Donnerstag, 29. Oktober 2020

Vergurkte Berichterstattung – Panikmache made by „QualitĂ€tsjournalismus“


Mannheim/Weinheim/Heidelberg/Rhein-Neckar, 28. Mai 2011. (red) Die Erregung ĂŒber Erreger hat zwei Ursachen – einerseits ein QualitĂ€tsproblem bei der Erzeugung von Nahrungsmitteln. Andererseits ein QualitĂ€tsproblem bei der Erzeugung von Nachrichten. Die Verbraucher sind verunsichert – als Konsumenten von Nahrungsmitteln. Dabei sollten sie als Konsumenten von Informationen viel vorsichtiger sein. WĂ€hrend man dem Darmkeim auf der Spur ist und erkrankte Patienten behandelt, zeigt sich, dass der Journalismus als Massenprodukt chronisch krank ist und vielleicht auch chronisch krank macht.

Von Hardy Prothmann

Bildblog.de listet die millionenfach gelesenen falschen Schlagzeilen auf. Quelle: bildblog.de

Viele Spiegel-Leser fangen hinten an: „Dem RĂŒcken die Stirn bieten“ (Öffentlicher Anzeiger Bad Kreuznach), „Ehrliche Personen gesucht, auch Akademiker“ (Kleinanzeige Rheinpfalz), „Senioren sind mit 35 noch sehr rĂŒstig“ (Rhein-Zeitung) und andere KuriositĂ€ten gibt es im „Hohlspiegel“ zu lesen. Die Patzer, ob im Redaktionellen oder im Anzeigenteil sind teils wirklich amĂŒsant bis saukomisch.

Gar nicht amĂŒsiert sind die Verbraucher ĂŒber kontaminiertes GemĂŒse, das beim Verzehr zur Infektion mit dem EHEC-Keim fĂŒhren kann, woraus sich ein lebensbedrohliches hĂ€molytisch-urĂ€mischen Syndrom (HUS) ergeben kann.

Ebenfalls nicht amĂŒsiert, sondern stinksauer sind Landwirte und Handel.

Kaninchen, Kommunalpolitik, Killerkeime

In den meisten Redaktionen arbeiten keine kenntnisreichen Mediziner, die alles ĂŒber EHEC und HUS wissen. Vor allem in Lokal- und Regionalmedien arbeiten ĂŒberwiegend Journalisten, die von der KaninchenzĂŒchterschau bis zur Kommunalpolitik ĂŒber alle möglichen Themen berichten mĂŒssen. Sie sind aber meist auch keine kenntnisreichen KaninchenzĂŒchter oder Kommunalpolitiker.

Das mĂŒssen sie auch nicht sein. Die einfache Lösung, um die Welt zu verstehen, ist der gesunde Menschenverstand. Und den kann man durch Recherche erweitern, wenn es um Spezialwissen geht. Eine einfache Regel lautet: Informationen immer durch eine zweite Quelle ĂŒberprĂŒfen.

Die Weinheimer Nachrichten warnen vor Salat und Tomaten "aus" Norddeutschland - wer warnt die Leser vor falschen Informationen? Quelle: WNOZ

Es gibt aber noch eine andere Lösung und die fĂŒhrt zum DauerdĂŒnnpfiff vieler Redaktionen: Man lĂ€sst das mit dem ĂŒberprĂŒfen weg und verlĂ€sst sich lieber auf andere. Im „großen“ Teil der Zeitung, also Politik, Wirtschaft und Sport werden Informationen der Nachrichtenagenturen ungeprĂŒft ĂŒbernommen. Der Glaube an die Korrektheit dieser Informationen ist immer noch sehr hoch. Dazu kommen Zeit- und Arbeitsdruck – eine ÜberprĂŒfungsrecherche findet nicht mehr statt.

Krankheitsverlauf einer Meldung

Am Mittwochabend, den 25. Mai 2011, schickt die Deutsche Presseagentur eine Meldung zu EHEC an die Redaktionen. Diese Meldung wird am nÀchsten Tag landauf, landab in millionenfach verteilten Zeitungen stehen. Darin werden die Experten vom Robert-Koch-Institut (RPI) (angeblich) zitiert:

„Vorsorglich sollte man auf rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland komplett verzichten.“

TatsĂ€chlich ist das Zitat falsch. Nicht vor dem Verzehr von GemĂŒse „aus Norddeutschland“, sondern vor dem Verzehr „in Norddeutschland“ wurde in der Pressemitteilung des RKI gewarnt:

(…) empfehlen RKI und BfR ĂŒber die ĂŒblichen Hygieneregeln im Umgang mit Obst und GemĂŒse hinaus, vorsorglich bis auf weiteres Tomaten, Salatgurken und Blattsalate insbesondere in Norddeutschland nicht roh zu verzehren.

Millionenfach verbreitete "DĂŒnnpfiff"-Meldung - auch der MM warnt vor GemĂŒse "aus" Norddeutschland. Quelle: MM

Die Worte „in“ und „aus“ sind klein. Man könnte jetzt sagen: „Darum so ein Aufheben zu machen, ist doch dibbelschisserig.“ TatsĂ€chlich ist der vom Mediensystem erzeugte Schaden aber maximal. Verbraucher in ganz Deutschland sind verunsichert und die deutsche Landwirtschaft sowie der Handel haben einen massiven ökonomischen Schaden, weil Tomaten, Salat und Gurken kaum noch gekauft werden. Diese Produkte sind frisch und verderblich – was nicht verkauft wurde, muss entsorgt werden.

Vergurkte Berichterstattung

Auch in der Metropolregion veröffentlichen Mannheimer Morgen, Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung die verseuchte inhaltlich falsche dpa-Meldung ohne QualitĂ€tskontrolle. Dabei wĂ€re die denkbar einfach: Ein Klick auf Robert-Koch-Institut fĂŒhrt direkt zur Quelle.

Doch dafĂŒr muss man wachsam sein und Informationen aufmerksam „verarbeiten“. Bei einem Redakteur muss die Alarmglocke anspringen, wenn er „rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland“ liest. Kann das sein? Denn die Konsequenz ist weitreichend. Dieses GemĂŒse wird sich nicht mehr verkaufen lassen. Auch andernorts wird sich GemĂŒse nicht mehr verkaufen lassen, wenn nicht klipp und klar feststeht „woher“ dieses stammt.

Kaum Herkunftsnachweise – kaum Kennzeichnungen

Leider nutzen viele Menschen das „geistige Nahrungsmittel“ Zeitung nicht mit derselben Aufmerksamkeit. Sie wĂŒrden dann nĂ€mlich viel hĂ€ufiger fragen, „woher“ die Informationen stammen, die ihnen da vorgesetzt werden.

Aufmerksame Leser wissen lĂ€ngst, dass große Teile im „großen Teil“ der Zeitung nicht gegenrecherchierte Agentur- oder PR-Meldungen sind. Und selbst wenn es eigenstĂ€ndig verfasste Artikel sind, gibt es hĂ€ufig nur eine Quelle und die ist ebenfalls hĂ€ufig auch noch tendenziös.

Auch die Lokal- und Regionalteile der Zeitungen sind voll von Informationen unbekannter Herkunft. Oft werden sie gar nicht angegeben oder verschleiert. Das KĂŒrzel „zg“ beispielsweise steht fĂŒr „zugeschickt“.

Zeitungsartikel als „C“-Ware

Was die Zeitungen gerne als „1A-Ware“ verkaufen, ist in wirklich nur „B“- oder „C“-Ware, ein wenig umverpackt und aufgehĂŒbscht, aber im Kern einfach nur ein Massenprodukt nicht lokaler oder regionaler Herkunft. Die Zeitungen können diese Agenturmeldungen billiger einkaufen, als wenn sie selbst Redakteure recherchieren ließen oder sogar ganz umsonst, wenn sie Pressemitteilungen veröffentlichen. Oder sogar noch etwas verdienen, wenn sie als Artikel getarnte „PR-„Meldungen abdrucken.

Teuer bezahlen muss das der Kunde.

