste des Konstruktivismus. Die Farbpalette ist minimalistisch, die Architektur erkennt man nicht mehr, es sind Ausschnitte, Lichtblicke, Farben, so Barbara Auer.

Die Heidelberger KĂŒnstlerin Elsa Becke ist Fotografin und Malerin. In der Martinsschule werden nur ihre Fotografien gezeigt. Es sind Foto-Paintings, es geht um RĂ€ume, vom Außenraum zum Innenraum.

Distanz im alltÀglichen Treiben

Der Maler Wolfgang Blanke hat eine ganz besondere Art, seine Farben an zu mischen. Emulsion und Farbpigmente werden auf der Leinwand aufgetragen. Er modeliert mit dem Pinselstrich, Farbschichten werden ĂŒbereinander gelegt.

Er malt Szenen aus dem Alltag, wo sich Menschen begegnen. Es sind vertraute Situationen, aus der Vogelperspektive betrachtet. Damit schafft er eine große Distanz zum alltĂ€glichen Treiben.
Die Bilder sind lichtdurchflutet und haben etwas momenthaft FlĂŒchtiges.

Mit „Kleidchen und GewĂ€nder“ sind die Arbeiten von Cholud Kassem ĂŒberschrieben. „Der Mensch existiere nicht, ist aber dennoch anwesend“.

Es sind die Kleidchen von kleinen MĂ€dchen, GewĂ€nder von geistigen WĂŒrdetrĂ€gern. GewĂ€nder fĂŒr einen rituellen Zweck, fĂŒr die christliche Taufe, fĂŒr ein Bar Mizwa – die KĂŒnstlerin lĂ€sst alles offen.

Zarte Pastelltöne werden auf Fotokarton gebracht. Ganz viele Malschichten werden aufgetragen bis sich die Formen zeigen. Kassem gebe sich der Malerei ganz hin, sagt Auer. Das Motiv schÀle sich heraus, kantig und steif.

„Ihr seid das Synonym fĂŒr gelebtes Miteinander“.

Landrat Stefan Dallinger eröffnet die Ausstellung. Er begrĂŒĂŸt die „Crazy SchĂŒlers“, „das hier ist ein megacooles Fest“, sagt er zu der Band gewandt. Die Jugendlichen strahlen, denn sie sind bedeutend, sie haben ihren Teil beigetragen an diesem besonderen Tag, bei dieser Eröffnung. Er habe die „Crazy SchĂŒlers“ schon gehört, „ich war hier schon sieben Mal zu Gast und ihr werdet immer besser“:

Ihr seid das Synonym fĂŒr gelebtes Miteinander.

Auch Dallinger erinnerte an die 1. Ausstellung der Kreiskulturwoche im Ladenburger Domhof:

Ich hĂ€tte mir kaum einen besseren Ort fĂŒr den Auftakt der Ausstellung vorstellen können.

Sein besonderer Dank galt Dr. Hans-JĂŒrgen Buderer, Direktor Kunst- und Kulturgeschichte an den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. „Er war der Spiritus Rektor der neuen Idee.“

Vier Sammlerinnen in der Hirschberger Rathausgalerie

Szenenwechsel, ein paar Stunden spÀter wird an einem anderen Ort, in der Rathausgalerie in Hirschberg, eine zweite Ausstellung eröffnet.

Vier KĂŒnstlerinnen prĂ€sentieren ihre Installationen und gehen einen Dialog ein mit dem Raum. Es sind: Angelika Dirscherl aus Heidelberg, Andrea Niessen aus Speyer, Christine Fischer aus Ludwigshafen und Ulrike Thiele Mosbach.

Die „Anonymen Saxophonisten“ von der Weinheimer Musikschule umrahmen musikalisch die Vernissage. Das ist richtig gut.

Mit dem Hölderlin-Zitat „Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben! Siehst du das eine recht, siehst du das andere auch“ beginnt BĂŒrgermeister Manuel Just seine BegrĂŒĂŸung.

Hirschberg sei die heimliche Hauptstadt des Rhein-Neckar-Kreises, meint Just und zwinkert, denn schließlich wohne Landrat Dallinger im Ortsteil Großsachsen.

