Montag, 21. September 2020

Private Betreiberin steigt aus / Postillion gibt Zusage

Keine private Kinderkrippe in der Rheinstraße

Hirschberg, 03. Mai 2012. (red/pm) Wie die Gemeinde in einer gemeinsamen Pressemitteilung mit Frau Weiskircher schreibt, tritt diese vom Ansinnen, eine private Kinderkrippe zu betreiben, zurĂŒck.

Information der Gemeinde:

„Der Gemeinderat der Gemeinde Hirschberg hat in seiner Sitzung am 27.03.2012 beschlossen, dass in Leutershausen auf dem GrundstĂŒck Rheinstraße/ Ecke Karlsruher Straße eine Kleinkindkrippe in eingeschossiger Bauweise fĂŒr 30 BetreuungsplĂ€tze gebaut werden soll. Die TrĂ€gerschaft fĂŒr diese Krippe wurde an die Bewerberin Frau Manuela Weiskircher unter bestimmten Voraussetzungen vergeben. Ferner wurde beschlossen, dass die TrĂ€gerschaft an den Postillion e.V. vergeben wird, falls Frau Weiskircher diese Voraussetzungen nicht erfĂŒllen kann.

Frau Weiskircher hat sich intensiv mit den Vorgaben der Gemeinde befasst und sich nach reiflicher Überlegung und GesprĂ€chen mit der Verwaltung dazu entschlossen, die TrĂ€gerschaft nicht anzunehmen. Insbesondere die finanziellen Vorgaben der Gemeinde ermöglichen Frau Weiskircher die Umsetzung ihres Krippenkonzepts nicht. Denn gerade der Bau und der Betrieb der Einrichtung sind mit hohen Kosten und einem damit einhergehenden Risiko verbunden. Die Entscheidung ist Frau Weiskircher sehr schwer gefallen.

BĂŒrgermeister Manuel Just bedauert diese Entscheidung, kann sie jedoch inhaltlich voll und ganz nachvollziehen. Dem Wunsch des Gemeinderates, eine TrĂ€gervielfalt im Angebot von KrippenplĂ€tzen zu schaffen, kann damit leider nicht nachgekommen werden.

Mit dem Postillion e.V. wurde nach der Absage von Frau Weiskircher Kontakt aufgenommen, er hat bereits die Übernahme der TrĂ€gerschaft der neuen Krippe zugesagt. In den nĂ€chsten Wochen werden GesprĂ€che zwischen der Verwaltung und dem Postillion e.V. stattfinden, um das weitere Vorgehen fĂŒr den Neubau zu planen.“

Politische PR-Berichterstattung – RNZ schweigt

"Mens agitat molem" hat die RNZ als Leitspruch - "der Geist bewegt die Materie". Fragt sich nur, welche Art von Geist gemeinst ist.

Rhein-Neckar, 22. November 2011. (red) Am 17. November 2011 hat die Redaktion auf dem Rheinneckarblog.de aufgedeckt, dass die Rhein-Neckar-Zeitung (RNZ) politische PR-Propaganda fĂŒr die CDU und Stuttgart 21 macht. Ein Text des CDU-Landtagsabgeordneten Georg Wacker war als redaktioneller Text getarnt in weiten Teilen inhaltlich und sogar wortgleich ĂŒbernommen worden. Wir haben die Chefredaktion damit konfrontiert und um Auskunft gebeten, ob sich die RNZ noch als unabhĂ€ngige Zeitung oder als Propaganda-Organ sieht. Die Frage scheint beantwortet.

Von Hardy Prothmann

Angeblich hatte den Text der Redakteur Stefan Hagen geschrieben – schließlich war der Artikel mit seinem Namen gekennzeichnet. Auf RĂŒckfrage bei Herrn Hagen hat dieser den Text als seinen eigenen ausgegeben. Zu dumm nur, dass am Tag vor Erscheinen der Ausgabe der mehr oder weniger gleiche Text schon beim CDU-Politiker und frĂŒheren StaatssekretĂ€r Georg Wacker auf dessen Homepage erschienen war.

