Samstag, 08. Juni 2019

Vorschlag der GLH bekommt keine Zustimmung

Mobilfunkanlage bleibt auf dem Dach der Heinrich-Beck-Halle

Hirschberg, 24. Mai 2012. (red/sap) In der Gemeinderatssitzung in Hirschberg musste ĂŒber die VertragsverlĂ€ngerung der Mobilfunkanlage auf dem Dach der Heinrich-Beck-Halle in Leutershausen beraten und entschieden werden. In einer Pressemitteilung im Vorfeld der Sitzung forderte die GLH, die Gemeinde Hirschberg solle die Chance zur Neupositionierung der Mobilfunkmasten nutzen und den Vertrag fĂŒr Standort Heinrich-Beck-Halle in Leutershausen nicht verlĂ€ngern.

Von Sabine Prothmann

Seit 1999 betreibt die Deutsche Telekom bzw. die Deutsche Funkturm GmbH auf dem Dach der Heinrich-Beck-Halle eine Mobilfunkbasis. Die Vertragslaufzeit wurde seinerzeit auf zehn Jahre festgelegt. Mit Ablauf verlĂ€ngert sich die Vertragslaufzeit stillschweigend um ein weiteres Jahr, wenn der Vertrag nicht sechs Monate vor Ablauf des jeweiligen VerlĂ€ngerungszeitraums gekĂŒndigt wird.

ZusĂ€tzlich zu dem Vertrag ĂŒber die Standortnutzung fĂŒr die GSM-Technik, wurde mit der DeTe Immobilien im Mai 2001 ein Nachtrag zum Nutzungsvertrag abgeschlossen, der es der Telekom ermöglicht hĂ€tte, den Standort jeweils den aktuellen technischen Gegebenheiten auszubauen.

Im Jahr 2001 formierte sich eine BĂŒrgerinitiative, die spĂ€ter den Agenda Arbeitskreis „Handymast“ bildete, gegen diese Anlage.

Die Gemeinde Hirschberg veranlasste daraufhin eine EMV-Messung (EMV = Elektomagnetische VertrÀglichkeit) durch ein unabhÀngiges Institut, um die reale Belastung durch elektromagnetische Strahlung im Umkreis der Heinrich-Beck-Halle zu ermitteln.

Das Ergebnis belegte, dass die maximal gemessenen Werte (0,012 W/qm), die durch das Bundesimmissionsschutzgesetz erlaubten Grenzwerte (4,65 W/qm), um den Faktor 400 unterschritten. Der maximal gemessene Mittelwert lag mit 0,0047 W/qm sogar um den Faktor 989 unter den gesetzlichen und noch immer um den Faktor 9 unter den wesentlich strengeren Schweizer Anlagegrenzwerten fĂŒr Wohnbereiche.

Trotzdem wurden in Zusammenarbeit mit T-Mobile seinerseits sowohl die Sendeleistung der Anlage insgesamt reduziert, als auch die östlichen Antenne so ausgerichtet, dass die Hauptstrahlungsrichtung ĂŒber den evangelischen Kindergarten hinweg geht.

Eine Verlegung scheiterte an einem fehlenden, geeigneten, alternativen Standort und der in diesem Falle zu erwartenden Kosten.

Der Gemeinderat sollte jedoch zum Ablauf des Vertrages entscheiden, ob der Vertrag gekĂŒndigt oder verlĂ€ngert werden sollte.

Aufgrund der unklaren VerhÀltnisse, verzichtete die Telekom, trotz des bestehenden Vertrages, auf den Ausbau der Anlage auf UMTS.

Der ATU hatte in seiner Sitzung im Februar 2008 ĂŒber eine mögliche KĂŒndigung beraten und empfahl dem Gemeinderat eine FortfĂŒhrung des Vertrages, darauf beschloss der Gemeinderat den Vertrag nicht zu kĂŒndigen.

Standort soll auf den UMTS-Standard erweitert werden

Die Telekom möchte den Standort nun auf den UMTS-Standard (ggf spĂ€ter auf LTE – Long Term Evolution bzw. „Digitale Dividende“) erweitern.

Da die momentane Vertragslage eine jĂ€hrliche KĂŒndigung seitens der Gemeinde Hirschberg gestattet, sieht sich die Telekom nicht in der Lage, den Ausbau ohne eine vertragliche Standortsicherung durchzufĂŒhren.

Alle einschlĂ€gigen medizinischen Untersuchungen der vergangenen Jahre, konnten eine SchĂ€dlichkeit von Mobilfunk-Emissionen nicht belegen. Da außerdem alle anderen Netzbetreiber im Ortsteil Leutershausen bereits UMTS als mobile Datenverbindung anbieten, wĂ€re es aus WettbewerbsgrĂŒnden bedenklich, der Telekom den Ausbau zu verweigern. Zu erwĂ€hnen gilt es ferner, dass eine Realisierung auf einem PrivatgrundstĂŒck ohne grĂ¶ĂŸere Voraussetzungen ebenfalls möglich ist.

