Freitag, 07. Juni 2019

Diese Woche: Tipps und Termine

Rhein-Neckar, Tipps und Termine für den 27. Mai bis 02. Juni 2013. Montags erscheinen unsere Veranstaltungstipps für die laufende Woche. Die Redaktion nimmt gerne weitere Termine und Anregungen auf. Die Kontaktmöglichkeiten finden Sie am Ende der Seite.

Mehr Veranstaltungen vor Ort finden Sie ins unseren Kalendern auf allen Blogseiten im Menü Nachbarschaft im Menü “Termine”. [Weiterlesen…]

Erster Erlebnis-Samstag ein voller Erfolg

Trotz Ungewissheit: Bauernhof-Kindergarten stellt sich vor

An der frischen Luft, zwischen Pferden und Stroh, war der Spaß garantiert: (v.l.n.r.) Ellen Kneier-Jost, Ulrike Fulton und Sanja Veres mit den kleinen Besuchern des Marbacher Hofs.

 

Hirschberg, 28. Januar 2013. (red/aw) Die Finanzierung ist l√§ngst noch nicht gekl√§rt, die Suche nach Investoren ‚Äěm√ľhselig‚Äú. Trotzdem will der Tr√§gerverein ‚ÄúBauernhofkindergarten am Marbacher Hof e.V.‚ÄĚ Kinder und Eltern auf den Geschmack bringen und ein Bewusstsein f√ľr diese Art von Kinderbetreuung schaffen. Beim ersten Erlebnis-Samstag auf dem Marbacher Hof konnte getestet werden, was in Zukunft vielleicht f√ľr sechzehn Kinder Alltag wird: Das Leben auf dem Bauernhof.

Von Alexandra Weichbrodt

Ellen Kneier-Jost ist äußert zufrieden mit der Resonanz auf den ersten veranstalteten Erlebnis-Samstag:

Wir haben heute zw√∂lf angemeldete Kinder, die gerne einmal unseren Bauernhof kennenlernen w√ľrden.

Eine Resonanz, die etwas √ľberraschend ist. Denn noch wei√ü man beim Tr√§gerverein √ľberhaupt nicht, wann der Kindergarten tats√§chlich er√∂ffnen kann. Das Problem: Die Finanzierung. Nachdem der Gemeinderat die Aufnahme in den Haushaltsplan verweigert hat, sind die Vereinsmitglieder selbstst√§ndig auf der Suche nach F√∂rderern und Investoren.

Allerdings ist die Suche sehr m√ľhselig. Wir schreiben viele Stiftungen an, haben schon einige Absagen erhalten, warten aber auch noch auf zahlreiche R√ľckmeldungen,

so Ellen Kneier-Jost, die Leiterin des Marbacher Hofs und zuk√ľnftige Vermieterin des Kindergartens. Sollte er denn er√∂ffnet werden. Daf√ľr k√§mpft sie mit ihrem Mann Reiner Jost, Landwirt und P√§dagoge. Gemeinsam mit drei weiteren Erzieherinnen tr√§umen sie von einem Kindergarten auf dem Bauernhof. Einem Ort, wo der Dialog mit dem Kind im Mittelpunkt steht und individuell herausgefunden werden kann, welche Bed√ľrfnisse das Kind hat.

Dass Eier nicht nur aus dem Supermarkt kommen, ist nur eine Erkentniss von vielen, die die Kinder an diesem Nachmittag machen.

Mit allen Sinnen genießen und erleben

Gepaart mit dem ‚ÄěErlebnis Bauernhof‚Äú soll den Kindern die M√∂glichkeit geboten werden, eine eigenst√§ndige und gemeinschaftsf√§hige Pers√∂nlichkeit zu entwickeln. Dabei helfen sollen Tiere, Natur und landwirtschaftliche Arbeit.

Auf dem Programm des ersten Erlebnis-Nachmittags stand das ‚ÄěKennenlernen der Tiere‚Äú. Pferde, K√ľhe, Schafe, H√ľhner, Schweine, Hunde und Katzen sind auf dem Marbacher Hof zu finden. Da gibt es viel zu gucken f√ľr die kleinen Besucher. Der Rundgang beginnt im Stall, mit einer F√ľhl-Station. Denn auch das geh√∂rt an diesem Nachmittag dazu:

Die Kinder sollen mit allen Sinnen genießen und erleben,

sagt Ulrike Fulton. Auch sie ist Mitglied im Tr√§gerverein und Erzieherin und¬†engagiert sich ehrenamtlich, um zuk√ľnftig eine alternative Art der Kinderbetreuung auf dem Marbacher Hof anbieten zu k√∂nnen. Mit der Geschichte von den frechen H√ľhnern ‚ÄěZick und Zack‚Äú beginnt die Reise durch die Tierwelt auf dem Bauernhof.

