Mittwoch, 28. Oktober 2020

Ausschuss fĂŒr Technik und Umwelt tagte am 12. Juni 2012

Schmetterlingsdach fĂŒr die neue Kinderkrippe

Hirschberg, 15. Juni 2012. (red/sap) Sechs Bauvorhaben standen am Dienstag, 12. Juni 2012, auf der Tagesordnung des Technischen Ausschusses in Hirschberg. Der ATU entschied sich fĂŒr ein Schmetterlingsdach fĂŒr den Neubau der Kinderkrippe in Leutershausen. Ein Passivhausstandard wurde aus „ZeitgrĂŒnden“ abgelehnt.

Von Sabine Prothmann

Am 04. Juni 2012 wurde beim BĂŒrgermeisteramt der Bauantrag zum Neubau einer Kinderkrippe fĂŒr 30 Kinder in der Karlsruher Straße 8 in Leutershausen gestellt. Der Gemeinderat hatte in seiner Januar-Sitzung beschlossen, dass im Ortsteil Leutershausen der Bau einer Kinderkrippe mit 20 bis 30 BetreuungsplĂ€tzen realisiert werden soll. Die Gemeinde wird das GebĂ€ude nicht in Eigenregie als Bauherrin und auch nicht auf eigene Kosten errichten.

Inzwischen hat der Postillion e.V. die TrĂ€gerschaft ĂŒbernommen und nun soll die Bauplanung fĂŒr das Vorhaben – Kinderkrippe mit insgesamt 30 BetreuungsplĂ€tzen – realisiert werden.

FĂŒr die Art der baulichen Nutzung – Kinderkrippe statt Schule – ist eine Befreiung notwendig. Auch fĂŒr die Dachform, geneigtes Dach statt Flachdach, ist es notwendig eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans zu erteilen. Ebenso fĂŒr die Überschreitung der GrundflĂ€chenzahl um rund 4,6 Prozent ist eine Befreiung erforderlich.

Aus Sicht der Gemeinde stellt eine Kinderkrippe, ebenso wie eine Schule, durchaus eine BildungsstÀtte dar. Dennoch ist es erforderlich, eine Befreiung von der Art der baulichen Nutzung zu erteilen. Auch die Abweichung von der Dachform ist stÀdtebaulich vertretbar, zumal in Hirschberg die Dachform geneigter DÀcher vorherrschend ist.

Es wurden drei Varianten vorgestellt: ein Schmetterlingdach, zwei parallele PultdĂ€cher und zwei von der Mitte nach außen geneigte PultdĂ€cher. Die Verwaltung prĂ€ferierte, wie der Bauherr, das Schmetterlingsdach, als harmonisches Erscheinungsbild.

Vor dem Hintergrund der angestrebten Nutzung als Kinderkrippe ist es nach Meinung der Verwaltung durchaus vertretbar und angemessen eine innovative und im Ort eher seltenere Dachform vorzusehen, die zusĂ€tzlich dem ursprĂŒnglichen Wunsch des Bauherrn entspricht. Aus zeitlichen GrĂŒnden mĂŒsse auf eine Umsetzung als Passivhaus verzichtet werden.

Das PfadfindergundstĂŒck soll nicht kleiner werden

Mit der Überschreitung der GrundflĂ€chenzahl um 4,6 Prozent hatten die Ausschussmitglieder keine Probleme. Es herrschte Einigkeit, dass das Areal der Pfadfinder nicht noch kleiner werden sollte.

Der ATU war sich auch ĂŒber die Anordung der StellplĂ€tze schnell einig, die senkrecht zum GebĂ€ude und nicht schrĂ€g im 30 Grad-Winkel zur Straße realisiert werden sollen, denn nur dann, so BĂŒrgermeister Just, seien sie von beiden Seiten anfahrbar.

Das Schmetterlingsdach komme in Hirschberg eigentlich gar nicht vor, meinte Just, „aber wir können hier etwas mutiger und innovativer sein“.

Eva-Marie Pfefferle (SPD) entgegnete, „die Belichtung spricht gegen diese Variante“, deswegen bevorzuge sie die Variante mit den beiden parallelen PultdĂ€chern.

Karl Schnell (CDU) prĂ€ferierte die dritte Variante, die zwei von der Mitte nach außen geneigte PultdĂ€cher, denn schließlich laufe das Wasser immer nach unten.

Passivhausstandard zu „leichtfertig vom Tisch gefegt“

Karl Heinz Treiber (GLH) kritisierte, dass das Thema Passivhausstandard zu „leichtfertig vom Tisch gefegt wurde“. Der Faktor Zeit dĂŒrfe kein Grund sein auf den Standard zu verzichten.