Die medienkritische und immer wieder lesenswerte Internetseite „Bildblog“ berichtete, dass die dpa und andere Agenturen klammheimlich in weiteren Meldungen das Wort „aus“ durch die korrekte Zitierung „in“ ersetzt haben. Ein deutlicher Hinweis an die Leserinnen und Leser fehlt im Mannheimer Morgen, in den Weinheimer Nachrichten und der Rhein-Neckar-Zeitung sowie vermutlich in allen deutschen Zeitungen.

Denn im „Fehler unterstellen“ sind deutsche Medien fĂŒhrend – im Fehler eingestehen sind sie Schlusslicht. QualitĂ€t geht anders. Doch vor einer Darmspiegelung hat das System Angst – man spĂŒrt die GeschwĂŒre und will gar nicht genau wissen, wie schlimm es um den Patienten Zeitung schon steht.

Der Gurkenskandal wird vorĂŒbergehen, der mediale DĂŒnnpfiff wird bleiben. Die Ansteckungsgefahr innerhalb des Mediensystems ist enorm hoch.

Die RNZ berichtet am 26. Mai 2011 die falsche Information "aus Norddeutschland". Quelle: RNZ

Einen Tag spĂ€ter heißt es korrekt "in" - eine Klarstellung an die Leser fehlt. Quelle: RNZ

Von außen betrachtet hat die DRK-„Fusion“ noch nicht stattgefunden


Guten Tag!

Hirschberg, 15. April 2011. (red) Die DRK-Ortsvereine Großsachsen und Leutershausen „haben“ demnĂ€chst fusioniert. Im Ort hat der Termin bereits stattgefunden, der Kreisvorstand muss das noch am 09. Juni 2011 bestĂ€tigen. Reine Formsache. Rhein-Neckar-Zeitung und Weinheimer Nachrichten haben wie ĂŒblich gleichtönend ĂŒber „Harmonie“ und „alles bestens“ berichtet. So muss das sein, in der Zeitungswelt und aus Sicht von „VorstĂ€nden“. Die große Frage bleibt: Wann ist es mal mit „sektseeligen Sichtweisen“ vorbei? Antwort: SpĂ€testens dann, wenn man nĂŒchtern hinguckt. Und dann gibt es auch unangehme Fragen.

Von Hardy Prothmann

„Um 21.35 Uhr war dann letztendlich alles in trockenen TĂŒchern, der neue Vorstand gewĂ€hlt, die Satzung bestĂ€tigt und der Sekt in den GlĂ€sern. Einstimmig wurden dabei alle Entscheidungen gefasst – „ein Zeichen fĂŒr die hervorragende Vorarbeit.“

Das klingt doch super. Alles „easy“. Keine Probleme. Hoch die Tassen.

Das klingt alles super, bis man ein wenig nachdenkt.

Laut Tabelle hat das fusionierte DRK Hirschberg nun 685 Mitglieder. Laut WN und RNZ sind gerade mal 33 stimmberechtige Mitglieder anwesend – gerade mal fĂŒnf Prozent. Die wĂ€hlen den Vorstand, Michael Frank, einstimmig. Darauf „hoch die Tassen“ – eine solch dramatisch schlechte Wahlbeteiligung von unter fĂŒnf Prozent kann man sich nur wegsaufen. Oder, wie Herr Frank zitiert wird: „Pack ma-€ℱs an!“

Die Frage, was es „anzupacken“ gilt, stellen weder die Weinheimer Nachrichten, noch die Rhein-Neckar-Zeitung. Wenn es nach deren Berichten geht, war alles immer in Ordnung und harmonisch undsoweiter. Sowohl beim DRK Großsachsen als auch beim DRK Leutershausen.

Wozu also die Aufregung? Was ist eigentlich aufregend? Dass aus zwei VorstĂ€nden einer wird? Dass die Fusion geplant worden ist? Dass gekommen ist, was „gewollt“ wurde?

Kam das von Heut auf Morgen? Irgendwie braschend? Dschuldischung, der Sekt, ĂŒ-b-e-r-raschend?

Wohl kaum.

Überraschend ist hingegen die „Öffentlichkeitsarbeit“ der DRK-Ortsvereine und des neuen „Gesamtortsvereins“. Eingeladen wurden nur die „Hausmedien“.

Und im Internet gibt es immer noch das DRK Leutershausen und das DRK Großsachsen mit eigenen Auftritten. Welcher von beiden öder, schlechter, langweiliger ist – der Wettbewerb ist kaum zu entscheiden, weil beide Angebote miserabel, nicht aktuell und wenig informativ sind.

(Die Behandlung des DRK Leutershausen zur „Geschichte“ des DRK unter Hitler hĂ€tte eine eigene Betrachtung verdient.)

Angeblich soll es demnĂ€chst unter „DRK-Hirschberg.de“ einen gemeinsamen Auftritt im Internet geben. Mal abgesehen davon, dass mit der Adresse „drk-hirschberg.de“ kein Geld zu machen ist, bleibt trotzdem die Frage, wieso sich das DRK Hirschberg diese Adresse trotz AnkĂŒndigung noch nicht gesichert hat?

Vermutlich aus dilletantischen GrĂŒnden. So mies, wie die bisherigen Internetauftritte gestaltet und „befĂŒllt“ sind, darf man vermuten, dass hier nur Dilletanten am Werk sind.

Die nennen sich intern wahrscheinlich „Beauftragte“ – nach außen liefern sie eine unterirdische Leistung ab.

Die Kritik geht nicht gegen das „Design“ – das ist schlecht. Letztlich kommt es aber auf die Inhalte an.

Und die sind… Ja, wie sagt man da, um nicht das „sch“-Wort zu benutzen?

"Aktuell", "attraktiv" - wohl kaum. Quelle: DRK Leutershausen

Also, die Inhalte sind bescheiden, veraltet und man fragt sich, ob sich jemand fĂŒr diese „Visitenkarte“ im Netz ĂŒberhaupt interessiert, wenn im April 2011 im „Nachrichtenticker“ immer noch Termine vom-  29. Januar 2010 durchlaufen…

Verantwortlich fĂŒr den „29. Januar 2010“ am 15. April 2011 ist Michael Frank – der neue Vorstand des fusionierten DRK Hirschberg. Der stellvertretende Hauptamtsleiter der Gemeinde Hirschberg ist der dortige „Internet-Experte“, der auch fĂŒr das neue Internet-Angebot der Gemeinde verantwortlich zeichnet.

Unsere Nachfrage, zum desolten Zustand dieser „PrĂ€sentation“ hat der Vorstand des DRK Hirschberg als „UnverschĂ€mtheit“ zurĂŒckgewiesen.

Fragt sich nur, wer sich fĂŒr was zu „schĂ€men“ hat.

Oder anders gefragt:

Wie kann es sein, dass zwei Ortsvereine des DRK fusionieren und das neue Medium Internet, ĂŒber das man junge Menschen und potenzielle Mitglieder ansprechen kann, strĂ€flich vernachlĂ€ssigt wird?

Wie kann es sein, dass das DRK Hirschberg offiziell verkĂŒndet, „demnĂ€chst“ unter drk-hirschberg.de auftreten zu wollen und noch nicht einmal die Adresse gesichert hat?

Wer ist dafĂŒr verantwortlich, dass das entscheidende Medium Internet – vor allem, was die Jugend angeht – so strĂ€flich vernachlĂ€ssigt wird?

Ist ein „Vorstand“ tragbar, der aktiv und unmissverstĂ€ndlich klar macht, dass „man“ auf eine Berichterstattung „bewusst verzichtet“?

Ist einem „Vorstand“, der sich so „bewusst“ Ă€ußert, ein „Bewusstsein“ zu attestieren?

Und wenn ja, fĂŒr was? FĂŒr die „eigene Wichtigkeit“ oder fĂŒr die „Sache“?

Herr Thomas Kurz und der „Vorstand“ sollten sich dringend die Frage stellen lassen, ob sie im Dienste der Idee des Deutschen Roten Kreuzes auch nur im Ansatz tragbar sind oder nicht sofort und kompromisslos ihre Ämter niederlegen sollten.