Bewusst karg ist die Rathausgalerie: Holzbalken, weiße WĂ€nde, Estrich. Der Raum tritt zurĂŒck fĂŒr die Kunst:

Wir wollen der Kunst Raum einrÀumen.

„Es ist nicht hĂ€ufig, dass Kommunen Kunst anhĂ€ufen“, sagt die Kuratorin Julia Philippi in ihrer EinfĂŒhrung. Das Rathaus sei ein Ort der Dienstleistung, offen fĂŒr BĂŒrger, ein öffentlicher Raum der Begegnung und sei ein Ort der Kunst.
Es wurden hier vier KĂŒnstlerinnen ausgewĂ€hlt, die das urweibliche verbindet: Die Frau als Sammlerin.

Angelika Dirscherl sammelt alles aus Papier. Postkarten gebaut zu kleinen HĂ€usern, die von den Balken im Raum schweben. Das Postkartenmotiv ist immer der gleiche Ort, aber zu unterschiedlicher Zeit. „Es ist ein gemeinsamer Erinnerungsort, es ist Heimat“, sagt Julia Philippi.

Metaphysische Wesen aus Stoff

Auch Christine Fischer sammelt. Sie sammelt Stoffe und textiles Gewebe. Es entstehen metaphysische Wesen, die sich in der Galerie verteilen. Es sind keine Kuscheltiere – die Formen sind fast unheimlich, bedrohlich.

Helle, leichte wĂŒrfelartige Gewebe schweben in der Luft – es sind die Kunstwerke der KĂŒnstlerin Andrea Niessen. Sie sammelt weibliche Haare. Mit Leim vermischt entsteht ein starkes Geflecht, hautĂ€hnliches Material. Kleine Holzstiegen ermöglichen das Hineintauchen in die Welt aus Transparenz und Haar. Ein Stock höher wachsen die Haare aus dem Boden.

Ulrike Thiele sammelt Holz, Kunststoff, Metall, Kabelbinder. Es sind AlltagsgegenstĂ€nde, die sie zu einem neuen Kontext verbindet, wie ihre Bodeninstallation „Kartenhaus“. Massive Objekte halten sich gegenseitig im Gleichgewicht und scheinen dann fast zu kippen.

„Wo ziehe ich die Grenze zwischen Ă€ußerem und inneren Raum?“ Mit seiner raumgreifenden PrĂ€senz wird die Kunst nicht zum Gegenstand, sondern zum Erlebnis.

Die Kunst ist dort, wo sie uns ergreift,

sagt Philippi. So sind auch die Kunstobjekte dieser Ausstellung nicht in Reih und Glied aufgestellt. Sie haben ihre eigen Unordnung, der Betrachter muss fast drĂŒbersteigen oder hineinkriechen.

Landrat Stefan Dallinger schafft es auch hier wieder seine Eröffnung sehr persönlich zu gestalten.

Dallinger lobt den Kunsteinsatz seiner Heimatgemeinde, „es ist nicht selbstverstĂ€ndlich, dass so viel Kunst angekauft wird“, sagt der Landrat.

Er stellt die „Anonymen Saxophonisten“ aus Weinheim vor. Er wirkt persönlich, ungezwungen.

Das neue Konzept geht auf, der Start der Doppelausstellung war ein voller Erfolg. DafĂŒr verantwortlich sind KĂŒnstler und Macher, die Menschen im Hintergrund und im Vordergrund und die vielen Besucher. Es sind Kunst und Mensch hautnah.

Ausstellungseröffnung "Atelier und KĂŒnstler" in der Rathausgalerie.

 

Info: Die Ausstellung in der Martinsschule geht vom 04. MĂ€rz bis 06. Mai. Sie ist (außer in den Schulferien) geöffnet von Montag bis Donnerstag 09:00 Uhr bis 12.30 Uhr, Mittwochs von 15.30 Uhr bis 19:00 Uhr, und an den Sonntagen 11. MĂ€rz., 25. MĂ€rz., 22. April und 06. Mai, jeweils von 11:00 Uhr bis 14:00 Uhr.

