Mittwoch, 12. Juni 2019

Die Darstellung und Erreichbarkeit von Kommunalpolitikern ist oft ungen√ľgend

Hallo? Ist da jemand?

gemeinderat uebersicht

Beispiel Schriesheim: Teils fehlen Informationen zu den Lokalpolitikern, meist sind Darstellung und √úbersicht mangelhaft. Man hat den Eindruck, die Gemeinder√§te wollen nicht wirklich f√ľr die B√ľrger erreichbar sein.

 

Rhein-Neckar, 31. Oktober 2014. (red/ms) W√§re das nicht sch√∂n? Man hat Fragen zu kommunalpolitischen Themen und kann sich damit direkt an Gemeinde- oder Stadtr√§te wenden. Manche Kommunen in unserem Berichtsgebiet¬†machen es B√ľrgern leicht, ihre Politiker zu erreichen, indem sie auf ihren Internetseiten √úbersichten mit Kontaktdaten anbieten – doch vielerorts sind diese Angaben mangelhaft und von Transparenz kann keine Rede sein. Teilweise ergibt sich der Eindruck, die Lokalpolitiker wollten gar nicht erreicht werden.¬† [Weiterlesen…]

Lokaljournalismus 2.0

Vier Jahre Heddesheimblog: Wie aus Zufall ein System wurde

moma_prothmann

Hardy Prothmann, Chefredakteur, in einem Beitrag von ARD-Morgenmagazin zur Krise des Journalismus.

Heddesheim/Rhein-Neckar, 12. Mai 2013. Das Heddesheimblog.de und die anderen Ortsblogs gibt es nun seit vier Jahren – wir freuen uns sehr, dass wir diese vier Jahre √ľberstanden haben und uns vor Ort, in der Region und sogar dar√ľber hinaus etablieren konnten. Ein Blick zur√ľck ist immer auch einer nach vorne. [Weiterlesen…]

Zeitgemäßes Design, "neue Maßstäbe" (bisher) Fehlanzeige

Ländle mit neuer Homepädsch

Rhein-Neckar, 04. Februar 2013. (red/zef) Seit dem 01. Februar 2013 hat das Land Baden-W√ľrttemberg eine neue Online-Plattform. Die Homepage soll neue Ma√üst√§be setzen, damit ‚Äěsich die B√ľrgerinnen und B√ľrger mit Politik auseinandersetzen‚Äú, sagt die Silke Krebs, Ministerin im Staatsministerium. Wir haben uns die Seite angeschaut: „Neue Ma√üst√§be“ gilt im Vergleich mit der alten Seite bestimmt, das Design ist frisch und modern ‚Äď inhaltlich und konzeptionell kann die Seite aber durchaus noch zulegen. Immerhin: In den ersten drei Stunden nach dem Start am 1. Februar haben bereits 2.500 Menschen insgesamt 15.000 Seiten aufgerufen – und das innerhalb von drei Stunden.

Von Ziad-Emanuel Farag

Oben sind die f√ľnf strukturierenden Elemtente zu sehen, darunter der anschauliche Slider mit aktuellen Artikeln. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Sofort sticht der ansprechende Slider ins Auge. Dieser pr√§sentiert aktuelle politische Themen anschaulich. Hier kommen nicht nur Artikel, sondern auch andere Medien wie Videos oder Fotostrecken zum Einsatz¬† Aktuelle Beispiele w√§ren: Ein Zeitstrahl dar√ľber,was die gr√ľn-rote Landesregierung bisher geleistet hat, die Ganztagsschule oder die Bildungsgerechtigkeit. Man kann den Slider automatisch die Artikel abspielen lassen oder einfach bequem per Pfeil in der Mitte oder der Navigationsleiste unten wechseln.

Besonders brisant wirkt der „transparente Landeshaushalt“. Hier gibt es zwar viel Zahlenwerk: Das Regierungspr√§sidium Stuttgart erh√§lt 8,4 Millionen Euro f√ľr Bundesautobahnen, w√§hrend Kalrsruhe 4,4 Millionen Euro erh√§lt . Viele Fragen bleiben hier aber v√∂llig unbeantwortet: Wieviel Geld wird in welche Autobahnen investiert? Da stehen viele Zahlen – ohne weitere Informationen sind sie kaum zu nutzen. Da steht gar nichts! Bei den Hochschulen ist der Landeshaushalt auch sehr pauschal: Einzeln aufgeschl√ľsselt werden die aktuellen Zuwendungen f√ľr Bauma√ünahmen. √úber die Verteilung der restlichen 336 Millionen Euro erf√§hrt man nichts. Blo√ü keine Verteilungskritik riskieren, scheint hier die Devise zu lauten. Der „transparente Landeshaushalt“ verspricht mehr als er h√§lt. Die Bedienung ist zudem √§u√üerst umst√§ndlich.

Die Seite unterteilt sich ingesamt in f√ľnf Rubriken: ‚ÄúUnser Land‚ÄĚ, ‚ÄúRegierung‚ÄĚ, ‚ÄúBW gestalten‚ÄĚ ‚ÄúService‚ÄĚ und ‚ÄúBeteiligungsportal‚ÄĚ. Die ersten vier erm√∂glichen eine einfache Orientierung. Legt man den Cursor auf einer dieser Buttons, wird eine umfangreiche, aber √ľbersichtliche Auflistung der Unterpunkte angezeigt. In der Rubrik „Regierung“ gelangt man schnell zu Vorstellungen der Regierungsmitglieder und ihrer Ministerien. „Unser Land“ bietet einen √úberblick √ľber alles Erdenkliche zu Baden-W√ľrttemberg. Geschichte, Geografie, Landesverfassung, ein Quiz zur Unterhaltung, Traditionen, hier ist alles dabei.

„BW gestalten“ erkl√§rt, wie Baden-W√ľrttemberg k√ľnftig aussehen soll:¬† „Erfolgreiches Baden-W√ľrttemberg“ (Wirtschaftspolitik), „Schlaues Baden-W√ľrttemberg“ (Bildungspolitik), „Nachhaltiges Baden-W√ľrttemberg (Energiepolitik)“, „B√ľrgernahes Baden-W√ľrttemberg (B√ľrgerbeteiligung und Integration)“ und „Gerechtes Baden-W√ľrttemberg (Gleichstellung, Inklusion, Gesundheitspolitik)“. Dies liest sich aber zunehmend fade, irgendwann hat man dann genug von Baden-W√ľrttemberg. Wenigstens fasst die Landesregierung hierbei ihre politischen Ziele unter wenigen, verst√§ndlichen Schlagworten zusammen. In der Rubrik „Service“ erh√§lt der Leser viele Informationen, um Kontakt zu √Ąmtern aufzunehmen, sich einen √úberblick √ľber Publiktationen zu verschaffen oder einfach einen Ansprechpartner zu erhalten.

Die Detailansicht in den einzelnen Rubriken. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Das „Beteiligungsportal“ schlie√ülich soll k√ľnftig ‚ÄúMehr Demokratie klicken‚ÄĚ gew√§hrleisten. Dem m√ľssen jedoch au√üer blo√üen Ank√ľndigungen Taten folgen. Daf√ľr gibt es bereits auf der Startseite einen Textkasten, in dem man schnell eine Frage an die Landesregierung eintippen kann. Wir haben diese Funktion mit einer Frage am Freitag selbst getestet. Bis heute, den 04. Februar 2013, 17:00 Uhr haben wir noch keine Antwort erhalten.¬† Am, Dienstag, den 05. Februar, wurde sie um 14:43 beantwortet.

Wir erinnern uns: Baden-W√ľrttemberg soll gerecht werden. „Menschen mit Behinderung geh√∂ren in die Mitte der Gesellschaft. Deshalb bauen wir Barrieren und Benachteiligungen ab.“ Nirgendwo geht das schneller und einfacher als online. Eine Seite, die m√∂glichst alle mit Behinderungen leicht nutzen k√∂nnen, ist unverhandelbar: Nirgendwo gibt es so wenige Barrieren wie am eigenenen Rechner. Hier scheitert die neue Homepage aber: Einige Artikel k√∂nnen zwar vorgelesen werden. Dies geschieht jedoch so blechern, dass man dem nicht folgen kann. Wenn doch, w√ľrde man es nicht wollen. Mit den verbreiteten Leseger√§ten f√ľr Blinden f√§llt es diesen also deutlich einfacher, sich zu informieren. Der Button daf√ľr ist viel zu klein. Sehbehinderte d√ľrften ihn nicht ausmachen k√∂nnen. Hier w√§re es ratsam, die entsprechende Funktion in der Zeile der √úberschrift zu platzieren anstatt neben der Unter√ľberschrift.

Die Vorlesefunktion ist in dieser Zeile nur schwer zu sehen. Quelle: www.baden-wuerttemberg.de

 

Der neue Ma√üstab muss also noch ordentlich Ma√ü nehmen, um tats√§chlich √ľberzeugen zu k√∂nnen. Immerhin, ein Anfang ist gemacht und man darf gespannt sein, was noch folgt.

Kommunale Vertretung will Transparenz verhindern

St√§dtetag Baden-W√ľrttemberg zeigt abgeordnetenwatch.de an

Was bitte soll hier gesch√ľtzt werden? F√ľr Bruchsal gibt es bereits eine Seite bei abgeordnetenwatch.de und anscheinend sind die "Freizeitpolitiker" bereit, mitzumachen. Der St√§dtetag sieht das anders und hat die NGO angezeigt.