Wissen vermitteln und Bewusstsein schaffen

Wie n√∂tig es ist, bei den Kindern ein Bewusstsein f√ľr Tiere und Natur zu schaffen, zeigt die Frage: Woher kommen eigentlich die Eier?

Aus dem Einkaufsladen,

ruft der dreijährige Anton. Die Erklärung, dass dies zwar teilweise stimmt, aber irgendwie dann auch wieder nicht, ist Aufgabe der Pädagogen:

Wir sind √ľberzeugt davon, dass Kinder Natur und Tiere brauchen, damit sie zu integrations- und gesellschaftsf√§higen Mitmenschen heranwachsen k√∂nnen.

Im Stall d√ľrfen die Kleinen f√ľttern, streicheln und staunen. Hier leben K√ľhe, Pferde und Schweine. Mit altem Brot n√§hern sich die ersten Kinder den gro√üen Tieren an. Respektvoll, aber ohne Angst, f√ľttern sie die Hoftiere durch die Gitter.

Paradiesische Rahmenbedingungen

Landwirt Reiner Jost zeigt den Kindern, woher die Eier wirklich kommen.

Die Familie Jost betreibt auf dem Marbacher Hof seit 35 Jahren eine Pferdezucht. 23 Pferde, darunter ein Zuchtbulle und vier Stuten, leben hier. In der Regel werden pro Jahr zwei Fohlen geboren, das nächste kommt im März. Ereignisse, die nicht nur Kinder regelmäßig begeistern. Auch die Eltern bekommen beim Anblick der trächtigen Stute große Augen.

√úberhaupt gibt es eine Menge zu gucken auf dem Bauernhof. Der Marbacher Hof liegt an den Weinbergen am Waldrand. Die bewirtschaftete Fl√§che ist etwa zw√∂lf Hektar gro√ü. Hier wird das Heu f√ľr die Tiere selbst erzeugt und das Brennholz f√ľr den Winter im Wald geholt.

Rahmenbedingungen, die f√ľr die Eltern paradiesisch wirken. Angela aus Schriesheim ist die Mama vom kleinen Anton. Sie ist begeistert von der Anlage und seinen Bewohnern:

Hier hat Anton was zu tun, das ist wichtig. Er langweilt sich schnell und muss immer ‚Äěarbeiten‚Äú.

Beim Schafe f√ľttern, mit Heu und Brot ist er daher ganz vorne mit dabei. Allerdings ist Anton schon drei Jahre alt und geht bereits in einen Kindergarten in Schriesheim. Sollte der Kindergarten auf dem Marbacher Hof er√∂ffnen, w√§re diese Form von Kindergarten bestimmt eine Alternative, die man sich durch den Kopf gehen lassen k√∂nnte. Doch, w√ľrde Mama Angela ihren Anton aus dem jetzigen Kindergarten herausnehmen? Eher nicht.

Da spiele ja viele Faktoren eine Rolle. Ein Wechsel aus der grade erst gewohnt gemachten Umgebung, ist schon schwierig. Hier m√ľsste man dann wirklich abw√§gen, was einem wichtig ist.

Hier könnte bald der Umbau beginnen: Das Gebäude soll den Bauernhof-Kindergarten in Zukunft beherbergen.

Engagement, trotz Ungewissheit

Eine Tatsache, die auch Ellen Kneier-Jost, bei ihrem Fazit des Nachmittags erkannt hat:

Urspr√ľnglich war der Nachmittag f√ľr Kinder von drei bis sechs Jahren, der potenziellen Zielgruppe des Kindergartens. Allerdings haben diese Kinder in der Regel bereits alle einen Kindergarten Platz.

In Zukunft m√ľsse sich also verst√§rkt auf die noch kleineren Kinder konzentriert werden. Denn diese w√§ren schlie√ülich noch auf der Suche nach einem geeigneten Platz. Doch die Zukunft ist ja nach wie vor ungewiss. So¬†bleibt dieser Erlebnis-Nachmittag zwar eine tolle Sache f√ľr Kinder und Eltern, aber konkrete Pl√§ne k√∂nnen weder die Organisatoren noch interessierte Familien damit machen.