Der Wunsch der Telekom nach einer neuen Vertragslaufzeit von 20 Jahren wird jedoch von der Verwaltung kritisch gesehen. Die Verwaltung schlĂ€gt daher dem Verwaltungsausschuss vor, nur eine Vertragslaufzeit von zehn Jahren mit einer Option auf weitere fĂŒnf Jahre anzubieten.

Der Verwaltungsausschuss hat in seiner Sitzung am 09. Mai 2012 ĂŒber diesen Sachverhalt beraten und empfiehlt dem Gemeinderat eine VerlĂ€nerung des Vertrages.

In ihrer Pressemitteilung hatte die GLH erklĂ€rt, sie sei schon bei der ursprĂŒnglichen Entscheidung mit diesem Standort nicht einverstanden gewesen und werde einer VerlĂ€ngerung des Pachtvertrages ohne Änderungen auch dieses Mal nicht zustimmen. In der BegrĂŒndung hieß es:

Ernstzunehmende Studien liefern deutliche Hinweise auf gesundheitliche Risiken.

Nachweislich gĂ€be es keine SchĂ€digung fĂŒr Gesundheit und Umwelt, erklĂ€rte jedoch BĂŒrgermeister Manuel Just.

Durch eine Mastversetzung an den Standort Hilfeleistungszentrum, also an den Rand der Gemeinde, so Just, werde im Gegenteil die Gesamtbilanz der Strahlungsbelastung höher:

Je weiter der Mast wegsteht, desto mehr fahren die EndgerÀte ihre Leistung hoch.

Zudem könne jede Privatperson einen Mast aufstellen, da spreche gesetzlich nichts dagegen. Auf die rund 6.000 Euro, die die Mobilfunkanlage der Gemeinde einbringt, zu verzichten, sei, so Just, „fahrlĂ€ssig“.

Und auch Gemeinderat Dr. Jörg Boulanger (CDU) erklÀrte:

Der BUND-Vorsorgewert ist kein gesetzlicher Grenzwert und ist wissenschaftlich nicht belegt.

Oliver Reisig (FDP) bezeichnete eine Standortversetzung als „Placebo-Effekt“, nach dem Motto, was man nicht sieht, schadet nicht:

Aber wenn wir die Strahlenbelastung gering halten wollen, ist die NĂ€he von Vorteil.

„Es gibt Effekte, aber keine medizinischen Effekte. Die Untersuchungen haben der wissenschaftlichen PrĂŒfung nicht Stand gehalten“, so Dr. Horst Metzler (SPD). Man sei gut beraten den Standort zu behalten und den Prozess durchaus kritisch zu begleiten.

Es gĂ€be genau zwei Dinge, die ein Umdenken erforderlich machten, das seien zum einen neue wissenschaftliche Erkenntnisse und andere gesetzliche Grundlagen, sagte Just. FĂŒr ein Gutachten, dass 3000 bis 3500 Euro kosten wĂŒrde, sehe er keinen Grund.

Thomas Herdner (GLH) ging den BĂŒrgermeister an:

Sie können nicht beurteilen, ob Mobilfunk schÀdlich ist. Ich komme mir vor wie im Mittelalter und die Erde ist noch eine Scheibe.

Der BUND-Vorsorgewert sei der richtige Wert, so Herdner:

Die Schweizer und Wiener kĂŒmmern sich anders um ihre BĂŒrger.

BĂŒrgermeister Just reagierte gelassen und sagte:

Was Sie ĂŒber mich gesagt haben, gilt auch fĂŒr Sie. Sie lesen Fachliteratur, ich auch.

Bei drei Gegenstimmen (GLH) wurde der Beschlussvorschlag der Verwaltung, den Vertrag mit der Deutschen Funkturm GmbH fĂŒr den Standort Heinrich-Beck-Halle, fĂŒr eine Laufzeit von zehn Jahren mit einer einmaligen Option auf weitere fĂŒnf Jahre angenommen.

 

Gabis Kolumne

Vom Aussterben der Telefonzellen und der Parkuhren

Öffentlich Telefonieren heute - es gibt sie noch, die Telefonzelle. Aber selten in gutem Zustand.

Guten Tag!

Hirschberg, 09. Januar 2012. Vor kurzem hat Gabi einen Beitrag gehört ĂŒber Dinge, die quasi ausgestorben sind – und dabei ging es nicht um Dinosaurier, sondern um die jĂŒngste Vergangenheit, also um Sachen, die noch vor wenigen Jahren zum Alltag gehörten. Gabi erinnert sich an Telefonzellen und Parkuhren.