Wir haben die Chefredaktion der RNZ um Antwort gebeten, wie es dazu kommen konnte. Seit dem 17. November hatte die RNZ Zeit, zu der brisanten Frage Stellung zu beziehen, ob sich die Zeitung als unabhĂ€ngig oder als parteipolitisches Propaganda-Blatt begreift. Oder, ob Herr Hagen gar als „Ghostwriter“ fĂŒr Herrn Wacker arbeitet und damit tatsĂ€chlich „seine eigenen“ Texte in der Zeitung nochmals veröffentlicht? Immerhin beharrte er darauf, dass der abgedruckte „sein Text“ sei.

Eine Antwort fehlt bis heute und wird vermutlich auch nicht mehr kommen. Doch auch eine Nicht-Antwort ist eine Antwort. Jede anstĂ€ndige Redaktion, die sich einem unabhĂ€ngigen Journalismus verpflichtet fĂŒhlt, hĂ€tte geantwortet und diese vermeintlich unhaltbaren VorwĂŒrfe zurĂŒckgewiesen oder im Falle eines Fehlers diesen eingestanden, korrigiert und die nötigen Konsequenzen gezogen.

Nicht so die RNZ-Chefredaktion. Die beiden Chefredakteure schweigen. Kein Dementi, kein EingestÀndnis eines Fehlers, keine ErklÀrung. Nur ein schwaches Wegducken.

TatsĂ€chlich ist es unerheblich, ob die Zeitung Parteipropaganda fĂŒr die CDU oder eine andere Partei macht. Propaganda bleibt Propaganda und hat mit seriösem Journalismus nichts zu tun. Da kann die Zeitung noch so stolz sein, als erste Zeitung 1945 in WĂŒrttemberg-Baden gegrĂŒndet worden zu sein – mit solchen miesen Methoden rangiert man sich aufs journalistische Abstellgleis ohne Chance auf Anschluss.

Möglicherweise versteht man aber unsere Anfrage auch nicht, weil diese Art „zu arbeiten“ mittlerweile der „publizistische Standard“ bei der RNZ ist.

Immerhin: CDU-Mann Georg Wacker „steht zu seiner Interpretation“ und hat auf einen weiteren Bericht von uns reagiert, in dem wir der CDU Weinheim unredliche Stimmungsmache vorwerfen.

Lesen Sie zum Thema:

Nachgefragt: Wie wird aus einer politischen PR-Meldung ein redaktioneller Text in der RNZ?

Wacker steht zu Interpretation der Herrmann-Antwort

Offener Brief an die CDU Weinheim: Unredlich ist, wer falsch Zeugnis ablegt

Plagiator-Formel: Dreist, dreister, Journalist – wie Tageszeitungen tagtĂ€glich „bescheißen“


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 13. April 2011. (red) Wenn Tageszeitungen ĂŒber die PlagiatsaffĂ€ren „zu Guttenberg“ und aktuell Koch-Mehrin berichten, sollten sie allergrĂ¶ĂŸte ZurĂŒckhaltung ĂŒben. Denn gerade Zeitungsredaktionen plagieren tĂ€glich in großem Umfang. Das SchmĂŒcken mit „fremden Federn“ gehört zum TagesgeschĂ€ft. Ein Unrechtsbewusstsein darf als „nicht-vorhanden“ bewertet werden.

Von Hardy Prothmann

Dem BetrĂŒger Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) ist zu recht die DoktorwĂŒrde aberkannt worden. Er hat schamlos und vermutlich vorsĂ€tzlich fremdes geistiges Eigentum anderer Autoren als sein eigenes ausgegeben.