 

Rhein-Neckar/Stuttgart/Hamburg, 25. Mai 2012. (red) Der St√§dtetag Baden-W√ľrttemberg hat in Vertretung seiner Mitglieder, 180 St√§dte und Gemeinden des Landes, das unabh√§ngige NGO-Portal abgeordnetenwatch.de beim Hamburger Datenschutzbeauftragten angezeigt. Nach Angaben von abgeordnetenwatch erfolgte die Anzeige kurz nach dem Start von Seiten f√ľr Baden-W√ľrttemberg. Aus anderen Bundesl√§ndern gab es keinen Widerstand. Der St√§dtetag will verhindern, dass Daten kommunaler Politiker ver√∂ffentlicht werden. Tats√§chlich darf man vermuten, dass Transparenz verhindert werden soll.

Von Hardy Prothmann

Es ist ein Skandal erster G√ľte und macht einfach nur fassungslos, wie sich der kommunale Spitzenverband „St√§dtetag“ auff√ľhrt. Besonders interessant ist die Herabstufung der ehrenamtlich t√§tigen Gemeinder√§te zu „Freizeitpolitikern“.

Dokumentation der Anzeige:

Der St√§dtetag Baden-W√ľrttemberg macht im Wesentlichen geltend, dass die Ver√∂ffentlichung personenbezogener Informationen auf der von Ihrem Verein betriebene Internetplattform http://www.abgeordnetenwatch.de datenschutzrechtlich unzul√§ssig sei bzw. die schutzw√ľrdigen Interessen der Mitglieder der kommunalen Volksvertretungen h√∂her zu gewichten sind, als die durch die Plattform erzeugte Transparenz die T√§tigkeit der kommunalen Einrichtungen. Nach Auffassung des St√§dtetages sei eine Nennung der Mitglieder nur zul√§ssig, wenn dies nicht gegen den Willen der Betroffen erfolgt. Es handele sich bei diesen Mitgliedern, anders als bei Mitgliedern der Landesparlamente oder des Bundestages, um Freizeitpolitiker. Sie seien daher schutzw√ľrdiger als Berufspolitiker und unterl√§gen nicht denselben Transparenzanforderungen, wie dies bei den Volksvertretungen auf Landes- bzw. Bundesebene der Fall sei.

Sicher erhalten die Gemeinde- und Stadtr√§te nur eine Aufwandsentsch√§digung und gehen sonst anderen Berufen nach – oder sind oft auch schon Rentner. Tats√§chlich werben sie im Vorfeld von Kommunalwahlen mit ihrem Namen und Fotos f√ľr sich, treten bei √∂ffentlichen Veranstaltungen h√§ufig als Vertreter von Parteien vor Ort auf, Medien zitieren die Gemeinder√§te regelm√§√üig und auf den Homepages vieler Gemeinden sind Fotos und Kontaktdaten der Gemeindratsmitglieder ver√∂ffentlicht.

Der St√§dtetag, der mehr oder weniger ein B√ľrgermeisterverein ist und deren Interessen vertritt, hat vielleicht noch nicht bemerkt, dass Gemeinder√§te Jahr f√ľr Jahr √ľber Millionensummen entscheiden, alle Haushalte zusammengenommen √ľber mehrere Milliarden Euro √∂ffentlicher Steuergelder. Die Hauptaufgabe der Gemeinder√§te ist die Entscheidung √ľber die Mittelverwendung des Haushalts.

Schutzw√ľrdige Daten?

Die Daten, die abgeordnetenwatch.de erfasst und ver√∂ffentlicht unterscheiden sich nicht wesentlich von den Daten, die man selbst recherchieren kann und die in den meisten F√§llen von den Gemeinder√§ten freiwillig ver√∂ffentlicht werden. Es gibt allerdings einen Unterschied zu Gemeindeseiten: Man kann den Politikern Fragen stellen und dann schauen, ob und wie diese beantwortet werden. Dadurch wird Transparenz erzeugt und die √Ėffentlichkeit erh√§lt wesentliche Informationen zur freien Meinungsbildung.

Wer im Jahre 2012 nicht bereit ist, sich den Fragen der Bev√∂lkerung zu stellen, der sollte auch nicht bereit sein, sich als Kommunalpolitiker w√§hlen zu lassen. Denn als Gemeinderat trifft man keine „Privatentscheidungen“, sondern wirkt an der Gestaltung des √∂ffentlichen Lebens und der Infrastruktur einer Kommune aktiv mit. Man wird als Person und nicht als „Neutrum“ gew√§hlt.

Dialog vs. Politikverdruss

Der Politikverdruss ist h√§ufig schon so gro√ü, dass viele B√ľrger die Gemeinderatssitzungen nicht mehr besuchen. Allzu h√§ufig handelt es sich um „Closed-Shops“ – wichtige Entscheidungen sind schon vorher ausgekl√ľngelt worden. Echte Debatten finden kaum statt. Und statt sich Fragen der √Ėffentlichkeit zu stellen, will der St√§dtetag nun erreichen, dass dieses b√ľrgerferne System so gut es geht gesch√ľtzt bleibt.

Ein Beispiel: In Heddesheim hat der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Joseph Doll unsere Redaktion √ľber einen Heidelberger Anwalt, der h√§ufig f√ľr Gemeinden t√§tig ist, abmahnen lassen. Der Grund: Wir sollten Aussagen unterlassen. Das haben wir nicht gemacht, sondern reihenweise Aussagen erneut ver√∂ffentlicht, weil sie wesentlich f√ľr die Meinungsbildung sind.

Wir haben geantwortet, dass wir das gerne gerichtlich feststellen lassen, ob ein CDU-Gemeinderat und Fraktionsvorsitzender ein Foto von sich auf einer √∂ffentlichen Veranstaltung per Abmahnung verhindern kann. Wir haben dann nichts mehr vom Anwaltsb√ľro geh√∂rt.

Es ist absolut unverst√§ndlich, wenn Gemeinder√§te einerseits voller Stolz √ľber ihr Amt gerne bei Festen oder anderen Anl√§ssen auftreten und sicher auch die ein oder andere Verg√ľnstigung in Anspruch nehmen und andererseits verlangen, dass sie ansonsten Privatpersonen mit hohen schutzw√ľrdigen Interessen sind und sie sich einem Dialog verweigern.

Der Gemeinderat ist das Hauptorgan der Gemeinde. Hier wird √ľber Wohl und Wehe der Kommunen entschieden. Und gew√§hlte Vertreter dieser Gremien t√§ten gut daran, endlich zu verstehen, dass sie auch w√§hrend der Amtszeit der √Ėffentlichkeit gegen√ľber verpflichtet sind und sich mit den B√ľrgern austauschen und nicht nur, wenn Kommunalwahl ist.

Wir werden abgeordnetenwatch.de dabei unterst√ľtzen, schnellstm√∂glich auf f√ľr die Gemeinden in Nordbaden diesen Service anbieten zu k√∂nnen. Wer uns dabei unterst√ľtzen m√∂chte, kann uns schreiben: redaktion(at)rheinneckarblog.de

Hintergrund:

abgeordnetenwatch.de

abgeordnetenwatch.de ist der direkte Draht von B√ľrgerinnen und B√ľrgern zu den Abgeordneten und Kandidierenden. „B√ľrger fragen – Politiker antworten“ ist der Kern des Portals. Der √∂ffentliche Dialog schafft Transparenz und sorgt f√ľr eine Verbindlichkeit in den Aussagen der Politiker. Denn alles ist auch Jahre sp√§ter noch nachlesbar. Daneben werden auf abgeordnetenwatch.de das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten und ihre Nebent√§tigkeiten √∂ffentlich. Mit monatlich fast 400.000 Besucherinnen und Besuchern sowie gut 4 Mio. Seitenabrufen ist abgeordnetenwatch.de das gr√∂√üte politische Dialogportal Deutschlands. (Quelle: abgeordnetenwatch.de)

Städtetag

Der St√§dtetag Baden-W√ľrttemberg ist ein kommunaler Spitzenverband, dem 180 St√§dte des Landes Baden-W√ľrttemberg mit insgesamt rund 6,3 Millionen Einwohnern angeh√∂ren. Mitglieder sind au√üerdem der Kommunalverband f√ľr Jugend und Soziales Baden-W√ľrttemberg, die badenova AG & Co. KG., der badische Gemeinde-Versicherungs-Verband (BGV), die W√ľrttembergische Gemeinde-Versicherung a.G. (WGV) und der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU). Der St√§dtetag ist privatrechtlich als eingetragener Verein organisiert. Er ist unabh√§ngig von staatlicher Aufsicht und staatlichen Einfl√ľssen, Zusch√ľsse werden nicht gew√§hrt. Der St√§dtetag ist Mitglied und Landesverband des Deutschen St√§dtetages. Der St√§dtetag Baden-W√ľrttemberg hat eine Gesch√§ftsstelle mit Sitz in Stuttgart. (Quelle: Wikipedia)

Transparente Politik: Wie die kleine Gemeinde Seelbach anderen zeigt, was die Zukunft ist

Guten Tag!