Ab 2012 veranstaltet der Kreis nun keine große Wanderausstellung mehr, vielmehr stehen nun spezielle Gruppenausstellungen mit wenigen KĂŒnstlern an ausgewĂ€hlten Orten im Fokus, an deren konzeptioneller Erarbeitung die KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler selbst zusammen mit den Kuratoren (den Mitgliedern der Jury: Barbara Auer, Ludwigshafen, Hans-JĂŒrgen Buderer, Mannheim, Hans Gercke, Heidelberg und Julia Philippi, Heidelberg) ganz unmittelbar beteiligt sind. Weitere Ausstellungsorte sind Eberbach, Sinsheim und Walldorf.

Von insgesamt 225 Kunstschaffenden aus der Metropolregion Rhein-Neckar, die sich fĂŒr das Projekt beworben haben, wĂ€hlte die Jury 17 KĂŒnstler aus.

Zur Rahmen 23. Kreiskulturwoche 2012 erschien der Band 8 des „AtelierfĂŒhrers“. Der Kunstkatalog ist an jedem Ausstellungsort fĂŒr einen Unkostenbeitrag von 15 Euro erhĂ€ltlich. Er kann aber auch beim Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis ĂŒber Anja Sauer, Telefon-Nummer 06221/522-1356, E-Mail anja.sauer@rhein-neckar-kreis.de bestellt werden.

Eine umfangreiche Bildergalerie von der Eröffnung der beiden Ausstellungen finden Sie auf dem Ladenburgblog.de.

 

27. Februar bis 04. MĂ€rz 2012

Diese Woche: Tipps und Termine

Tipps und Termine fĂŒr den 27. Februar bis 04. MĂ€rz 2012. Jeden Montag erscheinen unsere Veranstaltungstipps fĂŒr die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Termine finden Sie ins unseren Kalendern fĂŒr Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Viernheim, Weinheim und Rhein-Neckar.

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Dienstag, 23. Februar 2012, 20:00 Uhr, „Hutter im Schloss“

"Hutter im Schloss".

Weinheim. Am Dienstag, 23. Februar 2012, hauen sich Hobby-Poeten aus der Region beim Weinheimer „Poetry Slam“ wieder ihre gereimten Emotionen um die Ohren. Das altehrwĂŒrdige Schloss, genauer das Restaurant „Hutter im Schloss“, bildet dafĂŒr wieder eine wahrlich (dichter-) fĂŒrstliche Kulisse. Die verbalen FaustkĂ€mpfe der Literaten gehören seit zwei Jahren zur Kulturszene der Zweiburgenstadt. Dabei hat KulturbĂŒro-Chef Gunnar Fuchs gleich ein eigenes Profil geschaffen – ohne Ungereimtheiten. Als Moderator und kĂŒnstlerischen Berater fungiert wieder Alex Dreppec aus Darmstadt, ein wahrer Kenner der „Poetry-Szene“. Er war selbst schon „Slam-Sieger“ unter anderem in Frankfurt, Mainz und Wiesbaden.

Es sollen bis zu zehn Spontan-Dichter auftreten. Jeder „Slammer“ hat sieben Minuten Zeit, seine Texte vorzutragen, wer gewinnt, entscheidet das Publikum.

Ort: Hutter im Schloss, Weinheim.
Anmeldung: kulturbuero@weinheim.de oder 06201 / 82 592.

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Mittwoch, 29. Februar 2012, 20:00 Uhr, Stadthalle Weinheim

"Pasta e Basta" . Szenenfoto.

Weinheim. Unter dem Titel „Pasta e basta“ findet in der Stadthalle ein italienischer Liederabend von Dietmar Loeffler mit Liedern von Eros Ramazotti, Adriano Celentano, Gianna Nannini bis Paolo Conte statt.

An diesem Abend heißt es: KĂŒche frei fĂŒr eine große Musik-Show! In der KĂŒche eines kleinen italienischen Restaurants, zwischen Töpfen, Tellern und dreckigem Geschirr trĂ€umen zwei Köche, ein Kellner und eine TellerwĂ€scherin von dem großen GlĂŒck, als SĂ€nger endlich erfolgreich zu sein. Sehr zum Leidwesen der GĂ€ste. Denn statt in der KĂŒche köstliche Pasta-Gerichte vorzubereiten, werden hier Kochlöffel zu Schlagzeugstöcken, der KĂŒchenbesen wird zum Bass umfunktioniert, und der Herd muss einem Klavier weichen, wĂ€hrend die Nudeln ĂŒberquellen und Kundenbestellungen nur noch beilĂ€ufig berĂŒcksichtigt werden.