Aktuell steht die FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin in der Kritik. Auch sie soll sich bei anderen „bedient“ haben. Die Plattrom „Vroniblog Wiki“ hat schon auf 32 von 207 Seiten ihrer Doktorarbeit Plagiate entdeckt. Auch Veronica Saß, Tochter von Edmund Stoiber, soll gnadenlos abgeschrieben haben. Und man kann davon ausgehen, dass weitere prominente Namen folgen werden.

Die grĂ¶ĂŸten und systematischen Plagiatoren sind die Tageszeitungen

Bei der Suche nach „skrupellosen Abkupferern“ wird ĂŒbersehen, dass tĂ€glich massenhaft Plagiate „unters Volk“ gebracht werden – durch Tageszeitungen. Denn die allermeisten Redakteure und freien Mitarbeiter haben ĂŒberhaupt keine Probleme damit, fremde Texte als ihre eigenen auszugeben.

Ein Beispiel gefĂ€llig? Heute haben die Weinheimer Nachrichten einen sehr umfangreichen Text auf Seite 11 veröffentlicht: „Wer versiegelt, der zahlt kĂŒnftig mehr.“ Es handelt sich dabei zu fast 100 Prozent um eine Pressemitteilung der Stadt Weinheim, die kostenfrei zur VerfĂŒgung gestellt worden ist. Zwar steht am Anfang des Artikels, dass die Verwaltung etwas „mitgeteilt“ hat und auch am Ende steht: „…heißt es abschließend in der Pressemitteilung.“

TagtĂ€gliches Plagiieren: Die Weinheimer Nachrichten ĂŒbernehmen mehr oder weniger 1:1 Pressemitteilungen, ohne diese korrekt als solche auszuzeichnen. Klicken Sie auf die Grafik, um den gesamten Text als PDF anzuzeigen.

Reichen diese „Hinweise“ aber aus, um klar zu erkennen, dass er komplette Text eine Pressemitteilung ist? Weder ein Durchschnittsleser noch ein Textprofi kann unmissverstĂ€ndlich erkennen, wer der wahre Urheber ist.

Kennzeichnungspflicht? Fehlanzeige!

Urheber ist in diesem Fall der Pressesprecher der Stadt Weinheim, Roland Kern – ein gelernter Journalist, der sehr fleißig und kompetent ĂŒber die AktivitĂ€ten der Stadtverwaltung und das Geschehen in der Stadt schreibt. Das ist sein Job und den macht er hervorragend.

Das kann man von der Redaktion der Weinheimer Nachrichten nicht behaupten. Nicht nur heute, sondern stĂ€ndig druckt das Blatt die Texte aus der Feder von Roland Kern oder anderen Urheber mehr oder weniger 1:1 ab. Das allein ist noch nicht „ehrenrĂŒhrig“, wohl aber das Fehlen einer korrekten Quellenangabe.

Der Pressekodex des Deutschen Presserats verlangt unmissverstÀndlich, Ziffer 1, Richtlinie 1.3:

Pressemitteilungen mĂŒssen als solche gekennzeichnet werden, wenn sie ohne Bearbeitung durch die Redaktion veröffentlicht werden.

Warum steht nicht einfach am Anfang oder Ende des Textes: „Pressemitteilung der Stadt Weinheim“? Ganz einfach, weil die Redaktion so tut, als handle es sich um einen redaktionellen Text. Denn schließlich zahlt der Abonnent nicht fĂŒr abgedruckte Pressemitteilungen, sondern fĂŒr eigene redaktionelle Inhalte. Die Art und Weise, wie die Weinheimer Nachrichten eine vermeintliche „Kennzeichnung“ vornehmen, darf eindeutig als unzureichend bezeichnet werden.

Blaue Markierungen sind Streichungen, grĂŒne EinfĂŒgungen - mit minimalsten Bearbeitungen "eignen sich Redaktionen" Texte an und veröffentlichen sie als redaktionell-journalistische Leistung.