Rhein-Neckar/Seelbach, 16. November 2011.¬†W√§hrend sich die Bundesregierung seit kurzem scheinbar transparent gibt, gibt es sie bereits seit langem: Die echte Transparenz. Ein kleiner Ort im Schwarzwald macht vor, was andere nur vorgeben zu tun: transparente Politik. Die Gemeinde Seelbach √ľbertr√§gt, als w√§re das eine Selbstverst√§ndlichkeit, die Gemeinderatssitzungen √ľbers Internet. Einfach so. Und alle sind zufrieden.

Kommunalpolitik zuhause √ľber den Bildschirm des Computers im Internet verfolgen – was vor zehn Jahren schier undenkbar schien, ist heutzutage kein Problem mehr. Zumindest technisch gesehen – in vielen K√∂pfen hingegen ist das noch eine „unerh√∂rte“ Sache.

Weniger Zuschauer im Saal können es nicht werden.

Dabei ist die Zuschauerresonanz bei den Gemeinderats- und Ausschusssitzungen meist mehr als √ľberschaubar. H√§ufig kommen gar keine G√§ste.

Dabei ist das politische Interesse der Bev√∂lkerung durchaus gegeben – aber zwei, drei Stunden, manchmal noch l√§nger zum Schweigen verurteilt im Raum zu sitzen, daf√ľr haben nur wenige Zeit. Dabei interessieren sich die Menschen f√ľr die Ortspolitik. Reden auf der Stra√üe, in der Kneipe, im Freundeskreis √ľber das, was sie aus zweiter, dritter, vierter Hand haben.

Viele Themen sind nicht wirklich spannend – andere daf√ľr aber von gro√üer Bedeutung.

Wer noch arbeitet, gerade m√ľde nach Hause gekommen ist oder sich um die Kinder k√ľmmern muss, kann eventuell den Sitzungstermin nicht wahrnehmen, w√ľrde sich aber gerne sp√§ter anschauen, was verhandelt worden ist.

Transparenz gibt Antworten und vermeidet Spekulationen.

Wer will es aber dem eigentlich interessierten B√ľrger ver√ľbeln, sich den Weg ins Rathaus zu sparen, wenn Entscheidungen und Beschl√ľsse in den Medien nachzulesen sind? Aber berichten diese Medien wirklich vorbehaltlos? Haben sie wirklich alle wichtigen Informationen richtig √ľbermittelt? Oder wird gerne was vergessen, was nicht „in den Bericht passt“?

Wer wirklich informiert sein will, kennt das Original und vergleicht das mit der „√úbermittlung“ durch andere.

Wird jemand falsch oder nicht zutreffend zitiert? Wie soll man das wissen, wenn man nicht dabei war?¬†Was sagen B√ľrgermeister und Gemeinder√§te in den √∂ffentlichen Sitzungen tats√§chlich? Wer sagt was? Wor√ľber und wie wird abgestimmt?

Alles live oder im Archiv abrufbar: Die Seelbacher Gemeinderatssitzungen werden bereits seit 2004 im Internet √ľbertragen.

Eine Live-Berichterstattung kann den B√ľrgern all diese Fragen beantworten, ohne dass diese das Haus verlassen m√ľssen – beispielsweise auch √§ltere Menschen, von denen immer mehr das Internet als Anschluss zur Welt sch√§tzen lernen.

Widerstand kommt vor allem von den Gemeinderäten.

Die Betreiber lokaler Blogs und Internet-Lokalzeitungen k√§mpfen gegen¬†viel Widerstand¬†– gegen verstaubte Hauptsatzungen und viele¬†Vorurteile lokaler Politiker. Einen (vorerst) weiteren, bedingt erfolgreichen Versuch, Lokalpolitik live ins Netz zu √ľbertragen, gab es im September in Passau, wo einiger Wirbel um das Thema entstand.

Vor allem die SPD machte die Modernisierung zur Provinzposse – die SPD-Mitglieder wollten sich auf keinen Fall aufnehmen und zeigen lassen. So h√§tte die √úbertragung mit jeder SPD-Wortmeldung unterbrochen werden m√ľssen. Nachdem sich die SPD in Passau der L√§cherlichkeit preisgegeben hat, hat man sich besonnen und ist nun doch „auf Probe“ einverstanden, wie der Bayerische Rundfunk berichtet.

Engagierte Sch√ľler und 5.000 Euro Budget f√ľrs B√ľrgerfernsehen.

Es geht aber auch anders, wie eine kleine Gemeinde im Schwarzwald¬†zeigt. Unter dem Titel¬†Seelbach-TV¬†√ľbertr√§gt die Gemeinde Seelbach¬†bereits seit 2004 alle Gemeinderatssitzungen ins Netz und bietet sie anschlie√üend l√ľckenlos zum Download¬†√ľbers Internet an.

Das Gesamtbudget daf√ľr betr√§gt vergleichsweise g√ľnstige 5.000 Euro pro Jahr. Acht bis neun Sch√ľlerinnen und Sch√ľler der √∂rtlichen Realschule f√ľhren in wechselnden Teams zwei Kameras und bedienen die sonstige Technik. Die Fachhochschule Kehl betreut das Projekt als Partner.

In den Sitzungen haben wir nie so viele Zuschauer, sagt Pascal Weber.

Hauptamtsleiter Pascal Weber ist begeistert: „Aus unserer Sicht ist das Projekt ein toller Erfolg.“¬†Das zeigen die „Einschaltquoten“ der 5.000-Einwohner Gemeinde: mehrere Dutzend bis weit √ľber 100 „Zuschauer“ hat das B√ľrger-TV in Seelbach. Regelm√§√üig.

Rechnet man diese Zahlen hoch, w√§ren das beispielsweise f√ľr Hirschberg an der Bergstra√üe 60-180 Besucher pro Sitzung, f√ľr Ladenburg 70-200, f√ľr Weinheim 250-720 Besucher. Tats√§chlich nimmt in Hirschberg oft niemand, manchmal wenige und sehr selten vielleicht ein Dutzend Besucher teil. Der aktuelle Besucherrekord in Weinheim war 2011 im Oktober mit rund 130 Zuschauern zum Aufregerthema „Breitwiesen“ – sonst sind ein paar bis h√∂chstens ein Dutzend Zuschauer die „H√∂chstgrenze“ an Interesse.

SeelbachTV.de - Transparenz als Normalzustand.

Die Skepsis war schnell vorbei.

Gab es keine Bedenken? „Doch“, sagt Hauptamtsleiter Weber:

Zu Beginn waren rund ein Drittel unserer 18 Gemeinderäte skeptisch. Was wenn ich stammle oder blöd wirke, so in der Art waren die Bedenken. Aber nach den ersten paar Sitzungen hat sich die Skepsis gelegt und seitdem achtet keiner mehr auf die Kameras. Die gehören dazu.

Wer denkt, Seelbach ist vielleicht ein Ort, den „Aktivisten“ √ľbernommen haben, irrt. Seelbach ist eine absolut typische Gemeinde. Die CDU stellt sieben, eine Freie W√§hlerliste sechs und die SPD f√ľnf Gemeinder√§te – die meisten sind zwischen 50 und 60 Jahre alt.

Rechtlich abgesichert.

Rechtlich ist die √úbertragung abgesichert: Alle Gemeinder√§te und Verwaltungsangestellte haben ihre Zustimmung erkl√§rt und B√ľrger werden in der Fragestunde um Erlaubnis gebeten: „Da hat noch nie einer widersprochen“, sagt Pascal Weber. Und laufen die Sitzungen anders als sonst? „√úberhaupt nicht, die Gemeinder√§te sprechen ihr breites Badisch und diskutieren die Themen wie immer.“

Seelbach ist insgesamt ein anschauliches Beispiel, wie transparente Lokalpolitik aussehen kann. Auf der Gemeindeseite werden die Beschlussvorlagen zu den Gemeinderatssitzung schon im Vorfeld ver√∂ffentlicht (inkl. aller Zahlen und Fakten) und auch die Sitzungsprotokolle stehen nach den Sitzungen schnell und dauerhaft online zur Verf√ľgung.

Das sind traumhaft transparente Zustände Рim Vergleich zu dem Großteil der Kommunen im Land ist Seelbach hier Spitzenreiter. Universitätsstädte wie Heidelberg sind dagegen altbacken Рhier wurde Ende 2009 eine Live-Übertragung aus dem Gemeinderat per Beschluss verhindert.

Teilhabe erfodert auch mehr Transparenz der Entscheidungen.

Und wie traurig sind die Zust√§nde in Nordbaden, unserem Berichtsgebiet: Pfenning¬†in Heddesheim, der Sterzwinkel in Hirschberg und aktuell „Breitwiesen“ in Weinheim sind drei absolute Negativbeispiele. Intransparente Entscheidungen am B√ľrger vorbei pr√§g(t)en diese „Vorhaben“. Vieles wurde im Hinterzimmer entschieden, nicht-√∂ffentlich und es ist kein Wunder, dass die Menschen alle Formen von Kl√ľngel mutma√üen.

Der Forderung nach Transparenz und B√ľrgerbeteiligung steht die Realit√§t gegen√ľber. Hier vor Ort werden so viele Themen wie m√∂glich sogar bevorzugt „nicht-√∂ffentlich“ verhandelt.

Wer das √§ndern m√∂chte, kann sich an den Gemeinderat seines Vertrauens wenden und nachfragen, wie lange das noch mit der Geheimniskr√§merei weitergehen soll und ob man nicht endlich bereit ist, im 21. Jahrhundert anzukommen und sich das Interesses und die Kompetenz der B√ľrgerinnen und B√ľrger zunutze zu machen.