Ort: Birkenauertalstr. 2, Weinheim.
Karten: Im Vorverkauf bei der GeschÀftsstelle der Kulturgemeinde Weinheim, Tel. 06201/12282..

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Dienstag, 28. Februar 2012, 19:00 Uhr, Volkshochschule Weinheim

David Gilmore.

Weinheim. „Die Kraft des Lachens“ ist ein Erlebnisabend mit David Gilmore.

Das Lachen ist ein wesentlicher Teil unserer wahren Natur. Humor ist ein Ausdruck wahrer Freiheit. David Gilmore bietet an diesem Abend einen Freiraum, sich durch Spiel und Dialog in einem humorvollen Raum mit Lachen, Humor, KreativitĂ€t kennen zu lernen. Es werden Übungen angeboten, die in prĂ€gnanter Weise David Gilmores Arbeit mit Humor erlebbar und verstĂ€ndlich machen.

Ort: Luisenstraße 1, 69469 Weinheim.
Teilnahmebeitrag: 19 Euro. Voranmeldung notwendig, Tel. 06201/9963-0.

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Freitag, 02. MĂ€rz 2012, 19:00 Uhr, Kulturscheune

Charlotte Herzog von Berg.

Viernheim. Vom 02. MĂ€rz bis zum 28. April 2012 findet in der Kulturscheune die Ausstellung „FrĂŒhlingsboten“ mit Bildern und Farbradierungen von Charlotte Herzog von Berg statt.

Die Ausstellung wird am Freitag, 02. MĂ€rz 2012, um 19.00 Uhr eröffnet. Die KĂŒnstlerin ist anwesend. Die EinfĂŒhrung hĂ€lt Dr. Gabriele Berrer-Wallbrecht, Musikalische Umrahmung: A. von Berg.

Charlotte Herzog von Berg: Geboren in Mannheim. Kunststudium in MĂŒnchen und Berlin. Hochschulabschluss an der jetzigen UDK Berlin als MeisterschĂŒlerin bei Hann Trier. Lebt als freischaffende Malerin in Berlin und Ladenburg am Neckar.  Die KĂŒnstlerin ist Mitglied des Deutschen KĂŒnstlerbundes und des KĂŒnstlersonderbundes in Deutschland.

Ort: Kulturscheune, Satonévri Platz 1, Viernheim.
Öffnungszeiten: Dienstag 10 – 17 Uhr, Mittwoch 14 – 17 Uhr, Donnerstag 10 – 13 und 15 – 19 Uhr, Freitag 14 – 17 Uhr, Samstag 10 – 12 Uhr, und nach Vereinbarung

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Martinsschule Ladenburg.

Sonntag, 04. MĂ€rz 2012, 11:00/14:00 Uhr, Martinsschule Ladenburg/Rathausgalerie Hirschberg

Ladenburg/Hirschberg.Die Ausstellung „Atelier und KĂŒnstler“ wird am 04. MĂ€rz 2012 in Ladenburg und Hirschberg eröffnet.

Bei der 23. Kreiskulturwoche steht die Bildende Kunst wieder im Mittelpunkt. Mit einer Art Doppelpremiere startet am Sonntag, 4. MĂ€rz, um 11 Uhr in der Martinsschule in Ladenburg und um 14 Uhr in der Rathausgalerie in Hirschberg das bundesweit beachtete Ausstellungsprojekt „Atelier und KĂŒnstler“ mit der PrĂ€sentation von KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler aus der Metropolregion..

Rathausgalerie Hirschberg.

Im Vergleich zu den Ausstellungen der Vorjahre haben sich die Kreiskulturkommission und der Kreistag ab 2012 dafĂŒr entschieden, nicht mehr eine große Wanderausstellung mit allen von der Jury ausgewĂ€hlten KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstlern, sondern spezielle Gruppenausstellungen mit wenigen KĂŒnstlern an ausgewĂ€hlten Orten, die von ihnen zusammen mit den Kuratoren konzipiert wurden. Das gibt den individuellen kĂŒnstlerischen AnsĂ€tzen weiteren Raum zur Darstellung und ermöglicht eine viel intensivere PrĂ€sentation der KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler in einer Ausstellung als frĂŒher.