Es fehlt nicht mehr an Genehmigungen, es fehlt nur noch das Geld,

sagt auch Reiner Jost. Ihm man anmerkt, wie sehr er gerne loslegen w√ľrde mit diesem Projekt. Die Baugenehmigung f√ľr den Umbau eines Geb√§udes in Kindergarten-R√§umlichkeiten ist erfolgt. Den Umbau w√ľrde die Familie Jost sogar aus eigener Tasche finanzieren.

Aber es geht um die Deckung der dann laufenden Kosten, rund 107.000 Euro im Jahr. Das Gehalt der Erzieherinnen muss gesichert sein, sonst können wir nicht starten.

Best√§tigt auch Sanja Veres. Die Erzieherin w√ľrde sofort ihre Anstellung in einem herk√∂mmlichen Kindergarten aufgeben, um auf dem Marbacher Hof zu arbeiten. Sollte sich bis M√§rz eine Finanzierung ergeben, k√∂nnte im September er√∂ffnet werden.

Doch das ist leider momentan nur Wunschdenken. Wir hoffen einfach, dass wir noch Stiftungen f√ľr unser Anliegen begeistern k√∂nnen,

so Hof-Chef Jost. Die Rahmenbedingungen sind gegeben. Allen Beteiligten merkt man die Freude an ihrem Engagement an.

Der Abschluss eines gelungenen Nachmittags: Stockbrot √ľber dem Lagerfeuer.

Vielleicht kennt ja jemand jemanden, der jemanden kennt.

Die Kinder sind begeistert und die Eltern sind es auch. Nach einer ausgiebigen Tour √ľber den Hof, treffen sich alle am Lagerfeuer. Gemeinsam wird jetzt Stockbrot gemacht. Naturverbunden und bodenst√§ndig soll die Erziehung auf dem Marbacher Hof sein. So wie an diesem Nachmittag. Und wer wei√ü, vielleicht kennt ja jemand jemanden, der¬†jemanden kennt, der dem Tr√§gerverein helfen kann.

Die Hoffnung der Verantwortlichen ist noch da. Den Antrieb geben die kleinen zufriedenen Gesichter. Und auch deren Eltern, die bei Stockbrot und Lagerfeuer gro√ües Interesse an einem Platz in der Zukunft bekunden. Wenn auch nicht jetzt gleich, dann aber vielleicht f√ľr das Geschwisterchen von Anton und Co.

Die n√§chsten Erlebnis-Samstage auf dem Marbacher Hof sind am¬†20.04.2013 und 20.07.2013, jeweils von 14 bis 16 Uhr, geplant. Anmeldungen k√∂nnen √ľber die Homepage des Vereins oder unter 06201-12348 (ab 14.30 Uhr) erfolgen.

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Hund, Katze und Ratte als Weihnachtsgeschenke, alle Jahre wieder

Wenn es unterm Weihnachtsbaum zweimal bellt

Mischlingswelpe aus Wolfsspitz und Siberian-Husky. Foto: Wikipedia, Richard Bartz CC BY SA 2.5

Hirschberg, 21. Dezember 2012 (red/tt). Haustiere eignen sich nicht als Weihnachts√ľberraschung, sagt Jutta Schweidler, Leiterin des Tierheims Weinheim. Dennoch werden jedes Jahr Tiere zu Weihnachten verschenkt. Wenn es dann Schwierigkeiten mit ihnen gibt, das Tier altert oder Tierarztkosten anfallen, wird es oft im Tierheim abgegeben oder sogar ausgesetzt.

Von Timo TammIhr Kind w√ľnscht sich ein Tier zu Weihnachten? Sie w√ľnschen sich ein Tier zu Weihnachten? Bevor es unter dem Weihnachtsbaum bellt, miaut, schn√ľffelt oder raschelt, sollte einiges gekl√§rt sein: Wer geht morgens mit dem Hund raus? Wer f√ľttert die Katze, wenn die Familie in den Urlaub f√§hrt? Was, wenn der Schmusekater an Omas Gardinen klettern √ľbt? Der Tierschutzbund bietet Informationsbrosch√ľren zu den g√§ngigen Haustierarten. Vor Ort ber√§t das Tierheim.