Mehr zum Thema gibt es auf dem Politblog [x Politics]. Dort geht es um Trends und Bewegungen, die fernab der parteipolitischen Tagesagenda die gesellschaftliche Zukunft gestalten und verändern.

Anmerkung der Redaktion:
Der vorliegende Artikel ist eine √ľberarbeitete Fassung. Das Original wurde von der Tegernseer Stimme im bayerischen Gmund ver√∂ffentlicht, die ein √§hnliches Lokalzeitungsnetzwerk betreibt wie unser Angebot. Der Gesch√§ftsf√ľhrer der Lokalen Stimme, Peter Posztos und Hardy Prothmann, verantwortlich f√ľr dieses Blog, betreiben zusammen die Firma istlokal Medienservice UG (haftungsbeschr√§nkt), deren Gesch√§ftsziel der Aufbau von unabh√§ngigen Lokalredaktionen zur F√∂rderung der Meinungsvielfalt und Demokratie ist.

Unter istlokal.de sind bislang rund 50 lokaljournalistische Angebote in einer Arbeitsgemeinschaft organisiert. Die Lokaljournalisten tauschen √ľber weite Strecken hinweg Themen und Erfahrungen aus, die woanders vor Ort ebenfalls wichtig sind. Dabei nutzen sie das „weltweite Netz“ hei√üt, um vor Ort kompetent, interessant, aktuell und hintergr√ľndig zu informieren.

Es sieht b√∂se aus mit dem „Journalismus“


Journalismus? Haha. Quelle: Kontext

Rhein-Neckar/Stuttgart, 08. Juni 2011 (red) In Stuttgart erscheint seit ein paar Wochen die kostenlose Zeitung „Kontext„. 200.000 Euro haben private Spender bereit gestellt, um das Projekt mindestens ein Jahr zu finanzieren. Einer der Spender ist Edzard Reuter. F√ľr Kontext arbeiten „altgediente“ Zeitungsjournalisten. Aktuell rechnet Bruno Bienzle, bis 2007 Lokalchef der Stuttgarter Nachrichten, mit dem „Pressewesen“ ab.

Der Artikel im „Kontext“ ist eigentlich weit weg – in Stuttgart. Aber er ist f√ľr unsere Region sehr wichtig, weil er ein systematisches Problem beschreibt.

Meinungsfreiheit und Meinungsvielfalt werden √ľber Medien transportiert. Soweit die Theorie.

In den klassischen Medien findet zur Zeit ein radikaler Umbruch statt – als Leserin und Leser, als Abonnentin und Abonnent einer Tageszeitung sollten Sie wissen, wie „pannenanf√§llig“ das Produkt ist, dass Sie teuer bezahlen.

Journalismus ist nicht „gottgegeben“, sondern basiert auf unserem Grundgesetz. Auf Artikel 5 √ľber die Meinungsfreiheit. Professionell betriebener Journalismus ist aber auch ein Gesch√§ft. Der Journalismus liefert „interessante“ Inhalte – die Werbung nutzt das f√ľr sich.

Jeder, der ein Zeitungsabo f√ľr rund 30 Euro im Monat hat, muss das eigentlich wissen. Nachrichten bekommt man √ľber die Zeitung nicht „umsonst“. Man zahlt das Abo und wird mit Werbung „zugeballert“ – ganz kostenlos. Scheinbar. Die Verlage halten daf√ľr aber die Hand auf.

Im Internet sind viele Nachrichten „kostenlos“ – die Frage ist, wie viel diese Nachrichten wert sind. Die Frage ist, wieviel die Menschen bereit sind, f√ľr solche Nachrichten zu zahlen. S√§mtliche Modelle f√ľr „beliebige“ Nachrichten konnten sich nicht „durchsetzen“.

Die „Nachrichten“, also das lokale Zeitungswesen, sind per Lizenz vor rund 60 Jahren vergeben worden. Die Lizenzverlage haben daraus Traumrenditen erwirtschaften k√∂nnen.

Das Internet bedroht dieses „Gesch√§ftsmodell“. Denn was fr√ľher nur im „Abo“ erh√§ltlich war, gibt es jetzt „for free“.

Unsere Angebote f√ľr Heddesheim, Hirschberg, Ladenburg, Weinheim, Viernheim und Rhein-Neckar sind frei zug√§nglich – mit hohem Einsatz aller Mitarbeiter und zun√§chst geringer Erwartung von Einnahmen. Ganz in der Tradition der Marktwirtschaft – wir bieten ein Produkt an und hoffen, dass es gef√§llt.

Ob wir es verkaufen k√∂nnen, muss der Markt zeigen. Wie wir es verkaufen k√∂nnen, wissen wir noch nicht. Aber wir hoffen darauf, dass es genug Menschen gibt, die unsere Leistung „honorieren“. Dazu werden wir bald ein Angebot machen.

Der alte Markt gerät zunehmend unter Druck Рdie gewohnten Gewinnerwartungen und keineswegs das Ideal eines guten Journalismus geraten unter Druck.

Dar√ľber schreiben „alte Hasen“ in Kontext – und die erfahrenen Journalisten wissen, dass es ernst ist. Mit dem Gesch√§ft und mit der Meinungsfreiheit.

Wir empfehlen deshalb gerne und dringlich diesen Text.

Herren im Haus

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das rheinneckarblog.de

Lassen Sie sich nicht „kirre“ machen – der Klau der Kreditkartendaten bei Sony und die Medienhysterie


Guten Tag!

Rhein-Neckar, 27. April 2011 (red/pm). Am 17. April 2011 haben Hacker das Unternehmen Sony Network Entertainment angegriffen und sind ersten Meldungen zufolge in den Besitz von eventuell 77 Millionen Kundendatens√§tzen gelangt. Sehr viele Medien berichten nun, dass Playstation-Kunden einen Missbrauch ihrer Kreditkartendaten bef√ľrchten m√ľssen. Dabei scheint die Lage mehr oder weniger undramatisch – mal abgesehen vom Image-Gau f√ľr Sony. Tats√§chlich sind die Adressdaten der Kunden viel wertvoller und gut zu verkaufen.

Von Hardy Prothmann

Fest steht: Sony Network Entertainment wurde angegriffen. Von Computer-Verbrechern, die sich illegal Zugang zu den Kundendaten des japanischen Unternehmens verschafft haben. Betroffen sind Kunden, die die internetf√§hige Spielkonsole Playstation 3 benutzen und K√§ufe √ľber Kreditkarten vorgenommen haben. Die Konsolen Playstation 1 und 2 sind, weil nicht internetf√§hig, nicht betroffen.

Fest steht: Das ist ein enormer Image-Verlust f√ľr das Unternehmen, weil Kundendaten absolut sensible Daten sind und offenbar kein ausreichender Schutz vorhanden war. Vor allem die Zahl √ľberrascht. Denn die Hacker scheinen Zugriff auf eine zentrale Datenbank gehabt zu haben.

Fest steht auch: Es ist eine Schande, dass sich Sony ganze zehn Tage lang nicht geäußert hat. Gutes Krisen-Management geht anders. Aber spätestens seit Fukushima weiß man, dass von japanischen Unternehmen Transparenz nicht erwartet werden kann.

Hysterische Medienberichte

Die Medien √ľberschlagen sich mit Berichten √ľber den Skandal und die „m√∂glichen“ Folgen f√ľr die Kreditkartenkunden, die nun „m√∂glicherweise“ finanzielle Sch√§den zu bef√ľrchten „haben“.

Hysterische Berichterstattung: Die Chancen, dass Kreditkartenkunden betr√ľgerische Abbuchungen f√ľrchten m√ľssen, sind eher gering.

Tatsache ist: Es gibt bis heute noch keine festgestellten Sch√§den, zumindest sagt das der Zentrale Kreditausschuss, ein Zusammenschluss aus f√ľnf Banken- und Sparkassenverb√§nden.

Mit gro√üer Wahrscheinlichkeit k√∂nnen die Hacker nichts mit den Kreditkartennummern anfangen, weil sie vermutlich nicht im Besitz der Pr√ľfziffern sind: „Die Kreditinstitute sind hier sehr wachsam. Uns liegen keine Informationen vor, dass es zu Missbr√§uchen in diesem Zusammenhang gekommen ist“, sagt Dr. Kerstin Altendorf auf unsere Nachfrage.

Der Zentrale Kreditausschuss hat gestern folgende Meldung an die Presse gegeben:

Sony Network Entertainment hat gestern bekannt gegeben, dass bestimmte Services des PlayStation Network sowie Qriocity mittels illegalen und unberechtigten Eingreifens angegriffen wurden. Dabei konnten sich die Täter offenbar Zugriff auf persönlichen Daten von mehr als 70 Millionen Nutzern
verschaffen. Es ist unklar ob auch Kreditkartendaten ausgespäht wurden.

Sony Network Entertainment erkl√§rte, dass es daf√ľr derzeit zwar keine Anzeichen g√§be, dass man diese M√∂glichkeit aber auch nicht g√§nzlich au√üer
Betracht lassen könne.

Position des Zentralen Kreditausschusses:
Derzeit steht noch nicht fest, ob Kreditkartendaten abhanden gekommen sind.
Kunden der betroffenen Services sollten ihre Kreditkartenrechnungen sorgf√§ltig pr√ľfen und bei Unstimmigkeiten unmittelbar das kartenausgebende Institut informieren. F√ľr etwaige Sch√§den aus einer m√∂glichen Manipulation im Zusammenhang mit dem Datendiebstahl m√ľssen die Karteninhaber nicht haften.