„Wir haben uns zu frĂŒh von einer Gestaltungsmöglichkeit verabschiedet“, so Treiber.

Just entgegnete, es sei unfair, Ignoranz zu unterstellen:

Wenn wir das Vorhaben nicht bis zum 01. MĂ€rz 2013 realisieren, haben wir die ZuschĂŒsse verwirkt.

Der Bauherr habe EnEV (Energieeinsparverordnung) plus zugesichert, „diesen Weg können wir mitgehen“, zumal der Antragsteller damit mehr tue als verlangt wĂŒrde.

„EnEV ist gut, aber es gibt noch mehr“, konterte Treiber.

Oliver Reisig (FDP) meinte: „EnEV plus reicht mir.“

Thomas Herdner (GLH) erinnerte an die Idee der DachbegrĂŒnung und stellte dazu einen weitergehenden Antrag (der natĂŒrlich mit Mehrkosten verbunden wĂ€re).

Einstimmigkeit herrschte zur Überschreitung der GRZ um 4,6 Prozent und ĂŒber die Anordnung der StellplĂ€tze. FĂŒr das Schmetterlingsdach stimmten sechs Ausschussmitglieder, fĂŒr die parallelen PultdĂ€cher drei und fĂŒr die dritte Variante stimmte Gemeinderat Karl Schnell.

Der weitergehende Antrag zur BegrĂŒnung der DachflĂ€chen wĂŒrde mit sechs Gegenstimmen abgewiesen.

Erweiterung der Kinderkrippe in der Bahnhofstraße

Der nĂ€chste Antrag behandelte die NutzungsĂ€nderung einer Wohnung zur Erweiterung der bestehenden Kinderkrippe in der Bahnhofstraße 16 in Leutershausen.

Der Postillion e.V. betreibt die Kinderkrippe in der Bahnhofstraße 16 mit zehn PlĂ€tzen. Durch das Freiwerden einer zusĂ€tzlichen Wohnung im 1. Obergeschoss des GebĂ€udes soll das Angebot auf 20 PlĂ€tze erweitert werden.

Da der Betrieb der Kinderkrippe bereits zugelassen wurde, stehen auch der Erweiterung aus bauplanungsrechtlicher Sicht keine GrĂŒnde entgegen, sodass das Einvernehmen der Gemeinde zu erteilen ist.

ZusĂ€tzliche StellplĂ€tze sind nicht erforderlich, durch das Freiwerden der Wohnung auf dem GrundstĂŒck wird jedoch ein Stellplatz frei.

Im Mai 2012 wurde beim BĂŒrgermeisteramt ein Antrag auf Baugenehmigung im vereinfachten Verfahren fĂŒr den Neubau eines Mehrfamilienhauses mit drei Wohneinheiten und insgesamt fĂŒnf StellplĂ€tzen auf dem GrundstĂŒck Hölderlinstraße 29 in Leutershausen gestellt.

Das Vorhaben liegt nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplans, so dass sich die ZulÀssigkeit nach dem Baugesetzbuch richtet.

Das GrundstĂŒck in der Hölderlinstraße war bereits mehrfach Bestandteil von Bauvoranfragen.

Auch der jetzt beantragte Neubau war bereits Inhalt einer Bauvoranfrage.

Beide Bauvoranfragen kamen jedoch nicht zum Abschluss, so dass fĂŒr das GrundstĂŒck bislang kein gĂŒltiger Bauvorbescheid vorliegt, auf den sich die Bauherren berufen könnten.

Es gab laut Vorlage keinen Grund, das Einvernehmen dazu jetzt zu verweigern. Dem Antrag wurde einstimmig entsprochen.

Neubau in der Fenchelstraße

In einem weiteren Antrag ging es um einen Abbruch und den Bauantrag zum Neubau eines Zwei-Familienhauses an gleicher Stelle, in der Fenchelstraße 29 in Leutershausen.

Das Vorhaben liegt nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplans.

Das FlurstĂŒck hat eine GrĂ¶ĂŸe von 287 Quadratmetern. Auf dem GrundstĂŒck befinden sich ein WohngebĂ€ude und zwei NebengebĂ€ude, die an der östlichen GrundstĂŒcksgrenze angeordnet sind. Die Bauherren beabsichtigen, sĂ€mtliche baulichen Anlagen abzureißen. Stattdessen ist ein Wohnhaus mit zwei Wohneinheiten geplant, das auch wieder an die östliche Nachbargrenze anschließt. Die Flucht der Bebauung direkt an der Straße bleibt ebenso gewahrt.

