Mittwoch, 27. Februar 2019

Gesundheitsamt warnt: Zeckenbisse k├Ânnen gef├Ąhrliche Krankheiten ├╝bertragen

Guten Tag!

Rhein-Neckar, 08. April 2010. Das Gesundheitsamt des Rhein-Neckar-Kreises warnt: „Fr├╝hlingszeit ist Zeckenzeit“. Die Tiere k├Ânnen FSME und Borreliose ├╝bertragen – bei beiden Krankheiten werden die Nerven gesch├Ądigt. Die ├ärztin Dr. Oswinde Bock-Hensley, Expertin beim Gesundheitsamt, erkl├Ąrt im Interview, auf was Naturfreunde achten sollten.

Krankheits├╝bertr├Ąger: 3-4 Millimeter klein ist eine Zecke - bis zu drei Zentimeter kann sie "gro├č" werden, wenn sie ihre Mahlzeit beendet hat. Bild: Gesundheitsamt

Von Hardy Prothmann

Frau Dr. Bock-Hensley, gibt es zur Zeit schon Zecken?
Dr. Oswinde Bock-Hensley: „Zecken gibt es das ganze Jahr ├╝ber, aktiv sind sie vor allem von M├Ąrz bis Oktober. Sobald die Temperatur konstant ├╝ber acht Grad Celsius liegt. Die Zecken sind deshalb vor allem im Juli und August sehr aktiv. Ab H├Âhen von rund 1.300 Meter gibt es keine Zecken mehr.“

1000 Zecken in vier Stunden.

Gibt es Informationen ├╝ber die Zahl der Zecken? Sind es dieses Jahr besonders viele oder weniger als sonst?
Bock-Hensley: „Diese Untersuchungen sind sehr teuer und wurden bislang nur vereinzelt gemacht. Um Ihnen eine Vorstellung zu geben: Wir waren im vergangenen Jahr zu f├╝nft im Odenwald und haben vier Stunden lang gezielt nach Zecken gesucht und diese eingesammelt. Das Ergebnis waren rund eintausend Zecken.“

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Dr. Oswinde Bock-Hensley, Expertin beim Gesundheitsamt. Bild: privat

Sie haben gezielt gesucht.
Bock-Hensley: „Das haben wir, wobei der Tag eher schlecht war – zu k├╝hl und verregnet. Wenn es aber warm und feucht ist, werden die Zecken erst richtig aktiv.“

Der Rhein-Neckar-Kreis gilt als Risikogebiet, weil Zecken die Erreger f├╝r Borreliose und FSME ├╝bertragen k├Ânnen. Erkl├Ąren Sie doch bitte mal, was ein Risikogebiet ist.
Bock-Hensely: „Grunds├Ątzlich sind das vor allem Baden-W├╝rttemberg und Bayern, aber auch das Ausland, hier vor allem ├ľsterreich oder auch Griechenland. Die statistische Definition f├╝r ein Risikogebiet gilt ab einer durch Zeckenbiss nachgewiesenen Infektion pro 100.000 Menschen. Wir hatten im vergangenen Jahr f├╝nf F├Ąlle bei rund 540.000 Einwohnern im Kreis. Zwei Erkrankungen verliefen sehr schwer.“

Wir empfehlen eine Impfung gegen FSME.

Gegen FSME (Fr├╝hsommermeningoencephalitis) kann man sich impfen lassen.
Bock-Hensley: „Das empfiehlt das Robert-Koch-Institut. Diese Empfehlung hat das Sozialministerium ├╝bernommen und wir geben dementsprechend diese Empfehlung auch weiter.“

Wer sollte sich impfen lassen?
Bock-Hensley: „Alle Berufsgruppen, die betroffen sind, also Waldarbeiter oder F├Ârster sind geimpft – hier liegen seit Jahren keine bekannten Erkrankungen mehr vor. Impfen sollten sich auch alle Naturfreunde, die sich viel im Wald oder auf Wiesen aufhalten, also Wanderer, Jogger, Radfahrer, Hundehalter und nat├╝rlich Kinder – gerade junge Kinder haben eine ideale Gr├Â├če, um von Zecken erreicht zu werden, die im hohen Gras oder im Dickicht sitzen.“

Es gibt viele Menschen, die Impfungen ablehnen.
Bock-Hensley: „Es gibt keine Impfung ohne m├Âgliche Nebenwirkungen. Die FSME-Impfung wird aber sehr gut vertragen. Jeder muss f├╝r sich Nutzen und Risiko gegeneinander abw├Ągen. Die Impfung macht der Hausarzt ├╝brigens kostenlos. Wichtig: Aus bislang unbekannten Gr├╝nden verl├Ąuft eine FSME-Erkrankung bei ├Ąlteren Menschen schwerer als bei jungen Menschen – Rentner, die sich gerne in der Natur aufhalten, sollten sich unbedingt impfen lassen.“

Was tun bei Borreliose-Verdacht?