Und wem die „Relevanz“ nicht klar ist: Heute wird der Spatenstich des neuen Hilfeleistungszentrums getĂ€tigt. Ein Termin, der nicht nur das DRK betrifft – aber auch.

Wir berichten darĂŒber: Sollen wir „wunschgemĂ€ĂŸ“ das DRK ausklammern?

Wenn es nach Thomas Kurz und dem „Vorstand“ geht…

Offener Brief der GLH an die WN: „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“


Angeblich interessiert sich die WN fĂŒr die Meinung der Leser. Quelle: WN

Hirschberg/Rhein-Neckar, 22. MĂ€rz 2011. Der Sprecher der GrĂŒnen Liste Hirschberg (GLH), Arndt Weidler, ist Ă€ußerst unzufrieden mit „redaktioneller Linie“ und journalistischer Leistung der Weinheimer Nachrichten. Deshalb hat er einen offenen Brief verfasst, den er an die Hirschberger Parteien, den BĂŒrgermeister und die örtliche Presse versendet hat. Wir dokumentieren den Brief.

Der Brief ist alles, nur nicht zimperlich: „vordemokratisches Konzept“, „schlecht ausgebildetes redaktionelles Selbstbewußtsein“, „peinliche Regularien“, „der journalistischen Freiheit beraubt, noch eigenstĂ€ndig und aus freien StĂŒcken entscheiden zu können, was in Eurer Zeitung erscheint“, wirft GLH-Sprecher Weidler den Weinheimer Nachrichten vor.

Auch BĂŒrgermeister Just wird kritisiert, wegen eines „wilhelminischen VerstĂ€ndnis von freier MeinungsĂ€ußerung“. Auch die RNZ und das hirschbergblog werden kritisiert, „alle diese Medien nutzen ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhĂ€ngige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus“.

Arndt Weidler schlĂ€gt deshalb ein Symposium vor: „Ich schlage daher ein öffentliches Symposium zum Thema vor. „Was kann Lokaljournalismus leisten?“ „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“ könnte der Titel lauten.“

Dokumentation:

Arndt Weidler schreibt an WN-Redakeur Hans-Peter RiethmĂŒller

Lieber Hans-Peter RiethmĂŒller,

den zurĂŒckliegenden, kleinen, schriftlichen Disput zwischen uns, möchte ich zum Anlass fĂŒr einen „Offenen Brief“ zum Zustand der Lokalpresse nehmen. Verzeihe mir also bitte, dass ich den Kreis der Mitleser/innen, weil der Angesprochenen und Betroffenen, hiermit erweitere.

WN-Redakteur RiethmĂŒller hatte zuvor geschrieben, dass die Parteien immer vor den Wahlen auf die WN zukĂ€men und sich benachteiligt fĂŒhlten. Wegen eines „Konzepts“ habe man auf die Wahrnehmung von Terminen verzichtet, auch Termine wie das „KulturfrĂŒhstĂŒck“ der GLH fielen darunter, denn „warum findet dieser sonst so unmittelbar vor dem Urnengang statt“? Man habe auch nicht zu traditionellen Aschermittwochsveranstaltungen anderer Parteien geschrieben.

Der offene Brief von GLH-Sprecher Weidler an WN-Redakteur RiethmĂŒller

Ich beginne mit einer Antwort auf deine Replik von vorgestern: Es geht ja nicht einmal um Benachteiligung der GLH. Schlimm genug, dass ihr den anderen politischen Akteuren die Aufmerksamkeit ebenso verweigert.

SelbstverstĂ€ndlich kenne ich Euer so genanntes Konzept, das ich ehrlich gesagt fĂŒr vordemokratisch halte und zudem aus meiner Sicht auch Ausdruck eines schlecht ausgebildeten redaktionellen Selbstbewußtseins zu sein scheint. Die RNZ geht mit der Situation aus meiner Sicht weitaus souverĂ€ner um.

NatĂŒrlich seid Ihr die „Bestimmer“ ĂŒber die Inhalte in Eurer Zeitung: Es ist Euer Recht darĂŒber zu entscheiden, ob eine Veranstaltung inhaltlich und qualitativ ausreichend hergibt, um in der Berichterstattung berĂŒcksichtigt zu werden. In Wirklichkeit tut Ihr das aber nicht.

Die WN verschanzt sich vielmehr hinter peinlichen Regularien. Ihr wĂŒrdet meiner Meinung nach wesentlich glaubwĂŒrdiger und auch unabhĂ€ngiger wirken, wenn ihr allein unter redaktionellen und inhaltlichen Gesichtspunkten entscheiden wĂŒrdet worĂŒber berichtet wird und nicht unter dem Diktum „jeder hat zwei Schuss frei“ – egal wie inhaltsarm der Beitrag dann auch sein mag.

Vielmehr glaube ich, dass Ihr Euch unnötigerweise mit diesem Vorgehen der eigenen journalistischen Freiheit beraubt, noch eigenstĂ€ndig und aus freien StĂŒcken entscheiden zu können, was in Eurer Zeitung erscheint. Im Zweifelsfall (wĂ€ret Ihr denn konsequent) mĂŒsstet Ihr jeden Unsinn veröffentlichen, der verzapft wird – nach dem Motto: „die haben ja noch einen Artikel gut“.

Es ist Aufgabe der Parteien und der WĂ€hlervereinigungen an der politischen Willensbildung mitzuwirken. Der politische Wille des Volkes drĂŒckt sich in unserem demokratischen System durch Wahlen aus. NatĂŒrlich fĂŒhrt das zwangslĂ€ufig zu einer HĂ€ufung von Veranstaltungen vor den Wahlen – wo lebt ihr denn bei der WN? Aber es ist jedem politischen Wettbewerber doch selbst ĂŒberlassen, wie viele öffentliche Termine oder Veranstaltungen er in der Wahlkampfzeit organisiert. Ihr seid so frei zu berichten – oder eben nicht. UnabhĂ€ngig von vorab festgelegten Quoten.

Am Rande: Es mag Euch nicht immer transparent erscheinen – und vielleicht ist es auch eine Petitesse, die ihr gelegentlich ĂŒberseht -, aber die GLH und die BĂŒndnis-GrĂŒnen in Hirschberg sind organisatorisch zwei getrennte EntitĂ€ten.

Die GLH hat den Status einer freien WĂ€hlervereinigung, die mit eigenen Listen bei den Kommunalwahlen antritt und an der politischen Ausgestaltung des WĂ€hlerwillens in der Gemeinde Hirschberg aktiv mitwirkt. 70% der Mitglieder der GLH sind nicht gleichzeitig Mitglied von BĂŒndnis90/Die GrĂŒnen.

Und wĂŒrden die Statuten der anderen Parteien nicht dagegen stehen, könnten wir auch SPD- oder CDU-, sogar FDP-Mitglieder aufnehmen. Den Mitgliedern der GLH ist es freigestellt zu entscheiden welchen Kandidaten sie bei Wahlen unterstĂŒtzen, die ĂŒber die kommunale Ebene hinaus gehen. Im Falle Uli Sckerl haben wir als Vereinigung mehrheitlich in einer Mitgliederversammlung beschlossen, fĂŒr unser ehemaliges Mitglied und seine Kandidatur zu werben. Das ist die eine Seite.

Die andere Seite ist, dass ich keineswegs nachvollziehen kann, dass der GLH unterstellt wird, mit einer Informationsveranstaltung ĂŒber die Nutzung von Solartechnik Wahlkampf zu machen. Diese Art Veranstaltung könnte und kann – und vor allem wird – bei der GLH immer wieder stattfinden.

Nicht einzusehen, warum nicht vierzehn Tage vor einer Landtagwahl. Das Werben fĂŒr und die kritische Diskussion ĂŒber erneuerbare Energien ist lĂ€ngst kein „grĂŒnes“ Alleinstellungsmerkmal mehr, sondern beschĂ€ftigt weite Teile der Gesellschaft durch alle Parteien und WĂ€hlergruppen. Die WN schließt sich in diesem Falle unnötigerweise aus der sehr aktuellen Diskussion aus, weil ihr die eigenen Regularien im Wege stehen. Das ist schon sehr bedauernswert.