Korrekt kennzeichnen heißt glaubwĂŒrdig sein

Auch wir veröffentlichen Pressemeldungen der Stadt Weinheim, die von Roland Kern geschrieben worden sind. Im Unterschied zu den Weinheimer Nachrichten kennzeichnen wir die Texte aber korrekt und unmissverstÀndlich und tÀuschen den Lesern nicht eine redaktionell-journalistische Leistung vor.

Im Vorspann findet sich bei uns ein KĂŒrzel „pm“ – das steht ausweislich unseres Impressums fĂŒr „Pressemitteilung“. Weiter stellen wir Übernahmen in voller LĂ€nge eine unmissverstĂ€ndliche Zusatzinformatoin voran: Entweder steht „Pressemitteilung von…“ oder „Information von…“ vor einem solchen Artikel.

Manchmal veröffentlichen wir auch Texte unter dem Namen des jeweiligen Autoren. „Von Roland Kern“, steht dann vor dem Text und am Ende des Artikels informieren wir die Leserinnen und Leser darĂŒber, wer der Autor ist. „Roland Kern ist Journalist und Pressesprecher der Stadt Weinheim“, steht dann da.

Warum wir das tun? Der erste Grund heißt Ehrlichkeit. Wir geben nicht etwas als unsere Leistung aus, was nicht unsere Leistung ist. Der zweite Grund: Durch die Nennung der Quelle wird deutlich, welche Interessen hier veröffentlicht werden. Der dritte Grund ist Anerkennung: Wir nennen selbstverstĂ€ndlich den geistigen Urheber. Der vierte Grund ist ein gesundes Misstrauen: Wir ĂŒbermitteln eine fremde Botschaft in Treu und Glauben – sollte ein Fehler oder gar eine TĂ€uschung vorliegen, ist der Urheber klar benannt.

So wie der MM-Redakteur Hans-JĂŒrgen Emmerich „arbeiten“ viele: Eine Pressemitteilung wird ein wenig umgestellt und umformuliert und schwubsdiwups wird daraus ein „Redakteursbericht“. Quelle: MM

„zg“ ist ein Vielschreiber

Die Weinheimer Nachrichten stehen mit dieser Plagiatspraxis nicht alleine da. Besonders dreist sind auch Mitarbeiter des Mannheimer Morgens. Hier werden „umformulierte“ Pressemitteilungen gerne mal als „Redakteursbericht“ veröffentlicht (siehe dazu: „Ist der Mannheimer Morgen ein Sanierungsfall?„)

Einer der fleißigsten „Mitarbeiter“ des Mannheimer Morgens ist ein Autor, der das KĂŒrzel „zg“ benutzt. Das sieht auf den ersten Blick aus wie ein AutorenkĂŒrzel, steht aber schlicht und ergreifend fĂŒr „zugeschickt“. Das heißt, jeder dieser „zg“-Texte ist keine redaktionell-journalistische Leistung, sondern nur eine TextĂŒbernahme. Nirgendwo weist die Zeitung darauf hin, welche Art von Urheber sich hinter „zg“ verbirgt. Andere Zeitungen verwenden andere KĂŒrzel.

Patchwork-Journalismus – Copy&Paste ist AlltagsgeschĂ€ft

Gerne werden auch „Agenturberichte“ zusammengefasst. Das heißt, der Journalist bedient sich mehrerer „Quellen“ von Agenturtexten, kopiert die Inhalte irgendwie zu einem Patchwork-Artikel zusammen und schreibt seinen eigenen Namen ĂŒber den Text. Als „ehrlich“ kann schon gelten, wer wenigstens „Mit Material von…“ ans Ende des Artikels schreibt. Welche Teile der Texte aus welchem „Material“ stammen, ob es 10 oder 90 Prozent des Inhalts sind, ist fĂŒr den Leser nicht erkennbar. HĂ€ufig wird die Nennung des „Materials“ auch gerne mal vergessen.