Nach unseren Informationen gibt es eine Reihe von Banken, die auf Wunsch der Kunden Kreditkarten kostenfrei neu ausstellen. Wir haben die Sparkasse Rhein-Neckar-Nord und die VR Bank Rhein-Neckar ebenfalls angesprochen, um von dort Informationen zu erhalten. Beide Unternehmen war aber nicht in der Lage, innerhalb von drei bis vier Stunden zur√ľckzurufen, was schwach ist. (Siehe Protokoll des Gespr√§chs mit der Sparkasse Rhein-Neckar-Nord)

Immerhin. Am n√§chsten Tag hat der Sprecher der Sparkasse, Erich Rathgeber zur√ľckgerufen: „Wir beobachten das. F√ľr die Kunden gibt es keinen Grund zur Sorge.“ Missbrauchsf√§lle sind keine bekannt.

Kontrolle ja – Umtausch jein

Normalerweise werden daf√ľr im Mittel 15-20 Euro f√§llig. Wer sich sorgt, sollte mit seiner Bank reden und eine Neuausstellung beantragen.

Vermutlich ist dies aber nicht notwendig. Und die „genaue Kontrolle der Abrechnungen“, die nun von Medien empfohlen wird, ist eine absolute Selbstverst√§ndlichkeit. Nat√ľrlich sollte man seine Bankbelege immer sorgf√§ltig kontrollieren, weil es Fehlbuchen oder Zahlendreher undundund geben kann.

Der Zentrale Kreditausschuss verweist auf umfangreiche Pr√ľfmechanismen: „Die Kunden m√ľssen sich nicht sorgen, dass sie auf einer betr√ľgerischen Abbuchung sitzenbleiben, die Kontrollsysteme funktionieren sehr gut und Kunden werden betr√ľgerische Buchungen ersetzt, falls diese vorkommen sollten.“ Aber selbst nach der Aff√§re von gestohlenen Kreditkarteninformationen in Spanien Ende 2009 kam es nicht zu den angek√ľndigten „Sch√§den“ bei den Kunden – vielmehr waren die Banken gesch√§digt, die neue Kreditkarten ausgestellt haben, um ihr Image zu waren. Und man kann davon ausgehen, dass die Banken alles tun, um solche Sch√§den f√ľr sich zu vermeiden. Dabei d√ľrften sie sich n√§her sein als dem Kunden.

Vertrauen weg

Sorgen muss sich √ľberwiegend Sony machen – das Vertrauen ist erstmal weg. Erstens wegen der fehlenden Sicherung und zweitens wegen der fehlenden sofortigen Information. Und je nachdem wie die Geschichte weitergeht und wie viele Kunden ihre Karten tauschen lassen wollen, ist eine Schadensersatzforderung der Banken an Sony abzuwarten.

Die illegal beschafften Daten k√∂nnen aber noch ganz andere Folgen haben – vor allem „nervige“. Je nach Qualit√§t der Daten sind diese Datens√§tze viel eher bares Geld f√ľr den Adresshandel wert. Man wei√ü, welche Spiele die Kunden spielen, welche Musik sie h√∂ren und √§hnliche Informationen. Dazu hat man die Adressen und vielleicht auch Ums√§tze? Dazu hat sich Sony nicht ge√§u√üert.

Mega-Raubzug

Jedenfalls reicht der Wert von solchen Datens√§tzen von wenigen Cent bis zu 100 Euro, die manche Firma bereit ist, f√ľr hochqualifizierte Kundendaten zu bezahlen. Denn dann kann man die Werbung und die Ansprache auf den Kunden verfeinern, um mit ihm „ins Gesch√§ft“ zu kommen. Vielleicht war das das Hauptziel der Hacker.

Rechnet man zehn Euro pro Datensatz, haben die Hacker also einen Wert in H√∂he von 770 Millionen Euro gestohlen. Wenn sie nur einen Bruchteil davon verkaufen k√∂nnen, ist das ein Mega-Raubzug. Der von Medien hysterisch angek√ľndigte „m√∂gliche“ Raubzug auf den Konten der Kunden wird aber „vermutlich“ ausfallen.

Just: „Das Internet ist f√ľr mich v√∂llig unverzichtbar.“

Guten Tag!

Hirschberg, 23. Juli 2010. Im November will die Gemeinde Hirschberg einen neuen Internet-Auftritt realisiert haben. Im Interview erl√§utert B√ľrgermeister Manuel Just, was geplant ist und welche Funktion die Internetseite f√ľr die Gemeinde haben soll. Wie wichtig das Internet ist, zeigt das Verhalten von Herrn Just – er geht sogar im Urlaub t√§glich online.

Interview: Hardy Prothmann

Herr B√ľrgermeister Just, die Gemeinde will sich eine neue Homepage zulegen. Wie ist denn der Planungsstand?
Manuel Just: ‚ÄěWir hatten gerade das erste Vorgespr√§ch. Es wird ein komplett neues Layout geben.‚Äú

B√ľrgermeister Just: "Das Internet ist f√ľr mich v√∂llig unverzichtbar." Bild: hirschbergblog.de

Schaut man sich die Arbeiten der beauftragten Agentur an, kann man davon ausgehen, dass Sie einen Standardauftritt erhalten.
Just: ‚ÄěSeien Sie doch nicht so schnell mit Ihrer Kritik, sondern lassen sich √ľberraschen. Die Firma erstellt die Homepage nach unseren Vorgaben.‚Äú

Was wird man erwarten können? Tägliche oder wöchentliche Nachrichten?
Just: ‚ÄěWie gehabt werden wir die Homepage zur Verbreitung von aktuellen Informationen nutzen. Aus Kapazit√§tsgr√ľnden werden wir aber nicht jeden Tag etwas bringen.‚Äú

„Klar ist: Es wird die Homepage einer Beh√∂rde sein.“

Wie w√§re es mit einem Wochenbrief des B√ľrgermeisters?
Just: ‚ÄěEs ist vorstellbar, dass ich mich ab und an √§u√üere, wir denken konzeptionell √ľber Vieles nach.‚Äú

Moderne Websites bieten Bilder, Filme, also neben der informativen auch eine emotionale Ansprache. Ist in dieser Hinsicht etwas geplant?
Just: ‚ÄěDa werden wir zur√ľckhaltender sein. Ich habe dazu eine eher konservative Haltung. Immerhin ist das die Homepage einer Beh√∂rde. Die breite, auch unterhaltende Information √ľberlassen wir den Medien, die k√∂nnen das besser.‚Äú

Trotzdem ist so eine Homepage doch ein gutes Mittel, die eigene Gemeinde zu bewerben?
Just: ‚ÄěSicher. Hier wollen wir auch mehr machen. Hirschberg ist beispielsweise touristisch nicht sehr gut aufgestellt, obwohl wir eine tolle Landschaft haben und sch√∂ne W√§lder. F√ľr diesen Naherholungswert kann man sicherlich mehr werben.‚Äú

„Wir werden aktiv verlinken.“

Wie sieht es mit Gewerbe und Vereinen aus – wie werden das dargestellt?
Just: ‚ÄěWir werden nat√ľrlich die Vereine und die Gewerbetreibenden auflisten. Ansonsten muss man nicht jede Information, die es schon im Netz gibt, duplizieren. Wir werden hier aktiv auf andere Seiten verlinken.‚Äú

Auch wenn die Homepage neu gemacht wird, soll sie eher statisch als "dynamisch" informieren.

Welche M√∂glichkeiten werden die B√ľrgerInnen f√ľr sich auf der neuen Homepage finden?
Just: ‚ÄěWir haben weiterhin unser G√§stebuch, das gut angenommen wird. Au√üerdem k√∂nnen die B√ľrgerInnen mit allen Beh√∂rden und deren Mitarbeitern, auch mit mir, per email in Kontakt treten.‚Äú

Wird es Themenschwerpunkte geben, zu denen Sie besonders ausf√ľhrlich informieren werden?
Just: ‚ÄěGanz sicher die Kinderbetreuung, die Seniorenpolitik und zum √ĖPNV. Das sind wichtige, gro√üe Themen. Allerdings werden diese Informationen statischer sein als beispielsweise bei Ihnen, weil wir nicht die Kapazit√§t haben, tagesaktuell zu reagieren. Das ist auch nicht unsere Aufgabe. Das k√∂nnen Sie als journalistische Redaktion viel besser.‚Äú

„B√ľrgerInnen k√∂nnen Vorschl√§ge machen.“

Welche Vorteile wird ‚ÄěService-BW‚Äú bringen?
Just: ‚ÄěDas ist ein Teil der Deregulierungsrichtlinie der EU. √úber diese Schnittstelle k√∂nnen Verwaltungsangelegenheiten automatisierter erledigt werden. Sehen Sie mir nach, dass ich es bei der allgemeinen Aussage belasse – ich muss mich da noch einarbeiten. Insgesamt hat jetzt der Planungsprozess begonnen – ablie√üende Aussagen kann ich nicht treffen.‚Äú