Eröffnet werden beide Ausstellungen von Landrat Stefan Dallinger, in der Rathausgalerie in Hirschberg begrĂŒĂŸt um 14:00 Uhr BĂŒrgermeister Manuel Just, in Ladenburg um 11:00 Uhr begrĂŒĂŸt Schulleiter Kurt Gredel in der Martinsschule.

Orte: Großsachsener Straße, Hitschberg und Hirschberger Allee 2, Ladenburg.

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Chansonfestival in Heidelberg.

Bis 24. MĂ€rz 2012, Opernzelt Heidelberg

Heidelberg. Unter dem Titel „schöner lĂŒgen“ findet ab dem 04. Februar 2012 das 12. Festival fĂŒr neue deutsche Chansons im Heidelberger Opernzelt statt.

Neue deutsche Chansons und Lieder mit intelligentem Humor prĂ€sentieren die „Macher“ von „schöner lĂŒgen“ im zwölften Jahr. Alle Liebhaber des Chanson dĂŒrfen sich auf poetische, freche, skurrile Abende im Kulturfenster in Heidelberg-Bergheim und im Opernzelt in Heidelberg freuen.

„schöner lĂŒgen“ ist nach Berlin das Ă€lteste und noch vor Berlin sogar das grĂ¶ĂŸte Chansonfestival der Republik.

Infos: www.schoenerluegen.de

Ort: Opernzelt Heidelberg, Emil-Maier-Straße 16, 69115 Heidelberg.

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Indoor-Spielplatz im Pflanzenschauhaus.

Bis 18. MĂ€rz 2012, Pflanzenschauhaus Luisenpark

Mannheim. Der Indoor-Spielplatz im Pflanzenschauhaus des Luisenparks wurde am 27. Januar 2012 eröffnet.

In diesem Jahr dreht sich alles um die gigantische Kletterattraktion: Mit einem Durchmesser von 8 Metern und einer Höhe von 4 Metern macht die „Dschungel-Arena“ der Berliner Corocord GmbH mĂ€chtig Eindruck – und vor allem Spaß! Von der Affenschaukel ĂŒber das Dschungel-Segel, etlichen Kletternetzen bis zu den Baum-dicken Riesentauen ist immer wieder neues Abendteuer geboten. Und das Beste: Das Mammut-Spielzeug wird nach dem Winterspielplatz im Park bleiben und ab Ostern seinen festen Platz im Luisenpark einnehmen.

„Tiefbau“-Experten oder jenen, die sich noch nicht so hoch hinaus trauen, liefern 12 LKW-Ladungen Sand auf 420 Quadratmeter genĂŒgend Stoff zum Baggern.

Eintritt: Bis 18. MĂ€rz 2012, tĂ€glich 10.30 – 16.30 Uhr (ab MĂ€rz 10.00 – 17.30 Uhr, Pflanzenschauhaus). Nur der Parkeintritt ist zu entrichten, die Ausstellung selbst ist kostenfrei!“
Ort:
Luisenpark, Mannheim.

„Schicker“ Auftritt: Wenn eine Kultusministerin das reale Leben trifft, wird viel gelĂ€chelt

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Guten Tag

Heddesheim/Hirschberg, 22. September 2010. (red) Der 20. September 2010 ist fĂŒr Hirschberg ein besonderer Tag. Die neue baden-wĂŒrttembergische Kultusministerin Marion Schick trĂ€gt sich ins goldene Buch der Gemeinde ein und redet ĂŒber „Inklusion“ – so nennt man die Teilnahme von behinderten SchĂŒlerinnen in „normale“ Klassen. Frau Schick gibt sich offen, lĂ€chelt viel, redet viel und ist bester Laune. Viele der GĂ€ste habe hingegen Sorgen.