Gegen Borreliose gibt es keine Impfung. Wie sind die Behandlungserfolge einzusch├Ątzen?
Bock-Hensely: „Das kommt darauf an. Eine Borreliose-Infektion ist recht leicht durch das „Erythemamigrans“ zu erkennen – also eine oft kreisrunde „Err├Âtung“ der Haut rund um den Stich. Hier kann der Hausarzt sofort mit Antibiotika helfen. Wurde die Infektion aber nicht erkannt, hilft sp├Ąter nur eine Diagnostik, weil Symptome wie starke Kopf- und Gliederschmerzen oder Fieber auch viele andere Ursachen haben k├Ânnen. Hier wird es also komplizierter sowohl die Infektion festzustellen, als auch zu behandeln.“

Gibt es eigentlich keine M├Âglichkeit, die Zeckenplage zu bek├Ąmpfen, so wie bei den Stechm├╝cken?
Bock-Hensley: „Dar├╝ber ist uns nichts bekannt.“

Kann man sich durch Pr├Ąparate gegen Zecken sch├╝tzen?
Bock-Hensley: „Nat├╝rlich helfen so genannte Repellentien, die auch zur Abwehr von M├╝cken verwendet werden. Aber das ist kein echter Schutz.“

Kinder sollten nach jedem „Naturbesuch“ nach Zecken abgesucht werden.

Was kann man sonst machen, um sich gegen Zeckenbisse zu sch├╝tzen?
Bock-Hensley: „Am wichtigsten sind bei Erwachsenen lange Hosen. Bei Kindern ist das schwieriger wegen der K├Ârpergr├Â├če. Hier gilt: Kinder m├╝ssen nach jedem Ausflug ins Gr├╝ne sorgf├Ąltig nach Zecken abgesucht werden.“

Gibt es K├Ârperstellen, die man besonders genau nach Zecken absuchen sollte?
Bock-Hensley: „Da m├Âchte ich mich nicht festlegen – Zecken suchen sich eine geeignete Stelle, die kann aber fast ├╝berall sein.“

Es hei├čt, je fr├╝her eine Zecke entfernt wird, umso geringer sei die Gefahr einer Infektion mit Borreliose und FSME. Trifft das zu?
Bock-Hensley: „Das ist absolut richtig. FSME-Erreger befinden sich in den Speicheldr├╝sen der Zecke, die Borrelien im Darm. Je k├╝rzer die Stichzeit ist, desto weniger Erreger k├Ânnen ├╝bertragen werden.“

Muss man bei jedem Zeckenstich mit einer Infektion rechnen?
Bock-Hensley: „Ja und Nein. Eine relativ frische endemische Untersuchung hat ergeben, dass 0,1 bis 5 Prozent der Zecken das FSME-Virus in sich tragen und rund 10 bis 35 Prozent die Borreliose-Bakterien – je nach Gebiet. Jetzt zu sagen, jeder 20te Stich ├╝bertr├Ągt FSME und jeder zehnte bis dritte Borreliose ist mehr als riskant. Ein einziger Stich kann entscheidend sein – den Zecken sieht man nicht, welche Erreger sie in sich tragen. Ich wiederhole das gerne nochmals: Die Impfung sch├╝tzt zuverl├Ąssig vor FSME und nach einen Stich sollte man genau auf eine R├Âtung der Haut wegen Borreliose achten.“

Zecken selbst entfernen?

Kann man Zecken selbst entfernen oder sollte man lieber zu einem Arzt gehen?
Bock-Hensley: „Das macht man selbst, damit muss man keinen Arzt besch├Ąftigen.“

Stimmen die Volksweisheiten, dass man Zecken erst mit ├ľl betreufeln und dann „gegen den Uhrzeiger herausdrehen“ sollte?
Bock-Hensley: „Das ist Quatsch. Man nimmt ein Pinzette, packt die Zecke m├Âglichst nah der Haut und zieht sie raus. Alles, was man drauf tr├Ąufelt, erstickt das Tier, das wird panisch und „├╝bergibt“ sich in die Wunde – was das Risiko einer Infektion erh├Âht.“

Sollte man die Zecken untersuchen lassen?
Bock-Hensley: „F├╝nzig Prozent aller Erkrankten k├Ânnen sich nicht an einen Zeckenbiss erinnern. Auch wenn die untersuchte Zecke „sauber“ ist, wissen Sie noch nicht, ob Sie nicht noch von einer anderen gestochen wurden und selbst wenn Erreger nachgewiesen werden, hei├čt das nicht, dass Sie infiziert wurden. Das Geld kann man sich sparen.“

zeckenschule

Die Seite "Zeckenschule" informiert zum Thema. Bild: Zeckenschule.de

Link:
Informationsseiten des Pharma-Herstellers Baxter GmbH
Zeckenschule: Animierte Seite f├╝r Eltern und Kinder zum Thema Zecken
Zeckeninformationsseite

Service:
Das Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreise informiert in einer eigenen Ausstellung zum Thema „Zecken“:
„Vom 13. bis 30. April k├Ânnen sich Interessierte im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis/Gesundheitsamt Heidelberg ├╝ber Gefahren informieren, die von der Zecke als ├ťbertr├Ąger von Krankheiten ausgehen. Und nat├╝rlich dar├╝ber, wie man sich sch├╝tzt.

Zur Kl├Ąrung vieler offener Fragen rund um die Zecke er├Âffnen Dr. Bodo-Falk Hoffmann, stellvertretender Landrat, und Dr. med. Rainer Schwertz, stellv. Amtsleiter des Gesundheitsamtes, am Dienstag, 13. April, um 11.00 Uhr die ÔÇ×Wanderausstellung Zecken“. Zu sehen sind gro├čformatige Infotafeln, Schauk├Ąsten, Filme und Animationen sowie echte Zecken unter dem Binokular. Alle Besucher sind herzlich eingeladen, sich umfassend informieren, aufkl├Ąren und ├╝berraschen zu lassen. Die Ausstellung ist Montag – Freitag von 8.00 bis 16.30 ge├Âffnet.“