Wie und wo bekommt man ein Tier vermittelt?

Wenn Sie ein Tier in der Tierhandlung kaufen, k√∂nnen Sie es nicht zur√ľckgeben. Deswegen eignen sich Tierheime bei der Tiervermittlung deutlich besser.

sagt Jutta Schweidler. Dort k√∂nnten sich Tier und Halter vorher kennenlernen. Wie in den meisten Tierheimen kontrollieren die Mitarbeiter vor der Vermittlung, ob sich die Wohnung des Interessenten f√ľr eine Haltung des Tieres eignet. Bei abgegebenen Tieren wei√ü das Tierheim meist √ľber dessen Vorgeschichte Bescheid und informiert den Interessenten. Bei ausgesetzten Tieren gibt es nur einen Bericht √ľber das Verhalten w√§hrend der Zeit im Tierheim. √úberhaupt nicht geeignet, um sich ein Tier zuzulegen, sind laut Jutta Schweidler „Tiervermehrer“, bei denen man Tiere √ľbers Internet meist ohne Impfschutz, Informationen und mit vielen Problemen kauft.

Welpen finden alle s√ľ√ü

Jungtiere finden alle s√ľ√ü. Wie viele von ihnen nach Weihnachten abgegeben werden, kann Schweidler nicht beziffern.¬† Bei Kleintieren und Katzen balle es sich am Jahresanfang, bei Hunden eher nicht. Meist werden Tiere √ľber das ganze Jahr verteilt abgegeben, in Weinheim etwa 200 Hunde und noch deutlich mehr Katzen. Meist werden Tiere abgegeben, wenn sie √§lter werden, schwieriger oder sich die Lebensumst√§nde des Halters √§ndern – sei es ein neuer Job, Jobverlust, ein Umzug, neugeborene Kinder, Allergien beim neuen Partner. Im Tierheim Weinheim sind momentan etwa 25 Katzen, 20 Hunde und etliche Kleintiere untergebracht.

Welches Tier eignet sich f√ľr mich?

Beim Tierschutzbund gibt es Brosch√ľren¬†√ľber Aquarienfische, Hunde, Katzen, Nagetiere und V√∂gel. Exotische Tiere eignen sich √ľberhaupt nicht f√ľr die Haltung in einer normalen Wohnung, so Schweidler:

Dazu muss man Spezialist sein und man braucht eine spezielle Umgebung.

Vor der Anschaffung sollte man sich folgende Fragen stellen, rät der Tierschutzbund:

  • ¬† Passt das Tier in meine oder unsere Wohn- und Lebensverh√§ltnisse?
  • ¬† Wann bin ich wie lange zuhause?
  • ¬† Habe ich oder meine Familie gen√ľgend Zeit f√ľr ein Tier?
  • ¬† Kann ich dem Tier besonders beim Hund gen√ľgend Zeit und Raum f√ľr Auslauf bieten?
  • ¬† Habe ich gen√ľgend Geduld f√ľr ein Tier?
  • ¬† Gestattet mir mein Vermieter oder Hausverwalter eine Haltung des entsprechenden Tieres?
  • ¬† Kann ich mir das Tier mit all seinen folgenden Kosten leisten?
  • ¬† Kann ich auch in ein paar Jahren noch f√ľr das Tier sorgen?
  • ¬† Sind mein Partner, meine Mitbewohner oder alle Familienmitglieder mit dem Hausgenossen einverstanden?
  • ¬† Ist die Unterbringung bzw. Pflege bei einem Urlaub bzw. in den Ferien geregelt?

Tiere¬† kosten Geld und das nicht nur beim Kauf: Eine Kastration und die Impfungen k√∂nnen rund 100 Euro kosten. Je nach Gr√∂√üe und Alter des Tieres steigen die Tierarztkosten f√ľr Versorgung und Behandlung. Beim Tierheim Weinheim kostet die Vermittlung einer Katze 100 Euro. Ein Hund kostet 250 Euro. Diese Betr√§ge decken die Kosten f√ľr die Kastration und Impfung, ohne die Tierheimtiere nicht abgegeben werden. Dazu kommen Futterkosten sowie Steuern und eine erh√∂hte Haftpflichtversicherung.