Und es sind alle Ressorts betroffen: Politik, Wirtschaft, Sport, Lokales, Kultur. Nicht nur Profis können Plagiate relativ leicht erkennen, wenn man auf folgendes achtet: Je weniger Quellen explizit genannt sind, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Text in Teilen oder komplett plagiiert wurde. So einfach ist das. Denn seriöse Journalisten achten sehr sorgfÀltig darauf, die Quellen zu benennen.

„Beispiele fĂŒr Plagiate in Wissenschaft und Medien gibt es viele“, schreiben die Soziologen der Uni Bielefeld, Sebastian Sattler und Floris van Veen, in ihrem Text „Veröffentliche oder stirb“ fĂŒr die Medienfachzeitschrift „Message“:

„Auffallend rar hingegen ist die Forschung zum Textklau im Journalismus. Das verwundert, fĂŒhrt man sich den Schaden vor Augen: Leser werden nicht authentisch und transparent informiert, aber trotzdem zur Kasse gebeten.“

Textklau ist kaum erforscht – kein Wunder

Die Forscher wundern sich, dass es kaum Forschung zu dem Thema „Textklau im Journalismus“ gibt. Das aber ist nicht verwunderlich, wenn man weiß, dass viele Medien-Professuren eng mit Medien-VerbĂ€nden und -Verlagen verbunden sind. Wer also sollte an einem solchen Forschungsvorhaben interessiert sein? Oder anders gefragt: Wer wĂŒrde ein niederschmetterndes Ergebnis veröffentlichen? Die, die es selbst betrifft? Wohl kaum.

Die Forscher folgern, dass dies der GlaubwĂŒrdigkeit von Journalismus schadet. Umgekehrt gilt: Der Ehrliche ist der dumme. Wer dreist kopiert und abschreibt ist vermeintlich erfolgreicher, als derjenige, der sich nicht mit fremden Federn schmĂŒckt. Und da eine KrĂ€he der anderen kein Auge aushakt, wird diese Praxis des institutionalisierten Textklaus schaarenweise und vollstĂ€ndig unverschĂ€mt betrieben.

Plagiat = Raub der Seele

So werden tagtĂ€glich in Deutschland Zeitungen und andere Medien von „Journalisten“ gefĂŒllt und von Redakteuren verantwortet, die entweder nie einen Funken Berufsehre in sich hatten oder diese im Lauf der Zeit „verloren“ haben. Ganz im Gegenteil handelt es sich um Banditen, um RĂ€uber, wie sich anhand der Definition von „Plagiat“ bei Wikipedia nachlesen lĂ€sst:

Ein Plagiat (von lat. plagium, „Menschenraub“, „Raub der Seele“[1]) ist die Vorlage fremden geistigen Eigentums bzw. eines fremden Werkes als eigenes Werk oder als Teil eines eigenen Werkes. Dies kann sich auf eine wortwörtliche Übernahme, eine Bearbeitung, oder auch die Darstellung von Ideen oder Argumenten beziehen.

Anmerkung:
ZurĂŒck zur „Wissenschaft“: Die Arbeit an diesem Text wurde kurz von 15:00 Uhr begonnen. Zu diesem Zeitpunkt waren 32 mögliche Plagiatsstellen in der Arbeit von Frau Koch-Mehrin martkiert worden. Um 17:30 Uhr fanden sich bereits 37 Stellen. Und es gibt eine Meldung, dass nun auch die Staatsanwaltschaft Heidelberg in der Sache ermittelt.😉

Wie aus einer Pressemeldung ein „Artikel“ wird und wer hinter dem KĂŒrzel „zg“ steckt

Guten Tag!

Hirschberg, 03. April 2010. Aufmerksame Zeitungsleser wundern sich ĂŒber einen sehr fleißigen Autoren, der anscheinend fĂŒr den Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten, die Rhein-Neckar-Zeitung und viele andere Zeitungen arbeitet. Sein KĂŒrzel: zg.