Von Hardy Prothmann

Ich bin nun schon zwanzig Jahre „im GeschĂ€ft“. Als Journalist habe ich viel gesehen, erlebt, erfahren. Aber ich lerne immer wieder neu dazu.

So geschehen am Montag, den 20. September 2010. Frau Kultusministerin Prof. Dr. Marion Schick besucht die Martinsschule in Ladenburg und „stellt“ sich dann der „Diskussion“ zum Thema „Inklusion“ in der Martin-Stöhr-Grund-und Hauptschule Hirschberg, die sich aber ausweislich eines an eine Leinwand gebeamten Textes „Grund- und Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim“ nennt. Der Name ist weder offiziell noch richtig.

Schick. Adrett. Beredt.

Frau Schick ist eine adrette Person. Anfang 50, schlank, AnzugtrĂ€gerin, Kurzhaarfrisur. Sie hat ein fröhliches Naturell und lacht gerne. Dabei kann sie auch reden wie ein Wasserfall. Die bayerische Herkunft kann sie nicht verleugnen, sie jauchzt und juxt. Und sie redet und redet. Über „Inklusion“, also das gemeinsame Unterrichten behinderter und „normaler“ Kinder. Über Kosten, Gelder, PlĂ€ne und vor allem Erfolge und dann sagt sie fröhlich: „Ich habe Sie jetzt wahrscheinlich provoziert und freue mich auf Ihre Fragen.“

LÀcheln, lachen, jauchzen. StaatssekretÀr Wacker und seine Chefin Schick.

Zuvor hat allerdings der Hirschberger BĂŒrgermeister Manuel Just provoziert. Der Hirschberger BĂŒrgermeister bezeichnete den integrativen Unterricht von behinderten Kindern in „normalen“ Schulen als „eines der wichtigsten Themen ĂŒberhaupt“ und zeigte sich in seiner engagierten Rede in einer ganz ungewohnt sozialpolitischen Position, die er einfĂŒhlend und glaubhaft vertrat: „Wir stehen alle am Anfang eines Prozesses der Akzeptanz, der einen moralischen Diskurs ersetzt.“

Er verweist auf wissenschaftlicher Erkenntnisse, die die Sorgen der Eltern „normaler SchĂŒler“ beruhigen kann – „stĂ€rkere SchĂŒler“ werden durch „schwĂ€chere“ nicht „behindert“.

Wer soll das bezahlen?

BĂŒrgermeister Manuel Just wĂ€re nicht er selbst, wenn er nicht ĂŒber Zahlen reden wĂŒrde: „Doch wer soll das, was von uns Kommunen abverlangt wird, bezahlen?“ Er redet ĂŒber die Belastungen der Kommunen. Dann ist die Frau Ministerin an der Reihe.

Die redet engagiert und lacht und zeigt ZĂ€hne und sagt: „Gerade ist es es mir kalt den RĂŒcken hinunter gelaufen“, und meint damit das, was der frĂŒhere KĂ€mmerer Manuel Just gefragt hat: „Wer soll das bezahlen?“ Sie redet ĂŒber den „Beginn eines tiefgreifenden Prozesses“: „Wir kommen aus den 60-er Jahren als die Schulpflicht fĂŒr behinderte Kinder ĂŒberhaupt erst eingefĂŒhrt wurde.“ Über ein neues Lehramt fĂŒr SonderpĂ€dagogik. SonderpĂ€dagogische Kompetenzzentren. Und die Sorgen und Ängste der Eltern, deren Kinder auf „Regelschulen“ gehen, in denen „SonderschĂŒler“ mitlernen sollen: „Es geht darum, sich auf den Weg zu machen“, sagt die fröhliche Ministerin und verweist auf geltendes Recht: „Wir mĂŒssen die UN-Konvention umsetzen.“

Dann fordert sie die rund 70 GĂ€ste auf, „alles zu fragen, was sie wollen.“

In der „Martin-Stöhr-Schule“, die laut Beamer „Grund- und Werkrealschule Hirschberg/Heddesheim“ heißt, hat anscheinend niemand Fragen an die fröhliche Frau Ministerin.