Sind die B√ľrgerInnnen in die Planung mit einbezogen?
Just: ‚ÄěNicht systematisch. Vorschl√§ge aus der B√ľrgerschaft zur neuen Homepage sind gerne willkommen. Dazu fordere ich gerne auf. Aber: Wir werden wahrscheinlich nicht alles ber√ľcksichtigen k√∂nnen.‚Äú

Inwieweit spielt das können Sie mit der neuen Homepage Kosten sparen? Beispielsweise könnten Sie ja die Unterlagen zu Gemeinderatssitzungen online stellen?
Just: ‚ÄěUnd wer garantiert mir, dass wir fristgerecht zugestellt haben? Solange es hier keine verbindliche Regelung gibt, m√ľssen wir auf Papier einladen. Sollte das mal verbindlich geregelt sein, spare ich gerne diese Kosten, wir haben sowieso alle Daten digital.‚Äú

Wie wichtig ist eigentlich das Internet f√ľr Ihre Arbeit?
Just: ‚ÄěDas Internet ist f√ľr mich mittlerweile vollkommen unverzichtbar. Ich recherchiere hier f√ľr fast jede Rede, schlage Informationen nach. Email ist ein allt√§gliches Kommunikationsmittel. Wobei: Der pers√∂nliche Kontakt bleibt der wichtigste, auch Telefongespr√§che sind unverzichtbar. Ein Tag ohne Internet ist aber nicht vorstellbar.‚Äú

Na, im Urlaub.
Just: ‚ÄěAuch da nicht. Ich schaue jeden Tag ins Netz und lese die Nachrichten.‚Äú

Nutzen Sie soziale Netzwerke wie Facebook?
Just: ‚ÄěNein. Ich sehe hier f√ľr mich bislang keinen Mehrwert und beh√∂rdlich ist das wegen des Datenschutzes heikel.‚Äú

Man könnte eine vollkommen unproblematische Hirschberg-Infoseite einrichten?
Just: ‚ÄěDas wei√ü mein Mitarbeiter Herr Frank besser, der koordiniert das Projekt und ich werde auf seinen Vorschlag vertrauen.‚Äú

Wir es fremdsprachliche Informationen geben, beispielsweise f√ľr ausl√§ndische Touristen oder Investoren?
Just: ‚ÄěWir denken zumindest √ľber eine franz√∂sische Informationenseite f√ľr unsere Partner in Brignais nach. An eine englischsprachige Seite ist bislang nicht gedacht.‚Äú

Eine neue Internetseite muss auch aufgerufen werden können. In Leutershausen gibt es nach wie vor Probleme mit der DSL-Versorgung. Wie ist der Stand der Dinge?
Just: ‚ÄěHier sind wir in guten Gespr√§chen. Ich rechne sp√§testens bis Ende des Jahres mit einer zufriedenstellenden L√∂sung.‚Äú

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Hintergrund:
Wir hatten nach der Verwaltungsausschusssitzung das Thema neue Homepage kommentiert.
Außerdem haben wir uns angeschaut, was die beauftragte Firma Komm.On.Line bislang an kommunalen Homepages realisiert hat.

Eine neue Homepage ist dringend nötig Рein redaktionelles Konzept noch mehr

Guten Tag!

Hirschberg, 15. Juli 2010. B√ľrgermeister Manuel Just findet den Internet-Auftritt der Gemeinde Hirschberg „ganz in Ordnung“. Das darf er meinen – schlie√ülich herrscht in Deutschland Meinungsfreiheit. Das hirschbergblog findet den Auftritt grottenschlecht und nennt die Gr√ľnde. Wenn eintrifft, was zu bef√ľrchten ist, werden die 20.000 Euro f√ľr eine neue Homepage nicht teuer, sondern schlicht und einfach verschwendet sein.

Von Hardy Prothmann

Was die Gemeinde Hirschberg einen Internetauftritt nennt, ist nicht nur fast zehn Jahre, sondern 50 Jahre alt.

Moment, sagen Sie, vor 50 Jahren gabs doch noch gar kein Internet. Wie soll das gehen? Die Rechnung geht auf Thomas Middelhoff zur√ľck, ehemals Chef des Bertelsmann-Konzerns. Der meinte vor langer Zeit schon, dass sich im Internet alles f√ľnf Mal schneller entwickelt als im wirklichen Leben. Ein Menschenjahr bedeutet f√ľr das Internet also f√ľnf Jahre.

Gepflegte Langeweile heißt auf der Gemeindeseite "Freizeit".

Die wichtigste Frage ist: Warum hat sich in den vergangenen zehn Jahren nichts auf der Hirschberger Homepage in Sachen Ver√§nderung getan? Die Antwort ist einfach: Man muss programmieren k√∂nnen, um hier gestalterisch oder konzeptionell etwas ver√§ndern zu k√∂nnen. Kann man das nicht – bleibt alles, wie es ist oder man zahlt f√ľr eine Ver√§nderung.

Fehler 2.0

Diesen Fehler wiederholt die Gemeinde gerade. Denn das neue System, in dem die neue Homepage erstellt wird, hei√üt TYPO3 und ist nur von sehr erfahrenen Anwendern ver√§nderbar. Es handelt sich dabei um ein so genanntes CMS, ein Content-Management-System, das zwar kostenfrei ist und somit auch die Gemeinde nichts kosten m√ľsste – man muss aber die spezielle Programmiersprache beherrschen.

Aktuelle Informationen? Kommt darauf an, was man unter "aktuell" versteht.

Das kann bestimmt die beauftragte Firma Komm.On.Line. Diese wird nach Vorgaben der Gemeinde eine Oberfl√§che erstellen, gew√ľnschte Funktionen einbauen und dies dann der Gemeinde √ľbereignen. Alles, was bis dahin nicht bedacht wurde oder technische √Ąnderungen in der Zukunft, werden nur noch gegen „Extra“-Geld umsetzbar sein oder man wartet eben vier (20) lange Jahre, bis die n√§chste Ver√§nderung kommt.

Auch das hirschbergblog basiert auf einem CMS names WordPress. Wie TYPO3 ist es Open-Source, also ein kostenfreies Programm. Der Unterschied: Während WordPress schon rund zehn Millionen Mal zum Einsatz kommt, wird TYPO3 weltweit gerade mal 300.000 Mal eingesetzt. Der Grund: WordPress ist viel einfacher in der Bedienung. Es gibt jede Menge frei erhältliche Zusatzfunktionen.

Keine einzige Funktion auf dem hirschbergblog wurde in „Auftrag“ gegeben – alles ist frei erh√§ltlich. Trotzdem kann man nat√ľrlich auch hier alles m√∂gliche programmieren lassen.

20.000 sind viel Geld, wenn wenig damit erreicht wird.

Die Einrichtung und Gestaltung hat die Redaktion selbst √ľbernommen – kosten: Null Euro. Berechnet man die eigene Arbeitszeit, kommt man vielleicht auf 3.000 Euro. H√§tte man einen Programmierer beauftragt, der aufgrund seiner Kenntnisse viel schneller arbeiten kann, w√§ren vielleicht 1.000 Euro f√§llig geworden. Die monatlichen Kosten liegen unterhalb von 50 Euro.

Auch hier der Vergleich: Die Gemeinde Hirschberg zahlt in den kommenden vier Jahren 20.000 Euro f√ľr ein kaum ver√§nderbares System. Wir zahlen im selben Zeitraum weniger als 2.400 Euro und k√∂nnen jederzeit Ver√§nderungen vornehmen.

B√ľrgermeister Manuel Just hat recht, wenn er sagt, dass eine Homepage aktuell sein muss, um gut zu sein. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit und es hat Konsequenzen, nach denen sich der Gemeinderat Matthias Dallinger (CDU) und das Ausschussmitglied Arndt Weidler (GLH) erkundigt haben: Welche Inhalte wird es geben?

Service? Mal schauen.

Sicher wieder einen Veranstaltungskalender. Der jetzige ist eine Katastrophe, weil er zwar Anlass und auch Ort nennt, ob aber die Zeit dabei steht, ist fraglich. Die Adressen fehlen vollständig, ebenso Informationen zu den Veranstaltungen. Wir wissen, wovon wir reden, weil wir den Kalender oft anschauen und fluchen, weil er so unvollständig und damit unbrauchbar ist.

Hier kommt es auf den Blick an. Wer wei√ü, in welcher Stra√üe die und die Einrichtung ist, der findet hin, jeder andere nicht. Wer √ľber die Jahre wei√ü, wann welche Veranstaltung beginnt, richtet sich drauf ein – andere haben das Nachsehen.

Ein Verzeichnis, wie es liebloser und b√ľrokratischer nicht geht.

Überall auf den Seiten werden kleine Bildchen verwendet, so als ob große Bilder teuer wären. Sind sie nicht, sie sind nur schöner, zeigen mehr und interessieren deshalb auch die BesucherInnen mehr.

Die Spaltenbreite richtet sich nach der Gr√∂√üe des Fensters. Zieht man das Fenster gro√ü, hat man Zeilen mit weit √ľber 100 Zeichen-Anschl√§gen. Ab 65-70 Zeichen die Zeile steigt man als Leser aus – das ist wissenschaftlich bewiesen.

Die √úbersicht √ľber die Vereine ist derart lieb- und seelenlos gestaltet, dass es √ľberhaupt keinen Spa√ü macht, sich auf dieser Seite aufzuhalten.

Schon gar nicht bei „Neues aus Europa“ – hier stehen genau keine Informationen. Soviel zu „Neues aus Europa“.