Von Hardy Prothmann

Kein Journalist hat fĂŒr diesen Artikel nennenswert recherchiert - eine Pressemitteilung wurde ein wenig umgeschrieben und fertig ist ein "redaktioneller Artikel" im Mannheimer Morgen, der so tut als ob. Die durchgestrichenen Passagen fallen weg, die unterstrichenen Stellen sind EinfĂŒgungen oder Umstellungen. Klicken Sie, um das gesamte Dokument und die VerĂ€nderungen zu sehen."

Es gibt in Deutschland einen Vielschreiber, der niemals unter seinem Namen auftritt, sondern nur mit dem KĂŒrzel „zg“.

„zg“ ist vielseitiger Schreiber: Vereine, Sport, Politik, Kultur, Wirtschaft, VerbĂ€nde – kein Thema ist vor ihm sicher. Er berichtet einfach zu allem und jedem.

Noch verwunderlicher ist: „zg“ schreibt fĂŒr jede Menge Zeitungen – auch fĂŒr solche, die miteinander „konkurrieren“, wobei die Konkurrenz meist nur in den Außenbezirken an den RĂ€ndern der Erscheinungsgebiete stattfindet.

Und „zg“ ist meistens bestens informiert und liefert immer Informationen „aus erster Hand“.

So auch heute wieder im Mannheimer Morgen. Hier berichtet „zg“ ĂŒber den genehmigten Antrag zur gemeinsamen Werkrealschule von Hirschberg und Heddesheim.

Wer genau hinschaut und die Pressemitteilung der Gemeinden zum Thema kennt, stellt fest: So fleißig ist „zg“ gar nicht. Mit ein paar KĂŒrzungen, Umstellungen und marginalen EinfĂŒgungen macht „zg“ flugs aus einer Pressemitteilung einen „eigenen“ Artikel.

„zg“ ist das KĂŒrzel fĂŒr „zugesandte“ Texte.

Das RĂ€tsel um den Vielschreiber „zg“ ist schnell gelöst. Es gibt ihn nicht. Das KĂŒrzel „zg“ steht fĂŒr „zugeschickt“ oder „zugesandt“.

Das bedeutet: Alle „Artikel“ (und das sind jede Menge), die das KĂŒrzel „zg“ tragen, sind nicht von Journalisten der jeweiligen Redaktion verfasst worden, sondern in den meisten FĂ€llen Pressemitteilungen oder Vereinsnachrichten, die ein wenig „aufgehĂŒbscht“ werden und dann so tun, als seien sie eigenstĂ€ndige redaktionelle Leistungen der Zeitung.

Könnte man auch sagen, hier tĂ€usche jemand eine eigene redaktionelle Leistung vor? So weit will ich nicht gehen (in Zeiten, in denen man ganz schnell fĂŒr MeinungsĂ€ußerungen abgemahnt wird, muss man vorsichtig sein). Immerhin werden die „zg“-Texte ja ein bisschen bearbeitet, was aus Sicht von Zeitungen dann doch eine redaktionelle „Leistung“ darstellt. Das ist eben Ansichtssache.

Der Schein der Vielfalt.

Leider, leider, werden aber die Leserinnen und Leser nicht ĂŒber dieses Verfahren aufgeklĂ€rt und können nicht erkennen, ob sie einen eigenstĂ€ndig recherchierten Artikel oder eine umgeschriebene Pressemitteilung vor sich haben.

Das wollen die Zeitungen nicht. Sie wollen etwas anderes erreichen: Sie suggerieren eine große Vielfalt von „eigenen“ Autoren, die aber keine eigenen sind. Es sind „als ob“-Autoren.

So auch im Text ĂŒber die Werkrealschule, in den die Redaktion besonders dreist noch eingefĂŒgt hat: „…in einer Pressemitteilung“, obwohl der Text selbst zu geschĂ€tzten 90 Prozent aus eben dieser Pressemitteilung besteht. (Klicken Sie auf das Bild, um sich selbst ein Bild zu machen.)