Weitere Informationen: Tierschutzverein Weinheim Zu den Fundtiergemeinden des Tierheims gehören Weinheim, Heddesheim, Hemsbach, Ladenburg, Schriesheim und Hirschberg. Mittwochs gibt es von 9:00 Uhr bis 12:00 Uhr die Möglichkeit mit Tieren Gassi zu gehen, Interessenten dazu können von 15:00 Uhr bis 17:00 Uhr kommen.

Gabis Kolumne

Das System Katze und was ich √ľber mich gelernt habe

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Guten Tag!

Hirschberg, 12. April 2010. Schmusekatze, Haustiger, Kratzb√ľrste – Katzen haben viele Synonyme und wahrscheinlich alle zu Recht. Katzen sind l√§ngst keine Nutztiere mehr, sondern leben in der Familie. Zu Recht? Irgendwie schon, meint Gabi – auch, wenn sie das System Katze erst lernen musste.

Ich habe hier schon viel √ľber meine Kinder und meinen Mann geschrieben, aber zwei Mitglieder unserer Familie habe ich bislang verschwiegen. Und das ist eigentlich str√§flich, haben sich die beiden doch einen festen Platz in unserem Leben erobert: Ich meine unsere beiden Katzendamen.

Als ehemalige Hundebesitzerin war mir das System ‚ÄěKatze‚Äú zun√§chst fremd.

Das System Katze musste Gabi erstmal lernen. Bild: privat

Eine Kollegin erzählte mir vor drei Jahren von jungen Kätzchen auf einem Bauernhof, die keiner wollte. Als die Kinder nicht zuhause waren, fuhren mein Mann und ich eine gute halbe Stunde zu diesem Hof, um uns die Kätzchen anzuschauen.

Hund und Katze?

Dort angekommen sahen wir sofort die Katzenmutter mit drei Jungen und einen riesigen Hofhund. Komisch, dachte ich, die sind wie „Hund und Katze“ hei√üt doch, dass man sich nicht versteht? Ich fragte meinen Mann. Der sagte das, was ich so an ihm „liebe“: „Das kommt darauf an.“

Gemeinsam fraßen Hund und Katzen aus einem sehr großen Napf.

Es kommt also darauf an. Auf was? „Ob die sich kennen und miteinander aufgewachsen sind.“ Aha, dachte ich. Wie im richtigen Leben.

Uns gefiel sofort ein kleines wei√ües K√§tzchen mit einem graugestreiften Schwanz und einem grau-braunen Fleck auf dem R√ľcken, der so aussah, als w√§re der Schwanz in Farbe getunkt worden und h√§tte dann den R√ľcken gestreift.

Das weiße Kätzchen könnten wir gerne mitnehmen, sagte uns der Sohn des Hauses, die anderen beiden seien schon vergeben.

Nutztiere.

In der Scheune sei noch ein weiteres K√§tzchen, von dem er uns aber nur abraten k√∂nne, es sei das j√ľngste aus dem Wurf, w√§re aggressiv, scheu und w√ľrde sofort zubei√üen. Der etwa achtj√§hrige Junge guckte uns herausfordernd an – anscheinend hatte er nicht zum ersten Mal K√§tzchen weggegeben. Ich dachte: Wie kann der so cool sein und erinnerte mich, dass wir auf einem Bauernhof waren, wo die meisten Tiere einen „Nutzen“ haben.

Wir wollten aber gerne zwei Katzen. Der Junge seufzte nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun – zog sich Arbeitshandschuhe an und machte sich auf die Suche. Mit einem kleine Etwas am Handschuh kam er zur√ľck aus der Scheune.

Wie angek√ľndigt, hatte sich die kleine Katze in den Handschuh verbissen und zappelte und kratzte. Auf dem Boden abgelegt fauchte sie, was das Zeug hielt.

Liebe auf den ersten Blick.

Und ich sah es genau, schon beim ersten Blick hatte sich mein Mann unsterblich verliebt.

Mit zwei v√∂llig ver√§ngstigten Katzen im Auto machten wir uns auf den R√ľckweg.

Die n√§chsten Tage verbrachten wir damit, die beiden unter dem Sofa oder hinter dem Schrank hervorzulocken. Und schon nach kurzer Zeit wurde das wei√üe K√§tzchen sehr zutraulich und war bald der Liebling der Kinder. Die kleine ‚ÄěWilde‚Äú, war ein vollkommen versch√ľchtertes Tier, das sich kaum ans Futter traute und √ľber Wochen sofort anfing zu fauchen, wenn sich ihr jemand n√§herte.