Auf „Unsere Gemeinde“-„Verkehrslage“ suchen Anwender vergeblich nach Informationen zum aktuellen Verkehrschaos im Ort. Daf√ľr gibt es einen Extrapunkt „OEG-Ausbau“ – wieso steht der nicht unter „Verkehrslage“?

Der Ton der gepflegten Langeweile.

Die allermeisten Informationen sind statischer Art – hier √§ndert sich nie etwas. Einmal erstellt d√ľmpeln sie auf ewig hier vor sich hin. So gesehen hat der B√ľrgermeister recht, wenn er ganz zufrieden ist mit dem System. Hier muss man eigentlich nicht viel √§ndern, weil die gepflegte Langeweile den Ton angibt.

Das neue System, auch wenn es wahrscheinlich kaum angepasst werden kann, wird eine Vielzahl neuer Möglichkeiten bieten Рwenn man diese nutzen will.

Beispielsweise unter „Aktuelle Informationen“ – hier tut sich meist so wenig, dass man insgesamt davon ausgehen kann, dass sich nur sehr wenige BesucherInnen f√ľr die Internetseite der Gemeinde interessieren d√ľrften. So gesehen muss man sich fragen, was die 20.000 investierten Euro eigentlich bewirken sollen?

Nur ein h√ľbscheres Aussagen? Ein so tun als ob? Oder soll die Homepage der Gemeinde eine Kommunikationszentrale sein – ein Ort des Austausches, eine zentrale Anlaufstelle wie die Auskunft im Rathaus?

Neues aus Europa - nix Neues in Europa.

Dar√ľber gab es in der Verwaltungsausschusssitzung auch keinerlei Information – man muss vermuten, dass es dazu keine Informationen gibt.

e-Government? Hört sich toll an.

B√ľrgermeister Just nannte den Begriff „e-Government“ – ein sch√∂ner Begriff. Doch was verbirgt sich dahinter?

Ist etwa geplant, beispielsweise Sitzungsvorlagen online zu stellen? Planentw√ľrfe? Oder Formen der B√ľrgerbeteiligung einzuf√ľhren?

Letzteres bestimmt nicht, denn ansonsten h√§tte man die B√ľrger fragen k√∂nnen, die die Homepage nutzen, was sie sich vorstellen, was sie gerne dort finden w√ľrden, was insgesamt ein praktischer Nutzen w√§re.

Und die Verwaltung k√∂nnte √ľberlegen, wie sie mit dem investierten Geld vielleicht Kosten sparen k√∂nnte – Ans√§tze und Beispiele dazu gibt es zuhauf in anderen Gemeinden.

Angeblich sei es schwer die Seite service-bw anzubinden – das darf man getrost f√ľr eine Behauptung halten. Man kann einfach einen Link setzen – schon ist dieser Service vorhanden. Vielleicht ist auch etwas anderes gemeint – das wurde aber nicht erkl√§rt.

In der Verwaltungsvorlage wurde als Beispiel einer k√ľrzlich von der beauftragten Firma umgesetztes Projekt die Homepage der Gemeinde Edingen-Neckarhausen genannt. Wenn das das Ma√ü der Dinge sein soll – dann wird alles wahr, was hier im Artikel kritisiert wurde.

Edingen-Neckarhausen: Huch! Andere Farben, andere Schrift - aber irgendwie kennt man das schon von den "Europa-Nachrichten" aus Hirschberg.

Die Seite sieht definitiv schicker aus als die von Hirschberg. Tats√§chlich ist sie aber nur aufgeh√ľbscht.

Elemente von „Barrierefreiheit“ – eigentlich ein Standard im Netz f√ľr Verwaltungen – gibt es nicht (bei uns auch noch nicht, aber wir sind ein kleiner Betrieb und arbeiten dran). e-Government-Funktionen? Fehlanzeige. Sitzungsunterlagen, Pl√§ne, sonstige Dokumente, die Transparenz herstellen? Fehlanzeige.

Wer sich nicht von dem etwas besseren Layout täuschen lässt, erkennt, dass hier nur neu gestrichen wurde Рdarunter herrscht dieselbe gepflegte und gewollte Langeweile wie auf der Hirschberger-Internetseite.

So gesehen sind 20.000 Euro nicht „teuer“, wie Ausschussmitglied Arndt Weidler meinte, so gesehen sind 20.000 sauteuer, um nicht zu sagen, rausgeschmissenes Geld.

Auch ein frisch gestrichenes Dröge bleibt dröge.

Aufgeh√ľbschtes Vereinsverzeichnis - gucken Sie zum Vergleich oben auf die Darstellung auf der Hirschbergseite. Neues Design - gleich langweiliger Inhalt und Mehrwert.

Andersrum betrachtet ist die Gemeinde Hirschberg sogar gut dran mit der verstaubten Homepage Рniemand erwartet von solch einer Seite tatsächlich einen innovativen Kommunikationsansatz, der sich auf der Höhe der Zeit befindet Рwas so dröge daherkommt, kann ruhig auch dröge Informationen haben.

Die Seite von Edingen-Neckarhausen hingegen ist ein Etikettenschwindel – zu Recht werden viele B√ľrger sich dar√ľber √§rgern und nie mehr wiederkommen. Wobei auch das egal ist, denn tats√§chlich hat dort wohl niemand den Anspruch, die Leute wirklich auf die Seite locken zu wollen.

Tats√§chlich muss man zu dem Urteil kommen, dass es sich um eine Schmuckseite handelt, mit der B√ľrgermeister, Verwaltung und Gemeinderat sich das gute Gef√ľhl teilen, richtig „modern“ zu sein. Ob das einen Nutzen f√ľr den B√ľrger hat? Egal – auch wenn es mit Steuergeldern bezahlt wurde.

√úbrigens: Die Gemeinde Heddesheim plant ebenfalls einen neuen Auftritt f√ľr den alle genannten Kritikpunkte auch gelten, da die Firma ISI, des Alt-Gemeinderats Martin Winkler (CDU) die beiden Gemeindeauftritte fr√ľher realisiert hatte. Die Kosten in Heddesheim: 12.000 Euro.

Gemeinde will „Transparenz“ beim Seniorenzentrum schaffen

Guten Tag!

Hirschberg, 06. April 2010. Heute wurde durch die Gemeinde Hirschberg eine Pressemitteilung zum geplanten Seniorenzentrum herausgegeben. Wir dokumentieren den Text.

Wir werden im Laufe des Donnerstags, 08. April 2010 weiter zum Thema berichten. Wie gewohnt hintergr√ľndig und analytisch. Au√üerdem wird es einen Kommentar zum Thema geben.

Aus Sicht der Redaktion ist die Pressemitteilung der Gemeinde nämlich ein Grund zur Recherche: Inhaltlich sind alle Informationen bekannt. Wieso also gibt es diese Pressemitteilung? Welche Notwendigkeit hat sie?

Sofern Sie mithelfen wollen, schreiben Sie gerne an die Redaktion: redaktion (at) hirschbergblog.de

Wir vermuten, dass die Gemeindeverwaltung zur „Beruhigung“ der Situation beitragen will – zumindest der Konflikt mit dem TVG hat f√ľr „Irritationen“ gesorgt.

Redaktion hirschbergblog

Dokumentation der Pressemitteilung der Gemeinde Hirschberg:

„In der Gemeinderatssitzung vom 30. M√§rz 2010 hat die Gemeinde Hirschberg den Aufstellungsbeschluss f√ľr den Bebauungsplan ‚ÄěS√ľdlich der Rosengartenstra√üe‚Äú (Seniorenzentrum) herbeigef√ľhrt.

Das geplante Seniorenzentrum aus der Vogelperspektive. Quelle: Gemeinde Hirschberg

Ferner geht damit der Bebauungsplan, der die baurechtliche Grundlage f√ľr die Errichtung des Hirschberger Seniorenzentrums sowie die Kleinkindkrippe bieten wird in der Zeit vom 09. April 2010 bis zum 10. Mai 2010 in die Offenlage, um somit auch die Einwohner/ innen der Gemeinde Hirschberg sowie die Tr√§ger √∂ffentlicher Belange an diesem Verfahren zu beteiligen.

Vorgebracht werden k√∂nnen Einwendungen, Anregungen oder auch W√ľnsche im Hinblick auf den Bebauungsplanentwurf, der in der Gemeinderatssitzung am 27. Juli 2010 voraussichtlich als Satzung verabschiedet werden soll.

Da es sich bei diesem Bebauungsplan um eine Planungsgrundlage handelt, die f√ľr viele Einwohnerinnen und Einwohner fast untrennbar mit der parallel verlaufenden Planung f√ľr die zu errichtenden Geb√§ude (Betreutes Wohnen und Pflegeheim) verkn√ľpft erscheint, hat sich der Gemeinderat in seiner nicht√∂ffentlichen Sitzung am 30. M√§rz 2010 dazu entschieden auch die aktuelle Planungsvariante der Geb√§ude (im Vorentwurfsstadium) aus Transparenzgr√ľnden der √Ėffentlichkeit zur Verf√ľgung zu stellen.

Die Pl√§ne werden daher sowohl √ľber die Homepage der Gemeinde (www.hirschberg-bergstrasse.de), als auch im Rahmen der Offenlage zum o. g. Bebauungsplanverfahren zur Einsichtnahme freigegeben.

Zu sehen sind mehrere Perspektiven.