Zum Schluss noch Folgendes: Hirschberg befindet sich in der ausgesprochen glĂŒcklichen und privilegierten Lage ĂŒber zwei konkurrierende Lokalzeitungen zu verfĂŒgen.

DarĂŒber hinaus gibt es fĂŒr die Öffentlichkeit die Möglichkeit, sich mit Hilfe eines agilen und streitbaren HirschbergBlogs sowie eines ausgesprochen gut distribuierten Mitteilungsblattes ĂŒber politische Ereignisse zu informieren. Aus ganz unterschiedlichen GrĂŒnden nutzen aus meiner Sicht alle diese Medien ihr Potenzial, qualitativ hochwertige und unabhĂ€ngige politische Berichterstattung zu betreiben nicht aus.

Selbst die Gemeinde als redaktioneller „WĂ€chter“ des Mitteilungsblatts, welches ja ein reines Veröffentlichungsorgan ist, zeichnet sich durch ein wilhelminisches VerstĂ€ndnis von freier MeinungsĂ€ußerung und politischer BetĂ€tigung aus, indem es politischen Gruppierungen inhaltliche Artikel in der Zeit sechs Wochen vor Wahlen verweigert (das ist als wolle man den Kirchen in der Adventszeit die VerkĂŒndigung der Frohen Borschaft verbieten).

Es ist höchste Zeit in Hirschberg diese Defizite öffentlich zu benennen und zu diskutieren. Die GLH wird sich daher bei Ihrer nÀchsten Mitgliederversammlung am 7. April zu diesem Thema Gedanken machen und dabei auch den Schulterschluss mit den anderen politischen Akteuren in Hirschberg suchen.

Wir wissen nicht immer alles besser und es steht uns ĂŒberhaupt nicht zu, Euch vorzuschreiben was Ihr schreibt (ich bin gerne mal der Hase) und wie Ihr Eure Zeitung zu machen habt, aber wir alle, die im politischen Raum agieren, sind Gegenstand der Berichterstattung und Leser/innen gleichermaßen und somit durchaus in der Lage Anregungen und Ideen fĂŒr Verbesserungen der momentan doch sehr unbefriedigenden Situation zu liefern.

Ich schlage daher ein öffentliches Symposium zum Thema vor. „Was kann Lokaljournalismus leisten?“ „Wie viel Demokratie vertrĂ€gt die Presse in Hirschberg?“ könnte der Titel lauten.

In einem solchen Rahmen könnten sich alle Betroffenen, also auch die Presse, die Parteien und der BĂŒrgermeister, als Verantwortlicher fĂŒr das Mitteilungsblatt der Gemeinde, einbringen. Unter Beteiligung der BĂŒrger/innen wĂ€re dies ein denkbares Forum ĂŒber diese evidenten Probleme zu sprechen.

Entschuldige bitte, dass ich ausgerechnet unsere Korrespondenz zum Anlass genommen habe, dieses Thema so ausfĂŒhrlich und vor allem öffentlich zu thematisieren. Ich hoffe, Du betrachtest dies nicht als Vertrauensbruch. Ich weiß, dass Deine ursprĂŒngliche Antwort in Ton und AusfĂŒhrung eigentlich nur fĂŒr mich gedacht war. Aber ich denke, ich schĂ€dige damit nicht Deinem Ansehen, sondern verdeutliche damit nur umso mehr, wie dringend wir ein Überdenken der redaktionellen GrundsĂ€tze aller in Hirschberg vertretenen Medien benötigen. Unsere Auseinandersetzung, so hoffe ich, könnte Anlass sein, sich konstruktiv, zum Vorteil der Leser/innen, zum Vorteil einer echten demokratischen Streit- und Berichterstattungskultur und zum Vorteil der Akzeptanz der lokalen Medien, auseinanderzusetzen.

Mit hochachtungsvollen GrĂŒĂŸen
Arndt Weidler

P.S.: FĂŒr alle, die es interessiert noch mal meine ursprĂŒngliche Mail an den Lokalredakteur der WN, Hans-Peter RiethmĂŒller:

Erste email von GLH-Sprecher Weidler an WN-Redakteur RiethmĂŒller

Von: GrĂŒne Liste Hirschberg [mailto:news@gruene-liste-hirschberg.de]
Gesendet: Freitag, 18. MĂ€rz 2011 09:48
An: RiethmĂŒller, Hans-Peter
Betreff: Fw: PM der GLH: Vortrag am 17. MĂ€rz 2011

Lieber Hans-Peter,

vielen Dank zunĂ€chst, dass ihr vorab nochmals auf die Veranstaltung gestern Abend hingewiesen habt. Dennoch fĂ€llt mir auf, dass sich die WN in den vergangenen Wochen bei Veranstaltungen der GLH extrem rar gemacht hat. Ich kenne ja Euren Codex fĂŒr die Wahlkampfzeit, kann mir aber nicht erklĂ€ren, warum nun auch schon seit lĂ€ngerem Veranstaltungen, zu denen ausdrĂŒcklich die WĂ€hlervereinigung GLH einlĂ€dt und die nicht im unmittelbaren Zusammenhang mit den Landtagwahlen stehen, von der WN konsequent in der Nachberichterstattung ignoriert werden. Seit lĂ€ngerem ward auch niemand von Euch mehr bei einer Mitgliederveranstaltung gesehen, zu denen die RNZ regelmĂ€ĂŸig, gelegentlich auch der Kollege Hirschbergblog, erscheinen und berichten. Die MV ist nicht immer prickelnd, das weiß ich, und wenn es inhaltliche redaktionelle Bedenken gibt, ĂŒber die ein oder andere MV zu berichten, muss ich das akzeptieren. Und auch wenn ich Eure Restriktionen fĂŒr die Wahlberichterstattung hinnehmen muss (obwohl ich diesen Formalismus, ehrlich gesagt, fĂŒr vordemokratisch halte), ist mir nicht klar, warum sĂ€mtliche Veranstaltungen der GLH derzeit keine Berichterstattung mehr wert sind. Traurig insbesondere auch am vergangenen Sonntag beim KulturfrĂŒhstĂŒck. ErzĂ€hl mir bitte nichts von Überlastung und kein Personal – Fasching ist lĂ€ngst vorbei.

Die Veranstaltung von Brinkmeier war ĂŒbrigens ausgesprochen berichtenswert und der Vortrag ausnehmend gut. Schade nicht nur in diesem Fall, dass die WN das nicht mitbekommen hat. Wenn gewĂŒnscht und es dann auch veröffentlicht wird, schreibe ich Euch am WE ein paar Zeilen dazu – aber mal ganz deutlich: Das ist wirklich nicht mein Job, sondern Eurer – dem Ihr in letzter Zeit aus meiner Sicht nur sehr ungenĂŒgend nachkommt.

Mit grĂŒn-listigen GrĂŒĂŸen
Arndt

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

BĂŒrgermeister Just ist „not amused“ ĂŒber Bauplatzpreis-Diskussion


Guten Tag!

Hirschberg, 28. Februar 2011. Bei der „Eröffnung“ des Baugebiets „Sterzwinkel“ fand BĂŒrgermeister Manuel Just noch ein paar Worte in Richtung Weinheim – die Debatte ĂŒber die „höheren Preise“ im Sterzwinkel gegenĂŒber denen in „LĂŒtzelsachsen Ebene“ habe „gute GrĂŒnde“.

Von Hardy Prothmann

Wer BĂŒrgermeister Manuel Just ein wenig kennt, weiß, dass der Mann ein sportliches GemĂŒt hat.

Die Diskussion der vergangenen Tage ĂŒber die „höhere AttraktivitĂ€t“ des Baugebiets „LĂŒtzelsachsen Eben“ in Weinheim gegenĂŒber dem „Sterzwinkel“ in Hirschberg wurde vor allem durch die „Weinheimer Nachrichten“ vorangetrieben – befeuert durch „Zitate“ aus dem Weinheimer Rathaus.