Die Überbauung des GrundstĂŒcks belĂ€uft sich auf 47 Prozent. Zum Teil sind deutlich höhere Überbauungen vorhanden. Die Höhe des geplanten GebĂ€udes fĂŒgt sich in die Gegebenheiten der nĂ€heren Umgebung ein. Die Dachneigung mit 40 Grad entspricht der ĂŒblichen Dachgestaltung im Ortskern. Es entstehen zwei StellplĂ€tze im nördlichen Teil des GrundstĂŒcks, was den Vorgaben der Landesbauordnung entspricht. Nach Meinung der Verwaltung fĂŒgt sich das Vorhaben in die nĂ€here Umgebung ein. Auch diesem Antrag wurde einstimmig zugestimmt.

„Akropolis“ bekommt zusĂ€tzlichen Gastraum

Im nĂ€chsten Bauantrag ging es um die Erweiterung des Gastraumes des TVG-Vereinsheimes, der GaststĂ€tte „Akropolis“, im Riedweg 4 in Großsachsen. Das GebĂ€ude befindet sich außerhalb der im Zusammenhang bebauten Ortsteile und somit im Außenbereich. Dort sind Bauvorhaben zulĂ€ssig als priviligierte Vorhaben, was nicht der Fall ist oder als sonstige Vorhaben, wenn keine öffentlichen Belange entgegenstehen und die Erschließung gesichert ist.

Bei dem geplanten Vorhaben handelt es um eine Erweiterung der bestehenden VereinsgaststĂ€tte um rund 19,4 Quadratmeter. Bei der Erweiterung handelt es sich nicht um einen Anbau, sondern lediglich um die Schließung des schon vorhandenen ĂŒberdachten Freisitzes mit Fensterelementen, wĂ€hrend zwei der bisherigen Außenmauern entfernt werden.

Es wird hierbei keine zusÀtzliche FlÀche verbraucht oder versiegelt. Eine BeeintrÀchtigung öffentlicher Belange kann somit ausgeschlossen werden. Auch hierzu gab der ATU sein Einvernehmen.

Bei der letzten Bausache ging es um die Bauvoranfrage zum Neubau eines Zwei-Familienhauses in zweiter Reihe in der Hintergasse 7 in Großsachsen.

Der vorliegende Antrag auf Bauvorbescheid sieht den Bau eines GebÀudes mit maximal 10 mal 12 Meter GrundflÀche und zwei Vollgeschosse vor.

GeklÀrt werden soll, ob dem Bauvorhaben in zweiter Reihe zugestimmt werden soll. Das Vorhaben liegt nicht im Geltungsbereich eines Bebauungsplans.

Das FlurgrundstĂŒck Hintergasse 7 hat eine GrĂ¶ĂŸe von 1.108 Quadratmetern. Das bestehende Wohnhaus befindet sich in einem Abstand von zehn Metern von der Straße. An der östlichen GrundstĂŒcksgrenze befindet sich ein NebengebĂ€ude. Das GrundstĂŒck soll geteilt werden, damit eine separate Zufahrt zum nordöstlichen Bereich entsteht, in dem ein Zwei-Familienhaus in zweiter Reihe geplant ist.

Das Gebiet der Hintergasse ist geprĂ€gt von verwinkelten, oft langgezogenen GrundstĂŒcken, die mit WohnhĂ€usern und ehemaligen Wirtschafts- und sonstigen NebengebĂ€uden bebaut sind. Im Sinne einer geordneten Innenverdichtung und Innenentwicklung ist es wĂŒnchenswert, mögliche WohnbauflĂ€chen im Ortskern selbst zu nutzen, um einen weiteren FlĂ€chenverbrauch an den Ortsrandlagen entgegenzuwirken.

Das geplante GebĂ€ude bleibt vom Umfang her im Rahmen schon bestehender Bebauung und wirkt durch seine Lage im nordöstlichen GrundstĂŒcksbereich eher unauffĂ€llig, da es sich nach Norden hin an die bestehenden GebĂ€ude anpasst.

Der ATU stimmte der Bauvoranfrage einstimmig zu.

 

„Der Umweltpreis hat uns ĂŒberregional eine hohe Aufmerksamkeit verschafft.“

Guten Tag!

Hirschberg/Erolzheim, 29. Januar 2010. Der Unternehmer Peter Kohler ist stolz auf den Umweltpreis 2009. Sein Möbelhaus ist ganz auf Natur getrimmt – außen wie innen: Im Passivhaus bietet er Naturmöbel an – nicht ganz billig, aber seine Kunden schĂ€tzen QualitĂ€t. Die Redaktion wollte wissen, ob sich der Aufwand gelohnt hat, sich um einen Umweltpreis zu bemĂŒhen – und was Unternehmen in der Region Rhein-Neckar daraus lernen können.