Das ist jetzt drei Jahre her. Und von Sch√ľchternheit keine Spur mehr. Hat man einen Hund, ist man sein ‚ÄěHerrchen/Frauchen‚Äú, hat man Katzen so ist man ihr ‚ÄěDiener‚Äú.

Denn obwohl eine Katzenklappe den beiden ‚ÄěDamen‚Äú erm√∂glicht jederzeit von Drinnen nach Drau√üen und umgekehrt zu gelangen, sorgen die beiden mit lautem Miauen und vorwurfsvollem Blick daf√ľr, dass wir t√§glich unz√§hlige Male die Haus- oder die Terrassent√ľr √∂ffnen, um sie raus oder rein zu lassen.

Jammern gehört zur Liebe.

Wenn ich morgens die K√ľche betrete, muss ich innerhalb der n√§chsten 5 Sekunden die Futtern√§pfe f√ľllen, denn das j√§mmerliche Miauen und das Umstreifen meiner Beine, erinnert mich daran, dass hier zwei kurz vorm Verhungern sind – dramatischer geht-‚ā¨‚ĄĘs nicht. Keins meiner Kinder hat je diesen Nerv getroffen, der mich fernsteuert wie eine Puppe.

Katzenk√∂rbchen? Fehlanzeige. Beide haben sich inzwischen Pl√§tze auf dem Sofa erobert. Dies wiederum geschieht nahezu lautlos raffiniert. Erst kuscheln sie sich an, wenn man auf dem Sofa sitzt oder liegt – und wer br√§chte es da √ľbers Herz, sie da zu verscheuchen – und dann liegen sie zuf√§llig auch mal dort, wenn keiner von uns dabei ist. Und irgendwann ist klar, dass es √ľberhaupt keine Diskussion dar√ľber gibt, dass das ihr Platz ist.

Und jetzt noch was zum Thema Jagd. Wer Katzen hat, darf nicht zimperlich sein.

Grausame Natur?

Unsere wei√üe Katze ist eine hervorragende J√§gerin. Sobald der Fr√ľhling kommt, bringt sie uns kleine und gro√üe M√§use, mit s√ľ√üen Augen. Meistens lebend, denn Katzen sind ja „verspielt“.

Als Liebesbeweis bekam unser Sohn letzten Sommer einen Vogel ins Zimmer nicht ge-, sondern zerlegt. Bett und Boden waren √ľbers√§t mit Federn, es sah aus wie ein Schlachtfeld.

Aber auch die Reste eine Mäusemahls sind nicht wirklich lecker.

Unsere J√§gerin ist nicht nur gro√üartig im Fangen, sondern – und das k√∂nnen Sie mir jetzt glauben oder nicht – sie imitiert auch Vogelstimmen. Sie sitzt vor der Terrassent√ľr, beobachtet die V√∂gel im Garten und gibt gurrende Ger√§usche von sich, die sich manchmal auch anh√∂ren wie ein Gackern.

Die ehemals ‚ÄěWilde‚Äú ist sich f√ľr die Jagd meist zu fein oder es ist ihr einfach zu anstrengend, weil man ja auch sonst nicht verhungern muss.

Katzen lassen lieben.

Und während man von seinem Hund treu geliebt wird, lassen Katzen lieben.

Trotzdem: Kommen wir nach Hause, sind sie meist sofort zur Stelle. Schon von Weitem erkennen sie das Geräusch des Autos und sobald wir in den Hof fahren, kommen sie angetrottet.

W√ľrde man jetzt erwartet, freudig begr√ľ√üt zu werden, w√ľrde man entt√§uscht. Katzen haben eine andere Sprache – sie ist oft zur√ľckhaltender, manchmal aber auch unerbittlich herzerw√§rmend, vor allem, wenn sie voller Zufriedenheit schnurren.

Der Blick, mit dem wir begr√ľ√üt werden, sagt: ‚ÄěGut, dass ihr wieder da seid‚Äú. Dann drehen sich unsere Katzen um, und gehen wieder ihren Weg.

Sie sind Teil der Familie, l√§ngst keine „Nutztiere“ mehr, nicht wild, aber irgendwie doch.

Auch nach drei Jahren lerne ich immer noch das „System Katze“ – und das gibt einem etwas f√ľrs Leben mit.