Das scheint Herrn Just nicht gerade geĂ€rgert, aber doch ein wenig herausgefordert zu haben. Und Herausforderungen nimmt der dynamische JungbĂŒrgermeister an.

BĂŒrgermeister Just wendete sich zu Eröffnung des Sterzwinkels an die Besucher, darunter Familien, die hier BauplĂ€tze erworben haben, um ein paar deutliche Worte zu finden. „Nicht als Kampfansage“, wie er sagte: „Viele haben darauf hingewiesen, dass in Weinheim deutlich gĂŒnstigere Baupreise angeboten werden als im Sterzwinkel. Als BĂŒrgermeister bin ich selbstbewusst genug, um zu sagen, das hat auch seinen Grund.“

Die GrĂŒnde nennt Herr Just in unserer Videodokumentation:

Was die CDU Hirschberg, Peter Hauk und das Mitteilungsblatt gemein haben

Guten Tag!

Hirschberg, 04. November 2010. Unser Bericht ĂŒber den Besuch des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, hat die bislang grĂ¶ĂŸten Zugriffszahlen auf dem hirschbergblog ausgelöst.

Gut 80 teils sehr differenzierte Kommentare wurden veröffentlicht.

Die Weinheimer Nachrichten und die Rhein-Neckar-Zeitung beschrĂ€nkten sich auf unterwĂŒrfige Hofberichterstattung – die der CDU Hirschberg so gut gefallen hat, diese im Mitteilungsblatt nachzudrucken.

Von Hardy Prothmann

Soviel steht fest: Das Mitteilungsblatt der Gemeinde Hirschberg ist alles andere als ein journalistisches Medium. Hier werden Artikel und Darstellungen abgedruckt, die den jeweiligen Verfassern gefallen. Eine redaktionell-verantwortliche Kontrolle findet nicht statt. Das ist typisch fĂŒr die MitteilungsblĂ€tter aus dem Hause Nussbaum-Medien.

Grinse-Frakton - In der Summe verliert die Wahrheit. Quelle: CDU Hirschberg

Zur Not oder nach Belieben werden auch LĂŒgen verbreitet. Beide Zeitungen vor Ort haben glatt und klar gelogen, als sie von „50“ Besuchern beim Besuch des CDU-Fraktionsvorsitzenden im Stuttgarter Landtag, Peter Hauk, vor Ort in Hirschberg berichteten. Nussbaum-Medien trĂ€gt diese LĂŒge nun erwartungsgemĂ€ĂŸ weiter.

Sowohl Hans-Peter RiethmĂŒller (WN), als auch Annette Schröder (RNZ) waren vor Ort und haben zumindest die erste HĂ€lfte der Veranstaltung „begleitet“.

Beiden ist zuzutrauen, dass sie bis 50 zĂ€hlen können. Beide haben unwahr berichtet, dass 50 GĂ€ste an der Veranstaltung teilgenommen haben. Es waren genau 28 Menschen, die sich im „Zuschauerraum“ hingesetzt hatten.

Die CDU Hirschberg hat den Artikel der RNZ von Annette Schröder mit Quellenangabe im Mitteilungsblatt nachdrucken lassen. Wurde Frau Schröder dazu befragt?

Nach geltendem Recht kann man auszugsweise rechtlich geschĂŒtzte Texte zitieren. Ein Nachdruck setzt das EinverstĂ€ndnis des Autoren oder der Autorin voraus.

Darf man also davon ausgehen, dass Frau Schröder erstens ihre unwahren Behauptungen weiter verbreiten und diese zweitens gerne auf dem „Ticket“ der CDU gerne weiterverbreiten möchte?

Davon muss man ausgehen, weil ein „Einspruch“ von Frau Schröder nicht bekannt ist. Eher eine stillschweigende Duldung. Ebenso duldet die CDU Hirschberg stillschweigend, dass einige der Informationen in Frau Schröders Artikel definitiv falsch sind.

Und hier wird es sowohl fĂŒr Frau Schröder als auch fĂŒr die CDU Hirschberg problematisch.

Die CDU Hirschberg muss sich fortan den Vorwurf gefallen lassen, unkritisch falsche Informationen zu verbreiten und Frau Schröder muss sich gefallen lassen, mit ihren Falschinformationen durch die CDU unterstĂŒtzt zu werden und sich fragen lassen, wie es denn so bei ihr bestellt ist, mit einer „objektiven Berichterstattung“?

Vermutlich darf man davon ausgehen, dass Frau Schröder so eine Art „Presseorgan“ der CDU ist und die RNZ-Redaktion dies unterstĂŒtzt.

In solchen FĂ€llen muss man immer nachfragen, ob es sich ausschließlich um eine Fehlleistung des jeweiligen Journalisten handelt oder eine der Redaktion. Solange das nicht geklĂ€rt ist, darf man getrost annehmen, dass auch die Redaktionsleitung der RNZ die LĂŒgen und Fehlleistungen der Journalistin Annette Schröder stĂŒtzt – denn unser Artikel in gleicher Sache dĂŒrfte der RNZ-Leitung angesichts von 26.000 Zugriffen in Deutschland und im Ausland nicht unbekannt sein – wenn doch, wĂ€re das mehr als peinlich fĂŒr die Redaktionsleitung der RNZ.

Es ist auch mehr als peinlich fĂŒr die CDU Hirschberg, wenn diese so tut, als gĂ€be es den Artikel auf dem hirschbergblog nicht. Es ist beschĂ€mend, dass es von Seiten der CDU keinerlei Reaktionen dazu gab. Stimmt nicht ganz: Der „Schön-schreib-alles-toll-und-souverĂ€n-Artikel“ von Frau Schröder ist prominent auf der CDU-homepage platziert.

Warum? Die Antwort ist klar. Weil er gefÀllt. Weil es sich um gefÀlliges, unkritisches und hofberichterstattendes Geblubber handelt, das den Namen Journalismus nicht verdient hat.

Frau Schröder wird sich von diesem Artikel vermutlich ebensowenig wie die CDU Hirschberg „irritieren“ lassen. Das sitzt man aus. Das nimmt man nicht zur Kenntnis. Das hĂ€lt man fĂŒr „blöd, bösartig“ oder sonstwas.

Das mag so sein – aber es werden sich sowohl fĂŒr Frau Schröder, als auch fĂŒr die CDU, die sich das aussucht, was ihr gefĂ€llt, anstatt sich mit der RealitĂ€t auseinanderzusetzen, die Zeiten Ă€ndern.

Die Menschen werden Informationen vergleichen, Behauptungen wahrnehmen und sich ihre Meinung bilden. UnabhÀngig davon, ob Zeitungen Hofberichterstattung betreiben oder nicht.

Frau Schröder, Redakteurin der RNZ, muss damit leben, dass man ihr vorwirft, faktisch falsch und tendensiös berichtet zu haben. Sie darf getrost als „CDU-nah“ eingestuft werden, was noch nicht mal „schlimm“ wĂ€re. „Schlimm“ ist, dass Frau Schröder und die RNZ so tun, als wĂ€ren sie „unabhĂ€ngig“.

Die CDU Hirschberg muss sich gefallen lassen, diese falsche Berichterstattung der Bevölkerung zu unterstĂŒtzen. Ob sich die CDU Hirschberg eher falschen Artikeln „nah“ fĂŒhlt oder sich „kritisch“ gibt, muss sie selbst wissen.

Spannend wird sein, was die Zukunft bringt.

Ach ja, die Überschrift fragte: „Was die CDU Hirschberg, Peter Hauk und das Mitteilungsblatt gemein haben?“ Die Antwort ist offensichtlich.

Stuttgart 21 Top-Thema auf dem hirschbergblog

Guten Tag!