Niemand will sich melden, bis der Ladenburger BĂŒrgermeister Rainer Ziegler den „Eisbrecher“ macht, die peinliche Situation löst und um das Mikrofon bittet. Er spricht die gewĂŒnschte Barrierefreiheit in den Schulen an, fragt nach finanzieller UnterstĂŒtzung vom Land und auch der „Inklusion“ in die Realschulen.

Schicke Selbstinszenierung.

Die Frau Ministerin redet wieder lange und fröhlich und ernst: „Wir beziehen PrĂŒgel von der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Menschenrechte….“ und endet: „Es kann nicht sein, dass wir eine positive Diskriminierung schaffen.“

Damit meint sie, dass es nicht angehen könne, dass man zum Nachteil der „normalen“ SchĂŒler die „SonderschĂŒler“ bevorteile: „DafĂŒr halten Herr Wacker und ich unsere RĂŒcken hin.“ Und dann jauchzt und lĂ€chelt die Frau Ministerin.

Scheinbar steht sie auf Schmerzen – von denen berichten dann viele. Denn das „Eis“ ist nun gebrochen. Die Offenheit, die sich die Ministerin durch ihre „Provokationen“ gewĂŒnscht hat, ermuntert die GĂ€ste, nach dem Mikrofon zu verlangen.

Mehrere Lehrerinnen, Schulrektorinnen und BĂŒrgermeister beschreiben ihre Lage, allesamt respektvoll vor dem Status der Ministerin. Allesamt offen und glaubwĂŒrdig. Allesamt progressiv und offen fĂŒr die „Inklusion“, diesem schrecklichen Wort fĂŒr die normalste Sache der Welt, „SonderschĂŒlern“ eine große Chance zu geben.

Sorgen und Ängste werden weggelĂ€chelt.

Und es werden auch „Sorgen und Ängste“ geĂ€ußert, ob es „Quoten“ geben werde, also „ProzentsĂ€tze“, wie viele „SonderschĂŒler“ in den „normalen Klassen“ unterrichtet werden könnten.

Die Ministerin lacht, zeigt ZĂ€hne, jauchzt, verweist auf die Kosten, dass alles „individuell“ entschieden werden mĂŒsse, fĂŒr manche auch die „Sonderschule“ die beste Lösung sei und auf Investitionen, die „aber erst ab 2012 getĂ€tigt“ werden könnten.

BĂŒrgermeister Manuel Just sitzt bei dieser „Diskussion“ zwar auch auf dem Podium, sagt aber kein Wort mehr. Der BĂŒrgermeister Ziegler und sein Kollege aus Schriesheim, Hansjörg Höfer, haben sich einmal zu Wort gemeldet, schweigen dann aber.

Kurz vor Schluss, meldet sich der Rektor der Martinsschule in Ladenburg, Kurt Gredel und bittet die Ministerin: „Sie haben immer wieder von Regelschulen gesprochen, in denen behinderte Kinder unterrichtet werden. Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass auch die Martinsschule eine Regelschule ist.“

Kurz zuvor hatte die Ministerin die neu gebaute Vorzeigeschule in Ladenburg besucht.

Die Ministerin lacht und jauchzt: „Das habe ich mir notiert. Das wird mir nicht mehr passieren. NatĂŒrlich ist auch ihre Schule eine Regelschule“, sagt sie und gibt sich offen und transparent und fröhlich und lernbegierig. Sie lĂ€chelt die Peinlichkeit ihres eigenen Auftritts einfach weg. Hatte sie nicht gerade die Regelschule fĂŒr Behinderte aus den 60-er Jahren als große Entwicklung benannt, unterschied sie 50 Jahre spĂ€ter ganz aktuell und life zwischen „Regelschule“ und „Sonderschule“. Herr Gretel lĂ€chelt auch, setzt sich und denkt sich wahrscheinlich seinen Teil.

Die gute Laune ist das Signal.

StaatssekretĂ€r Georg Wacker (CDU) lĂ€chelt mit seiner „Chefin“ Schick um die Wette und versucht gute Laune zu signalisieren. Dabei redet er mehrmals was vom „schönsten Landkreis in Baden-WĂŒrttemberg“ und zeigt sich vor allem unterwĂŒrfig gegenĂŒber seiner Chefin: „Ich wĂŒrde mir niemals anmaßen….“ Das soll irgendwie „Gentlemen-like“ wirken.