Inhaltlich gilt es festzuhalten, dass der Investor FWD Hausbau GmbH auf dem zur Bebauung geplanten Gesamtareal 27 Wohnungen f√ľr Betreutes Wohnen sowie 48 Pflegepl√§tze schaffen wird. Das Pflegeheim wird nach seiner Fertigstellung von der Evangelischen Heimstiftung betrieben.
Die ebenfalls im Plangebiet vorgesehene Kleinkindkrippe des Postillion e.V. soll 20 Betreuungsplätze (in insgesamt 2 Gruppen) beinhalten.

St√§dtebaulich betrachtet soll der Turm als historisches Bauwerk erhalten bleiben. Das Gesamtareal soll fu√ül√§ufig eine Verbindung zwischen der im Norden liegenden Rosengartenstra√üe sowie dem im S√ľden liegenden Riedweg erm√∂glichen.

Um der logischerweise aus den Vorgaben entstehenden Gr√∂√üe des Geb√§udes baulich entgegen zu wirken hat man sich im aktuellen Verfahrensstadium dazu entschieden im Bereich des Betreuten Wohnens (im nord-westlichen Grundst√ľcksteil) mit kleinparzelligen Elementen (Fenstern, Loggien und Balkonen) zu arbeiten. Um zumindest in Ans√§tzen eine organisch gewachsene Struktur zu erzielen wurde zus√§tzlich mit zwei ‚ÄěPunkth√§usern‚Äú im Bereich des Gartens gearbeitet.
Die Dachneigung im Bereich des Betreuten Wohnens lehnt sich an die Neigungswinkel des bestehenden Turms an.

Beim Geb√§ude des Pflegeheims (im s√ľd-√∂stlichen Grundst√ľcksteil) versucht der beauftragte Architekt durch eine gegens√§tzlich zueinander auf- und ablaufende Dachstruktur zu einer Auflockerung beizutragen.
Der diesem Geb√§ude zuzuordnende Gartenbereich (im Innenhof des ‚Äěu-f√∂rmigen‚Äú Hauses) soll entgegen dem im n√∂rdlichen Grundst√ľcksbereich angesiedelten Garten hingegen nur den Bewohnern des Pflegeheims zur Verf√ľgung stehen.
Unter dem Gebäude des Pflegeheims wird eine Tiefgarage liegen, die sowohl einen direkten Zugang in das Haus bzw. auf den Platz ermöglicht.

Hirschberg, den 06. April 2010

gez. Manuel Just
B√ľrgermeister“

Einen sch√∂nen Tag w√ľnscht
Das hirschbergblog

Wie aus einer Pressemeldung ein „Artikel“ wird und wer hinter dem K√ľrzel „zg“ steckt

Guten Tag!

Hirschberg, 03. April 2010. Aufmerksame Zeitungsleser wundern sich √ľber einen sehr flei√üigen Autoren, der anscheinend f√ľr den Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten, die Rhein-Neckar-Zeitung und viele andere Zeitungen arbeitet. Sein K√ľrzel: zg.

Von Hardy Prothmann

Kein Journalist hat f√ľr diesen Artikel nennenswert recherchiert - eine Pressemitteilung wurde ein wenig umgeschrieben und fertig ist ein "redaktioneller Artikel" im Mannheimer Morgen, der so tut als ob. Die durchgestrichenen Passagen fallen weg, die unterstrichenen Stellen sind Einf√ľgungen oder Umstellungen. Klicken Sie, um das gesamte Dokument und die Ver√§nderungen zu sehen."

Es gibt in Deutschland einen Vielschreiber, der niemals unter seinem Namen auftritt, sondern nur mit dem K√ľrzel „zg“.

„zg“ ist vielseitiger Schreiber: Vereine, Sport, Politik, Kultur, Wirtschaft, Verb√§nde – kein Thema ist vor ihm sicher. Er berichtet einfach zu allem und jedem.

Noch verwunderlicher ist: „zg“ schreibt f√ľr jede Menge Zeitungen – auch f√ľr solche, die miteinander „konkurrieren“, wobei die Konkurrenz meist nur in den Au√üenbezirken an den R√§ndern der Erscheinungsgebiete stattfindet.

Und „zg“ ist meistens bestens informiert und liefert immer Informationen „aus erster Hand“.

So auch heute wieder im Mannheimer Morgen. Hier berichtet „zg“ √ľber den genehmigten Antrag zur gemeinsamen Werkrealschule von Hirschberg und Heddesheim.

Wer genau hinschaut und die Pressemitteilung der Gemeinden zum Thema kennt, stellt fest: So flei√üig ist „zg“ gar nicht. Mit ein paar K√ľrzungen, Umstellungen und marginalen Einf√ľgungen macht „zg“ flugs aus einer Pressemitteilung einen „eigenen“ Artikel.

„zg“ ist das K√ľrzel f√ľr „zugesandte“ Texte.

Das R√§tsel um den Vielschreiber „zg“ ist schnell gel√∂st. Es gibt ihn nicht. Das K√ľrzel „zg“ steht f√ľr „zugeschickt“ oder „zugesandt“.

Das bedeutet: Alle „Artikel“ (und das sind jede Menge), die das K√ľrzel „zg“ tragen, sind nicht von Journalisten der jeweiligen Redaktion verfasst worden, sondern in den meisten F√§llen Pressemitteilungen oder Vereinsnachrichten, die ein wenig „aufgeh√ľbscht“ werden und dann so tun, als seien sie eigenst√§ndige redaktionelle Leistungen der Zeitung.

K√∂nnte man auch sagen, hier t√§usche jemand eine eigene redaktionelle Leistung vor? So weit will ich nicht gehen (in Zeiten, in denen man ganz schnell f√ľr Meinungs√§u√üerungen abgemahnt wird, muss man vorsichtig sein). Immerhin werden die „zg“-Texte ja ein bisschen bearbeitet, was aus Sicht von Zeitungen dann doch eine redaktionelle „Leistung“ darstellt. Das ist eben Ansichtssache.

Der Schein der Vielfalt.

Leider, leider, werden aber die Leserinnen und Leser nicht √ľber dieses Verfahren aufgekl√§rt und k√∂nnen nicht erkennen, ob sie einen eigenst√§ndig recherchierten Artikel oder eine umgeschriebene Pressemitteilung vor sich haben.

Das wollen die Zeitungen nicht. Sie wollen etwas anderes erreichen: Sie suggerieren eine gro√üe Vielfalt von „eigenen“ Autoren, die aber keine eigenen sind. Es sind „als ob“-Autoren.

So auch im Text √ľber die Werkrealschule, in den die Redaktion besonders dreist noch eingef√ľgt hat: „…in einer Pressemitteilung“, obwohl der Text selbst zu gesch√§tzten 90 Prozent aus eben dieser Pressemitteilung besteht. (Klicken Sie auf das Bild, um sich selbst ein Bild zu machen.)

Korrekt w√§re, wenn die Zeitungen einfach dr√ľber oder drunter „Pressemitteilung von xy“ schreiben w√ľrden – dann w√ľssten die Leser Bescheid, wie sie den Text einzuordnen haben.

Zeitungen tauschen aber auch gerne Artikel untereinander aus. Beispielsweise schreibt im Mannheimer Morgen √ľber Hirschberg h√§ufiger ein Autor, der mit „hr“ zeichnet.

Ausgeschrieben ist das Hans-Peter Riethm√ľller, Redakteur bei den Weinheimer Nachrichten. Umgekehrt erscheint in den Weinheimer Nachrichten auch mal „ag√∂“, richtig Anja G√∂rlitz vom Mannheimer Morgen.

Und im Mannheimer Morgen gibt es auch mal die Kombination WN/ag√∂ – das ist dann eine Text√ľbernahme der Weinheimer Nachrichten mit „redaktioneller Bearbeitung“ durch ag√∂.

Auch durch diese Praxis wird so getan als ob. Korrekt w√§re ein Hinweis, dass hier Artikel aus anderen Zeitungen √ľbernommen wurden. Wie Redaktionen ihre Leserinnen und Leser √ľber die Inhaltsstoffe informiert, die im Produkt Zeitung drin sind, entscheiden die Redaktionen selbst.

Umgeschriebene Pressemitteilungen sind gängige Praxis.

F√ľr Recherche bleibt keine Zeit – schlie√ülich muss „zg“ jede Menge „Artikel schreiben“. Diese Praxis, umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Artikel zu verkaufen, ist Gang und G√§be in deutschen Zeitungsredaktionen. Journalisten, die eigentlich bei einer Nachrichtenagentur angestellt sind, werden so schnell auch mal zu „Von unserem Mitarbeiter xy“.

Das hirschbergblog arbeitet anders: Nat√ľrlich √ľbernehmen wir wie jede Redaktion manchmal Informationen aus Pressemitteilungen und anderen Informationsquellen. Das machen wir in den allermeisten F√§llen durch die Nennung der Quelle deutlich. Die Informationen f√ľgen wir neu und eigenst√§ndig zusammen und erg√§nzen sie durch eigene Recherche. Das Ergebnis ist ein echter redaktioneller Artikel und nicht eine Mogelpackung, die so tut als ob.

Dar√ľber hinaus verlinken wir zu Informationsquellen oder dokumentieren die Originalpressemitteilungen – dadurch erm√∂glichen wir eine gro√üe Transparenz f√ľr unsere Leserinnen und Leser.