Hirschberg, 26. Oktober 2010. Unser Artikel ĂŒber den „Informationsabend“ der Hirschberger CDU mit dem Gast Peter Hauk, Fraktionschef der Landes-CDU, hat fĂŒr einen Zugriffsrekord gesorgt: 4.708 14.738 Mal wurde der Text gestern aufgerufen. Nicht der Artikel an sich sorgte fĂŒr den Rekord, sondern der Inhalt und hier vor allem die Aussage von Hauk, dass es „wurscht ist, ob Stuttgart 21 zehn oder fĂŒnfzehn Milliarden Euro kostet.“

Von Hardy Prothmann

Mit ziemlicher Sicherheit gibt es in Hirschberg viele Menschen, die das „hirschbergblog“ noch nicht kennen – und es vielleicht auch nicht kennen wollen. Ist ja nur Internet und nichts „Handfestes, Gedrucktes“.

TatsĂ€chlich kennen mindestens 4.708 Menschen seit gestern das hirschbergblog – denn soviele LeserInnen haben den Artikel „CDU-Spitzenpolitiker Peter Hauk: “Ob das 10 oder 15 Milliarden kostet, kann Baden-WĂŒrttemberg wurscht sein“ innerhalb eines Tages aufgerufen.

Das ist ist ein absoluter Rekord – verzeichnen wir sonst im Schnitt rund 800-1000 Besucher am Tag.

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LĂ€cheln fĂŒr die Fotografen.

Das Interesse ist klar: Es gilt Stuttgart 21, einem der brisantesten Politikthemen ĂŒberhaupt zur Zeit. Und Stuttgart 21 ist kein lokales Thema, es beschĂ€ftigt die gesamte Republik.

Auf der Suche nach kritischen Informationen.

Viele der abgegebenen Kommentare kommen weder aus Stuttgart, noch aus Nordbaden oder Hirschberg, sondern aus ganz Deutschland – weil ĂŒberall in Deutschland Menschen auf der Suche nach Informationen zu Stuttgart 21 sind.

Vor allem auf der Suche nach kritischen Informationen, die nichts verlautbaren, sondern Fakten liefern und Stellung beziehen.

Alle „großen“ Medien wie SĂŒddeutsche Zeitung, FAZ, Spiegel, Bild, ARD und andere berichten darĂŒber, auch lokale Medien wie die Stuttgarter Zeitung. Warum interessieren sich so viele Menschen fĂŒr eine klitzekleine, lokaljournalistische Internetseite wie das hirschbergblog?

Weil der Artikel und sein Inhalt offensichtlich interessant sind. Denn die „große“ Landespolitik ist mit dem CDU-Fraktionschef Peter Hauk ins Lokale gekommen.

Alles super?

Das hĂ€tte niemanden weiter interessiert, wĂ€re es bei der gewohnten Berichterstattung der „traditionellen“ Lokalmedien geblieben. Weinheimer Nachrichten und Rhein-Neckar-Zeitung haben brav-freundlich berichtet. Alles super, alles souverĂ€n. LĂ€chelnde Politiker – Gruppenbild mit Dame. NĂ€chster Termin. Schule, KaninchenzĂŒchter, Baugebiet.

Um dem ganzen ein wenig mehr Bedeutung zu geben, verdoppeln die Zeitungen einfach mal die Besucherzahl und lĂŒgen dabei „wie gedruckt“. Zwischen tatsĂ€chlich 28 anwesenden GĂ€sten und angeblichen 50 ist ein deutlicher Unterschied – so verschĂ€tzen kann man sich gar nicht unabsichtlich. Selbst wenn man das Podium und die Journalisten und die Fotografen hinzuzĂ€hlt, kĂ€me man gerade mal auf 38 Personen.

Die Fotografen machen gut 30-50 Bilder von strahlenden Politikern, die dauerlĂ€cheln und Anweisungen befolgen: „Ja, bitte so nochmal, mehr lĂ€cheln, ja gut, jetzt nĂ€her zusammen…“

Ich habe auf ein solches Foto verzichtet und die Fotografen beim Fotografieren fotografiert. Denn was sich hier in der Provinz abspielt, ist symptomatisch fĂŒrs ganze Land. Eine mediale Politikinszenierung, die nichts mit dem zu tun hat, was tatsĂ€chlich geschieht.

Große Verunsicherung.

TatsĂ€chlich geschieht eine große Verunsicherung. Bei den Menschen, die nicht mehr verstehen, was Stuttgart 21 eigentlich sein soll. Die nicht verstehen, wie brave BĂŒrger zusammengeknĂŒppelt werden. Rentner und SchĂŒler. In Hirschberg sitzen an diesem Abend fast nur Rentner, die sich von Peter Hauk anhören: „Es gab auch gewaltbereite Demonstranten.“

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Planlos auf der Suche nach Orientierung: Peter Hauk.

Selbst diese treuen CDU-AnhĂ€nger sind verunsichert. Hauk redet auf sie ein und ein und ein. Auch ich bin verunsichert, das gebe ich offen zu. Verunsichert, weil Herr Hauk „seiner ausladenden Rede von Car-Sharing ĂŒber Stromkabel bis Gorleben“ (RNZ) so viele Themen anschneidet, dass kein Bericht möglich ist, der das einigermaßen wiedergeben kann.

Verunsichert, weil ich befĂŒrchte, nicht kompetent genug ĂŒber Stuttgart 21 berichten zu können, ein Projekt, dass 1988 erdacht wurde (ich habe 1991 als freier Journalist meine Arbeit begonnen) und seit 1995 verhandelt wird und das so viele Berichte erzeugt, die kein Mensch mehr lesen kann.

Ich konzentriere mich also auf das, was ich als einigermaßen informierter Mensch darĂŒber weiß und was ich vor Ort erlebe und schreibe mit. Details recherchiere ich in den Tagen nach dem Termin nach.

Und ich spĂŒre die Verunsicherung der GĂ€ste vor Ort. Ich registriere die selbstgefĂ€llige Haltung von Herrn Hauk, die verunsicherten Blicke der lokalen CDU-Prominenz vorne auf dem Podium, die schon lĂ€ngst den Anschluss an das verloren hat, was Hauk von sich gibt, ich sehe den Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers, der stĂ€ndig nervös zwinkert und den StaatssekretĂ€r Georg Wacker, der irgendwelche SMS in seinem Handy „checkt“, wĂ€hrend Hauk redet und redet und redet.

Gewinner und Verlierer.

Das schreibe ich auf. Vor allem einen Satz, der irgendwie alles zusammenfasst, was Herr Hauk vorher geredet hat: „Ob das 10 oder 15 Milliarden kostet, kann Baden-WĂŒrttemberg egal sein.“

Zu diesem Zeitpunkt sind die „Kollegen“ von der Zeitung schon weg. Annette Schröder titelt fĂŒr die RNZ: „Das Land in der Summe gewinnt“. Das ist, mit Verlaub, ein Schwachsinnssatz, einige der Angaben im Artikel sind glatt gelogen, die allermeisten beschönigend dargestellt.

Die Weinheimer Nachrichten haben die Überschrift: „Keine Stimmungsdemokratie“ – die ĂŒbernommene Argumentation von Redakteur Hans-Peter RiethmĂŒller ist einfach: Wenn Stuttgart 21 nicht kommt, hat Baden-WĂŒrttemberg immer nur gezahlt, aber nichts zurĂŒckbekommen. Der Artikel endet mit einem Zitat von Hauk: „Das ist nicht einzusehen.“

Ich glaube vielmehr, dass nicht einzusehen ist, dass die Öffentlichkeit von solchen Medien und Journalisten vollstĂ€ndig verantwortungslos manipuliert wird. Es ist nicht einzusehen, dass man irgendwelche Abschriften gereicht bekommt, deren Verfasser sich unwohlig auf ihren Stuhlen herumdrĂŒckten, um dann gefĂ€llige Artikel drucken zu lassen, die nichts mit dem zu tun haben, was sie selbst erlebt haben.

Wahrheit und LĂŒgen.

Durch das Internet lassen sich solche LĂŒgenmĂ€rchen schnell enttarnen. Herzig ist, dass die, die dadurch in die Kritik geraten, gerne das Internet als „LĂŒgenmaschine“ diffamieren.