Von Hardy Prothmann

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Peter Kohler ist stolz auf seinen Umweltpreis. Bild: Kohler GmbH

Herr Kohler, so ein Preis ist schön. Was bringt der außer einer Urkunde an der Wand?
Peter Kohler: „Enorm viel: Ein herausragendes Image. Mein kleines Möbelhaus hat 2009 den Umweltpreis der Baden-WĂŒrttembergischen Unternehmen im Bereich Handel bekommen. Das ist was. Das Presseecho war sehr gut. Ich wĂŒrde sonst nicht so wahrgenommen werden. Eine bessere Werbung fĂŒr unsere Naturprodukte in einem einzigartigen Ambiente ist nicht vorstellbar.“

Braucht ein regionales Unternehmen wie Ihres denn eine solche Pressewirkung?
Kohler: „Auf jeden Fall. Unser Einzugsgebiet hat ungefĂ€hr einen Radius von 50 Kilometern. Aber ein nicht unerheblicher Teil nimmt auch Anfahrten von 100 und mehr Kilometer in Kauf. Wir haben auch viele gute Kunden in Österreich und der Schweiz. Und einige davon sind durch die Presse auf uns aufmerksam geworden. Die erkundigen sich ĂŒber uns, nehmen Kontakt auf und kaufen dann sicherlich kein kleines Accessoir, wenn sie bereit sind, ein oder zwei Mal im Jahr den langen Weg auf sich zu nehmen. Das sind Kunden, die von Naturmöbeln ĂŒberzeugt sind und die bei uns fĂŒndig werden.“

Aufmerksamkeit weit ĂŒber die Region hinaus

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Der Umweltpreis brachte Aufmerksamkeit und diese ein besseres Google-Ranking. Quelle: Kohler

Was nicht billig ist?
Kohler: „Natur hat ihren Preis. Unsere Produkte sind sicher auf den ersten Blick nicht gĂŒnstig, aber sie haben einen hohen Wert.“

Wieso haben Sie aus Ihrer Sicht den Preis verdient?
Kohler: „Unser Neubau in Erolzheim aus dem Jahr 2008 ist konsequent ökologisch gebaut worden. Nicht nur ein paar Kollektoren auf dem Dach, weil sich das gut macht. Wir haben das weltweit erste Möbelhaus im Passivhausstandard. Unser Objekt ist ökologisch durchdacht und ebenso der Firmeninhalt – unsere Naturmöbel. Als ich vom Umweltpreis aus der Zeitung erfahren habe, dachte ich: Den gewinne ich.“

GlĂŒckwunsch, das hat geklappt. Aber das war kein billiges Unterfangen. Wie haben Sie den Bau finanziert?
Kohler: „Das ist fĂŒr mich eine erhebliche Investition gewesen. Außerdem gibt es eine große Zahl von stillen Teilhabern und BĂŒrgen. Zusammen mit der GLS Bank sowie der Raiffeisenbank Illertal haben wir ein Finanzierungskonzept gestemmt.“

„Der Aufwand fĂŒr die Bewerbung war mittel –
der Gewinn an Aufmerksamkeit enorm
.“

War es aufwÀndig, sich um den Umweltpreis zu bewerben?
Kohler: „Ich habe jetzt an sieben oder acht Ausschreibungen teilgenommen und mehrere Preise gewonnen. Im Vergleich zu anderen war der Aufwand fĂŒr den Umweltpreis eher gering bis mittel. Zur Preisverleihung kam ein Stellvertreter, weil die Umweltministerin Tanja Gönner terminlich leider nicht selbst anwesend sein konnte. Die Aufmerksamkeit war trotzdem enorm und Frau Gönner hat mir zugesichert, dass sie noch einmal persönlich vorbeischaut, was mich sehr freut. Dadurch werden wir wieder Aufmerksamkeit bekommen. Als kleines Möbelhaus könnte ich mit Werbung niemals so viel Aufmerksamkeit erreichen.“

Wie stellen Sie die Aufmerksamkeit fest?
Kohler: „Durch die Berichterstattung werden wir leichter bei Google gefunden – unsere Kunden suchen exklusive, natĂŒrliche Produkte und schauen ins Internet. Und sie nehmen dann auch weitere Wege in Kauf. Das Internet ist eine enorme UnterstĂŒtzung bei unserem Kontakt zu den Kunden. Wir sind ein regionales Haus, verkaufen aber dank Internet weiter ĂŒber die Region hinaus. Ohne Internet und nur mit klassischer Werbung wĂ€re das fĂŒr uns nicht möglich.“

Was haben Sie mit den 10.000 Euro Preisgeld gemacht?
Kohler: „Wir brauchten in der Nachbauphase noch ein thermisches Schott. Da war das Geld gut investiert.“

Link:
Umweltpreis fĂŒr Unternehmen in Baden-WĂŒrttemberg 2010
Kohler – natĂŒrlich einrichten GmbH & Co. KG