Ich kann mich noch gut an den Geruch von Telefonzellen erinnern und vor allem den der Telefonhörer. Der Geruch war eine Mixtur aus Mensch und Rauch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kleine Aschenbecher aus Metall, die aber nie genutzt wurden und ĂŒberall konnte man die Spuren der ausgedrĂŒckten Zigaretten erkennen. Die TelefonbĂŒcher waren meist zerfleddert und die Nummer, die man suchte, war meist in dem Teil, der ausgerissen war.

Systemfragen

Im Sommer war der Gestank und die Hitze in den Telefonzellen unertrÀglich und im Winter nicht viel besser, aber wenn man davorstand und in der KÀlte darauf wartete, dass sie frei wurde, erschien der Innenraum durchaus verlockend.

Vor allem im Urlaub war die Telefonzelle meist die einzige Möglichkeit mit Zuhause zu telefonieren. In jedem Land musste man sich auf ein neues System einstellen, mal erst wĂ€hlen, dann zahlen, mal umgekehrt. In Italien funktionierte telefonieren zu Lire-Zeiten eigentlich nur mit „Gettoni“, die man irgendwo erwerben musste. In England konnte man, wenn man schnell genug war, ein „Gut angekommen“ in den Hörer brĂŒllen, bevor man die MĂŒnzen einwerfen musste.

Und ĂŒberhaupt die MĂŒnzen. Nie hatte man das richtige Kleingeld parat, entweder – damals war telefonieren ja auch noch richtig teuer – waren die ZehnpfennigstĂŒcke in Nullkommanix weg oder aber man hatte eine Mark eingeworfen und der gewĂŒnschte GesprĂ€chspartner war nicht zu Hause und stattdessen telefonierte man mit dem Vater.

Neues Styling – alter Geruch

In meiner Erinnerung sind Telefonzellen immer noch Gelb, obwohl mit dem Wandel von der Deutschen Post AG zur Telekom irgendwann ein Umstyling in grau-pinkfarbene HÀuschen erfolgte, mit schickeren Hörern und komfortabler Tastenwahl. Der Geruch blieb.

Es gibt sie auch heute noch, aber wenn ich ehrlich bin, ich weiß eigentlich nicht, wo hier im Ort die nĂ€chste Telefonzelle steht. Meist sind das nur noch WandgerĂ€te, die man inzwischen auch mit Geldkarten fĂŒttern kann. Und auch heute sind sie selten in gutem Zustand. Ich glaube, die letzten zehn Jahre habe ich keine mehr benutzt und meine Kinder wie auch andere wahrscheinlich noch nie – die haben heute Handys.

Wirklich vermissen tue ich sie nicht, aber natĂŒrlich hatte sie auch ihre VorzĂŒge, so konnte man in der damals noch handylosen Zeit sagen: „Ich hĂ€tte dich ja gerne angerufen, habe aber leider keine Telefonzelle gefunden“, und ein unangenehmes GesprĂ€ch konnte man mit: „Du jetzt habe ich kein Kleingeld mehr“, problemlos abwĂŒrgen.

Ähnlich wie die Telefonzellen verschwinden auch die Parkuhren immer mehr aus den Straßenbildern – und das ist optisch kein Verlust – beziehungsweise werden durch moderne Parkautomaten ersetzt.

Die EinfĂŒhrung des Euros war der Anfang vom Ende

Als der Parkraum immer knapper wurde, fĂŒhrte man in den 50er Jahren die „Parkographen“ – eine amerikanische Erfindung – ein. Die EinfĂŒhrung des Euros 2002 war quasi der Anfang vom Ende, denn eine UmrĂŒstung auf neue MĂŒnzen wĂ€re fĂŒr die Kommunen zu teuer geworden. So begann der Siegeszug der Parkautomaten und wo man frĂŒher pro Parkplatz eine Parkuhr brauchte, reicht heute ein Automat fĂŒr viele.

Auch bei den Parkuhren fehlte mir stĂ€ndig das passende Kleingeld. Und oft konnte man nur fĂŒr eine halbe Stunde MĂŒnzen einwerfen, so dass man stĂ€ndig wieder hinrennen und nachwerfen musste. Erfreulicherweise waren Parkuhren oft kaputt und mussten dann nicht befĂŒttert werden.

Bedauere ich das „Aussterben“ von Telefonzellen und Parkuhren? Nicht wirklich, ich ĂŒberlasse es nostalgischen Sammlern, sich Telefonzellen oder Parkuhren in den Garten zu stellen.

Ich freue mich, dass ich ein Handy habe und keine öffentlichen Telefoniermöglichkeiten mehr suchen muss, finde es praktisch, dass man Parkscheine auch (meist) fĂŒr lĂ€nger als eine halbe Stunde lösen kann, vermisse weder Euroschecks noch Überweisungsformulare, genieße also insgesamt die kleinen Erleichterungen im Alltag. Denn letztlich fahren wir auch nicht mehr mit der Postkutsche und Kerzenlicht. Das ist romantischen Stunden im Urlaub vorbehalten.

gabi