Denn sie haben Angst vor diesem Medium, dass sie nicht so einfach kontrollieren können wie die Zeitungsbranche und den Rundfunk.

Und sie wissen, dass man zentrale Medien noch ganz gut beherrscht, aber das dezentrale Internet nicht beherrschen kann, das ĂŒberall ist, aber irgendwie auch nirgends und mit Angeboten wie dem hirschbergblog plötzlich vor Ort eine Bedeutung erhĂ€lt.

Das betrifft nicht nur Machtmenschen wie Peter Hauk, auch der örtliche Sprecher der GrĂŒne-Liste-Hirschberg-Fraktion, JĂŒrgen Steinle, musste vor kurzem erleben, dass nicht alles so lĂ€uft, wie er sich das vorstellt. Auch hier gibt es offensichtlich VerstĂ€ndnisprobleme, was ein unabhĂ€ngiges Medium ist.

Haltung.

Als verantwortlicher Journalist fĂŒr das hirschbergblog werde ich diese Haltung weiter bewahren: unabhĂ€ngig, ĂŒberparteilich und kritisch zu berichten.

Am 25. Oktober 2010 haben 4.708 LeserInnen die Möglichkeit wahrgenommen, sich hier ĂŒber den Auftritt von Peter Hauk zu informieren und sich eine Meinung zu bilden. Wir haben auf die „Konkurrenz“-Angebote in den Zeitungen hingewiesen, um uns mit anderen Medien-Angeboten vergleichbar zu machen, weil wir Wettbewerb nicht scheuen.

Wir können noch nicht so viele Themen abdecken, wie wir das gerne wollten. Aber die Themen, die wir berichten, sind offen und ehrlich und ohne „RĂŒcksichtnahmen“ kostenlos fĂŒr alle nachzulesen.

Und zu kommentieren – auch das trĂ€gt zur Meinungsbildung bei.

Im Namen des gesamten Teams bedanke ich mich fĂŒr das Interesse und die Kommentare.

Wie aus einer Pressemeldung ein „Artikel“ wird und wer hinter dem KĂŒrzel „zg“ steckt

Guten Tag!

Hirschberg, 03. April 2010. Aufmerksame Zeitungsleser wundern sich ĂŒber einen sehr fleißigen Autoren, der anscheinend fĂŒr den Mannheimer Morgen, die Weinheimer Nachrichten, die Rhein-Neckar-Zeitung und viele andere Zeitungen arbeitet. Sein KĂŒrzel: zg.

Von Hardy Prothmann

Kein Journalist hat fĂŒr diesen Artikel nennenswert recherchiert - eine Pressemitteilung wurde ein wenig umgeschrieben und fertig ist ein "redaktioneller Artikel" im Mannheimer Morgen, der so tut als ob. Die durchgestrichenen Passagen fallen weg, die unterstrichenen Stellen sind EinfĂŒgungen oder Umstellungen. Klicken Sie, um das gesamte Dokument und die VerĂ€nderungen zu sehen."

Es gibt in Deutschland einen Vielschreiber, der niemals unter seinem Namen auftritt, sondern nur mit dem KĂŒrzel „zg“.

„zg“ ist vielseitiger Schreiber: Vereine, Sport, Politik, Kultur, Wirtschaft, VerbĂ€nde – kein Thema ist vor ihm sicher. Er berichtet einfach zu allem und jedem.

Noch verwunderlicher ist: „zg“ schreibt fĂŒr jede Menge Zeitungen – auch fĂŒr solche, die miteinander „konkurrieren“, wobei die Konkurrenz meist nur in den Außenbezirken an den RĂ€ndern der Erscheinungsgebiete stattfindet.

Und „zg“ ist meistens bestens informiert und liefert immer Informationen „aus erster Hand“.

So auch heute wieder im Mannheimer Morgen. Hier berichtet „zg“ ĂŒber den genehmigten Antrag zur gemeinsamen Werkrealschule von Hirschberg und Heddesheim.

Wer genau hinschaut und die Pressemitteilung der Gemeinden zum Thema kennt, stellt fest: So fleißig ist „zg“ gar nicht. Mit ein paar KĂŒrzungen, Umstellungen und marginalen EinfĂŒgungen macht „zg“ flugs aus einer Pressemitteilung einen „eigenen“ Artikel.

„zg“ ist das KĂŒrzel fĂŒr „zugesandte“ Texte.

Das RĂ€tsel um den Vielschreiber „zg“ ist schnell gelöst. Es gibt ihn nicht. Das KĂŒrzel „zg“ steht fĂŒr „zugeschickt“ oder „zugesandt“.

Das bedeutet: Alle „Artikel“ (und das sind jede Menge), die das KĂŒrzel „zg“ tragen, sind nicht von Journalisten der jeweiligen Redaktion verfasst worden, sondern in den meisten FĂ€llen Pressemitteilungen oder Vereinsnachrichten, die ein wenig „aufgehĂŒbscht“ werden und dann so tun, als seien sie eigenstĂ€ndige redaktionelle Leistungen der Zeitung.

Könnte man auch sagen, hier tĂ€usche jemand eine eigene redaktionelle Leistung vor? So weit will ich nicht gehen (in Zeiten, in denen man ganz schnell fĂŒr MeinungsĂ€ußerungen abgemahnt wird, muss man vorsichtig sein). Immerhin werden die „zg“-Texte ja ein bisschen bearbeitet, was aus Sicht von Zeitungen dann doch eine redaktionelle „Leistung“ darstellt. Das ist eben Ansichtssache.

Der Schein der Vielfalt.

Leider, leider, werden aber die Leserinnen und Leser nicht ĂŒber dieses Verfahren aufgeklĂ€rt und können nicht erkennen, ob sie einen eigenstĂ€ndig recherchierten Artikel oder eine umgeschriebene Pressemitteilung vor sich haben.

Das wollen die Zeitungen nicht. Sie wollen etwas anderes erreichen: Sie suggerieren eine große Vielfalt von „eigenen“ Autoren, die aber keine eigenen sind. Es sind „als ob“-Autoren.

So auch im Text ĂŒber die Werkrealschule, in den die Redaktion besonders dreist noch eingefĂŒgt hat: „…in einer Pressemitteilung“, obwohl der Text selbst zu geschĂ€tzten 90 Prozent aus eben dieser Pressemitteilung besteht. (Klicken Sie auf das Bild, um sich selbst ein Bild zu machen.)

Korrekt wĂ€re, wenn die Zeitungen einfach drĂŒber oder drunter „Pressemitteilung von xy“ schreiben wĂŒrden – dann wĂŒssten die Leser Bescheid, wie sie den Text einzuordnen haben.

Zeitungen tauschen aber auch gerne Artikel untereinander aus. Beispielsweise schreibt im Mannheimer Morgen ĂŒber Hirschberg hĂ€ufiger ein Autor, der mit „hr“ zeichnet.

Ausgeschrieben ist das Hans-Peter RiethmĂŒller, Redakteur bei den Weinheimer Nachrichten. Umgekehrt erscheint in den Weinheimer Nachrichten auch mal „agö“, richtig Anja Görlitz vom Mannheimer Morgen.

Und im Mannheimer Morgen gibt es auch mal die Kombination WN/agö – das ist dann eine TextĂŒbernahme der Weinheimer Nachrichten mit „redaktioneller Bearbeitung“ durch agö.

Auch durch diese Praxis wird so getan als ob. Korrekt wĂ€re ein Hinweis, dass hier Artikel aus anderen Zeitungen ĂŒbernommen wurden. Wie Redaktionen ihre Leserinnen und Leser ĂŒber die Inhaltsstoffe informiert, die im Produkt Zeitung drin sind, entscheiden die Redaktionen selbst.

Umgeschriebene Pressemitteilungen sind gÀngige Praxis.