Korrekt wĂ€re, wenn die Zeitungen einfach drĂŒber oder drunter „Pressemitteilung von xy“ schreiben wĂŒrden – dann wĂŒssten die Leser Bescheid, wie sie den Text einzuordnen haben.

Zeitungen tauschen aber auch gerne Artikel untereinander aus. Beispielsweise schreibt im Mannheimer Morgen ĂŒber Hirschberg hĂ€ufiger ein Autor, der mit „hr“ zeichnet.

Ausgeschrieben ist das Hans-Peter RiethmĂŒller, Redakteur bei den Weinheimer Nachrichten. Umgekehrt erscheint in den Weinheimer Nachrichten auch mal „agö“, richtig Anja Görlitz vom Mannheimer Morgen.

Und im Mannheimer Morgen gibt es auch mal die Kombination WN/agö – das ist dann eine TextĂŒbernahme der Weinheimer Nachrichten mit „redaktioneller Bearbeitung“ durch agö.

Auch durch diese Praxis wird so getan als ob. Korrekt wĂ€re ein Hinweis, dass hier Artikel aus anderen Zeitungen ĂŒbernommen wurden. Wie Redaktionen ihre Leserinnen und Leser ĂŒber die Inhaltsstoffe informiert, die im Produkt Zeitung drin sind, entscheiden die Redaktionen selbst.

Umgeschriebene Pressemitteilungen sind gÀngige Praxis.

FĂŒr Recherche bleibt keine Zeit – schließlich muss „zg“ jede Menge „Artikel schreiben“. Diese Praxis, umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Artikel zu verkaufen, ist Gang und GĂ€be in deutschen Zeitungsredaktionen. Journalisten, die eigentlich bei einer Nachrichtenagentur angestellt sind, werden so schnell auch mal zu „Von unserem Mitarbeiter xy“.

Das hirschbergblog arbeitet anders: NatĂŒrlich ĂŒbernehmen wir wie jede Redaktion manchmal Informationen aus Pressemitteilungen und anderen Informationsquellen. Das machen wir in den allermeisten FĂ€llen durch die Nennung der Quelle deutlich. Die Informationen fĂŒgen wir neu und eigenstĂ€ndig zusammen und ergĂ€nzen sie durch eigene Recherche. Das Ergebnis ist ein echter redaktioneller Artikel und nicht eine Mogelpackung, die so tut als ob.

DarĂŒber hinaus verlinken wir zu Informationsquellen oder dokumentieren die Originalpressemitteilungen – dadurch ermöglichen wir eine große Transparenz fĂŒr unsere Leserinnen und Leser.

Resolute Haushaltshilfe hÀlt Einbrecher in Schach

Guten Tag!

Hirschberg, 16. Februar 2010. Wie die Polizeidirektion Heidelberg mitteilt, wurde durch die Staatsanwaltschaft Mannheim ein Haftbefehl gegen einen 40-jÀhrigen Einbrecher erlassen. Kurios: Der Mann wurde auf frischer Tat von einer Haushaltshilfe ertappt und in Schach gehalten.

Pressemitteilung der Polizei

teaserbesen

Haushaltshilfe hÀlt Einbrecher in Schach. hblog

„Bereits am Donnerstag, 11. Februar 2010 wurde ein 40-jĂ€hriger Mann in Hirschberg-Großsachsen festgenommen. Er steht im dringenden Verdacht versucht zu haben, in einem Wohnhaus in der Rosengartenstraße Geld zu stehlen. Dabei wurde der VerdĂ€chtige von der 55-jĂ€hrigen Haushaltshilfe erwischt und bis zum Eintreffen der Polizei in einem Zimmer festgehalten. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Mannheim wurde am Freitagnachmittag Haftbefehl gegen den TatverdĂ€chtigen erlassen. Anschließend wurde er in eine Justizvollzugsanstalt eingeliefert.