Nach gut 70 Minuten ist die VorfĂŒhrung zu Ende.

Es wurde vor allem viel geredet und noch mehr gelÀchelt und gute Laune gezeigt. Von Frau Schick und Herrn Wacker.

Der Rektor, der wie auch immer heißenden Schule, Jens Drescher, war aufgeregt, sicher auch stolz, aber auch ehrlich: Er will, wie die vielen seiner Rektoren- und Lehrerkollegen ganz klar mitmachen bei der „Inklusion“.

Er fragt aber auch, wie das gehen soll, also nach Geld und Personal.

Schema F.

Die Ministerin jauchzt und lĂ€chelt und ist guter Laune wĂ€hrend ihres Auftritts, der wahrscheinlich weniger der Lösung finanzieller und personeller Fragen galt, sondern vielmehr der Auftakt des Wahlkampfes ist: „Wir machen in der Schulpolitik nichts nach Schema F“, sagt sie kĂ€mpferisch.

Nur schade, dass Herr StaatssekretÀr Wacker mich nicht drangenommen hat, obwohl ich mich ausgiebig und deutlich als Fragesteller gemeldet habe.

Ich wollte die Ministerin fragen, wie denn die schwierigen Fragen zur „Inklusion“ gelöst werden können, wenn sie selbst gerade in einer Schule referiert, die eine „individuelle Lösung“ in Sachen „Werkrealschule“ zum „Wohle der Kinder“ gemeinsam mit Heddesheim vorgelegt hat. Diese Lösung wurde nach „Schema F“ abgelehnt.

Die Schule hat bis heute, ein halbes Jahr nach der Verwaltungsentscheidung keinen offiziellen Namen. Der neue Leiter, Rektor Jens Drescher, ist bislang nur „kommissarischer Leiter“. Als solcher verdient er weniger Geld als ihm fĂŒr seine Arbeit zusteht.

Frau Schick sagte zuvor, lĂ€chelnd und jauchzend und auch ein wenig ernst, dass „man auch von den Lehrern erwarten muss, sich an neue Arbeitsbedingungen anzupassen“ und lobte das Schulamt fĂŒr dessen „Leistungen“, in diesem Jahr 2.500 „neue Lehrer“ eingestellt zu haben.

DarĂŒber, dass viele Lehrer nur ZeitvertrĂ€ge erhalten und zum Ende des Schuljahres arbeitslos werden, um dann nach 6-wöchiger Arbeitslosen-Phase wieder eingestellt zu werden, sagt sie nichts.

Komplexes Thema – Hilfe gewĂŒnscht.

Das Thema ist fraglos komplex. Ich kann als Journalist zu diesem Zeitpunkt nur berichten, was ich gesehen und erlebt habe.

Das Thema „Inklusion“ ist wichtig und wird durch unsere Redaktion weiter bearbeitet werden.

Im Mannheimer Morgen, der Rhein-Neckarzeitung und den Weinheimer Nachrichten wurde kaum kritisch ĂŒber das wichtige Thema „Inklusion“ und dessen gesellschaftliche und finanzielle Umsetzung berichtet. Hier durften die Ministerin und ihre StaatssekretĂ€r gute Laune verbreiten.

Wenn Ihnen diese vergangen ist, wenn Sie mehr zu erzĂ€hlen haben, als die verkĂŒrzten Zeitungsberichte „verkĂŒndet“ haben, dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf.

Wir wĂŒnschen uns Ihre UnterstĂŒtzung. Als Eltern, als Lehrer, als Rektoren. Kommen Sie auf uns zu, berichten Sie uns von dem, was ist, was Sie sich wĂŒnschen und von Ihren Sorgen und Nöten. Wir garantieren Ihnen Vertraulichkeit – aber gleichzeitig Öffentlichkeit fĂŒr das, was wir durch Sie als Informanten erfahren.

Das „Thema“ ist zu wichtig, um nur fĂŒr ein paar Monate Wahlkampf missbraucht zu werden.

Kontakt:
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Bericht im Mannheimer Morgen

Bericht in der Rhein-Neckar-Zeitung
Bericht in den Weinheimer Nachrichten