FĂŒr Recherche bleibt keine Zeit – schließlich muss „zg“ jede Menge „Artikel schreiben“. Diese Praxis, umgeschriebene Pressemitteilungen als eigene Artikel zu verkaufen, ist Gang und GĂ€be in deutschen Zeitungsredaktionen. Journalisten, die eigentlich bei einer Nachrichtenagentur angestellt sind, werden so schnell auch mal zu „Von unserem Mitarbeiter xy“.

Das hirschbergblog arbeitet anders: NatĂŒrlich ĂŒbernehmen wir wie jede Redaktion manchmal Informationen aus Pressemitteilungen und anderen Informationsquellen. Das machen wir in den allermeisten FĂ€llen durch die Nennung der Quelle deutlich. Die Informationen fĂŒgen wir neu und eigenstĂ€ndig zusammen und ergĂ€nzen sie durch eigene Recherche. Das Ergebnis ist ein echter redaktioneller Artikel und nicht eine Mogelpackung, die so tut als ob.

DarĂŒber hinaus verlinken wir zu Informationsquellen oder dokumentieren die Originalpressemitteilungen – dadurch ermöglichen wir eine große Transparenz fĂŒr unsere Leserinnen und Leser.

„Vom Versagen der Lokalpresse“

Guten Tag!

Hirschberg, 08. MĂ€rz 2010. Der Medienjournalist Stefan Winterbauer Ă€rgert sich heute in einem Artikel ĂŒber die OdenwĂ€lder Zeitung, bei der er selbst volontiert hat. Sein Fazit: Die Lokalpresse versagt.

Stefan Winterbauer ist Journalist und berichtet seit Jahren als Fachautor ĂŒber Medienthemen. Unter anderem bei „meedia“, einem fĂŒhrenden Portal, das ĂŒber Medien berichtet. Die Welt der Medien ist spannend: Hier finden sich Konzerne mit Marktmacht, hier finden sich politische, kulturelle, sportliche, gesellschaftliche Themen.

Winterbauer wollte sich bei „seiner“ Zeitung, Weinheimer Nachrichten/OdenwĂ€lder Zeitung, ĂŒber den Kindesmissbrauch an der Odenwaldschule informieren. Aus erster Hand. Was Winterbauer bleibt, ist die ernĂŒchternde Erkenntnis, dass der Lokaljournalismus klĂ€glich versagt.

Update:
Mittlerweile gibt es einen kurzen Text mit Material der dpa.

Einen schönen Tag wĂŒnscht
Das hirschbergblog

Verkehrte Welt

Guten Tag!

Hirschberg/Heddesheim, 30. Januar 2010. Als TrĂ€ger öffentlicher Belange stellt die Gemeinde Hirschberg Forderungen in Sachen geplanter „Pfenning“-Ansiedlung in Heddesheim. „Pfenning“ zeigt sich davon unbeeindruckt und erwartet von BĂŒrgermeister Just, dass er vorstellig wird. Diese Haltung ist mehr als erstaunlich – sie ist arrogant.

Kommentar: Hardy Prothmann

In Heddesheim hat die Unternehmensgruppe „Pfenning“ irgendwann betont, dass sie ein „guter Nachbar“ sein wolle. Irgendwann heißt: Nachdem sie festgestellt hat, dass viele Heddesheimer den neuen Nachbarn nicht wollen.

Plötzlich prĂ€sentierten sich „Pfenning“-Vertreter mit einem Stand im Ort und verteilten Flyer. Es wurden Anzeigen geschaltet. Man nahm brav am so genannten Dialogkreis teil und schaltete eine Seite „Pro-Heddesheim“ im Internet frei.

Der Aufwand hatte ein Ziel: Möglichst viel gute Stimmung zu machen, denn die BĂŒrger sollten befragt werden, ob sie den neuen Nachbarn wollen oder nicht. 50,35 Prozent stimmten dafĂŒr 49,65 Prozent stimmten dagegen. Diese 0,7 Prozentpunkte oder 40 Stimmen mehr fĂŒr „Pfenning“ reichen dem Heddesheimer BĂŒrgermeister Michael Kessler und seinen UnterstĂŒtzern bei CDU, SPD und FDP, um zu argumentieren, die Heddesheimer wollten „Pfenning“.

Die Abstimmung war am 27. September 2009. Seitdem hat man vom guten Nachbarn „Pfenning“ in Heddesheim nichts mehr gesehen. Warum auch? Das Unternehmen hat sein Ziel erreicht, das Bebauungsplanverfahren lĂ€uft weiter.

Innerhalb dieses Verfahrens können nun TrÀger öffentlicher Belange zum Vorentwurf des Bebauungsplans ihre Stellungnahmen abgeben. Hirschberg fordert ein Gutachten, dass der Kreisel im Gewerbegebiet die bis zu 1000 zusÀtzlichen Lkw-Bewegungen sowie den zusÀtzlichen Pkw-Berufsverkehr wird aufnehmen können.

Denn der Bauamtschef Rolf PflĂ€sterer sieht Probleme: „Wir bezweifeln, dass der Kreisel ausreichend dimensioniert ist. Eventuell muss hier ein Bypass her“, sagte er dem hirschbergblog.

DarĂŒber hinaus besteht die Gemeinde Hirschberg auf einem „Verkehrslenkungsvertrag„. Der soll sicherstellen, dass keine „Pfenning“-Lkw ab 18 Tonnen ĂŒber die B3 fahren.

Wer will hier was von wem?

DarĂŒber haben auch der Mannheimer Morgen und die Weinheimer Nachrichten bereits berichtet – mit einem wortgleichen Artikel. Denn die beiden Zeitungen sind sich keine Konkurrenz – sie tauschen ihre Artikel aus.

Und die Hirschberger brauchen von den Zeitungen keine kritische Berichterstattung erwarten. Der Mannheimer Morgen hat es bis heute nicht geschafft, auch nur einmal kritischen Fragen nachzugehen und das Ergebnis einer solchen Recherche zu veröffentlichen.

Die Zeitung informiert klar im Sinne der BefĂŒrworter der geplanten Ansiedlung:

„Zur Frage eines Verkehrslenkungsvertrags mit Hirschberg sagte Pfenning-Pressesprecherin Pélagie Mepin, man stehe auch einem GesprĂ€ch mit BĂŒrgermeister Just offen gegenĂŒber, wolle aber zunĂ€chst abwarten, womit dieser konkret auf das Unternehmen zukomme.“

Wer einen solchen Satz aufschreibt, muss sofort denken: „Moment. Verkehrte Welt. Wer will hier was von wem?“

Doch das fĂ€llt den Redaktionen nicht ein. Nicht der BĂŒrgermeister Just muss auf „Pfenning“ zukommen, sondern „Pfenning“ auf Just. „Pfenning“ will sich ansiedeln und „Pfenning“ muss sich deshalb folgerichtig bemĂŒhen, um Zweifel und Bedenken auszurĂ€umen.

Immerhin will man angebliche 100 Millionen Euro investieren.

Jeder vernĂŒnftige Mensch wĂŒrde vor einer eventuellen BelĂ€stigung den Nachbarn darĂŒber in Kenntnis setzen, um ein gutes VerhĂ€ltnis zu bewahren. Und nicht warten, bis der Nachbar sich genervt meldet.

Hirschberg profitiert ĂŒberhaupt nicht von der geplanten Ansiedlung. Im Gegenteil. Mit großer Wahrscheinlichkeit bringt diese Hirschberg weitere Verkehrsbelastungen.

Die Bedenken aus Hirschberg sind dem Unternehmen lĂ€stig. Deswegen bemĂŒht man sich auch nicht, diese auszurĂ€umen. Wenn der Just was will, soll er halt einen Termin vereinbaren. Punkt. Aus. Fertig.

Diese arrogante Haltung kennt die kritische Heddesheimer Bevölkerung schon zur GenĂŒge. „Pfenning“ bewegt sich nur, wenn der Druck zu groß wird. Unter Druck ist auch der „Verkehrslenkungsvertrag“ entstanden.

Die Hirschberger sind gut beraten, wenn sie das berĂŒcksichtigen. Ohne Druck bewegt sich „Pfenning“ garantiert nicht.