Der 40-JĂ€hrige, ein österreichischer Staatsangehöriger ohne festen Wohnsitz in Deutschland, war einen Tag vor seiner Festnahme aus der Untersuchungshaft einer rheinland-pfĂ€lzischen Justizvollzugsanstalt entlassen worden und hatte einen Zug nach Mannheim genommen. Ohne Ortskenntnisse zu haben war er anschließend ziellos mit der Bahn des RNV weitergefahren und schließlich in dem ihm unbekannten Hirschberg-Großsachsen gelandet.

Beim Umherstromern war dem TatverdĂ€chtigen in der Rosengartenstraße die offen stehende HaustĂŒr eines Wohnhauses aufgefallen. Die 55-jĂ€hrige Haushaltshilfe der 88 und 90 Jahre alten Bewohner hatte außerhalb des Hauses kurzfristig zu tun und deshalb die TĂŒr offen stehen lassen. Diese gĂŒnstige Gelegenheit hatte der 40-JĂ€hrige ausgenutzt und war schnurstracks in die Wohnung gegangen, um dort nach Barem zu suchen.

Gerade als er dabei war mehrere hundert Euro, die er in einem Schrank gefunden hatte einzustecken, wurde er von der zurĂŒckgekehrten Haushaltshilfe erwischt. Die Flucht des 40-jĂ€hrigen endete aber jĂ€h an der HauseingangstĂŒr. Die vorsichtige 55-JĂ€hrige hatte sie, wie immer, abgeschlossen, als sie von draußen zurĂŒckgekehrt war.

Der VerdĂ€chtige wurde von der couragierten Frau in die KĂŒche zurĂŒckgedrĂ€ngt und bis zum Eintreffen der Polizei festgehalten.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Edeka baut Supermarkt im Sterzwinkel

Guten Tag

Hirschberg, 26. Januar 2010. Im Neubaugebiet Hirschberg wird Edeka einen Supermarkt mit 800 Quadratmeter VerkaufsflĂ€che bauen. DarĂŒber informierte die Gemeinde Hirschberg heute in einer Pressemitteilung. Der Edeka-Markt in der Breitgasse soll erhalten bleiben.

Pressemitteilung Gemeinde Hirschberg

„In der Sitzung des Gemeinderats der Gemeinde Hirschberg a. d. B. am 15. Dezember 2009 wurde ĂŒber die VerĂ€ußerung des Miteigentumanteils am GrundstĂŒck mit der FlurstĂŒck-Nr.: 5750, Sterzwinkel, an die Firma Edeka Handelsgesellschaft SĂŒdwest mbH entschieden.

Das GrundstĂŒck war in den perspektivischen Überlegungen des Bebauungsplanverfahrens Sterzwinkel I und II immer wieder fĂŒr die Errichtung eines Supermarktes vorgesehen.

Nachdem sich ursprĂŒnglich einmal 3 Bewerber fĂŒr das GrundstĂŒck interessiert hatten, konnten sich gegen Ende des Jahres 2009 zwei Interessenten in zwei EigentĂŒmerversammlungen den EigentĂŒmern des GrundstĂŒcks vorstellen um unter diesen Einigkeit ĂŒber die VerĂ€ußerung des GrundstĂŒcks zu erzielen.

Vorbehaltlich der Beschlussfassung im Aufsichtsrat des Unternehmens sowie des in den kommenden Wochen notariell zu schließenden Kaufvertrags wird ein Markt mit einer GrĂ¶ĂŸe von 800 qm VerkaufsflĂ€che entstehen, der sich auch stĂ€dtebaulich als ein „Blickfang“ am Ortseingang Großsachsens prĂ€sentieren wird.

Besonders erfreulich dĂŒrfte die Tatsache des Erhalts des Marktes in der Breitgasse sein, welcher ebenso weiterhin unter der Leitung von Herrn Volker Zeilfelder stehen wird wie der im Sterzwinkel entstehende Supermarkt.“

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog